Zölle durch positive Anreize für die USA senken (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3313)
Text
Zölle durch positive Anreize für die USA senken (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3313)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4112
21. Wahlperiode 12.02.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Kay Gottschalk, Jörn König,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3313 –
Zölle durch positive Anreize für die USA senken
A. Problem
Die Fraktion der AfD ist der Auffassung, dass die von den USA gegen die
deutsche bzw. europäische Wirtschaft verhängten Zölle der deutschen
exportorientierten Wirtschaft schadeten und deshalb die Herbeiführung von weiteren
Verhandlungen mit der US-Regierung über eine Rücknahme der Zölle erforderlich sei. Bei
den seitens der USA erhobenen Zöllen handle es sich nicht um reziproke Zölle.
Eine passive Reaktionsmöglichkeit auf die US-Zölle bestehe darin, tatsächliche
Handelsbarrieren der EU und Deutschlands gegenüber den USA zügig
abzubauen, Regularien für Unternehmen in den Bereichen Diversität und Gleichheit
abzuschaffen, Bürokratie abzubauen sowie die Vorbereitung von reziproken
Gegenzöllen einzuleiten. Daneben müssten internationale Handelsbarrieren mit
anderen Staaten abgebaut werden.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/3313 abzulehnen.
Berlin, den 28. Januar 2026
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Frhr. von Stetten
Vorsitzender
Dr. Klaus Wiener
Berichterstatter
Janine Wissler
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Dr. Klaus Wiener und Janine Wissler
I. Überweisung
Der Antrag auf Drucksache 21/3313 wurde in der 51. Sitzung des Deutschen Bundestages am 19. Dezember
2025 an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur Federführung sowie an den Auswärtigen Ausschuss, den
Finanzausschuss, den Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie den Ausschuss für
Digitales und Staatsmodernisierung zur Mitberatung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Fraktion der AfD möchte die Bundesregierung insbesondere dazu auffordern, der US-Regierung Anreize zur
Senkung der Zölle gegen die EU und Deutschland zu geben und auf EU-Ebene für den Fall der Erhebung weiterer
US-Zölle geeignete reziproke Gegenzölle in Höhe der gegen Deutschland und die EU erhobenen Zölle
vorzubereiten. Die wirtschaftliche Abhängigkeit deutscher Unternehmen vom US-Absatzmarkt müsse reduziert und eine
Zusammenarbeit zur weltweiten Förderung von Freihandel initiiert werden.
Zur Begründung führt die antragstellende Fraktion insbesondere aus, dass die asymmetrischen US-Zölle die
europäische und die deutsche Wirtschaft erheblich belasteten. Mit einem Abbau von Handelshemmnissen,
beispielsweise des CO2-Grenzausgleichsmechanismus, würde die Bundesregierung ein Signal der Bereitschaft zur
Zusammenarbeit senden und die US-Regierung zum Abbau von Zöllen ermutigen. Ein konsequenter Abbau von
Bürokratie- und Berichtspflichten, beispielsweise der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung und der EU-
Lieferkettenrichtlinie, stärke die Wettbewerbsbedingungen für europäische Unternehmen und erleichtere US-Unternehmen
den Zugang zum europäischen Markt. Reziproke Gegenzölle seien ein bewährtes Mittel der internationalen
Handelspolitik, um ausgewogene und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Mit der Stärkung internationaler
Handelsbeziehungen und der Förderung freier Märkte sollten die Handlungsfähigkeit und Position Deutschlands
gesichert, neue Wachstumsperspektiven eröffnet und die einseitige Abhängigkeit von einzelnen Märkten
verringert werden.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Auswärtige Ausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/3313 in seiner 16. Sitzung am 28. Januar 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dessen Ablehnung.
Der Finanzausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/3313 in seiner 23. Sitzung am 28. Januar 2026 beraten
und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat den Antrag auf Drucksache 21/3313 in
seiner 16. Sitzung am 28. Januar 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung hat den Antrag auf Drucksache 21/3313 in seiner
17. Sitzung am 28. Januar 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dessen Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/3313 in seiner 23. Sitzung am
28. Januar 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion der AfD erläuterte, sie hätten diesen Antrag angesichts der Zollforderungen aufsetzen lassen, die
im Zusammenhang mit dem Thema Grönland erhoben worden seien. Dies sei nun glücklicherweise nicht mehr
akut, aber es sei auch grundsätzlich wichtig über das Thema zu sprechen. Sie benötigten geeignete Lösungen für
den nächsten Fall. Der französische Präsident habe gefordert, das Instrument ACI (Anti-Coercion Instrument) zu
aktivieren. Aus der Sicht der Fraktion sei dieses Instrument zu langwierig. Sie benötigten schnellere Reaktionen.
In dem Antrag forderten sie, reziproke Gegenzölle vorzubereiten, die automatisch aktiviert werden könnten. Dazu
müssten Handelshemmnisse beseitigt oder zumindest verringert werden und Bürokratie müsse abgebaut werden.
Die Fraktion der CDU/CSU führte aus, es sei widersprüchlich, dass die antragstellende Fraktion die
Bundesregierung auffordere, weitere Handelsabkommen im Bundestag zur Abstimmung zu stellen, die Fraktion sich aber
vor kurzem gemeinsam mit den Grünen und den Linken auf ein starkes Signal gegen den Freihandel
eingeschworen habe. Außenwirtschaftspolitik funktioniere nicht mittels ideologischer Ablenkungsmanöver. Die US-
Zollpolitik folge im Übrigen nicht immer nur rationalen Erwägungen.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kritisierte die Prioritätensetzung des Antrages. Die
Rechtsstaatlichkeit sei die Grundlage von wirtschaftlicher Prosperität in Deutschland. Was in den USA gerade in Bezug auf ICE
zu beobachten sei, sei das Gegenteil von Verlässlichkeit, von Rechtsstaatlichkeit und von Menschenwürde. Die
Fraktion der AfD habe vorgeschlagen, ICE auch in Deutschland einzusetzen und ähnliche Strukturen zu
etablieren. Das sei ein wesentlich größerer Punkt als alles, was derzeit im Hinblick auf Zölle diskutiert werde.
Die Fraktion der SPD erläuterte, der Antrag zeige eine blanke Anbiederung an Präsident Trump. Damit werde
alles geopfert, was der europäischen Wirtschaft wichtig sei, zum Beispiel CBAM (Carbon Border Adjustment
Mechanism) und die Rechtsstaatlichkeit. Der Antrag sei aber nicht nur inhaltlich falsch, sondern auch strategisch
falsch. Zudem sei er zeitlich überholt und es habe sich gezeigt, dass europäische Geschlossenheit der richtige Weg
sei.
Die Fraktion Die Linke äußerte, es handle sich um einen schlechten Antrag, der sich Präsident Trump anbiedere.
Er sei auch aus ökonomischer Sicht schlecht. Daher lehnten sie den Antrag ab.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie beschloss mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, die Ablehnung des
Antrags auf Drucksache 21/3313 zu empfehlen.
Berlin, den 28. Januar 2026
Dr. Klaus Wiener
Berichterstatter
Janine Wissler
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333
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