Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer Rohstoffe
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Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer Rohstoffe
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7488
21. Wahlperiode 06.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzisnki, Kurt Kleinschmidt, Dr. Malte
Kaufmann, Marc Bernhard, Bernd Schattner, Uwe Schulz, Andreas Mayer und der
Fraktion der AfD
Deutsche Rolle bei der strategischen Bevorratung kritischer und strategischer
Rohstoffe
Kritische und strategische Rohstoffe sind für die industrielle
Leistungsfähigkeit, Energiesicherheit, Digitalisierung, Hochtechnologie, Luft- und Raumfahrt
sowie für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie der Bundesrepublik
Deutschland von erheblicher Bedeutung. Dies betrifft unter anderem Seltene
Erden, Gallium, Germanium, Grafit, Magnesium, Wolfram, Antimon, Lithium,
Nickel, Kobalt, Mangan, Titan und weitere Rohstoffe und Vorprodukte.
Mit der Verordnung (EU) 2024/1252 zur Schaffung eines Rahmens zur
Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen
Rohstoffen – Critical Raw Materials Act – wurden unter anderem Vorgaben zur
Überwachung von Lieferketten, zu Stresstests, zur Koordinierung strategischer
Vorräte und zur Risikovorsorge großer Unternehmen geschaffen. Artikel 22 der
Verordnung sieht vor, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Kommission
Informationen über strategische Vorräte strategischer Rohstoffe übermitteln.
Artikel 23 sieht die Entwicklung von Richtwerten für ein sicheres Niveau
strategischer Vorräte der Union vor (vgl.: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/D
E/TXT/HTML/?uri=OJ%3AL_202401252).
Nach Kenntnis der Fragesteller arbeitet die Europäische Union an einer ersten
koordinierten Bevorratung kritischer Rohstoffe. Unter anderem betrifft dies
Wolfram, Seltene Erden und Gallium; weitere Rohstoffe wie Magnesium,
Germanium und Grafit sollen ebenfalls geprüft werden. Deutschland soll dabei,
neben Frankreich und Italien, eine wichtige Rolle in entsprechenden
Arbeitsformaten einnehmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Rolle nimmt Deutschland aktuell bei der Strategie der
Europäischen Union zur koordinierten Bevorratung kritischer und strategischer
Rohstoffe ein?
2. An welchen Arbeitsgruppen, Expertengremien, Unterarbeitsgruppen oder
sonstigen Formaten der Europäischen Union zur strategischen
Rohstoffbevorratung ist die Bundesregierung gegebenenfalls beteiligt?
3. Welche Bundesministerien, nachgeordneten Behörden oder sonstige
öffentlichen Stellen vertreten Deutschland gegebenenfalls in diesen in
Frage 2 erfragten Formaten?
4. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung gegebenenfalls in
den europäischen Gesprächen zur Bevorratung kritischer und strategischer
Rohstoffe, und in welchen Formaten werden diese kommuniziert?
5. Welche Rohstoffe oder Rohstoffgruppen stehen nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit auf europäischer Ebene für eine erste koordinierte
Bevorratung im Fokus?
6. Welche weiteren Rohstoffe werden nach Kenntnis der Bundesregierung
auf europäischer Ebene für eine Bevorratung geprüft (vgl. Frage 5)?
7. Nach welchen Kriterien wird auf europäischer Ebene entschieden, welche
Rohstoffe bevorratet werden sollen, und in welchen Mengen (bitte einzeln
auflisten)?
8. Welche Rolle spielen bei dieser Priorisierung (vgl. Frage 7) insbesondere
verteidigungsindustrielle Relevanz, Abhängigkeit von einzelnen
Drittstaaten, Substituierbarkeit, Lagerfähigkeit, Preisvolatilität, Verarbeitungs- und
Raffinationskapazitäten in Europa sowie Bedeutung für kritische
Infrastruktur?
9. Welche Positionen hat die Bundesregierung zu diesen in Frage 8
genannten Kriterien auf europäischer Ebene gegebenenfalls eingebracht?
10. Hat die Bundesregierung der Europäischen Kommission gemäß Artikel 22
der Verordnung (EU) 2024/1252 Informationen über strategische Vorräte
strategischer Rohstoffe übermittelt?
a) Wenn ja, in welchem Kontext?
b) Wenn ja, wann erfolgte diese Übermittlung, durch welche Stelle, und
unter welcher Ressortfederführung?
c) Wenn nein, warum nicht, und wann beabsichtigt die Bundesregierung,
die entsprechenden Informationen zu übermitteln?
11. Welche strategischen Rohstoffe wurden oder werden nach Kenntnis der
Bundesregierung in der deutschen Meldung nach Artikel 22 der
Verordnung (EU) 2024/1252 berücksichtigt?
12. Gibt es in Deutschland derzeit staatliche, halbstaatliche oder im
staatlichen Auftrag gehaltene Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe?
a) Wenn ja, welche Rohstoffe werden bevorratet, in welchen Mengen, in
welcher Produktform, durch welche Stellen, und auf welcher
Rechtsgrundlage?
b) Wenn nein, warum hält die Bundesregierung bislang keine eigenen
staatlichen oder im staatlichen Auftrag gehaltenen Vorräte kritischer
oder strategischer Rohstoffe vor?
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls darüber, in
welchem Umfang Unternehmen in Deutschland private Vorräte kritischer
oder strategischer Rohstoffe halten?
14. Plant die Bundesregierung, Daten zur privaten Vorratshaltung kritischer
und strategischer Rohstoffe systematisch zu erheben, und wenn ja, auf
welcher Rechtsgrundlage, und ab wann?
15. Welche Maßnahmen prüft oder plant die Bundesregierung gegebenenfalls,
um die Bevorratung wichtiger Rohstoffe durch Unternehmen zu
erleichtern?
16. Prüft die Bundesregierung derzeit steuerliche, finanzielle oder
regulatorische Maßnahmen zur Unterstützung der Bevorratung, insbesondere
Rücklagenmodelle, Sonderabschreibungen, Lagerfinanzierungen,
Kreditgarantien oder staatlich besicherte Abnahmevereinbarungen?
17. Welche Mittel sind im Bundeshaushalt oder in Sondervermögen für
Maßnahmen gegebenenfalls zur Bevorratung, Sicherung oder Diversifizierung
kritischer und strategischer Rohstoffe vorgesehen (bitte auflisten und
Haushaltstitel nennen)?
18. Welche Rolle soll der „Rohstofffonds“ der Bundesregierung (bzw. das
Rohstoffförderprogramm über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
(vgl. www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilu
ngen/2024/10/20241002-rohstofffonds-der-bundesregierung-startet.html)
bei der mittelbaren oder unmittelbaren Unterstützung von Bevorratung,
strategischen Vorräten, Abnahmevereinbarungen oder
Zugriffsmöglichkeiten auf kritische Rohstoffe spielen?
19. Welche Lagerstandorte oder Standorttypen werden nach Kenntnis der
Bundesregierung auf europäischer oder nationaler Ebene für strategische
Rohstoffvorräte geprüft?
20. Werden deutsche Standorte, insbesondere Seehäfen, Binnenhäfen,
Industrieparks, Logistikhubs oder Bundesliegenschaften, als Lagerstandorte
geprüft (vgl. Frage 19)?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
21. Welche Stelle wäre in Deutschland operativ für Verwaltung, Kontrolle,
Qualitätssicherung, Sicherung und Freigabe strategischer Rohstoffvorräte
zuständig?
22. Welche Rohstoffe stuft die Bundesregierung als besonders relevant für die
deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ein, insbesondere für
Munition, Flugkörper, Sensorik, Radar, Halbleiter, Optik, Optronik,
Permanentmagnete, Batterien, Drohnen, Satelliten, gepanzerte Fahrzeuge,
Schiffbau und Luftfahrt (bitte nach Einsatzbereich spezifizieren)?
23. Welche konkreten Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung
gegebenenfalls zur Substitution kritischer und strategischer Rohstoffe,
insbesondere bei Seltenen Erden, Gallium, Germanium, Grafit, Wolfram,
Magnesium und Antimon?
24. Welche konkreten Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung
gegebenenfalls neben bereits bestehenden einschlägigen Regulierungen
(z. B. Altfahrzeug-Verordnung) zur Rückgewinnung kritischer und
strategischer Rohstoffe aus Altgeräten, Produktionsabfällen, Batterien,
Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen, Elektromotoren, Magneten,
Fahrzeugen, Rüstungsgütern oder industriellen Reststoffen?
Berlin, den 27. Juli 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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