Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat - OceanEye: Eine EU-Meeresbeobachtungsinitiative
Text
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat - OceanEye: Eine EU-Meeresbeobachtungsinitiative
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 382/26
17.06.26
EU - AV - Fz - U - Vk - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat -
OceanEye: Eine EU-Meeresbeobachtungsinitiative
COM(2026) 268 final; Ratsdok. 10226/26
Der Bundesrat wurde am 18. Juni 2026 über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die
Bundesregierung unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 311/22 = AE-Nr. 220680;
Drucksache 249/25 = AE-Nr. 250548;
Drucksache 189/26 = AE-Nr. 260296
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 3.6.2026
COM(2026) 268 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND
DEN RAT
OceanEye: Eine EU-Meeresbeobachtungsinitiative
1
Einführung
OceanEye ist eine EU-Initiative zur Förderung der Meeresbeobachtung1, zur Verbesserung
unserer Fähigkeit, die Meeresumwelt und die Aktivitäten auf See zu verstehen und zu managen,
sowie zur Stärkung der damit verbundenen Innovations- und Industriebasis Europas.
Aufbauend auf den bestehenden Ressourcen und Maßnahmen der EU dient OceanEye als
zentraler Mechanismus für die Umsetzung des Europäischen Pakts für die Meere sowie
der Vision der Industriestrategie der EU für die maritime Wirtschaft, Europas
Führungsrolle bei neuen Technologien und Marktsegmenten zu festigen. OceanEye
positioniert die EU als verlässlichen globalen Partner, der sein Handeln konsequent auf
wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, und zielt darauf ab, die Meere in den Mittelpunkt unserer
Gesellschaften und Volkswirtschaft zu rücken.
Im Geiste von „Choose Europe“2 baut OceanEye auf dem „Moonshot“-Ziel für die
Meeresbeobachtung auf, das im Vorschlag der Kommission für das Programm „Horizont
Europa“ 2028-20343 dargelegt ist. Ziel der Initiative ist es, dass die EU bis 2035 35 % des
globalen Meeresbeobachtungssystems stellt, sich einen Marktanteil von 35 % im Bereich der
Meeresbeobachtungstechnologien sichert und zum weltweit führenden Anbieter von
Meeresinformationen wird.
Die Meere bedecken 70 % der Erdoberfläche, aber nur 5 % davon wurden bisher erforscht
und kartiert. Die Meeresbeobachtung ist eine unverzichtbare Infrastruktur, keine optionale
Fähigkeit.
Wir müssen die Meere erhalten, die uns erhalten. Die Meere sind von strategischer
Bedeutung: Sie bilden die Grundlage für unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere
Resilienz. Die Meere sind die größte CO2-Senke und damit unsere Verbündeten im Kampf
gegen die Erderwärmung. Zudem erzeugen sie 50 % des von uns benötigten Sauerstoffs4.
Außerdem sind sie ein zentraler Bestandteil des Wasserkreislaufs und bieten einen großen
Reichtum an Ressourcen – insbesondere als lebenswichtige Nahrungsquelle durch Fischerei
und Aquakultur –, die auch für die europäische Ernährungssouveränität, den territorialen
Zusammenhalt und nachhaltige Lebensmittelsysteme von entscheidender Bedeutung sind. Das
nachhaltige Management maritimer Tätigkeiten ist von entscheidender Bedeutung, um
wesentliche gesellschaftliche Funktionen in einer Vielzahl von Bereichen aufrechtzuerhalten.
Den Meeren kommt auch eine zentrale geopolitische Bedeutung im Hinblick auf den
Seeverkehr, die Energie- und Digitalinfrastruktur sowie die maritime Sicherheit und
1 Meeresbeobachtung kann definiert werden als die Gesamtheit der Fähigkeiten, die zur Beobachtung der
Meere über Satellit, vor Ort oder auf anderem Wege genutzt werden. Diese Fähigkeiten werden im Rahmen
von ständigen und Ad-hoc-Tätigkeiten unter Verwendung von etablierten Überwachungssystemen,
Beobachtungsplattformen, Instrumenten, Seeschiffen, autonomen Fahrzeugen und anderen Mitteln
eingesetzt.
2 https://commission.europa.eu/topics/research-and-innovation/choose-europe_en.
3 Vorschlag für einen Beschluss des Rates zur Einrichtung des spezifischen Programms zur Durchführung
von „Horizont Europa“, dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, für den Zeitraum 2028-
2034 sowie über die Regeln für die Beteiligung und die Verbreitung der Ergebnisse im Rahmen des
Programms und zur Aufhebung des Beschlusses (EU) 2021/764 (COM(2025) 544 final).
4 The ocean – the world’s greatest ally against climate change |. Vereinte Nationen.
2
Verteidigung zu. Vor dem Hintergrund sich fortlaufend weiterentwickelnder hybrider
Bedrohungen ist die Widerstandsfähigkeit dieser kritischen maritimen Infrastrukturen zu einer
strategischen Priorität geworden, weshalb fundiertes Wissen über die Ozeane unverzichtbar ist,
um Europas Interessen, seine strategische Autonomie und seine Führungsrolle in einer sich
rasch wandelnden Welt zu wahren. Auch die Sicherheits- und
Verteidigungspartnerschaften5 der EU mit Drittstaaten, einschließlich des Vereinigten
Königreichs, Norwegens, Kanadas und Indiens, spiegeln die zunehmende Bedeutung der
Meeresbeobachtung für die Stärkung der gemeinsamen Anstrengungen im Bereich der
maritimen Sicherheit wider.
Daher ist ein gut funktionierendes Meeresbeobachtungssystem im Hinblick auf die
folgenden Aspekte von entscheidender Bedeutung:
kontinuierliche Erhebung hochwertiger Daten zu physikalischen, chemischen und
biologischen Prozessen in den Meeren, die für den Schutz und die Wiederherstellung
der Gesundheit der Meere, die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Meere und die
Aufrechterhaltung der von den Meeren erbrachten lebenswichtigen
Ökosystemleistungen unerlässlich sind;
Bereitstellung zuverlässiger Meeresinformationen, die für sichere, effiziente und
umweltverträgliche Tätigkeiten sowie für Regelungsrahmen in Sektoren wie Fischerei,
Aquakultur, Biotechnologie, Offshore-Energie, Tourismus, Häfen und Schifffahrt,
Finanzen oder Versicherungen erforderlich sind, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit
einer nachhaltigen, regenerativen und noch weitgehend unerschlossenen blauen
Wirtschaft gestärkt wird;
Schaffung neuer Nachfragemöglichkeiten für Europas maritime Fertigungsbasis
im Zusammenhang mit Spezialschiffen sowie speziellen Ausrüstungen und
Technologien (z. B. ozeanografische Forschungsschiffe, Drohnen, Drohnenträger,
Sensoren, Unterwasserrobotik) zur Förderung der europäischen
Technologieführungsrolle und industriellen Souveränität;
Stärkung der Krisenvorsorge und Resilienz von Küsten- und Inselgemeinschaften
sowie Gebieten in äußerster Randlage durch Verbesserung der Wetter- und
Klimaprognosen, Risikobewertungen und Frühwarnsysteme, um Gemeinschaften
und Akteure der blauen Wirtschaft bei der Anpassung an die Auswirkungen des
Klimawandels und der Bewältigung anderer natürlicher und anthropogener Gefahren,
einschließlich geologischer Risiken, Meeresverschmutzung und -müll,
Schifffahrtsunfälle und geopolitischer Störungen, zu unterstützen;
Verbesserung der Lageerfassung auf See, der Lageerkenntnisse und des Schutzes
kritischer Offshore- und Tiefseeinfrastrukturen als Beitrag zur Stärkung der maritimen
Gefahrenabwehr, Sicherheit und Verteidigung.
Die Meeresbeobachtung ist zudem ein eigenständiger Wirtschaftszweig mit hohem
Wachstumspotenzial. Schätzungen zufolge generiert jeder Euro, der in
Meeresbeobachtungssysteme investiert wird, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Nutzen in Höhe von 5-6 EUR6. Nach Schätzungen der UNESCO belaufen sich die öffentlichen
5 https://www.eeas.europa.eu/eeas/eu-security-and-defence-partnerships_en.
6 https://cdn.ioos.noaa.gov/media/2017/12/ioos_devplan.pdf und
https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2021/07/value-chains-in-public-marine-
data_ec9a528e/d8bbdcfa-en.pdf.
3
Investitionen in die weltweite In-situ-Meeresbeobachtung auf 0,85 bis 1,3 Mrd. EUR pro Jahr,
was nur 60-70 % des erforderlichen Systems abdeckt7. Schätzungen anderer Quellen zufolge
belaufen sich die jährlichen weltweiten Ausgaben auf 2 Mrd. EUR, wovon rund 500 Mio. EUR
auf die EU entfallen8. Indessen wird der Gesamtwert der Wirtschaftstätigkeiten der USA, die
in direktem Zusammenhang mit Produkten und Dienstleistungen im Bereich der
Meeresbeobachtung stehen, auf 7 Mrd. EUR geschätzt. Dieses Segment bedient zudem ein
wesentlich größeres Wirtschaftsökosystem mit einem geschätzten Wert von 35-80 Mrd. EUR9.
Mit OceanEye werden folgende Ziele verfolgt:
(1) Intensivierung der nationalen und europäischen Bemühungen und Stärkung der
entsprechenden Koordinierungsstrukturen mit Schwerpunkt auf der In-situ-
Meeresbeobachtung,
(2) Schaffung einer internationalen Allianz zur Stärkung des globalen
Meeresbeobachtungssystems,
(3) Einrichtung eines europäischen Digital-Ocean-Systems, das die bestehenden
europäischen Dienste im Bereich der Meereskenntnisse zusammenführt und durch
Insitu- sowie Satellitenbeobachtungen gespeist wird, um die Bereitstellung operationeller
Dienste sicherzustellen und gleichzeitig Innovationen sowie die Entwicklung von
Mehrwertdiensten zu ermöglichen, sowie Erschließung neuer Märkte für Europas
maritime Fertigungsbasis.
Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben in den letzten Jahrzehnten erheblich
in die Meeresbeobachtung investiert. Die EU hat nach und nach eine weltweite
Führungsrolle bei der Bereitstellung integrierter Dienste im Bereich Meeresdaten,
Meereskenntnisse und Prognose eingenommen und verfügt über eine weltweit führende
Wertschöpfungskette für Meereskenntnisse, die sich auf drei strategische Ressourcen stützt:
Copernicus, insbesondere dessen Meeresdienst10
Europäisches Meeresbeobachtungs- und Datennetzwerk (EMODnet)11
WISE Marine und WISE Freshwater12
Diese Ressourcen sowie spezifischere Daten- und Wissensplattformen13 und der geplante
Europäische Digital Twin Ocean14 versetzen die EU in die Lage, den Zustand der Meere
sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene zu überwachen. Sie sind auf kontinuierliche,
hochwertige globale Meeresdatenströme angewiesen, die sowohl auf In-situ- als auch auf
weltraumgestützten Beobachtungen beruhen.
Die Meeresbeobachtung in Europa und weltweit ist jedoch fragmentiert und leidet unter
einem Mangel an systemischer operationeller Verbindlichkeit und Effizienz. Zudem sieht
7 https://www.unesco.org/sites/default/files/medias/files/2022/02/en-ocean-presskit.pdf.
8 Daten, die von der Sachverständigengruppe für Meeresbeobachtung erhoben und anderen Berichten
entnommen wurden.
9 NOAA, 2021, The Ocean Enterprise 2015 – 2020: A study of U.S. New Blue Economy business activity.
10 https://marine.copernicus.eu/de.
11 https://emodnet.ec.europa.eu.
12 https://water.europa.eu.
13 Hierzu gehören Daten zum Seeverkehr und zur Fischerei von der EMSA, der EFCA und der JRC.
14 https://www.edito.eu/european-digital-twin-ocean-about/.
4
sie sich erheblichen finanziellen Engpässen gegenüber, die durch geopolitische
Veränderungen weiter verschärft werden. Die Abhängigkeit von unterfinanzierten und
zunehmend fragilen Beobachtungssystemen macht die Wissensressourcen und -dienste der EU
und weltweit anfällig für Störungen, Datenlücken und politischen Druck und birgt somit
Risiken strategischer Abhängigkeit.
Die Initiative OceanEye soll die Entwicklung und Implementierung eines umfassenden
operationellen Meeresbeobachtungssystems unterstützen, das die nationale, die europäische
und die internationale Ebene dynamisch und strukturell miteinander verknüpft, und zwar auf
der Grundlage eines operationellen Systems, das auf Beobachtungen aus dem Weltraum
(Copernicus, Europäische Weltraumorganisation und nationale Weltraumorganisationen) und
In-situ-Beobachtungen (hauptsächlich mithilfe nationaler, aber auch europäischer
Infrastrukturen) basiert, sowie digitaler Systeme, d. h. nationaler und europäischer
Datensysteme (nationaler ozeanografischer Datenzentren, EMODnet), Verarbeitungs- und
Modellierungsinfrastrukturen (z. B. Copernicus-Meeresdienst, Europäischer Digital Twin
Ocean, Blue2-Modellierungsrahmen der Europäischen Kommission), die operationelle
Dienste erbringen.
Nach dem Vorbild der operationellen meteorologischen Überwachung und Prognose werden
diese Elemente ein System bilden, in dem die Länder ihren Beitrag an In-situ-
Meeresbeobachtungen strukturieren und koordinieren sowie im Gegenzug ihren Nutzen aus
hochwertigster Meeresüberwachung, Prognose und sektorspezifischen Dienstleistungen auf
lokaler, regionaler und globaler Ebene optimieren.
Die Initiative OceanEye stützt sich auf vier strategische Säulen:
Der Schwerpunkt von Säule I liegt auf der Verbesserung der In-situ-
Meeresbeobachtung sowie einem besseren Datenaustausch und einer besseren
Datennutzung durch die Schaffung eines EU-Governance-Rahmens, der in
geeigneter Weise mit den anderen Komponenten des europäischen
Meeresbeobachtungssystems verknüpft ist.
Der Schwerpunkt von Säule II liegt auf der internationalen Dimension und
insbesondere auf der Initiierung einer internationalen Allianz zur Unterstützung des
globalen Meeresbeobachtungssystems15.
Der Schwerpunkt von Säule III liegt auf der Entwicklung innovativer Märkte und
Sektoren im Zusammenhang mit der Meeresbeobachtung, unter anderem mithilfe des
Europäischen Digital Twin Ocean.
Der Schwerpunkt von Säule IV liegt auf der Förderung des Engagements, des
Verständnisses und des Vertrauens sowie einer emotionalen Verbindung zu den Meeren
durch strategische Partnerschaften, Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und
Kompetenzen, Kultur und gesellschaftliche Eigenverantwortung.
15 Im Text werden der ausgeschriebene Ausdruck „globales Meeresbeobachtungssystem“ zur Bezeichnung
des globalen Systems für kontinuierliche Meeresbeobachtungen und das Akronym GOOS zur Bezeichnung
des von der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) der UNESCO geleiteten
Programms (https://goosocean.org/who-we-are/) verwendet.
5
Säule I: EU-Governance – Unterstützung des
europäischen Meeresbeobachtungssystems
Während die Organisation der bestehenden und geplanten Infrastrukturen für die
Weltraumbeobachtung (durch die Zusammenarbeit zwischen der EU, der Europäischen
Weltraumorganisation, der Europäischen Organisation für die Nutzung von meteorologischen
Satelliten sowie nationalen und internationalen Weltraumorganisationen) stimmig ist, bedarf
es zusätzlicher Anstrengungen, um die verschiedenen Infrastrukturen und Programme für die
In-situ-Beobachtung effizienter zu organisieren. Dazu gehört auch eine bessere Integration
der Ressourcen der EU im Bereich Meereskenntnisse mit nationalen Ressourcen, wodurch
auch die entsprechenden digitalen Systeme gestärkt würden.
Ebenso sind digitale Infrastrukturen, insbesondere KI, Hochleistungsrechnen und Cloud-
Systeme, grundlegende Voraussetzungen für die Meeresbeobachtung und haben deren
Potenzial verändert. Dennoch sind europäische und nationale Einrichtungen heute auf
forschungsbasierte Infrastrukturen angewiesen, die nicht dafür ausgelegt sind, operationelle,
sichere und kontinuierliche Dienste anzubieten.
Der Mangel an Koordinierung und Governance sowohl auf nationaler als auch auf europäischer
Ebene führt zu Ineffizienz, finanziellen Kosten und kritischen Lücken bei der Überwachung,
wodurch der Nutzen, den die Mitgliedstaaten aus ihren Investitionen ziehen, begrenzt wird.
1.1 Schaffung eines europäischen Governance-Rahmens für die
Meeresbeobachtung
Die Kommission schlägt die Einrichtung einer Governance-Struktur für die europäische
Meeresbeobachtung vor, die im Rechtsakt für die Meere (geplant für Ende 2026) festgelegt
werden und auf bestehenden Strukturen wie dem Europäischen Ozeanrat16 aufbauen soll.
Das Dashboard des EU-Pakts für die Meere, das Ende 2026 eingerichtet werden soll, wird auch
dazu beitragen, die Fortschritte zu überwachen.
Ziel dieses Governance-Rahmens für die Meeresbeobachtung ist es, die gesamte
Wertschöpfungskette für Meereskenntnisse zu konsolidieren, indem eine strukturierte
Schnittstelle zwischen dem Beobachtungsbedarf und den Wissensanbietern über Sektoren und
Politikbereiche hinweg bereitgestellt wird. Er wird die Festlegung und Vereinbarung der
operationellen Anforderungen des Systems unterstützen und gleichzeitig dessen allgemeine
Organisation und Koordinierung verbessern. Um dies zu erreichen, werden alle einschlägigen
Akteure in strukturierter Weise zusammengebracht:
Erstens wird er dafür sorgen, dass sich die EU und die Mitgliedstaaten mit Unterstützung
technischer Gremien auf nationaler und europäischer Ebene auf gemeinsame Standards und
operationelle In-situ-Messungen verständigen. Zweitens wird er mit anderen Akteuren auf
europäischer und nationaler Ebene interagieren, die für andere Komponenten zuständig sind.
Drittens wird er sich an Nutzer wie die Forschungsgemeinschaft sowie andere Interessenträger
und Nutzer (wie der Meeres- und Offshore-Energiesektor, kulturelle Akteure,
Bildungsfachleute usw.) wenden. Schließlich wird er eine einschlägige Schnittstelle einrichten
16 Hochrangige Sachverständigengruppe, die die Umsetzung des Europäischen Pakts für die Meere
unterstützt.
6
und gemeinsame europäische sowie nationale Positionen gegenüber den internationalen
Gemeinschaften etablieren, die im Rahmen eines Dialogs mit EuroGOOS zum Ausdruck
gebracht werden17.
Mögliche Tätigkeitsfelder:
Festlegung gemeinsamer Prioritäten, Ermittlung von Bereichen von strategischem
Interesse für die technologische Entwicklung, Vereinbarungen über Fahrpläne und
technische Spezifikationen auf der Grundlage gemeinsamer Bedürfnisse;
Koordinierung der europäischen Forschungsinfrastrukturen. Dies könnte
beispielsweise Forschungsschiffe (aufbauend auf den Erfahrungen von EuroFleets18)
sowie eine potenzielle Zusammenarbeit mit der Industrie (z. B. mithilfe von mit
Sensoren ausgestatteten Fischereifahrzeugen) umfassen, um die derzeitigen Lücken bei
der Erhebung von Meeresdaten zu schließen;
Systemdesign, Metrologie, Arbeit an gemeinsamen Standards (z. B. Standards für
Beobachtungs- und Messmethoden, Daten und Metadaten, Datenverarbeitung, digitale
Infrastrukturen und Berichtspflichten usw.), Planungsstrategien und -instrumente;
Erleichterung mehrjähriger Kofinanzierungsmechanismen, Synergien zwischen
Programmen und Fonds;
koordiniertes Handeln in der globalen Landschaft (im Rahmen globaler Gremien wie
der IOC, der Weltorganisation für Meteorologie oder regionaler
Meeresübereinkommen);
Datenpolitik, die im Rahmen des anstehenden Vorschlags für einen Rechtsakt für die
Meere genauer zu detaillieren ist, wobei mehrere kritische Elemente wie die
Verpflichtungen auf nationaler, EU- und internationaler Ebene, die Zuständigkeiten der
Mitgliedstaaten, die europäische und die nationale Autonomie, die bestehenden
internationalen Übereinkommen, die sicherheitsbezogenen Beschränkungen, der
Schutz sensibler und sicherheitsrelevanter Informationen im Zusammenhang mit den
Wirtschaftstätigkeiten und den Tätigkeiten der Ressourcenbewirtschaftung sowie
andere relevante rechtliche und operationelle Erwägungen zu berücksichtigen sind.
Angesichts des sensiblen Charakters der Meeresbeobachtung im Zusammenhang mit
der maritimen Sicherheit ist es von entscheidender Bedeutung, erforderlichenfalls einen
ausgewogenen und einvernehmlich vereinbarten Ansatz für den Datenaustausch
zwischen den einschlägigen Parteien festzulegen;
Möglichkeiten für einen verbesserten Datenaustausch, da der Zugang zu hochwertigen
In-situ-Daten für das europäische Digital-Ocean-System und für die Entwicklung von
Anwendungen des Europäischen Digital Twin Ocean, insbesondere lokaler und
sektoraler Art, von entscheidender Bedeutung ist.
Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, eine nationale Koordinierungsstruktur
einzurichten, die darauf abzielt, die Effizienz und Wirksamkeit der nationalen und
europäischen Meeresbeobachtungstätigkeiten zu erhöhen.
17 https://eurogoos.eu/.
18 Ziel von Eurofleets, das mit Unterstützung aufeinanderfolgender europäischer Forschungsprojekte
aufgebaut wurde, ist es, die Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen den europäischen
Meeresforschungsflotten zu stärken, um die Nutzung dieser nationalen Meeresforschungseinrichtungen zu
optimieren und zu erleichtern; siehe https://www.eurofleets.eu/.
7
1.2. Einrichtung eines europäischen Digital-Ocean-Systems
Die Integration des Copernicus-Meeresdienstes und von EMODnet in ein europäisches
Digital-Ocean-System und mit den geeigneten Schnittstellen zu WISE Marine, WISE
Freshwater und anderen Ressourcen wird deren Potenzial weiter erschließen, die
Fragmentierung verringern und einen nahtlosen operationellen Informationsfluss von der
Beobachtung zu Wissensdiensten sicherstellen. Diese Vereinfachung, unterstützt durch eine
Tätigkeit im industriellen Maßstab, wird Ressourceneinsparungen und Produktivitätsgewinne
mit sich bringen, einen einzigen, verlässlichen Zugangspunkt für Interessengruppen schaffen
und gleichzeitig den Wert und die Wirkung der Ressourcen der EU im Bereich
Meereskenntnisse maximieren.
Durch die Verbesserung der Erhebung, des Zugangs, des Austauschs und der Interoperabilität
von Meeresdaten wird das System Innovationen in der gesamten blauen Wirtschaft fördern und
die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrien und Dienstleister stärken. Es wird die
Entwicklung neuer digitaler Anwendungen, Prognosefähigkeiten und datengestützter
Lösungen für öffentliche und private Nutzer gleichermaßen beschleunigen und so die
Entstehung eines datengetriebenen Marktes unterstützen.
Diese digitale Infrastruktur wird es ermöglichen, die Nutzung der
Meeresbeobachtungsinfrastruktur zu überwachen, was dazu beitragen wird, die Kohärenz und
Koordinierung zwischen den verschiedenen Mitwirkenden auf europäischer und globaler
Ebene zu verbessern.
Dieses neu entstehende operationelle digitale System könnte von einer integrierten Governance
mit Copernicus profitieren, die derzeit den Copernicus-Konfigurationsausschuss und das
Copernicus-Nutzerforum umfasst. Im weiteren Kontext einer wirksamen Unterstützung von
Anwendungen in den Bereichen Umwelt, blaue Wirtschaft und Sicherheit wird die integrierte
Governance die Schaffung dynamischer Interaktionen mit allen Copernicus-Diensten
ermöglichen, einschließlich der Klima-, Notfall-, Sicherheits- und
Meeresüberwachungsdienste sowie außerdem mit dem vorgeschlagenen staatlichen
Erdbeobachtungsdienst (EOGS)19.
Nutzer in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit haben besondere operationelle und
sicherheitsbezogene Erfordernisse. Dementsprechend könnte ein Bedarf bestehen, spezielle
Zentren für themenspezifische Zusammenfassung/geschützte Strukturen einzurichten,
die der sicheren Erhebung, Verarbeitung und Verbreitung von Daten und Informationen dienen
und je nach Bedarf zu nationalen und europäischen Leitinitiativen im Bereich der Verteidigung
und anderen Strukturen (z. B. europäischen Verteidigungsvorhaben von gemeinsamem
Interesse oder SEA) beitragen.
Nach dem Vorbild der operationellen meteorologischen Überwachung und Prognose wird
dieses europäische Digital-Ocean-System den Nutzern zuverlässige operationelle Dienste in
einem breiten Spektrum von Sektoren und Anwendungen bieten. Diese Integration ist eine
Voraussetzung dafür, dass der Europäische Digital Twin Ocean bis 2030 einsatzbereit ist
und als umfassender und vertrauenswürdiger öffentlicher Dienst für Meereskenntnisse,
19 https://defence-industry-space.ec.europa.eu/developing-reconnaissance-capabilities-eu-level-2024-01-
23_en.
8
Prognosen und Entscheidungsfindung funktioniert, einschließlich eines Ansatzes „von der
Quelle bis zum Meer“, der den Prioritäten der Wasserresilienzstrategie Rechnung trägt.
Mercator Ocean International ist derzeit von der Europäischen Kommission mit der
Implementierung des Copernicus-Meeresdienstes betraut und auch maßgeblich an der
Entwicklung des Europäischen Digital Twin Ocean beteiligt. Die im Gange befindliche
Umwandlung von Mercator Ocean International in eine zwischenstaatliche Organisation wird
für die langfristige Stabilität und die gemeinsame Trägerschaft sorgen, die aufgrund ihrer
strategischen Rolle erforderlich sind, und dazu beitragen, dass das europäische Digital-Ocean-
System wirksam an nationale digitale Infrastrukturen und Systeme angebunden wird und sich
darauf stützen kann. Vermittels seiner Beteiligung an Copernicus wird Mercator Ocean
International auch zu Ocean Eye beitragen.
Daher schlägt die Kommission vor, bestehende europäische Ressourcen für das
Meereswissensmanagement durch Ausweitung des Anwendungsbereichs des Copernicus-
Meeresdienstes in einem europäischen Digital-Ocean-System zusammenzuführen.
Säule II: Internationale Dimension
2.1 Eine internationale Allianz für das globale
Meeresbeobachtungssystem
GOOS (Global Ocean Observing System) koordiniert ein globales System für die
kontinuierliche In-situ-Meeresbeobachtung auf der Grundlage wesentlicher Ozeanvariablen
(Essential Ocean Variables, EOV), die in die Kategorien Physik, Biogeochemie, Biologie und
Ökosysteme fallen. Vermittels einer weltweit integrierten Infrastruktur von
Meeresbeobachtungsnetzen sowie nationaler und regionaler Beobachtungsinitiativen bietet es
die Grundlage für die Bereitstellung wesentlicher Meeresinformationen, die einer
ökosystembasierten Bewirtschaftung förderlich sind und für Volkswirtschaften und
Gemeinschaften überall auf der Welt von Nutzen sind.
Trotz der wesentlichen Rolle der In-situ-Meeresbeobachtung bleibt das System anfällig für
finanzielle und geopolitische Störungen. Es ist nach wie vor von einigen wenigen großen
Gebern abhängig und verfügt nicht über ausreichende Reservekapazitäten, um eine langfristige
Stabilität zu gewährleisten20.
Schlüsselkomponenten wie Argo-Profilierungsschwimmer und verankerte Bojen in tropischen
Gewässern21 laufen Gefahr, an Funktionalität einzubüßen. Prognosen zufolge könnte die Argo-
Kapazität bis 2030 um 35 % sinken, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In der
südlichen Hemisphäre, der Arktis, den Tiefseeregionen und den Küstengebieten bestehen nach
wie vor erhebliche Lücken.
20 Siehe Status Report 2025, abrufbar unter: https://www.ocean-ops.org/goosreport/goosreport2025.pdf.
21 Argo-Profilierungsschwimmer sind autonome treibende Messinstrumente, die in der Regel die Temperatur
und den Salzgehalt über die gesamte Wassersäule hinweg messen und regelmäßig an die Oberfläche
auftauchen, um ihre Daten per Satellit zu übertragen. Verankerte Bojen sind ortsfeste
Meeresbeobachtungssysteme, die kontinuierlich Meeres- und Atmosphärenbedingungen wie Temperatur,
Wind und Strömungen messen.
9
Die EU ist in hohem Maße vom globalen Meeresbeobachtungssystem abhängig.
Vorreiterdienste, wie sie von Copernicus (hauptsächlich Dienste in den Bereichen Meer,
Meeresüberwachung und Klima) und dem Europäischen Digital Twin Ocean angeboten
werden, erfordern kontinuierliche, hochwertige globale Meeresdaten, die die
Leistungsüberwachungs- und Prognosedienste entscheidend beeinflussen. Große Teile dieser
globalen Meeresdaten liegen außerhalb der direkten Kontrolle der EU.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sollten die EU und ihre Mitgliedstaaten ihre
Meeresdiplomatie, ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre strategischen Partnerschaften mit
gleichgesinnten Drittländern in Bezug auf Meeresbeobachtungsdaten verstärken sowie ihre
Unterstützung für das globale Meeresbeobachtungssystem erhöhen und besser koordinieren.
Sie sollten eine stärkere globale Führungsrolle übernehmen und die internationalen Partner
auffordern, es der EU gleich zu tun, indem sie ihre Beiträge erhöhen und gemeinsam
Verantwortung für die Aufrechterhaltung des globalen Meeresbeobachtungssystems
übernehmen. Im Gegenzug würden die Länder von mehr Beobachtungsdaten profitieren, die
von ihren Partnern gesammelt werden, wodurch hochwertige Erkenntnisse über die Meere
gewonnen würden.
Daher schlägt die Kommission vor,
eine internationale Allianz zur Unterstützung des globalen
Meeresbeobachtungssystems in die Wege zu leiten.
Die internationale Allianz wird folgende Ziele verfolgen:
- Ausweitung der Unterstützung für das globale Meeresbeobachtungssystem, unter
anderem in Form von finanziellen Beiträgen oder Sachleistungen;
- Verbesserung des Governance-Ansatzes des globalen Meeresbeobachtungssystems,
um es strukturierter und effektiver zu gestalten und für eine gerechte Finanzierung zu
sorgen sowie gleichzeitig die kontinuierliche Datenerhebung und den kontinuierlichen
Zugang zu Daten sicherzustellen;
- Erhaltung der bestehenden Meeresbeobachtungsinfrastruktur (Gleiter, Bojen,
Beobachtungsstellen, Argo-Profilierungsschwimmer usw.);
- Schließung kritischer Lücken bei der In-situ-Beobachtung, um die globalen Netze zu
vervollständigen, sie auf Küstengebiete auszuweiten und tote Zonen zu beseitigen;
- Unterstützung internationaler und multilateraler Verpflichtungen, einschließlich der
Umsetzung des Ziels für nachhaltige Entwicklung Nr. 14 und des Übereinkommens
über die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere von
Gebieten außerhalb nationaler Hoheitsbefugnisse (BBNJ-Übereinkommen)22, indem
eine faktengestützte Entscheidungsfindung ermöglicht wird.
Zu den Mitgliedern der internationalen Allianz für das globale
Meeresbeobachtungssystem können Staaten, philanthropische Organisationen und private
Partner zählen. Sie sollten Verpflichtungen im Rahmen ihrer jeweiligen Kapazitäten
eingehen. Diese Verpflichtungen können die Aufbringung finanzieller Mittel, die
Bereitstellung des Zugangs zu Beobachtungskapazitäten (z. B. Beobachtungsschiffe,
Sensoren, Drohnen und Seekabel), Investitionen in und/oder die Bereitstellung des
Zugangs zu Beobachtungs- und Digitalinfrastrukturen, die Abstellung von Personal und
die Bereitstellung technischer Kapazitäten für die IOC oder das GOOS und die
22 https://www.un.org/bbnjagreement/en.
10
Bereitstellung einschlägiger Daten umfassen. Die Beteiligung an der internationalen
Allianz wird eine bessere Koordinierung der weltweiten
Meeresbeobachtungsbemühungen sicherstellen und so die Effizienz der Nutzung der
Infrastruktur und der Ressourcen erhöhen;
eine strategische Partnerschaft mit der IOC einzugehen
Als zwischenstaatliches Gremium, das das GOOS und den International Oceanographic
Data and Information Exchange koordiniert, bildet die IOC den institutionellen Rahmen,
innerhalb dessen strategische Prioritäten, Standards und Durchführungsmodalitäten
festgelegt werden.
Durch die strukturierte Governance von OceanEye auf europäischer Ebene wird die EU in
der Lage sein, gemeinsame europäische Standpunkte zu wichtigen Fragen wie Festlegung
von Prioritäten, Ermittlung von Lücken, Standards und Weiterentwicklung des Systems
festzulegen.
Daher wird die Kommission eine Vereinbarung zwischen der EU und der IOC
vorschlagen, die eine engere Abstimmung zwischen dem GOOS, der vorgeschlagenen
europäischen Governance und der internationalen Allianz sicherstellen wird;
als ersten Schritt in zweifacher Weise zur Allianz beizutragen:
durch den globalen EMODnet-Datendienst23, indem das Mandat von EMODNET
erweitert wird, um aktiv zu einem resilienteren In-situ-Meeresdatenfluss beizutragen;
durch eine spezielle Maßnahme im Wert von 50 Mio. EUR im Rahmen des laufenden
Programms „Horizont Europa“ zur Stärkung des globalen In-situ-
Meeresbeobachtungssystems.
Die Kommission wird gemeinsam mit den Mitgliedstaaten prüfen, wie die EU die globale
Meeresbeobachtung durch eine bessere Koordinierung und eine größere langfristige finanzielle
Vorhersehbarkeit weiter unterstützen kann.
2.2 Unterstützung des weltweiten Kapazitätsaufbaus
Ein robustes globales Meeresbeobachtungssystem ist unabdingbar für die Länder und
Regionen, die am stärksten vom Klimawandel und den Veränderungen der Meere betroffen
sind, insbesondere für kleine Inselstaaten unter den Entwicklungsländern und am wenigsten
entwickelte Länder, die zuallererst von den Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel
und dem Verlust der biologischen Vielfalt betroffen sind und für die eine nachhaltige
Meereswirtschaft am wichtigsten ist.
Durch die Beteiligung der kleinen Inselentwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten
Länder an der internationalen Allianz wird sichergestellt, dass sie die Gestaltung und die
Prioritäten des globalen Meeresbeobachtungssystems sinnvoll mitbestimmen können, ohne
23 Öffentliche Auftragsvergabe im Umfang von 12 Mio. EUR, https://ec.europa.eu/info/funding-
tenders/opportunities/docs/2021-2027/horizon/wp-call/2026-2027/wp-9-food-bioeconomy-
naturalresources-agriculture-and-environment_horizon-2026-2027_en.pdf.
11
dass ihre Beteiligung von ihrer eigenen Fähigkeit abhängt, Beobachtungsinfrastrukturen zu
finanzieren und zu betreiben.
Darüber hinaus wird die EU eine Reihe von Instrumenten (einschließlich
Finanzierungsinstrumenten) in Betracht ziehen, die von der EU und anderen Akteuren
mobilisiert werden könnten, um die Beobachtung der Weltmeere im Einklang mit der Global-
Gateway-Strategie und dem Pakt für den Mittelmeerraum gegebenenfalls weiter zu
unterstützen, um
die Bemühungen der kleinen Inselentwicklungsländer und der am wenigsten
entwickelten Länder beim Ausbau ihrer eigenen Beobachtungskapazitäten zu
unterstützen, indem ihnen beispielsweise die Möglichkeit gegeben wird, auf EU-
Technologien aufzubauen und zum globalen Meeresbeobachtungssystem beizutragen;
digitale Instrumente gemeinsam mit und für Länder und Regionen mit
begrenzten Kapazitäten zu entwickeln, indem sichergestellt wird, dass sie Zugang
zu maßgeschneiderter Unterstützung und Initiativen zum Kapazitätsaufbau haben.
Säule III: Operationelle und industrielle Dimension
3.1 Operationalisierung der digitalen Infrastruktur
Der Europäische Digital Twin Ocean zielt darauf ab, das Wissen über die Meere der
Öffentlichkeit, Unternehmern, Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern leicht
zugänglich zu machen. Vorbehaltlich der Datenpolitik, die im Rechtsakt für die Meere näher
festzulegen ist, ist er als öffentliches Gut konzipiert und soll daher im Eigentum der
Europäischen Union stehen. Über seine Kerninfrastruktur, EDITO24, bietet er eine virtuelle
Darstellung der Meere und ermöglicht einen nahtlosen Zugang zu integrierten und umsetzbaren
Meeresinformationen.
Der Europäische Digital Twin Ocean muss beispiellose operationelle digitale Kapazitäten,
darunter Hochleistungsrechnen, künstliche Intelligenz und fortgeschrittene Cloud-
Infrastrukturen, nutzen, um enorme Mengen an Meeresdaten zu verarbeiten und zu
analysieren sowie komplexe, skalierbare Simulationen über alle Bereiche hinweg – von
physikalischen Prozessen bis hin zu sozioökologischen Systemen – durchzuführen. Er
integriert historische Daten und Echtzeitdaten aus verschiedenen Quellen, darunter Satelliten,
Sensoren, numerische Modelle und sogar persönliche Vorrichtungen wie Smartphone-
Anwendungen. Er geht weit über die Überwachung hinaus und ermöglicht es den Nutzern,
„Was-wäre-wenn“-Szenarien zu erkunden und die potenziellen Auswirkungen verschiedener
politischer Optionen, Klimaerwärmungsszenarios/Klimapfade oder Wirtschaftstätigkeiten zu
simulieren, bevor Entscheidungen getroffen werden. Derzeit fehlt es jedoch an speziellen
digitalen Infrastrukturen, die die Rechenkapazitäten bereitstellen, die den operationellen
Anforderungen der digitalen Meeresdienste gerecht werden.
Daher schlägt die Kommission vor,
24 https://www.edito.eu/.
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die Weiterentwicklung des Europäischen Digital Twin Ocean zu unterstützen,
damit er spätestens bis 2030 als öffentlicher Dienst für die Europäer und als Angebot
für den Rest der Welt voll funktionsfähig ist, und ihn hierzu in den Copernicus-
Meeresdienst zu integrieren sowie die Interoperabilität und Synergien mit HPC-,
Cloud- und KI-Infrastrukturen von Destination Earth sicherzustellen;
mit einschlägigen Initiativen (insbesondere Copernicus und Destination Earth) einen
gemeinsamen Plan für den Erwerb geeigneter Hochleistungsrechenkapazitäten
auszuarbeiten, die auf ihre operationellen Anforderungen zugeschnitten sind und zum
Digital-Ocean-System sowie zum umfassenderen Ökosystem der Modellierung des
Systems Erde beitragen;
Forschung und Innovation zwecks Entwicklung zielgerichteter Anwendungen des
Europäischen Digital Twin Ocean für die Politik sowohl für den öffentlichen als
auch für den privaten Sektor zu unterstützen, auch aufbauend auf bestehenden Digital
Twin Ocean Komponenten wie den Anwendungen des Blue2-Modellierungsrahmens;
den meeresthematischen Knoten der Europäischen Cloud für offene
Wissenschaft25 als Komponente des Europäischen Digital Twin Ocean zu
entwickeln, um die Interoperabilität von Meeresdaten mit anderen thematischen
Knoten der Europäischen Cloud für offene Wissenschaft zu gewährleisten;
bis 2030 das digitale Land-Meer-Kontinuum, das sowohl dem Pakt für die Meere als
auch der Wasserresilienzstrategie zugrunde liegt, durch die Entwicklung gekoppelter
Modelle zwischen dem Europäischen Digital Twin Ocean und Destination Earth und
durch die Einrichtung standardisierter Open-Source-Konnektoren vollständig zu
operationalisieren, um die Lücke zu den digitalen Systemen der lokalen
Binnengewässer zu schließen;
die Entwicklung nachgelagerter Dienste für die Öffentlichkeit und lokale
Interessenträger zu erleichtern, insbesondere durch die Unterstützung von
Demonstrationsprojekten, Prototypen, gemeinsamen technischen Spezifikationen und
Schulungen, um Resilienzstrategien zu fördern, Grundlagen für Pläne zur Erhaltung der
biologischen Vielfalt bereitzustellen und die Einbringung lokal generierter Daten –
auch im Rahmen der Bürgerwissenschaft – zu erleichtern;
den Bedürfnissen der Gebiete in äußerster Randlage und Inseln der EU, der
Länder mit niedrigem Einkommen und der kleinen Inselentwicklungsländer
Rechnung zu tragen und die Entwicklung maßgeschneiderter Dienstleistungen,
gezielter Schulungen und von Unterstützung für den Zugang zu und die Nutzung von
EU-Infrastrukturen für den Ausbau ihrer eigenen Kapazitäten zu prüfen.
3.2 Stärkung der Innovations- und Industriebasis der
Meeresbeobachtung in Europa
Wissen ist ein Schlüsselfaktor. Vor dem Hintergrund zunehmender Klimarisiken, der
maritimen Interdependenz und des geopolitischen Wettbewerbs ist die Fähigkeit, die Meere zu
erforschen, zu einem strategischen Vorteil geworden.
Es gibt zwar keine einzige maßgebliche Studie, die alle einschlägigen Tätigkeiten unter einer
einzigen Meeresbeobachtungskategorie zusammenfasst, doch geht aus verschiedenen Studien
25 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/strategy/strategy-research-and-innovation/our-digital-
future/open-science/european-open-science-cloud-eosc_en.
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hervor, dass der weltweite jährliche Markt für Meeresbeobachtung einen Wert zwischen
10 und 20 Mrd. EUR hat und eine jährliche Wachstumsrate von etwa 5-10 % aufweist. Dieser
Markt bedient ein wesentlich größeren Wirtschaftsökosystem mit einem Wert von 40 bis
90 Mrd. EUR, an dem die Vereinigten Staaten den größten Anteil haben26, 27.
Im Bereich der Meeresbeobachtungstechnologien eine weltweit führende Rolle einzunehmen,
ist daher für die EU eine grundlegende wirtschaftliche und geopolitische Entscheidung und
ein strategisches Gebot im Hinblick auf Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in einem sich
rasch wandelnden geopolitischen Kontext.
Besondere Aufmerksamkeit gilt technologieintensiven Start-ups und Scale-ups, die
bahnbrechende Lösungen in den Bereichen Sensoren, autonome Systeme, Mehrwertdienste auf
der Grundlage von Daten und Datenprodukten, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge
entwickeln. Im Einklang mit ihrer Start-up- und Scale-up-Strategie wird die Kommission
darauf hinarbeiten, den Übergang von der Forschung zur Vermarktung zu unterstützen, den
Zugang zu Finanzmitteln zu verbessern und die Vergabe öffentlicher Aufträge zu nutzen, um
die Nachfrage anzukurbeln und die Einführung zu beschleunigen, möglicherweise mithilfe von
Reallaboren28.
Die Innovationspolitik wird daher einen Technologieschub mit einer
nachfragegetriebenen Entwicklung verbinden. Meeresbeobachtungstechnologien müssen
klar umrissenen industriellen, politischen und regulatorischen Erfordernissen entsprechen,
auch in Bezug auf die Anpassung an den Klimawandel und den Klimaschutz, die Einhaltung
der Umweltvorschriften, Sicherheit und Verteidigung, Fischerei und Aquakultur,
Überwachung der biologischen Vielfalt, Meeresschutzgebiete, Schutz der Offshore-
Infrastruktur, Seeverkehrssicherheit, Verkehr, Tourismus und Offshore-Energie. Die
Abstimmung von Forschung, Regulierung und Marktnachfrage würde die Einführung
beschleunigen und europäischen Unternehmen dabei helfen, neue Märkte für die
kosteneffiziente und autonome Überwachung, die KI-gestützte Gewinnung von
Meeresinformationen und integrierte Weltraum-Ozean-Systeme zu erschließen.
Überlegungen in Bezug auf Dual-Use-by-Design und konzeptionsintegrierte Sicherheit
werden integraler Bestandteil dieses Ansatzes sein. Um die maritime Lageerfassung,
insbesondere im Hinblick auf die maritime Sicherheit, die militärische Mobilität und den
Klima-Verteidigungs-Nexus, zu stärken und gleichzeitig kritische Unterwasserinfrastrukturen
zu schützen und sichere Datenarchitekturen zu entwickeln, sind widerstandsfähige und
vertrauenswürdige Technologien erforderlich. Durch die Einbeziehung von Cybersicherheit,
Regelkonformität und Interoperabilität in die Systemgestaltung kann sich die EU als globaler
Anbieter sicherer und verantwortungsvoller Lösungen für die Gewinnung von
26 Studie aus dem Jahr 2021 „Uptake of new technology for ocean observation“, Dienstleistungsvertrag
EASME/EMFF/2020/3.1.16/SI2.833154-SC08. Aktuelle und verbesserte Zahlen werden aus der laufenden
Studie „Study on the competitiveness of EU sustainable blue economy sectors: Focus on ocean observation
technologies“ Dienstleistungsvertrag CINEA/EMFAF/2025/3.5/Lot2/02/SC10/4500128122 zur
Durchführung des Rahmenvertrags CINEA/2021/OP/0011 – LOS 2 hervorgehen.
27 The Ocean Enterprise 2015-2020: A study of U.S. New Blue Economy business activity.
28 Beispielsweise durch die Klärung und Ermöglichung risikoarmer Meeresbeobachtungstätigkeiten in den
AWZ sowie durch den Abbau administrativer Hürden unter uneingeschränkter Achtung der Hoheitsrechte
und der Gerichtsbarkeit der Küstenstaaten gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen
(Regelung zur wissenschaftlichen Meeresforschung).
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Meeresinformationen positionieren, die unter anderem den Anforderungen von Sicherheits-
und Verteidigungspartnerschaften Rechnung tragen.
Da böswillige Akteure zunehmend Grauzonentaktiken einsetzen, die von Cyberangriffen und
Sabotage bis hin zu ausländischer Informationsmanipulation und Einmischung, einschließlich
Desinformation, reichen, sind robuste Fähigkeiten zur Meeresbeobachtung – aus dem
Weltraum und vom Meeresboden – von entscheidender Bedeutung, um Risiken frühzeitig zu
erkennen, ihnen entgegenzuwirken und ihre Folgen zu begrenzen, bevor sie zu systemischen
Beeinträchtigungen führen. Durch die Verbesserung der Mechanismen für die Überwachung
und den Informationsaustausch in Echtzeit kann die EU ihre strategische Autonomie stärken
und gleichzeitig hybriden Eingriffen, die Schwachstellen im maritimen Bereich auszunutzen
versuchen, begegnen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber kinetischen und
nichtkinetischen Bedrohungen stärken.
Der neue Europäische Fonds für Wettbewerbsfähigkeit wird in Synergie mit dem nächsten
Programm „Horizont Europa“ europäischen Innovatoren eine durchgängige Förderung – von
der Forschung und Entwicklung bis hin zur Einführung – bieten. Dies gilt auch für
Technologien im Bereich der Meeresbeobachtung und steht im Einklang mit dem
vorgeschlagenen „Moonshot“-Ziel. Im Einklang mit ihren jeweiligen politischen Zielen und
ihrer Governance werden Synergien und Komplementaritäten der Maßnahmen im Rahmen der
einschlägigen EU-Ausgabenprogramme für die Politik im Bereich Meeresbeobachtung
angestrebt.
Daher schlägt die Kommission vor,
einen kohärenten Prozess von der Innovation zur Investition im Einklang mit dem
vorgeschlagenen „Moonshot“-Ziel zu fördern;
Prioritäten für die Meeresbeobachtung in ihrer Forschungs- und
Innovationsstrategie für die Meere und Gewässer festzulegen und den
Investitionspfad von der Grundlagenforschung bis hin zu Innovation und Skalierung zu
stärken;
ihre strategische Vorausschau29 zur Unterstützung der Entwicklung eines robusten
und widerstandsfähigen Systems zu nutzen;
30 Mio. EUR für eine thematische Challenge des Europäischen Innovationsrats
im Bereich Meeresbeobachtungstechnologien im Rahmen des Arbeitsprogramms
von Horizont Europa für 2027 bereitzustellen, um wichtige Innovationspfade zur
Mobilisierung von Investitionen im Hinblick auf OceanEye vorzubereiten.
29 https://joint-research-centre.ec.europa.eu/strategic-foresight-eu_en.
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Säule IV: Strategische Partnerschaften, Bildung
und Kompetenzen, Kultur und gesellschaftliche
Eigenverantwortung
4.1 Vertiefung der Zusammenarbeit mit privaten, nationalen
und internationalen Initiativen
Über die internationale Allianz hinaus wird die Initiative OceanEye proaktiv strategische
Partnerschaften mit privaten Akteuren, nationalen Programmen und internationalen Initiativen
aufbauen, um die Kohärenz und die globale Wirkung der Meeresbeobachtung zu stärken, und
zwar auch im Rahmen von Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaften mit einer die
Gefahrenabwehr im Seeverkehr betreffenden Komponente oder in Schlüsselregionen wie der
Arktis.
Durch die Abstimmung der Investitionen und Prioritäten wird die Initiative nationale
Kapazitäten und Forschungsinfrastrukturen mobilisieren und gleichzeitig die Zusammenarbeit
mit der Industrie fördern. Ein bemerkenswertes Beispiel ist Mission Neptune, eine
internationale Initiative, die jüngst von der französischen Regierung ins Leben gerufen wurde,
um die Tiefseeforschung zu beschleunigen.
Darüber hinaus baut die kürzlich im Rahmen des Europäischen Innovations- und
Technologieinstituts in die Wege geleitete Wissens- und Innovationsgemeinschaft für Wasser30
(EIT Water) ein starkes europäisches Innovationsökosystem im Bereich der gewässer- und
meeresbezogenen Innovationen auf. Sie wird zu den Zielen der Initiative beitragen, indem
Spitzenunternehmen, Forschungszentren und Hochschulen zusammengebracht werden, um
unternehmerische Bildung, innovationsgetriebene Forschung und Unterstützungsmaßnahmen
für Unternehmen anzubieten.
Bestehende philanthropische Aktivitäten zur Förderung des Schutzes und/oder der Erhaltung
der Meere, z. B. durch Meeresschutzgebiete, könnten durch eine Beobachtungs- und/oder
Untersuchungskomponente gestärkt werden, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen und sie stärker
strategisch auszurichten. Die Initiative OceanEye wird philanthropische Akteure stärker
mobilisieren, gesellschaftliches Engagement fördern und die internationale Sichtbarkeit
erhöhen, insbesondere durch ein gemeinsames Branding. Damit wird der Tatsache Rechnung
getragen, dass die kontinuierliche Meeresbeobachtung neben öffentlichen Investitionen auch
eine breite gesellschaftliche Unterstützung erfordert. Um die Sichtbarkeit von OceanEye zu
erhöhen, wird ein Siegel für alle Infrastrukturen entwickelt, die zu der Initiative beitragen.
Durch Ko-Investitionsmechanismen und eine koordinierte Programmplanung wird die
Initiative OceanEye ein vertrauenswürdiges Ökosystem schaffen, in dem öffentliche und
private Akteure zusammenarbeiten, um Dienste im Bereich der kontinuierlichen Beobachtung
und der Innovation sowie operationelle Dienste zu bieten.
30 Mit Schwerpunkt auf den Wasser-, Meeres- und maritimen Sektoren und Ökosystemen.
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4.2 Die Menschen in Europa für die Meere gewinnen:
Meeresbeobachtung als Mittel, um Menschen
zusammenzubringen sowie zu bürgerschaftlichem Engagement
und aktivem Handeln zu motivieren
Wenn sich die Meeresbeobachtung in sinnvollen Maßnahmen niederschlägt, kann sie die Art
und Weise verändern, wie die Europäerinnen und Europäer die Meere verstehen, wertschätzen
und zu ihnen in Beziehung treten. Um ein kollektives gesellschaftliches Verantwortungsgefühl
zu fördern, wird die Initiative OceanEye eine starke bildungs-, kultur- und
öffentlichkeitsarbeitsbezogene Dimension entwickeln, die Brücken zwischen Wissenschaft,
Unternehmertum, Kunst, Bildung und Gesellschaft schlägt. Die Kommission wird –
beispielsweise im Rahmen des Neuen Europäischen Bauhauses – die Entwicklung von
Aktionslinien prüfen, die Kunst, Kultur und Meereswissenschaft miteinander verbinden, um
die Meeresbeobachtung heraus aus abgeschiedenen Labors oder digitalen Dashboards in den
öffentlichen Raum, Häfen, Museen und Küstenstädte in ganz Europa zu bringen. Es geht dabei
nicht nur darum, Wissenschaft zu vermitteln, sondern auch darum, Vorstellungskraft, Empathie
und gemeinsames Verantwortungsgefühl zu fördern.
Die Meeresbeobachtung ist auch eine Quelle für hochwertige Beschäftigung und Innovation.
Indem sie Karrierewege aufgezeigt sowie Bildung und Industrie zusammenbringt, wird die
Kommission – unter anderem durch eine Strategie für den Generationswechsel in der
blauen Wirtschaft im Jahr 2027 – den Aufbau einer qualifizierten Erwerbsbevölkerung
fördern, die Europas Führungsrolle in der blauen und der digitalen Wirtschaft langfristig
sichern kann. Der Schwerpunkt wird auf interdisziplinären Kompetenzen liegen, die eine
Brücke zwischen Wissenschaft, digitalen Technologien, Ingenieurwesen und Kommunikation
schlagen.
Die Initiative OceanEye wird das Wissen über die Meere weiter stärken, indem sie sich die
EU4Ocean-Koalition31, die das Wissen der Europäerinnen und Europäer über unsere Meere
und Gewässer seit 2020 verbessert hat, und andere Wissenschafts- und Bildungsnetzwerke wie
das Netz der European Blue Schools (Europäische Blauen Schulen), das Youth4Ocean-Forum,
der Europäische Atlas der Meere, die Koalition „Bildung für den Klimaschutz“ und das
eTwinning-Netz auf der Europäischen Plattform für Schulbildung zunutze macht.
Daher schlägt die Kommission vor,
das Labor des Neuen Europäischen Bauhauses für die Meere, die Küstengebiete
und die Inselgemeinschaften zu initiieren, das Brücken zwischen der
Meeresbeobachtung und der Kunst, dem Design und dem bürgerschaftlichen
Engagement schlagen und der Gesellschaft das Wissen über die Meere näherbringen
soll. Dies könnte in Form von Wanderausstellungen, öffentlichen Veranstaltungen oder
Kooperationen mit Museen, Künstlern, Forschungseinrichtungen, kulturellen
Netzwerken und der Zivilgesellschaft geschehen, wobei Meeresdaten in zugängliche
und bedeutungsvolle Erfahrungen transformiert werden. So soll die Bindung der
31 https://maritime-forum.ec.europa.eu/theme/ocean-literacy-and-blue-skills/ocean-literacy/eu4ocean-
coalition_en.
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Europäerinnen und Europäer zu den Meeren vertieft und die Meeresbeobachtung in ein
zivilgesellschaftliches und kulturelles Instrument verwandelt werden;
die Meeresbeobachtung mithilfe von EU4Ocean in die Bildung einfließen zu lassen
und insbesondere Kindern und jungen Menschen näher zu bringen, indem sie zum
übergeordneten Thema der Tätigkeiten von EU4Ocean im Jahr 2027 gemacht wird, was
den Zielen der Initiative OceanEye förderlich ist. Durch eine Woche der
Meeresbeobachtung in Schulen, European Blue Schools und Jugendprojekte,
Sensibilisierungskampagnen, eine thematische Arbeitsgruppe und spezielle
#MakeEUBlue Auszeichnungen wird EU4Ocean Initiativen unterstützen und
anerkennen, die Meeresdaten mit Bildung und öffentlichem Engagement kombinieren.
In Zusammenarbeit mit der UNESCO wird EU4Ocean eine Sommerschule ausrichten,
in der junge Menschen aus Europa und anderen Teilen der Welt mehr über die
Meeresbeobachtung erfahren und sich direkt mit ihr befassen können;
wissensbasierte Arbeitsplätze sowie Kompetenzen im Zusammenhang mit
Meerestechnologien, Datenwissenschaft, maritimen Tätigkeiten und
Umweltmonitoring mit besonderem Schwerpunkt auf der Unterstützung von
Berufsanfängern – auch durch maritime berufliche Bildung – zu fördern. Diese
Bemühungen werden durch Mentoring- und Praktikaprogramme im Rahmen von
EU4Ocean für junge Menschen, die an meeresbezogenen Berufen interessiert sind,
sowie durch spezielle Workshops bei wichtigen europäischen Leitveranstaltungen wie
der Europäischen Jugendwoche, den Europäischen Tagen der Meere und dem
Europäischen Tag der Meere ergänzt;
in Zusammenarbeit mit der Forschungsschiff-Flotte der EU jährliche
Kommunikationskampagnen zu initiieren, in deren Rahmen die Forschungsschiffe
in europäischen Häfen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
V. Zugang zu Finanzmitteln und Investitionen
Die jährlichen Finanzmittel, die erforderlich sind, um die ehrgeizigen Ziele der Initiative
OceanEye zu erreichen, wurden auf das Drei- bis Vierfache des derzeitigen
Investitionsniveaus geschätzt. Es hat sich herausgestellt, dass ein erheblicher
Investitionsbedarf besteht, um das In-situ-Meeresbeobachtungsnetz aufrechtzuerhalten und zu
verbessern, digitale Instrumente für die Wissensintegration zu entwickeln und kontinuierliche
Forschungsinvestitionen zur Weiterentwicklung von Diensten zu unterstützen.
Um diesen Investitionsbedarf zu decken, müssen die derzeitigen und künftigen EU-Mittel
koordiniert eingesetzt werden, und es sind nationale Maßnahmen und Aktionen erforderlich,
um über den gesamten Prozess von der Innovation zur Investition hinweg privates Kapital
anzuziehen. Spezielle Beratungs-, Matchmaking- und Projektpipeline-Instrumente wie
BlueInvest32 und die EIB-Beratung im Rahmen der InvestEU-Beratungsplattform33 können
den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern und günstige Bedingungen für die Finanzierung von
Projekten schaffen.
Es bestehen jedoch nach wie vor wesentliche Lücken:
32 https://maritime-forum.ec.europa.eu/theme/investments/blueinvest_en.
33 https://investeu.europa.eu/investeu-programme/investeu-advisory-hub_en.
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In-situ-Beobachtungsinfrastrukturen sollten betriebsfähig gemacht, gemeinsam genutzt
sowie mit Qualitätsstandards und gemeinsamen technischen Spezifikationen in
Einklang gebracht werden. Außerdem bedarf es spezieller betrieblicher digitaler
Infrastrukturen.
Meeresbeobachtungssysteme werden in der Regel kurzfristig und projektbezogen
finanziert, während die erheblichen Investitionen, die für den Aufbau technologischer
Kapazitäten erforderlich sind, nur sporadisch und ohne genau festgelegte Zeithorizonte
erfolgen. Es bedarf einer langfristigen operativen Finanzierung, um den
kontinuierlichen Betrieb der Systeme zu gewährleisten und die Beobachtungsnetze zu
stärken (z. B. verankerte Tiefseebojen und biologische Überwachung).
Die EU-Förderlandschaft ist aufgrund unterschiedlicher Vorschriften und Zeitrahmen
fragmentiert, was zu begrenzter Vorhersehbarkeit und unzureichender strategischer
Abstimmung führt. Mit dem Vorschlag für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen
soll dieser Fragmentierung entgegengewirkt werden.
Das Engagement des Privatsektors ist begrenzt, insbesondere in Bereichen mit hohen
Kapitalausgaben wie autonome Unterwasserfahrzeuge und Satellitenkonstellationen,
und die Unterstützung für die Standardisierung und Interoperabilität der Daten ist
unzureichend, was den Zielsetzungen des Europäischen Digital Twin Ocean
entgegensteht.
In den Jahren 2026 und 2027 wird die Kommission verfügbare Ressourcen und bestehende
Instrumente zur Unterstützung der Initiative OceanEye mobilisieren.
Mit dem Ziel, den Prozess von der Innovation zur Investition zu unterstützen, wird die
Kommission prüfen, wie ihr gesamtes Instrumentarium am besten synergetisch und
komplementär zusammenwirken kann. Horizont Europa wird weiterhin bahnbrechende
Forschung und Demonstrationsprojekte unterstützen und im Rahmen des Europäischen
Innovationsrats risikoreiche, aber besonders wirkungsstarke Innovationen fördern.
Der nächste mehrjährige Finanzrahmen könnte dazu beitragen, die Ziele der Initiative
OceanEye zu unterstützen, auch durch den vorgeschlagenen Europäischen Fonds für
Wettbewerbsfähigkeit. Im Wege nationaler und regionaler Partnerschaftspläne könnten
Fischerei, Aquakultur, maritime Tätigkeiten und der Europäische Pakt für die Meere unterstützt
werden.
Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre Unterstützung für die
Meeresbeobachtung zu verstärken und die nationalen Haushalte an die Prioritäten der
EU anzupassen, um für eine stabile Finanzierung für verbesserte langfristige
Beobachtungsreihen zu sorgen.
Die Mitgliedstaaten werden außerdem aufgefordert,
die nationalen Meeresbeobachtungsprogramme auszuweiten, die nationalen
Budgets für die Meeresforschung an die Prioritäten der EU anzupassen und eine stabile
Finanzierung langfristiger Beobachtungsreihen sicherzustellen;
die Vergabe öffentlicher Aufträge für Meeresbeobachtungsdienste zu fördern,
z. B. im Wege der vorkommerziellen Auftragsvergabe, um Innovationen im Bereich
der Echtzeit-Bereitstellung von Meeresdaten für öffentliche Stellen zu fördern;
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Partnerschaften zwischen Industrie und Hochschulen zu fördern, indem
beispielsweise nationale Innovationsagenturen angehalten werden, Innovationszentren
im Bereich Meerestechnologien und Reallabore zu unterstützen, einschließlich der
Erprobung autonomer Gleiter unter realen Bedingungen.
Schlussfolgerungen
Die Meeresbeobachtung und die Wertschöpfungskette für Meereskenntnisse sind im Hinblick
auf Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz, strategische Autonomie und Sicherheit
von entscheidender Bedeutung. In Europa und weltweit ist die Meeresbeobachtung jedoch
fragmentiert, leidet unter Finanzierungsengpässen und Datenlücken und weist Defizite bei der
Effizienz und der operationellen Verbindlichkeit auf. Diese Herausforderungen werden durch
einen sich wandelnden geopolitischen Kontext verschärft, der Risiken strategischer
Abhängigkeit mit sich bringt.
Die Initiative OceanEye ist ein strategisches Vorhaben der EU zur Bereitstellung eines
umfassenden operationellen europäischen Meeresbeobachtungssystems.
Durch den weiteren Ausbau und die Mobilisierung der ganzen Bandbreite der ihr zur
Verfügung stehenden Partnerschaften, Infrastrukturen und Ressourcen im Bereich
Meereskenntnisse kann die EU ihre strategische Autonomie in den Bereichen
Meeresbeobachtung, Infrastruktur, Daten und Informationsdienste sichern, gleichzeitig deren
doppelten Verwendungszweck anerkennen und sich als verlässlicher globaler Partner und
werteorientierte führende Kraft bei der internationalen Zusammenarbeit positionieren.
Der bevorstehende Legislativvorschlag für einen Rechtsakt für die Meere wird zur Schaffung
einer robusten, integrierten und multidisziplinären europäischen Wertschöpfungskette für
Meereskenntnisse führen, die Daten in Handeln und Wissenschaft in Lösungen für alle umsetzt.
Dies wird die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen industriellen Ökosystems für
Meeresbeobachtungstechnologien und nutzerorientierte Dienste stärken.
Die Kommission wird mit den anderen EU-Organen sowie den Mitgliedstaaten,
Interessenträgern und internationalen Partnern zusammenarbeiten, um dieses operationelle
System sowie die Partnerschaften und die Governance bereitzustellen, die im Zentrum der
Initiative OceanEye stehen.
Drucksache 382/26 - 20 -
Relationen
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- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat - OceanEye: Eine EU-Meeresbeobachtungsinitiative KOM(2026) 268 endg.; Rat (Unterrichtung)