Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer Rohstoffe (Antwort zu Drs. 21/7488)
Text
Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer Rohstoffe (Antwort zu Drs. 21/7488)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7684
21. Wahlperiode 21.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzisnki, Kurt
Kleinschmidt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/7488 –
Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer
Rohstoffe
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Kritische und strategische Rohstoffe sind für die industrielle
Leistungsfähigkeit, Energiesicherheit, Digitalisierung, Hochtechnologie, Luft- und
Raumfahrt sowie für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie der
Bundesrepublik Deutschland von erheblicher Bedeutung. Dies betrifft unter anderem
Seltene Erden, Gallium, Germanium, Grafit, Magnesium, Wolfram, Antimon,
Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan, Titan und weitere Rohstoffe und Vorprodukte.
Mit der Verordnung (EU) 2024/1252 zur Schaffung eines Rahmens zur
Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen
Rohstoffen – Critical Raw Materials Act – wurden unter anderem Vorgaben zur
Überwachung von Lieferketten, zu Stresstests, zur Koordinierung
strategischer Vorräte und zur Risikovorsorge großer Unternehmen geschaffen.
Artikel 22 der Verordnung sieht vor, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen
Kommission Informationen über strategische Vorräte strategischer Rohstoffe
übermitteln. Artikel 23 sieht die Entwicklung von Richtwerten für ein sicheres
Niveau strategischer Vorräte der Union vor (vgl.: https://eur-lex.europa.eu/leg
al-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ%3AL_202401252).
Nach Kenntnis der Fragesteller arbeitet die Europäische Union an einer ersten
koordinierten Bevorratung kritischer Rohstoffe. Unter anderem betrifft dies
Wolfram, Seltene Erden und Gallium; weitere Rohstoffe wie Magnesium,
Germanium und Grafit sollen ebenfalls geprüft werden. Deutschland soll dabei,
neben Frankreich und Italien, eine wichtige Rolle in entsprechenden
Arbeitsformaten einnehmen.
1. Welche Rolle nimmt Deutschland aktuell bei der Strategie der
Europäischen Union zur koordinierten Bevorratung kritischer und strategischer
Rohstoffe ein?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
20. August 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. An welchen Arbeitsgruppen, Expertengremien, Unterarbeitsgruppen oder
sonstigen Formaten der Europäischen Union zur strategischen
Rohstoffbevorratung ist die Bundesregierung gegebenenfalls beteiligt?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beteiligt sich in einer
„Coalition of the Willing“ an den konzeptionellen Arbeiten der Stockpiling-Initiative
der Europäischen Kommission (KOM) im Rahmen der Umsetzung des
Aktionsplan RESourceEU und leitet dort die Arbeitsgruppe zum Thema „demand
and production“.
3. Welche Bundesministerien, nachgeordneten Behörden oder sonstige
öffentlichen Stellen vertreten Deutschland gegebenenfalls in diesen in
Frage 2 erfragten Formaten?
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wird bei seiner Initiative
von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) unterstützt.
4. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung gegebenenfalls in
den europäischen Gesprächen zur Bevorratung kritischer und
strategischer Rohstoffe, und in welchen Formaten werden diese
kommuniziert?
Die Bundesregierung verfolgt das im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und
SPD vereinbarte Ziel, die Bevorratung wichtiger Rohstoffe zu erleichtern. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu den Fragen 1 und 2 verwiesen.
5. Welche Rohstoffe oder Rohstoffgruppen stehen nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit auf europäischer Ebene für eine erste koordinierte
Bevorratung im Fokus?
6. Welche weiteren Rohstoffe werden nach Kenntnis der Bundesregierung
auf europäischer Ebene für eine Bevorratung geprüft (vgl. Frage 5)?
Die Fragen 5 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
Der aktuelle Stand der Arbeiten ist nicht öffentlich. Die Bundesregierung wird
zu gegebener Zeit über das Ergebnis der Beratungen informieren.
7. Nach welchen Kriterien wird auf europäischer Ebene entschieden,
welche Rohstoffe bevorratet werden sollen, und in welchen Mengen
(bitte einzeln auflisten)?
Die Kriterien richten sich nach den Vorgaben des Critical Raw Materials Act
(CRMA) sowie dem Aktionsplan RESourceEU der KOM, mit denen die
europäischen Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe langfristig geschützt
werden sollen. Der aktuelle Stand der Arbeiten ist nicht öffentlich.
8. Welche Rolle spielen bei dieser Priorisierung (vgl. Frage 7) insbesondere
verteidigungsindustrielle Relevanz, Abhängigkeit von einzelnen
Drittstaaten, Substituierbarkeit, Lagerfähigkeit, Preisvolatilität,
Verarbeitungs- und Raffinationskapazitäten in Europa sowie Bedeutung für
kritische Infrastruktur?
9. Welche Positionen hat die Bundesregierung zu diesen in Frage 8
genannten Kriterien auf europäischer Ebene gegebenenfalls eingebracht?
Die Fragen 8 und 9 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die in der Frage genannten Kriterien waren und sind, neben weiteren,
Gegenstand der Überlegungen im Zusammenhang mit den Arbeiten im europäischen
Kontext.
10. Hat die Bundesregierung der Europäischen Kommission gemäß
Artikel 22 der Verordnung (EU) 2024/1252 Informationen über strategische
Vorräte strategischer Rohstoffe übermittelt?
a) Wenn ja, in welchem Kontext?
b) Wenn ja, wann erfolgte diese Übermittlung, durch welche Stelle, und
unter welcher Ressortfederführung?
c) Wenn nein, warum nicht, und wann beabsichtigt die
Bundesregierung, die entsprechenden Informationen zu übermitteln?
11. Welche strategischen Rohstoffe wurden oder werden nach Kenntnis der
Bundesregierung in der deutschen Meldung nach Artikel 22 der
Verordnung (EU) 2024/1252 berücksichtigt?
12. Gibt es in Deutschland derzeit staatliche, halbstaatliche oder im
staatlichen Auftrag gehaltene Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe?
a) Wenn ja, welche Rohstoffe werden bevorratet, in welchen Mengen,
in welcher Produktform, durch welche Stellen, und auf welcher
Rechtsgrundlage?
b) Wenn nein, warum hält die Bundesregierung bislang keine eigenen
staatlichen oder im staatlichen Auftrag gehaltenen Vorräte kritischer
oder strategischer Rohstoffe vor?
Die Fragen 10 bis 12b werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Derzeit gibt es keine staatlichen, halbstaatlichen oder im staatlichen Auftrag
gehaltenen Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe in Deutschland.
Dieser Sachverhalt wurde der KOM im übermittelten Bericht gemäß Artikel 22 des
CRMA auch mitgeteilt.
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls darüber, in
welchem Umfang Unternehmen in Deutschland private Vorräte kritischer
oder strategischer Rohstoffe halten?
Der Bundesregierung liegen dazu derzeit keine Informationen vor, die über die
öffentlich zugänglichen Informationen durch die Unternehmen selbst oder
durch die Presse hinausgehen und die nicht dem Schutz von
Geschäftsgeheimnissen unterliegen.
14. Plant die Bundesregierung, Daten zur privaten Vorratshaltung kritischer
und strategischer Rohstoffe systematisch zu erheben, und wenn ja, auf
welcher Rechtsgrundlage, und ab wann?
15. Welche Maßnahmen prüft oder plant die Bundesregierung
gegebenenfalls, um die Bevorratung wichtiger Rohstoffe durch Unternehmen zu
erleichtern?
16. Prüft die Bundesregierung derzeit steuerliche, finanzielle oder
regulatorische Maßnahmen zur Unterstützung der Bevorratung, insbesondere
Rücklagenmodelle, Sonderabschreibungen, Lagerfinanzierungen,
Kreditgarantien oder staatlich besicherte Abnahmevereinbarungen?
Die Fragen 14 bis 16 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung prüft derzeit ergebnisoffen alle grundsätzlich infrage
kommenden Optionen zur Unterstützung der Lagerhaltung durch die
Unternehmen. Diese Prüfung ist aktuell noch nicht abgeschlossen.
17. Welche Mittel sind im Bundeshaushalt oder in Sondervermögen für
Maßnahmen gegebenenfalls zur Bevorratung, Sicherung oder
Diversifizierung kritischer und strategischer Rohstoffe vorgesehen (bitte auflisten
und Haushaltstitel nennen)?
Die Mittel für den Rohstofffonds sind im Einzelplan 09 des Bundeshaushalts
(Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) in Haushaltstitel 0904 67101
verzeichnet. Derzeit sind keine Haushaltsmittel für weitere Instrumente
vorgesehen, da die Prüfung der möglichen Optionen noch nicht abgeschlossen ist,
siehe auch die Antwort zu den Fragen 14 bis 16.
18. Welche Rolle soll der „Rohstofffonds“ der Bundesregierung (bzw. das
Rohstoffförderprogramm über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
(vgl. www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteil
ungen/2024/10/20241002-rohstofffonds-der-bundesregierung-starte
t.html) bei der mittelbaren oder unmittelbaren Unterstützung von
Bevorratung, strategischen Vorräten, Abnahmevereinbarungen oder
Zugriffsmöglichkeiten auf kritische Rohstoffe spielen?
Mit dem Rohstofffonds beteiligt sich der Bund an aussichtsreichen
Rohstoffprojekten, die einen Beitrag zur Sicherung und Diversifizierung der
Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft leisten. Abnahmevereinbarungen mit
deutschen und europäischen Unternehmen sind eine Voraussetzung dafür, dass
der Rohstofffonds eine Beteiligung eingeht. Eine unmittelbare Unterstützung
von Bevorratung findet durch den Rohstofffonds derzeit nicht statt.
19. Welche Lagerstandorte oder Standorttypen werden nach Kenntnis der
Bundesregierung auf europäischer oder nationaler Ebene für strategische
Rohstoffvorräte geprüft?
20. Werden deutsche Standorte, insbesondere Seehäfen, Binnenhäfen,
Industrieparks, Logistikhubs oder Bundesliegenschaften, als
Lagerstandorte geprüft (vgl. Frage 19)?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
21. Welche Stelle wäre in Deutschland operativ für Verwaltung, Kontrolle,
Qualitätssicherung, Sicherung und Freigabe strategischer Rohstoffvorräte
zuständig?
Die Fragen 19 bis 21 werden aufgrund des Sachszusammenhangs beantwortet.
Im Rahmen der laufenden Arbeiten werden alle infrage kommenden Optionen
ergebnissoffen geprüft. Abhängig vom untersuchten Modell ergeben sich
unterschiedliche Anforderungen und Möglichkeiten des Ob und des Wie in Bezug
auf die örtlichen Erfordernisse. Im Übrigen wird auf die Antwort zu den
Fragen 14 bis 16 verwiesen.
22. Welche Rohstoffe stuft die Bundesregierung als besonders relevant für
die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ein, insbesondere
für Munition, Flugkörper, Sensorik, Radar, Halbleiter, Optik, Optronik,
Permanentmagnete, Batterien, Drohnen, Satelliten, gepanzerte
Fahrzeuge, Schiffbau und Luftfahrt (bitte nach Einsatzbereich spezifizieren)?
Es wird auf die Deutsche Rohstoffstrategie, Analysen der DERA sowie auf die
gemeinsam erarbeiteten EU-weiten Rahmenwerke (z. B. CRMA) und Berichte
der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU (JRC) verwiesen. Der Bedarf an
Rohstoffen für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) unterscheidet
sich nicht wesentlich von dem anderer Hochtechnologiebereiche wie z. B. des
Maschinen- und Fahrzeugbaus, der Pharmazie/Medizintechnik, der Elektro-,
Energie-, Halbleiter- und Nachrichtentechnik oder der Luft- und Raumfahrt. Im
Vergleich zur zivilen Industrie sind die Rohstoffbedarfe der deutschen SVI
deutlich geringer. Die deutsche SVI fungiert abseits der Munitionsproduktion
primär als Weiterverarbeiter und Systemintegrator. Die Verwendung einzelner
Stoffe oder Stoffverbindungen ist z. T. Betriebs- und Geschäftsgeheimnis.
23. Welche konkreten Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung
gegebenenfalls zur Substitution kritischer und strategischer Rohstoffe,
insbesondere bei Seltenen Erden, Gallium, Germanium, Grafit, Wolfram,
Magnesium und Antimon?
Die Bundesregierung selbst ergreift keine Maßnahmen zur Substitution
kritischer und strategischer Rohstoffe, unterstützt aber die Wirtschaft dabei,
kritische Rohstoffe zu substituieren, etwa in Form von entsprechender Förderung
von Forschung und Entwicklung.
24. Welche konkreten Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung
gegebenenfalls neben bereits bestehenden einschlägigen Regulierungen
(z. B. Altfahrzeug-Verordnung) zur Rückgewinnung kritischer und
strategischer Rohstoffe aus Altgeräten, Produktionsabfällen, Batterien,
Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen, Elektromotoren, Magneten,
Fahrzeugen, Rüstungsgütern oder industriellen Reststoffen?
Die Bundesregierung wird die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)
umsetzen, in der konkrete Maßnahmen zur Rückgewinnung kritischer und
strategischer Rohstoffe genannt sind, und prüft fortlaufend, u. a. im Rahmen der
Umsetzung des Aktionsprogramms zur Umsetzung der NKWS, welches am
3. Juni 2026 vom Bundeskabinett beschlossen wurde, in welchen Bereichen
gegebenenfalls zusätzliche oder ergänzende Maßnahmen zur Rückgewinnung
kritischer und strategischer Rohstoffe notwendig sind, und wird bei gegebenem
Anlass rechtzeitig darüber informieren.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer Rohstoffe (Antwort)