Den angekündigten Aktionsplan Rohstoffe aus dem Nationalen Sicherheitsrat unverzüglich vorlegen - Rohstoffversorgung nachhaltig und global gerecht anlegen
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Den angekündigten Aktionsplan Rohstoffe aus dem Nationalen Sicherheitsrat unverzüglich vorlegen - Rohstoffversorgung nachhaltig und global gerecht anlegen
[Antrag
der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Andreas Audretsch, Katrin Uhlig,
Claudia Roth, Dr. Alaa Alhamwi, Julian Joswig, Michael Kellner, Claudia
Müller, Sandra Stein und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Den angekündigten Aktionsplan Rohstoffe aus dem Nationalen Sicherheitsrat
unverzüglich vorlegen – Rohstoffversorgung nachhaltig und global gerecht
anlegen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Sicherung einer nachhaltigen und resilienten Rohstoffversorgung ist zu einer
zentralen wirtschafts-, sicherheits-, umwelt- und klimapolitischen Aufgabe geworden.
Deshalb brauchen wir eine konsequente Kreislaufwirtschaft sowie Reduktion und
Substitution von Rohstoffen. Zugleich bleibt der Abbau von Primärrohstoffen weiterhin
notwendig.
Deutschland und Europa sind in besonderem Maße von Importen kritischer Rohstoffe
abhängig – insbesondere von China, das bei der Förderung und Verarbeitung
zahlreicher Mineralien eine dominierende Stellung einnimmt. Mit dem europäischen Critical
Raw Materials Act (CRMA) hat sich die Europäische Union verpflichtet, bis zum Jahr
2030 mindestens 10 Prozent des Verbrauchs kritischer Rohstoffe in der EU zu fördern,
40 Prozent zu verarbeiten und 25 Prozent aus Recycling zu decken. Diese Ziele können
nur erreicht werden, wenn Primärförderung in Europa sozialverträglich, ökologisch
verantwortbar und demokratisch legitimiert gestaltet wird – im Einklang mit Klima-
und Biodiversitätszielen und unter frühzeitiger Beteiligung der betroffenen Regionen
und Beschäftigten.
Außerdem müssen faire, internationale Partnerschaften gezielt ausgebaut und die
Lieferketten für kritische Rohstoffe breiter und resilienter aufgestellt werden.
Entscheidend ist dabei, dass dieser Kurs nicht zulasten von Umwelt- und
Menschenrechtsstandards geht. Ein „Race to the Bottom“ kann und wird Deutschland nicht gewinnen.
Vielmehr muss es durch glaubwürdige Regulierung, Transparenz und starke
Schutzstandards überzeugen, die das Vertrauen der Partnerländer stärken und klare Rechte
für betroffene indigene Völker und lokale Gemeinschaften gewährleisten. Zentral ist
dabei ein Ansatz, der auf ernst gemeintem gegenseitigem Nutzen beruht: In einer
angespannten geopolitischen Lage braucht Deutschland für langfristige Sicherheit nicht
nur Lieferanten, sondern verlässliche Partner.
Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan bis Ende des Jahres angekündigt. Dieser
muss eine deutlich ambitioniertere Rohstoff- und Kreislaufwirtschaftspolitik
umfassen. Die Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und ihrer Ziele ist
dabei eine Notwendigkeit. Ebenso muss eine solche Politik die ökologische Nachhal-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3045
21. Wahlperiode 02.12.2025
tigkeit sowie verbindliche Menschenrechts- und Umweltstandards integrieren, die
Beschaffungssicherheit systematisch priorisieren, auf Innovationen im Bereich
Verbrauchsreduktion setzen, faire und wertebasierte internationale Partnerschaften
strategisch ausbauen und kleine wie große Unternehmen sowie Gewerkschaften und
Zivilgesellschaft wirksam einbeziehen. Dazu braucht es eine enge Verzahnung von
Rohstoff- und Kreislaufwirtschaftsstrategie, handlungsfähige Instrumente auf Bundes- und
EU-Ebene, die geopolitische Risiken realistisch abbilden und nachhaltige
Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. mit der Einrichtung einer nationalen, strategischen Rohstoffreserve unter
Führung der DERA zu beginnen, insbesondere für Metalle und Mineralien, die für
Energietechnik, Halbleiter und Verteidigung unverzichtbar sind und dabei, dort
wo Angebot vorhanden ist, prioritär Sekundärrohstoffe einzukaufen und sich eng
mit europäischen Partnern abzustimmen;
2. bei der geplanten Änderung des BMF-Schreibens zur Zolllagerhaltung (§ 4 Nr.
4b UStG) in Abstimmung mit den obersten Finanzbehörden der Länder eine
explizite Ausnahme für kritische Rohstoffe gemäß CRMA zu schaffen, um
strategische Lagerhaltung von Unternehmen nicht zu behindern;
3. einen jährlichen nationalen Rohstoffgipfel einzuführen, bei dem Staat, Industrie,
Gewerkschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam die
schnellstmögliche Umsetzung einer zukunftsfähige Rohstoffpolitik (etwa
Abnahmegarantien, Ko-Finanzierung, Recyclingquoten, Nachhaltigkeits- und
Ressourcenschutzziele, menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten) ohne
einseitige Abhängigkeiten anstreben;
4. die koalitionsseitig geplanten Abschwächungen des deutschen
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes zurückzunehmen und sich auf europäischer Ebene
dringlich und ambitioniert für eine starke Einigung zur Corporate Sustainability Due
Diligence Directive einzusetzen, um Transparenz in den Lieferketten zu erhöhen,
die Resilienz der Unternehmen zu steigern, faire Wettbewerbsbedingungen zu
schaffen sowie Umweltstandards und Menschenrechte im Rahmen von
Rohstoffprojekten einzuhalten. Hierfür ist ein risikobasierter Ansatz erforderlich, der
größtmöglichen Schutz bei geringstem bürokratischem Aufwand gewährleistet.
Zentral für die Umsetzung ist außerdem ein effektiver Rechtszugang für
Betroffene.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer strukturellen Rohstoffabhängigkeit, die technologischen
Fortschritt, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und nationale Sicherheit gleichermaßen betrifft. Die geopolitischen
Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere Exportkontrollen Chinas sowie der weltweite Wettbewerb um
kritische Rohstoffe, verdeutlichen, dass marktliberale Mechanismen allein nicht ausreichen, um
Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Der Ausstieg aus fossilen Technologien und der Aufbau treibhausgasneutraler Systeme erzeugen einen
erheblichen zusätzlichen Bedarf an Rohstoffen, insbesondere Metallen, die für das Erreichen der globalen Klimaziele
unverzichtbar sind. Gleichzeitig führt ihr Abbau zwangsläufig zu Eingriffen in die Umwelt und bringt oft
schwerwiegende ökologische und soziale Folgen mit sich, was den Druck erhöht, Rohstoffe deutlich sparsamer und
intelligenter einzusetzen.
Nachhaltige und diversifizierte Lieferketten entstehen nur dort, wo Projekte hohe Umwelt- und Klimastandards
einhalten, lokale Wertschöpfung stärken und Menschenrechte entlang der gesamten Lieferkette geachtet werden.
Internationale Beispiele zeigen, dass Partnerschaften, die auf fairen Arbeitsbedingungen und Transparenz
basieren, resilienter gegenüber politischen Schocks sind und langfristig verlässlichere Versorgung sichern.
Gleichzeitig plant das Bundesfinanzministerium Änderungen im Umsatzsteuerrecht (§ 4 Nr. 4b UStG), die
strategische Lagerhaltung kritischer Rohstoffe erschweren würden. Die vorgesehene Rückverlagerung der
Steuerbefreiung und die Nachweispflichten zur Beendigung des Zolllagerverfahrens gefährden insbesondere jene
Unternehmen, die kritische Rohstoffe langfristig bevorraten und damit einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.
Die Einschränkung der Steuerbefreiung widerspricht den Zielen des Critical Raw Materials Act (CRMA) sowie
europäischen Vorgaben zur Stärkung strategischer Bestände und nimmt Unternehmen wichtige
Handlungsspielräume.
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ISSN 0722-8333]
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