Äußerungen des Bundesministers des Auswärtigen gegenüber China anlässlich seiner Asienreise (Antwort zu Drs. 21/1694)
Text
Äußerungen des Bundesministers des Auswärtigen gegenüber China anlässlich seiner Asienreise (Antwort zu Drs. 21/1694)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1961
21. Wahlperiode 02.10.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Udo Theodor Hemmelgarn, Jan Wenzel
Schmidt, Stefan Keuter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1694 –
Äußerungen des Bundesministers des Auswärtigen gegenüber China anlässlich
seiner Asienreise
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Während seiner Asienreise hat der Bundesminister des Auswärtigen der
Bundesrepublik Deutschland, Dr. Johann Wadephul, im Auswärtigen Amt unter
anderem erklärt: „China droht immer wieder mehr oder weniger unverhohlen
damit, den Status quo einseitig zu verändern und Grenzen zu seinen Gunsten
zu verschieben.“ Weiterhin erklärte der Bundesaußenminister, dass China ein
„zunehmend aggressives Auftreten“ in der Straße von Taiwan sowie im Ost-
und Südchinesischen Meer an den Tag legen würde (www.tagesschau.de/ausla
nd/asien/china-veraergert-aeusserung-wadephul-100.html).
Anlässlich einer Grundsatzrede in Indonesien erklärte der
Bundesaußenminister weiterhin, Pekings „wachsendes militärisches Selbstbewusstsein im
südchinesischen Meer bedroht nicht nur die Sicherheit Asiens, sondern untergräbt
auch die regelbasierte Weltordnung“. Darüber hinaus würde die
Bundesregierung immer wieder feststellen, „dass China die systemische Rivalität mit
europäischen Ländern und mit Deutschland anstrebt“ (www.tagesschau.de/auslan
d/asien/wadephul-indonesien-100.html).
Der Bundesaußenminister verlangte bei seinem Besuch in der indonesischen
Hauptstadt Jakarta darüber hinaus, dass China mehr Druck auf Russland für
einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine ausüben solle (www.spiege
l.de/politik/johann-wadephul-fordert-von-china-mehr-druck-auf-wladimir-puti
n-a-692a5ead-f4da-4108-9b67-871def85a4a5).
1. Was genau versteht die Bundesregierung unter „systemischer Rivalität“
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
2. Welche Tatsachen führen bei der Bundesregierung zu der Feststellung,
dass China eine „systemische Rivalität mit europäischen Ländern und mit
Deutschland“ anstrebe (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 1. Oktober 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
In enger Abstimmung mit seinen europäischen Partnern bezeichnet die
Bundesregierung mit „systemischer Rivalität“ die unterschiedlichen Vorstellungen, die
Deutschland bzw. Europäer und China über die Prinzipien der internationalen
Ordnung in wichtigen Bereichen haben. Mit Sorge betrachtet die
Bundesregierung Bestrebungen Chinas, die internationale Ordnung entlang der Interessen
seines Einparteiensystems zu beeinflussen und dabei auch Grundfeste der
regelbasierten Ordnung, wie beispielsweise die Stellung der Menschenrechte,
zu relativieren. Darüber hinaus wird auf die China-Strategie der
Bundesregierung von 2023 verwiesen.
3. Auf welche Art und Weise führt das „wachsende militärische
Selbstbewusstsein“ Chinas aus Sicht der Bundesregierung zu einer Bedrohung der
Sicherheit Asiens (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Auf welche Art und Weise führt das „wachsende militärische
Selbstbewusstsein“ Chinas aus Sicht der Bundesregierung dazu, dass die
„regelbasierte Weltordnung“ untergraben wird (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Fragen 3 und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Die massive und intransparente Aufrüstung Chinas – im konventionellen wie
im nuklearen Bereich – beunruhigt viele seiner Nachbarstaaten. Drohgebärden
und militärische Machtdemonstrationen im Indopazifik durch China führen zu
einer Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region. Gleichzeitig
untergräbt Chinas Aufrüstung in Verbindung mit der Nichtbeteiligung an
multilateralen Rüstungskontrollansätzen internationale Bemühungen für
Rüstungskontrolle, nukleare Risikoreduzierung und Nichtverbreitung und trägt zu einer
Schwächung völkerrechtlicher Normen bei.
5. Ist für die Bundesregierung die „regelbasierte Weltordnung“ synonym mit
dem Völkerrecht, oder verwendet die Bundesregierung eine abweichende
Arbeitsdefinition (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, bitte darstellen, mit
welcher Arbeitsdefinition die Bundesregierung ggf. arbeitet)?
Auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 12 bis 16 der Kleinen
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 19/32526 wird
verwiesen.
6. Worin sieht die Bundesregierung ein „zunehmend aggressives Auftreten“
Chinas in der Straße von Taiwan sowie im Ost- und Südchinesischen Meer
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
7. Wann und bei welchen Gelegenheiten hat China aus Sicht der
Bundesregierung damit gedroht, den Status quo einseitig zu verändern und
Grenzen zu seinen Gunsten zu verschieben?
Die Fragen 6 und 7 werden gemeinsam beantwortet.
Die Spannungen in der Straße von Taiwan sowie im Ost- und Südchinesischen
Meer haben sich durch Chinas Vorgehen in den letzten Jahren verschärft. Dazu
gehören u. a. eine erhöhte Präsenz von chinesischem Militär und chinesischer
Küstenwache in den betroffenen Gewässern, die wachsende Zahl chinesischer
Militärübungen, die zunehmend auch unangekündigt stattfinden, sowie Chinas
Nichtanerkennung des für China und die Philippinen rechtlich bindenden
Schiedsspruchs von 2016 nach dem VN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS).
8. Sind die Äußerungen des Bundesaußenministers gegenüber China aus
Sicht der Bundesregierung zielführend, um China dazu zu bewegen, eine
Vermittlerrolle im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine
einzunehmen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Chinas anhaltende, substantielle Unterstützung für Russland trägt entscheidend
zum Fortdauern des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine
bei. Als Mitglied des VN-Sicherheitsrats hat China eine besondere
Verantwortung, zu Frieden und Sicherheit in der Ukraine beizutragen. Die Erwartung
dieser Verantwortung nachzukommen drückt die Bundesregierung in Gesprächen
mit der chinesischen Seite auf verschiedenen Ebenen immer wieder aus.
9. Wie begründet die Bundesregierung ihre Einschätzung, dass rund 80
Prozent der von Russland verwendeten Dual-Use-Güter aus der Volksrepublik
China stammen, und sind diese Daten öffentlich zugänglich (vgl. www.aus
waertiges-amt.de/de/newsroom/2730526-2730526)?
Es handelt sich dabei um sogenannte kriegsrelevante Güter der „Common High
Priority List“ (CHPL-Güter) der Europäischen Kommission, die mittlerweile
als Anhang XL der Verordnung (EU) Nr. 833/2014 Bestandteil des EU-
Sanktionsrechts ist (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3
A02014R0833-20250720). Die Angaben beruhen auf nicht öffentlichen
Auswertungen von Handels- und Zolldaten.
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