Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für Versicherungsunternehmen (Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz - VSAAG) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/6561, 21/8157)
Text
Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2 zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für Versicherungsunternehmen (Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz - VSAAG) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/6561, 21/8157)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8195
21. Wahlperiode 24.09.2026
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Sandra Detzer, Dr. Moritz Heuberger, Max
Lucks, Sascha Müller, Karoline Otte, Stefan Schmidt, Dr. Andreas Audretsch,
Dr. Julia Verlinden, Jamila Schäfer, Johannes Wagner, Lisa Badum, Ricarda Lang,
Julia Schneider und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung
– Drucksachen 21/6561, 21/8157 –
Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinien (EU) 2025/1 und (EU) 2025/2
zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von
Versicherungsunternehmen sowie zur Änderung des Aufsichtsrahmens für
Versicherungsunternehmen
(Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungs-Gesetz –
VSAAG)
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Seit dem 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus infolge des Irankriegs
weitgehend blockiert. Durch die Meerenge werden unter normalen Umständen rund
20 Prozent des weltweiten Öltransports abgewickelt. Infolge der Blockade fehlen
dem Weltmarkt derzeit täglich rund 11 Millionen Barrel Rohöl. Der Internationale
Energieagentur-Vorsitzende Fatih Birol hat die Folgen als größte Energiekrise
aller Zeiten eingestuft (vgl. CNBC, 23.04.2026). Mit der starken Beeinträchtigung
der Meerenge von Bab al-Mandab seit Mitte September ist der Rohölpreis
nochmals deutlich gestiegen – die deutschen Spritpreise erreichten in der letzten Zeit
historische Allzeithochs (vgl. tagesschau, 18.09.2026).
Diese geopolitische Ausnahmesituation führt auf den globalen Energiemärkten zu
drastischen Konsequenzen. Der Rohölpreis stieg zeitweise bis auf 118 US-Dollar
je Barrel (vgl. Deutsche Börse, 26.05.2026). Diese krisenbedingte Preiserhöhung
hat für Wirtschaft und Gesellschaft gravierende Auswirkungen: Steigende
Energiekosten befeuern die Inflation, verteuern Güter des täglichen Bedarfs und
belasten Bürgerinnen und Bürger, öffentliche Haushalte sowie energieintensive
Industriezweige gleichermaßen.
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Der am 24. April 2026 eingeführte und für Mai und Juni geltende sogenannte
„Tankrabatt“ soll gemeinsam mit dem VSAAG noch diese Woche
wiederaufgelegt werden und ab dem 1. Oktober 2026 bis zum 31. Dezember 2026 gelten.
Angesichts des krisenbedingten Angebotsschocks setzt der Tankrabatt falsche
Preisanreize, begünstigt strukturell höhere Einkommen und überlässt es den
betroffenen Konzernen, ob sie die Steuersenkung überhaupt an der Zapfsäule
weitergeben. Zudem sind ineffiziente Instrumente in einer angespannten
Haushaltslage wie sie derzeit vorherrscht ganz besonders zu hinterfragen. Gründe, wegen
denen auch Ökonominnen und Ökonomen wie Veronika Grimm, Monika
Schnitzer, Lars Feld, Marcel Fratzscher, Clemens Fuest und Achim Truger die
Maßnahme deutlich kritisieren (vgl. handelsblatt, 22.09.2026; FAZ, 19.09.2026;
deutsche-börse, 20.09.2026; tagesschau, 20.09.2026; Freitag, 19.09.2026).
Was es stattdessen braucht, sind Maßnahmen, die zeitnah und zielgerichtet bei
den Menschen und verbrauchenden Unternehmen zu preislichen Entlastungen
führen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und fünf weitere EU-
Ressortkollegen haben zwar in einem Brief für eine stärkere Besteuerung von
Mineralölkonzernen geworben (vgl. dlf, 22.08.2026), EU-Wirtschaftskommissar Valdis
Dombrovski erteilte dem Vorhaben jedoch eine klare Absage: Zum jetzigen
Zeitpunkt werde die Kommission keinen EU-weiten Vorschlag vorlegen. Gleichzeitig
betonte er, dass es den Mitgliedstaaten schon jetzt freistehe, auf nationaler Ebene
eine Übergewinnsteuer einzuführen (vgl. FAZ, 18.09.2026). In der Konsequenz
sollte eine nationale Regelung, ähnlich wie sie infolge des Ukraine-Kriegs etwa
in Italien, Spanien oder den Niederlanden eingeführt wurde, aber für Deutschland
rechtssicher, umgesetzt werden, und die Bundesregierung sollte sich im
Europäischen Rat weiterhin dafür einsetzen, eine europäische Lösung zu finden.
Konzerne einzelner Branchen, insbesondere in oligopolistischen Marktstrukturen,
können aus Krisenlagen in einem Ausmaß profitieren, das mit unternehmerischer
Leistung und wettbewerblichem Marktverhalten nicht zu erklären ist
(„windfallprofits“). Berechnungen zeigen, dass beispielsweise Mineralölkonzerne in
Deutschland in den ersten Wochen des Iran-Krieges täglich 21 Millionen Euro
Zusatzgewinn eingefahren haben (Bukold, 16.03.2026), d. h., dass nicht einfach
nur erhöhte Einkaufspreise weitergegeben, sondern dass zusätzlich noch ein
deutlicher Gewinn auf den Preis aufgeschlagen wurde – auf Kosten der
Verbraucherinnen und Verbraucher. Haben die Mineralölkonzerne am 14. Februar 2026 noch
einen Überschuss von gut 43 Cent/Liter Diesel eingefahren, haben sie diesen
krisenbedingt am 16. September 2026 auf 85 Cent/Liter Diesel fast verdoppelt (vgl.
benzinpreis.de, 23.09.2026) – was weder an gestiegener Innovation noch
gestiegener Nachfrage gelegen hat, sondern ein klassischer Krisengewinnaufschlag ist,
der aufgrund von oligopolistischer Marktmacht aufgeschlagen wird. Auch im
Bereich der Dünge- und Lebensmittel konnten in der Vergangenheit übermäßige
krisenbedingte Preissteigerungen beobachtet werden, die auch auf die Ausnutzung
von Marktmachtstellungen zurückzuführen waren (vgl. IATP, 23.05.2023; ECB
Economic Bulletin 2/2024). Es zeigt sich: Nicht nur die Mineralölbranche,
sondern auch andere Industriezweige wie etwa die Düngemittel- und
Lebensmittelindustrie können unter anderem aufgrund einer hohen Marktkonzentration auf
Kosten von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie betroffenen
Industriezweigen überproportionale Gewinne einfahren (vgl. DLG, 08.04.2026).
Die Einführung einer Übergewinnsteuer ist geboten, um in Krisenzeiten
marktbedingte Fehlverteilungen zu korrigieren, dem Missbrauch von angebotsseitiger
Marktmacht in Krisenzeiten entgegenzuwirken, und vor allem einen inflationären
Preisschock für Verbraucherinnen und Verbraucher abzuwenden, d.h. eine
preisdämpfende Wirkung durch Ankündigung der Besteuerung von Übergewinnen zu
erzielen (vgl. WD, 5/2026). Zudem kann, ohne in der Breite zu Mehrbelastungen
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
zu führen, fiskalischer Spielraum für ein wirksameres Krisenmanagement
geschaffen werden.
Die deutsche Umsetzung des EU-Energiekrisenbeitrags in den Jahren 2022 und
2023, eingeführt als Reaktion auf die damals zu beobachtenden Krisengewinne,
hat gezeigt, dass die Erhebung einer Übergewinnsteuer politisch und rechtlich
umsetzbar ist und durchaus nicht irrelevante Einnahmen generiert – allein in
Deutschland rund 2,5 Mrd. Euro. Die Evaluation der Umsetzungen verschiedener
EU-Staaten zeigt jedoch, dass insbesondere die Definition des Übergewinns und
des Anwendungsbereichs Anpassungen im Sinne eines umsatzbasierten Gewinn-
Proxys und einer branchenunabhängigen Anwendung nahelegt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. einen Gesetzentwurf für die Einführung einer nationalen Übergewinnsteuer
als Ergänzungsabgabe zur Einkommen- und Körperschaftsteuer, gestützt auf
Artikel 106 Absatz 1 Nummer 6 des Grundgesetzes, vorzulegen und dabei
insbesondere
a) „Übergewinn“ als Gewinn zu definieren, der anfällt, wenn
Unternehmen während Krisen (Besteuerungszeitraum) bei Zugrundelegung
eines umsatzbasierten Gewinn-Proxys angebotsseitig wegen einer
oligopolistischen oder ähnlichen Marktstruktur über Marktmacht verfügen
und Preise im Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten und zur
Nachfrage übermäßig erhöhen; eine übermäßige Preiserhöhung liegt bei
einer relativen Gewinnsteigerung von 15 Prozent gegenüber dem Sieben-
Jahres-Durchschnitt der Vorkrisenjahre (Vergleichszeitraum) vor,
b) als Bemessungsgrundlage die Differenz zwischen dem Saldo aus
Nettoausgangs- und Nettoeingangsumsätzen im Besteuerungszeitraum
einerseits und dem Saldo aus Nettoausgangs- und
Nettoeingangsumsätzen im Vergleichszeitraum andererseits zu regeln (auf national
erwirtschafteten Umsätzen basierender Gewinn-Proxy),
c) einen Steuersatz von mindestens 33 Prozent vorzusehen,
d) einen branchenunabhängigen Anwendungsbereich festzulegen;
2. sich auch auf europäischer und internationaler Ebene weiterhin für eine
vergleichbare Besteuerung krisenbedingter Übergewinne einzusetzen;
3. im Rahmen der anstehenden Überarbeitung des Gesetzes gegen
Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) das von der Vorgängerregierung bereits
verschärfte Kartellrecht mit Durchgriffsinstrumenten bis hin zur Entflechtung
als Ultima Ratio weiterzuentwickeln und dabei insbesondere die Hürden für
diese strukturellen Maßnahmen zu senken, damit das Bundeskartellamt
schneller und effektiver gegen Wettbewerbsstörungen vorgehen kann; dazu
sollte das Bundeskartellamt auch mit den entsprechend nötigen Ressourcen
ausgestattet und personell gestärkt werden;
4. den Direktauszahlungsmechanismus jetzt für ein Energiekrisengeld zu
nutzen, das anders als der sogenannte „Tankrabatt“ direkt und vollumfänglich
bei den Menschen ankommt;
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
5. die Stromsteuer für alle auf den europarechtlich zulässigen Mindestsatz, also
1 Euro/MWh für die nicht-betriebliche sowie 0,5 Euro/MWh für die
betriebliche Verwendung, zu senken, um Verbraucherinnen und Verbraucher sowie
alle Unternehmen sofort zu entlasten und gleichzeitig Anreize zur
Elektrifizierung zu setzen und nicht wie der sogenannte „Tankrabatt“ den Verbrauch
eines knappen Guts wie Öl anreizt.
Berlin, den 24. September 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Zu Nummer 1
Zu Buchstabe a: Definition des Übergewinns
Herkömmliche Gewinnbegriffe unterscheiden nicht zwischen Gewinnen, die durch Leistung, Innovation oder
Effizienz entstehen, und solchen, die durch Marktmacht auf Kosten der Verbraucher generiert werden. Der
steuerliche Gewinnbegriff basiert auf einem Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Absatz 1 Satz 1 EStG) und erfasst die
Ursachen des Gewinns nicht. Die im Antrag geforderte Definition eines „Übergewinns” schließt diese Lücke.
Sie identifiziert als Gegenstand der Übergewinnsteuer nicht den Gewinn als solchen, sondern die übermäßige
Differenz zwischen tatsächlichen Kosten und weitergegebenen Preisen unter oligopolistischen
Strukturbedingungen. Damit trifft sie genau jenes Verhalten, das volkswirtschaftlich schädlich ist – nämlich die Ausnutzung von
Marktmacht gegenüber der Endverbraucherin und dem Endverbraucher. Sie erfasst in Krisenzeiten (dazu I.) hohe
Gewinne (dazu II.), die Unternehmen leistungslos einfahren (dazu III.).
I. Krise
Es muss eine Krise, also eine außerordentliche externe Entwicklung vorliegen, die außerhalb des Einflussbereichs
des betroffenen Unternehmens liegt und mehr als nur das Unternehmen betrifft. Weder durch Investition,
Innovation noch durch strategische Entscheidungen hat das Unternehmen zum Ereignis beigetragen. Das Ereignis war
zum Zeitpunkt der unternehmerischen Planung und Investitionsentscheidung vernünftigerweise nicht
einzukalkulieren. Die außerordentliche externe Entwicklung wirkt nicht auf einzelne Märkte durch normalen Wettbewerb,
sondern erschüttert ganze Sektoren oder die Gesamtwirtschaft strukturell.
Die Ausgestaltung der Übergewinnsteuer als Maßnahme mit begrenzter Dauer für die jeweilige Krise knüpft die
Geltung an ein temporär begrenztes und kausal exogenes Ereignis. Damit werden Übergewinne von Gewinnen in
regulären Marktsituationen abgegrenzt. Erst wenn externe Schocks – bspw. Kriege, Pandemien, geopolitische
Verwerfungen oder Naturkatastrophen – die Marktbedingungen grundlegend verändern und dabei beispielsweise
mengenmäßige Knappheitssituationen erzeugen, die Unternehmen nicht selbst herbeigeführt haben, entsteht eine
strukturell andersartige Gewinnart beziehungsweise Gewinnsteigerung. Der besondere Gewinnanstieg ist dann
nicht Ergebnis von Investition, Innovation oder Risikoübernahme, sondern Resultat eines Lagevorteils, der dem
Unternehmen durch äußere Umstände zugefallen ist. Die Legitimität einer Abschöpfung solcher Übergewinne
entspricht dem Leistungsfähigkeitsprinzip und findet ihre sachliche Rechtfertigung in der Besonderheit der
Krisensituation.
Mit der Begrenzung der Aktivität der Übergewinnsteuer auf die Krisensituation ist sie kein dauerhaft wirkendes
Element des Steuersystems. Damit wird vor einer Fehlanwendung in regulären (nicht-krisenhaften) Zeiten
geschützt. Gewinnsteigerungen, die auf erhöhter Nachfrage, verbesserter Produktivität oder erfolgreichen Investiti-
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
onen beruhen, werden von der Aktivierungsschwelle der Übergewinnsteuer nicht erfasst. Die Krisenbindung sorgt
für die tatbestandliche Trennschärfe, die eine Übergewinnsteuer von einer allgemeinen Steuer unterscheidet.
II. Übermäßige Gewinne
Um festzustellen, ob ein Gewinn „über“ dem normalen Niveau liegt, ist ein Referenzwert erforderlich.
Grundsätzlich kann dafür eine gewinn- oder umsatzbasierte Bemessungsgrundlage genutzt werden. Die Vorteile eines
umsatzbasierten Gewinn-Proxys gegenüber einer gewinnbasierten Übergewinnsteuer liegen vor allem darin, dass
er sich schwerer mit beispielsweise konzerninternen Verrechnungspreisen und Gewinnverlagerungen
beeinflussen lässt, dank leichterer Verifizierung eine einfachere Administrierbarkeit für die Finanzverwaltung aufweist,
weitestgehend unberührt von buchhalterischen Einmaleffekten (wie außerplanmäßigen Abschreibungen) ist und
methodisch einfacher und schneller umsetzbar ist. Zudem lässt sich so der in einem Land erwirtschaftete Gewinn
beziehungsweise in diesem Falle die vor Ort einbehaltenen Übergewinne klarer zuordnen. Ein umsatzbasierter
Gewinn-Proxy ist ein pragmatisches Messinstrument, das den theoretisch sauberen, aber empirisch nicht
greifbaren Übergewinnbegriff in eine operationalisierbare, juristisch und fiskalisch handhabbare Größe übersetzt. Damit
wird der Beurteilung nach dem Vorbild der italienischen Übergewinnsteuer (vgl. WD 4 – 3000 – 049/22) ein
konkreter, branchen- und unternehmensindividueller Maßstab zugrunde gelegt, der branchenweite
Durchschnittsrenditen oder theoretische Kapitalkosten als Referenz überflüssig macht. Die Berechnung anhand eines
umsatzbasierten Gewinn-Proxys bemisst den Gewinn, den ein Unternehmen ohne den außerordentlichen
Krisenlagevorteil erzielt hätte und stellt sicher, dass die Steuer nicht abstrakt an mögliche Marktmacht anknüpft, sondern an
deren konkret eingetretene wirtschaftliche Wirkung. Der Nachweis einer deutlichen Gewinnsteigerung von
15 Prozent gegenüber dem Sieben-Jahres-Durchschnitt der Vorkrisenjahre orientiert sich konzeptionell als
Mittelwert des italienischen Modells (10 Prozent, WD 4 – 3000 – 076/22) und des EU-Energiekrisenbeitrags (20
Prozent, § 4 Absatz 1 EU-EnergieKBG). Die Festlegung des Zeitraums auf sieben Jahre geht über den im EU-
Energiekrisenbeitragsgesetz definierten Zeitraum von vier Jahren hinaus und sichert auf diese Weise einen noch
stabileren Mittelwert, der strukturelle Trends abbildet, ohne zu stark von einzelnen Ausreißerjahren verzerrt zu werden.
Wer in einer Krise nicht wesentlich mehr verdient als in normalen Jahren, hat offensichtlich keinen Lagevorteil
realisiert, sodass die Steuer dann folgerichtig nicht greift. Zudem dient die Grenze der Verhältnismäßigkeit: Eine
Übergewinnsteuer, die bereits bei branchentypischen Schwankungen ausgelöst wird, könnte legitime Gewinne
treffen und unternehmerische Risikobereitschaft bestrafen. Die Schwelle stellt also sicher, dass nur jene Gewinne
erfasst werden, die sich qualitativ vom normalen Geschäftsbetrieb abheben.
III. Leistungslosigkeit
Ein zentrales Prinzip marktkonformer Preisbildung ist, dass Preise die tatsächlichen Kosten zuzüglich einer
angemessenen Rendite widerspiegeln. Unternehmen in (quasi-)monopolistischen oder oligopolistischen
Marktstrukturen haben einen strukturellen Kostensetzungsvorteil, der nicht durch externe Schocks beeinträchtigt wird. Wenn
sie Preiserhöhungen am Markt mit eben diesen Schocks begründen, die Preise aber deutlich mehr erhöht werden,
als es die Krise und ihre Folgen erfordern würde, entsteht ein sachlich nicht gerechtfertigter Gewinn. Wer
Kostensenkungen nicht an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergibt beziehungsweise Kostensteigerungen mit
einem deutlich überproportionalen Gewinnaufschlag belegt, nur weil die Psychologie des Marktes und die
Krisenerzählung es erlaubt, verletzt dieses Äquivalenzprinzip einseitig und nutzt die Krise aus. Die geforderte
Definition eines „Übergewinns” macht diesen Mechanismus sichtbar und knüpft an diese normative Grundlage
ordnungspolitisch an. Sie wertet nicht jeden hohen Gewinn als Übergewinn, sondern nur jenen, der aus einer
systematischen Entkopplung von Kosten und Preisen zum Nachteil der Verbraucherinnen und Verbraucher und
Unternehmenskundinnen und Unternehmenskunden resultiert.
Zu Buchstabe b: Bemessungsgrundlage
Die Definition der Bemessungsgrundlage als Differenz zwischen dem Saldo aus Nettoausgangs- und
Nettoeingangsumsätzen im Besteuerungszeitraum einerseits und dem Saldo aus Nettoausgangs- und
Nettoeingangsumsätzen im Vergleichszeitraum andererseits isoliert krisenbedingte Übergewinne von regulären Gewinnen.
Vergleichszeitraum bezieht sich auf den unter 1.a. definierten und begründeten Sieben-Jahres-Durchschnitt der
Vorkrisenjahre. Die Bildung dieser Differenz filtert heraus, was ein Unternehmen unter normalen Bedingungen
erwirtschaftet hätte. Die Heranziehung eines Umsatzsaldos ist robuster gegen Gestaltungsmissbrauch als die Zu-
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grundelegung eines Gewinnsaldos: Der bilanzielle Gewinn könnte bspw. durch Abschreibungen,
Verrechnungspreise oder Rückstellungen kleingerechnet werden (vgl. dazu auch 1.a.).
Zu Buchstabe c: Steuersatz in Höhe von mindestens 33 Prozent
Ein Steuersatz von mindestens 33 Prozent schöpft den Übergewinn spürbar ab, ohne zugleich die
unternehmerische Investitionsbereitschaft strukturell zu verringern. Steuersätze unterhalb dieser Schwelle können der
beabsichtigten Wirkung der Übergewinnsteuer entgegenstehen.
Mehrere europäische Staaten haben im Zuge der Energiepreiskrise seit 2021 Übergewinnsteuern eingeführt, deren
Sätze zwischen 25 Prozent und 90 Prozent lagen bzw. liegen (z.B.: Italien: 25 Prozent; Großbritannien: 25
Prozent; Niederlande: 65 Prozent; Rumänien: 80 Prozent; Griechenland: 90 Prozent; s. weiterführend WD 4 – 3000
– 074/22; WD 4 – 3000 – 003/26). Der EU-Energiekrisenbeitrag sah für den Energiesektor einen Mindestsatz von
33 Prozent auf Übergewinne vor (§ 4 Absatz 3 EU-EnergieKBG). Ein nationaler Mindestsatz von 33 Prozent fügt
sich in diesen bereits in der Vergangenheit bewährten europäischen Rahmen ein.
Zu Buchstabe d: Branchenunabhängiger Anwendungsbereich
Zur Wahrung der gleichheitsrechtlichen Anforderungen aus Artikel 3 des Grundgesetzes und Artikel 20 der EU-
Grundrechtecharta (vgl. FG Köln, Beschl. v. 20.12.2024 – 2 V 1597/24; BFH, Beschl. v. 27.10.2025 – II B 5/25)
soll die Übergewinnsteuer branchenunabhängig ausgestaltet sein. Eine sachlich beschränkte Erfassung von bspw.
Mineralölkonzernen greift zu kurz, da die definierten Übergewinne branchenübergreifend anfallen können. Das
zugrundeliegende Marktversagen ist keine Besonderheit der fossilen Energiewirtschaft, sondern ein Merkmal
jedweder Marktstruktur, in der wenige Akteure strukturell über erhebliche Preissetzungsmacht verfügen und
gleichzeitig von Kostenprivilegien profitieren. Auch andere Industriezweige (bspw. Dünge- und Lebensmittelindustrie)
können unter anderem dank einer starken Machtkonzentration Übergewinne vereinnahmen (vgl. IATP,
23.05.2023; ECB Economic Bulletin 2/2024; DLG, 08.04.2026), weshalb sie auch dem Anwendungsbereich einer
folgerichtig ausgestalteten Übergewinnsteuer unterliegen sollten. Zusätzlich vermeidet die branchenunabhängige
Ausgestaltung strukturelle Anreize zur Gewinnverlagerung. Sie erfasst auch nachgelagerte
Konzerngesellschaften, sofern sie die definierten Übergewinne erzielen.
Zu Nummer 2: Übergewinnsteuer auf europäischer und internationaler Ebene
Die Krisen, die Übergewinne auslösen, treten ihrem Wesen nach grenzüberschreitend auf. Sie treffen
Gesellschaften, Wirtschaften sowie Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Europa oder sogar weltweit und erzeugen
fiskalischen Druck in nahezu allen betroffenen Staaten. Es wäre inkonsistent, die Ursachen dieser Krisen als
globale Herausforderungen anzuerkennen, die Maßnahmen aber ausschließlich auf nationaler Ebene zu verorten,
weshalb sich die Bundesregierung auch für eine überstaatliche Lösung einsetzen sollte. Eine europäische
Übergewinnsteuer könnte nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags (Verordnung (EU) 2022/1854, EU-ABl.
2022/L261) eingeführt werden, aber mit Verbesserungen beispielsweise bei der Bemessungsgrundlage als
umsatzbasiertem Gewinnproxy, um die Gestaltungsanfälligkeit zu reduzieren. Eine globale Übergewinnsteuer könnte
auf Ebene der OECD (vgl. TNI, 04.05.2020) oder der UN institutionalisiert werden. Gleichwohl sollte der
Verweis auf die europäische und internationale Ebene den Gesetzgeber nicht davon abhalten, eine nationale
Übergewinnsteuer einzuführen – hier wäre die Europäische Kommission sogar dazu bereit, die Mitgliedstaaten zu
unterstützen (vgl. FAZ, 18.09.2026).
Zu Nummer 3.: Kartellrechtliche Maßnahmen
Die vorangegangene Begründung der Übergewinnsteuer hat ein zentrales strukturelles Problem offengelegt.
Krisenbedingte Übergewinne entstehen nicht trotz, sondern wegen verfestigter Marktmachtstrukturen.
Oligopolistische Konzentrationen, vertikale Integration und koordiniertes Parallelverhalten ermöglichen es marktmächtigen
Unternehmen, externe Schocks systematisch in Krisenzeiten auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher
in leistungslose Gewinne umzuwandeln. Die Übergewinnsteuer adressiert dieses Versagen reaktiv, indem sie
abschöpft, was bereits entstanden ist. Das Kartellrecht setzt dagegen an der Struktur von Märkten an und kann
mittelbis langfristig dafür sorgen, dass in Märkten ein fairer Wettbewerb herrscht, in dem es für einzelne Unternehmen
schwieriger ist, Übergewinne zu erzielen.
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Zu Nummer 4.: Energiekrisengeld
Die mit dem Irankrieg und den Blockaden der Straßen von Hormus und Bab Al-Mandab einhergehenden
Preissteigerungen treffen die Menschen in Deutschland direkt, beim Tanken, beim Heizen mit Öl und über steigende
Preise für Waren und Dienstleistungen. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sind besonders
belastet, weil Energiekosten bei ihnen einen größeren Teil des Budgets ausmachen. Pauschale Markteingriffe wie ein
Tankrabatt oder ein Spritpreisdeckel sind teuer, halten falsche Preisanreize aufrecht und entlasten vor allem
diejenigen, die viel verbrauchen. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde der Aufbau des
Direktauszahlungsmechanismus (§ 139e AO) ab 2025 geregelt. Auch die Bundesregierung selbst betont, dass automatisierte
Direktauszahlungen im Krisenfall helfen können, öffentliche Mittel effizient einzusetzen und größere Markteingriffe mit ihren
negativen Folgen zu vermeiden (vgl. BMF, 09.01.2025). Im Hinblick auf die Belastung der Bürgerinnen und
Bürger durch hohe Energiepreise bedarf es nun einer schnell wirkenden, unkomplizierten Entlastung in Form
eines Energiekrisengelds, das über den Direktauszahlungsmechanismus unkompliziert ausgezahlt werden kann.
Dass bisher zu wenige Menschen ihre IBAN angegeben haben, ist ein nicht haltbares Gegenargument, da
logischerweise nach einer öffentlichen Ankündigung einer solchen Auszahlung durch die Bundesregierung und die
die Bundesregierung tragenden Fraktionen von einem sehr schnellen und sehr umfassenden Anstieg der
registrierten IBANs auszugehen ist.
Zu Nummer 5: Senkung der Stromsteuer
Die Stromsteuer belastet Haushalte und Unternehmen unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Ihre Senkung auf den europarechtlich zulässigen Mindestsatz (1 Euro/MWh für die nicht-betriebliche sowie
0,5 Euro/MWh für die betriebliche Verwendung) entlastet unmittelbar alle Verbraucherinnen und Verbraucher
sowie sämtliche Unternehmen, ohne dass eine bürokratische Antragstellung erforderlich wäre. Gleichzeitig setzt
ein günstigerer Strompreis positive Anreize zur Elektrifizierung von Wärme und Mobilität und unterstützt so die
notwendige energie- und klimapolitische Transformation. Die Maßnahme wirkt damit sowohl kurzfristig
entlastend als auch strukturell.
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