Grenzkontrollen durch Polen und EU-Zusammenarbeit in der Migrationspolitik
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Grenzkontrollen durch Polen und EU-Zusammenarbeit in der Migrationspolitik
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/930
21. Wahlperiode 18.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Christian Görke, Jan van Aken, Anne-Mieke
Bremer, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan
Köstering, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Grenzkontrollen durch Polen und EU-Zusammenarbeit in der Migrationspolitik
Als Reaktion auf die Grenzkontrollen der Bundesregierung kontrolliert die
Republik Polen seit dem 7. Juli 2025 mithilfe stationärer Grenzkontrollen die
Grenze zu Deutschland (www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/grenzkontrolle
n-polen-104.html). Die Bundesregierung betont regelmäßig die Bedeutung
einer gemeinsamen europäischen Migrationspolitik, die sich an
rechtsstaatlichen und solidarischen Grundsätzen orientiert. Die Fragestellenden beurteilen
das nach Auffassung des Berliner Verwaltungsgerichts (VG; www.berlin.de/ger
ichte/verwaltungsgericht/presse/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1565
917.php) rechtswidrige Vorgehen der Bundesregierung an den Grenzen als
gefährlich für den europäischen Zusammenhalt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zu den stationären
Grenzkontrollen seit dem 7. Juli 2025 durch die Republik Polen vor (z. B.
zu Umfang, Zielrichtung und Dauer der Maßnahme)?
2. Welche Informationen hat die Bundesregierung zu den Auswirkungen der
Grenzkontrollen durch die polnischen Behörden (z. B. zu
Zurückweisungen, Staubildungen, Auswirkungen auf den Pendlerverkehr und
Weiterem)?
3. Wurde die Bundesregierung vorab durch die polnische Regierung zu den
geplanten Maßnahmen konsultiert, wenn ja, wann, zwischen wem fanden
diese Konsultationen statt, und welchen Inhalt hatten sie (ggf. bitte
einzelne Termine auflisten; bitte möglichst konkret ausführen)?
4. Wurde die Bundesregierung vorab durch die polnische Regierung über die
geplanten Maßnahmen informiert, wenn ja, wann, von wem, und mit
welchem Inhalt?
5. Hat die polnische Regierung der Bundesregierung angeboten, keine
Kontrollen einzuführen, wenn auch Deutschland auf die Kontrollen verzichtet,
und wie hat die Bundesregierung darauf reagiert (bitte möglichst konkret
ausführen und die Reaktion der Bundesregierung begründen)?
6. In welchem Umfang fanden nach Kenntnis der Bundesregierung
Abstimmungen zwischen der Republik Polen und den zuständigen Institutionen
der Europäischen Union, insbesondere der Europäischen Kommission, zur
geplanten Maßnahme statt?
7. Hat die Europäische Union nach Kenntnis der Bundesregierung vorab ihr
Einverständnis zu den Maßnahmen der Republik Polen erklärt, wenn ja
wann, und durch wen?
8. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung hinsichtlich der
Auswirkungen der polnischen Grenzkontrollen auf den grenzüberschreitenden
Alltag, insbesondere im deutsch-polnischen Grenzraum, welche
Einschätzung hat die Bundesregierung zu den Auswirkungen der deutschen
Grenzkontrollen auf den grenzüberschreitenden Alltag, insbesondere im
Grenzraum auf polnischer Seite (in Bezug auf Staus usw.; bitte jeweils so
ausführlich wie möglich ausführen)?
9. Inwiefern interpretiert die Bundesregierung das Vorgehen Polens als eine
Reaktion auf das einseitige Vorgehen der Bundesrepublik Deutschland bei
der Einführung von Binnengrenzkontrollen an der Grenze zu Polen und
der seit dem 7. Mai 2025 zusätzlich geltenden (nach Auffassung des VG
Berlin rechtswidrigen) Zurückweisungsvorgabe in Bezug auf
Schutzsuchende (bitte begründen), sieht die Bundesregierung die Gefahr einer
allmählichen Auflösung des Schengen-Raums und einer Beeinträchtigung
des Grundsatzes der unkontrollierten Reisefreiheit in der EU infolge der
von ihr (und anderen Mitgliedstaaten) ausgerufenen und immer wieder
verlängerten Binnengrenzkontrollen, und inwieweit sieht sie den
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gewahrt, auch angesichts der vergleichsweise
überschaubaren Zahl von Zurückweisungen von Schutzsuchenden (bitte
begründen)?
10. Welche unterschiedlichen Bedrohungslagen wurden seitens der
Bundesregierung angeführt, um die Grenzkontrollen vor der Europäischen
Kommission zu begründen (bitte einzeln für jede halbjährige Verlängerung der
Grenzkontrollen seit Beginn der Kontrollen an der Grenze zu Polen
angeben; bitte ausführlichere Angaben als in Anlage 2 zu Frage 39d auf
Bundestagsdrucksache 21/301 machen)?
11. Plant die Bundespolizei nach Kenntnis der Bundesregierung die
Einführung von Green Lanes, Fast-Lanes bzw. Sonderspuren für Lastkraftwagen
an den Grenzübergängen, wenn ja, wann werden diese Sonderspuren nach
Kenntnis der Bundesregierung eingeführt (Antwort zu Frage 20 auf
Bundestagsdrucksache 21/612; bitte einzeln für die Autobahn 12 [A 12] sowie
die Stadtbrücke angeben), und wenn nein, warum nicht?
12. Plant die Bundespolizei nach Kenntnis der Bundesregierung die
Einführung von Passierscheinen für einen reibungslosen Grenzübergang, wenn
ja, wann werden diese Passierscheine nach Kenntnis der Bundesregierung
eingeführt, und wenn nein, warum nicht?
13. Welche Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssituation haben die
Bundespolizei und die Autobahn GmbH nach Kenntnis der
Bundesregierung geprüft, und welche wurden tatsächlich umgesetzt (siehe Antwort zu
Frage 20c auf Bundestagsdrucksache 21/612, bitte einzeln nach Prüfung
und Umsetzung für die A 12 südlich von Frankfurt (Oder) sowie die
Bundesstraße 5 [B 5]-Stadtbrücke angeben)?
14. Auf welchen Datensatz bzw. welche Datensätze oder welche sonstigen,
empirisch nachvollziehbaren Informationen bezieht die Bundesregierung
die ihr fehlenden „Hinweise zu wesentlichen Beeinträchtigungen des
Personen- und Warenverkehrs oder des grenzüberschreitenden Handels an
den deutschen Grenzen“ (siehe Antwort zu Frage 20 auf
Bundestagsdrucksache 21/612)?
15. Hat die Bundesregierung bei ihrer Bewertung der Beeinträchtigung des
Personen- und Warenverkehrs oder des grenzüberschreitenden Handels
die ADAC-Staubilanz (ADAC = Allgemeiner Deutscher Automobil-Club)
2024 mit einbezogen, in der sich die „Staumeldungen zwischen Berliner
Ring und Deutschlands Nachbarland […] mehr als verdreifacht haben“ (pr
esse.adac.de/regionalclubs/berlin-brandenburg/ein-maeuseleben-im-sta
u.html), wenn ja, inwiefern, und wenn nein, warum nicht?
16. Hat die Bundesregierung bei ihrer Bewertung der Beeinträchtigung des
Personen- und Warenverkehrs oder des grenzüberschreitenden Handels
die Bewertung des Leiters des Geschäftsbereichs Wirtschaftspolitik bei
der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg, Dr. Knuth
Thiel, mit einbezogen, der die Auswirkungen auf die Wirtschaft als
„erheblich“ beschreibt (oderwelle.de/ihk-grenzkontrollen-loesen-probleme-fu
er-unternehmen-und-pendler-aus/), wenn ja, inwiefern, und wenn nein,
warum nicht?
17. Hat die Bundesregierung bei ihrer Bewertung der Beeinträchtigung des
Personen- und Warenverkehrs oder des grenzüberschreitenden Handels
auch die Bewertung von Norma Groß von der IHK Ostbrandenburg
einbezogen, die den „Warenaustausch und die Geschäftsbeziehungen über die
Grenze“ als durch die Grenzkontrollen „gestört“ bezeichnet
(Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 5 - 3000 - 144/24,
S. 11), wenn ja, inwiefern, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 17. Juli 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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