Rede von Joachim Stünker (SPD) – Drucksache 16/1993
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 5: Drucksache 16/1993 –.
Text
Rede von Joachim Stünker (SPD) – Drucksache 16/1993
Natürlich nehme ich das zur Kenntnis, Herr Kollege
Montag. Warum sollte ich das nicht zur Kenntnis
nehmen? Aber Sie haben Ihre Frage wieder verwandt, um
Ihre Meinung deutlich zu machen,
(Silke Stokar von Neuforn [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Dafür ist sie ja da!)
die Sie vorhin in Ihrer Rede nicht mehr bringen wollten.
(Jerzy Montag [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das habe ich gemacht, ja! – Volker
Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Unglaublich ist das! Ordnungsgeld!
Rausschmeißen!)
– Herr Beck, Sie werden ertragen müssen, dass ich zu
Ende rede. Sie mit Ihrem Handy hören ja sowieso nicht
zu.
(Jörg van Essen [FDP]: Er ist ja auch kein
Jurist! Deswegen ist er nicht so sehr in der
Thematik!)
Herr Kollege Montag, ich will dazu nur eines sagen:
Über dieses Thema können wir uns akademisch lange
streiten. Für mich gilt nach wie vor: Durch die Regelung,
die wir getroffen haben – diese Einschätzung ist von den
Sachverständigen in der Anhörung geteilt worden –,
wird das gesamte Instrumentarium der
Sicherungsverwahrung nicht so stark aufgebohrt, wie Sie es
befürchten. Ich kann Ihnen nur sagen: Wenn es wirklich so
kommen sollte, dass die Rechtsprechung Ihre
Schlussfolgerungen zieht, dann müssten wir in der Tat etwas
ändern. Aber ich bin ganz sicher: Mit der Regelung, die
wie im Gesetzentwurf getroffen und in der Begründung
dargelegt haben, regeln wir nur die Altfälle, die wir
damit auch regeln wollten.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU – Silke Stokar von Neuforn
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie
es doch gleich richtig!)
Wir müssen uns bei der Diskussion auch immer
wieder klarmachen, worüber wir eigentlich reden. Wir reden
Joachim Stünkerhier über gefährlichste Straftäter, die wegen grauenvoller
und grauenvollster Straftaten, wegen Verbrechen,
langfristige Freiheitsstrafen verbüßt haben und über die uns
die Sachverständigen prognostisch sagen, dass die
Gefahr besteht, dass sie nach der Haftentlassung erneut in
gleicher Weise straffällig werden. Der Rechtstaat muss
dort handeln und ein Instrumentarium schaffen, um dem
Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit zu genügen.
Ich weise immer wieder darauf hin, dass wir dieses
Instrumentarium bereits in der letzten Legislaturperiode
dadurch geschaffen haben, dass wir den nötigen
Grundrechtsschutz, den Freiheitsschutz, über das Verfahren
gewährleisten. Das heißt, es muss eine neue
Hauptverhandlung mit allen rechtsstaatlichen Sicherungen und
Möglichkeiten für denjenigen stattfinden, der weiterhin
in Sicherheitsverwahrung belassen werden soll. Es muss
eine öffentliche Beteiligung und Möglichkeiten der
Revision sowie alles, was dazugehört, geben. In diesem
völlig rechtsstaatlichen Verfahren müssen uns zwei
Sachverständige sagen: Jawohl, hier ist eine
entsprechende Gefährlichkeit gegeben.
Ich kann nur sagen: Dann kann man es verantworten,
auch solche Regelungen zu treffen; denn bei jedem Fall,
wie dem von Mitja in Leipzig oder anderen, stehen wir
auch immer vor der Öffentlichkeit und müssen
sozusagen bekennen, was wir getan haben, um die notwendige
Vorsorge zu treffen. Ich meine, wir haben das hier getan.
Das heißt, das, was rechtsstaatlich möglich und
vertretbar ist, ist immer die Grenze. Über diese Grenze sind wir
auch in diesem Fall nicht hinausgegangen.
Lassen Sie mich zum Schluss noch sagen: Ich muss
allerdings auch bekennen, dass die Regelungen zur
Sicherungsverwahrung, die seit Ende der 90er-Jahre Stück
für Stück verändert worden sind, mittlerweile in der Tat
ein Paragrafenwerk darstellen, das nur noch schwer
durchschaubar ist. Auch für den Fachmann, den
Strafrechtler, der jeden Tag damit zu tun hat, ist das nur noch
schwer überschaubar. Von daher sind wir in der
Koalition übereingekommen, das Gesamtpaket neu zu
überarbeiten. Dieser Aufgabe stellen wir uns.
Herr Kollege Montag, nehmen Sie uns doch beim
Wort, dass wir in dieser Legislaturperiode noch etwas
Neues dazu vorlegen.
Schönen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
- spoke_in ← Joachim Stünker (Rede)