Der Kampf "gegen Rechts" im Zusammenhang mit der Transformation der deutschen Industrie und des Mittelstands
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Der Kampf "gegen Rechts" im Zusammenhang mit der Transformation der deutschen Industrie und des Mittelstands
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1334
21. Wahlperiode 22.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Manfred Schiller, Dr. Malte Kaufmann, Marc Bernhard, Bernd
Schattner, Uwe Schulz, Christian Reck, Adam Balten, Sascha Lensing und der
Fraktion der AfD
Der Kampf „gegen Rechts“ im Zusammenhang mit der Transformation der
deutschen Industrie und des Mittelstands
Die Einteilung Deutschlands in GRW-Fördergebiete (GRW =
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“) begann 1970, nach
dem politischen Beschluss von 1969, und war seitdem ein zentrales Instrument
der deutschen Strukturpolitik. Bei den Programmen kamen in der
Vergangenheit Kriterien wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region,
Arbeitsmarktkriterien, Demografie und Infrastruktur zur Berücksichtigung. In der ersten Phase der
GRW-Förderung lag der Fokus auf der klassischen Strukturpolitik (etwa 1970
bis 1990), um regionale Disparitäten auszugleichen, wie damals z. B.
vorhanden in infrastrukturell unterentwickelten Zonenrandgebieten. Ordoliberal
geprägte Sozialstaatspolitik zielte auf den Ausgleich durch Subventionen (www.b
undeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/gemeinschaftsaufgabe-
verbesserung-der-regionalen-wirtschaftsstruktur.html).
Zwischen 2000 und 2010 wandelte sich der Förderfokus auf „Modernisierung
und Wettbewerbsfähigkeit“. Der Schwerpunkt lag auch auf einem Ausgleich
des Nord-Süd- bzw. Ost-West-Gefälles, welcher als auszugleichendes Manko
definiert wurde. Neoliberale Effizienzkriterien wurden gepaart mit
reglementierter Regionalpolitik (www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2019/heft/13/beitr
ag/regelgebundene-regionalpolitik-unverzichtbar-weiterentwicklung-der-bund-l
aender-gemeinschaftsaufgabe.html).
Ab ca. 2020 wurde das GRW-System reformiert, um auch mit diesem
Instrument politisch gesetzte Ziele bei Klima, Dekarbonisierung, Digitalisierung und
„Resilienz“ in Wirtschaftswachstum umzusetzen. Der Boden des freien Spiels
aller marktwirtschaftlichen Kräfte mit minimalen Eingriffen in das
Wirtschaftsleben wurde nach Auffassung der Fragesteller verlassen, der Staat regelt in
Zukunft nachzufragende Güter (z. B. Gebäudeenergiegesetz [GEG],
Elektromobilität), hierdurch die Nachfrage und letztendlich die Preise sowie die eng
gesteckten Planziele im Bereich Innovation bzw. Forschung (z. B. Verbot der
Kernkraft, Förderung der Wasserstofftechnologie, CCU [Carbon Capture and
Utilization] usw). Die soziale Marktwirtschaft wird in den Augen der
Fragesteller ersetzt durch post-neoliberale Transformationspolitik im Sinne
sozialistischer Planwirtschaft (www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Do
ssier/gemeinschaftsaufgabe-verbesserung-der-regionalen-wirtschaftsstruktu
r.html).
In der vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
(BMWK), dieses wiederum verbunden mit Arbeitgeberverbänden, Industrie-
und Handelskammern (IHKs) und Gewerkschaften im „Netzwerk Zukunft der
Industrie e. V.“, in Auftrag gegebenen Studie „Transformationsstrategien für
besonders betroffene Regionen: Identifizierung und Bewertung“ (Transformati
onsstrategien für besonders betroffene Regionen: Identifizierung und Bewertun
g by Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. – Issuu) aus dem Jahr 2022,
wurde die neue politische Agenda mit Analysen und Strategien zur Umsetzung
dieser „Transformation“ der einzelnen deutschen Industriestandorte
untermauert. Wie oben schon angeschnitten, wurde erkannt, dass die klassische GRW-
Regionalförderung – als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Land – mit
Hauptbezug zu Wirtschaftsleistung, Demografie und Infrastruktur ergänzt und
erweitert werden sollte, um neu zu schaffende Transformationsregionen, die
sich nur gering mit den angestammten GRW-Gebieten überschneiden. Die
Förderlogik und Fördergebietskulisse von GRW dient nun als Grundlage, jedoch
finden durch die Definition neuer Bedürftigkeiten die GRW-Mittel und auch
Mittel aus EU-Strukturfonds keine oder kaum mehr Anwendung.
Als herausragendes Beispiel ist hier die Kleinstadt bzw. der Landkreis
Sonneberg in Thüringen zu nennen, die bzw. der vor Beginn der
Transformationsagenda ein Innovationsstandort für Kunststofftechnik, Metallverarbeitung,
Elektronikkomponenten und Werkzeugbau war, das Wachstum der industriellen
Beschäftigung lag z. T. über dem Landesdurchschnitt (www.suhl.ihk.de/mediathe
k/dezember-2019/erfolg-ist-nicht-billig-konjunkturbericht-herbst-2019-fuer-de
n-landkreis-sonneberg?), aber ist nun gemäß einem Artikel in FAZ.net
„doppelte Transformationsregion“ (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/afd-und-armut-mit-r
egionalfoerderung-gegen-rechtspopulismus-110599262.html). Die Region stieg
ab vom wirtschaftlichen Zugpferd zum „Förderfall“. Zitat FAZ.net: „Sie ist
wirtschaftlich geprägt durch energieintensive Produktion und
Automobilzulieferer (Erklärung für ‚doppelte Transformationsregion‘), die nun wegen der
schwächelnden Autoindustrie zu kämpfen haben.“ Und weiterhin wird der
Zusammenhang zu Wahlergebnissen der AfD hergestellt: „Bereits bei der
Bundestagswahl 2021 erzielte die AfD einen Zweitstimmenanteil von 26,4 Prozent, im
Wahlkreis Sonneberg bei den vergangenen Bundestagswahlen wuchs dieser
Anteil auf 43,1 Prozent“ (ebd.).
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU auf
Bundestagsdrucksache 20/12076 vom 27. Juni 2024 zum Thema „Zwischenbilanz
zum „Aktionsplan gegen Rechtsextremismus“ des Bundesministeriums des
Innern und für Heimat“ schrieb die Bundesregierung:
„Darüber hinaus hat die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ein
weiteres Förderprogramm aufgesetzt, das sich explizit an Träger der politischen
Bildung in Transformationsregionen oder strukturschwachen Räumen,
insbesondere im ostdeutschen Raum, wendet. Im Förderprogramm ‚Stärkung politischer
Bildung zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und
Verschwörungsideologien. Ausschreibung für Träger der politischen Bildung in
Transformationsregionen‘ werden seit 1. Oktober 2023 bis 31. Dezember 2024 sechs
Projekte verschiedener Träger gefördert. Die Fördermittel betragen bis zu
100 000 Euro pro Projekt und belaufen sich auf geschätzte Gesamtkosten in
Höhe von 520 000 Euro.“
In der weiter oben genannten Studie des BMWK, welche Planungsgrundlage
für das Bundeswirtschaftsministerium unter Führung Bundesminister
Dr. Robert Habeck war, wird zusammenfassend gefordert, eigenständige
Förderprogramme „zur Bewältigung der Transformation“ aufzulegen (S. 160) und
hinsichtlich Fördergegenstand wird geraten, dass die „Netzwerke“ auch
Organisationen der Zivilgesellschaft mobilisieren sollen „zur Erleichterung der
Transformation“. Die notwendigen Personal- und Sachkosten sollen durch
Projektmittel bereitgestellt werden (S. 161).
Beim Oberbegriff „Fördermittel gegen Rechtsextremismus“ existiert nach
Ansicht der Fragesteller keine klare Begriffsabgrenzung zu „Fördermittel gegen
Rechts“. Das Programm der bpb zeigt deutlich die Begriffsverwirrung. Die
Schlagworte sind „politische Bildung gegen Rechtsextremismus“ und
„Verschwörungsideologien in Transformationsregionen“, und die oben aufgeführte
Studie des BMWK macht insgesamt deutlich, dass der Steuermitteleinsatz „zur
Umsetzung der Transformation“ folgende Funktionen hat: den wirtschaftlichen
Abstieg der Regionen kompensieren, Widerstand brechen und oppositionelle
Politik unterminieren, so wie die Fragesteller den folgenden Zitaten aus dem
FAZ.net-Artikel eindeutig entnehmen können.
„Mit EU-Regionalpolitik lasse sich dem Trend zum Populismus in
strukturschwachen Regionen entgegenwirken“, sagt Robert Gold vom Kiel Institut für
Weltwirtschaft (IfW)“. Und weiter: „Gemeinsam mit dem Ökonomen Jacob
Lehr von der Universität Mannheim untersuchte Gold, wie sich EU-
Regionalförderung auf die Ergebnisse von Europawahlen auswirkt. Dabei
zeigte sich: Investitionen in die Regionalentwicklung reduzieren die Stimmanteile
rechtspopulistischer Parteien um durchschnittlich 2,5 Prozentpunkte“ (ebd.).
Jedoch, so Zitat aus dem obigen FAZ.net-Artikel zum Beispiel Sonneberg:
„Man kann nicht einfach mit viel Geld gegen die AfD anfördern“.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche ökologischen Transformationsmaßnahmen werden in den
identifizierten Transformationsregionen konkret vorgeschlagen?
2. Welche ökonomischen Anstrengungen kommen auf die betroffenen
Transformationsregionen zu, und wie teilt sich der Aufwand zwischen
Privatwirtschaft und staatlichen Leistungen auf?
3. Welche konkreten Förderprogramme existieren für die Privatwirtschaft im
energieintensiven Automotive-Bereich zur Umstellung?
4. In welcher Höhe wurden die Programme in diesem Sektor (vgl. Frage 3)
bisher abgerufen (bitte in einer Tabelle, aufgelistet nach Krediten,
Bürgschaften und nicht rückzahlbaren Zuschüssen, inklusive absoluter Anzahl
und Beträge, darstellen)?
5. In welcher Höhe wurden bislang insgesamt staatliche Mittel zur
„Transformation“ ausgereicht (bitte alle Branchen und alle Regionen – in einer
Tabelle wie in der Antwort zu Frage 4 – einbeziehen)?
6. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen
Regionalförderung und der gewünschten Veränderung einer politischen Haltung?
7. Wie wird die Wirksamkeit von Bildungskampagnen (siehe Programme der
Bundeszentrale für politische Bildung und ggf. weitere) zur Bekämpfung
rechtsextremer Ideologien in Bezug auf tatsächliche Veränderungen in der
politischen Haltung bzw. im Wahlverhalten gemessen?
8. Wie hoch ist der Gesamtbetrag der bundesdeutschen Fördermittel, die seit
Beginn der „Transformation“ nur für Projekte „zur Bekämpfung des
Rechtsextremismus“ in diesen Regionen ausgegeben wurden (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Auf welche Weise trägt die Förderung politischer Bildung in
Transformationsregionen zum direkten wirtschaftlichen Nutzen dieser Regionen bei?
10. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
sicherzustellen, dass die finanzielle Förderung „gegen Rechts“ nicht zu
parteipolitischen Zwecken missbraucht wird?
11. Wie erfolgt die Abgrenzung solcher Programme zwischen „Bekämpfung
von Rechtsextremismus“ und Bekämpfung legitimer parteipolitischer
Betätigung im konservativen Spektrum – konkret der AfD?
12. Wie unterscheidet die Bundesregierung zwischen
Transformationsförderungen, die zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen sollen, und
solchen, die primär die Bekämpfung von „Rechtsextremismus“ verfolgen?
13. Welche Förderprogramme und in welcher Höhe (ggf. zur politischen
Bildung) existieren in sog. Transformationsregionen im Kampf gegen
Linksextremismus?
14. In welcher Form werden zivile Netzwerke für ihre Arbeit in
Transformationsregionen gefördert (vgl. Studie des BMWK
„Transformationsstrategien für besonders betroffene Regionen: Identifizierung und Bewertung“;
bitte alle Netzwerke mit Angabe der konkreten Förderung in einer Tabelle
wie zu Frage 4 auflisten)?
15. Inwieweit sind die geförderten zivilen Netzwerke (vgl. Frage 14) politisch
unabhängig, und wie wird deren Neutralität sichergestellt?
16. Welche konkreten Aufgaben haben zivile Netzwerke in
Transformationsregionen (vgl. Studie des BMWK „Transformationsstrategien für
besonders betroffene Regionen: Identifizierung und Bewertung“)?
17. Gibt es Belege dafür, dass die EU-Regionalförderungen direkt zu einer
Abnahme der Unterstützung patriotischer, rechter bzw. „populistischer“
Parteien führen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller, Artikel FAZ.net),
und wenn ja, welche spezifischen Belege liegen vor?
18. Liegen der Bundesregierung die Ergebnisse der in der Vorbemerkung der
Fragesteller genannten Studie der Universität Mannheim zur Korrelation
EU-Regionalförderung und Reduzierung der Stimmanteile für
„populistische Parteien“ vor, und wenn ja, welche Schlüsse zieht sie daraus?
19. Wie hoch sind diese speziellen Mittel aus EU-Töpfen, und wie lauten die
EU-Förderprogramme zur Regionalförderung?
20. Welche speziellen EU-Mittel gibt es ausschließlich für das
Transformationsvorhaben?
21. Welche Mechanismen existieren, um die Transparenz und
Rechenschaftspflicht der Empfänger der geförderten Projekte sicherzustellen (vgl.
Frage 18, 19, 20)?
22. Sind weitere Förderprogramme aus Bundesmitteln geplant, die speziell
auf die Stärkung der „politischen Bildung“ in strukturschwachen und bzw.
oder sog. Transformationsregionen abzielen, und wenn ja, welchen
Umfang sollen diese Projekte haben?
23. Welche weiteren Maßnahmen seitens der Bundesregierung sind ggf. in
Planung, um die Akzeptanz der politischen Agenda der Transformation
von Industrie und Mittelstand in der Gesellschaft in den Regionen zu
erhöhen?
Berlin, den 19. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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