Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland
Text
Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/323
21. Wahlperiode 03.06.2025
Gesetzentwurf
der Fraktionen der CDU/CSU und SPD
Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm
zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland
A. Problem und Ziel
Die deutsche Steuerpolitik muss zu einem Garanten für eine wettbewerbsfähige
und wachsende Volkswirtschaft werden. Hierfür gilt es, Investitionsanreize zu
schaffen, um die Attraktivität des Standorts Deutschland zu steigern, Vertrauen in
den Wirtschaftsstandort hinsichtlich attraktiver Wettbewerbsbedingungen zu
stärken und so den Wohlstand für alle zu mehren. Nach einer Phase wirtschaftlicher
Stagnation gilt es, die Potenziale der deutschen Volkswirtschaft deutlich zu heben
und wieder auf einen nachhaltig höheren Wachstumspfad zu kommen.
B. Lösung
Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf werden prioritäre Maßnahmen zur
Standortstärkung und Investitionsförderung umgesetzt, von denen unmittelbar ein
starkes Signal für die kurzfristige und langfristige Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschaftsstandort Deutschland ausgeht. Die Maßnahmen dienen dem schnellen
Anschub wachstumswirksamer Investitionen verbunden mit langfristigen und
flächenwirksamen Entlastungswirkungen, die gemeinsam für ein nachhaltiges,
wachstumsförderndes Umfeld und Planungssicherheit für Unternehmen sorgen.
Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der gegenwärtigen
Herausforderungen, sondern auch um die Schaffung einer resilienten Wirtschaft auf längere Frist.
Die Steuerpolitik spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung von
Wachstum und Innovation.
Angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft setzen
diese kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen wichtige und klare Impulse für einen
Wachstumstrend. Gleichwohl handelt es sich nur um einen ersten Schritt zur
Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen, dem umfassendere weitere
Maßnahmen – wie sie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
vereinbart sind – folgen müssen. Standortstärkende Maßnahmen müssen in ein
Gesamtkonzept eingebettet werden, das sowohl schnell wirkende Entlastungen als
auch in der Tiefe wirksame strukturelle Verbesserungen enthält.
Im vorliegenden Gesetzentwurf werden gezielte Investitionsanreize mit
flächendeckenden Entlastungen sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in der materiellen
Wirkung verzahnt. Ein wichtiger Baustein ist dabei der „Investitions-Booster“
(degressive AfA), der noch in diesem Jahr wirken soll. Dieser sieht für bewegliche
Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens eine degressive Absetzung für Abnutzung
(AfA) in Höhe von höchstens 30 Prozent in den Jahren 2025, 2026 und 2027 vor.
Die verbesserten Abschreibungsbedingungen können zu einer Erhöhung der
Rentabilität von Investitionen führen und die Liquidität der Unternehmen
insbesondere in der unmittelbaren Phase nach der Investition stärken. Infolgedessen
fungiert die degressive AfA als Katalysator für die Investitionspläne der
Unternehmen.
Anschließend an den zeitlich begrenzten „Investitions-Booster“ sorgt die
schrittweise Senkung des Körperschaftsteuer-Satzes ab dem 1. Januar 2028 von derzeit
15 auf 10 Prozent in 2032 für in der Breite wirksame Liquiditätssteigerungen und
langfristige Planungssicherheit bezüglich der unternehmensteuerlichen
Entlastung und der unternehmensteuerlichen Rahmenbedingungen. In einer von
Unsicherheit geprägten Welt kann dies zur Stabilisierung von Erwartungen beitragen
und den Unternehmen über die Legislaturperiode hinaus die notwendigen
Entlastungen sichern, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in einem global
zunehmenden Standortwettbewerb zu erhalten beziehungsweise zu steigern und die
Standortattraktivität insgesamt zu verbessern.
Mit der korrespondierenden Absenkung des Thesaurierungssteuersatzes nach
§ 34a Absatz 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) wird an dem Ziel
einer Belastungsneutralität zwischen Personenunternehmen und
Kapitalgesellschaften festgehalten.
Darüber hinaus tragen die Erhöhung der steuerlichen Forschungsförderung und
die Förderung der Elektromobilität dazu bei, ein investitionsfreundliches Umfeld
zu schaffen und auf diese Weise wirtschaftliche Impulse zu generieren.
Der Gesetzentwurf enthält folgende Maßnahmen:
– Wiedereinführung und Aufstockung der degressiven AfA für bewegliche
Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens – „Investitions-Booster“ (§ 7
Absatz 2 EStG)
– Schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab dem 1. Januar 2028
von derzeit 15 Prozent auf 10 Prozent ab 2032 (§ 23 Absatz 1 des
Körperschaftsteuergesetzes – KStG)
– Absenkung des Thesaurierungssteuersatzes nach § 34a EStG für nicht
entnommene Gewinne von derzeit 28,25 Prozent in drei Stufen auf 27 Prozent
(Veranlagungszeitraum (VZ) 2028/2029), 26 Prozent (VZ 2030/2031) und
25 Prozent (ab dem VZ 2032) (§ 34a Absatz 1 Satz 1 EStG)
– Einführung einer arithmetisch-degressiven Abschreibung für neu
angeschaffte Elektrofahrzeuge (§ 7 Absatz 2a – neu – EStG)
– Anhebung der Bruttolistenpreisgrenze bei der sog. Dienstwagenbesteuerung
für die Begünstigung von Elektrofahrzeugen auf 100 000 Euro (§ 6 Absatz 1
Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3 EStG)
– Ausweitung des Forschungszulagengesetzes (§ 3 des
Forschungszulagengesetzes – FZulG)
C. Alternativen
Keine. Die im Einzelnen geprüften Alternativen sind aus der Tabelle im
Allgemeinen Teil der Begründung ersichtlich.
D. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
(Steuermehr- und -mindereinnahmen (-) in Mio. Euro)
Gebietskörperschaft
volle Jahreswirkung1
2025 2026 2027 2028 2029
Insgesamt - 2 530 - 8 110 - 11 815 - 12 005 - 11 300
Bund - 794 - 2 614 - 3 784 - 4 958 - 5 767
Länder - 725 - 2 407 - 3 476 - 4 495 - 5 197
Gemeinden - 1 011 - 3 089 - 4 555 - 2 552 - 336
Kassenjahr
2025 2026 2027 2028 2029
Insgesamt - 630 - 4 075 - 9 840 - 16 800 - 17 070
Bund - 200 - 1 287 - 3 147 - 6 212 - 7 406
Länder - 182 - 1 172 - 2 891 - 5 670 - 6 716
Gemeinden - 248 - 1 616 - 3 802 - 4 918 - 2 948
1 Wirkung im Veranlagungsjahr
E. Erfüllungsaufwand
E.1 Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger
Der Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger verändert sich nicht.
E.2 Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft
Veränderung des jährlichen Erfüllungsaufwands (in Tsd. Euro): 0
davon Bürokratiekosten aus Informationspflichten
(in Tsd. Euro):
Einmaliger Erfüllungsaufwand (in Tsd. Euro): 33,0
davon durch Einführung oder Anpassung digitaler
Prozessabläufe (in Tsd. Euro):
davon Sonstiges (in Tsd. Euro):
E.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung
Veränderung des jährlichen Erfüllungsaufwands (in Tsd. Euro):
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro):
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro):
Einmaliger Erfüllungsaufwand (in Tsd. Euro): 62,0
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro):
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro): 62,0
davon auf kommunaler Ebene (in Tsd. Euro)
Es ergeben sich keine messbaren Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand der
Verwaltung. Vgl. auch die weiteren Ausführungen im Allgemeinen Teil der
Begründung.
F. Weitere Kosten
Der Wirtschaft, einschließlich mittelständischer Unternehmen, entstehen keine
direkten sonstigen Kosten.
Auswirkungen auf Einzelpreise und das Preisniveau, insbesondere auf das
Verbraucherpreisniveau, sind nicht zu erwarten.
Entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm
zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland
Vom …
Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen:
Artikel 1
Änderung des Einkommensteuergesetzes
Das Einkommensteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2009 (BGBl. I S. 3366,
3862), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 23. Dezember 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 449) geändert worden
ist, wird wie folgt geändert:
1. In § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3 wird jeweils die Angabe „70 000 Euro“
durch die Angabe „100 000 Euro“ ersetzt.
2. § 7 wird wie folgt geändert:
a) Absatz 2 Satz 1 und 2 wird durch die folgenden Sätze ersetzt:
„Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem
1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt worden sind, kann der Steuerpflichtige statt der Absetzung
für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen
bemessen. Die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen kann nach einem
unveränderlichen Prozentsatz vom jeweiligen Buchwert (Restwert) vorgenommen werden; der dabei anzuwendende
Prozentsatz darf höchstens das Dreifache des bei der Absetzung für Abnutzung in gleichen
Jahresbeträgen in Betracht kommenden Prozentsatzes betragen und 30 Prozent nicht übersteigen.“
b) Nach Absatz 2 wird der folgende Absatz 2a eingefügt:
„(2a) Bei Elektrofahrzeugen nach § 9 Absatz 2 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes, die zum
Anlagevermögen gehören und nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft worden sind,
können abweichend von Absatz 1 oder 2 als Absetzung für Abnutzung die folgenden Beträge in Prozent
der Anschaffungskosten abgezogen werden: im Jahr der Anschaffung 75 Prozent, im ersten darauf
folgenden Jahr zehn Prozent, im zweiten und dritten darauf folgenden Jahr jeweils fünf Prozent, im vierten
darauf folgenden Jahr drei Prozent und im fünften darauf folgenden Jahr zwei Prozent. Satz 1 kann nur
angewendet werden, wenn der Steuerpflichtige keine Sonderabschreibungen für das Wirtschaftsgut in
Anspruch genommen hat. Absatz 1 Satz 4 gilt nicht.“
3. § 34a Absatz 1 Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Sind in dem zu versteuernden Einkommen nicht entnommene Gewinne aus Land- und Forstwirtschaft,
Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit (§ 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 3) nach Absatz 2 enthalten, ist
die Einkommensteuer für diese Gewinne auf Antrag des Steuerpflichtigen ganz oder teilweise mit einem
Steuersatz von
1. 28,25 Prozent für Veranlagungszeiträume bis 2027,
2. 27 Prozent für die Veranlagungszeiträume 2028 und 2029,
3. 26 Prozent für die Veranlagungszeiträume 2030 und 2031 und
4. 25 Prozent für Veranlagungszeiträume ab 2032
zu berechnen; dies gilt nicht, soweit für die Gewinne der Freibetrag nach § 16 Absatz 4 oder die
Steuerermäßigung nach § 34 Absatz 3 in Anspruch genommen wird oder es sich um Gewinne nach § 18 Absatz 1
Nummer 4 handelt.“
4. § 52 wird wie folgt geändert:
a) Nach Absatz 12 Satz 5 wird der folgende Satz eingefügt:
„§ 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3 in der Fassung des Artikels 1 des
Gesetzes vom ... (BGBl I. S. ...) [einsetzen: Datum und Fundstelle des vorliegenden Änderungsgesetzes]
ist erstmals für Kraftfahrzeuge anzuwenden, die nach dem 30. Juni 2025 angeschafft werden.“
b) Nach Absatz 15 Satz 3 wird der folgende Satz eingefügt:
„Bei Wirtschaftsgütern, die nach dem 31. Dezember 2019 und vor dem 1. Januar 2023 oder nach dem
31. März 2024 und vor dem 1. Januar 2025 angeschafft oder hergestellt worden sind, ist § 7 Absatz 2
in der Fassung des Gesetzes vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 108) weiter anzuwenden.“
Artikel 2
Änderung des Körperschaftsteuergesetzes
Das Körperschaftsteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Oktober 2002 (BGBl. I S. 4144),
das zuletzt durch Artikel 3 des Gesetzes vom 28. Februar 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 69) geändert worden ist, wird
wie folgt geändert:
§ 23 Absatz 1 wird durch den folgenden Absatz 1 ersetzt:
„(1) Die Körperschaftsteuer beträgt für
1. Veranlagungszeiträume bis 2027 15 Prozent,
2. den Veranlagungszeitraum 2028 14 Prozent,
3. den Veranlagungszeitraum 2029 13 Prozent,
4. den Veranlagungszeitraum 2030 12 Prozent,
5. den Veranlagungszeitraum 2031 11 Prozent und
6. Veranlagungszeiträume ab 2032 10 Prozent
des zu versteuernden Einkommens.“
Artikel 3
Änderung des Forschungszulagengesetzes
Das Forschungszulagengesetz vom 14. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2763), das zuletzt durch Artikel 27 des
Gesetzes vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 108) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
§ 3 wird wie folgt geändert:
1. Nach Absatz 3a wird der folgende Absatz 3b eingefügt:
„(3b) Zu den förderfähigen Aufwendungen gehört auch der pauschalisierte Betrag für zusätzliche
Gemeinkosten und sonstige Betriebskosten nach Satz 2, die im Rahmen eines begünstigten Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben, welches nach dem 31. Dezember 2025 begonnen hat, entstanden sind. Die als
förderfähige Aufwendungen zu berücksichtigenden Gemein- und Betriebskosten betragen pauschal 20 Prozent
der im Wirtschaftsjahr nach den Absätzen 1, 2, 3, 3a und 4 entstandenen förderfähigen Aufwendungen.“
2. Absatz 5 wird durch den folgenden Absatz 5 ersetzt:
„(5) Bemessungsgrundlage sind die im Wirtschaftsjahr entstandenen förderfähigen Aufwendungen des
Anspruchsberechtigten im Sinne der Absätze 1 bis 4. Die Bemessungsgrundlage beträgt höchstens für
1. nach dem 1. Januar 2020 und vor dem 1. Juli 2020 entstandene förderfähige Aufwendungen 2 000 000
Euro,
2. nach dem 30. Juni 2020 und vor dem 28. März 2024 entstandene förderfähige Aufwendungen 4 000 000
Euro,
3. nach dem 27. März 2024 und vor dem 1. Januar 2026 entstandene förderfähige Aufwendungen
10 000 000 Euro und
4. nach dem 31. Dezember 2025 entstandene förderfähige Aufwendungen 12 000 000 Euro.“
Artikel 4
Inkrafttreten
(1) Dieses Gesetz tritt vorbehaltlich des Absatzes 2 am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Artikel 3 tritt am 1. Januar 2026 in Kraft.
Berlin, den 3. Juni 2025
Jens Spahn, Alexander Hoffmann und Fraktion
Dr. Matthias Miersch und Fraktion
Begründung
A. Allgemeiner Teil
I. Zielsetzung und Notwendigkeit der Regelungen
Die deutsche Steuerpolitik muss zu einem Garanten für eine wettbewerbsfähige und wachsende Volkswirtschaft
werden. Hierfür gilt es, Investitionsanreize zu schaffen, um die Attraktivität des Standorts Deutschland zu
steigern, das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort hinsichtlich attraktiver Wettbewerbsbedingungen zu stärken und
so den Wohlstand für alle zu mehren. Nach einer Phase wirtschaftlicher Stagnation gilt es, die Potenziale der
deutschen Volkswirtschaft deutlich zu heben und wieder auf einen nachhaltig höheren Wachstumspfad zu
kommen.
Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf werden prioritäre Maßnahmen zur Standortstärkung und
Investitionsförderung umgesetzt, von denen unmittelbar ein starkes Signal für die kurzfristige und langfristige
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandort Deutschland ausgeht. Die Maßnahmen dienen dem schnellen Anschub
wachstumswirksamer Investitionen verbunden mit langfristigen und flächenwirksamen Entlastungswirkungen, die
gemeinsam für ein nachhaltiges, wachstumsförderndes Umfeld und Planungssicherheit für Unternehmen sorgen.
Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen, sondern auch um die
Schaffung einer resilienten Wirtschaft auf längere Sicht. Die Steuerpolitik spielt eine entscheidende Rolle bei der
Förderung von Wachstum und Innovation.
Angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft setzen diese kurzfristig umsetzbaren
Maßnahmen wichtige und klare Impulse für einen Wachstumstrend. Gleichwohl handelt es sich nur um einen
ersten Schritt zur Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen, dem umfassendere weitere Maßnahmen –
wie sie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbart sind – folgen müssen. Standortstärkende
Maßnahmen müssen in ein Gesamtkonzept eingebettet werden, das sowohl schnell wirkende Entlastungen als
auch in der Tiefe wirksame strukturelle Verbesserungen enthält.
Im vorliegenden Gesetzentwurf werden gezielte Investitionsanreize mit flächendeckenden Entlastungen sowohl
in zeitlicher Hinsicht als auch in der materiellen Wirkung verzahnt. Ein wichtiger Baustein ist dabei der
„Investitions-Booster“ (degressive AfA), der noch in diesem Jahr wirken soll. Dieser sieht für bewegliche
Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens eine degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) in Höhe von höchstens 30 Prozent in
den Jahren 2025, 2026 und 2027 vor. Die verbesserten Abschreibungsbedingungen können zu einer Erhöhung der
Rentabilität von Investitionen führen und die Liquidität der Unternehmen insbesondere in der unmittelbaren Phase
nach der Investition stärken. Infolgedessen fungiert die degressive AfA als Katalysator für die Investitionspläne
der Unternehmen.
Anschließend an den zeitlich begrenzten „Investitions-Booster“ sorgt die schrittweise Senkung des
Körperschaftsteuer-Satzes ab dem 1. Januar 2028 von derzeit 15 auf 10 Prozent in 2032 für in der Breite wirksame
Liquiditätssteigerungen und langfristige Planungssicherheit bezüglich der unternehmensteuerlichen Entlastung und der
unternehmensteuerlichen Rahmenbedingungen. In einer von Unsicherheit geprägten Welt kann dies zur
Stabilisierung von Erwartungen beitragen und den Unternehmen über die Legislaturperiode hinaus die notwendigen
Entlastungen sichern, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in einem global zunehmenden
Standortwettbewerb zu erhalten beziehungsweise zu steigern und die Standortattraktivität insgesamt zu verbessern.
Mit der korrespondierenden Absenkung des Thesaurierungssteuersatzes nach § 34a Absatz 1 Satz 1 EStG wird
an dem Ziel einer Belastungsneutralität zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften festgehalten.
Darüber hinaus tragen die Erhöhung der steuerlichen Forschungsförderung und die Förderung der
Elektromobilität dazu bei, ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen und auf diese Weise wirtschaftliche Impulse zu
generieren.
II. Wesentlicher Inhalt des Entwurfs
Der Gesetzentwurf enthält folgende Maßnahmen:
– Wiedereinführung und Aufstockung der degressiven AfA für bewegliche Wirtschaftsgüter des
Anlagevermögens – „Investitions-Booster“ (§ 7 Absatz 2 EStG)
– Schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf zehn Prozent ab 1. Januar 2028 (§ 23 Absatz 1 KStG)
– Absenkung des Thesaurierungssteuersatzes nach § 34a EStG für nicht entnommene Gewinne von derzeit
28,25 Prozent in drei Stufen auf 27 Prozent (Veranlagungszeitraum (VZ) 2028/2029), 26 Prozent (VZ
2030/2031) und 25 Prozent (ab dem VZ 2032) (§ 34a Absatz 1 Satz 1 EStG)
– Einführung einer arithmetisch-degressiven Abschreibung für neu angeschaffte Elektrofahrzeuge (§ 7
Absatz 2a – neu – EStG)
– Anhebung der Bruttolistenpreisgrenze bei der sog. Dienstwagenbesteuerung für die Begünstigung von
Elektrofahrzeugen auf 100 000 Euro (§ 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3 EStG)
– Ausweitung des Forschungszulagengesetzes (§ 3 FZulG)
III. Exekutiver Fußabdruck
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter sowie beauftragte Dritte haben nicht wesentlich zum Inhalt des
Gesetzentwurfs beigetragen (§ 43 Absatz 1 Nummer 13 GGO).
IV. Alternativen
Keine. Die im Einzelnen geprüften Alternativen sind aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich.
Vorschriften Geprüfte Alternativen Begründung
§ 7 Absatz 2 EStG − Keine Verlängerung/Anpassung des
Anwendungsbereiches für die Inanspruchnahme der
degressiven Abschreibung (AfA) für
bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens.
Als Folge wäre für entsprechende Investitionen
ab dem Jahr 2025 nur die lineare AfA zulässig.
Damit würden von den allgemeingültigen
Abschreibungsvorschriften keine
unternehmerischen Vorteile und Investitionsanreize, die zu
einer nötigen Stabilisierung und
Transformation der Wirtschaft beitragen können, mehr
ausgehen.
− Die degressive AfA wirkt als reguläre – auch
handelsrechtlich zulässige –
Abschreibungsmethode wirtschaftsfördernd und kann damit
Investitionsanreize setzen, ohne bereits bestehende
steuerliche Förderungen zu konterkarieren. Für
alle Beteiligten stellt die Regelung die
bürokratieärmste und kostengünstigste Variante dar.
§ 7 Absatz 2a –
neu – EStG
− Keine Einführung der degressiven AfA für neu
angeschaffte Elektrofahrzeuge. Als Folge wäre
für entsprechende Investitionen ab dem
Jahr 2025 nur die lineare AfA zulässig. Damit
würden von den allgemeingültigen
Abschreibungsvorschriften keine unternehmerischen
Vorteile und Investitionsanreize, die zu einer
nötigen Stabilisierung und Transformation der
Wirtschaft beitragen können, mehr ausgehen.
− Die degressive AfA wirkt als reguläre – auch
handelsrechtlich zulässige –
Abschreibungsmethode wirtschaftsfördernd und kann damit
Investitionsanreize setzen, ohne bereits bestehende
steuerliche Förderungen zu konterkarieren. Für
alle Beteiligten stellt die Regelung die
bürokratieärmste und kostengünstigste Variante dar.
§ 6 Absatz 1 EStG − Keine Anhebung der Bruttolistenpreisgrenze;
positive Wirkungen auf Klimaschutz und
Automobilhersteller bleiben aus.
− Die Regelung ist geeignet, die Erreichung der
erwünschten Ziele (Klimaschutz, Förderung
Automobilstandort Deutschland) zu fördern.
Vorschriften Geprüfte Alternativen Begründung
§ 34a Absatz 1
Satz 1 EStG
− Keine Absenkung des
Thesaurierungssteuersatzes; keine Standortstärkung.
− Maßnahme aus Koalitionsvertrag. Stärkung
der deutschen Wirtschaft.
§ 23 Absatz 1
KStG
− Alternative: Keine Senkung des
Körperschaftsteuersatzes.
− Folgen: Keine Senkung der
Unternehmensteuerbelastung, keine Standortstärkung.
− Maßnahme aus Koalitionsvertrag. Stärkung
des Wirtschaftsstandorts durch
Entlastungswirkung in der Breite und deutliches
zukunftsweisendes Standortsignal in einem zunehmend
globalen Standortwettbewerb.
§ 3 FZulG − Beibehaltung des bisherigen Umfanges der
förderfähigen Aufwendungen.
− Beschränkung der maximal förderfähige
Bemessungsgrundlage auf 10 Mio. Euro.
− Die genannten Alternativen bilden den
Regelungsinhalt des FZulG ab. Eine
Nichtumsetzung der vorgeschlagenen Regelungen hätte
zur Folge, dass die Attraktivität der
Forschungszulage nicht gestärkt und der Umfang
nicht ausgeweitet wird und keine zusätzlichen
Anreize geschaffen werden in Forschung und
Entwicklung zu investieren. Zudem würden
die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags
nicht eingehalten werden.
V. Gesetzgebungskompetenz
Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes ergibt sich für die Änderung des Einkommensteuergesetzes (Artikel 1),
des Körperschaftsteuergesetzes (Artikel 2) sowie des Forschungszulagengesetzes (Artikel 3) aus Artikel 105
Absatz 2 Satz 2 erste Alternative des Grundgesetzes, da das Steueraufkommen diesbezüglich dem Bund ganz oder
teilweise zusteht.
VI. Vereinbarkeit mit dem Recht der Europäischen Union und völkerrechtlichen Verträgen
Unvereinbarkeiten mit höherrangigem Recht sind nicht zu erkennen.
VII. Gesetzesfolgen
Unvereinbarkeiten mit höherrangigem Recht sind nicht zu erkennen.
1. Rechts- und Verwaltungsvereinfachung
Keine.
2. Nachhaltigkeitsaspekte
Der Entwurf steht im Einklang mit der Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, indem er das Steueraufkommen des
Gesamtstaats sichert und die Indikatorenbereiche 8.2 (Staatsverschuldung – Staatsfinanzen konsolidieren,
Generationengerechtigkeit schaffen), 8.3 (Wirtschaftliche Zukunftsvorsorge – Investitionsklima) und 8.4
(Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit – Wirtschaftswachstum) unterstützt. Eine Nachhaltigkeitsrelevanz bezüglich anderer
Indikatoren ist nicht gegeben.
Die Anhebung der Bruttolistenpreis-Grenze bei der sog. Dienstwagenbesteuerung für die Begünstigung von
Elektrofahrzeugen betrifft die Nachhaltigkeitsziele: 3.2.a Emissionen von Luftschadstoffen Regelung dient der
Erhöhung der Nutzung von Elektrofahrzeugen und damit der Reduktion von Schadstoffausstößen; SDG 8
Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum Sicherung der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie; 9.1
Innovation: Zukunft mit neuen Lösungen nachhaltig gestalten Förderung der Entwicklungen im Bereich
Elektromobilität und 13.1.a Treibhausgasemissionen Förderung der Elektromobilität dient der Treibhausgasreduktion im
Verkehr.
3.
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5. Weitere Kosten
Der Wirtschaft, einschließlich mittelständischer Unternehmen, entstehen keine direkten sonstigen Kosten.
Auswirkungen auf Einzelpreise und das Preisniveau, insbesondere auf das Verbraucherpreisniveau, sind nicht zu
erwarten.
6. Weitere Gesetzesfolgen
Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenssituation von Frauen und Männern sind keine
Auswirkungen erkennbar, die gleichstellungspolitischen Zielen gemäß § 2 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der
Bundesministerien zuwiderlaufen.
VIII. Befristung; Evaluierung
Wegen der nicht signifikanten Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand ist eine Evaluation der Regelungen nicht
erforderlich.
B. Besonderer Teil
Zu Artikel 1 (Änderung des Einkommensteuergesetzes)
Zu Nummer 1 (§ 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3)
Nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 EStG (1 Prozent-Regelung) ist bei der privaten Nutzung eines
betrieblichen Kraftfahrzeugs, das keine CO2-Emissionen je gefahrenem Kilometer hat (reine Elektrofahrzeuge,
inkl. Brennstoffzellenfahrzeuge) nur ein Viertel der Bemessungsgrundlage (Bruttolistenpreis) und nach § 6
Absatz 1 Nummer 4 Satz 3 Nummer 3 EStG (Fahrtenbuchregelung) nur ein Viertel der Anschaffungskosten oder
vergleichbarer Aufwendungen anzusetzen. Dies gilt bislang jedoch nur, wenn der Bruttolistenpreis des
Kraftfahrzeugs nicht mehr als 70 000 Euro beträgt.
Um die Förderung nachhaltiger Mobilität und die Nachfrage nach emissionsfreien Kraftfahrzeugen weiter zu
steigern, wird der bestehende Höchstbetrag erneut, von 70 000 Euro auf 100 000 Euro, angehoben. Bei der
Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeuges an einen Arbeitnehmer findet diese Regelung entsprechende
Anwendung (§ 8 Absatz 2 Satz 2, 3 und 5 EStG).
Zu Nummer 2 (§ 7)
Zu Buchstabe a (§ 7 Absatz 2 Satz 1 und 2)
Die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wurde mit dem Zweiten
Corona-Steuerhilfegesetz zur Unterstützung der Wirtschaft in Zeiten pandemiebedingter wirtschaftlicher
Unsicherheiten und sonstiger Erschwernisse zum 1. Januar 2020 zeitlich befristet eingeführt und zuletzt mit dem
Wachstumschancengesetz für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31. März 2024
und vor dem 1. Januar 2025 angeschafft oder hergestellt worden sind wieder ermöglicht.
Aufgrund der anhaltenden Krisensituation soll als konjunkturstützender „Investitions-Booster“ die Möglichkeit
der Inanspruchnahme der degressiven Abschreibung für Investitionen ab Juli 2025 bis Ende 2027
wiedereingeführt werden. Die temporäre Begrenzung setzt Anreize für zügige Investitionsentscheidungen.
Die degressive Abschreibung kann somit auch für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach
dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt worden sind, anstelle der linearen
Abschreibung in Anspruch genommen werden. Der dabei anzuwendende Prozentsatz darf höchstens das
Dreifache des bei der linearen Abschreibung in Betracht kommenden Prozentsatzes betragen und 30 Prozent nicht
übersteigen.
Zu Buchstabe b (§ 7 Absatz 2a – neu –)
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Elektromobilität in Deutschland deutlich voranzubringen. Für
eine erfolgreiche Umsetzung dieses Ziels bedarf es auch weitreichender steuerlicher Maßnahmen.
Mit der Regelung soll für neu angeschaffte, rein elektrisch betriebene Fahrzeuge die Einführung einer
arithmetisch-degressiven Abschreibung mit fallenden Staffelsätzen in Höhe von 75 Prozent im Jahr der Anschaffung,
10 Prozent im ersten darauf folgenden Jahr, 5 Prozent im zweiten darauf folgenden Jahr, 5 Prozent im dritten
darauf folgenden Jahr, 3 Prozent im vierten darauf folgenden Jahr und 2 Prozent im fünften darauf folgenden Jahr
eingeführt werden. Zusätzlich zu den bereits bestehenden vielfältigen steuerlichen Fördermaßnahmen im Bereich
der Elektromobilität werden mit der Einführung dieser Abschreibungsmöglichkeit als konjunktur-,
wirtschaftsoder wachstumspolitische Maßnahme deutliche steuerliche Anreize insbesondere für den Markthochlauf der
Elektromobilität im betrieblichen Bereich gesetzt.
Die Regelung umfasst ausschließlich neu angeschaffte, rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Sie wird für
Anschaffungen im Zeitraum von Juli 2025 bis Dezember 2027 befristet eingeführt. Die temporäre Begrenzung setzt
Anreize für zügige Investitionsentscheidungen.
Für die Definition der Elektrofahrzeuge wird auf die Definition in § 9 Absatz 2 Kraftfahrzeugsteuergesetz
zurückgegriffen. Sie umfasst im vorliegenden Sinne alle Fahrzeuge, unabhängig von ihrer Fahrzeugklasse und damit
neben Personenkraftwagen insbesondere auch Elektronutzfahrzeuge, Lastkraftwagen und Busse.
Dabei wird von einem Abschreibungszeitraum von insgesamt sechs Jahren ausgegangen. Dieser Zeitraum
entspricht der regelmäßigen durchschnittlichen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer für die begünstigten
Fahrzeuge.
Eine Kumulierung mit Sonderabschreibungen ist nicht zulässig. Eine gleichzeitige Inanspruchnahme stünde der
Systematik entgegen, die mit den festen im Zeitverlauf fallenden Abschreibungssätzen erreicht wird. Die neue
degressive Abschreibung führt zur vollständigen Abschreibung, indem diese alleinig von den ursprünglichen
Anschaffungskosten vorgenommen wird und ein Wechsel des Abschreibungsregimes nicht zulässig ist.
Die Regelung des § 7 Absatz 2a EStG ist nach der allgemeinen Anwendungsregelung in § 52 Absatz 1 EStG
erstmals für den Veranlagungszeitraum 2025 anzuwenden.
Zu Nummer 3 (§ 34a Absatz 1 Satz 1)
Ziel der mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 vom 14. August 2007 (BGBl. I S. 1912) eingeführten
Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG ist es, Einzelunternehmer und Mitunternehmer
(Personenunternehmer) mit ihren Gewinneinkünften (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger
Arbeit) in vergleichbarer Weise wie das Einkommen einer Kapitalgesellschaft tariflich zu belasten. Der Anteil
des Gewinns aus einem Betrieb oder Mitunternehmeranteil, den der Steuerpflichtige im Wirtschaftsjahr nicht
entnommen hat, soll auf Antrag nicht mehr dem (höheren) persönlichen progressiven Steuersatz des
Steuerpflichtigen, sondern lediglich einem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Damit wird demjenigen Steuerpflichtigen eine
Vergünstigung gewährt, der durch den Verzicht auf die private Verwendung von Gewinnen seinem Betrieb
erwirtschaftetes Kapital weiterhin zur Verfügung stellt und damit die Eigenkapitalbasis seines Unternehmens
nachhaltig stärkt. Außerdem werden durch diese steuerliche Vergünstigung die Investitionsmöglichkeiten verbessert,
ohne dass Fremdkapital in Anspruch genommen werden muss.
Mit der stufenweisen Absenkung des Thesaurierungssteuersatzes wird an dem Ziel einer Belastungsneutralität
zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften festgehalten. Es handelt sich um ein deutliches
Standortsignal mit flächendeckender Wirkung und erhöht die internationale Wettbewerbsfähigkeit gerade für
ertragsstarke und im internationalen Wettbewerb stehende Personenunternehmer, die einen ganz wesentlichen Beitrag
zum Wirtschaftsstandort Deutschland leisten. Die Absenkung entspricht zudem der Vereinbarung im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur 21. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages, wonach die
Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG wesentlich verbessert werden soll, um eine rechtsformneutrale
Besteuerung zu ermöglichen.
Zur gleichwertigen Entlastung nicht entnommener Gewinne von Personenunternehmern wird korrespondierend
zur Körperschaftsteuer-Tarifsenkung ab dem Veranlagungszeitraum 2028 auch der Thesaurierungssteuersatz
nach § 34a Absatz 1 Satz 1 EStG abgesenkt. Zur Vereinfachung und unter Berücksichtigung des Umstands, dass
die Thesaurierungsbegünstigung nach § 37 Absatz 3 Satz 5 EStG nicht im Vorauszahlungsverfahren
berücksichtigt wird, erfolgt die Absenkung über drei Stufen von 27 Prozent für die Veranlagungszeiträume 2028 und 2029,
26 Prozent für die Veranlagungszeiträume 2030 und 2031 und 25 Prozent für Veranlagungszeiträume ab 2032.
Zu Nummer 4 (§ 52)
Zu Buchstabe a (§ 52 Absatz 12 Satz 5 – neu –)
Die Änderungen des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 Nummer 3 und Satz 3 Nummer 3 EStG sind erstmals für
Kraftfahrzeuge anzuwenden, die nach dem 30. Juni 2025 angeschafft werden.
Zu Buchstabe b (§ 52 Absatz 15 Satz 4 – neu –)
Die Änderung des § 7 Absatz 2 Satz 1 und 2 EStG ist nach der allgemeinen Anwendungsregelung in § 52
Absatz 1 EStG erstmals für den Veranlagungszeitraum 2025 anzuwenden.
Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nach dem 31. Dezember 2019 und vor dem 1.
Januar 2023 oder nach dem 31. März 2024 und vor dem 1. Januar 2025 angeschafft oder hergestellt worden sind,
ist die Anwendung von § 7 Absatz 2 EStG in der Fassung des Gesetzes vom 27. März 2024 (BGBl. 2024 I
Nr. 108) weiterhin zulässig.
Zu Artikel 2 (Änderung des Körperschaftsteuergesetzes)
§ 23 Absatz 1
Die Unternehmensteuerbelastung von Körperschaften in Deutschland beträgt derzeit knapp 30 Prozent (15
Prozent Körperschaftsteuer + 0,825 Prozent Solidaritätszuschlag + 14 Prozent Gewerbesteuer unter
Berücksichtigung eines durchschnittlichen Gewerbesteuer-Hebesatzes von 400 Prozent).
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur 21. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages wurde
vereinbart, die Körperschaftsteuer in fünf Schritten um jeweils einen Prozentpunkt zu senken, beginnend ab dem
1. Januar 2028.
Dementsprechend wird die Tarifvorschrift in § 23 Absatz 1 KStG dahingehend geändert, dass sich der bis
einschließlich Veranlagungszeitraum 2027 geltende Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent in den
Veranlagungszeiträumen ab 2028 jährlich um jeweils einen Prozentpunkt bis auf 10 Prozent ab dem Veranlagungszeitraum 2032
verringert.
Korrespondierend zur Körperschaftsteuer-Tarifsenkung wird der Thesaurierungssteuersatz in § 34a EStG
beginnend ab dem 1. Januar 2028 abgesenkt (vgl. dazu Artikel 1 Nummer 3).
Die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab dem 1. Januar 2028 schließt zeitlich an die bis 2027 temporär
begrenzte degressive AfA (vgl. Artikel 1 Nummer 2 Buchstabe a) an. Die zeitgleiche Umsetzung beider
Maßnahmen in einem Gesetz setzt deutliche Standortsignale, schafft verlässliche Rahmenbedingungen und sorgt damit
für Planungssicherheit der Unternehmen. Die Körperschaftsteuer-Tarifsenkung bedingt die Anpassung weiterer
gesetzlicher Regelungen, die aufgrund der Vielzahl der Änderungen wirkungsgleich in einem späteren
Gesetzgebungsverfahren gesetzgeberisch nachvollzogen werden. Die Folgeänderungen werden materiell sowie in der
zeitlichen Anwendung korrespondierend zur Senkung des Körperschaftsteuersatzes umgesetzt werden. Dies betrifft
u. a. Anpassungen im Kapitalertragsteuerverfahren und beim Steuerabzug bei beschränkt Steuerpflichtigen.
Zu Artikel 3 (Änderung des Forschungszulagengesetzes)
Zu Nummer 1 (§ 3 Absatz 3b – neu –)
Die Förderung nach dem Forschungszulagengesetz (FZulG) erfolgt bisher nur in Bezug auf die dem
Lohnsteuerabzug unterliegenden Arbeitslöhne von im Forschungs- und Entwicklungsvorhaben beschäftigten Arbeitnehmern,
die Eigenleistung eines Einzelunternehmers in Höhe von 70 Euro je Arbeitsstunde bei maximal 40 Arbeitsstunden
pro Woche sowie anteilig (60 bzw. 70 Prozent) in Bezug auf das Entgelt für Auftragsforschung. Seit dem
Wachstumschancengesetz werden auch investive Aufwendungen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens im
Rahmen der Forschungszulage berücksichtigt.
Mit dem Ziel, die steuerliche Forschungsförderung weiter attraktiver auszugestalten, wird die Forschungszulage
auf zusätzliche Gemein- und sonstige Betriebskosten ausgeweitet, wenn diese förderfähigen Aufwendungen im
Rahmen eines begünstigten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, welches nach dem 31. Dezember 2025
begonnen hat, entstanden sind. Die zeitliche Eingrenzung der zusätzlichen förderfähigen Aufwendungen ist
erforderlich, um die für Steuervergünstigungen nötige Anreizwirkung sicherzustellen. Eine Förderung von bereits
entstandenem Aufwand würde zu reinen Mitnahmeeffekten führen und keine zusätzlichen Anreize in die
Durchführung von Forschung und Entwicklung setzen.
Die Gemein- und sonstigen Betriebskosten werden ausschließlich in Form eines pauschalen Betrages in Höhe von
20 Prozent der im Wirtschaftsjahr nach den Absätzen 1, 2, 3, 3a und 4 entstandenen förderfähigen Aufwendungen
erfasst. Ein individueller Ansatz von Kosten ist nicht möglich. Die gewählte Systematik führt gleichsam jedoch
dazu, dass diese Kosten nicht im Einzelnen nachgewiesen werden müssen. Dadurch wird das Verfahren nicht
weiter verkompliziert und Bürokratieaufwuchs vermieden.
Aufgrund der Systematik sind von der Gemeinkostenpauschale auch die entstandenen förderfähigen
Aufwendungen im Rahmen der Auftragsforschung umfasst. Da diese ebenfalls in die Bemessungsgrundlage für die
Berechnung der förderfähigen Gemein- und sonstige Betriebskosten einfließen, ist eine gesonderte oder zusätzliche
Erhöhung der förderfähigen Aufwendungen für Auftragsforschung entbehrlich.
Die pauschale Berücksichtigung von Gemein- und Betriebskosten als förderfähiger Aufwand entspricht den
beihilferechtlichen Vorgaben des Artikels 25 Absatz 3 Satz 2 Buchstabe e der gem. § 9 Absatz 1 auf das FZulG
Anwendung findenden Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der Kommission vom 17. Juni 2014 zur Feststellung der
Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt in Anwendung der Artikel 107 und 108
des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (ABl. L 187 vom 26.6.2014, S. 1), zuletzt geändert
durch die Verordnung (EU) Nr. 2023/1315 der Kommission vom 23. Juni 2023, in der jeweils geltenden Fassung.
Da die Forschungszulage auf den förderfähigen Aufwand eines Wirtschaftsjahres gewährt wird, werden für die
Berechnung der pauschalen Berücksichtigung von Gemein- und Betriebskosten auch nur die förderfähigen
Aufwendungen herangezogen, die innerhalb des jeweiligen Wirtschaftsjahres entstanden sind.
Durch die Ausweitung der förderfähigen Aufwendungen entfaltet die steuerliche Forschungsförderung eine
nochmals stärkere Wirkung für Unternehmen aller Größenklassen, insbesondere auch für kleine und mittlere
Unternehmen.
Zu Nummer 2 (§ 3 Absatz 5)
Die Bemessungsgrundlage umfasst die im Wirtschaftsjahr entstandenen förderfähigen Aufwendungen und beträgt
derzeit 10 Mio. Euro.
Um die Ausweitung der förderfähigen Aufwendungen auf sonstige Gemein- und Betriebskosten zusätzlich zu
flankieren, wird die maximale Bemessungsgrundlage für nach dem 31. Dezember 2025 entstandene förderfähige
Aufwendungen auf 12 Mio. Euro angehoben.
Die Anhebung der maximalen Bemessungsgrundlage in Kombination mit der Ausweitung der förderfähigen
Aufwendungen steigert die Attraktivität der steuerlichen Forschungsförderung sowohl für kleine und mittlere
Unternehmen als auch insbesondere für größere Unternehmen und setzt einen Anreiz, noch intensiver in Forschung und
Entwicklung zu investieren.
Zu Artikel 4 (Inkrafttreten)
Zu Absatz 1
Das vorliegende Gesetz tritt grundsätzlich am Tag nach der Verkündung in Kraft.
Zu Absatz 2
Die Änderungen des Forschungszulagengesetzes (Artikel 3) treten zum 1. Januar 2026 in Kraft, um die für
Steuervergünstigungen nötige Anreizwirkung sicherzustellen. Eine Förderung von bereits entstandenem Aufwand,
würde zu reinen Mitnahmeeffekten führen und keine zusätzlichen Anreize in die Durchführung von Forschung
und Entwicklung setzen.
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ISSN 0722-8333]
Relationen
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