Vorschlag 53103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Text
Vorschlag 53103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4878
21. Wahlperiode 23.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Uwe Schulz, Robin Jünger, Ruben Rupp, Sebastian Maack,
Edgar Naujok und der Fraktion der AfD
Vorschlag 53103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Die die Bundesregierung tragenden Parteien CDU, CSU und SPD haben sich in
ihrem Koalitionsvertrag der 21. Wahlperiode dazu bekannt, die
Bürokratiebelastung, der Unternehmer und Unternehmen ausgesetzt sind, zu reduzieren
(Koalitionsvertrag, S. 58; www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitions
vertrag2025.de/files/koav_2025.pdf).
Im Frühjahr 2023 wurde eine Verbändeabfrage zur Bürokratiebelastung vom
damaligen Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)
durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Verbände eingeladen, Regelungen und
Bestimmungen, die aus ihrer Sicht eine unnötige Bürokratiebelastung darstellen,
zu benennen und ggf. Verbesserungsvorschläge und konkrete Forderungen zu
formulieren. 34 weitere Verbände erklärten, an der Verbändeabfrage teilnehmen
zu wollen. An der Verbändeabfrage beteiligten sich tatsächlich mehr als 57
Verbände, die 442 Vorschläge zur Entlastung von Bürokratie dem BMJV
unterbreiteten (www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/Fachinformationen/Verbaende
abfrage_Buerokratieabbau_Ergebnisdokumentation_Einzelvorschlaege.pdf?__
blob=publicationFile&v=3, S. 6f).
In einer Auswertung der Verbändeabfrage, die im Dezember 2023 vorgelegt
wurde, erfolgte eine Kategorisierung und Bewertung der einzelnen Vorschläge.
Im Ergebnis wurden 34 Vorschläge vollständig umgesetzt. Teilweise umgesetzt
wurden 55 Vorschläge, und für 26 Vorschläge werden alternative Lösungen
gesucht. Darüber hinaus untersuchte und prüfte das BMJV weitere 61 Vorschläge.
Nicht behandelt wurden 210 Vorschläge. Begründungen zu den einzelnen
Vorschlägen und der Umgang mit ihnen wurden durch die damalige
Bundesregierung gegeben (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publikati
onen/Downloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage-monitoringbericht.pdf
?__blob=publicationFile).
Eine Umsetzung der noch zu untersuchenden und zu prüfenden Vorschläge
erfolgte nach Kenntnis der Fragesteller aufgrund der Auflösung der damaligen
Bundesregierung nicht.
In der Verbändeabfrage, an der sich auch der Verband „Die
Familienunternehmer e. V.“ beteiligte, wurde unter dem Vorschlag 53103 – „A1-Bescheinigung“
darauf hingewiesen, dass bei jeder Dienstreise in ein europäisches Land eine
aktuelle A1-Bescheinigung mitgeführt werden müsse. Der Verband verwies
weiters auf den massiven organisatorischen Aufwand, der mit der Erlangung
der A1-Bescheinigung und den zusätzlich mitzuführenden Unterlagen, wie
einem aktuellen Gehaltsnachweis und dem Arbeitsvertrag, verbunden ist. Eine
Lösung dieses bürokratischen Aufwandes sieht der Verband in einer
differenzierten Vorgehensweise. Die Bescheinigung solle abgeschafft werden bei allen
Reisen ohne eine „berechnete“ Arbeitsleistung, wie Messe- und
Kongressbesuche, Kundengespräche und Schulungen sowie bei Reisen, die weniger als
48 Stunden dauern (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publ
ikationen/Downloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage.pdf?__blob=publica
tionFile; Seite 421).
Die damalige Bundesregierung erklärte, dass die Umsetzung des Vorschlags
nicht vorgesehen sei. Die Mitführungspflicht der A1-Bescheinigung würde des
Weiteren als nicht notwendig erachtet. Das Bundesministerium für Arbeit und
Soziales verwies auf eine nachträgliche Beantragung und Vorlage bei Vorliegen
eines konkreten Anlasses. Teilweise abgeschwächt wurde diese Aussage durch
den Umstand, das EU-Mitgliedstaaten ihre Vorschriften zum Sozialdumping
verschärft haben und eine Vorlage der A1-Bescheinigung vor Beginn der
Tätigkeit einfordern. Die Mitführungspflicht der A1-Bescheinigung ist nicht auf
nationales Recht, sondern auf die europäischen Verordnungen zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (VO (EG) Nummer 883/2004 und
987/2009) zurückzuführen (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekost
en/Publikationen/Downloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage-monitoringb
ericht.pdf?__blob=publicationFile; S. 271)
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen konkreten Erwägungsgründen wurde der Vorschlag 53103 der
Verbändeabfrage zum Bürokratieabbau nicht im Vierten Gesetz zur
Entlastung der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft sowie der Verwaltung von
Bürokratie (Viertes Bürokratieentlastungsgesetz) von der Bundesregierung
aufgenommen bzw. umgesetzt?
2. Plant die Bundesregierung, das Vierte Bürokratiegesetz zu novellieren bzw.
ein Fünftes Bürokratiegesetz vorzulegen, welches sich aller Vorschläge der
Verbändeabfrage annimmt, und plant die Bundesregierung, die Entlastung
der deutschen Wirtschaft sowie der Verwaltung einem laufenden und
begleitenden Monitoring zu unterziehen?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen wird die Bundesregierung diesbezüglich
setzen?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Inwieweit wird die Umsetzung des Vorschlages 53103 der Verbändeabfrage
ggf. von der Bundesregierung vorgenommen, um eine tatsächliche und
maßgeschneiderte Bürokratieentlastung für Unternehmen zu erreichen, und
wie ist eine Umsetzung ggf. vorgesehen?
4. Welche EU-Staaten haben nach Kenntnis der Bundesregierung ihre
Vorschriften zum Sozialdumping verschärft?
5. Welche EU-Staaten fordern nach Kenntnis der Bundesregierung die Vorlage
der A1-Bescheinigung vor Antritt der Tätigkeit im jeweiligen EU-
Mitgliedstaat?
6. Welche EU-Staaten ermöglichen es nach Kenntnis der Bundesregierung
deutschen Unternehmen, die A1-Bescheinigung erst bei Vorliegen eines
konkreten Sachverhaltes nachträglich zu beantragen und vorzulegen?
Berlin, den 20. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Edgar Naujok (Kleine Anfrage)
- asked ← Robin Jünger (Kleine Anfrage)
- asked ← Ruben Rupp (Kleine Anfrage)
- asked ← Sebastian Maack (Kleine Anfrage)
- asked ← Uwe Schulz (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Robin Jünger
- authored ← Uwe Schulz
- part_of_vorgang → Vorschlag 53103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung (Kleine Anfrage)