Rede von Klaus Riegert (CDU/CSU) – Drucksache 16/11217
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3 und 4: Drucksache 16/11217 –.
Text
Rede von Klaus Riegert (CDU/CSU) – Drucksache 16/11217
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Morgen
ist der Tag des Ehrenamtes, der von den UN 1985
deklarierte Volunteer Day. Dieser Tag würdigt den
ehrenamtlichen Einsatz und das Engagement aller Freiwilligen
weltweit. Für ihren Einsatz wollen wir allen
bürgerschaftlich Engagierten ein herzliches Dankeschön sagen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
In Deutschland engagieren sich mehr als 23 Millionen
Menschen ehrenamtlich. Ohne die Leistungen der
Freiwilligen in vielen Bereichen wie Soziales, Kultur,
Gesundheit, Bildung, Umwelt-, Katastrophen- oder
Verbraucherschutz und natürlich Sport wäre gesellschaftliches
Leben nicht denkbar. Über 2,7 Millionen Menschen
engagieren sich in den Sportvereinen, leisten 500
Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit und übernehmen
gesellschaftliche Aufgaben, die der Staat so nicht leisten
könnte.
Diese Bereitschaft ist nicht selbstverständlich,
sondern muss gepflegt werden. Für dieses Engagement
gebührt den ehrenamtlich Tätigen besonderer Dank,
Anerkennung und Unterstützung –
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
Unterstützung, indem wir die Rahmenbedingungen für
unsere Engagierten ständig verbessern. So haben wir
neben der Verbesserung des Versicherungsschutzes mit den
„Hilfen für Helfer“ die Übungsleiterpauschale erhöht,
die kleine Übungsleiterpauschale für Vereinsvorstände
eingeführt und die Vereinsfreigrenzen angehoben. Diese
Große Koalition setzt nun eine gesetzliche Begrenzung
der Haftung von ehrenamtlich tätigen Vereinsvorständen
durch.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Dr. Peter Danckert [SPD])
Sport bringt Lebensfreude, schafft Lebensqualität;
Sport fasziniert. Millionen von Bürgerinnen und Bürgern
nehmen in vielfältiger Weise aktiv am Sportgeschehen
teil. Heute Morgen war ich einer von ihnen: 3 000-
Meter-Lauf und 200 Meter Schwimmen fürs
Sportabzeichen.(Winfried Hermann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Geschafft oder nicht geschafft? –
Dr. Peter Danckert [SPD]: Hat das heute
Morgen geklappt?)
– Ich war erfolgreich, jawohl.
Ich möchte mich bei allen Frauen und Männern, die
bundesweit das Sportabzeichen abnehmen, ganz herzlich
bedanken.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
In vielen Bereichen, zum Beispiel Integration,
Gesundheit, Bildung, Erziehung, nationale Repräsentanz
und internationale Verständigung, ist der Sport ein
wichtiges und unverzichtbares Mittel.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
sowie des Abg. Heinz-Peter Haustein [FDP])
Mit ihren gewachsenen Strukturen leisten die unter dem
Dach des DOSB vereinten Sportorganisationen und -
vereine somit einen bedeutenden Beitrag für unsere
Gesellschaft.
Hier sehe ich ein Alleinstellungsmerkmal des
organisierten Sports mit den sozialen Funktionen und dem
bürgerschaftlichen Engagement: die Gemeinwohlorientierung.
Dafür sage ich dem ehrenamtlichen Präsidium des
DOSB herzlichen Dank, das auf dem Weg nach Rostock
heute extra angereist ist,
aber auch allen Mitarbeitern in Frankfurt und dem
DOSB insgesamt.
Durch Sport überwinden Menschen Sprachbarrieren.
Sport erleichtert die Verständigung von Menschen
unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen. Beim Sport
sind Leistung und Teamgeist, nicht Herkunft oder
Hautfarbe entscheidend. DOSB-Präsident Thomas Bach hat
einmal gesagt – ich zitiere –:
Sport ist nicht Mittel zur Integration, Sport ist
Integration.
Das Projekt „Integration durch Sport“ hat sich als
wichtiges und wirkungsvolles Instrument erwiesen. Es führt
junge Menschen, die als Aussiedler oder Ausländer zu
uns gekommen sind, und Menschen mit
Migrationshintergrund in den Sport. Neben seiner integrativen Kraft
leistet es nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Sichtung
möglicher Talente.
Allerdings hat auch der Sport als Spiegelbild der
Gesellschaft Probleme. Gewalt im Sport, Doping und
Manipulation bedrohen das Fundament der Sportlandschaft
und bedürfen der konsequenten Bekämpfung. Allerdings
kann sich diese Bekämpfung nicht an den populistischen
Anträgen der Grünen orientieren.
Ihre Anträge zeugen vielmehr von pauschaler
Diskriminierung zulasten des Sports. Als emotionale Antwort auf
positive Dopingproben bei den Profirennställen im
Radsport sind Mittelkürzungen pädagogisch nicht
gerechtfertigt. Die Grünen wollten beim Radsport als
Warnschuss für den gesamten Sport ein Exempel statuieren.
Für Mittelstreichungen oder -sperrungen braucht es aber
ein konkretes schwerwiegendes Fehlverhalten eines
Verbandes und klare Bedingungen für die Zukunft.
(Winfried Hermann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Die Frage ist, was bei Ihnen
schwerwiegend heißt!)
Dazu kam von Ihnen gar nichts.
Ihr neuer Antrag ist auch nicht besser. Ich frage mich,
wo Ihre tollen Vorschläge waren, als Sie sieben Jahre an
der Regierung beteiligt waren. Vielleicht haben Sie auch
nur in der Opposition schlaue Einfälle. Dann sollte Ihre
Fraktion möglichst lange in dieser Funktion bleiben.
(Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]:
Immer!)
Da ich gerade dabei bin, lieber Detlef Parr:
(Detlef Parr [FDP]: Ach! Jetzt kriege ich auch
noch einen mit!)
Der Antrag der FDP stimmt in weiten Teilen inhaltlich
mit dem Koalitionsantrag überein. Also hätte sich die
FDP einen Ruck geben und unseren Antrag direkt
unterstützen können.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD – Detlef Parr [FDP]: Ich sage dazu
gleich noch etwas!)
Menschen, die Sport treiben, tun das oft in Vereinen.
So unterstützt der Sport etwas, das in den vor uns
liegenden Jahrzehnten für unsere Gesellschaft von
grundlegender Bedeutung sein wird: den Zusammenschluss und das
Zusammenwirken von Menschen. Die Gesellschaft muss
noch stärker als bisher auf den Individuen, den Bürgern
und den von ihnen gebildeten Vereinigungen, Verbänden
und Stiftungen ruhen. Für den Sport heißt das: Wir
brauchen einen starken und unabhängigen DOSB mit seinen
Landessportbünden und Fachverbänden. Auch wenn
sich manche in der Politik damit schwertun: Dafür
braucht man die Autonomie des Sports. Diese darf nicht
angetastet werden.
Lassen Sie mich noch einige Schlaglichter setzen.
Sportvereine sind wohnortnah, kostengünstig und
bundesweit flächendeckend. Der organisierte Sport sorgt für
Spiel- und Wettkampfbetrieb insbesondere bei Kindern
und Jugendlichen. Das macht den Unterschied zu freiem
oder kommerzialisiertem Sport aus. Die älter werdende
Gesellschaft verbindet Sport und Bewegung mit eigenen
Wünschen und Erwartungen und benötigt entsprechend
neue Sporträume. Intakte Sportstätten und eine
Sportinfrastruktur, die die Vielfalt der Sportarten
ermöglichen, sind unabdingbare Voraussetzungen für ein reges
Sporttreiben in der Breite und in der Spitze. Wir sagen Ja zu Behindertensport in Breite und
Spitze.
(Detlef Parr [FDP]: Davon steht aber wenig in
eurem Antrag!)
Die Möglichkeiten und Anreize für Menschen mit
Behinderungen, Sport zu treiben, müssen erweitert werden.
Der ungehinderte und barrierefreie Zugang zu
Sportstätten und deren Nutzung müssen gewährleistet sein.
Sportvereine sollen sich für die Integration behinderter
Sportler verstärkt öffnen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Wir sehen diese Debatte als Auftakt und
Unterstützung der DOSB-Mitgliederversammlung, die am
Wochenende in Rostock stattfindet. Wir achten die
Autonomie des Sports und wollen mit den Sportorganisationen
auch weiterhin partnerschaftlich und gut
zusammenarbeiten.
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)