Rede von Rebecca Lenhard (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 21/100
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Rebecca Lenhard (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 21/100
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte
Abgeordnete! Ja, Deutschland braucht dringend ein Update hin zu
einer wirklich modernen, sicheren und zukunftsfesten
digitalen Infrastruktur. Und wir wollen auch ganz klar,
dass das gelingt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie der Abg. Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU])
Aus der Union habe ich erstaunlicherweise zuletzt die
Sorge gehört, dass bei der Telekommunikation nicht das
passieren dürfe, was beim Gebäudeenergiegesetz passiert
ist, und zwar, dass die Menschen verunsichert werden.
Das finde ich schon bemerkenswert. Denn welche Partei
hat denn damals Stimmung gemacht?
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Ja! – Joachim Ebmeyer [CDU/CSU]:
Unsicherheit haben Sie geschaffen!)
Zu gar keinem Zeitpunkt stand in dem Gesetz, dass
irgendjemand persönlich in den Keller kommen und die
Heizung rausreißen würde. Es war die Union, die dieses
falsche Bild geprägt hat.
(Alexander Arpaschi [AfD]: Sie verstehen
Metaphern schon, oder?)
Die Folge war, dass die Menschen verunsichert wurden
und ein wichtiges Gesetz für unsere Zukunft Gegenstand
einer politischen Angstkampagne wurde.
(Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: So war’s!)
Und heute fürchten Sie genau dieses Verhalten, das Sie
selbst vorgemacht haben? Die Pointe ist: Dieses Mal
müssen ehrlicherweise wirklich Menschen für den
Glasfaservollausbau in den Keller.
Wenn Sie sich heute Sorgen um ein Verhalten machen,
das Sie in der vergangenen Legislatur noch selbst ohne
Rücksicht auf Verluste gezeigt haben, dann sollten Sie
doch eines dringend tun, und zwar Ihren politischen Stil
überdenken, Ideologie zur Seite legen und stattdessen
wieder zurück zur Sache kommen.
(Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU]: Von
Unterstützern von Antisemiten nehmen wir keine
Ratschläge an!)
Wir als Grüne machen das in der Opposition so. Wir
kritisieren in der Sache, aber machen den Menschen
keine Angst vor einem Infrastrukturwechsel, der wirklich
dringend benötigt wird.
(Joachim Ebmeyer [CDU/CSU]: Frau
Kollegin, das macht hier keiner!)
Sie dürfen sich gerne ein Beispiel daran nehmen.
Die größte Gefahr für die Akzeptanz ist nicht die Angst
vor Technikmenschen in den Kellern. Viele Menschen
machen sich derzeit Sorgen wegen der steigenden Preise,
der Miete, der Energie- und Lebensmittelkosten. Wer
jetzt auch noch Sorge hat, beim Internetvertrag abgezockt
zu werden, verliert das Vertrauen in den gesamten
Prozess. Deshalb braucht es Maßnahmen, die die Menschen
genau davor schützen. Ich möchte exemplarisch zwei
Beispiele für Probleme nennen, die bisher nicht
ausreichend adressiert sind.
Erstens. Niemand sollte am Telefon unter Druck
gesetzt werden, einen neuen, gegebenenfalls teureren
Vertrag abzuschließen.
Eine schriftliche Bestätigung reicht an der Stelle nicht
aus. Denn wenn ich gerade in einem Telefongespräch
bin und mir dann jemand sagt: „Frau Lenhard, ich schicke
Ihnen jetzt eben den Link zu, da klicken Sie einmal
drauf“, dann ändert das überhaupt nichts an meiner
Drucksituation. Richtig wäre die Verpflichtung gewesen,
sicherzustellen, dass die Bestätigung erst nach dem
Telefonat erfolgt.
(Beifall der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Zweitens. Wenn eine Internetleistung, für die ich
bezahle und die mir vertraglich zugesichert wurde, nicht im
versprochenen Umfang bei mir ankommt, dann ist es
aktuell viel zu schwer, Ansprüche geltend zu machen –
wochenlange Messprotokolle und viel Bürokratie.
Wollten Sie nicht eigentlich Bürokratie reduzieren? Geben Sie
den Menschen einen bürokratiearmen, pauschalen
Schadensersatz, sobald eine Minderleistung festgestellt
wurde! Das wäre gerecht, das wäre fair, und das wäre vor
allem ein sinnvoller Bürokratieabbau.
Eine funktionierende, resiliente moderne Demokratie
braucht auch eine funktionierende, resiliente digitale
Infrastruktur. Mit der Grundgesetzänderung und dem
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität haben
wir Grüne Investitionen in unsere Zukunft möglich
gemacht. Diese Gelder sind nicht dafür da, Haushaltslöcher
zu stopfen. Dieses Geld muss in Kabel und in Masten
fließen. Denn das, was wir heute an Glasfaser verlegen,
ist die Grundlage, auf der die kommenden Generationen
aufbauen können.
Vielen Dank.
Relationen
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