Geoengineering - Risiken, geostrategische Nutzung und staatliche Kontrollpflichten (Antwort zu Drs. 21/2079)
Text
Geoengineering - Risiken, geostrategische Nutzung und staatliche Kontrollpflichten (Antwort zu Drs. 21/2079)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2338
21. Wahlperiode 20.10.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Gerrit Huy, Dr. Michael Blos, Udo
Theodor Hemmelgarn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2079 –
Geoengineering – Risiken, geostrategische Nutzung und staatliche
Kontrollpflichten
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Geoengineering bezeichnet Ansätze zur Klimamodifikation, die in den
meisten Fällen zu großräumigen technischen Eingriffen in die Umwelt führen.
Diese Eingriffe haben Auswirkungen sowohl auf das Klima als auch auf
sonstige Umweltgüter oder den Menschen. Die Wirksamkeit und die Folgen von
Geoengineering-Maßnahmen sind mit dem heute verfügbaren Wissen kaum zu
prognostizieren (www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publika
tion/long/4125.pdf). Die Ansätze zur Klima-Modifikation bergen große
Risiken für Umwelt und Gesellschaft (www.umweltbundesamt.de/themen/klima-e
nergie/internationale-klimapolitik/geoengineering#undefined).
Die Methoden des Geoengineerings lassen sich in zwei Gruppen einordnen:
Bei der einen will man CO2 aus der Atmosphäre zurückholen und irgendwo
unschädlich einlagern. Dieser Prozess wird Carbon Dioxide Removal (CDR)
oder Negative Emissions Technology (NET) genannt. Bei der anderen Gruppe
wird unter dem Überbegriff „Solar Radiation Management” (SRM) erwogen,
das auf die Erde fallende Sonnenlicht teilweise abzuschirmen (www.ews-scho
enau.de/export/sites/ews/energiewende-magazin/.files/05-energiewende-maga
zin.pdf).
Im Dezember 2023 hat die Bundesregierung ihre Strategie zur
Klimaaußenpolitik veröffentlicht (www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2633116/8ea71a
517304862954bff70434c3994e/kap-strategie-en-data.pdf). Darin heißt es zu
SRM: „Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten, Implikationen und Risiken
kommt Solar Radiation Management (SRM) für die Bundesregierung derzeit
als klimapolitische Option nicht in Betracht“ (https://dserver.bundestag.de/bt
d/20/137/2013772.pdf#page=4).
CDR-Methoden ordnet die Bundesregierung nicht mehr dem Begriff
Geoengineering zu (https://dserver.bundestag.de/btd/20/078/2007860.pdf#page=2).
In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der
AfD zum aktuellen Stand des Geoengineerings in Deutschland
(Bundestagsdrucksache 20/13772) heißt es, dass derzeit keine Forschungsvorhaben zu
SRM aus dem Bundeshaushalt gefördert werden oder geplant sind. Auch sind
der Bundesregierung keine entsprechenden Projekte deutscher Einrichtungen
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit vom 20. Oktober 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
oder Unternehmen zu SRM bekannt, die auf experimentelle praktische
Anwendung abzielen.
Angesichts wachsender öffentlicher und wissenschaftlicher Besorgnis sowie
der zu schützenden Interessen der Bevölkerung erscheint den Fragestellern
jedoch eine präzise Auskunft der Bundesregierung zu den Risiken, der
geostrategischen Nutzung und den staatlichen Kontrollpflichten von Geoengineering
geboten.
1. Welche Staaten oder Akteure, soweit zutreffend, sind der Bundesregierung
bekannt, die Geoengineering bereits zu geostrategischen oder
militärischen Zwecken eingesetzt haben?
2. Welche Informationen über strategische Geoengineering-Anwendungen
liegen der Bundesregierung, insbesondere dem Bundesnachrichtendienst,
ggf. vor?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung sind keine geostrategischen oder militärischen
Anwendungen von Solar Radiation Modification (SRM) durch Staaten oder einzelne
Akteure bekannt.
3. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über Aktivitäten internationaler
Organisationen, Forschungseinrichtungen oder privater Unternehmen, die
Geoengineering-Methoden oder im deutschen Staatsgebiet planen oder
durchführen (wenn ja, bitte ausführen)?
Der Bundesregierung sind keine Durchführungen von SRM im deutschen
Staatsgebiet bekannt, auch keine geplanten Durchführungen.
4. Plant die Bundesregierung auf Bundesebene ein vergleichbares Verbot,
angelehnt an die in mehreren US-Bundesstaaten, beispielsweise Florida
(www.flsenate.gov/Laws/Statutes/2025/403.411) und Tennessee (www.bb
c.com/news/world-us-canada-68716894), geplanten Geoengineering-
Beschränkungen, und wenn nein, welche gesundheitlichen,
sicherheitspolitischen oder umweltbezogenen Risiken sieht die Bundesregierung durch
Geoengineering-Eingriffe im deutschen Luftraum möglicherweise?
Die Bundesregierung plant derzeit kein Verbot wie in den genannten US-
Bundesstaaten.
Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten, Implikationen und Risiken kommt
SRM für die Bundesregierung derzeit als klimapolitische Option nicht in
Betracht. Mit Blick auf die internationale Regulierung bekennt sich die
Bundesregierung zur Entscheidung X/33 vom 29. Oktober 2010 unter der
Biodiversitätskonvention CBD (auch „De-Facto-Geoengineering-Moratorium“ genannt).
Es wird insoweit auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 20/8543 verwiesen.
Bezüglich der Risiken von SRM verweisen wir auf die 2025 erschienene
ausführliche Fachbroschüre des Umweltbundesamtes unter www.umweltbundesa
mt.de/publikationen/solar-radiation-modification-srm.
5. Welche Schutzmaßnahmen hat die Bundesregierung ggf. bislang ergriffen,
um eine unkontrollierte oder nichtgenehmigte Anwendung von
Geoengineering-Technologien über deutschem Staatsgebiet zu verhindern?
Es wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
6. Sind der Bundesregierung Luftmessdaten bekannt, die erhöhte
Konzentrationen typischer Geoengineering-Substanzen wie Aluminium, Barium
oder Strontium aufweisen?
a) Wenn ja, welche (bitte mit Stoff, Messzeitraum, Ort und gemessenem
Wert tabellarisch darstellen)?
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung flächendeckende und
dauerhafte Luftmessprogramme zur Früherkennung potenzieller
Geoengineering-Aktivitäten?
Die Fragen 6 bis 6b werden gemeinsam beantwortet.
In den Luftmessdaten der Bundesregierung sind keine erhöhten
Konzentrationen erkennbar, siehe Papier des Umweltbundesamtes unter www.umweltbunde
samt.de/en/publikationen/chemtrails-gefaehrliche-experimente-atmosphaerende
samt.
7. Welche staatlichen oder behördlichen Stellen in Deutschland sind für die
Genehmigung, Überwachung und Bewertung von Geoengineering-
Aktivitäten zuständig?
Es wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
8. Welche Geoengineering-Forschungsvorhaben wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2015 in Deutschland durchgeführt oder unter
Beteiligung deutscher Einrichtungen finanziert (bitte auflisten)?
Im Schwerpunktprogramm (SPP) 1689 der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) zu „Climate Engineering“ wurden im Zeitraum von 2013 bis 2019 24
Projekte gefördert, die sich auch mit SRM befassten (Details unter: www.spp-c
limate-engineering.de/index.php/die-projekte.html). Im Übrigen wird auf die
Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 124 der Abgeordneten
Nicole Höchst auf Bundestagsdrucksache 21/396 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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