Rede von Dr. Klaus Kinkel (Bundesminister des Auswärtigen) – Plenarprotokoll 12/242
Teil von Protokoll der 242. Sitzung des 12. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dr. Klaus Kinkel (Bundesminister des Auswärtigen) – Plenarprotokoll 12/242
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr
Klose, Herr Scharping, Herr Fischer, ich dachte, wir
bekommen heute während der Haushaltsdebatte die
große Auseinandersetzung in der Außenpolitik. Wir
haben immerhin Hoch-Zeit im Wahlkampf. Ich habe
mich auf viel eingestellt. Dagegen: Schweigen im
Walde, absolutes Schweigen im Walde zur
Außenpolitik — mit zwei ganz kleinen Ausnahmen, auf die ich
nachher gern eingehen möchte.
Daraus schließe ich zweierlei: Erstens.
Offensichtlich haben Sie nichts zu kritisieren. Das finde ich gut,
sogar sehr gut.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU — Horst Jungmann [
Wittmoldt] [SPD]: Die findet doch gar nicht mehr
statt!)
Zweitens — das allerdings wäre bedauerlicher und
traurig —: Sie haben dazu nichts zu sagen. Das fände
ich nicht so gut.
(Beifall bei Abgeordneten der F.D.P. —
Helmut Wieczorek [Duisburg] [SPD]: Nein, sie
findet nicht statt!)
Einen Kritikpunkt, Herr Klose, haben Sie
herausgegriffen, der zwischenzeitlich wirklich eine uralte
Platte ist, die leiert, Risse hat und quietscht: unseren
Wunsch, einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu
erhalten. Aber auch da liegen Sie, wenn ich es richtig
sehe, falsch und schreien auf dem falschen Bein hurra.
Sie wissen sehr genau, daß Sie dies als erste gefordert
haben und daß das — ich kann es Ihnen vorlesen —
wörtlich in Ihrem Beschluß des SPD-Parteitags vom
16. bis 19. November 1993 steht. Gilt das nicht mehr?
Das scheint mir ein bißchen komisch zu sein.
Wenn das der einzige Kritikpunkt bleibt, kann ich
gut damit leben,
(Horst Jungmann [Wittmoldt] [SPD]: Aber
mit dem Wahlergebnis nicht mehr!)
zumal 85 % der deutschen Bevölkerung diesen
unseren Wunsch unterstützen. Damit kann ich sehr gut
leben.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU)
Der zweite Punkt ist die Europapolitik. Dazu will ich
gleich etwas sagen.
(Helmut Wieczorek [Duisburg] [SPD]: Darauf
freuen wir uns!)
Herr Fischer ist, wenn ich es richtig sehe, nicht mehr
da. Das halte ich nicht für einen guten S til. Gerade
wenn man aus einem Bundesland kommt und hier so
große Töne spuckt, sollte man auch dabei sein, wenn
man eine Antwort erwarten kann.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordne
-
ten der CDU/CSU — Anke Fuchs [Köln]
[SPD]: Haben Sie das noch nie gemacht? —
Horst Jungmann [Wittmoldt] [SPD]: Sie
waren doch gestern auch nicht da!)
— Da Sie mich fragen: Ich war gestern abend bei der
Konferenz der Europäischen Union und der SADC-
Außenminister in Berlin. Da habe ich für dieses L and
Außenpolitik gemacht. Den Vorwurf halte ich aus.
Herr Fischer, Sie waren wahnsinnig laut
(Klaus Lennartz [SPD]: H and aus der
Tasche!)
— das nächste Mal bringe ich Ohropax mit —, aber
schreien nützt hier nichts, und Argumente haben Sie
überhaupt keine gebracht. Sie schreien nur.
Was den Schatten anbelangt, von dem Sie
gesprochen haben, rufe ich Ihnen nach: Seien Sie nicht böse,
Sie werfen persönlich auch keinen ganz so kleinen
Schatten — das räume ich ein —, wenn ich mir Ihre
Figur ansehe, sonst aber eher einen kleinen.
Dazu möchte ich klar und deutlich sagen: Wer im
Glashaus sitzt, sollte eigentlich nicht mit Steinen
werfen.
Im übrigen — das sage ich ein klein wenig nach
links gerichtet —: Ich habe schon sehr genau
registriert, woher der Hauptbeifall nach der Rede von
Herrn Fischer kam. Das war für mich leicht
merkwürdig und auch sehr aufschlußreich.
(Horst Jungmann [Wittmoldt] [SPD]: Ko
mmen Sie mal zur Sache, junger Mann! —
Helmut Wieczorek [Duisburg] [SPD]: Der
Kanzler kann das auch schon nicht mehr
hören! — Zuruf von der SPD: Was ist denn
nun mit der Außenpolitik? — Glocke des
Präsidenten)
Vizepräsident Helmuth Becker: Herr Minister, eine
Sekunde bitte. — Zwischenrufe sind gestattet, das
wissen wir alle, aber nicht dauernde Störungen. Ich
bitte also, bei dem zu bleiben, was wir bisher hatten,
damit wir uns gegenseitig verständigen können.
Deswegen bitte ich, sich auf das zu beschränken, was in
der Geschäftsordnung steht: Zwischenrufe ja, aber
keine dauernden Störungen.
Bitte, Herr Minister.