Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO vom 29. Mai bis 1. Juni 2026 in Vilnius, Litauen
Text
Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO vom 29. Mai bis 1. Juni 2026 in Vilnius, Litauen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8350
21. Wahlperiode 05.10.2026
Unterrichtung
durch die deutsche Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO
Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO
vom 29. Mai bis 1. Juni 2026 in Vilnius, Litauen
Inhal tsverzeichnis
Seite
1 Teilnehmende der deutschen Delegation ...................................... 2
2 Schwerpunkte der Tagung ............................................................. 2
3 Politischer Ausschuss ..................................................................... 3
4 Ausschuss für Verteidigung und Sicherheit ................................. 5
5 Ausschuss für Demokratie und Sicherheit ................................... 8
6 Ausschuss für Wirtschaft und Sicherheit ..................................... 10
7 Ausschuss für Wissenschaft und Technologie .............................. 12
8 Plenarsitzung ................................................................................... 14
9 Verabschiedete Erklärung ............................................................. 19
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
1 Teilnehmende der deutschen Delegation
Die Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der Nordatlantikpakt-Organisation (North Atlantic
Treaty Organization, NATO PV) fand vom 29. Mai bis 1. Juni 2026 in Vilnius, Litauen, statt. Deutschland hat
18 Sitze in der Versammlung, davon kann der Deutsche Bundestag zwölf Abgeordnete, der Bundesrat sechs
Mitglieder entsenden.
Der Deutsche Bundestag entsandte folgende Mitglieder:
Abgeordnete Marja-Liisa Völlers, Delegationsleiterin (SPD),
Abgeordneter Jürgen Hardt, stellvertretender Delegationsleiter (CDU/CSU),
Abgeordneter Thomas Erndl (CDU/CSU),
Abgeordnete Kerstin Vieregge (CDU/CSU),
Abgeordneter Kurt Kleinschmidt (AfD),
Abgeordneter Jan Nolte (AfD),
Abgeordneter Gerold Otten (AfD),
Abgeordneter Hubertus Heil (SPD),
Abgeordneter Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN),
Abgeordneter Ulrich Thoden (DIE LINKE).
Der Bundesrat entsandte folgende Mitglieder:
Staatsminister Prof. Dr. Roman Poseck (CDU), Hessen,
Senatorin Dr. Eva Högl (SPD), Bremen.
2 Schwerpunkte der Tagung
Die langfristige Unterstützung der Ukraine durch militärische, finanzielle und politische Hilfe sowie deren
Einbindung in die euro-atlantische Sicherheitsstrukturen standen im Mittelpunkt der Beratungen. Des Weiteren
wurden die Stärkung der Abschreckung und Verteidigung durch den Ausbau militärischer Fähigkeiten, die Erhöhung
der Einsatzbereitschaft, eine stärkere Lastenteilung sowie die Abwehr hybrider Bedrohungen durch den besseren
Schutz der kritischen Infrastruktur beraten. Weitere Schwerpunkte waren die Rolle der europäischen Verbündeten
innerhalb der NATO, die strategische Partnerschaft mit Indien, die Sicherheit im Ost- und Nordseeraum sowie
die sicherheitspolitische Bedeutung kritischer Rohstoffe.
Am Freitag besuchte die deutsche Delegation zusammen mit den Mitgliedern des Ständigen Ausschusses die
deutsche Panzerbrigade 45 in Pabradė. Die Mitglieder gewannen einen Einblick in den Aufwuchs der Brigade,
die Herausforderungen bei der Personalgewinnung, Ausstattung und Infrastruktur sowie in die wichtige Aufgabe,
die die deutschen Soldatinnen und Soldaten in Litauen übernehmen.
Die Versammlung veranstaltete zudem zusammen mit der NATO einen Workshop zum Thema
„Innovationsbeschaffung und Beschleunigung der Anpassung an neue technologische Produkte“. Nikos Luotas und Moritz
Zimmermann aus der NATO-Abteilung „Innovation und Rüstung“ nahmen Bezug auf den im Jahr 2025 beschlossenen
Aktionsplan für beschleunigte Anpassung der NATO (Rapid Adoption Action Plan, RAAP) und warben dafür,
innovations- und risikofreudiger zu sein. Gemeinsam mit der Verteidigungsindustrie sollten neue Wege
identifiziert werden, um schneller und kostengünstiger als bisher zu produzieren. Neue Technologien sollten kurzfristig
und in großer Stückzahl verfügbar gemacht werden. Neue Akteure, wie beispielsweise Start-Ups, sollten beteiligt,
private Investitionen zugelassen und ein entsprechender gesetzlicher Rahmen geschaffen werden. Zielmarke solle
eine Frist von 24 Monaten für die Entwicklung neuer Produkte und Fähigkeiten sein. Ukrainische Abgeordnete
(NATO-Kandidat) empfahlen zur Ermittlung des konkreten Bedarfs das Gespräch mit der Offiziersebene zu
suchen und gaben zu Bedenken, dass eine angestrebte Entwicklungsphase von 24 Monaten möglicherweise schon
zu lang sein könnte.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
3 Politischer Ausschuss
Der Politische Ausschuss tagte am Samstag, 30. Mai 2026, unter dem Vorsitz von Sverre Myrli (Norwegen).
Schwerpunkte waren der Beitrag der europäischen Verbündeten zur kollektiven Verteidigung, die strategischen
Interessen der NATO gegenüber Indien und im Hohen Norden.
3.1 Vortrag von Kęstutis Budrys, Außenminister der Republik Litauen, zum Thema
„Transatlantische Entschlossenheit am Vorabend des NATO-Gipfels in Ankara: Sicherheit,
Einheit und glaubwürdige Abschreckung aufrechterhalten“
Kęstutis Budrys warnte vor einem zunehmend instabil werdenden euro-atlantischen Sicherheitsumfeld. Er
erklärte, die Unterstützung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch Belarus stelle eine zusätzliche
hybride Bedrohung für das Bündnis dar. Er forderte eine einheitliche Reaktion der Partner entlang der NATO-
Ostflanke, einschließlich verstärkter Maßnahmen hinsichtlich der Wachsamkeit, der zusätzlichen
Luftüberwachung und der Fähigkeiten zur Drohnenabwehr. Hinsichtlich des NATO-Gipfels in Ankara betonte er, dass die
NATO ihre Einheit bewahren, die europäische Verteidigung stärken und die langfristige Unterstützung für die
Ukraine aufrechterhalten müsse. Abschließend rief er dazu auf, die nationalen Verteidigungsausgaben und die
Rüstungsproduktion zu erhöhen.
Jürgen Hardt (CDU/CSU) und Hubertus Heil (SPD) erkundigten sich nach den Schwerpunkten der
Unterstützung für die Ukraine und zum Stand der Verhandlungen mit Russland. Weitere Abgeordnete fragten nach dem
Umsetzungsstand der Lastenteilung innerhalb der Allianz, dem aktuellen Stand der transatlantischen Einheit
sowie nach dem Umgang mit der Bedrohung durch Drohnen.
3.2 Beratung des Generalberichtsentwurfs „Der Beitrag der europäischen Verbündeten zur
kollektiven Verteidigung: Voraussetzung für eine Lastenteilung in der NATO“, vorgelegt
von der Generalberichterstatterin Natalia Pouzyreff (Frankreich) und Diskussion mit
Justyna Gotkowska, stellvertretende Direktorin und Leiterin der Abteilung für Sicherheit
und Verteidigung, Zentrum für Osteuropastudien (OSW) und Dr. Stella Adorf, Leiterin der
NATO-Abteilung für die Koordinierung der Russland-Politik
Natalia Pouzyreff erklärte, durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei Europa mit einem hoch
komplexen Sicherheitsumfeld konfrontiert, das durch hybride und Cyber-Bedrohungen gekennzeichnet sei. Der
Krieg im Nahen Osten und die Neuausrichtung der strategischen Prioritäten der Vereinigten Staaten von Amerika
stellten Europa vor neue sicherheitspolitische Herausforderungen. Europa habe die Dringlichkeit erkannt, die
Verteidigung der europäischen Bündnispartner erheblich zu stärken und gleichzeitig innerhalb der NATO selbst
mehr Verantwortung zu übernehmen. Auf beiden Seiten des Atlantiks bestehe Konsens über eine Neugewichtung
der Lastenteilung im Bündnis hin zu einer Lastenverlagerung. Europa und Kanada müssten fähiger werden,
größere Verantwortung in den Bereichen Abschreckung und konventionelle Verteidigung zu übernehmen. Ein
stärkeres Europa werde für die USA einen glaubwürdigeren und leistungsfähigeren Partner darstellen und die NATO
als Ganzes stärken. Die USA verfügten innerhalb des Bündnisses über die stärksten militärischen Fähigkeiten und
stellten die wichtigsten strategischen und taktischen Nuklearstreitkräfte bereit, die die Abschreckungsdisposition
der NATO untermauerten. Derzeit seien rund 80.000 US-Soldaten in Europa stationiert, die als hochqualifizierte,
einsatzbereite schwere Kampfeinheiten, die im Falle beispielsweise einer russischen Invasion, die Speerspitze der
NATO-Reaktion bilden würden. Die europäischen Bündnispartner verfügten über moderne Plattformen, wie
beispielsweise Kampfflugzeuge, ihnen fehlten jedoch in einigen Bereichen ausreichende Fähigkeiten, etwa die Luft-
Luft-Betankung, strategische Transportkapazitäten und weltraumgestützte Führungs-, Kontroll-, Nachrichten-,
Überwachungs- und Aufklärungssysteme. Angesichts der Bedrohungslage habe NATO-Generalsekretär Mark
Rutte eine 400-prozentige Aufstockung der Luftabwehrfähigkeiten gefordert. So verfüge Europa nicht über
ausreichende Fähigkeiten für Präzisionsschläge über große Entfernungen hinweg, die aber ein grundlegender
Bestandteil der konventionellen Abschreckung seien. Erschwerend trete die industrielle Fragmentierung in Europa
hinzu. Aktuell setzten die europäischen Streitkräfte eine Vielzahl konkurrierender Plattformen ein, was die
Interoperabilität der Partner beeinträchtige. Sie kritisierte, dass der Kauf von US-Rüstungsgütern die industriellen
Verteidigungsambitionen bestimmter Partner eingeschränkt habe. Des Weiteren herrsche ein gravierender Mangel
an Militärpersonal, der die gemeinsame Fähigkeit zur Abschreckung groß angelegter Aggressionen gefährde. Seit
dem Jahr 2014 sei die Zahl der Kampfbataillone in den wichtigsten europäischen Streitkräften um lediglich vier
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Prozent gestiegen. Aufgrund dieses begrenzten Wachstums hätten mehrere „Leitstaaten“ Schwierigkeiten, ihren
Verpflichtungen bei der verstärkten Vorwärtsverteidigungspräsenz der NATO an der Ostflanke nachzukommen.
Justyna Gotkowska forderte schnellere Beschaffungsprozesse, eine größere Nachfragesicherheit für die
Industrie, vereinfachte Verfahren und effektivere Projekte der Verteidigungsindustrie auf europäischer Ebene. Sie
plädierte dafür, die transatlantischen industriellen Verbindungen durch eine verstärkte US-Produktion und
Koproduktion in Europa aufrechtzuerhalten. Die Steigerung der europäischen Fähigkeiten müsse auch eine Erhöhung
der Truppenstärke der Bündnispartner bedeuten.
Dr. Stella Adorf warnte, Russland stelle die bedeutendste und unmittelbarste Bedrohung für die Bündnispartner
dar und dass der Krieg gegen die Ukraine generationsübergreifende Herausforderungen für die NATO zur Folge
habe. Russland entwickele eine dauerhafte Kriegswirtschaft und baue seine Militärindustrie weiter aus. Die
Abschreckungskraft der NATO hänge nicht nur von militärischen Fähigkeiten, sondern auch von widerstandsfähigen
Gesellschaften, industrieller Ausdauer, technologischer Überlegenheit, politischem Zusammenhalt und
parlamentarischer Unterstützung ab.
In der anschließenden Diskussion erörterten die Abgeordneten die Komplementarität zwischen NATO und EU,
Fragen der militärischen Mobilität sowie der Finanzierung der Verteidigung in Zeiten angespannten
Haushaltslagen.
3.3 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „NATO-Partnerschaften“ zum
Thema „Indien einbinden: Die strategischen Interessen der NATO und die Rolle
parlamentarischer Diplomatie“ vorgelegt von dem Berichterstatter Tim Roca (Vereinigtes
Königreich) und Diskussion mit Dr. Rohan Mukherjee, Assistenzprofessor für Internationale
Beziehungen an der London School of Economics and Political Science (LSE)
Tim Roca beschrieb die indische Außenpolitik, die nach strategischer Autonomie und multilateraler Ausrichtung
strebe. Das vorrangige Ziel, die Lebensqualität seiner 1,5 Milliarden Bürger zu erhalten und zu verbessern, präge
nahezu jeden Aspekt der innen- und außenpolitischen Agenda Indiens. In dem Maße, wie Indiens globaler
Einfluss anwachse, prägten seine Entscheidungen zunehmend Märkte, Lieferketten und die regionale
Sicherheitsdynamik. Auch wenn Indien keinen formellen Bündnissen beitreten wolle, gäbe es Bereiche, in denen eine
Zusammenarbeit mit der NATO oder den NATO-Mitgliedstaaten erhebliche gegenseitige Vorteile mit sich bringen
könne. Dazu gehörten Resilienz, kritische Infrastruktur, neue Technologien und die Verteidigungsindustrie. Die
Zusammenarbeit verlaufe weiterhin zurückhaltend und nur schrittweise, was Indiens seit langem verfolgten
Schwerpunkt auf strategische Autonomie, seine Zurückhaltung gegenüber Bündnissen sowie unterschiedliche
Bedrohungswahrnehmungen widerspiegele, unter anderem in Bezug auf Russland. Die Beziehungen zwischen
Russland und China stellten weiterhin einen strukturellen Faktor dar, die die indische Außenpolitik prägten.
Zudem betrachte Indien China als langfristigen strategischen Konkurrenten, was sich auf die Modernisierung seiner
Verteidigung, regionale Partnerschaften und Engagement auswirke. Die bilateralen Beziehungen seien geprägt
von einer Kombination aus wirtschaftlicher Verflechtung, strategischem Wettbewerb und anhaltenden
Grenzspannungen.
Dr. Rohan Mukherjee bezeichnete Indien als einen Sicherheits-, Wirtschafts- und globalen Partner und betonte,
dass dessen Außenpolitik von den Herausforderungen im Verhältnis zu Pakistan und China, dem Bestreben,
eigene Verteidigungskapazitäten aufzubauen, sowie der schrittweisen Diversifizierung weg von russischen Waffen
geprägt sei. Er argumentierte, dass diese Veränderungen Chancen für die NATO-Mitglieder eröffneten,
insbesondere in den Bereichen Verteidigungszusammenarbeit, Technologietransfer und Koproduktion. Indien könne als
schnell wachsender Markt wirtschaftlich eine Alternative zu China darstellen. Ein Übergang werde aufgrund der
indischen Abhängigkeit von chinesischen Bauteilen jedoch nur schrittweise erfolgen können. Europäische Partner
könnten sich ferner in den Bereichen Infrastruktur, klimaresistente Investitionen sowie im Energie- und
Industriesektor einbringen.
In der Diskussion wurden Indiens globale und regionale Rolle, die parlamentarische Diplomatie und
Herausforderungen im Investitionsbereich beraten.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
3.4 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Transatlantische Beziehungen“
zum Thema „Der Hohe Norden im Fokus: Strategische Erfordernisse für die
transatlantische Gemeinschaft“ vorgelegt von der Berichterstatterin Simona Malpezzi (Italien) und
Diskussion mit Iris A. Ferguson, Senior Associate, Programm für Europa, Russland und
Eurasien, Center for Strategic and International Studies (CSIS)
Simona Malpezzi führte aus, die Arktis stehe im Zentrum eines sich verschärfenden geopolitischen Wettbewerbs.
Für das Bündnis sei die Stabilität des Hohen Nordens untrennbar mit der allgemeinen Sicherheit und dem
Wohlstand des euro-atlantischen Raums verbunden. Die Arktis erwärme sich etwa drei- bis viermal schneller als der
globale Durchschnitt, wodurch die gesamte Region zugänglicher werde. In der Arktis würden rund 13 Prozent
der weltweit noch unentdeckten Öl- und 30 Prozent der Erdgasvorkommen sowie bedeutende Lagerstätten
kritischer Rohstoffe vermutet. Da sieben der acht Arktisstaaten NATO-Mitglieder seien, werde die Region zunehmend
in die Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie der NATO eingebunden. Russland bleibe in der Arktis ein
dominierender militärischer Akteur und kontrolliere über die Hälfte der arktischen Küstenlinie. Russland habe
mehrschichtige Luft- und Küstenabwehrsysteme in arktischen Einrichtungen stationiert und seine Fähigkeit
verbessert, den Zugang zu wichtigen See- und Lufträumen anderen zu verwehren und die Bewegungsfreiheit der
Alliierten durch Anti-Access/Area Denial (A2/AD)-Fähigkeiten zu erschweren. Die russische Nordflotte sei
zentral für die nukleare Abschreckung. Zudem habe Russland arktische Stützpunkte aus der Sowjetzeit wiedereröffnet
und neue Kommandostrukturen geschaffen, was auf eine anhaltende langfristige Priorisierung der Region
hindeute. Laut dem finnischen Militärgeheimdienstbericht aus dem Jahr 2025 plane Russland, seine Truppenstärke
an der Grenze zu Finnland von 30.000 auf bis zu 80.000 Mann zu erhöhen. Dies beinhalte insbesondere eine
Aufstockung in Karelien von 3.000 auf 15.000 Soldaten, um die langfristige Position Russlands nach der NATO-
Erweiterung zu stärken. Während ein Teil der russischen Kapazitäten in die Ukraine verlagert worden sei, bleibe
die arktische Präsenz von Russland weitgehend intakt und auf langfristigen Wiederaufbau und Ausbau
ausgerichtet. China habe seine Präsenz in der Arktis durch wissenschaftliche Forschung, Infrastrukturinvestitionen und
Wirtschaftsprojekte ausgebaut und präsentiere sich als „nahegelegener Arktisstaat“. Die chinesischen Aktivitäten
in der Arktis zeichneten sich durch einen Dual-Use-Ansatz aus, der zivile, wissenschaftliche und potenzielle
militärische Anwendungen miteinander verbinde. Dies spiegele sich im zunehmenden Einsatz von
Forschungsschiffen, im Ausbau der polaren Infrastruktur sowie in Investitionen in Technologien und Datenerfassung wider, die
sowohl zivile Zwecke als auch militärisch-strategische Ziele unterstützen könnten.
Iris A. Ferguson zog Parallelen zwischen dem Ostseeraum und der Arktis und wies darauf hin, dass beide
Regionen lange Zeit als peripher galten, mittlerweile jedoch für die Sicherheits- und Verteidigungsplanung der
Alliierten von zentraler Bedeutung seien. Sie identifizierte vier wesentliche Trends, die die Arktis prägten: der
Klimawandel als operative sicherheitspolitische Herausforderung; Russlands anhaltende Investitionen in die
militärische Infrastruktur der Arktis und die Nordostpassage; Chinas wachsendes Interesse an der Region als
„strategische Grenze“; sowie die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Russland und China. Ein Konflikt in der Arktis
könne trotz dieses Wettbewerbs vermieden werden, sofern die Bündnispartner ihre Abschreckungs- und
Widerstandsfähigkeit verstärkten. Hierfür werde eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Plattformen,
Eisbrecher, Weltraumfähigkeiten, Kommunikation, Raketenabwehr, kritische Mineralien und autonome Systeme
notwendig.
Die Delegierten berieten die strategischen Interessen der NATO im Hohen Norden, die Notwendigkeit einer
anhaltenden Aufmerksamkeit der Bündnispartner für die Sicherheit und Regierungsführung in der Arktis, die Rolle
der nicht-arktischen Bündnispartner sowie die US-Politik gegenüber Grönland. Ferner wurden die Aktivitäten
Russlands und Chinas in der Region, die Entwicklung von Fähigkeiten, die Infrastruktur, indigene
Gemeinschaften sowie die Bedeutung der Aufklärung der eigenen Bevölkerung über die Sicherheitsherausforderungen im
Hohen Norden thematisiert.
4 Ausschuss für Verteidigung und Sicherheit
Der Verteidigungsausschuss tagte am Sonntag, 31. Mai 2026 unter dem Vorsitz von Lord Lancaster (Vereinigtes
Königreich). Schwerpunkte waren die Stärkung der Nordflanke, die Rekrutierung, Personalbindung und der
Kampfgeist bei der Gestaltung der künftigen NATO-Streitkräfte sowie die Herausforderungen in den Bereichen
Luftverteidigung, Abwehr und Kapazitäten der Verteidigungsindustrie.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
4.1 Vortrag von Dr. Karolis Aleksa, Vize-Verteidigungsminister der Republik Litauen zum
Thema „Von der Finanzierung bis zu den Verteidigungsfähigkeiten: Herausforderungen
in den Bereichen Luftverteidigung, Abwehr und Kapazitäten der Verteidigungsindustrie“
sowie von General Raimundas Vaikšnoras, Generalstabschef der Republik Litauen zum
Thema „Litauische Streitkräfte: Strategische Ausrichtung und Entwicklung der
Fähigkeiten“
Karolis Aleksa führte die litauischen Prioritäten in der Landesverteidigung aus, die durch die Bedrohung durch
Russland an den Landesgrenzen und von den Erfahrungen der Ukraine gekennzeichnet seien. Litauen müsse seine
Vorwärts- und Luftverteidigung gegen Drohnen und Bedrohungen mit geringerem Risiko verbessern. In den
kommenden Jahren plane Litauen weiterhin hohe Verteidigungsausgaben und Anreize für die Verteidigungsindustrie
zu setzen.
Raimundas Vaikšnoras unterstrich die Bereitschaft Litauens, die Ukraine in ihrem Abwehrkampf zu
unterstützen. Litauen sei verteidigungsbereit und erwerbe neue Fähigkeiten mit Schwerpunkt auf eine Verbesserung bei
der Luftverteidigung.
4.2 Beratung des Generalberichtsentwurfs „Die Stärkung der Fähigkeiten der NATO an der
Nordflanke: Eine unverzichtbare Voraussetzung für eine glaubwürdige kollektive
Verteidigung“ vorgelegt von der Generalberichterstatterin Rebecca Patterson (Kanada) und
Diskussion mit Dr. Liselotte Odgaard, Externe Senior Fellow, Hudson Institute
Rebecca Patterson betonte die zentrale Rolle des Hohen Nordens für die Sicherheit der NATO-Bündnispartner.
Die Arktis werde zunehmend zu einem Schauplatz strategischer Konkurrenz und die sich verändernde
Sicherheitslage stelle steigende Anforderungen an die Streitkräfte der Verbündeten. Diese Entwicklungen erforderte,
kontinuierlich in Überwachung, Frühwarnsysteme und Unterwasseraufklärung zu investieren, damit die NATO
ihre starke Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit entlang der Nordflanke aufrechterhalten könne. Die Rolle
der Region bei der Frühwarnung und der weltraumgestützten Überwachung sowie die Verbindungen zwischen
dem Nordatlantik und dem Nordpazifik erfordere eine Stärkung der Fähigkeiten entlang des gesamten Bogens
von der Beringstraße bis zu den GIUK- (Grönland, Island und das Vereinigte Königreich) und Bear-Gaps (breite
maritime Engstelle im Arktischen Ozean zwischen dem norwegischen Nordkap und Bäreninsel).
Die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit der NATO über diesen gesamten Raum hinweg bleibe eine
gemeinsame strategische Priorität. Mit dem Rückgang des arktischen Eises entstünden neue kommerzielle und
militärische Routen, die das Einsatzgebiet erweiterten und die Anforderungen an die Mobilität und die logistische
Versorgung der Bündnispartner erhöhten. Die wachsende chinesisch-russische Zusammenarbeit in der Arktis
stelle eine Bedrohung dar, welche sich durch verstärkte militärische Präsenz Russlands sowie durch den Ausbau
der Dual-Use-Aktivitäten Chinas zeige. Die NATO habe durch die Erweiterung der Joint Force Command
Norfolk, die Einbindung Finnlands und Schwedens in die regionale Verteidigungsplanung sowie durch einen
schnelleren Ablauf von Übungen die Sicherheit erhöht. Neben nachhaltigen Investitionen in arktisrelevante Fähigkeiten
seien eine stärkere Harmonisierung der Ausrüstungsstandards und der Führungs- und Kontrollstrukturen sowie
kontinuierliche Investitionen in Ausbildung, Logistik, medizinische Unterstützung und Personalentwicklung
notwendig. Eine stärkere Präsenz im Hohen Norden erfordere einen besonderen militärischen und zivilen Schutz und
die Resilienz der dortigen Infrastruktur. Insbesondere müssten Häfen, Flugplätze und Transportnetze
weiterentwickelt und die Satellitenabdeckung und die Fernradarnetze für die Überwachung des Meers sichergestellt
werden. Patterson betonte abschließend das hohe Abschreckungspotential, welches mit dem Einsatz neuer
Technologien einhergehe. Um die Einsatzfähigkeit in der Arktis zu gewährleisten, sei es notwendig, zukünftige
Innovationen auf die Überlebensfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Kälteresistenz auszurichten.
Liselotte Odgaard erklärte, Russland stelle die größte Bedrohung für die NATO-Nordflanke dar, insbesondere
durch die russischen Unterwasseroperationen und die damit einhergehende Bedrohung für die Nachschubrouten
der NATO. Diese Sicherheitslücken sollten durch Investitionen in eine verstärkte Präsenz begegnet werden.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
4.3 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Transatlantische Verteidigungs-
und Sicherheitszusammenarbeit“ zum Thema „Beschleunigung von
Verteidigungsinnovationen und deren schneller Umsetzung in der NATO: Die Rolle der verbündeten
Parlamente“ vorgelegt von dem Berichterstatter Rick Larsen (Vereinigte Staaten von Amerika)
und Diskussion mit Ryan Benitez, Vertriebsleiter, NATO DIANA
Rick Larsen konstatierte, die Glaubwürdigkeit der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit der NATO habe
stets auf der Fähigkeit beruht, einen technologischen Vorsprung gegenüber seinen Gegnern und Konkurrenten zu
bewahren. In einer Welt zunehmender strategischer Konkurrenz werde dieser Vorsprung immer stärker in Frage
gestellt. Die Sicherung der Vorherrschaft an der Front durch technologische Überlegenheit hänge von der raschen
Einführung und dem Einsatz neuer Technologien sowie von der Integration nicht-traditioneller Lieferanten in die
Verteidigungsindustrie ab. Nach Jahrzehnten unzureichender Investitionen müssten die Innovationsprozesse im
gesamten Bündnis beschleunigt werden. Der „Defence Innovation Accelerator for the North Atlantic” (DIANA)
ziele darauf ab, Dual-Use-Technologien ausfindig zu machen, zu testen und zur militärisch relevanten Fähigkeit
zu führen. DIANA werde durch den NATO Innovation Fund (NIF) ergänzt, der für die erfolgversprechendsten
Unternehmen Frühphasenkapital bereitstelle. Ein Fortschritt sei, dass im Jahr 2025 die Zwei-Prozent-Marke für
die nationalen Verteidigungsausgaben erreicht und das Ziel von fünf Prozent bis ins Jahr 2035 vereinbart worden
sei. Dies wirke sich auf die Ausweitung der NATO-Produktionsagenda mit dem Defence Production Action Plan,
der Industrial Capacity Expansion Initiative und dem Rapid Adoption Action Plan (RAAP) aus. Der RAAP ziele
auf eine schnellere Entwicklung von Technologien bei der Herstellung eines Prototyps bis hin zur Einsatzfähigkeit
innerhalb von 24 Monaten ab. Dies erfolge durch eine innovationsfreundliche Infrastruktur und eine
übergeordnete Struktur durch Eingliederungsmöglichkeiten in DIANA oder den NATO Innovation Fund. Als
Herausforderungen skizzierte Larsen die Fragmentierung der Produktion durch nationale Beschaffungen, begrenzte
industrielle Kapazitäten, etablierte Beschaffungskulturen sowie die Asymmetrie von Ressourcen bei den Verbündeten.
Im Bereich der Verteidigungsinnovation sei die Zusammenarbeit mit der Ukraine unerlässlich. Erste gemeinsame
Projekte stellten die NATO-Ukraine-Innovationskooperations-Roadmap, das Defence Innovators Forum sowie
das Programm UNITE-Brave NATO dar, vereinzelt bestünden zudem gemeinsame Produktions- und
Technologiepartnerschaften mit der Ukraine. Auch die EU forciere mit Projekten wie BraveTechEU, Ukraine Support
Instrument sowie EU Defence Innovation Office den Aufbau einer Zusammenarbeit zwischen europäischen und
ukrainischen Verteidigungsunternehmen.
Ryan Benitez erläuterte, DIANA ziele darauf ab, vielversprechende Technologien schneller in anwendungsreife
Fähigkeiten für die Allianz umzuwandeln, als das auf nationaler Ebene möglich sei. Durch ein Netzwerk von
Testzentren werde eine bündnisweite Struktur geschaffen. Auch im Bereich von Auftragsvergabe und
Zusammenarbeit von Innovatoren und Bündnispartnern helfe DIANA durch seinen Rapid Adoption Service. Er
kritisierte, DIANA verfüge nur über ein eingeschränktes Budget und die Beschaffung durch die Endnutzer werde nicht
kontrolliert. Abgeordnete sollten Verwaltungsauflagen für Start-Ups sowie kleine und mittlere Unternehmen
reduzieren, Mittel für die Beschaffung innovativer Technologien bereitstellen und nicht vor Risiken
zurückschrecken.
4.4 Beratung des Sonderberichtsentwurfs „Meeresboden und Weltraum – Bewältigung
komplexer Herausforderungen für die Abschreckung und Verteidigung der NATO“ vorgelegt
von dem Sonderberichterstatter Michael R. Turner (Vereinigte Staaten von Amerika) und
Diskussion mit James Black, Stellvertretender Direktor, RAND Europe
Michael R. Turner führte aus, Ressourcen im Weltraum und auf dem Meeresboden – Satelliten, Unterseekabel
und Pipelines – bildeten das kommunikations- und energiepolitische Rückgrat der Verteidigungsfähigkeit der
NATO. Sie ermöglichten den Datenfluss, die Energiesicherheit, das Lagebewusstsein und die Mobilität der
Streitkräfte im gesamten Bündnis. Diese Systeme seien wachsenden Bedrohungen durch hybride Aktivitäten, Sabotage
und Zwangsmaßnahmen ausgesetzt, vor allem aus Russland, aber zunehmend auch aus China. Schlüsselregionen,
wie der Nordatlantik, die Ostsee, das Mittelmeer und die Arktis, seien aufgrund der hohen Konzentration
kritischer Infrastruktur, durch Engpässe und in einigen Fällen begrenzter Ersatzmöglichkeiten besonders gefährdet.
Chinas wachsende maritime Präsenz und seine Fähigkeiten im Bereich der Weltraumabwehr gäben Peking die
Möglichkeit, Meeresboden- und Weltraumsysteme weltweit zu kartieren, darauf zuzugreifen oder potenziell zu
stören. Der Krieg in der Ukraine verdeutliche die entscheidende Rolle widerstandsfähiger
Satellitenkommunikation und kommerzieller Bilddaten in der modernen Kriegsführung. Störungen in einem Bereich könnten
Kettenreaktionen in allen operativen Umgebungen auslösen.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Die NATO profitiere von einer kontinuierlichen Stärkung der Schutz-, Überwachungs- und
Schnellreparaturkapazitäten, um glaubwürdige Abschreckung und operative Kontinuität aufrechtzuerhalten. Da die USA von den
europäischen Partnern die Übernahme von mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas
erwarteten, würden anhaltende europäische Investitionen in die Weltraum- und maritime Widerstandsfähigkeit
von zentraler Bedeutung für eine ausgewogene Aufgabenteilung sein. Ein größerer Notfall im indopazifischen
Raum würde zusätzliche Anforderungen an die Ressourcen der US-Marine und des Weltraums erfordern.
James Black unterstrich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Weltraums und der
Meeresböden und die kaum absehbaren Folgen von Störungen. Die Bedrohungen durch Akteure wie beispielsweise
Russland und China nähmen zu. Hybride Angriffe seien oft nur schwer zurückzuverfolgen. Auf nationaler und auf
Bündnisebene gebe es Anstrengungen, die Resilienz dieser Infrastruktur zu verbessern. Dabei spiele der private
Sektor eine wichtige Rolle. Er empfahl empfindlichere Strafen zur Abschreckung sowie eine verstärkte
behördenübergreifende Zusammenarbeit auf nationaler Ebene, öffentlich-private Zusammenarbeit sowie ausreichende
Reparatur- und Testkapazitäten.
4.5 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Zukünftige Sicherheits- und
Verteidigungsfähigkeiten“ zum Thema „Rekrutierung, Personalbindung und Kampfgeist:
Die Gestaltung der künftigen Streitkräfte der NATO“ vorgelegt von dem Berichterstatter
Spyridon Kyriakis (Griechenland) und Diskussion mit Dr. Michael Onderco, Professor für
Internationale Beziehungen, Fachbereich für Öffentliche Verwaltung und Soziologie,
Erasmus Universität Rotterdam
Spyridon Kyriakis zeigte auf, dass sich die NATO-Führungskräfte angesichts eines aggressiven,
expansionistischen und revisionistischen Russlands der Herausforderung hinsichtlich ihrer Einsatzbereitschaft bewusst seien.
Die NATO-Mitglieder erhöhten ihre Verteidigungshaushalte zur Modernisierung ihrer Streitkräfte und bauten
ihre Rüstungsindustrien aus. Die Verteidigungspläne seien aktualisiert und eine neue, robuste Truppenpräsenz
eingeführt worden – einschließlich einer Vorwärtspräsenz und multidomänenübergreifender Initiativen vom
Baltikum bis zum Schwarzen Meer. Personalengpässe stellten ein strategisches Risiko dar. Mit Ausnahmen der
nordischen und baltischen Region bestünden Defizite beim Erreichen der Rekrutierungsziele, teilweise sogar beim
Erhalt des Personalniveaus. Der Russland-Ukraine-Krieg zeige die Bedeutung eines umfangreichen Personal- und
Ausrüstungsarsenals. Erforderlich sei ein technikaffines Personal, das militärische und technische Bereiche
nahtlos verbinden könne. Die europäischen Mitglieder und Kanada müssten eine führende Rolle bei der
konventionellen Abschreckung und Verteidigung übernehmen. Als mögliche Alternativen zur Einführung einer
allgemeinen Wehrpflicht nannte Kyriakis Modelle zur Erweiterung der Reservetruppen, Attraktivitätssteigerung der
Streitkräfte für Frauen und einen Best-Practice-Austausch. Die Herausforderungen bei der Rekrutierung ließen sich
durch die Konkurrenz mit privaten Arbeitgebern, Schwierigkeiten bei der Besetzung technologisch
anspruchsvoller Positionen, unattraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie den demografischen Rückgang erklären.
Auffällig sei die Diskrepanz zwischen der hohen Verteidigungsbereitschaft der nordischen und baltischen Staaten,
welche sich auf die geografische Lage und historische Besatzungserfahrungen zurückführen ließe und einer
geringeren Unterstützung in Westeuropa.
Michael Onderco stellte die Ergebnisse einer ländervergleichenden Studie zur Vorgehensweise bei der
Rekrutierung vor. Für die Rekrutierung seien Faktoren, wie beispielsweise der Sinn und Zweck der Landesverteidigung,
entscheidend, für die Personalbindung spielten eher praktische Faktoren, wie beispielsweise die Besoldung und
Vergünstigungen, eine Rolle.
5 Ausschuss für Demokratie und Sicherheit
Der Ausschuss für Demokratie und Sicherheit tagte am Sonntag, 31. Mai 2026, unter dem Vorsitz von Javier
Maroto (Spanien). Schwerpunkte waren die Resilienz gegenüber der russischen hybriden Kriegsführung, Schutz
der kritischen Unterwasserinfrastruktur, die terroristische Bedrohung sowie ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz
zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
5.1 Podiumsdiskussion zum Thema „Widerstandsfähigkeit gegenüber der hybriden
Kriegsführung Russlands“ mit Remigijus Bridikis, Leiter der Abteilung für Staatssicherheit der
Republik Litauen sowie Julius Katinas, stellvertretender Direktor des Nachrichten- und
Sicherheitsdienstes des Verteidigungsministeriums der Republik Litauen
Remigijus Bridikis unterstrich, die Bedrohung durch Russland ende nicht an der ukrainischen Grenze. Bei
Sabotageakten gegen die kritische Infrastruktur würden teilweise Kriminelle eingesetzt. Nicht zuletzt verübe die
russische Schattenflotte Angriffe auf die kritische Unterwasserinfrastruktur. Russland versuche, den Widerstand
der Allianz zu schwächen und die Unterstützung der Ukraine zu verhindern. Jede Schwäche des Westens werde
ausgenutzt. Daher sei es neben der fortgesetzten Unterstützung der Ukraine wichtig, die eigenen Fähigkeiten zu
stärken und die Infrastruktur zu schützen.
Julius Kautinas erklärte, Russland stelle für Litauen und für die baltischen Staaten weiterhin die größte
Bedrohung dar. Der russische Angriff auf die Ukraine sei auch vom belarussischen Territorium aus erfolgt und Belarus
stelle seine Infrastruktur Russland zur Verfügung. Russland versuche, seine militärische Infrastruktur in
Kaliningrad abzusichern, was sich auf die Sicherheit Litauens auswirke. Die Schattenflotte werde sowohl durch
bewaffnete Begleitschiffe als auch durch das absichtliche Stören oder Blockieren von Funksignalen (Jamming)
geschützt.
Abgeordnete aus Spanien, Schweden, der Türkei, Großbritannien und Lettland erkundigten sich nach
Möglichkeiten zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit im Cyberraum, dem Schutz vor KI-gestützten Angriffen, der
Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor und der Rolle von Belarus und Kaliningrad.
5.2 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Resilienz und zivile Sicherheit“
zum Thema „Sicherheit in der Tiefsee: Schutz der Unterwasserinfrastruktur für die
Widerstandsfähigkeit der Verbündeten und die kollektive Verteidigung“ vorgelegt von dem
Berichterstatter Lord Nigel Dodds (Vereinigtes Königreich) und Vortrag von James
Black, stellvertretender Direktor, RAND Europe zum Thema „Kritische
Unterwasserinfrastruktur“
Lord Nigel Dodds machte deutlich, der gesamte Bereich der kritischen Unterwasserinfrastruktur befinde sich
größtenteils in privater Trägerschaft und sei aufgrund seiner Ausdehnung und Komplexität sowie durch die
Zuständigkeit unterschiedlicher Jurisdiktionen nur sehr schwer zu schützen. Umso wichtiger sei es, die politische
Aufmerksamkeit in dieser Frage aufrecht zu erhalten und nationale Gesetzgebung zu ihrem Schutz auf den Weg
zu bringen. Sie spiele nicht nur im militärischen Kontext, sondern im täglichen Leben eine Schlüsselrolle. Dazu
gehörten Bereiche wie Energieversorgung, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und Mobilität. Die
erfolgten Angriffe hätten gezeigt, dass es sowohl eines umfangreichen gesetzlichen Rahmens als auch
internationaler Koordination, Informationsaustausch und technischer Kapazitäten zur Reparatur von Schäden bedürfe.
James Black erläuterte, die Angriffe auf die kritische Unterwasserinfrastruktur stellten ein neues Phänomen dar.
Diese Infrastruktur wachse und damit auch die Abhängigkeit von ihrer Funktionsfähigkeit. Sie sei schon in
Friedenszeiten gefährdet und somit umso mehr in Kriegszeiten. Seit dem Angriff auf die Nord Stream Pipeline sei
das Bewusstsein dafür gestiegen. Es sei eine Zunahme von Angriffen und damit der Bedrohung zu beobachten.
Hauptakteure seien Russland und China. Regional seien vor allem die Ostsee, das Mittelmeer, aber auch der Indo-
Pazifik betroffen. Er empfahl, klare Zuständigkeiten zu schaffen, Monitoringsysteme einzurichten sowie
Unternehmen anzuhalten, redundante Systeme zu etablieren, alternative Routen zu nutzen und somit die Risiken zu
streuen. Angriffe müssten – trotz der immensen Flächen – möglichst frühzeitig erkannt und verhindert werden.
Langfristig seien kostengünstige und effiziente Lösungen vonnöten.
Abgeordnete aus der Türkei, Kanada, Schweden und dem Vereinigten Königreich erkundigten sich nach
Initiativen und der Regulierung zur Stärkung der Resilienz im privaten Sektor, Lücken in der Gesetzgebung, der Mission
Baltic Sentry und die Rolle der Marine.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
5.3 Beratung des Sonderberichtsentwurfs „Terrorismusbekämpfung: Stärkung der
Reaktionen der Verbündeten auf eine sich wandelnde Bedrohung“ vorgelegt von der
Sonderberichterstatterin Mariana Vieira da Silva (Portugal) und Diskussion mit Prof. Peter
Neumann, Fachbereich für Kriegsstudien, King´s College London
Mariana Vieira da Silva erinnerte daran, dass Terrorattentate weiterhin die direkteste asymmetrische Bedrohung
darstellten, auch wenn die Zahl der Angriffe mit einer großen Opferzahl seltener geworden seien. Die Parlamente
müssten in ihrer Gesetzgebung den Datenaustausch zwischen den Behörden sowie auch eine ausreichende
Finanzausstattung für Geheimdienste, Strafverfolgung und Prävention ermöglichen.
Prof. Peter Neumann ging auf veränderte Muster von terroristischen Angriffen ein. Neben dem „klassischen“
Terrorismus, der links- oder rechtsextremistisch, religiös oder ethnisch/nationalistisch begründet sei, sei ein
sogenannter „Grauzonen-Terrorismus“ getreten. Dieser sei vielfach nicht ideologisch motiviert und damit
schwieriger zu fassen. Oft seien persönliche Frustrationen, eine psychische Labilität oder eine allgemeine Faszination
von Gewalt für einen Terrorakt ausschlaggebend. Sowohl das Attentat im Dezember 2025 auf den
Weihnachtsmarkt in Magdeburg wie auch die Ermordung von Charlie Kirk im September 2025 müssten unter diesen
Gesichtspunkten betrachtet werden. Ein weiterer Trend stelle der staatlich geförderte Terrorismus dar, der unter dem
Begriff „Terrorism as a service“ subsumiert werde. Hierbei würden Einzeltäter online gegen Bezahlung rekrutiert.
Soziale Medien stünden im Mittelpunkt beider Entwicklungen, da digitale Plattformen sowohl als Werkzeug für
den Auftrags-Terrorismus als auch zur Radikalisierung Einzelner missbraucht würden. Für Staaten stelle dieser
Grauzonen-Terrorismus eine erhebliche Herausforderung dar, da sowohl Strafverfolgung als auch Aufklärung
und Prävention erschwert seien. Für Behörden sei es deshalb unabdingbar, auf einschlägigen Plattformen präsent
zu sein und diese zu „infiltrieren“. Er sah hier einen potenziellen Einsatz der KI, um die schiere Menge der Daten
zu bewältigen. Nicht zuletzt stelle eine resiliente Gesellschaft den besten Schutz vor dieser Bedrohung dar.
In der Diskussion verwies Oğuz Üçüncü (Türkei) auf die Arbeit des NATO Centre of Excellence Defence Against
Terrorism in Ankara hin. Abgeordnete aus Portugal, Spanien, Polen, der Ukraine und der Türkei fragten nach den
Lücken in der Gesetzgebung, der Zusammenarbeit von Behörden, Rekrutierung junger Menschen, Online-
Radikalisierung, auch über Gaming-Gruppen, staatlich gesponsorter Terrorismus sowie die Bedrohung durch religiös
motivierten und andere Formen von Terrorismus.
5.4 Beratung des Generalberichtsentwurfs „Umfassende Sicherheit: Stärkung der
Widerstandsfähigkeit der Verbündeten durch einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz“
vorgelegt von dem Generalberichterstatter Dimitrios Kairidis (Griechenland) und Diskussion
mit Julien Kita, Leiter der Direktion für Verteidigungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit,
Abteilung Verteidigungspolitik und -planung der NATO
Dimitrios Kairidis erklärte, Kriege beschränkten sich derzeit nicht auf die Auseinandersetzung zwischen
Soldaten, sondern die gesamte Gesellschaft sei betroffen. Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg auf die
Ukraine habe die Bedeutung von robusten Energieversorgungssystemen, industrieller Infrastruktur, öffentlichen
Dienstleistungen sowie dem Zusammenspiel von Regierung und Bürgerschaft deutlich gemacht.
Julien Kita hob die Resilienz als wesentliche Voraussetzung für die Abschreckung und Verteidigung im Bündnis
hervor. Die militärische Leistungsfähigkeit hänge auch von zivilen und kommerziellen Systemen für Transport,
Versorgung, Energie und Kommunikation ab. Angesichts der hybriden Bedrohungslage sei in dieser „Grauzone
zwischen Frieden und Konflikt“ neben der militärischen Bereitschaft ein wirksamer Zivilschutz notwendig. Dazu
bedürfe es Investitionen in redundante Systeme. Das Thema müsse ressortübergreifend und
gesamtgesellschaftlich angegangen werden. Den Parlamenten komme dabei eine wichtige Rolle zu.
Abgeordnete unter anderem aus Griechenland, Belgien, Tschechien, Kanada und der Türkei wiesen in der
Diskussion auf die Problematik chinesischer Investitionen in die kritische Infrastruktur hin. Zudem gingen sie auf die
junge Bevölkerung ein, die durch die Nutzung von Sozialen Medien besonders gefährdet hinsichtlich einer
möglichen Radikalisierung sei.
6 Ausschuss für Wirtschaft und Sicherheit
Der Ausschuss für Wirtschaft und Sicherheit tagte am Samstag, 30. Mai 2026, unter dem Vorsitz von Faik Öztrak
(Türkei). Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Finanzierung erhöhter Verteidigungsausgaben, die
Sicherung kritischer Rohstofflieferketten sowie Fragen der transatlantischen Energiesicherheit.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
6.1 Vortrag von Kristupas Vaitiekunas, Finanzminister Litauens, zum Thema „Finanzierung
von Sicherheit: Herausforderungen und mögliche Lösungen“
Kristupas Vaitiekunas wies auf das im Jahr 2025 vereinbarte Ziel der NATO hin, die Verteidigungsausgaben
bis 2035 auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen und betonte dessen Bedeutung für die Sicherheit. Er verwies auf
den litauischen Beitrag, der aktuell bereits bei rund 5,4 Prozent liege und sagte, nicht getätigte Investitionen in
die Verteidigung seien langfristig teurer als die entsprechenden Ausgaben. Der Minister hob die litauische
Unterstützung für Investitionen in militärische Mobilität zur Absicherung der Grenzregionen hervor, damit alliierte
Truppen zur Verstärkung verlegt werden könnten. Die litauische Staatsverschuldung werde bis 2030
voraussichtlich auf 55 Prozent des BIP steigen, liege damit jedoch weiterhin im europäischen Vergleich auf niedrigem
Niveau. Er forderte, europäische Finanzierungsinstrumente so umzugestalten, dass der Anteil der Zuschüsse im
Verhältnis zu den Darlehen erhöht werde, insbesondere zugunsten der Staaten an den NATO-Außengrenzen. Er
unterstrich, die Regierungen der Bündnispartner seien für die Erläuterung und innenpolitische Rechtfertigung der
dauerhaft erhöhten Investitionen in die Verteidigung verantwortlich.
In der Diskussion würdigte Bart Kroon (Niederlande) die Anstrengungen der litauischen Regierung und
Bevölkerung. Er erkundigte sich nach gemeinsamen Verteidigungsinvestitionsprojekten mit Estland und Lettland. Faik
Öztrak (Türkei) und Lord Chris Fox (Vereinigtes Königreich) fragten nach den Auswirkungen des Anstiegs der
Schulden auf die litauische Volkswirtschaft. Die Entscheidung für weitere Verteidigungsausgaben gingen oft zu
Lasten anderer Wirtschaftsbereiche.
6.2 Beratung des Generalberichtsentwurfs „Aufrechterhaltung erhöhter
Verteidigungsausgaben: Wirtschaftliche Konsequenzen“ vorgelegt von dem Berichterstatter Bart Kroon
(Niederlande) und Anhörung zum Thema „Verteidigungsausgaben“ mit Dr. Rebecca
Harding, The Centre for Economic Security
Bart Kroon nannte als zentrale Herausforderungen strukturelle Investitionshemmnisse, Fachkräftemangel in der
Rüstungsindustrie bei gleichzeitig wechselnden politischen Prioritäten, Haushaltszwänge sowie Ineffizienzen
durch einen fragmentierten Verteidigungsmarkt. Er verwies zudem auf eine neue gemeinsame
Investitionsvereinbarung zwischen den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Finnland. Bart Kroon betonte, dass
Verteidigungsausgaben, insbesondere im Bereich der öffentlich finanzierten Forschung und Entwicklung und für Dual-
Use Forschung/Güter sowie kapitalintensive Beschaffungen, deutliche Effekte für die Gesamtwirtschaft und das
Produktivitätswachstum erzielen könnten. Er warb zudem für eine stärkere europäisch integrierte Beschaffung.
Dr. Rebecca Harding beschrieb die gegenwärtige Lage als Wirtschaftskrieg, der das Kapital sowie die Energie-
und Ernährungssicherheit gefährde und die Welt immer näher an militärische Konflikte heranbringe. Hohe
Nahrungsmittel- und Energiepreise schränkten zunehmend den fiskalischen Spielraum der Regierungen ein. Sie hob
hervor, dass auch Parlamentarierinnen und Parlamentarier eine Schlüsselrolle dabei spielten, der Bevölkerung
sicherheitspolitische Bedrohungen nachvollziehbar zu erklären, während die Gegner des Bündnisses keine
öffentliche Zustimmung benötigten. Als zentrale Lösung nannte sie die Mobilisierung privaten Kapitals und forderte,
Verteidigungsausgaben grundsätzlich als Investition statt als Ausgabe zu begreifen.
In der Diskussion wurden Maßnahmen gegen die Fragmentierung von Beschaffung und gemeinsame Standards
thematisiert sowie die Notwendigkeit von mehr Transparenz geäußert. Erforderlich sei auch ein Kulturwandel
beim Zugang zu Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen. Ein weiteres Thema war die Rolle von
künstlicher Intelligenz im Bankenwesen.
6.3 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Übergang und Entwicklung“
zum Thema „Kritische Rohstoffe und Auswirkungen auf die Verteidigung“, vorgelegt von
dem Berichterstatter Phil Brickell (Vereinigtes Königreich) Anhörung zum Thema
„Kritische Rohstoffe“ mit Peter Handley, European Initiative for Energy Security
Annick Ponthier (Belgien) präsentierte den Berichtsentwurf als amtierende Berichterstatterin und warnte vor der
Abhängigkeit von China und den wirtschaftlichen Folgen möglicher chinesischer Exportbeschränkungen. Auch
verwies sie auf jüngste Maßnahmen der Bündnispartner zum Aufbau von Lieferketten durch Bergbau und
Lagerhaltung und schlug weitere Schritte zum Ausbau eigener Förder- und Aufbereitungskapazitäten vor. Peter
Handley erläuterte die Bedeutung kritischer Rohstoffe für die Verteidigungsproduktion und betonte, dass selbst geringe
Mengen über die Funktionsfähigkeit von Rüstungsgütern entscheiden könnten. Ergänzend nahm er Bezug auf
Erkenntnisse der Internationalen Energieagentur zur zunehmenden Kontrolle Chinas über kritische Rohstoffe.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Eine Entflechtung der Lieferketten sei nach seiner Einschätzung nur durch geschlossenes Handeln der
Bündnispartner möglich.
In der Diskussion erörterten die Abgeordneten unter anderem die Einstufung von Schwefelsäure als kritischen
Rohstoff, Finanzierungsinstrumente für den heimischen Bergbau und die Rolle von Partnerstaaten bei der
Risikominderung. Das Potenzial der Türkei als künftiger Lieferant von kritischen Rohstoffen für die NATO-
Bündnispartner war ein weiteres Thema ebenso wie die Bedeutung von kritischen Stoffen für die Ernährungssicherheit,
z.B. Düngemittel.
6.4 Beratung des Berichtsentwurfs „Transatlantische Energiesicherheit und Auswirkungen
auf die Verteidigung“, vorgelegt von dem Berichterstatter Neal Patrick Dunn (Vereinigte
Staaten) und Anhörung zum Thema „Energiesicherheit“ mit Julian Wieczorkiewicz,
NATO Operational Energy Committee
Baroness Kingsmill (Vereinigtes Königreich), Vorsitzende des Unterausschusses „Transatlantische
Wirtschaftsbeziehungen“, präsentierte anstelle des Berichterstatters den Berichtsentwurf und würdigte die Bemühungen
Litauens zur energetischen Diversifizierung und damit einer Abkehr von russischen Rohstoffen und Energiequellen.
Sie hob die Rolle der NATO im Bereich Energiesicherheit hervor, insbesondere die Bedeutung des NATO-
Pipelinesystems, und sprach sich für einen Ausbau von Konnektivität und Speicherkapazitäten aus. Julian
Wieczorkiewicz führte aus, neue Verteidigungssysteme seien deutlich energieintensiver als ältere Systeme und blieben
über Jahrzehnte hinweg auf raffinierte Kraftstoffe wie Diesel, Kerosin und Heizöl angewiesen. Der Erhalt
europäischer Raffineriekapazitäten sei daher trotz sinkender ziviler Nachfrage erforderlich. Alternative Kraftstoffe,
wie Biokraftstoffe, seien nur bedingt militärtauglich, teils von chinesischen Vorprodukten abhängig, während
strombasierte synthetische Kraftstoffe weiterhin sehr kostenintensiv seien. Er plädierte für einen
ressortübergreifenden Ansatz zwischen Verteidigungs- und Energieministerien sowie für Investitionen in Kraftstoffinfrastruktur.
In der Diskussion thematisierte Baroness Kingsmill (Vereinigtes Königreich) den möglichen Einsatz von
Wasserstoff und den Energiebedarf der ukrainischen Streitkräfte. Annick Ponthier (Belgien) fragte, wie
Parlamentarierinnen und Parlamentarier den Ausbau des NATO-Pipelinesystems fördern können. Paolo Marcheschi
(Italien) sprach die EU-Dekarbonisierungsagenda an und die Notwendigkeit der Verringerung der Abhängigkeiten
von Russland und China im Energiesektor. Marie-France Lalonde (Kanada) betonte, dass auch der physische
Schutz von Energieinfrastruktur eine wichtige Rolle spiele.
7 Ausschuss für Wissenschaft und Technologie
Der Wissenschafts- und Technologieausschuss tagte am Samstag, 30. Mai 2026, unter dem Vorsitz von Vincent
Blondel (Belgien). Im Mittelpunkt der Beratungen standen verteidigungspolitische und technologische
Entwicklungen in Litauen, die Sicherheit alliierter Forschung und Entwicklung, die Integration gerichteter Energiewaffen
in den künftigen NATO-Streitkräftemix sowie Fragen der Finanzierung von Verteidigungsinnovation.
7.1 Runder Tisch zum Thema „Stärkung der Verteidigungsfähigkeit: Litauens Erfolge in den
Bereichen Verteidigung und Innovation“ mit Edvinas Grikšas, Minister für Wirtschaft und
Innovation der Republik Litauen, sowie zum Thema „Wie Hightech-Innovationen
moderne Schlachtfelder prägen: Erkenntnisse aus dem Bereich der unbemannten
Verteidigungssysteme“ mit Vytenis J. Buzas, Gründer und Geschäftsführer von Unmanned
Defense Systems
Edvinas Grikšas hob das gute Wirtschaftswachstum Litauens hervor und betonte, dass die
Verteidigungsausgaben des Landes im Jahr 2026 über fünf Prozent des BIP betragen werden. Damit stellten sie einen wesentlichen
Treiber für Innovation und industrielle Entwicklung dar. Er unterstrich die technologischen Fähigkeiten Litauens
sowie die nachdrückliche Unterstützung des Landes für die Ukraine. Außerdem verwies er auf politische
Reformen wie beispielsweise beschleunigte Genehmigungsverfahren, vereinfachten Grunderwerb oder eine bessere
Koordinierung institutioneller Abläufe, die Verteidigungsinnovation zusätzlich beschleunigten. Vytenis J. Buzas
beschrieb, wie unbemannte und autonome Systeme Kampfgebiete grundlegend veränderten. Sein Unternehmen
entwickle skalierbare, auf unbemannten Luftfahrzeugen basierende Systeme, die Hardware und Software
kombinierten und den Schwerpunkt auf Datenerfassung, Zielerfassung und Entscheidungsfindung unter menschlicher
Kontrolle legten. Er betonte, dass diese Systeme bereits im Einsatz seien, insbesondere in der Ukraine, wo eine
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
reale Erprobung unter Gefechtsbedingungen unerlässlich sei, da sich solche Bedingungen im Inland kaum
realistisch nachbilden ließen.
In der anschließenden Diskussion erkundigte sich Vincent Blondel (Belgien) nach der Zusammenarbeit im
Baltikum. Sven Clement (Luxemburg) thematisierte die Risikoaversion in der Beschaffung und fragte nach dem
Zugang zu Kapital. Dr. Eva Högl (SPD) ging insbesondere auf die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten für
unbemannte Systeme sowie auf datenschutzrechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Einsatz solcher
Technologien ein und bat um eine Einschätzung, wie sich diese Aspekte auf eine engere alliierte Zusammenarbeit im
Baltikum auswirkten.
7.2 Beratung des Generalberichtsentwurfs „Forschungssicherheit: Schutz der Forschung
und Innovation der Allianz ”, vorgelegt von dem Berichterstatter Stuart Anderson
(Vereinigtes Königreich) und Anhörung zu diesem Thema mit Dr. Ulf Ehlert, Leiter für Strategie
und Policy, NATO-Wissenschafts- und Technologieorganisation
Stuart Anderson (Vereinigtes Königreich) stellte seinen Generalberichtsentwurf vor und unterstrich, dass
Versäumnisse bei der Forschungssicherheit unmittelbare Folgen für die kollektive Verteidigung des Bündnisses
hätten. Er legte anhand von Beispielen und Szenarien dar, wie sensible Forschungsergebnisse aus Universitäten und
der Privatwirtschaft an Gegner und strategische Wettbewerber gelangen könnten. Er betonte die Bedeutung
staatlicher Förderung und Informationsbereitstellung, damit Forschende sensible Informationen besser schützen
könnten.
Dr. Ulf Ehlert erläuterte die geplante Forschungssicherheitspolitik der NATO und den Ansatz der Organisation,
wissenschaftliche Exzellenz, rasche Anwendung von Ergebnissen und wissenschaftliche Diplomatie miteinander
in Einklang zu bringen. Er betonte, Forschungssicherheit sei als Voraussetzung für Innovation zu verstehen und
nicht als deren Einschränkung. Wirksame Maßnahmen erforderten aus seiner Sicht ausreichende Finanzmittel,
Aufmerksamkeit für die Führungsebene sowie geschultes Personal, das Bedrohungen erkennen und die
notwendige Sorgfaltspflicht ausüben könne. Zudem seien engere Verbindungen zwischen Forschenden und
Sicherheitssowie Nachrichtendiensten wichtig, um über Bedrohungen zu kommunizieren. Ferner sollten politische
Entscheidungsträger die Öffentlichkeit und die Forschungsgemeinschaft durch eine strategische Kommunikation für die
Bedeutung von Forschungssicherheit sensibilisieren und ihr die praktische Umsetzung erleichtern.
In der Diskussion thematisierten Stuart Anderson (Vereinigtes Königreich) und Vincent Blondel (Belgien)
strategische Kommunikation zur Forschungssicherheit und das Verhältnis zwischen Forschungssicherheit und
veröffentlichter Forschung. Sven Clement (Luxemburg) und Linas Balsys (Litauen) fragten nach den Methoden, mit
denen alliierte Forschende und bestimmte Sektoren gezielt angegriffen würden, sowie der Rolle der Parlamente.
Die Aussprache konzentrierte sich vor allem auf die schwierige Balance zwischen offener Forschung und
verstärkter Regulierung. Dr. Eva Högl (SPD) hob dabei insbesondere die Rolle der nationalen Parlamente bei der
Kontrolle und Weiterentwicklung von Forschungssicherheitsmaßnahmen hervor und mahnte an, dass
parlamentarische Gremien frühzeitig und kontinuierlich in die Ausgestaltung entsprechender Regelungen eingebunden
werden müssten, um die Balance zwischen wissenschaftlicher Offenheit und dem notwendigen Schutz sensibler
Forschung sicherzustellen.
7.3 Beratung des Sonderberichts „Reaktion auf moderne Kriegsführung: Integration von
Strahlwaffen in den Streitkräftemix der NATO”, vorgelegt von dem Berichterstatter Zan
Mahnic (Slowenien) und Anhörung zu diesem Thema mit James Black, Deputy Director
of RAND Europe
Sven Clement (Luxemburg) stellte in Vertretung den Sonderberichtsentwurf vor und beschrieb Strahlwaffen im
Zusammenspiel mit anderen Luft- und Raketenabwehrtechnologien als vielversprechende, kostengünstige und
nachhaltige Lösung für die Kostenasymmetrien und Munitionsengpässe, die die moderne Kriegsführung
kennzeichneten. Er betonte, die erfolgreiche Integration solcher Waffensysteme in den Streitkräftemix erfordere eine
koordinierte Politik, Finanzierung und Zusammenarbeit zwischen den Bündnispartnern, wobei
Parlamentarierinnen und Parlamentarier eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung dieses Wandels einnehmen könnten. James
Black wies darauf hin, dass das sich wandelnde Bedrohungsumfeld zunehmend Massen- und Präzisionsangriffe,
einschließlich Drohnen und Flugkörpern, kombiniere. Es drohe dadurch die bestehenden Luft- und
Raketenabwehrsysteme zu überfordern. Er stellte die Rolle von Strahlwaffen – insbesondere Hochenergielaser und
Mikrowellenwaffen – in der Luft- und Raketenabwehr dar und hob Vorteile wie geringe Kosten pro Schuss, schnelle
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Zielerfassung, Wirksamkeit gegen Drohnen sowie mögliche Anwendungen gegen Satelliten hervor. Zugleich
verwies er auf zentrale Einschränkungen wie begrenzte Reichweite, Wetterabhängigkeit, hohen Energiebedarf und
noch unzureichende technische Reife. Er ging zudem auf operative, rechtliche und industrielle Herausforderungen
ein, darunter Testinfrastruktur, regulatorische Hürden, Interoperabilität und Energieversorgung.
In der Diskussion fragte Sven Clement (Luxemburg) nach Anwendungen gerichteter Energiewaffen im
Weltraum. Jesse Klaver (Niederlande) sprach das Thema Energieversorgung an und Linas Balsys (Litauen) fragte
nach der Rolle der NATO bei Interoperabilität und Standardisierung. Weitere Themen waren die
behördenübergreifende Zusammenarbeit mit zivilen Stellen sowie die Widerstandsfähigkeit von Weltraumsystemen.
7.4 Beratung des Berichtsentwurfs des Unterausschusses „Technologietrends und
Sicherheit“ zum Thema „Finanzierung der künftigen Streitkräfte: Kapital für Innovationen im
Verteidigungsbereich freisetzen ”, vorgelegt von dem Berichterstatter Sven Clement
(Luxemburg) und Anhörung zu diesem Thema mit John Ridge, Chief Adoption Officer, NATO
Innovation Fund
Sven Clement (Luxemburg) stellte den Berichtsentwurf vor und legte dar, dass die moderne Kriegsführung durch
rasche Innovationszyklen und Kostenasymmetrien geprägt sei, was schnellere und flexiblere
Beschaffungsverfahren sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie erfordere. Er beschrieb einen strukturellen
Wandel in der Innovationsdynamik, wonach militärische Forschung und Entwicklung nicht mehr zwingend die
treibende Kraft der Verteidigungsinnovation seien; stattdessen präge ein breiteres System aus Start-ups sowie
kleinen und mittleren Unternehmen die Entwicklung, während der Privatsektor zunehmend mehr investiere als
die öffentliche Hand. Bestehende politische und finanzielle Rahmenbedingungen seien dadurch veraltet und es
entstünden Finanzierungshürden für aufstrebende Verteidigungsunternehmen sowie das Risiko, technologische
Chancen zu verpassen, sofern Regulierung, Beschaffung und Investitionsmöglichkeiten nicht angepasst würden.
John Ridge betonte, dass technologische Überlegenheit zunehmend von der Anpassungsgeschwindigkeit, der
Fähigkeit zur Mobilisierung der verteidigungsindustriellen Basis sowie ausreichenden Ressourcen zur
Fortführung militärischer Auseinandersetzungen abhinge. Innovationen hätten sich in Richtung Privatsektor verlagert,
worauf sich die Verteidigungsbeschaffung einstellen müsse. Viele Hemmnisse, denen innovative
Technologieunternehmen begegneten, seien nicht technologischer, sondern politischer Natur – etwa bestehende
Beschaffungspraktiken, ein eingeschränkter Zugang zu Wachstumskapital, regulatorische Hürden und ungleiche
Wettbewerbsbedingungen zwischen etablierten Anbietern und Start-ups. Er forderte Reformen wie eine stärker auf
Einsatzbereitschaft und Skalierbarkeit ausgerichtete Vertragsgestaltung, kosteneffiziente Fähigkeiten, eine für neue
Unternehmen offenere fähigkeitsbasierte Beschaffung, einen besseren Zugang zu Testmöglichkeiten und Finanzierung
sowie die Mobilisierung privater Investitionen durch konkrete staatliche Aufträge.
In der Diskussion fragte Sven Clement (Luxemburg) nach den Lehren aus dem Ukrainekrieg. Stuart Anderson
(Vereinigtes Königreich) sprach die fehlende Risikokultur von Verteidigungsministerien und Investoren an sowie
die Verfügbarkeit von Kapital. Merja Kyllönen (Europäisches Parlament, Partner für umfassende Sicherheit) und
Njall Fridbertsson (Island) sprachen den Erhalt der verteidigungsindustriellen Basis sowie die Bedeutung
kritischer Rohstoffe für den Technologiebereich an.
8 Plenarsitzung
8.1 Ansprache des Präsidenten der Versammlung Marcos Perestrello (Portugal)
Präsident Marcos Perestrello erinnerte an die Wiedererlangung der Unabhängigkeit von Litauen im Jahr 1990
und betonte, dass Freiheit und Sicherheit stets verteidigt werden müssten. Hinsichtlich der aktuellen
Sicherheitslage führte er aus, Russland setze seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort und
destabilisiere zugleich die NATO durch hybride Aktivitäten. Daher sei eine geschlossene Bündnissolidarität sowie eine
verstärkte Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit, insbesondere an der NATO-Ostflanke, notwendig. Er
stellte die politischen Schwerpunkte der Versammlung vor. Hierzu zählten die konsequente Umsetzung der
NATO-Verteidigungszusagen, der Ausbau der europäischen Beiträge innerhalb der Allianz, die Stärkung der
gesellschaftlichen Resilienz sowie die anhaltende Unterstützung der Ukraine. Es liege in der Verantwortung der
Parlamente, durch entsprechende Gesetzgebung und Haushaltsentscheidungen die Verteidigungsfähigkeit der
Allianz sicherzustellen.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
8.2 Ansprache des Präsidenten der Republik Litauen Gitanas Nausėda
Präsident Gitanas Nausėda betonte die Bedeutung der NATO für die Sicherheit Litauens. In Ergänzung zum
Engagement der Vereinigten Staaten müsse Europa mehr Verantwortung für seine Sicherheit übernehmen. Die
Zukunft der europäischen Sicherheit werde in der Ukraine entschieden. Die Ukraine benötige eine langfristige
militärische Unterstützung, daher sollten die NATO-Mitgliedstaaten hierfür jährlich 0,25 Prozent ihres
Bruttoinlandsprodukts bereitstellen. Die europäische Aufrüstung müsse beschleunigt und die Abschreckungs- und
Verteidigungsfähigkeit, insbesondere an der NATO-Ostflanke, verstärkt werden. Litauen leiste hierzu mit
Verteidigungsausgaben in Höhe von 5,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen eigenen Beitrag. Die Sicherheit
Europas und Nordamerikas könne nur durch ein geschlossenes und handlungsfähiges Bündnis gewährleistet werden.
8.3 Ansprache des Präsidenten des Parlaments der Republik Litauen Juozas Olekas
Parlamentspräsident Juozas Olekas hob die besondere Rolle der Parlamente hervor, die die sicherheitspolitischen
Rahmenbedingungen schaffen, gesellschaftlichen Rückhalt für Verteidigungsmaßnahmen fördern und die
erforderlichen finanziellen Mittel bereitstellen müssten. Litauen plane, langfristig die Verteidigungsausgaben auf bis
zu sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Die langfristige litauische Sicherheitsstrategie umfasse
den Ausbau der Streitkräfte und der militärischen Infrastruktur sowie die Stationierung der deutschen Brigade.
Ferner sprach er sich für den Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie, den Schutz kritischer Infrastruktur,
die Stärkung der Cybersicherheit und der militärischen Mobilität sowie eine größere sicherheitspolitische
Verantwortung Europas innerhalb der NATO aus.
8.4 Ansprache der Premierministerin der Republik Litauen Ingrida Šîmonyté
Premierministerin Ingrida Šimonytė bezeichnete den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als die größte
sicherheitspolitische Herausforderung für Europa. Die Stärke der Allianz beruhe auf militärischen Fähigkeiten,
auf der Solidarität, gemeinsamen Werten und widerstandsfähigen Gesellschaften. Litauen stärke die
Landesverteidigung, den Zivilschutz, die Energiesicherheit sowie den Schutz vor hybriden Bedrohungen. Die
Bündnispartner seien in der Pflicht, ihre Verteidigungsfähigkeiten auszubauen. Die Unterstützung der Ukraine sei zugleich
eine Verteidigung gemeinsamer demokratischer Werte. Litauen werde die Ukraine daher so lange wie erforderlich
unterstützen, und setze sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden ein.
8.5 Ansprache der stellvertretenden NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska
Die stellvertretende NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska betonte die strategische Bedeutung der
baltischen Region und bekräftigte die Verteidigungsbereitschaft der NATO. Die Bedrohung für die europäische
Sicherheit werde über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hinaus bestehen bleiben. Die Beschlüsse des
NATO-Gipfels in Den Haag müssten daher konsequent umgesetzt werden. Sie rief die Parlamente dazu auf, die
notwendigen Haushaltsentscheidungen zu unterstützen und die Verteidigungsfähigkeit der Allianz politisch
abzusichern. Zugleich sprach sie sich für den Ausbau der Verteidigungsindustrie, eine engere Zusammenarbeit
zwischen der NATO und der EU sowie die vollständige Einbindung aller NATO-Mitgliedstaaten aus, um durch
europäische Verteidigungsinitiativen die gesamte Allianz zu stärken. Europa müsse als Teil einer stärkeren NATO
mehr Verantwortung übernehmen. Abschließend unterstrich sie die Bedeutung der weiteren Unterstützung der
Ukraine als einen Beitrag zur Sicherheit der Allianz und verwies auf deren wichtige Rolle als Impulsgeber für
Verteidigungsinnovationen.
8.6 Ansprache des EU-Kommissars für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius und
Diskussion zusammen mit der stellvertretenden NATO-Generalsekretärin Radmila
Šekerinska
Der EU-Kommissar Andrius Kubilius betonte die strategische Bedeutung der NATO- und EU-Ostflanke
angesichts der anhaltenden und zunehmenden Bedrohung durch Russland. Europa müsse mit höheren
Verteidigungsausgaben, einer stärkeren Rüstungsproduktion sowie einer verstärkten Unterstützung der NATO-Ostflanke
und der Ukraine reagieren. Eine engere EU-NATO-Zusammenarbeit, eine stärkere europäische Verantwortung
innerhalb der NATO sowie den Aufbau eines integrierten europäischen Verteidigungsmarktes seien erforderlich,
um Wettbewerb, Innovation und Produktionskapazitäten zu stärken. Er forderte, die Ukraine weiterhin militärisch
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
zu unterstützen und sie schrittweise in die europäische Sicherheitsarchitektur einzubinden. Bis zu einem
möglichen NATO- oder EU-Beitritt schlug er eine Mitgliedschaft der Ukraine in einer künftigen Europäischen
Verteidigungsunion mit einem gemeinsamen Europäischen Sicherheitsrat vor.
In der Diskussion mit Radmila Šekerinska und Andrius Kubilius bat Mike Turner (Vereinigte Staaten) die
stellvertretende NATO-Generalsekretärin um eine Einschätzung zur zukünftigen Unterstützung der Ukraine durch die
USA und deren Bedeutung für die Allianz. Er erkundigte sich bei EU-Kommissar Kubilius zur russischen
Entwicklung nuklearer Anti-Satelliten-Waffen und deren Bedeutung für die europäische Sicherheit. Julie Dzerowicz
(Kanada) thematisierte die zunehmende strategische Bedeutung der Arktis. Angesichts der russischen Aufrüstung
und der wachsenden Präsenz Chinas fragte sie, ob die NATO künftig einen eigenen Verteidigungsplan für die
Arktis entwickeln solle. Sir Alec Shelbrooke (Vereinigtes Königreich) erkundigte sich, wie die NATO ihre
maritimen Streitkräfte künftig zwischen Ostsee, Nordatlantik und Arktis verteilen und wie die kritische
Unterwasserinfrastruktur besser geschützt werden könne. Fernando Gutiérrez (Spanien) sprach mögliche Widersprüche in
der Kommunikation zwischen NATO und EU an. Während innerhalb der EU häufig von „strategischer
Autonomie“ gesprochen werde, betone die NATO eine stärkere europäische Säule innerhalb des Bündnisses. Er fragte,
ob Russland diese unterschiedlichen Botschaften für Desinformation nutzen könne. Natalia Pouzyreff
(Frankreich) stellte fest, dass Europa mehr Verantwortung für seine Verteidigung übernehmen müsse – sowohl finanziell
als auch militärisch und industriell – und fragte, ob diese Ziele im Mittelpunkt des bevorstehenden NATO-Gipfels
in Ankara stehen werden.
Die stellvertretende NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska bekräftigte die fortgesetzte Unterstützung
der Ukraine und verwies insbesondere auf die anhaltenden militärischen Hilfen der USA sowie den Beitrag der
übrigen Verbündeten. Zugleich hob sie die zunehmende sicherheitspolitische Bedeutung der Arktis hervor und
kündigte einen stärkeren Fokus der NATO auf die Region an. Sie betonte, dass höhere europäische
Verteidigungsausgaben und Fähigkeiten die NATO insgesamt stärken würden. Der EU-Kommissar Andrius Kubilius
unterstrich, Europa müsse seine militärische Unterstützung der Ukraine weiter ausbauen und vorhandene
Waffenbestände konsequenter bereitstellen. Zudem sprach er sich für den Ausbau europäischer Fähigkeiten in
den Bereichen Weltraumsicherheit und Verteidigung aus, um schrittweise mehr Verantwortung innerhalb der
NATO zu übernehmen. Auf die Frage von Siri Meling (Norwegen), wie die EU-Kommission sicherstellen wolle,
dass beim Ausbau europäischer Weltraumkapazitäten auch die Fähigkeiten von Nicht-EU-Mitgliedstaaten wie
beispielsweise Norwegen einbezogen werden, antwortete Andrius Kubilius, dass beim Ausbau europäischer
Verteidigungs- und Weltraumkapazitäten auch Nicht-EU-Staaten wie beispielsweise Norwegen einbezogen
werden. Lorenzo Cesa (Italien) erkundigte sich nach den operativen Schritten, mit denen die NATO die
südliche Nachbarschaft – insbesondere den Mittelmeerraum und die Sahelzone – stärker in ihre Abschreckungs-
und Sicherheitsstrategie integrieren wolle, sowie nach der Rolle der Südflanke auf dem NATO-Gipfel in Ankara.
Mihai Fifor (Rumänien) fragte, wie die NATO ihre Präsenz und Abschreckung im Schwarzmeerraum stärken
wolle und ob auf dem NATO-Gipfel konkrete Maßnahmen sowie eine eigene Diskussion zur Schwarzmeerregion
vorgesehen seien. Präsident Marcos Perestrello (Portugal) erkundigte sich, welche finanziellen Instrumente
erforderlich seien, um die europäischen Verteidigungsinvestitionen und den Ausbau der Verteidigungsindustrie zu
finanzieren, und ob neue gemeinsame Finanzierungsmechanismen auf EU- oder NATO-Ebene in Betracht
gezogen würden. Tomáš Valášek (Slowakei) fragte nach dem Verhältnis einer möglichen Europäischen
Verteidigungsunion zur NATO, ob eine solche Union künftig NATO-Strukturen und -Ressourcen – etwa im
Rahmen der Berlin-Plus-Vereinbarungen – nutzen könne sowie nach den Perspektiven einer schrittweisen
Einbindung der Ukraine in dieses Modell. Andrius Kubilius erklärte, die Süd- und Ostflanke Europas müsse durch
gemeinsame Verteidigungsprojekte, etwa in den Bereichen Luftverteidigung und Drohnenabwehr, gestärkt werden.
Er forderte eine bessere Koordinierung nationaler Verteidigungsinvestitionen und unterstützte die Idee einer
Europäischen Verteidigungsunion, in der auch Nicht-EU-Partner enger zusammenarbeiten könnten. Die
stellvertretende NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska betonte die wachsende Bedeutung der Südflanke sowie des
Schwarzmeerraums für die Sicherheit der Allianz. Um die Sicherheit Europas und Nordamerikas langfristig zu
gewährleisten, müssten die vereinbarten Verteidigungsinvestitionen konsequent umgesetzt werden.
8.7 Videoansprache des ukrainischen stellvertretenden Verteidigungsministers Mstyslav
Banik und Aussprache
Minister Mstyslav Banik dankte den NATO-Staaten für ihre Unterstützung und betonte, dass der Krieg in der
Ukraine entscheidend für die zukünftige Sicherheit Europas sei. Russland setze seine Aggression fort, daher
müsse die Unterstützung der Ukraine schneller und strategischer ausgerichtet werden. Die zentralen militärischen
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Prioritäten lägen auf der Luftverteidigung, den Drohnen und Raketen sowie Langstreckenartillerie und Munition.
Inzwischen verfüge die Ukraine über bedeutende industrielle Kapazitäten, benötige jedoch zusätzliche finanzielle
Unterstützung und weitere Luftverteidigungssysteme. Die ukrainische und die europäische
Verteidigungsindustrie müssten noch enger zusammenarbeiten. Die Ukraine wolle ihre Erfahrungen, Technologien und
Produktionskapazitäten einbringen und damit aktiv zur europäischen Sicherheit beitragen. Der Minister betonte die
wachsende Bedeutung moderner Technologien und Digitalisierung für die Kriegsführung. Durch den Einsatz von
Drohnen, digitalen Aufklärungssystemen und KI-gestützten Verfahren habe die Ukraine neue Formen effizienter
Gefechtsführung entwickelt. Wenn die internationale Unterstützung konsequent fortgesetzt werde, könne die
Ukraine den Krieg gewinnen und einen nachhaltigen Frieden erreichen. Der Ausgang des Krieges werde die
europäische Sicherheitsordnung langfristig prägen.
Mike Turner (Vereinigte Staaten) betonte die anhaltende Unterstützung der USA für die Ukraine und bat den
Minister, die Bedeutung der amerikanischen Hilfe für die ukrainischen Verteidigungsanstrengungen
anzuerkennen. Mikko Savola (Finnland) erkundigte sich nach den wichtigsten Lehren aus dem Krieg, insbesondere im
Bereich der digitalen Kriegsführung, Drohnen und der Verbindung ziviler und militärischer Technologien, die für
die NATO-Staaten relevant sein könnten. Jesse Klaver (Niederlande) unterstrich die wachsende Bedeutung
der Ukraine für die europäische Sicherheit und wollte wissen, wie die ukrainische Drohnenproduktion weiter
ausgebaut werden könne. Andrzej Szejna (Polen) erkundigte sich nach der zukünftigen Zusammenarbeit
zwischen der ukrainischen und westlichen Verteidigungsindustrie sowie nach möglichen Übergangsmodellen auf
dem Weg zu einer EU- und NATO-Integration der Ukraine. Tommy Monan (Finnland) fragte nach
Problemen durch elektronische Störmaßnahmen Russlands gegen ukrainische Drohnen, möglichen Auswirkungen auf
europäische Staaten und den Maßnahmen der Ukraine zur Verbesserung der Drohnensicherheit. Dimitrios
Kairidis (Griechenland) sprach Vorfälle im Zusammenhang mit ukrainischen Drohnen- und Seeangriffen an, und bat
um Argumente zur Unterstützung der Ukraine gegenüber kritischen Stimmen. Salvatore De Meo (Europäisches
Parlament, Partner für umfassende Sicherheit) fragte nach Möglichkeiten, die ukrainische
Verteidigungsindustrie stärker in die europäische Sicherheits- und Verteidigungsstruktur zu integrieren und die Fähigkeiten der
Ukraine langfristig für die europäische Sicherheit zu nutzen.
Minister Mstyslav Banik dankte den USA und den internationalen Partnern für ihre Unterstützung. Als wichtigste
Lehre des Krieges hob er die Bedeutung datenbasierter Kriegsführung hervor. Die Ukraine könne mithilfe
digitaler Systeme und Echtzeitanalysen schneller Entscheidungen treffen und ihre militärischen Fähigkeiten gezielt
weiterentwickeln. Der Erfolg der ukrainischen Drohnenproduktion beruhe auf einem offenen,
wettbewerbsorientierten Modell mit der Einbindung von Start-ups und kleineren Unternehmen; zusätzliche Investitionen könnten
den Ausbau weiter beschleunigen. Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der NATO und den europäischen
Partnern betonte er das Ziel einer stärkeren Integration der ukrainischen Verteidigungsindustrie sowie den Austausch
von Erfahrungen und Technologien. Die Unterstützung der Ukraine sei zugleich ein Beitrag zur europäischen
Sicherheit, wobei ein Gleichgewicht zwischen dem langfristigen industriellen Aufbau und den unmittelbaren
Anforderungen der Front gewahrt werden müsse. Zu Vorfällen mit ukrainischen Drohnen außerhalb des
Einsatzgebietes erklärte er, die Ukraine führe keine Angriffe auf europäische Staaten durch. Die zunehmenden
Drohnenbedrohungen seien vielmehr eine Folge der russischen Aggression. Die Ukraine arbeite an der Weiterentwicklung
ihrer Drohnen- und Abwehrfähigkeiten sowie an einer engeren Zusammenarbeit mit ihren Partnern.
8.8 Beratung des Erklärungsentwurfs „Für einen entscheidenden Schritt nach vorn im
Bereich Abschreckung und Verteidigung: eine parlamentarische Agenda für eine stärkere
NATO“, vorgelegt von Sir Alec Shelbrooke (Vereinigtes Königreich), Vizepräsident der
Versammlung
Der Vizepräsident stellte den vom Ständigen Ausschuss erarbeiteten Erklärungsentwurf vor. Darin werde in
Punkt 9 der Erklärung die Zukunft der Ukraine in der NATO wie folgt unterstrichen: „Eine starke, souveräne und
unabhängige Ukraine ist für die Stabilität des euro-atlantischen Raums von entscheidender Bedeutung. Wir
bekräftigen, dass die Zukunft der Ukraine in der NATO liegt. Die euro-atlantische Integration der Ukraine trägt
unmittelbar zur langfristigen regionalen Sicherheit und Stabilität bei. Eine nachhaltige militärische,
wirtschaftliche und politische Unterstützung wird weiterhin von entscheidender Bedeutung sein. Wir befürworten eine klare
mehrjährige Finanzierungszusage, die Vorhersehbarkeit gewährleistet und die Hilfe an die tatsächlichen
Bedürfnisse der Ukraine vor Ort anpasst“.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Im Mittelpunkt der Aussprache stand ein von einem französischen Abgeordneten gemeinsam mit Abgeordneten
aus Deutschland, Italien, Schweden und Norwegen eingebrachter Änderungsantrag, in dem die US-
Militäraktionen gegen den Iran kritisiert werden. Der Präsident ließ den Antrag nicht zu und begründete die Entscheidung mit
dem fehlenden Sachzusammenhang zum Inhalt der Erklärung. In der Plenarsitzung trug der französische
Delegierte daher mündlich den Antrag vor. Die Delegationsleitungen von Frankreich, Schweden und Deutschland
distanzierten sich von dem Inhalt des Antrags und viele weitere Delegierte bewerteten eine Verurteilung der USA
als einen Angriff auf die Einheit der Allianz und als ein „Geschenk an Putin“. Weitere Redner betonten die
Bedeutung der Geschlossenheit der Allianz. Im Anschluss nahm die Versammlung die Erklärung mit einer
Gegenstimme an.
8.9 Bericht der Schatzmeisterin der Versammlung und Abstimmung über den
Haushaltsentwurf 2027, weitere Haushaltsdokumente sowie Änderungen der Finanzordnung
Die Schatzmeisterin, Marja-Liisa Völlers (SPD), stellte den Entwurf für das Haushaltsjahr 2027 sowie
Änderungen der Finanzordnung vor. Das Haushaltsjahr 2025 sei mit einem Überschuss von rund 70.000 Euro
abgeschlossen worden. Sie schlug vor, diesen im Rahmen einer Anpassung des Haushalts 2026 unter anderem für IT-
Maßnahmen, die Ausschussarbeit und zusätzliche Sitzungen zu verwenden. Zudem informierte sie über
finanzielle Beiträge Luxemburgs, der Schweiz und der NATO. Die Versammlung nahm die vier Finanzdokumente – den
geprüften Jahresabschluss 2025, den Jahresabschluss des Pensionsfonds 2025, den Bericht der Schatzmeisterin
zur Verwendung des Haushaltsüberschusses 2025 einschließlich eines Sachstandsberichts zum laufenden
Haushaltsjahr sowie die Änderungen der Finanzordnung – jeweils mit einer Enthaltung – an.
8.10 Wahl
Die Versammlung wählte per Akklamation Alberto Losacco (Italien) als Nachfolger der ausgeschiedenen Agnes
Vadai (Ungarn) zum neuen Vizepräsidenten.
Berlin, den 10. September 2026
Marja-Liisa Völlers
Leiterin der Delegation
Prof. Dr. Roman Poseck
Leiter der Delegation des Bundesrates
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
9 Verabschiedete Erklärung
FÜR EINEN ENTSCHEIDENEN SCHRITT NACH VORN IM BEREICH ABSCHRECKUNG UND
VERTEIDIGUNG: EINE PARLAMENTARISCHE AGENDA FÜR EINE STÄRKERE NATO 1
ERKLÄRUNG
1. Die NATO vollzieht derzeit eine grundlegende Modernisierung ihres Abschreckungs- und
Verteidigungsdispositivs, die in einer historischen Neuausrichtung des Bündnisses begründet ist. Die Verbündeten bauen an
einem stärkeren und verantwortungsbewussteren Europa als Fundament für ein widerstandsfähigeres und
glaubwürdigeres transatlantisches Bündnis.
2. Als Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung der NATO tragen wir eine klare Verantwortung, dieser
Herausforderung gerecht zu werden. Wir werden unsere Parlamente mobilisieren, um sicherzustellen, dass die
NATO die kontinuierliche politische Unterstützung und die Ressourcen erhält, die sie zur Abschreckung und
Verteidigung gegen jede Bedrohung – aus welcher Richtung auch immer – benötigt. Wir werden weiterhin mit
unseren Bürgerinnen und Bürgern in Dialog treten, um eine Kultur der Verteidigung, der Vorsorge und der
demokratischen Resilienz zu stärken.
3. Wir werden unsere Anstrengungen im Bereich der parlamentarischen Diplomatie noch einmal deutlich
verstärken, um eine strategische Annäherung zwischen den Verbündeten zu schaffen, die transatlantischen Bande zu
stärken, Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit zu fördern. Europa und Nordamerika teilen ein zentrales
strategisches Interesse an der Wahrung von Frieden, Stabilität und Wohlstand. Wir stehen geschlossen bereit,
unsere Freiheit, Demokratie und Lebensweise zu verteidigen. Unserer Sicherheit ist am besten gedient, wenn wir
zusammenarbeiten. Eine starke NATO, die auf dem unerschütterlichen Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung
gemäß Artikel 5 des Nordatlantikvertrags beruht, ist das wirksamste Mittel, um Aggressionen abzuschrecken,
Krieg zu verhindern und unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
4. Die Bedrohungen, denen wir gegenüberstehen, sind miteinander verknüpft. Russland stellt nach wie vor eine
direkte, strategische und langfristige Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit dar, unter anderem durch seinen
Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Destabilisierungskampagnen auf Kosten der Sicherheit der
Verbündeten. Wir verurteilen aufs Schärfste Russlands rücksichtsloses Vorgehen, das kürzlich zum Eindringen von
Drohnen in den litauischen und rumänischen Luftraum geführt hat. Der Terrorismus stellt die unmittelbarste
asymmetrische Bedrohung für die Verbündeten dar. Cyberangriffe, Sabotage, wirtschaftliche Nötigung und andere hybride
Taktiken richten sich täglich gegen die Gesellschaften der Verbündeten. Die zunehmende Annäherung zwischen
Russland, China, Iran und Nordkorea stellt eine Herausforderung für unsere Sicherheit dar und verschärft den
strategischen Wettbewerb, vom Nordatlantik bis zum Schwarzen Meer und von der Arktis bis zur Straße von
Hormus.
5. Auf dem NATO-Gipfeltreffen 2026 wird der nächste Schritt zur Anpassung der NATO und zur Umsetzung
von Verpflichtungen in konkrete Fähigkeiten unternommen. Als politisch Verantwortliche kommt uns eine
Schlüsselrolle zu, um sicherzustellen, dass die in Ankara getroffenen politischen Entscheidungen – zu
Fähigkeiten, Einsatzbereitschaft, Aufwuchs, Infrastruktur, Verteidigungsindustrie und Resilienz – zügig, in angemessenem
Umfang und in einer Weise umgesetzt werden, die Aggressionen abschreckt.
6. Auf dem Gipfeltreffen muss die Verpflichtung, jährlich 5 Prozent des BIP in verteidigungs- und
sicherheitsbezogene Anforderungen zu investieren, durch glaubwürdige nationale Pläne, die durch entsprechende
gesetzliche Rahmenbedingungen gestützt werden, dringend weiter konkretisiert werden. Unsere Länder sollten alles
daransetzen, um die Umsetzungsfristen deutlich vor 2035 vorzuverlegen. Die Versammlung wird gegenüber unseren
Bürgerinnen und Bürgern weiterhin die politischen, strategischen und wirtschaftlichen Argumente für
Verteidigungsinvestitionen deutlich machen. Wir verpflichten uns nicht nur, dauerhafte Verteidigungszusagen zu
unterstützen, sondern auch deren Umsetzung aktiv zu verfolgen und kontinuierlich greifbare Ergebnisse einzufordern.
1 Vorgelegt vom Ständigen Ausschuss und verabschiedet von der Plenarversammlung am 1. Juni 2026 in Vilnius (Litauen).
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
7. Wir müssen die technologische und industrielle Basis der Verteidigung auf beiden Seiten des Atlantiks
stärken, um diejenigen, die unsere Sicherheit untergraben wollen, in Bezug auf Produktion, Innovation und
Anpassungsfähigkeit zu übertreffen, und gleichzeitig die Bedeutung einer fortgesetzten und wirksamen transatlantischen
Verteidigungszusammenarbeit unterstreichen. Die Parlamente spielen eine entscheidende Rolle dabei, die
Gesetze, Anreize und Reformen zu identifizieren, die erforderlich sind, um die Produktion zu steigern, die
Beschaffung zu beschleunigen, Lieferketten zu sichern und Lagerbestände aufzustocken, Hindernisse für die
Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie zu beseitigen und Innovationen voranzutreiben. Verteidigungsinvestitionen
sind nicht nur ein sicherheitspolitisches Muss; sie fördern auch Wettbewerbsfähigkeit, technologische
Entwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum.
8. Ein stärkeres und handlungsfähigeres Europa ist für eine gerechtere, ausgewogenere und resilientere NATO
unerlässlich. Die europäischen Verbündeten und Kanada müssen weiterhin mehr investieren, mehr produzieren
und die Streitkräfte, Fähigkeiten, Hilfsmittel und Infrastruktur bereitstellen, die erforderlich sind, um mehr
Verantwortung für die konventionelle Abschreckung und Verteidigung Europas zu übernehmen. Sie müssen auch
weiterhin gemeinsam mit den Vereinigten Staaten eine führende Rolle bei der Unterstützung der Ukraine
übernehmen, unter anderem durch die NATO-Initiative „Prioritised Ukraine Requirements List“ (PURL). Die
Parlamente werden entscheidend dazu beitragen, den demokratischen Rückhalt für eine langfristige Neugewichtung
der Verantwortlichkeiten dauerhaft zu sichern. Wir unterstützen die Festlegung konkreter kollektiver Etappenziele
zur Verfolgung der Fortschritte bei der Umverteilung der Lasten auf der Grundlage des NATO-
Verteidigungsplanungsprozesses.
9. Eine starke, souveräne und unabhängige Ukraine ist für die Stabilität des euroatlantischen Raums von
zentraler Bedeutung. Wir bekräftigen, dass die Zukunft der Ukraine in der NATO liegt. Die euroatlantische Integration
der Ukraine trägt unmittelbar zur langfristigen regionalen Sicherheit und Stabilität bei. Eine kontinuierliche
militärische, wirtschaftliche und politische Unterstützung wird weiterhin unerlässlich sein. Wir befürworten eine
klare, mehrjährige Finanzierungszusage, die Planungssicherheit gewährleistet und sicherstellt, dass die
Unterstützung dem tatsächlichen Bedarf der Ukraine vor Ort entspricht.
10. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie, unter anderem durch mehr
Koproduktion und gemeinsame Entwicklung, stärkt die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine und erhöht
gleichzeitig die Bündnisbereitschaft. Wir sprechen uns dafür aus, den Druck auf Russland durch Unterstützung der
Verschärfung und wirksamen Umsetzung von Sanktionen gegen das Land und seine Komplizen, insbesondere im Öl-
und Gassektor, einschließlich der russischen Schattenflotte, sowie im Banken- und Finanzsektor
aufrechtzuerhalten.
11. Die Versammlung wird den Fokus auch weiterhin auf die Resilienz als eine der zentralen Voraussetzungen
für die kollektive Verteidigung richten. Die Parlamente tragen eine direkte Verantwortung für die Verabschiedung
von Gesetzen und die Aufrechterhaltung von Investitionen zum Schutz kritischer Infrastruktur, einschließlich
Energienetzen, Häfen, Verkehrskorridoren, Unterwasserinfrastruktur, Telekommunikation, Datensystemen und
weltraumgestützten Systemen. Wir werden uns auch dafür einsetzen, strategische Verwundbarkeiten und
Abhängigkeiten in verteidigungskritischen Lieferketten, bei neuen Technologien, Rohstoffen, Energie,
Kraftstoffversorgungsketten und der Logistik zu verringern.
12. Wir stehen diesen Herausforderungen nicht allein gegenüber. Die Partnerschaften der NATO sind zusammen
mit dem umfangreichen Netzwerk parlamentarischer Partner der Versammlung wichtige strategische Ressourcen.
Der Dialog und die praktische Zusammenarbeit mit Partnern in unserer südlichen und östlichen Nachbarschaft
sowie im indopazifischen Raum tragen zur Stärkung der Resilienz bei und helfen, Sicherheitsrisiken von globaler
Tragweite zu begegnen.
13. In einer Zeit wachsender Bedrohungen und des strategischen Wettbewerbs bleibt die Parlamentarische
Versammlung der NATO eine einzigartige Plattform, um die Geschlossenheit, Solidarität und den Zusammenhalt der
Verbündeten zu fördern, die transatlantischen Bande zu stärken und die kollektive Verteidigung zu wahren. Die
NATO bleibt der entscheidende Machtmultiplikator für unsere Staaten. Wir werden unsere parlamentarischen
Mandate nutzen, um die öffentliche Unterstützung aufrechtzuerhalten, die demokratische Legitimität zu stärken
und sicherzustellen, dass das Bündnis weiterhin bereit ist, Krieg zu verhindern, unsere Freiheit zu schützen und
unsere Lebensweise zu bewahren.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Relationen
- authored ← Deutsche Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO
- part_of_vorgang → Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO vom 29. Mai bis 1. Juni 2026 in Vilnius, Litauen (Unterrichtung)