Genehmigung, Kontrolle und Monitoring atmosphärischer Stoffeinträge durch Forschungs- und Militärflüge sowie Wettermodifikationsprogramme
Text
Genehmigung, Kontrolle und Monitoring atmosphärischer Stoffeinträge durch Forschungs- und Militärflüge sowie Wettermodifikationsprogramme
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6975
21. Wahlperiode 09.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann, Dr. Christoph Birghan,
Dr. Ingo Hahn, Stefan Schröder, Sergej Minich, Robin Jünger, Martin Reichardt,
Dr. Paul Schmidt, René Bochmann, Sven Wendorf, Maximilian Kneller, Manuel
Krauthausen, Marcel Queckemeyer und der Fraktion der AfD
Genehmigung, Kontrolle und Monitoring atmosphärischer Stoffeinträge durch
Forschungs- und Militärflüge sowie Wettermodifikationsprogramme
International werden Verfahren zur Wetterbeeinflussung sowie Ansätze der
atmosphärischen Aerosolforschung erprobt. Über Freisetzungen von Stoffen in
die Atmosphäre wurde unter anderem im Zusammenhang mit folgenden
Vorhaben berichtet: Make Sunsets (USA) mit wiederholten Ballonfreisetzungen von
Schwefeldioxid (vgl. https://makesunsets.com/, https://srm360.org/outdoor-exp
eriments/make-sunsets), das SATAN-Projekt (Vereinigtes Königreich, 2022)
mit einer Freisetzung von rund 400 Gramm SO2 in der Stratosphäre (https://srm
360.org/outdoor-experiments/satan/) sowie Versuche zur Marine Cloud
Brightening in Australien unter Einsatz von Seesalz-Aerosolen (vgl. www.barrierree
f.org/news/explainers/what-is-cloud-brightening). Großskalige Cloud-Seeding-
Programme unter Verwendung von Silberiodid werden unter anderem China
und Marokko zugeschrieben (www.theguardian.com/world/2024/sep/12/
chinacloud-seeding-weather-modification, www.moroccoworldnews.com/2024/08/1
5 5 23/). Auf Ebene der Europäischen Union laufen zudem Projekte wie
Co‑CREATE (https://co-create-project.eu/) und GENIE (GeoEngineering and
NegatIve Emissions pathways in Europe) (https://cordis.europa.eu/project/id/95
1542).
Vor diesem Hintergrund und angesichts von Berichten über erhöhte
Spurenelementgehalte in Niederschlägen, etwa im Zusammenhang mit einer
Vergleichsanalyse des Instituts für chemische Verfahrenstechnik Tuzla aus dem Jahr 2022
(www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1352231003005624), besteht nach
Auffassung der Fragesteller ein erhebliches öffentliches Interesse an
Transparenz hinsichtlich Genehmigungen, möglicher tatsächlicher Stoffeinträge sowie
der Leistungsfähigkeit des Umweltmonitorings in Deutschland, insbesondere
im Hinblick auf mögliche Einträge in Luft, Boden, Wasser und Nahrungskette.
Hinzu kommt in den Augen der Fragesteller, dass Deutschland in erheblichem
Umfang landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Marokko und Staaten der Levante
importiert.
Die Luftraumhoheit liegt nach Artikel 1 des Abkommens über die
internationale Zivilluftfahrt bei der Bundesrepublik Deutschland. Genehmigungen und
Aufsicht erfolgen je nach Sachverhalt insbesondere durch das
Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF), die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS), das
Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sowie bei militärischen Flügen durch das
Bundesministerium der Verteidigung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Genehmigungen für Flüge im deutschen Luftraum wurden in den
Jahren 2020 bis 2025 erteilt, bei denen atmosphärische Messungen,
insbesondere zu Aerosolen, Wolken oder Spurengasen, durchgeführt wurden
oder bei denen die Freisetzung von Stoffen in die Atmosphäre Bestandteil
des beantragten oder genehmigten Flugprofils war (wenn keine vollständige
statistische Erfassung vorliegt, bitte die vorhandenen Daten sowie die
Gründe für etwaige Erfassungslücken darstellen)?
2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über Vorhaben,
bei denen Aerosole, Partikel oder andere Stoffe gezielt in die Atmosphäre
eingebracht wurden bzw. werden sollten, die beantragt oder geplant waren,
soweit diese den deutschen Luftraum betreffen?
3. Welche Messprogramme existieren zur Erfassung der Deposition
atmosphärischer Stoffeinträge in Böden, Oberflächengewässern, Grundwasser und
landwirtschaftlichen Erzeugnissen?
4. In welchem Umfang werden dabei (vgl. Frage 3) Spurenelemente wie
Aluminium, Barium, Beryllium, Cadmium, Nickel und Strontium erfasst, und
welche Methoden, insbesondere ICP‑MS (Massenspektrometrie mit
induktiv gekoppeltem Plasma), kommen dabei zum Einsatz?
5. Werden bei Saharastaub-Ereignissen gezielte Analysen auf die in der
Vergleichsanalyse des Instituts für chemische Verfahrenstechnik Tuzla aus dem
Jahr 2022 berichteten Spurenelemente durchgeführt, und welche Ergebnisse
liegen hierzu vor (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung im Rahmen der amtlichen
Lebensmittelüberwachung zu möglichen Rückständen von Cloud-Seeding-
Substanzen, insbesondere Silberiodid, in importierten Lebensmitteln aus
Marokko und Staaten der Levante vor?
7. Wie bewertet die Bundesregierung mögliche kumulative Einträge aus
Flugbetrieb, insbesondere durch JP‑8 (Jet Propellant 8)‑Abgase, internationalen
Wettermodifikationsprogrammen und atmosphärischen Ferntransporten in
Luft, Boden, Wasser und Nahrungskette, und auf welcher Datengrundlage
erfolgt diese Bewertung, welche Unsicherheiten oder Datenlücken bestehen
nach Kenntnis der Bundesregierung?
8. Welche Behörden sind für die Genehmigung und Überwachung solcher
Flüge zuständig, und nach welchen Kriterien, insbesondere im Hinblick auf
Umweltverträglichkeit und mögliche Stoffeinträge, erfolgt die Prüfung (vgl.
Frage 7)?
9. Sieht die Bundesregierung angesichts der genannten internationalen
Entwicklungen Anpassungsbedarf beim Umweltmonitoring oder bei den
Genehmigungsverfahren, und wenn nein, aus welchen Gründen wird ein
solcher Anpassungsbedarf verneint?
Berlin, den 17. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Christoph Birghan (Kleine Anfrage)
- asked ← Ingo Hahn (Kleine Anfrage)
- asked ← Manuel Krauthausen (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcel Queckemeyer (Kleine Anfrage)
- asked ← Martin Reichardt (Kleine Anfrage)
- asked ← Maximilian Kneller (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Kaufmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Nicole Höchst (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← René Bochmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Robin Jünger (Kleine Anfrage)
- asked ← Sergej Minich (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Schröder (Kleine Anfrage)
- asked ← Sven Wendorf (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Michael Kaufmann
- authored ← Nicole Höchst
- part_of_vorgang → Genehmigung, Kontrolle und Monitoring atmosphärischer Stoffeinträge durch Forschungs- und Militärflüge sowie Wettermodifikationsprogramme (Kleine Anfrage)