Möglicher Reformbedarf der Ernährungspyramide der Bundeszentrale für Ernährung
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Möglicher Reformbedarf der Ernährungspyramide der Bundeszentrale für Ernährung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4183
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Julian Schmidt, Danny
Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan Schröder,
Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dr. Michael Blos, Dario Seifert
und der Fraktion der AfD
Möglicher Reformbedarf der Ernährungspyramide der Bundeszentrale für
Ernährung
Zu Jahresbeginn 2026 reformierte die US-amerikanische Regierung ihren
Ernährungsleitfaden (https://edition.cnn.com/2026/01/07/health/dietary-guideline
s-rfk-maha). Gemäß dem neuen Leitfaden sollen hochverarbeitete Lebensmittel
reduziert werden, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sowie Obst und Gemüse
sollen bevorzugt konsumiert werden (https://cdn.realfood.gov/DGA.pdf). Die
Empfehlungen für die Aufnahme von Protein liegen bei 1,2 bis 1,6 g pro kg
Körpergewicht pro Tag (https://realfood.gov/). Ziel der US-amerikanischen
Ernährungsreform ist die Prävention ernährungsbedingter chronischer
Erkrankungen sowie Sicherstellung der militärischen Tauglichkeit der amerikanischen
Jugend (https://cdn.realfood.gov/DGA.pdf).
Die Bundesregierung kommuniziert Inhalte zur Ernährung häufig über
Materialien der Bundeszentrale für Ernährung (BZfE). Das Modell der
Ernährungspyramide basiert auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung e. V. (DGE) (www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/
lebensmittelbezogeneernaehrungsempfehlungen-dge/#c7363). Im März 2024 hat die DGE neue
lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen veröffentlicht. Daher wurde
die Ernährungspyramide des BZfE an die neuen DGE-Empfehlungen angepasst
(www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/ernaehrungspyramide/faq-das-bzfe-gibt-an
tworten). Zudem existiert in Deutschland eine Ernährungsstrategie der
Bundesregierung (www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/ernaehrun
gsstrategie-kabinett.pdf?__blob=publicationFile&v=8). Bestandteil dieser
Ernährungsstrategie sind unter anderem die DGE-Qualitätsstandards, die auf
den lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE basieren und in
Kitas, Schulen, Betrieben, Kliniken und Senioreneinrichtungen Anwendung
finden (ebd., www.bmleh.de).
Die US-amerikanischen Ernährungsempfehlungen und die der
Bundesregierung unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch strategisch voneinander. So
bezieht die Bundesregierung eine ökologische Dimension in die
Ernährungsstrategie mit ein, wobei unter anderem die Treibhausgasemission durch die
Ernährung berücksichtigt wird (ebd. https://www.bmleh.de). Inhaltliche
Differenzen liegen beispielsweise auch bei den Proteinempfehlungen vor, die gemäß
des BZfE bei 0,8 g pro kg Körpergewicht und Tag für Erwachsene bis 65 Jahre
liegen. Eine allgemeine Proteinaufnahme von 1,2 bis 2,0 g pro kg
Körpergewicht und Tag wird lediglich für Leistungssportler oder ambitionierte
Freizeitsportler empfohlen (www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/naehrstoffe/proteine).
Vor diesem Hintergrund ergibt sich für die Fragesteller die Fragestellung nach
ernährungsbedingten Zielsetzungen in verschiedenen Handlungsfeldern sowie
der Positionierung der Bundesregierung zu den US-amerikanischen Reformen
und inwiefern die Bundesregierung einen Reformbedarf der BZfE-
Ernährungspyramide samt Ernährungsempfehlungen erkennen kann.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis von den aktualisierten
Ernährungsempfehlungen der US-Regierung (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung zu den
Hintergründen der Aktualisierung vor?
b) Wenn nein, warum hat die Bundesregierung keine
Hintergrundinformationen dazu?
2. Hat sich, wenn Frage 1 bejaht wurde, die Bundesregierung zur neuen US-
Ernährungspyramide im Hinblick auf folgende Aspekte inhaltlich eine
Auffassung erarbeitet
a) der empfohlenen Mengenverhältnisse der Lebensmittelgruppen,
b) der Einordnung von Fleisch- und Milchprodukten,
c) dem Umgang mit Zucker, Salz, gesättigten Fettsäuren und
hochverarbeiteten Produkten, und wenn ja, wie lautet diese Auffassung?
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, welche wissenschaftlichen
Daten für die Erstellung der US-amerikanischen Ernährungspyramide und
den dazugehörigen Leitlinien zugrunde gelegt wurden?
a) Wenn ja, welche Studiendaten sind die Basis für die Entscheidungen
der US-Regierung?
b) Wenn nein, warum hat die Bundesregierung davon keine Kenntnis?
4. Ist der Bunderegierung bekannt, weshalb sich die Empfehlungen zu einer
gesunden Ernährung hierzulande (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)
inhaltlich und strategisch von der US-amerikanischen Empfehlungen
unterscheiden, und wenn ja, woran liegt das?
5. Plant die Bundesregierung Schritte (z. B. Erstellung von Gutachten,
Beauftragung von Studien, Stellungnahmen), die als Reaktion auf die
aktualisierten Ernährungsempfehlungen der USA erfolgen sollen, wenn ja,
was ist genau geplant, und wenn nein, warum sind keine Reaktionen
vorgesehen?
6. Wie häufig werden die Ernährungsleitlinien samt Ernährungspyramide der
BZfE aktualisiert?
a) Gibt es einen regelmäßigen Rhythmus, und wenn ja, welchen?
b) Gibt es spezifische externe Bedingungen, die eine Aktualisierung
auslösen, und wenn ja, welche?
c) Ist im Zuge der US-amerikanischen Reformen eine Aktualisierung der
BZfE-Empfehlungen geplant?
d) Welche Personen, staatliche oder nichtstaatliche Institutionen
entscheiden über die Aktualisierung der Ernährungsleitlinien?
e) Falls eine Aktualisierung der Leitlinien geplant ist, hält die
Bundesregierung eine Erhöhung der aktuell empfohlenen Proteinaufnahme
für erforderlich, und kann sie das wissenschaftlich begründen (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
7. Nimmt oder nahm die Bundesregierung in der Vergangenheit Einfluss auf
Zielsetzung oder inhaltliche Aspekte der Leitlinien der BZfE, und wenn
ja, in Bezug auf welche Ziele und Inhalte?
a) Nehmen staatliche Akteure wie Bundesbehörden oder Bundesinstitute
Einfluss auf Zielsetzung oder inhaltliche Aspekte der Leitlinien, und
wenn ja, welche?
b) Nehmen nichtstaatliche Akteure Einfluss auf Zielsetzung oder
inhaltliche Aspekte der Leitlinien, und wenn ja, welche?
8. Werden bei der Erstellung der Leitlinien der BZfE verteidigungspolitische
Aspekte berücksichtigt?
9. Inwiefern werden ggf. der Erhalt und die Stärkung der körperlichen
Leistungsfähigkeit bei den aktuellen Ernährungsempfehlungen der BZfE
berücksichtigt?
10. Inwiefern werden ggf. der Erhalt und die Stärkung der kognitiven
Leistungsfähigkeit in den aktuellen Ernährungsempfehlungen der BZfE
berücksichtigt?
11. Werden bei der Erstellung der Leitlinien sozialpolitische Aspekte
berücksichtigt, und wenn ja, welche?
Berlin, den 6. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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