Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Städtebauförderung
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Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Städtebauförderung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4360
21. Wahlperiode 26.02.2026
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Städtebauförderung
Die Städtebauförderung ist ein fundamentales Instrument der städtebaulichen
Infrastruktur- und Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Seit
Jahrzehnten treiben Bund und Länder in gemeinsamer Verantwortung die
nachhaltige Sicherung und Weiterentwicklung lebenswerter, funktional
strukturierter und zukunftsfähiger urbaner Räume voran. Angesichts der gegenwärtigen
gesellschaftlichen, demografischen und ökologischen Herausforderungen
wurden die Förderprogramme seit 2020 grundlegend neu ausgerichtet und
konsolidiert. Die neu implementierten Programme „Lebendige Zentren“, „Sozialer
Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ (www.staedtebaufo
erderung.info/DE/Programme/programme_node.html) bilden den Kern der
regional und kommunal wirkenden Förderlandschaft. Sie fokussieren sich auf
den demografischen Wandel, die soziale Integration, die wirtschaftliche
Transformation und die ökologische Nachhaltigkeit.
Obwohl diese Förderinstrumente von zentraler Bedeutung sind, bestehen bei
den Fragestellern weiterhin offene Fragen hinsichtlich ihrer konzeptionellen
Ausgestaltung, der Ressourcenzuweisung, der Steuerungs- und
Evaluationsmechanismen sowie ihrer Transparenz und Governance.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Für welche konkreten Ziele in den Programmen „Lebendige Zentren“,
„Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“
werden welche leistungsbasierten Steuerungsindikatoren und Monitoring-
Tools eingesetzt (bitte jeweils die aktuelle Indikatorenliste angeben und
die Monitoringverfahren nach Programm und Bundesland differenziert
darstellen)?
2. Wie werden die Zielerreichung und die Wirksamkeit, der in Frage 1
genannten Programme systematisch und interdisziplinär überprüft,
insbesondere hinsichtlich der methodischen Ansätze und der Bewertung
qualitativer und quantitativer Aspekte (bitte die eingesetzten Verfahren und
Beispiele für interdisziplinäre Auswertungen darstellen)?
3. Welche externen, unabhängigen Prüfmechanismen, institutionellen
Kontrollen, Audits und Compliance-Systeme sind implementiert, um die
Einhaltung der Förderkriterien und die korrekte Verwendung der Mittel in der
Städtebauförderung sicherzustellen (bitte eine tabellarische Übersicht
aufstellen, mindestens einen Auditbericht der Jahre 2022 bis 2024 beifügen
sowie die Prüfinstitutionen nennen)?
4. Wie ist die praxisnahe Missbrauchsprävention in der Städtebauförderung
konkret ausgestaltet, und welche Risikoanalysen, Kontrollabläufe und
Sanktionen kommen zum Einsatz (bitte eine Beschreibung der
Mechanismen und Beispiele für praxiserprobte Verfahren beifügen)?
5. Welche dokumentierten Fälle von Missbrauch oder Fehlsteuerungen in der
Städtebauförderung wurden seit 2020 ggf. festgestellt, und wie wurden
diese administrativ und juristisch bearbeitet (bitte die Vorfälle mit
Aktennachweisen und ergriffenen Korrekturmaßnahmen darstellen)?
6. Nach welchen wissenschaftlichen und praxisorientierten Auswahlkriterien
erfolgt die Entscheidung zur Auswahl von Pilot- und Modellkommunen
(bitte alle Kriterien sowie die Grundlage der Entscheidungsfindung
nennen)?
7. Wie erfolgten die Abstimmung und Synchronisierung der
Fördermittelströme zwischen Bund, Ländern, Kommunen und EU in den in Frage 1
genannten Programmen?
8. Wie wird die Datenqualität und der datenschutzkonforme Umgang mit
Evaluations- und Förderdaten bei der Städtebauförderung gesichert (bitte
aktuelle Datenschutzregelungen und Umsetzungsmethoden angeben)?
9. Welche empirisch belegten Wirkungen, einschließlich möglicher negativer
(ökonomisch, ökologisch), konnten laut jüngster Evaluationen für die in
Frage 1 genannten Programme festgestellt werden (www.staedtebaufoerde
rung.info/SharedDocs/downloads/DE/Grundlagen/bericht-staedtebaufoerd
erung-2022-23.pdf?__blob=publicationFile&v=2, bitte die zentralen
Studienergebnisse, differenziert nach Programm und Region zusammenfassen
und angeben, auf welche Publikationen sich die Ergebnisse beziehen)?
10. Welche rechtlichen und systematischen Maßnahmen sind implementiert,
um eine Partizipation von Groß-, Mittel und Kleinstädten in der
Städtebauförderung sicherzustellen?
11. Wie erfolgt die Kontrolle der Mittelverteilung und die Erfolgskontrolle
der Städtebauförderung (bitte die Kontrollmechanismen und
Erfolgsmessungen differenziert darstellen sowie Rechts- und Praxisübersichten und
empirischen Fallanalysen vorlegen)?
12. Welche innovativen und partizipativen Evaluationsmethoden (wie ein
digitales Beteiligungssystem oder Bürgerforschung) sind in der
Städtebauförderung etabliert (bitte die Methoden darstellen sowie Beispiele ihrer
Anwendung nennen)?
13. Wie werden die Wirksamkeit und Akzeptanz der in Frage 12 erfragten
innovativen und partizipativen Methoden gemessen und bewertet (bitte
Evaluationsansätze und dokumentierte Erfolgsbeispiele darstellen)?
14. Wie wird ein nachhaltiger und interdisziplinärer Wissenstransfer sowie
Erfahrungsaustausch der in Frage 1 genannten Programme zwischen
Programmträgern und beteiligten Akteuren organisatorisch sichergestellt
(bitte exemplarische Verfahrensdokumentationen und
Evaluationsergebnisse beifügen)?
15. Welche Herausforderungen bestehen aktuell bei der Digitalisierung, beim
Datenschutz und in der Praxisumsetzung der Steuerungs- und
Kontrollprozesse in der Städtebauförderung (bitte Hemmnisse, Personalressourcen
und Lösungsansätze anführen)?
16. Wie und in welchem Umfang werden die Ergebnisse der Monitoring- und
Evaluationsprozesse in der Städtebauförderung der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht und politisch genutzt (bitte Veröffentlichungsformen,
Zugangswege und Implementierung in politische Entscheidungsprozesse
angeben)?
17. In welchem Umfang werden bei der Steuerung, Umsetzung und
Evaluation der Städtebauförderung ggf. externe Beratungs- oder
Dienstleistungsunternehmen eingesetzt, und nach welchen Kriterien erfolgt deren
Auswahl, Vergabe und Kontrolle (bitte tabellarisch nach Jahr, Programm und
Auftragnehmer darstellen)?
18. Wie wird sichergestellt, dass politische, wirtschaftliche oder institutionelle
Interessenkonflikte bei der Auswahl, Bewilligung und Verwendung von
Fördermitteln ausgeschlossen werden (bitte die bestehenden Regelungen,
Kontrollmechanismen und dokumentierten Präzedenzfälle darstellen)?
19. In welchem Umfang und in welcher Form sind ggf. Lobbyorganisationen,
Stiftungen oder Nichtregierungsorganisationen in Planung, Steuerung,
Begleitung oder Evaluation der Städtebauförderprogramme eingebunden
(bitte nach Akteur, Funktion und Programm aufschlüsseln), und welche
Maßnahmen bestehen ggf., um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit
von Entscheidungsprozessen und Förderentscheidungen für Bürgerinnen
und Bürger zu gewährleisten (bitte die eingesetzten Instrumente,
Kommunikationswege und Veröffentlichungspraktiken darstellen)?
20. Wie hoch ist der Anteil der Verwaltungs- und Nebenkosten an den
Gesamtmitteln der Städtebauförderung, und wie hat sich dieser Anteil seit
2015 entwickelt (bitte jährlich und differenziert nach Programm und
Verwaltungsebene aufstellen)?
21. Welche Mechanismen bestehen zur Vermeidung von Doppelförderungen
zwischen Bundes-, Landes- und EU-Förderprogrammen (z. B. der
Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), Klimaschutzinitiativen,
Strukturförderprogramme; bitte Kontrollverfahren und dokumentierte
Prüffälle beschreiben)?
22. Wie werden Kostenüberschreitungen, Projektverzögerungen oder
Änderungen der Projektziele in laufenden Städtebaufördermaßnahmen erfasst,
bewertet und gegebenenfalls sanktioniert (bitte die Verfahren und
exemplarische Fallauswertungen darstellen)?
23. Wie erfolgt die Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Effizienz der
eingesetzten Städtebaufördermittel im Vergleich zu den ursprünglich
kalkulierten Maßnahmen und Zielvorgaben (bitte die Bewertungsmethoden und
Prüfinstanzen darstellen)?
24. Welche digitalen Systeme, Datenbanken und Plattformen werden derzeit
für Planung, Steuerung, Abrechnung und Evaluation der
Städtebauförderung eingesetzt (bitte nach Betreiber, Funktion und
Datensicherheitsstandard auflisten)?
25. Inwieweit kommen ggf. neue Technologien wie künstliche Intelligenz,
automatisierte Datenanalyse oder Geoinformationssysteme (GIS) zur
Anwendung, um Steuerungs- und Kontrollprozesse in der
Städtebauförderung zu unterstützen (bitte die Anwendungsfelder und geplanten
Weiterentwicklungen darstellen)?
26. Welche institutionellen Zuständigkeiten bestehen für das
Datenmanagement der Städtebauförderung auf Bundes- und nach Kenntnis der
Bundesregierung auf Landes- und kommunaler Ebene, und wie wird die
Interoperabilität der Datensysteme sichergestellt (bitte die Verantwortlichkeiten
und Koordinationsmechanismen darstellen)?
27. Wie wird gewährleistet, dass Evaluationsdaten der Städtebauförderung
wissenschaftlich unabhängig erhoben, ausgewertet und veröffentlicht
werden können (bitte die Verfahren zur Sicherung von Unabhängigkeit und
Qualitätssicherung darstellen)?
28. Welche Indikatoren werden herangezogen, um den Beitrag der
Städtebauförderung zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse zwischen
urbanen, suburbanen und ländlichen Räumen zu bewerten (bitte die
verwendeten Kriterien und methodischen Grundlagen darstellen)?
29. Wie wird die ökologische Nachhaltigkeit der geförderten Maßnahmen
beurteilt, insbesondere hinsichtlich Flächenverbrauch, Energieeffizienz,
Ressourcenschonung und Klimaanpassung (bitte die Bewertungsmaßstäbe
und einschlägigen Nachweise benennen)?
30. Welche Maßnahmen werden ggf. ergriffen, um Gentrifizierungseffekte,
soziale Verdrängung oder ungewollte Preissteigerungen im Zuge der
Städtebauförderung zu vermeiden (bitte die präventiven Instrumente und
dokumentierten Evaluationsbeispiele darstellen)?
31. In welchem Umfang und nach welchen Kriterien werden Fördermittel
gezielt in strukturschwache, schrumpfende oder periphere Regionen gelenkt
(bitte nach Bundesländern und Kommunentypen statistisch
aufschlüsseln)?
32. Wie wird die langfristige Tragfähigkeit und Nutzung der im Rahmen der
Städtebauförderung geschaffenen oder modernisierten Infrastrukturen
überprüft (bitte die Nachsorge- und Kontrollmechanismen darstellen)?
33. Wie werden kommunale Akteure, zivilgesellschaftliche Initiativen,
Vereine und Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse zur
Mittelvergabe und in Evaluationsverfahren eingebunden (bitte die
Beteiligungsformate und Beispiele aus der Praxis darstellen)?
34. Welche konkreten Instrumente bestehen ggf. für den Austausch bewährter
Verfahren (sog. Best Practices) und den Wissenstransfer zwischen
Kommunen im Rahmen der Städtebauförderung (bitte die Netzwerke,
Konferenzen oder digitalen Plattformen darstellen)?
35. Wie wird sichergestellt, dass die im Rahmen der Städtebauförderung
gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse systematisch dokumentiert,
archiviert und öffentlich zugänglich gemacht werden (bitte die
Dokumentationssysteme und Veröffentlichungsrichtlinien beschreiben)?
36. In welcher Form und in welchem Umfang fließen die Ergebnisse und
Empfehlungen aus Evaluationsprozessen in die Weiterentwicklung und
strategische Neuausrichtung der Förderprogramme ein (bitte die
institutionellen Verfahren und Entscheidungsprozesse darstellen)?
37. Wie viele Personalstellen sind auf Bundesebene sowie in den
nachgeordneten Behörden mit der Steuerung, Kontrolle und Evaluation der
Städtebauförderung betraut, und wie hat sich diese Zahl seit 2015 entwickelt
(bitte nach Ressort und Funktion aufschlüsseln)?
38. Welche Qualifikationsanforderungen gelten für Beschäftigte, die mit der
Vergabe, Prüfung oder Evaluation von Fördermitteln betraut sind (bitte die
verbindlichen Standards und Ausbildungsvorgaben darstellen)?
39. Welche Fortbildungsmaßnahmen, Schulungsprogramme oder Leitfäden
bestehen zur Verbesserung der fachlichen Qualität, der
Korruptionsprävention und der datenschutzkonformen Umsetzung der
Städtebauförderung (bitte die Angebote und ihrer Träger in einer Übersicht darstellen)?
40. Welche geplanten Reformen, Anpassungen oder Neustrukturierungen der
Steuerungs- und Kontrollmechanismen in der Städtebauförderung sind in
den kommenden Jahren vorgesehen (bitte laufende oder geplante Projekte
darstellen)?
41. Wie soll die Städtebauförderung künftig auf Herausforderungen wie
Digitalisierung, Klimaanpassung, Migration und demografischer Wandel
ausgerichtet werden (bitte die strategischen Zielsetzungen und
Pilotmaßnahmen beschreiben)?
42. Inwieweit wird ggf. geprüft, bestehende Programme zu konsolidieren oder
in eine einheitliche Förderarchitektur zu überführen, um Effizienz und
Transparenz zu erhöhen (bitte die Überlegungen und
Zuständigkeitsstruktur darstellen)?
43. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus bisherigen
Evaluations- und Auditprozessen für die inhaltliche (Programme) und
monetäre Ausgestaltung der Städtebauförderung?
44. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus bisherigen
Evaluations- und Auditprozessen für die künftige Ausgestaltung der
Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Städtebauförderung (bitte
konkrete Schlussfolgerungen und Umsetzungsschritte darstellen)?
Berlin, den 5. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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