Rüstungsimporte aus Israel
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Rüstungsimporte aus Israel
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1525
21. Wahlperiode 09.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Desiree Becker, Violetta Bock, Gökay Akbulut, Janina Böttger,
Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar, Maren
Kaminski, Jan Köstering, Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu
Özdemir, Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt,
Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Rüstungsimporte aus Israel
Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel besteht seit mehr als
70 Jahren eine enge Rüstungskooperation. Ungeachtet der Gewalteskalation im
Nahen Osten, insbesondere in Gaza nach dem Terroranschlag der Hamas im
Oktober 2023, wird diese Zusammenarbeit fortgeführt. Deutschland genehmigt
(nach Angaben der Bundesregierung seit Anfang August 2025 unter
Ausschluss von Waffen, die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können)
weiterhin Rüstungsexporte, obwohl die israelischen Streitkräfte sowohl die Hisbollah
im Libanon und – laut entsprechenden Vorwürfen der UN – UNIFIL-Stellungen
im Libanon sowie Milizen in Syrien und im Jemen und im Juni 2025 auch den
Iran angegriffen haben und die Angriffe der israelischen Streitkräfte in Gaza
nach Angaben des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung
humanitärer Angelegenheiten (www.ochaopt.org/content/reported-impact-snapshot-g
aza-strip-20-august-2025) zehntausende zivile Opfer fordern. Gleichzeitig
beschafft Deutschland auch Rüstungsprodukte von israelischen
(Staats-)Unternehmen und stärkt damit auch die dortige Rüstungsindustrie.
Insbesondere im Bereich Luftverteidigungssysteme und bewaffnete Drohnen hofft
die Bundeswehr mit den einsatzerprobten Systemen, wie z. B. Arrow und
Heron TP, wichtige Lücken in der Ausstattung zu schließen. Außerdem hat die
Bundeswehr gesteigertes Interesse an der Integration wehrtechnischer
Komponenten israelischer Rüstungsunternehmen, vor allem im Bereich der
Radarsysteme und Elektronischen Kampfführung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Rüstungsgüter im Sinne der Ausfuhrliste Teil 1A wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2020 aus Israel nach Deutschland
eingeführt (bitte nach Position der Ausfuhrliste Teil 1A, Jahren und
Genehmigungswert aufschlüsseln)?
2. Wie viele dieser importierten Rüstungsgüter wurden weiterverarbeitet und
seit 2020 an welche Staaten weiter- bzw. an Israel zurückexportiert (bitte
nach Position der Ausfuhrliste Teil 1A, Jahren, Genehmigungswert
aufschlüsseln)?
3. Welchen Gesamtwert haben die im Rahmen von
Beschaffungsprogrammen der Bundeswehr seit 2020 aus Israel nach Deutschland eingeführten
Güter aus den Kapiteln 85, 87, 88, 89 und 93 des Warenverzeichnisses für
die Außenhandelsstatistik (bitte jeweils nach Jahren und Kapiteln des
Warenverzeichnisses aufschlüsseln)?
4. Wie viele Genehmigungen für die Einfuhr von Kriegswaffen aus Israel,
die dem Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG) unterliegen,
sonstigen Rüstungsgütern (Ausfuhrliste Teil 1A) und bestimmten sonstigen
Rüstungsgütern, die anderen Gesetzen, wie z. B. dem Waffengesetz,
unterliegen, hat die Bundesregierung seit 2020 erteilt (bitte jeweils nach Jahren
und dem Gesamtwert der jährlichen Genehmigungen aufschlüsseln)?
5. Wie viele Beschaffungsaufträge hat das Bundesamt für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) seit 2020 an
israelische Unternehmen bzw. an Joint-Ventures mit israelischer
Beteiligung und an deutsche Tochterunternehmen israelischer Firmen vergeben
(bitte nach Jahren und dem Genehmigungswert pro Jahr aufschlüsseln)?
6. Wie häufig hat die Bundesregierung seit 2020 die Einfuhrerlaubnis für die
Mitnahme von Waffen und Munition aus Israel nach Deutschland erteilt
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
7. Welche derzeitigen Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr beinhalten
Zulieferungen von Komponenten israelischer Unternehmen?
8. Hat die Bundesregierung seit 2020 Aufträge an die folgenden
Unternehmen vergeben, und wenn ja, wie viele (bitte – wenn möglich – das
jeweilige Gesamtvolumen der Aufträge angeben):
a) Elbit Systems Ltd. bzw. die Tochterunternehmen Universal Avionic
Systems Corporation, Universal Navigation Corporation Ltd., Talla
Com Wireless B. V., Elbit Systems Deutschland GmbH & Co KG,
Racoms,
b) Rafael Advanced Defence Systems bzw. die Tochterunternehmen und
Joint-Ventures Eurospike GmbH, EuroTrophy GmbH, Ercas B. V.,
Dynamit Nobel Defence GmbH,
c) Israel Aerospace Industries Ltd. (IAI) bzw. die Tochterunternehmen
Elta Systems Ltd., Intracom S. A.,
d) Israel Weapon Industries Ltd. (IWI)?
9. Sind an bereits seit 2020 laufenden, derzeit laufenden oder geplanten
Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr nach Kenntnis der Bundesregierung
die israelischen Rüstungsunternehmen Elbit Systems, IAI, IWI und Rafael
Advanced Defence Systems oder ihre Tochterfirmen und Joint-Ventures
beteiligt, und wenn ja, an welchen (bitte nach Unternehmen, und wenn
möglich, bitte unter Nennung des Vorhabens aufschlüsseln)?
10. Was ist nach derzeitigem Kenntnisstand der Bundesregierung jeweils der
bewilligte Gesamtauftragswert der folgenden (bereits seit 2020 laufenden
bzw. seit dem beauftragten) Beschaffungsvorhaben sowie der jeweilige
Anteil deutscher Unternehmen am Gesamtauftragswert:
a) Arrow Raketenabwehrsystem,
b) EuroPuls Raketenwerfer-Artilleriesystem,
c) MELLS und andere Lenkflugkörper der Spike-Familie,
d) Sky Shield Escort Jammer,
e) Trophy Active Protection System?
11. Welche Kosten sind aufgrund der Anmietung der Heron-TP-Drohnen
durch die Bundeswehr zwischen 2018 und 2025 entstanden (bitte nach
Jahren aufschlüsseln)?
12. Welcher Munitionstyp ist für die Bewaffnung der Heron TP der
Bundeswehr vorgesehen, und welches Unternehmen soll diese Munition liefern?
13. Wie beurteilt die Bundesregierung die militärische Notwendigkeit, die
Drohnen Heron TP nach dem Ende des Mietvertrages von Israel
abzukaufen, und welche Schritte hat sie diesbezüglich unternommen?
14. Welche Gründe sprechen nach Einschätzung der Bundeswehr dafür, drei
weitere Heron-TP-Drohnen von Israel zu kaufen?
15. An wie vielen seit 2020 durch den Einzelplan 14 und das
Sondervermögen des Bundeshaushaltes mitfinanzierten Projekten der Wehrforschung
und Wehrentwicklung waren welche Unternehmen und bzw. oder
Forschungseinrichtungen mit Sitz in Israel beteiligt (bitte das Gesamtvolumen
angeben)?
16. An wie vielen Vorhaben und Projekten des EU-
Rahmenforschungsprogramms Horizon (2021 bis 2027) bzw. des
European Defence Fund (EDF) sind nach Kenntnis der Bundesregierung
Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Israel
gemeinsam beteiligt (bitte das jeweilige Vorhaben bzw. Projekt nennen)?
17. Wie viele Projekte mit wehrtechnischer Relevanz wurden seit 2020 im
Rahmen der Deutsch-Israelischen Projektkooperation (DIP) von der
Bundesregierung gefördert (bitte nach Jahren und jeweils Höhe der Förderung
aufschlüsseln)?
18. Welche israelischen Unternehmen waren nach Kenntnis der
Bundesregierung am Bau und an der Ausstattung der zwischen 2012 und 2025 in
Deutschland für Israel gefertigten und von Deutschland anteilig
finanzierten U-Boote beteiligt, und welchen Anteil an der Wertschöpfung hatten
diese israelischen Unternehmen?
19. Waren seit 2020 Produkte und Leistungen zur informationstechnischen
Aufklärung, Überwachung und Kampfführung im Angebot von
Unternehmen mit Hauptsitz in Israel oder Unternehmen, die der Ausfuhrkontrolle
und Ausfuhrgenehmigung der israelischen Regierung unterliegen,
Gegenstand der Marktsichtung durch die Zentralstelle für Informationstechnik
im Sicherheitsbereich (ZITiS) oder Bedarfsträger im Geschäftsbereich des
Bundesministeriums der Verteidigung?
20. Wann und mit welchem Ergebnis haben sich ZITiS oder Bedarfsträger im
Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung mit welchen
Produkten und Leistungen zur informationstechnischen Aufklärung,
Überwachung und Kampfführung im Angebot von Unternehmen mit Hauptsitz
in Israel oder Unternehmen, die der Ausfuhrkontrolle und
Ausfuhrgenehmigung der israelischen Regierung unterliegen, und deren
verfassungskonformem Einsatz durch deutsche Stellen beschäftigt?
21. In welchem Umfang wurden seit 2020 für den Erwerb oder für
Nutzungslizenzen für Produkte und Leistungen zur informationstechnischen
Aufklärung, Überwachung und Kampfführung im Angebot von Unternehmen
mit Hauptsitz in Israel oder Unternehmen, die der Ausfuhrkontrolle und
Ausfuhrgenehmigung der israelischen Regierung unterliegen, durch ZITiS
oder Bedarfsträger im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der
Verteidigung die Freigabe von Haushaltsmitteln beantragt?
22. Welchen Schweregrad („base score“) nach dem Common Vulnerability
Scoring System (CVSS) haben die seit 2020 durch ZITiS oder
Bedarfsträger im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung
gesichteten Produkte und Leistungen zur informationstechnischen Aufklärung,
Überwachung und Kampfführung im Angebot von Unternehmen mit
Hauptsitz in Israel oder Unternehmen, die der Ausfuhrkontrolle und
Ausfuhrgenehmigung der israelischen Regierung unterliegen?
Berlin, den 27. August 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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