Aktuelle Lage in Syrien (Antwort zu Drs. 21/65)
Text
Aktuelle Lage in Syrien (Antwort zu Drs. 21/65)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/124
21. Wahlperiode 07.05.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffen Kotré, Gerold Otten, Martin
Hess und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/65 –
Aktuelle Lage in Syrien
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Die Assad-Regierung wurde am 8. Dezember 2024 von der HTS (Hay’at
Tahrir al-Sham) gestürzt. Diese islamistische Gruppe wurde wiederholt von
der Türkei unterstützt, während der Westen durch seine Sanktionen indirekt
dazu beitrug, die Assad-Regierung wirtschaftlich zu schwächen (vgl. www.na
chdenkseiten.de/?p=131050). Die westlichen Sanktionen führten nach
Auffassung der Fragesteller zu erheblichen Schäden für die syrische Gesellschaft, die
es den Menschen zunehmend erschwerten, sich gegen islamistische
Extremisten zur Wehr zu setzen.
Zu allem hinzu kam die Förderung der bewaffneten syrischen, von Islamisten
dominierten, Opposition u. a. durch westliche Staaten (vgl. M. Lüders: Wer
den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet. C. H. Beck, München
2015). Seit der Gründung der Koalition der syrischen Opposition (ETILAF)
hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben die ETILAF im Zeitraum von
2015 bis 2019 mit insgesamt rund 839 000 Euro unterstützt, davon im Jahr
2018 mit rund 195 000 Euro. Insbesondere wurde in diesem Zeitraum ein
Büro der ETILAF in Berlin finanziert (Plenarprotokoll 19/123). Allerdings gibt
die ETILAF auf ihrer offiziellen Webseite an, dass die Bundesregierung ein
Verbindungsbüro in Berlin bereits seit 2013 gefördert habe (en.etilaf.org/pres
s/grand-opening-of-the-syrian-coalition-liaison-office-in-berlin). Des Weiteren
weist die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/7562 aus, dass die finanzielle Förderung der ETILAF im
Jahr 2018 220 559,63 Euro betrug, was von der zuvor genannten Angabe von
195 000 Euro erheblich abweicht. Die vorliegende Kleine Anfrage dient unter
anderem der Klärung des vorgenannten Sachverhalts.
Der islamistische Charakter der neuen Herrscher zeigt sich unter anderem in
den Massakern an den Alawiten und ihrem Vorgehen gegen Christen (vgl. u. a.
www.ohchr.org/en/press-briefing-notes/2025/03/syria-distressing-scale-violen
ce-coastal-areas; www.lemkininstitute.com/red-flag-alerts/red-flag-alert-for-sy
ria:-genocidal-sectarian-violence-against-alawites?%20fbclid=IwY2xjawI_gP
hleHRuA2FlbQIxMAABHapmevG4stVA9knD3ow9xM9tUIMO_e4yai5znZ5
Le_Cn07bgYJmKdH8AWA_aem_qBxNBsR6lbrrAwGNb16nLw; csi-de.de/a
rtikel/syrien-islamistischer-druck-auf-christen-waechst/).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 7. Mai 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zu der Lage der Alawiten
und Christen sowie anderer religiösen Minderheiten in Syrien gebildet,
und wenn ja, wie lautet diese?
Die Bundesregierung verfolgt die Situation von Minderheiten in Syrien sehr
aufmerksam und macht sich im Rahmen direkter Gespräche vor Ort mit
relevanten Partnern ein Bild zur Entwicklung der Lage. Bedenken bringt die
Bundesregierung bei Bedarf im angemessenen Rahmen an.
2. Haben Vertreter der Bundesregierung seit dem 8. Dezember 2024 mit
Repräsentanten der Kirchen oder christlichen Hilfsorganisationen, die in
Syrien tätig sind, Gespräche geführt, und wenn ja, wann, wo, und mit
wem?
Im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung pflegen Vertreterinnen und Vertreter
der Bundesregierung (Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische
Staatssekretärinnen und Parlamentarische Staatssekretäre, Staatsministerinnen
und Staatsminister sowie Staatssekretärinnen und Staatssekretäre der
Bundesministerien) den Informationsaustausch mit einer Vielzahl von Personen,
darunter auch regelmäßig mit Repräsentanten und Repräsentantinnen
unterschiedlicher Konfessionen und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Beispielhaft zu
nennen ist das Treffen der Bundesministerin des Auswärtigen, Annalena
Baerbock, mit Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Konfessionen in
Syrien bei ihrem Besuch in Damaskus im März 2025. Details zu Personen und
Treffen sind aus Fürsorgegründen vertraulich.
3. Hat sich die Bundesregierung zur Zusammenarbeit mit Ungarn im
Rahmen seines Hilfsprogramms für Christen und andere bedrohte religiöse
Minderheiten im Nahen Osten eine Auffassung gebildet, und wenn ja,
wie lautet diese (vgl. hungaryhelps.gov.hu/en/programs/persecuted-christ
ians-and-other-communities)?
Eine Zusammenarbeit mit Ungarn in diesen Bereichen ist nicht geplant. Die
Bundesregierung fördert diverse Schutzprogramme beispielsweise für
Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger.
4. Wird sich die Bundesregierung für eine unabhängige Untersuchung der
Massaker an den Alawiten und Christen in Syrien unter der neuen HTS-
Regierung einsetzen, z. B. auf UN-Ebene (bitte begründen)?
5. Ist der Bundesregierung bekannt, dass der Gouverneur von Tartus, Herr
Ayrut, der die syrische Untersuchung hinsichtlich der Massaker an den
Alawiten leiten soll, einem Gremium angehört, das Alawiten als
„Abtrünnige, die abgeschlachtet werden müssen“ bezeichnet hat, und wenn
ja, welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung hieraus für die
Objektivität der Untersuchung (vgl. www.ots.at/presseaussendung/OTS_
20250318_OTS0098/offener-brief-an-die-eu-kommission-streichung-vo
n-der-eu-terrorliste-und-unlemkins-institut-syrien-hts-massaka-bericht)?
Die Fragen 4 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung setzt sich für eine starke Übergangsjustiz und die
Einbindung der Vereinten Nationen (VN) ein. Das schließt auch die Aufarbeitung
jüngster Gewaltausschreitungen mit ein. Die Bundesregierung unterstützt zu
diesem Zweck auch die entsprechenden VN-Mechanismen (International,
Impartial and Independent Mechanism, Independent Institution on Missing
Persons in Syria, Büro des Hochkommissars für Menschenrechte, Interdependent
International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic) finanziell.
Die Bundesregierung hat keine eigenen Erkenntnisse über Einlassungen
einzelner Personen im Sinne der Fragestellung.
6. Trifft nach Auffassung der Bundesregierung die Einschätzung des
renommierten Lemkin-Instituts zu, wonach die Alawiten in Syrien einer
genozidalen Gewalt ausgesetzt sind (bitte begründen), und wenn ja,
welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung daraus (vgl. www.le
mkininstitute.com/red-flag-alerts/red-flag-alert-for-syria:-genocidal-secta
rian-violence-against-alawites?%20fbclid=IwY2xjawI_gPhleHRuA2Flb
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Die Bundesregierung hat die entsprechenden Gewalttaten klar verurteilt und die
Einschätzung des Instituts zur Kenntnis genommen. Ob diese Gewalttaten den
Straftatbestand des Völkermords erfüllen, kann nur von unabhängigen
Gerichten entschieden werden.
7. Strebt die Bundesregierung ein rechtliches Vorgehen (evtl. zusammen
mit anderen Partnerstaaten) vor dem Internationalen Strafgerichtshof
gegen Syrien an, und wenn ja, welche Schritte hierzu hat sie bislang
unternommen (bitte begründen)?
Hat sich die Bundesregierung mit den folgenden, nach Ansicht der
Fragesteller als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu klassifizierenden,
Tatbeständen (juristisch) auseinandergesetzt, und wenn ja, zu welchen
Schlussfolgerungen ist sie dabei gekommen:
a) Völkermord – UN-Völkermordkonvention von 1948 und Römisches
Statut,
b) Kriegsverbrechen – Genfer Konventionen von 1949,
c) Folter und Misshandlung – UN-Konvention gegen Folter,
d) Verschwindenlassen – UN-Konvention zum Schutz aller Personen
vor dem Verschwindenlassen,
e) Versklavung – UN-Pakt über bürgerliche und politische Rechte,
f) Verbrechen sexueller Gewalt – UN-CEDAW (Convention on the
Elimination of All Forms of Discrimination Against Women)-
Protokolle,
g) Zwangsumsiedlung – UN-IOM (Internationale Organisation für
Migration)-Protokolle (bitte begründen, vgl. www.ots.at/presseaussendu
ng/OTS_20250318_OTS0098/offener-brief-an-die-eu-kommission-st
reichung-von-der-eu-terrorliste-und-unlemkins-institut-syrien-hts-ma
ssaka-bericht)?
Solange Syrien sich nicht der Jurisdiktion des Internationalen Strafgerichtshofs
(IStGH) unterwirft, ist der IStGH für Straftaten, die in Syrien begangen
wurden, nicht zuständig. Daher strebt die Bundesregierung ein rechtliches
Vorgehen vor dem IStGH nicht an. Die Prüfung, ob Verbrechen gegen die
Menschlichkeit begangen wurden, obliegt unabhängigen Gerichten.
Zu der Frage, ob Syrien sich unter der neuen Regierung in Zukunft dem IStGH
anschließen wird und sich damit der Jurisdiktion des IStGHs unterwirft, liegen
keine Informationen vor. Deutschland würde eine Zusammenarbeit zwischen
Syrien und dem IStGH zur Aufklärung von möglichen Verbrechen begrüßen.
8. Auf welcher Rechtsgrundlage wurde nach Kenntnis der Bundesregierung
der syrische Außenminister al-Shaibani (HTS) von der EU-Terrorliste
gestrichen (vgl. www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250318_OTS009
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terrorlisteund-unlemkins-institut-syrien-hts-massaka-bericht)?
9. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung weitere HTS-Mitglieder, HTS-
Anhänger bzw. Repräsentanten der syrischen Regierung von der EU-
Terrorliste gestrichen worden, und wenn ja, welche, und warum (bitte auch
die Rechtsgrundlagen angeben)?
10. Strebt die Bundesregierung eine Streichung von HTS von der EU- und
UN-Terrorliste an (bitte begründen, vgl. www.europarl.europa.eu/RegDa
ta/etudes/BRIE/2025/767245/EPRS_BRI(2025)767245_EN.pdf)?
Die Fragen 8 bis 10 werden gemeinsam beantwortet.
Die Europäische Union setzt Listungen des Sicherheitsrats (SR) der Vereinten
Nationen mit Bezug zur VNSR-Resolution 1267 (1999) um (siehe Beschluss
(GASP) 2016/1693 des Rates vom 20. September 2016 betreffend restriktive
Maßnahmen gegen ISIL (Da'esh) und Al-Qaida). EU-Listungen mit Bezug zu
HTS ergeben sich aus entsprechenden Listungen durch den VN-Sicherheitsrat.
Für Listungsfragen auf VN-Ebene ist der durch den Sicherheitsrat eingesetzte
sogenannte 1267-Sanktionsausschuss zuständig.
11. Sind der Bundesregierung andere Staaten bekannt (wenn ja, bitte
nennen), welche die HTS bzw. einzelne ihrer Mitglieder und/oder Anhänger
von ihrer Terrorliste gestrichen haben?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
12. Ist für die Bundesregierung die Aufgabe der russischen Militärbasen in
Syrien (Hmeimim, Tartus) die Voraussetzung für die vollständige
Aufhebung der Syrien-Sanktionen (bitte begründen, vgl. www.nachdenkseite
n.de/?p=126950 sowie www.nachdenkseiten.de/?p=126640)?
13. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung dazu gebildet, welche
Kriterien die syrische Regierung erfüllen müsste, damit die EU-
Sanktionen vollständig aufgehoben werden, und wenn ja, wie lautet diese
Auffassung?
Die Fragen 12 und 13 werden gemeinsam beantwortet.
Die EU-Sanktionen wurden gegen das ehemalige Assad-Regime und mit
diesem verbundene Personen und Entitäten verhängt. Sowohl Sektor- als auch
Individualsanktionen waren Reaktionen auf Verbrechen des Assad-Regimes.
Eine Lockerung bzw. Aufhebung von EU-Sanktionen kann nur im
Einvernehmen aller EU-Mitgliedstaaten erfolgen. Die Voraussetzungen hierfür werden im
EU-Kreis verhandelt. Auch eine Lockerung bzw. Aufhebung von VN-
Sanktionen kann nur im Einvernehmen aller VN-Sicherheitsratsmitglieder erfolgen.
14. Hat sich die Bundesregierung zur neuen syrischen Regierung eine
Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese (vgl. www.katholisch.de/
artikel/60530-neue-syrische-regierung-auch-eine-christin-ist-dabei)?
Es wird auf die einschlägige Erklärung in der Regierungspressekonferenz vom
2. April 2025 verwiesen (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierung
spressekonferenz-vom-2-april-2025-2340266).
15. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zur Integration von IS-
Terroristen und anderen Dschihadisten in die syrische Armee gebildet,
und wenn ja, wie lautet diese, und welche Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung daraus (vgl. www.die-tagespost.de/politik/menschenrec
htler-is-terroristen-in-neuer-syrischer-armee-art-259177)?
Die Bundesregierung ist Teil der internationalen Anti-IS-Koalition und setzt
sich für eine Zusammenarbeit mit der neuen syrischen Regierung im Kampf
gegen den sogenannten Islamischen Staat ein.
Zudem setzt sich die Bundesregierung für eine Aufarbeitung der während des
syrischen Bürgerkrieges begangenen Verbrechen ein, was auch Angehörige des
sogenannten Islamischen Staates einschließt.
16. Wofür sollen die 2024 sowie 2025 auf nationaler Ebene sowie durch die
EU beschlossenen zusätzlichen Mittel (bitte auf EU-Ebene den
deutschen Anteil angeben) verwendet werden (bitte nach Vorhaben,
Projekten, Zuwendungssumme, Organisationen (auch Trägerorganisationen)
und Förderzeitraum angeben), und wie soll hierbei ausgeschlossen
werden, dass die Gelder direkt oder indirekt HTS oder anderen
Terrororganisationen zugutekommen (vgl. www.tagesschau.de/ausland/europa/geber-
konferenz-syrien-zusagen-100.html sowie www.spiegel.de/politik/deutsc
hland/annalena-baerbock-aussenministerin-sagt-300-millionen-euro-zusa
etzliche-syrien-hilfen-zu-a-bdb01a7d-6982-46ea-bebc-10b94ca88894)?
Die von der Bundesregierung bei der IX. Brüsseler Syrien-Konferenz im
Rahmen der vorläufigen Haushaltsführung zugesagten Mittel in Höhe von rund
300 Mio. Euro verteilen sich auf Syrien sowie die Bedarfe syrischer
Geflüchteter in den Nachbarländern. Sie stammen aus Mitteln des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Auswärtigen
Amts. Für Bedarfe in Syrien selbst werden aus dieser Gesamtsumme über die
Hälfte der Mittel zur Verfügung gestellt. Diese Hilfe erfolgt weiterhin, wie auch
in den Jahren des Assad-Regimes, ausschließlich regierungsfern über VN-
Organisationen und Nichtregierungsorganisationen (NROs). Es wurden und
werden keine Mittel der syrischen Regierung zur Verfügung gestellt. Die
humanitäre Hilfe wird von den VN-Organisationen und
Nichtregierungsorganisationen nach den humanitären Grundsätzen in allen Landesteilen Syriens
eingesetzt.
Zur Frage nach dem Ausschluss der Finanzierung von HTS und anderen
Terrororganisationen wird auf die Antworten der Bundesregierung auf die
Schriftlichen Fragen 23 und 71 der Abgeordneten Steffen Kotré und Rocco Kever auf
Bundestagsdrucksache 21/88 verwiesen.
Die EU hat bei der IX. Brüsseler Syrien-Konferenz Mittel in Höhe von knapp
2,5 Mrd. Euro zugesagt; dabei werden EU-Mittel nicht nach Beiträgen der
Länder für die jeweiligen Ausgaben differenziert. Der deutsche Anteil am
gesamten EU-Haushalt beträgt 24,68 Prozent.
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17. Wie viele Syrer sind seit dem 8. Dezember 2024 freiwillig aus
Deutschland nach Syrien ausgereist (bitte angeben, bei wie vielen die Rückkehr
finanziell gefördert wurde, auch durch EU-Mittel, und nach Monaten
aufschlüsseln)?
Die freiwillige Ausreise aus Deutschland nach Syrien wird über mehrere
Programme durch den Bund und die Länder gefördert:
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) organisiert seit dem
13. Januar 2025 freiwillige Ausreisen nach Syrien im Rahmen des Bund-
Länder-Programms REAG/GARP 2.0 (Reintegration and Emigration Programme
for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted Repatriation
Programme). Über das Programm können ausschließlich mittellose Personen bei
der Rückkehr in ihr Herkunftsland oder in einen aufnahmebereiten Drittstaat
gefördert werden. Bisher sind 464 Personen über das Programm nach Syrien
ausgereist (Stand: 15. April 2025; es handelt sich um vorläufige Daten).
Es besteht zudem seit dem Jahr 2017 die Möglichkeit, freiwillige Ausreisen
nach Syrien durch Programme der Bundesländer zur organisieren und zu
fördern. Nach erfolgter Ausreise kann dann ein Antrag auf anteilige
Refinanzierung der entstandenen Kosten an das BAMF gestellt werden. Der durch den
Bund erstattete Anteil der Kosten ist hierbei analog zu den Vorgaben des
REAG/GARP-Programms. Im Jahr 2024 sind 87 Personen im Rahmen dieses
Verfahrens gefördert worden, im Jahr 2025 bisher 77 Personen (Stand:
31. März 2025; es handelt sich um vorläufige Daten).
Es wird darauf hingewiesen, dass die angegebenen Daten nicht die Gesamtzahl
der freiwilligen Ausreisen nach Syrien abbilden, sondern lediglich die Fälle, in
denen ein Antrag auf REAG/GARP-Förderung oder Refinanzierung an das
BAMF übermittelt wurde.
Es existieren zudem weitere Länderprogramme, über die freiwillige Ausreisen
gefördert werden, für die nach erfolgter Ausreise kein Antrag auf
Refinanzierung gestellt wird. Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor.
Hinzu kommt die Anzahl der freiwilligen Ausreisen ohne Förderung. Behörden
haben nicht immer Kenntnis davon, wenn eine Person Deutschland freiwillig
verlässt.
Weitere Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung – auch zu freiwilligen
Ausreisen ohne Förderung – liegen der Bundesregierung nicht vor.
18. Wie viele Syrer haben seit dem 8. Dezember 2024 einen Asylantrag in
Deutschland gestellt (bitte nach Monaten aufschlüsseln und, wenn
möglich, die religiöse Zugehörigkeit der Asylantragsteller angeben)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden, wobei
darauf hinzuweisen ist, dass die Daten zu Religionszugehörigkeiten auf
freiwilligen Angaben der Asylantragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens
beruhen.
Dezember 2024 Asylanträge
insgesamt
davon
Erstanträge Folgeanträge
Syrien gesamt 2 831 2 753 78
davon nach Religionszugehörigkeiten
Islam 2 623 2 549 74
unbekannt 134 132 2
Christentum 25 24 1
konfessionslos 18 17 1
Dezember 2024 Asylanträge
insgesamt
davon
Erstanträge Folgeanträge
Yeziden 16 16 0
sonstige Glaubensgemeinschaften/Vereinigungen 15 15 0
Januar 2025 Asylanträge
insgesamt
davon
Erstanträge Folgeanträge
Syrien gesamt 4 640 4 540 100
davon nach Religionszugehörigkeiten
Islam 4 221 4 127 94
unbekannt 205 204 1
Christentum 116 113 3
Yeziden 33 33 0
konfessionslos 59 58 1
sonstige Glaubensgemeinschaften/Vereinigungen 6 5 1
Februar 2025 Asylanträge
insgesamt
davon
Erstanträge Folgeanträge
Syrien gesamt 3 172 3 095 77
davon nach Religionszugehörigkeiten
Islam 2 899 2 828 71
unbekannt 141 140 1
Christentum 65 65 0
konfessionslos 32 30 2
Yeziden 32 29 3
sonstige Glaubensgemeinschaften/Vereinigungen 3 3 0
März 2025 Asylanträge
insgesamt
davon
Erstanträge Folgeanträge
Syrien gesamt 1 944 1 870 74
davon nach Religionszugehörigkeiten
Islam 1 763 1 695 68
unbekannt 123 122 1
Christentum 27 25 2
konfessionslos 17 16 1
Yeziden 13 11 2
sonstige Glaubensgemeinschaften/Vereinigungen 1 1 0
19. Wann wird der temporäre Verfahrensaufschub für syrische Asylbewerber
beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aufgehoben
(bitte begründen, vgl. www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2024/2
41220-syrien-verfahrensaufschub.html?nn=282388)?
Die anhaltend volatile Lage in Syrien lässt derzeit noch keine Einschätzung zu,
wann Entscheidungen zu syrischen Antragstellenden wieder vollumfänglich
aufgenommen werden können.
20. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Staaten (insbesondere
Mitgliedstaaten der Europäischen Union), die nach Syrien abschieben (wenn
ja, bitte angeben, seit wann, und welche, auch religiösen, Gruppen von
Syrern dies betrifft)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
21. Hat die Bundesregierung Kenntnis, wie viele Syrer seit dem 8.
Dezember 2024 auf Heimaturlaub in Syrien waren, und wenn ja, wie
positioniert sich die Bundesregierung zur Umsetzung des geltenden Rechts,
wonach ein solcher Urlaub zum Verlust des Schutzstatus (bei wenigen
Ausnahmen) führt (vgl. www.tagesschau.de/inland/rueckkehr-syrische-fluec
htlinge-heimatbesuch-100.html)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
22. Bis wann wird voraussichtlich die wiedereröffnete deutsche Botschaft in
Damaskus den vollständigen Betrieb aufnehmen (vgl. www.tagesscha
u.de/ausland/asien/baerbock-botschaft-syrien-102.html)?
24. Betrachtet die Bundesregierung die Unterstützung bei der Koordinierung
der Rückkehr der Syrer als eine der Prioritäten der wiedereröffneten
deutschen Botschaft in Damaskus (bitte begründen)?
Die Fragen 22 und 24 werden gemeinsam beantwortet.
Die Botschaft wird ihre Tätigkeiten schrittweise und entsprechend der Lage vor
Ort wieder aufnehmen.
23. Bis wann wird voraussichtlich nach Kenntnis der Bundesregierung die
syrische Botschaft in Berlin ihren Betrieb vollumfänglich
wiederaufnehmen?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
25. Haben Vertreter der Bundesregierung seit dem 8. Dezember 2024
Gespräche zur Lage in Syrien mit Repräsentanten der türkischen Regierung
geführt, und wenn ja, wann, wo, und mit wem?
Angesichts der Bedeutung der Türkei im Kontext der aktuellen Entwicklungen
in Syrien führte die Bundesregierung im genannten Zeitraum zahlreiche
Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen mit türkischen Regierungsvertretern, die
die Lage in Syrien zum Gegenstand hatten.
So stand das Thema etwa im Fokus des Gesprächs, das die
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am 20. Dezember 2024 mit Außenminister Hakan
Fidan in Ankara führte. Auch bei ihrem Gespräch am Rande der
Syrienkonferenz in Riad am 12. Januar 2025 tauschten sich die Minister zum Thema aus.
Am 10. Dezember 2024 fand zudem ein Telefonat zwischen Bundeskanzler
Olaf Scholz und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan statt.
Zahlreiche weitere Gespräche von Repräsentanten der Bundesregierung hatten
die Lage in Syrien zum Thema oder umfassten dieses neben anderen Themen.
Eine erschöpfende Aufzählung des Themas in Gesprächen zwischen deutschen
und türkischen Regierungsvertreterinnen und -vertretern würde die
Vertraulichkeit verletzen und daher zu Belastungen für das bilaterale Verhältnis führen.
26. In welcher Höhe wurde die u. a. von Claudia Roth (BÜNDNIS 90/ DIE
GRÜNEN), Michael Lüders (BSW), Ruprecht Polenz (CDU), Andrea
Nahles (SPD) sowie Jan van Aken (Die Linke) unterstützte
Nichtregierungsorganisation (NGO) Adopt a Revolution seit 2012 sowie ihr
Trägerverein about:change e. V. durch die Bundesregierung gefördert (bitte
nach Jahren und Vorhaben/Projekten aufschlüsseln, vgl. adoptrevolution.
org/wp-content/uploads/2012/12/Appell_Syrien_Freiheit_braucht_Beista
nd.pdf sowie www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R004050/32496?ba
ckUrl=%2Fsuche%3Fq%3DAdopt%2Ba%2Brevolution%26pageSize%3
D25%26filter%255Bactivelobbyist%255D%255Btrue%255D%3Dtrue%
26sort%3DRELEVANCE_DESC)?
Die Organisation about:change e. V./Adopt a Revolution hat zwischen den
Jahren 2013 und 2025 finanzielle Förderungen mit Haushaltsmitteln des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erhalten.
Zum einen wurden Haushaltsmittel über die Heinrich-Böll-Stiftung für das
Projekt Eye on Syria zur Verfügung gestellt. Im Rahmen der Förderung gab es eine
Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung am 28. Mai 2015 mit dem Titel
„Syrien in der Sackgasse“, bei der auch syrische Aktivistinnen und Aktivisten
zu Wort kamen.
Förderzeitraum Projektbezeichnung Fördersumme in Euro
2013 Eye on Syria 14 000,00
2014 Eye on Syria 15 000,00
2015 Eye on Syria 9 075,00
2016 Eye on Syria 14 000,00
2017 Eye on Syria 15 000,00
2018 Eye on Syria 24 000,00
2019 Eye on Syria 24 000,00
2020 Eye on Syria 26 000,00
2021 Eye on Syria 34 000,00
2022 Eye on Syria 30 000,00
2023 Eye on Syria 50 000,00
2024 Eye on Syria 60 000,00
2025 Eye on Syria 40 000,00
Zum anderen wurden Haushaltsmittel über die Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zur Verfügung gestellt, die aber nicht
eine konkrete Förderung des Projekts Eye on Syria zum Gegenstand hatten.
Förderzeitraum
Projektbezeichnung Fördersumme
in Euro
2021–2023 Stärkung von friedensstiftenden und konfliktbearbeitenden zivilen
Akteurinnen und Akteuren und zivilgesellschaftlicher Strukturen in Syrien und
in Deutschland (gefördert durch das GIZ-Vorhaben
„Qualifizierungsoffensive für die Syrische Zivilgesellschaft“)
364 649,00
2024–2025 Unterstützung und Kapazitätsaufbau von vier lokalen Organisationen
(gefördert durch das GIZ-Vorhaben „BRIDGE – Förderung der
Handlungsfähigkeit der syrischen Zivilgesellschaft“)
264 743,00
Die Organisation about:change e. V. hat zwischen den Jahren 2013 und 2018
finanzielle Förderung mit Haushaltsmitteln des Auswärtigen Amts erhalten.
Die Förderung erfolgte im zweistufigen Zuwendungsverfahren durch das
Förderprogramm zivik (zivile Konfliktbearbeitung) des Instituts für
Auslandsbeziehungen.
Förderzeitraum Projektbezeichnung Fördersumme
in Euro
16.10.2013–15.02.2014 Civil Society Center für Syrien 63 422,44
16.05.2014–31.12.2014 Civil Society Center für Syrien II 148 597,58
01.02.2015–31.07.2015 Civil Society Center für Syrien III 98 041,95
01.04.2016–31.12.2016 Civil Society Center für Syrien IV – Stärkung
zivilgesellschaftlichen Engagements und demokratischer Prozesse in
Syrien
216 937,63
01.03.2017–31.12.2017 Zivile Zentren in Syrien – Räume der Demokratie,
Menschenrechte und zivilgesellschaftlicher Gestaltung
223 983,73
01.04.2018–31.12.2018 Zivilgesellschaftliche Zentren in Syrien – Räume für Dialog,
rechtliche Aufklärung und friedenspädagogische
Bildungsarbeit
234 853,13
27. Haben sich Vertreter der Bundesregierung seit 2012 mit Repräsentanten
von Adopt a Revolution oder about:change e. V. (vgl. Frage 26)
getroffen, und wenn ja, welche, wann, und mit wem?
Eine lückenlose Aufstellung von Treffen in dem unterschiedliche
Legislaturperioden umfassenden Zeitraum kann nicht gewährleistet werden. Die
nachfolgenden Ausführungen bzw. aufgeführten Angaben erfolgen auf Grundlage
vorliegender Erkenntnisse sowie vorhandener Unterlagen und Aufzeichnungen.
Das parlamentarische Fragerecht als politisches Kontrollrecht ist darüber
hinaus auf die Überprüfung des Verhaltens der Bundesregierung gerichtet (vgl.
BVerfGE 67, 100 [144]). Nach Auffassung der Bundesregierung ist das
Verhalten einzelner Beschäftigter unterhalb der Leitungsebene grundsätzlich nicht
Gegenstand der parlamentarischen Kontrolle. Zudem werden Treffen von
Mitarbeitenden der Ressorts und ihrer Geschäftsbereichsbehörden statistisch nicht
erfasst und können schon wegen der großen Zahl der Mitarbeitenden nicht
nachträglich verlässlich rekonstruiert werden. Die Antwort wird daher auf die
Leitungsebenen der Ressorts beschränkt, das heißt, ab der Ebene der
Staatssekretäre und Staatssekretärinnen.
In diesem Sinne wird die Frage verneint.
28. Auf welche Weise wurden die Stimmen von syrischen oppositionellen
Aktivisten im bundesgeförderten Projekt Eye on Syria in die
Öffentlichkeit getragen (Print- und Onlinebeiträge etc., vgl. www.lobbyregister.bun
destag.de/suche/R004050/32496?backUrl=%2Fsuche%3Fq%3DAdopt%
2Ba%2Brevolution%26pageSize%3D25%26filter%255Bactivelobbyist
%255D%255Btrue%255D%3Dtrue%26sort%3DRELEVANCE_DESC),
und sieht die Bundesregierung es als problematisch an, eine Organisation
zu fördern, die
a) für einen bundesweiten Abschiebestopp nach Syrien,
b) für die Abschaffung der Passbeschaffungspflicht gemäß dem
Aufenthaltsgesetz,
c) für die Beendigung des EU-Türkei-Deals bei der Migration,
d) gegen die Ausweitung sicherer Gebiete in Syrien
eintritt (bitte begründen, vgl. www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R0
04050/32496?backUrl=%2Fsuche%3Fq%3DAdopt%2Ba%2Brevolution
%26pageSize%3D25%26filter%255Bactivelobbyist%255D%255Btrue%
255D%3Dtrue%26sort%3DRELEVANCE_DESC)?
Im Rahmen der freien Meinungsäußerung können Zuwendungsempfänger
außerhalb der durch die Bundesregierung geförderten Projekte einzelne
Positionen verfolgen, die nicht mit der aktuellen politischen Position der
Bundesregierung übereinstimmen, solange ein grundsätzliches deutsches
Bundesinteresse an der Förderung besteht.
Auf die Antwort zu Frage 26 wird verwiesen.
29. Warum hat die Bundesregierung im Jahr 2015 im Zuge der
Migrationskrise an den Syrien-Sanktionen festgehalten, die den Migrationsdruck
aus Syrien bis heute verstärken und gleichzeitig ihre Hilfe für die UN-
Hilfsorganisationen vor Ort und in den Nachbarstaaten Syrien reduziert
(vgl. www.nachdenkseiten.de/?p=131050 sowie www.unhcr.org/news/st
ories/wfp-food-cuts-threaten-tens-thousands-syrian-families-unhcr-w
arns)?
Die EU-Sanktionslistungen wurden 2011 als Reaktion auf das gewaltsame
Vorgehen und die damit verbundenen Verbrechen des Assad-Regimes gegen die
Zivilbevölkerung in Syrien verhängt. Die ergriffenen Maßnahmen richteten
sich gezielt gegen das Regime und dessen Unterstützer sowie gegen jene
Wirtschaftszweige, von denen das Regime profitierte.
Die Summen der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die die
Bundesregierung 2015 in Syrien und in von der Syrienkrise betroffenen
Nachbarstaaten gezahlt hat, wurden gegenüber den Hilfsleistungen für die
Syrienkrise von 2014 angehoben.
30. Hat sich die Bundesregierung zur Gefahr und Wahrscheinlichkeit von
militärischen Zusammenstößen zwischen der Türkei und Israel in Syrien
eine Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese (vgl. www.indian
punchline.com/syria-enters-new-era-amidst-uncertainties/)?
Die Bundesregierung setzt sich für die Achtung der territorialen Integrität
Syriens ein.
31. Sieht die Bundesregierung die Chancen und die Notwendigkeit einer
internationalen Zusammenarbeit hinsichtlich Syrien in den Bereichen
a) Non-Proliferation von Massenvernichtungswaffen,
b) Eindämmung des illegalen Waffenhandels,
c) Vernichtung aller chemischen Waffen,
d) Bekämpfung des internationalen Terrorismus,
e) weitere Bereiche (bitte nennen),
und wenn ja, welche diplomatischen Schritte, z. B. auf Ebene der
Vereinten Nationen, unternimmt die Bundesregierung hierzu (vgl. www.ng.ru/d
ipkurer/2024-12-22/9_9161_syria.html)?
Der Sturz des Assad-Regimes und die Formierung der neuen syrischen
Regierung haben eine wichtige Chance zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit
in den genannten Bereichen im Bereich der Bekämpfung von
Massenvernichtungswaffen und des internationalen Terrorismus eröffnet.
Syrien ist Mitglied der Organisation für das Verbot chemischer Waffen
(OVCW). Die OVCW steht mit der Übergangsregierung Syriens in engem
Austausch, um die chemischen Waffen des Assad-Regimes verifiziert zu
vernichten, Beweismittel sicherzustellen und das syrische
Chemiewaffenprogramm endgültig zu beenden. Die Bundesregierung unterstützt diese
Bemühungen finanziell und steht auch bereit, konkret an der Vernichtung der syrischen
Chemiewaffen mitzuwirken, sofern die syrische Regierung diese Unterstützung
anfordert.
Syrien ist Signatarstaat des Übereinkommens über das Verbot von biologischen
und Toxinwaffen, hat dieses aber nicht ratifiziert. Die Bundesregierung setzt
sich für die Universalisierung dieses wichtigen völkerrechtlichen Vertrags, der
eine gesamte Kategorie von Massenvernichtungswaffen verbietet, ein und wirbt
dafür, dass Syrien möglichst bald Vertragsstaat wird.
Im Nuklearbereich erfolgt die Zusammenarbeit mit Syrien über die
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Hier gab es unter dem Assad-Regime
Nachfragen der IAEO zu vergangenen Nuklearaktivitäten Syriens. Die
Bemühungen der IAEO zur Klärung dieser noch offenen Safeguards-Fragen werden
von der Bundesregierung unterstützt. Im Rahmen des neuen Dialogs mit der
syrischen Regierung wird die Bundesregierung auch dafür eintreten, dass
Syrien den Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen
unterzeichnet und für die Ratifikation des Internationalen Abkommens zur
Bekämpfung nuklearterroristischer Handlungen werben.
Die Bundesregierung setzt sich auch für eine Zusammenarbeit der Anti-IS-
Koalition mit Syrien ein.
Die Bundesregierung befürwortet die Bemühungen der Vereinten Nationen und
des VN-Sondergesandten für Syrien zur Unterstützung der politischen
Transition in Syrien.
32. Wie stellt die Bundesregierung eine ausreichende Beteiligung von
deutschen Unternehmen am Wiederaufbau Syriens sicher (bitte begründen)?
Um den Wiederaufbau Syriens zu ermöglichen, ist zunächst eine weitere
zielgerichtete Lockerung von Sanktionen und der damit verbundene Abbau von
Investitionshemmnissen notwendig. Dafür setzt sich die Bundesregierung
weiterhin ein.
33. Wie schätzt die Bundesregierung die Lage der Frauen in Syrien vor dem
Hintergrund ihrer „feministischen Außenpolitik“ ein (vgl. www.auswaert
iges-amt.de/resource/blob/2585008/d444590d5a7741acc6e37a14295917
0e/ll-ffp-data.pdf)?
Die Lage der Frauen in Syrien ist für die Bundesregierung von großer
Bedeutung und wurde in diversen Gesprächen mit der neuen Regierung thematisiert.
Einbindung in den und Teilhabe von Frauen im politischen Transitionsprozess
sind essentiell für eine Stabilisierung Syriens.
34. Welche Gründe liegen der Diskrepanz zwischen den angegebenen
Förderbeträgen von 220 559,63 Euro für das Jahr 2018 und der früher
genannten Summe von 195 000 Euro zugrunde (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
35. Wie erklärt die Bundesregierung den Widerspruch zwischen ihrer
Angabe, dass das Büro der ETILAF in Berlin seit 2015 gefördert wird, und
der Aussage der ETILAF, dass eine Förderung bereits seit 2013 besteht
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Fragen 34 und 35 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen 98
und 99 des Abgeordneten Steffen Kotré auf Bundestagsdrucksache 20/12255
verwiesen.
36. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über politische Verfolgung
gegenüber Anhängern der Assad-Regierung, den bisherigen, vor dem 8.
Dezember 2024 bestehenden Parteien, und wenn ja, wie lauten diese, und
welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus (vgl. csi-d
e.de/artikel/syrien-islamistischer-druck-auf-christen-waechst/)?
Die Bundesregierung hat keine eigenen Erkenntnisse über die politische
Verfolgung von Assad-Anhängern. Die Bundesregierung verurteilt Gewalt gegen
Zivilisten aller politischer Ausrichtungen, Ethnien und Religionen auf das
Schärfste.
37. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Anzahl der ausländischen
Kämpfer auf dem syrischen Territorium, und wenn ja, welche (bitte
Organisation, Staatsangehörigkeit bzw. Ethnie oder den Wohnsitz vor
Ausreise nach Syrien nennen und insbesondere auf die Tschetschenen
und die deutschen Staatsangehörigen eingehen, vgl. www.lemkininstitut
e.com/red-flag-alerts/red-flag-alert-for-syria:-genocidal-sectarian-violenc
e-against-alawites?%20fbclid=IwY2xjawI_gPhleHRuA2FlbQIxMAAB
HapmevG4stVA9knD3ow9xM9tUIMO_e4yai5znZ5Le_Cn07bgYJmKd
H8AWA_aem_qBxNBsR6lbrrAwGNb16nLw)?
Die Bundesregierung hat keine eigenen detaillierten Kenntnisse über die
genaue Anzahl und Herkunft ausländischer Kämpfender in Syrien.
Zu deutschen Islamisten bzw. Islamisten aus Deutschland liegen Erkenntnisse
zu mehr als 1 150 Personen vor, die ursprünglich in Richtung Syrien/Irak
gereist sind. Zu etwa 65 Prozent dieser gereisten Personen liegen konkrete
Anhaltspunkte vor, dass diese auf Seiten des sogenannten Islamischen Staates, der
Al-Qaida oder denen nahestehender Gruppierungen sowie anderer
terroristischer Gruppierungen an Kampfhandlungen teilnehmen bzw. teilgenommen
haben oder diese in sonstiger Weise unterstützen bzw. unterstützt haben. Aktuell
halten sich nach Kenntnis der Bundesregierung 400 Personen im Ausland auf.
38. An welche Bedingungen soll die Unterstützung der Stabilisierung und
des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Syriens laut der Bundesregierung
geknüpft werden (vgl. dynamic.faz.net/download/2025/KoaV_2025_Gesa
mt_Stand_0409.pdf, S. 128)?
Das Engagement der Bundesregierung für die Stabilisierung und den
Wiederaufbau Syriens ist an Erwartungen an einen inklusiven politischen Prozess
geknüpft, die der syrischen Regierung in Gesprächen wiederholt vermittelt
wurden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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