Tierhaltung in Deutschland - Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu Stallbau, Tierwohl und Immissionsschutz
Text
Tierhaltung in Deutschland - Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu Stallbau, Tierwohl und Immissionsschutz
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/653
21. Wahlperiode 26.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Tierhaltung in Deutschland – Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu
Stallbau, Tierwohl und Immissionsschutz
Komplexe und langwierige Genehmigungsverfahren, strenge Anforderungen
der Technischen Anleitung Luft (TA-Luft) sowie unzureichende finanzielle
Unterstützung erschweren nach Medienberichten vielen Betrieben die
tierschutzgerechte Umstellung und den Stallumbau (www.topagrar.com/managem
ent-und-politik/news/stallbau-im-dauerstau-wie-die-burokratie-die-deutschen-ti
erhalter-ausbremst-20009463.html). Die Folgen sind spürbar: Der
Strukturwandel ist in vollem Gange. Immer mehr Betriebe geben auf, und ein wachsender
Teil der tierischen Produktion verlagert sich ins Ausland, insbesondere in der
Schweine- und Geflügelhaltung (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilunge
n/2021/01/PD21_028_412.html).
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
umfangreiche Maßnahmen zur Förderung des Tierwohls, zur Vereinfachung
von Genehmigungsverfahren beim Stallbau sowie zur praxisgerechten
Anpassung immissionsschutzrechtlicher Vorgaben angekündigt. Insbesondere sollen
genehmigungsrechtliche Hürden abgebaut, Bestandsschutz für moderne
Tierwohlställe eingeführt und ein unkomplizierter Tierartenwechsel im Bau- und
Immissionsschutzrecht ermöglicht werden. Darüber hinaus sind ein einmaliges
Prüf- und Zulassungsverfahren für neue Stallsysteme sowie eine dauerhafte
Bereitstellung von Fördermitteln vorgesehen (www.koalitionsvertrag2025.de/site
s/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, S. 40).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte Abschaffung genehmigungsrechtlicher Hürden beim
Stallbau umsetzen, Bestandsschutz für neu- und umgebaute Tierwohlställe
für mindestens 20 Jahre schaffen und dabei im Baugesetzbuch (BauGB)
einen unkomplizierten Tierartenwechsel ermöglichen (www.koalitionsvert
rag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf,
S. 40)?
a) Wenn ja, wie konkret, und bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
2. Beabsichtigt die Bundesregierung, sicherzustellen, dass ein
unkomplizierter Tierartenwechsel auch für Tierhaltungsanlagen möglich ist, die einer
Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)
unterliegen, und wie wird sie diesen ggf. konkret im Gesetz verankern?
3. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die im Koalitionsvertrag
vereinbarten Erleichterungen beim Stallbau insbesondere im
Baugesetzbuch bundesweit einheitlich und auch in den Ländern umgesetzt werden,
in denen restriktive Genehmigungspraktiken bestehen?
4. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte Einführung eines einmaligen Prüf- und
Zulassungsverfahrens für neue Stallsysteme umsetzen, um „langfristigen
Investitionsschutz sowie Rechts- und Planungssicherheit für die Landwirtschaft
herzustellen“ (ebd.)?
a) Wenn ja, wie konkret, und bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
5. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte praxistaugliche Umgestaltung der Regelungen des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes im Bereich der landwirtschaftlichen
Tierhaltung umsetzen (ebd.)?
a) Wenn ja, wie konkret, und bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
6. Wird die Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbart, die notwendigen Mittel für den tierwohlgerechten
Stallbau auf Grundlage staatlicher Verträge dauerhaft bereitstellen (ebd.)?
a) Wenn ja, bis wann, und in welcher Höhe?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Wird die Bundesregierung das „Bundesprogramm Umbau der
Tierhaltung“ fortsetzen, so wie vom Bundesminister für Ernährung,
Landwirtschaft und Heimat Alois Rainer angekündigt (www.topagrar.com/manage
ment-und-politik/news/rainer-will-um-milliarden-fur-die-tierhaltung-kam
pfen-a-20014979.html)?
a) Wenn ja, beinhaltet dies auch die Fortführung der Förderung der
laufenden Mehrkosten, die bei Betrieben entstehen, die höhere
Tierhaltungsstandards einhalten (www.ble.de/DE/Projektfoerderung/Foerderu
ngen-Auftraege/Bundesprogramm_Umbau_Tierhaltung/BUT_nod
e.html)?
b) Wenn ja, wird sich das Bundesprogramm weiterhin auf die
Schweinehaltung konzentrieren (ebd.)?
c) Wie bewertet die Bundesregierung den bisherigen Erfolg des
„Bundesprogramms Umbaus der Tierhaltung“?
d) Wie viele Anträge wurden seit dem Start des Programms bewilligt,
wie viele abgelehnt, und aus welchen Gründen?
8. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte Überarbeitung und Vereinfachung der Technischen
Anleitung Luft (TA-Luft) umsetzen (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/
www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, S. 37)?
a) Wenn ja, bis wann, und wird die Anpassung praxisgerecht erfolgen,
um weitere Rückgänge der Nutztierzahlen zu verhindern?
b) Wenn ja, soll die Anpassung der TA-Luft als 1 : 1-Umsetzung der EU-
Vorgaben erfolgen, um Wettbewerbsnachteile der heimischen
Nutztierhaltung zu verringern, insbesondere auch hinsichtlich des
verpflichtenden Einbaus der Abluftreinigung für neue Tierhaltungsanlagen mit
Zwangslüftung für Schweine und Geflügel, welcher über die derzeit
geltenden EU-Vorgaben hinausgeht, der praxisfernen
Nachrüstverpflichtung für Bestandsanlagen bis 2026 oder beispielsweise der
Pflicht zur Nachrüstung für sogenannte V-Anlagen, die unter das
Immissionsschutzrecht fallen (www.topagrar.com/management-und-polit
ik/news/ta-luft-dringend-uberarbeiten-oder-viele-hofe-schaffen-tiere-a
b-20014122.html)?
c) Wenn ja, wird es Anpassungen bei den Übergangsregelungen geben?
d) Wenn ja, wird ein Bestandsschutz für neu errichtete oder umgebaute
Tierwohlställe geschaffen werden?
e) Wenn ja, beabsichtigt die Bundesregierung, eine Vorrangregelung
Belang gegenüber weiteren Schutzgütern einzuführen, die den Betrieben,
die ihren Stall umbauen möchten, einen Umbau am bestehenden
Standort ermöglicht?
f) Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage führender
Agrarverbände, wonach insbesondere die praxisfernen Nachrüstverpflichtungen
der TA-Luft zu einem beschleunigten Strukturwandel in der
Nutztierhaltung beitragen (www.topagrar.com/management-und-politik/news/t
a-luft-dringend-uberarbeiten-oder-viele-hofe-schaffen-tiere-ab-200141
22.html)?
9. Beabsichtigt die Bundesregierung, sicherzustellen, dass Betriebe die
gesetzlich vorgeschriebene Umstellung der Sauenhaltung im Deckzentrum
bis 2026 tierschutzgerecht und wirtschaftlich umsetzen können,
insbesondere vor dem Hintergrund der Anforderungen des Baurechts, der TA-Luft
und der Fördermodalitäten (www.nutztierhaltung.de/schwein/sau-ferkel/o
ekonomie/novellierte-tierschutz-nutztierhaltungsverordnung/)?
a) Wenn ja, wird es gesetzliche Fristverlängerungen oder
Übergangsregelungen geben, um einen Strukturbruch in der Ferkelerzeugung zu
vermeiden?
b) Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen zur
Genehmigungsbeschleunigung und finanziellen Unterstützung plant die Bundesregierung bis
Ende 2025?
10. Liegen der Bundesregierung Daten darüber vor, wie sich die aktuellen
baurechtlichen, immissionsschutzrechtlichen und förderpolitischen
Rahmenbedingungen auf die Zahl der Tierhalter, insbesondere in der
Schweine- und Geflügelhaltung, in den Jahren von 2020 bis 2025
ausgewirkt haben, und mit welchen Entwicklungen rechnet sie ggf. in den
nächsten fünf Jahren bei unverändertem Rechtsrahmen?
11. Sind bei der Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zur Vereinfachung
des Immissionsschutzrechts und der TA-Luft Änderungen in der
Zuständigkeit oder der Auffassung des Bundesministeriums für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) erforderlich oder
bereits erfolgt, und wenn ja, inwiefern?
12. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen der in den letzten
Legislaturperioden geführten Agrarpolitik auf die Investitionsbereitschaft
in tierwohlgerechte Ställe und die Entwicklung der Nutztierhaltung
insgesamt, und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für das weitere
Vorgehen der Bundesregierung?
Berlin, den 25. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Bernd Schattner (Kleine Anfrage)
- asked ← Bernd Schuhmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Danny Meiners (Kleine Anfrage)
- asked ← Dario Seifert (Kleine Anfrage)
- asked ← Enrico Komning (Kleine Anfrage)
- asked ← Julian Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Lars Schieske (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Blos (Kleine Anfrage)
- asked ← Olaf Hilmer (Kleine Anfrage)
- asked ← Peter Felser (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Schröder (Kleine Anfrage)
- asked ← Steffen Janich (Kleine Anfrage)
- asked ← Stephan Protschka (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Peter Felser
- authored ← Stephan Protschka
- part_of_vorgang → Tierhaltung in Deutschland - Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu Stallbau, Tierwohl und Immissionsschutz (Kleine Anfrage)