Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
Text
Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
[Bundesrat Drucksache 474/25
11.09.25
Fz - AIS - R - U - Wi
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
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ISSN 0720-2946
Gesetzentwurf
der Bundesregierung
B
R
Fu
ss
Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
A. Problem und Ziel
Steuerpolitik ist eine zentrale Stellschraube für einen attraktiven und wettbewerbsfähigen
Wirtschaftsstandort und ein soziales Miteinander. Um Wohlstand und Arbeitsplätze
langfristig zu sichern, entlastet die Bundesregierung Unternehmen sowie Bürgerinnen und
Bürger und erhöht die räumliche Flexibilität. Auch bürgerschaftliches Engagement stärkt
das Fundament unserer Gesellschaft.
Daneben ergibt sich in verschiedenen Bereichen des deutschen Steuerrechts fachlich
gebotener Gesetzgebungsbedarf.
Ein weiteres Ziel des Gesetzentwurfs ist es, die gesetzlichen Haftungsprivilegien des
Vereinsrechts für ehrenamtlich Tätige auszuweiten. Damit soll die gesellschaftliche
Anerkennung des Ehrenamts erhöht und es sollen mehr Ehrenamtliche für ein
Vereinsengagement gewonnen werden.
B. Lösung
Das vorliegende Gesetz enthält mehrere wichtige Einzelmaßnahmen, mit denen die
Bürgerinnen und Bürger entlastet werden und die räumliche Flexibilität erhöht wird. Daneben
enthält das Gesetz Maßnahmen, die technischen Charakter haben. Die Umsatzsteuer für
Speisen in der Gastronomie wird ab dem 1. Januar 2026 dauerhaft auf sieben Prozent
reduziert. Ziel der Maßnahme ist die wirtschaftliche Unterstützung der
Gastronomiebranche. Sowohl die Weitergabe der Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher
als auch zusätzliche Investitionen sind möglich. Die Entscheidungen sind abhängig von
Marktbedingungen und obliegen den betroffenen Unternehmen.
Durch die Anhebung der Entfernungspauschale auf 38 Cent wird die Entlastung für
Fernpendlerinnen und Fernpendler verstetigt. Aus Gründen der Gleichbehandlung wird
nunmehr ab dem ersten Entfernungskilometer 38 Cent für alle Steuerpflichtigen gewährt.
Gleiches gilt auch für diejenigen Steuerpflichtigen, bei denen eine beruflich veranlasste
doppelte Haushaltsführung anzuerkennen ist.
Mit der Aufhebung der zeitlichen Befristung der Mobilitätsprämie erhalten Steuerpflichtige
mit geringeren Einkünften auch nach 2026 weiterhin die Mobilitätsprämie.
Fristablauf: 23.10.25
besonders eilbedürftige Vorlage gemäß Artikel 76 Absatz 2 Satz 4 GG
Die Umsatzsteuer für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit Ausnahme der
Abgabe von Getränken, wird ab dem 1. Januar 2026 dauerhaft auf sieben Prozent
reduziert. Ziel der Maßnahme ist die wirtschaftliche Unterstützung der Gastronomiebranche.
Außerdem sollen Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden.
Die elektronische Bescheidbekanntgabe über die Nichtweiterleitung eines Antrages auf
Vorsteuer-Vergütung durch das BZSt wird im Hinblick auf § 122a AO in der ab
1. Januar 2026 geltenden Fassung als Regelfall ausgestaltet, indem das derzeitige
Zustimmungserfordernis des inländischen Unternehmers abgeschafft wird.
Darüber hinaus werden Rechtsgrundlagen zur Umsetzung der Zentralen Zollabwicklung in
Bezug auf die Einfuhrumsatzsteuer geschaffen.
Die Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung im Rahmen der
Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau nach § 7b EStG und der Forschungszulage
dient der Umsetzung der Vorgaben aus der neu gefassten De-minimis-Verordnung und
damit der Schaffung von Rechtsklarheit und Rechtssicherheit.
Daneben werden eine Reihe der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Änderungen zum
Gemeinnützigkeitsrecht umgesetzt. Damit werden Anreize geschaffen, sich stärker
bürgerschaftlich zu engagieren und einige Maßnahmen bringen insbesondere
Vereinfachungen für Steuerpflichtige und Verwaltung.
Das Gesetz enthält somit folgende steuerrechtliche Maßnahmen:
Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung bei der
Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau (§ 7b Absatz 5 EStG)
Anhebung der Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und
Arbeitsstätte sowie Entfristung der Mobilitätsprämie (§ 9 Absatz 1 Satz 3 und § 101
Satz 1 EStG)
Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung bei der
Forschungszulage (§ 9 Absatz 5 FZulG)
Reduzierung der Umsatzsteuer für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen,
mit Ausnahme der Abgabe von Getränken, auf sieben Prozent (§ 12 Absatz 2
Nummer 15 UStG)
Bekanntgabe eines Bescheides durch Bereitstellung zum Datenabruf (§ 18g
Satz 5 UStG)
Sonderregelung bei der Nutzung der zentralen
Zollabwicklung - CCI - (§ 21b - neu - UStG)
Regelungen zur Gemeinnützigkeit:
Anhebung der Freigrenze für den steuerpflichtigen wirtschaftlichen
Geschäftsbetrieb auf 50 000 Euro (§ 64 Absatz 3 Satz 1 AO)
Anhebung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale auf 3 300 Euro bzw.
960 Euro (§ 3 Nummer 26, 26a EStG)
Anhebung der Freigrenze bei der Pflicht zur zeitnahen Mittelverwendung
auf 100 000 Euro (§ 55 Absatz 1 Nummer 5 Satz 4 AO)
Verzicht auf eine Sphärenzuordnung von Einnahmen, bei Körperschaften
mit Einnahmen unter 50 000 Euro (§ 64 Absatz 3 Satz 2 AO)
E-Sport wird nun als gemeinnützig behandelt (§ 52 Absatz 2 Satz 1
Nummer 21 AO)
Photovoltaikanlagen als steuerlich unschädliche Betätigung bei der
Gemeinnützigkeit (§ 58 Nummer 11 AO)
Außerdem wird die Vergütungsgrenze für Haftungsbeschränkungen und
Freistellungsansprüche für Organmitglieder von Vereinen, besondere Vertreter sowie für
Vereinsmitglieder in § 31a Absatz 1 Satz 1 und § 31b Absatz 1 Satz 1 BGB auf jährlich 3 300 Euro
angehoben. Damit soll das persönliche Haftungsrisiko im Vereinsrecht weiter gemindert
werden, um zu verhindern, dass sich Interessierte wegen potenzieller Haftungsrisiken
gegen ein ehrenamtliches Vereinsengagement entscheiden. Die Vereinslandschaft in
Deutschland soll damit gestärkt werden.
C. Alternativen
Keine. Die im Einzelnen geprüften Alternativen sind aus der Tabelle im Allgemeinen Teil
der Begründung ersichtlich.
D. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
(Steuermehr- und -mindereinnahmen (–) in Mio. Euro)
Gebietskörperschaft
volle Jahreswirkung1)
2026 2027 2028 2029 2030
Insgesamt - 4 780 - 5 660 - 5 795 - 5 935 - 6 080
Bund - 2 410 - 2 801 - 2 870 - 2 944 - 3 018
Länder - 2 124 - 2 496 - 2 557 - 2 618 - 2 683
Gemeinden - 246 - 363 - 368 - 373 - 379
Kassenjahr
2026 2027 2028 2029 2030
Insgesamt - 3 100 - 4 675 - 5 605 - 5 890 - 6 030
Bund - 1 635 - 2 375 - 2 787 - 2 921 - 2 995
Länder - 1 399 - 2 083 - 2 477 - 2 599 - 2 660
Gemeinden - 66 - 217 - 341 - 370 - 375
1) Wirkung im Veranlagungsjahr
Die in § 3 Nummer 26 und 26a EStG genannten steuerfreien Einnahmen gelten nach § 14
Absatz 1 SGB IV nicht als Arbeitsentgelt. Die Anhebung der Pauschalen hat
Auswirkungen auf das Beitragsaufkommen der Sozialversicherungen. Den Sozialversicherungen
können bei der Beitragserhebung insgesamt Mindereinnahmen in einer Größenordnung
von rund 40 Mio. Euro jährlich entstehen.
Der Nachvollzug der weitergehenden Freistellungen in § 3 Nummer 26 und 26a EStG im
Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende verursachen Mehrausgaben von
schätzungsweise 12 Mio. Euro für Bund und Kommunen. Der Nachvollzug im Bereich der
Sozialhilfe und des Asylbewerberleistungsgesetzes führt nicht zwangsläufig zu
Mehrausgaben bei Bund, Länder und Kommunen.
E. Erfüllungsaufwand
E.1 Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger
Für die Bürgerinnen und Bürger reduziert sich der Erfüllungsaufwand um 15 000 Stunden.
E.2 Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft
Veränderung des jährlichen Erfüllungsaufwands (in Tsd. Euro): -11 384
davon Bürokratiekosten aus Informationspflichten (in Tsd. Euro): 0
Einmaliger Erfüllungsaufwand (in Tsd. Euro): 764,0
davon durch Einführung oder Anpassung digitaler Prozessabläufe
(in Tsd. Euro):
davon Sonstiges (in Tsd. Euro): 764,0
Der laufende Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft unterliegt der „One in, one out“-
Regelung (Kabinettbeschluss vom 25. März 2015). Da es sich dabei im Saldo um ein
„Out“ in Höhe von rund 11,4 Mio Euro handelt, steht die Summe als
Kompensationsvolumen für Regelungsvorhaben des Bundesministeriums der Finanzen zur Verfügung.
E.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung
Veränderung des jährlichen Erfüllungsaufwands (in Tsd. Euro): -1 727,3
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro): 0
davon Sozialversicherung (in Tsd. Euro): 0
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro): -1 727,3
Einmaliger Erfüllungsaufwand (in Tsd. Euro): 126,0
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro): 76,6
davon Sozialversicherung (in Tsd. Euro): 0
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro): 49,4
davon auf kommunaler Ebene (in Tsd. Euro) 0
Hinsichtlich der weiteren Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand der Verwaltung wird
auf die ausführlichen Darstellungen im Allgemeinen Teil der Begründung verwiesen.
Durch die Änderungen entsteht in den Ländern ein einmaliger automationstechnischer
Umstellungsaufwand. Die Höhe des Aufwands ist von hier aus nicht quantifizierbar.
F. Weitere Kosten
Der Wirtschaft, einschließlich mittelständischer Unternehmen, entstehen keine direkten
sonstigen Kosten.
Den Vereinen können Kosten durch eine Ausweitung des haftungsprivilegierten
Personenkreises durch die Änderung des BGB entstehen. Diese Mehrkosten sind insgesamt als
geringfügig zu beurteilen.
Auswirkungen auf Einzelpreise und das Preisniveau, insbesondere auf das
Verbraucherpreisniveau, sind nicht zu erwarten.
Bundesrat Drucksache 474/25
11.09.25
Fz - AIS - R - U - Wi
Gesetzentwurf
der Bundesregierung
B
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Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
Bundesrepublik Deutschland Berlin, 11. September 2025
Der Bundeskanzler
An die
Präsidentin des Bundesrates
Frau Ministerpräsidentin
Anke Rehlinger
Sehr geehrte Frau Bundesratspräsidentin,
hiermit übersende ich gemäß Artikel 76 Absatz 2 Satz 4 des Grundgesetzes den
von der Bundesregierung beschlossenen
Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
mit Begründung und Vorblatt.
Der Gesetzentwurf ist besonders eilbedürftig, weil das Gesetzgebungsverfahren
noch in diesem Jahr abgeschlossen werden muss. Mit dem Gesetz soll
insbesondere die Umsatzsteuer für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit
Ausnahme der Abgabe von Getränken, ab dem 1. Januar 2026 dauerhaft auf sieben
Prozent reduziert werden.
Fristablauf: 23.10.25
besonders eilbedürftige Vorlage gemäß Artikel 76 Absatz 2 Satz 4 GG
Federführend ist das Bundesministerium der Finanzen.
Die Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates gemäß § 6 Absatz 1
NKRG ist als Anlage beigefügt.
Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Merz
Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
Vom ...
Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz
beschlossen:
Inhaltsübersicht
Artikel 1 Änderung des Einkommensteuergesetzes
Artikel 2 Weitere Änderung des Einkommensteuergesetzes
Artikel 3 Änderung des Forschungszulagengesetzes
Artikel 4 Änderung des Umsatzsteuergesetzes
Artikel 5 Änderung der Abgabenordnung
Artikel 6 Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs
Artikel 7 Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch
Artikel 8 Änderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch
Artikel 9 Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes
Artikel 10 Änderung der Verordnung über die ehrenamtliche Betätigung von Arbeitslosen
Artikel 11 Inkrafttreten
Artikel 1
Änderung des Einkommensteuergesetzes
Das Einkommensteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Oktober
2009 (BGBl. I S. 3366, 3862), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 14. Juli 2025
(BGBl. 2025 I Nr. 161) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
1. § 3 wird wie folgt geändert:
a) Nummer 26 Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger,
mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) als
Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen
Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der
nebenberuflichen Pflege alter, kranker Menschen oder Menschen mit Behinderungen im Dienst
oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem
Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über
den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder in der Schweiz
belegen ist, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes
fallenden Einrichtung bis zur Höhe von insgesamt 3 000 Euro im Jahr.“
b) Nummer 26a Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger,
mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) im Dienst
oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem
Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über
den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder in der Schweiz
belegen ist, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes
fallenden Einrichtung bis zur Höhe von insgesamt 840 Euro im Jahr.“
2. § 7b Absatz 5 wird durch den folgenden Absatz 5 ersetzt:
„(5) Die Sonderabschreibungen nach Absatz 1 werden nur gewährt, soweit die
Voraussetzungen der Verordnung (EU) 2023/2831 eingehalten sind und dies durch den
Anspruchsberechtigten in geeigneter Weise nachgewiesen wird. Satz 1 ist auf
Sonderabschreibungen für neue Wohnungen, die aufgrund eines nach dem 31.
Dezember 2022 und vor dem 1. Oktober 2029 gestellten Bauantrags oder einer in diesem
Zeitraum getätigten Bauanzeige hergestellt werden, nur bei Anspruchsberechtigten mit
Einkünften im Sinne der §§ 13, 15 und 18 anzuwenden.“
3. § 52 Absatz 4 Satz 10 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„§ 3 Nummer 26 und 26a in der Fassung des Artikels 1 des Gesetzes vom ... (BGBl I.
S. ...) [einsetzen: Datum und Fundstelle des vorliegenden Änderungsgesetzes] ist in
allen offenen Fällen anzuwenden.“
Artikel 2
Weitere Änderung des Einkommensteuergesetzes
Das Einkommensteuergesetz, das zuletzt durch Artikel 1 dieses Gesetzes geändert
worden ist, wird wie folgt geändert:
1. § 3 wird wie folgt geändert:
a) Nummer 26 Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger,
mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) als
Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen
Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der
nebenberuflichen Pflege alter, kranker Menschen oder Menschen mit Behinderungen im Dienst
oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem
Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über
den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder in der Schweiz
belegen ist, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes
fallenden Einrichtung bis zur Höhe von insgesamt 3 300 Euro im Jahr.“
b) Nummer 26a Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger,
mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) im Dienst
oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die in einem
Mitgliedstaat der Europäischen Union, in einem Staat, auf den das Abkommen über
den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, oder in der Schweiz
belegen ist, oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes
fallenden Einrichtung bis zur Höhe von insgesamt 960 Euro im Jahr.“
2. § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 wird wie folgt geändert:
a) In Satz 3 wird die Angabe „sinngemäß.“ durch die Angabe „sinngemäß;“ ersetzt.
b) Satz 4 wird gestrichen.
3. § 9 Absatz 1 Satz 3 wird wie folgt geändert:
a) Nummer 4 wird wie folgt geändert:
aa) In Satz 2 wird die Angabe „0,30 Euro“ durch die Angabe „0,38 Euro“ ersetzt.
bb) Satz 8 wird gestrichen.
b) Nummer 5 wird wie folgt geändert:
aa) In Satz 6 wird die Angabe „0,30 Euro“ durch die Angabe „0,38 Euro“ ersetzt.
bb) Satz 9 wird gestrichen.
4. § 101 Satz 1 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Steuerpflichtige können neben der Berücksichtigung der Entfernungspauschalen ab
dem 21. vollen Entfernungskilometer gemäß § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 Satz 2,
Nummer 5 Satz 6 und § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 2 als Werbungskosten oder
Betriebsausgaben eine Mobilitätsprämie beanspruchen.“
Artikel 3
Änderung des Forschungszulagengesetzes
Das Forschungszulagengesetz vom 14. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2763), das zuletzt
durch Artikel 3 des Gesetzes vom 14. Juli 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 161) geändert worden ist,
wird wie folgt geändert:
§ 9 Absatz 5 wird durch den folgenden Absatz 5 ersetzt:
„(5) Die Forschungszulage kann für den Teil der Bemessungsgrundlage, der auf
Aufwendungen im Sinne des § 3 Absatz 3 Satz 1 und 2 entfällt, nur gewährt werden, soweit
die Voraussetzungen der Verordnung (EU) 2023/2831 eingehalten sind und dies durch den
Anspruchsberechtigten in geeigneter Weise nachgewiesen wird.“
Artikel 4
Änderung des Umsatzsteuergesetzes
Das Umsatzsteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Februar 2005
(BGBl. I S. 386), das zuletzt durch Artikel 27 des Gesetzes vom 2. Dezember 2024 (BGBl.
2024 I Nr. 387) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
1. In der Inhaltsübersicht wird nach der Angabe zu § 21a die folgende Angabe eingefügt:
„§ 21b Sonderregelungen bei der Nutzung der zentralen Zollabwicklung nach Artikel 179 des Zollkodex der Union“.
2. § 12 Absatz 2 Nummer 15 wird durch die folgende Nummer 15 ersetzt:
„15. die Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit Ausnahme der Abgabe
von Getränken.“
3. § 18g Satz 5 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Abweichend von § 122a Absatz 2 der Abgabenordnung kann das Bundeszentralamt
für Steuern nur zur Vermeidung von unbilligen Härten einem Antrag auf einmalige
postalischer Bekanntgabe nach § 122a Absatz 2 der Abgabenordnung entsprechen und
den Bescheid, bis zum Widerruf des Antrags, postalisch bekannt geben.“
4. Nach § 21a wird der folgende § 21b eingefügt:
„§ 21b
Sonderregelungen bei der Nutzung der zentralen Zollabwicklung nach Artikel 179 des
Zollkodex der Union
(1) Bei der Nutzung der Zentralen Zollabwicklung nach Artikel 179 des Zollkodex
der Union, bei der eine Zollanmeldung für Gegenstände, die im Inland gestellt werden,
bei der Zollbehörde eines anderen Mitgliedstaats der Europäischen Union abgegeben
wird, entsteht die Einfuhrumsatzsteuer am Ort der Gestellung. Für Gegenstände, für
die nach zollrechtlichen Vorschriften eine Befreiung von der Gestellungspflicht
vorsehen ist, entsteht die Einfuhrumsatzsteuer an dem Ort, an dem sich die Gegenstände
zum Zeitpunkt der Annahme der Zollanmeldung im Inland befinden.
(2) Die Festsetzung und Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer erfolgt in den Fällen
nach Absatz 1 durch das jeweils zuständige Hauptzollamt im Inland.
(3) Die Zollanmeldung, die nach Artikel 179 Absatz 1 des Zollkodex der Union bei
einer Zollbehörde eines anderen Mitgliedstaats der Europäischen Union abgegeben
wird, wirkt als Steuererklärung, wenn sie
1. der zuständigen Zollbehörde im Inland übermittelt und in bearbeitbarer Weise
erfasst wurde,
2. alle für die Festsetzung der Einfuhrumsatzsteuer maßgeblichen Angaben enthält
und
3. dem Zollanmelder oder seinem Vertreter oder, soweit zulässig, einem Dritten
entsprechend Artikel 109 Absatz 2 des Zollkodex der Union für Zwecke der
Einfuhrumsatzsteuer im Inland ein Zahlungsaufschub entsprechend Artikel 110
Buchstabe b oder Buchstabe c des Zollkodex der Union bewilligt und die dafür
erforderlichen Daten jeweils in der Zollanmeldung angegeben sind.
Dies gilt für eine Änderung der Zollanmeldung entsprechend, die gegenüber der
Zollbehörde des anderen Mitgliedstaats, in dem die Zollanmeldung abgegeben worden ist,
erklärt wird. Anderenfalls ist eine Steuererklärung, die alle für die Festsetzung der
Einfuhrumsatzsteuer maßgeblichen Angaben enthält, bei der zuständigen Zollstelle im
Inland abzugeben.
(4) Der Steuerbescheid ist auf elektronischem Wege zu erteilen oder durch
Bereitstellung zum Datenabruf nach § 122a der Abgabenordnung bekannt zu geben. Der
oder die Beteiligte muss den Empfang des Steuerbescheids über einen durch die
Zollverwaltung für die elektronische Datenübermittlung vorgesehenen Zugang
sicherstellen.“
Artikel 5
Änderung der Abgabenordnung
Die Abgabenordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. Januar 2025
(BGBl. 2025 I Nr. 24) wird wie folgt geändert:
1. § 52 Absatz 2 Satz 1 Nummer 21 wird durch die folgende Nummer 21 ersetzt:
„21. die Förderung des Sports (Schach gilt als Sport und E-Sport gilt für diese
Regelung als Sport);“.
2. § 55 Absatz 1 Nummer 5 Satz 4 wird durch den folgenden Satz ersetzt:
„Satz 1 gilt nicht für Körperschaften mit jährlichen Einnahmen von nicht mehr als
100 000 Euro.“
3. § 58 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 10 Satz 2 wird die Angabe „Nummer 3.“ durch die Angabe
„Nummer 3,“ ersetzt.
b) Nach Nummer 10 wird die folgende Nummer 11 eingefügt:
„11. eine Körperschaft Mittel für die Errichtung und den Betrieb von
Photovoltaikanlagen und anderen Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz
verwendet, soweit es sich dabei nicht um den Hauptzweck der Körperschaft
handelt.“
4. § 64 Absatz 3 wird durch den folgenden Absatz 3 ersetzt:
„(3) Übersteigen die Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer aus wirtschaftlichen
Geschäftsbetrieben, die keine Zweckbetriebe sind, insgesamt nicht 50 000 Euro im
Jahr, so unterliegen die diesen Geschäftsbetrieben zuzuordnenden
Besteuerungsgrundlagen nicht der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer. Falls die Einnahmen
aus sämtlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben (§ 14), die Gewinne erzielen, die
Grenze nach Satz 1 nicht überschreiten, ist damit eine Prüfung, ob die
Voraussetzungen der §§ 65 bis 68 vorliegen, nicht mehr erforderlich.“
Artikel 6
Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs
Das Bürgerliche Gesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. Januar 2002
(BGBl. I S. 42, 2909; 2003 I S. 738), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Juli
2025 (BGBl. 2025 I Nr. 163) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
In § 31a Absatz 1 Satz 1 und § 31b Absatz 1 Satz 1 wird jeweils die Angabe „840 Euro“
durch die Angabe „3 300 Euro“ ersetzt.
Artikel 7
Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch
Das Zweite Buch Sozialgesetzbuch – Bürgergeld, Grundsicherung für Arbeitsuchende
– in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. Mai 2011 (BGBl. I S. 850, 2094), das zuletzt
durch Artikel 2 des Gesetzes vom 24. Februar 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 57) geändert worden
ist, wird wie folgt geändert:
§ 11a Absatz 1 Nummer 5 wird durch die folgende Nummer 5 ersetzt:
„5. Aufwandsentschädigungen oder Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten, die
nach § 3 Nummer 12, Nummer 26 oder Nummer 26a des Einkommensteuergesetzes
steuerfrei sind, bis zur Höhe des in § 3 Nummer 26 des Einkommensteuergesetzes
genannten Betrags,“.
Artikel 8
Änderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch
Das Zwölfte Buch Sozialgesetzbuch - Sozialhilfe - (Artikel 1 des Gesetzes vom 27.
Dezember 2003, BGBl I S. 3022), das zuletzt durch Artikel 8 Absatz 1 des Gesetzes vom
23. Dezember 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 449) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
§ 82 Absatz 1 Satz 2 Nummer 8 wird durch die folgende Nummer 8 ersetzt:
„8. Aufwandsentschädigungen oder Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten, die
nach § 3 Nummer 12, Nummer 26 oder Nummer 26a des Einkommensteuergesetzes
steuerfrei sind, kalenderjährlich bis zur Höhe des in § 3 Nummer 26 des
Einkommensteuergesetzes genannten Betrags,“.
Artikel 9
Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes
Das Asylbewerberleistungsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 5. August
1997 (BGBl. I S. 2022), das zuletzt durch Artikel 8 Absatz 3 des Gesetzes vom 23.
Dezember 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 449) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
In § 7 Absatz 3 Satz 2 und 4 wird jeweils die Angabe „250 Euro“ durch die Angabe „einem
Zwölftel des in § 3 Nummer 26 des Einkommensteuergesetzes genannten Betrags“ ersetzt.
Artikel 10
Änderung der Verordnung über die ehrenamtliche Betätigung von
Arbeitslosen
Die Verordnung über die ehrenamtliche Betätigung von Arbeitslosen vom 24. Mai 2002
(BGBl. I S. 1783), die zuletzt durch Artikel 46 des Gesetzes vom 21. Dezember 2020
(BGBl. I S. 3096) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
In § 1 Absatz 2 Satz 2 und 3 wird jeweils die Angabe „250 Euro“ durch die Angabe „275
Euro“ ersetzt.
Artikel 11
Inkrafttreten
(1) Dieses Gesetz tritt vorbehaltlich des Absatzes 2 am Tag nach der Verkündung in
Kraft.
(2) Die Artikel 2 und 4 bis 10 treten am 1. Januar 2026 in Kraft.
EU-Rechtsakte:
Verordnung (EU) 2023/2831 der Kommission vom 13. Dezember 2023 über die Anwendung der Artikel 107 und
108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis-Beihilfen (ABl. L, 2023/2831,
15.12.2023)
Begründung
A. Allgemeiner Teil
I. Zielsetzung und Notwendigkeit der Regelungen
Das vorliegende Gesetz enthält mehrere wichtige Einzelmaßnahmen, mit denen
Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger entlastet werden und die räumliche Flexibilität erhöht
wird. Ziel des Gesetzes ist es auch, die Vereinslandschaft in Deutschland weiter zu stärken.
Denn bürgerschaftliches Engagement stärkt das Fundament unserer Gesellschaft.
Daneben enthält das Gesetz Maßnahmen, die technischen Charakter haben.
Durch die Anhebung der Entfernungspauschale auf 38 Cent wird die Entlastung für
Fernpendlerinnen und Fernpendler verstetigt. Aus Gründen der Gleichbehandlung wird
nunmehr ab dem ersten Entfernungskilometer 38 Cent für alle Steuerpflichtigen gewährt.
Gleiches gilt auch für diejenigen Steuerpflichtigen, bei denen eine beruflich veranlasste
doppelte Haushaltsführung anzuerkennen ist.
Mit der Aufhebung der zeitlichen Befristung der Mobilitätsprämie erhalten Steuerpflichtige
mit geringeren Einkünften auch nach 2026 weiterhin die Mobilitätsprämie.
Die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie wird ab dem 1. Januar 2026 dauerhaft
auf sieben Prozent reduziert. Ziel der Maßnahme ist die wirtschaftliche Unterstützung der
Gastronomiebranche. Außerdem sollen Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden. Je
nachdem, ob und wie stark die Steuersatzreduktion an die Kunden weitergegeben wird,
können entweder die Margen der Unternehmen und damit ihre Investitionsspielräume
steigen oder die Preise für Gastronomiedienstleistungen sinken und damit die Nachfrage nach
diesen zunehmen.
Die elektronische Bescheidbekanntgabe über die Nichtweiterleitung eines Antrages auf
Vorsteuer-Vergütung durch das BZSt wird im Hinblick auf § 122a AO in der ab 1.
Januar 2026 geltenden Fassung als Regelfall ausgestaltet, indem das derzeitige
Zustimmungserfordernis des inländischen Unternehmers abgeschafft wird.
Darüber hinaus werden Rechtsgrundlagen zur Umsetzung der Zentralen Zollabwicklung in
Bezug auf die Einfuhrumsatzsteuer geschaffen.
Die Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung im Rahmen der
Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau nach § 7b EStG und der Forschungszulage dient
der Umsetzung der Vorgaben aus der neu gefassten De-minimis-Verordnung und damit der
Schaffung von Rechtsklarheit und Rechtssicherheit.
Daneben werden eine Reihe der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Änderungen zum
Gemeinnützigkeitsrecht umgesetzt. Damit werden Anreize geschaffen, sich stärker
bürgerschaftlich zu engagieren und einige Maßnahmen bringen insbesondere Vereinfachungen
für Steuerpflichtige und Verwaltung.
Das Gesetz adressiert auch die Vereinbarung des Koalitionsvertrags zur Verbesserung des
Haftungsprivilegs. Indem die gesetzlichen Haftungsprivilegien im Vereinsrecht ausgeweitet
werden, wird den ehrenamtlich Tätigen mehr gesellschaftliche Anerkennung zuteil.
II. Wesentlicher Inhalt des Entwurfs
Das Gesetz enthält somit folgende Maßnahmen:
– Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung bei der
Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau (§ 7b Absatz 5 EStG)
– Anhebung der Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
sowie Entfristung der Mobilitätsprämie (§ 9 Absatz 1 Satz 3 und § 101 Satz 1 EStG)
– Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung bei der
Forschungszulage (§ 9 Absatz 5 FZulG)
– Reduzierung der Umsatzsteuer für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit
Ausnahme der Abgabe von Getränken, auf sieben Prozent (§ 12 Absatz 2 Nummer 15
UStG)
– Bekanntgabe eines Bescheides durch Bereitstellung zum Datenabruf (§ 18g Satz 5
UStG)
– Sonderregelung bei der Nutzung der zentralen
Zollabwicklung - CCI - (§ 21b - neu - UStG)
– Regelungen zur Gemeinnützigkeit:
– Anhebung der Freigrenze für den steuerpflichtigen wirtschaftlichen
Geschäftsbetrieb auf 50 000 Euro (§ 64 Absatz 3 Satz 1 AO)
– Anhebung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale auf 3 300 Euro bzw. 960
Euro (§ 3 Nummer 26, 26a EStG)
– Anhebung der Freigrenze bei der Pflicht zur zeitnahen Mittelverwendung auf
100 000 Euro (§ 55 Absatz 1 Nummer 5 Satz 4 AO)
– Verzicht auf eine Sphärenzuordnung von Einnahmen, bei Körperschaften mit
Einnahmen unter 50 000 Euro (§ 64 Absatz 3 Satz 2 AO)
– E-Sport wird nun als gemeinnützig behandelt (§ 52 Absatz 2 Satz 1 Nummer 21
AO)
– Photovoltaikanlagen als steuerlich unschädliche Betätigung bei der
Gemeinnützigkeit (§ 58 Nummer 11 AO)
– Anhebung der Vergütungsgrenze für Haftungsbeschränkungen und
Freistellungsansprüche für Organmitglieder von Vereinen, besondere Vertreter sowie für
Vereinsmitglieder auf jährlich 3 300 Euro (§ 31a Absatz 1 Satz 1 und § 31b Absatz 1 Satz 1 BGB)
III. Exekutiver Fußabdruck
Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter sowie beauftragte Dritte haben nicht
wesentlich zum Inhalt des Gesetzentwurfs beigetragen (§ 43 Absatz 1 Nummer 13 GGO).
IV. Alternativen
Keine. Die im Einzelnen geprüften Alternativen sind aus der nachstehenden Tabelle
ersichtlich.
Vorschriften Geprüfte Alternativen Begründung
§ 7b EStG Keine Alternativen Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben.
§ 9 FZulG Keine Alternativen Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben.
§ 9 Absatz 1 Satz 3
und § 101 Satz 1
EStG
Keine Alternativen Es handelt sich um einen Auftrag im
Koalitionsvertrag.
Für eine Umsetzung der Anhebung der
Entfernungspauschale im Rahmen der Einführung einer
Arbeitstagepauschale wären umfangreiche
Rechtsanpassungen vorzunehmen und das
Gesamtsystem der Werbungskosten auf den Prüfstand zu
stellen; die aktuelle Anhebung schließt eine spätere
Einführung einer Arbeitstagepauschale nicht aus.
§ 31a Absatz 1
Satz 1 und § 31b
Absatz 1 Satz 1
BGB
Keine Alternativen Bei einer vollständigen Aufhebung der
Vergütungsgrenze dürften bei höheren Vergütungen im
Regelfall vorrangig eigene Erwerbsinteressen
wahrgenommen werden, weshalb es gerechtfertigt
erscheint, dass in diesen Fällen die dem jeweiligen
Rechtsverhältnis zugrundeliegenden
Haftungsregelungen und -beschränkungen Anwendung finden.
V. Gesetzgebungskompetenz
Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes ergibt sich für die Änderung des
Einkommensteuergesetzes (Artikel 1 und 2), des Forschungszulagengesetzes (Artikel 3) und des
Umsatzsteuergesetzes (Artikel 4) aus Artikel 105 Absatz 2 Satz 2 erste Alternative des
Grundgesetzes (GG), da das Steueraufkommen diesbezüglich dem Bund ganz oder teilweise
zusteht. Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes ergibt sich für die Änderung der
Abgabenordnung (Artikel 5) aus Artikel 108 Absatz 5 GG. Die Gesetzgebungskompetenz des
Bundes für die Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (Artikel 6) ergibt sich aus Artikel 74
Absatz 1 Nummer 1 GG (bürgerliches Recht). Für die Änderung des Zweiten Buches
Sozialgesetzbuch (Artikel 7) und des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (Artikel 8) ergibt sich
die Gesetzgebungskompetenz des Bundes aus Artikel 72 GG in Verbindung mit Artikel 74
Absatz 1 Nummer 7 GG (öffentliche Fürsorge). Für das Asylbewerberleistungsgesetz
(Artikel 9) ergibt sich die Gesetzgebungskompetenz des Bundes aus Artikel 74 Absatz 1
Nummer 4 GG (Aufenthalts-und Niederlassungsrecht der Ausländer), Artikel 74 Absatz 1
Nummer 6 GG (Angelegenheiten der Flüchtlinge und Vertriebenen) und Artikel 74 Absatz 1
Nummer 7 GG (öffentliche Fürsorge). Der Bund hat die Gesetzgebungskompetenz im
Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende, der Sozialhilfe und des
Asylbewerberleistungsgesetzes, weil die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet
und die Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse mit
einer bundesgesetzlichen Regelung erforderlich ist (Artikel 72 Absatz 2 GG). Nur durch die
Gesetzgebung des Bundes lassen sich einheitliche Lebensverhältnisse gewährleisten.
Durch eine einheitliche Bundesgesetzgebung im Bereich der öffentlichen Fürsorge wird
verhindert, dass sich innerhalb der Bundesrepublik Deutschland das Sozialgefüge
auseinanderentwickelt.
VI. Vereinbarkeit mit dem Recht der Europäischen Union und völkerrechtlichen
Verträgen
Unvereinbarkeiten mit höherrangigem Recht sind nicht zu erkennen.
VII. Gesetzesfolgen
1. Rechts- und Verwaltungsvereinfachung
Durch die dauerhafte Steuersatzsenkung für Speisen in der Gastronomie (§ 12 Absatz 2
Nummer 15 UStG) entfallen Abgrenzungsschwierigkeiten, die in der Vergangenheit daraus
resultierten, dass Lieferungen von Lebensmitteln mit wesentlichen
Dienstleistungselementen dem regulären Umsatzsteuersatz, ohne wesentliche Dienstleistungselemente jedoch
dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterlagen.
Die Bekanntgabe eines Bescheides durch Bereitstellung zum Datenabruf (§ 18g Satz 5
UStG) führt zur Verfahrensvereinfachung durch Vereinheitlichung der bestehenden
Digitalisierung.
Die Zentrale Zollabwicklung bei der Einfuhr (§ 21b UStG) zählt zu den künftigen
Vereinfachungen in der Zollabwicklung. Alle Importanmeldungen eines Unternehmens laufen in
einem zentralen überwachenden Zollamt am Sitz des Unternehmens zusammen,
unabhängig davon, an welchem Zollamt in der EU die Ware ankommt. Damit wird die
Kommunikation zwischen Unternehmen und Behörde wesentlich erleichtert. Das überwachende
Zollamt ist zentraler Ansprechpartner für alle Fragen im Zusammenhang mit der Einfuhr.
Grenzzollstellen und überwachende Zollstelle wiederum tauschen die für die Freigabe der Ware
erforderlichen Daten miteinander aus.
Mit den Regelungen zur Gemeinnützigkeit werden eine Reihe der im Koalitionsvertrag
vorgesehenen Änderungen umgesetzt, hierbei handelt es sich insbesondere durch Erhöhung
von Freibeträgen und Freigrenzen sowie von Nachweiserleichterungen um
Vereinfachungen für Steuerpflichtige und Verwaltung.
Mit der Erhöhung der Vergütungsgrenze in den §§ 31a und 31b des Bürgerlichen
Gesetzbuchs ist keine Rechts- und Verwaltungsvereinfachung verbunden.
2. Nachhaltigkeitsaspekte
Der Entwurf steht im Einklang mit der Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, indem er das
Steueraufkommen des Gesamtstaats sichert und die Indikatorenbereiche 8.2
(Staatsverschuldung – Staatsfinanzen konsolidieren, Generationengerechtigkeit schaffen), 8.3
(Wirtschaftliche Zukunftsvorsorge – Investitionsklima) und 8.4 (Wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit – Wirtschaftswachstum) unterstützt. Ehrenamt ist ein wesentlicher Faktor für das
Gelingen nachhaltiger, lebenswerter Gemeinschaften (SDG 11), für inklusive und
vertrauensstarke Institutionen (SDG 16) sowie für die zivilgesellschaftliche Partnerschaft, die im Geiste
der Agenda 2030 steht (SDG 17). Klare Haftungsprivilegien erhöhen die Rechtssicherheit
und mindern persönliche Risiken, was die Bereitschaft zur Übernahme von Leitungs- und
Verantwortungstätigkeiten steigert (SDG 16.6/16.7). Die Anhebung der Pauschalen
erleichtert die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen und stabilisiert das Angebot
gemeinnütziger Leistungen, auch in ländlichen Räumen. Die Kooperationsfähigkeit von Vereinen
mit Kommunen und weiteren Trägern wird verbessert (SDG 17.17).
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5. Weitere Kosten
Der Wirtschaft, einschließlich mittelständischer Unternehmen, entstehen keine direkten
sonstigen Kosten.
Den Vereinen entstehen durch die Änderung des BGB zusätzliche Kosten, weil sie
entweder eigene Schadensersatzansprüche gegen ihr Organ- oder Vereinsmitglied oder ihren
besonderen Vertreter verlieren oder Schadensersatz an Dritte ohne Möglichkeit des
Regresses bei dem Organ- oder Vereinsmitglied oder besonderen Vertreter leisten müssen.
Die zu erwartenden Mehrbelastungen der Vereine durch die Ausweitung des
Anwendungsbereichs der §§ 31a und 31b BGB dürften jedoch als geringfügig zu beurteilen sein. Zum
einen gibt es bereits jetzt in Vereinssatzungen weitergehende Haftungsprivilegierungen.
Zum anderen können Vereine auch nach den Grundsätzen der Arbeitnehmerhaftung
Freistellungsansprüchen ihrer Organ- oder Vereinsmitglieder oder besonderen Vertreter
ausgesetzt sein. Darüber hinaus haben viele Vereine eine private
Gruppenhaftpflichtversicherung abgeschlossen, bei der sie Regress nehmen können.
Auswirkungen auf Einzelpreise und das Preisniveau, insbesondere auf das
Verbraucherpreisniveau, sind nicht zu erwarten.
6. Weitere Gesetzesfolgen
Vorschriften Weiterer Nutzen
§ 7b Absatz 5
EStG
Schaffung von Rechtsklarheit und Rechtssicherheit. Mit der Neufassung
der De-minimis-Verordnung ist unter anderem die Berechnungssystematik
zur Einhaltung des Höchstbetrages der einem einzigen Unternehmen in
dem nach der Verordnung geltenden Betrachtungszeitraum gewährten
De-minimis-Beihilfen geändert worden. Auch wurde der Höchstbetrag
angepasst.
§ 9 Absatz 1
Satz 3 und
§ 101 Satz 1
EStG
Die Regelung verstetigt die Entlastung für Fernpendler. Aus Gründen der
Gleichmäßigkeit der
Besteuerung und der Gleichbehandlung wird die erhöhte
Entfernungspauschale ab dem ersten Entfernungskilometer für alle Steuerpflichtigen
gewährt. Zudem wird die zeitliche Befristung der Mobilitätsprämie
aufgehoben. Damit erhalten Steuerpflichtige mit geringeren Einkünften auch nach
2026 weiterhin eine Entlastung.
§ 9 FZulG Schaffung von Rechtsklarheit und Rechtssicherheit. Mit der Neufassung
der De-minimis-Verordnung ist unter anderem die Berechnungssystematik
zur Einhaltung des Höchstbetrages der einem einzigen Unternehmen in
dem nach der Verordnung geltenden Betrachtungszeitraum gewährten
De-minimis-Beihilfen geändert worden. Auch wurde der Höchstbetrag
angepasst.
Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenssituation von Frauen und Männern
sind keine Auswirkungen erkennbar, die gleichstellungspolitischen Zielen gemäß § 2 der
Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien zuwiderlaufen.
VIII. Befristung; Evaluierung
Die Regelungen sollen dauerhaft wirken, sodass eine Befristung nicht in Betracht kommt.
Wegen der nicht signifikanten Auswirkungen auf den Erfüllungsaufwand ist eine Evaluation
der Regelungen nicht erforderlich.
B. Besonderer Teil
Zu Artikel 1 (Änderung des Einkommensteuergesetzes)
Zu Nummer 1 (§ 3)
Zu Buchstabe a (§ 3 Nummer 26 Satz 1)
Folgeanpassung zur nachstehenden Änderung des § 3 Nummer 26a Satz 1 EStG. Die
Anpassung dient der Klarstellung und der einheitlichen Auslegung der in einem
Sachzusammenhang stehenden Regelungen des § 3 Nummer 26 Satz 1 und Nummer 26a Satz 1
EStG.
Zu Buchstabe b (§ 3 Nummer 26a Satz 1)
Mit der Neufassung wird klargestellt, dass die Voraussetzung der Förderung
gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) sowohl für
juristischen Person des öffentlichen Rechts als auch für Körperschaften, die unter § 5
Absatz 1 Nummer 9 KStG fallen, gelten.
Entgegen der Ausführungen des BFH im Urteil vom 8. Mai 2024 zum Aktenzeichen VIII R
9/21 bezieht sich die Voraussetzung zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke auch auf
die Tätigkeiten, die im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen
Rechts ausgeführt werden. So auch die geltende Verwaltungsauffassung nach R 3.26a
Absatz 1 EStR.
Die Vorschrift dient der Förderung des ehrenamtlichen Engagements bei der Verfolgung
gemeinnütziger Zwecke gem. § 52 ff. AO. Nur sofern die jeweilige Tätigkeit selbst auch
steuerbegünstigte Zwecke verfolgt, kann die Befreiungsvorschrift Anwendung finden.
Anderenfalls wären Tätigkeiten ohne jeglichen Bezug zu steuerbegünstigten Zwecken von der
Befreiung umfasst, sobald sie im Auftrag oder im Dienst einer juristischen Peron des
öffentlichen Rechts ausgeführt werden. Dies widerspräche dem Sinn und Zweck der Norm. Für
eine Auslegung, wonach ausschließlich Tätigkeiten zur Förderung gemeinnütziger,
mildtätiger oder kirchlicher Zwecke erfasst sind, sprechen auch Ausführungen in den
Gesetzesmaterialien zu § 3 Nummer 26 und 26a EStG (Drs. 8/3688, Seite 16; Drs. 16/5926, Seite 2
i. V. m. Drs. 16/5200 Seiten 2, 15 und 26).
Zu Nummer 2 (§ 7b Absatz 5)
Die Regelung des § 7b Absatz 5 EStG verweist bisher dynamisch auf die Verordnung
(EU) 1407/2013 der Kommission vom 18. Dezember 2013 über die Anwendung der
Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-
minimis-Beihilfen (ABl. L 352 vom 24. Dezember 2013, S. 1) (De-minimis-Verordnung) in der
jeweils geltenden Fassung. Da die De-minimis-Verordnung mit der Verordnung
(EU) 2023/2831 der Kommission vom 13. Dezember 2023 über die Anwendung der
Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-
minimis-Beihilfen (ABl. L vom 15. Dezember 2023, S. 1) gänzlich neu gefasst wurde, ist eine
Aktualisierung des Verweises auf die neue Verordnung notwendig. Zudem wurde der
Regelungstext allgemeiner gefasst und der dynamische Verweis beibehalten, um
sicherzustellen, dass im Fall von künftigen Überarbeitungen der De-minimis-Verordnung grundsätzlich
keine Änderungen des § 7b EStG notwendig werden.
Mit der Neufassung der De-minimis-Verordnung vom 13. Dezember 2023 ist unter anderem
die Berechnungssystematik zur Einhaltung des Höchstbetrages der einem einzigen
Unternehmen in dem nach der Verordnung geltenden Betrachtungszeitraum gewährten De-
minimis-Beihilfen geändert worden. Für die Überprüfung der Einhaltung des
beihilferechtlichen Höchstbetrages ist nach Artikel 3 Absatz 2 der De-minimis-Verordnung nunmehr ein
Zeitraum von drei Jahren vor Gewährung der jeweiligen Beihilfe taggenau zu betrachten.
Ab dem 1. Januar 2026 ist es zudem verpflichtend die gewährten Beihilfen in einem
zentralen Register zu erfassen. Die Eintragung hat nach Artikel 6 Absatz 2 der De-minimis-
Verordnung innerhalb von 20 Arbeitstagen nach Gewährung der Beihilfe zu erfolgen. Zur
Sicherstellung der fristwahrenden und einheitlichen Erfassung gewährter De-minimis-
Beihilfen wird für die Bestimmung des Gewährungszeitpunktes zu beihilferechtlichen Zwecken
künftig auf den Zeitpunkt der Steuerfestsetzung abgestellt.
Die bisher in § 7b Absatz 5 EStG enthaltenen konkreten Nachweiserfordernisse zur
Einhaltung beihilferechtlicher Voraussetzungen sind daher überholt. Einzelheiten sollen künftig
ausschließlich untergesetzlich geregelt werden.
Zu Nummer 3 (§ 52 Absatz 4 Satz 10)
Die Änderung des § 3 Nummer 26 Satz 1 und des § 3 Nummer 26a Satz 1 EStG ist in allen
offenen Fällen anzuwenden. Allein aufgrund des erstmals ergangenen Urteils des BFH zu
einer bestimmten Auslegungsfrage zu § 3 Nummer 26a Satz 1 EStG und mangels
Vorliegens weiterer qualifizierender Umstände (vgl. BVerfG Beschluss vom 25.03.2021- 2 BvL
1/11), kann kein Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Fortbestand des im BFH
Urteil erstmals zu § 3 Nummer 26a Satz 1 EStG niedergelegten Normverständnisses
entstanden sein. Die rückwirkende Anwendung auf alle offenen Fälle ist daher gerechtfertigt.
Zu Artikel 2 (Weitere Änderung des Einkommensteuergesetzes)
Zu Nummer 1 (§ 3)
Zu Buchstabe a (§ 3 Nummer 26 Satz 1)
Ehrenamtliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern unseres Staates verdient große
Anerkennung. Es leistet einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Da der
ehrenamtliche Einsatz auch mit Kosten verbunden sein kann, nimmt das Steuerrecht auf die Belange
ehrenamtlich Engagierter in besonderer Weise Rücksicht und erhebt auf Einnahmen
ehrenamtlich Engagierter bis zu einem Freibetrag keine Steuern.
Zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements wird der Übungsleiterfreibetrag – der
zuletzt zum 1. Januar 2021 angehoben wurde – von 3 000 Euro auf 3 300 Euro angehoben.
Die moderate und an die Inflationsentwicklung angepasste Anhebung des Freibetrags stellt
die Steuerfreiheit von angemessenen Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche sicher
und baut die mit einer Besteuerung verbundenen Belastungen ab. Zudem wird ein Beitrag
zum Bürokratieabbau geleistet und es den gemeinnützigen Vereinen erleichtert,
ehrenamtlich Tätige für sich zu gewinnen.
Zu Buchstabe b (§ 3 Nummer 26a Satz 1)
Zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements wird neben dem Übungsleiterfreibetrag,
auch die Ehrenamtspauschale – die zuletzt zum 1. Januar 2021 angehoben wurde – von
840 Euro auf 960 Euro angehoben. Diese moderate und an die Inflationsentwicklung
angepasste Anhebung des Freibetrags stellt die Steuerfreiheit auch für ehrenamtlich Tätige
sicher, die nicht in den Anwendungsbereich der Nummer 26 fallen, sich aber gleichwohl
ehrenamtlich engagieren. Zudem wird ein Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet und es den
gemeinnützigen Vereinen erleichtert, ehrenamtlich Tätige für sich zu gewinnen.
Zu Nummer 2 (§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 3 und Satz 4 – gestrichen –)
Zu Buchstabe a (§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 3)
Es handelt sich um eine redaktionelle Folgeänderung aus der nachstehenden Streichung
des Satzes 4.
Zu Buchstabe b (§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 4 – gestrichen –)
Die Streichung wird aus rechtstechnischen Gründen infolge der Änderungen in § 9 Absatz 1
Satz 3 Nummer 4 und Nummer 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) vorgenommen.
Die bisherige Verweisung in § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 4 EStG ist insofern
obsolet.
Zu Nummer 3 (§ 9 Absatz 1 Satz 3)
Zu Buchstabe a (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4)
Zu Doppelbuchstabe aa (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 Satz 2)
Mit der Neuregelung wird eine im Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland“
zwischen CDU, CSU und SPD zur 21. Legislaturperiode im Kapitel 2.1. Haushalt, Finanzen
und Steuern (Zeile 1483ff.) vereinbarte Maßnahme umgesetzt, wonach die
Entfernungspauschale zum 1. Januar 2026 auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer erhöht werden soll.
Durch die Anhebung der Entfernungspauschale auf 38 Cent wird die mit dem Gesetz zur
Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2023 vom 21. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2886)
eingeführte und mit dem Steuerentlastungsgesetz vom 23. Mai 2022 (BGBl. I S. 749)
fortgeführte Entlastung für Fernpendlerinnen und Fernpendler verstetigt sowie aus Gründen
der Gleichmäßigkeit der Besteuerung und der Gleichbehandlung nunmehr ab dem ersten
Entfernungskilometer für alle Steuerpflichtigen gewährt.
Zu Doppelbuchstabe bb (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 Satz 8 – gestrichen –)
Satz 8 ist zu streichen, da sich durch die Erhöhung der Entfernungspauschale auf 38 Cent
ab dem ersten Entfernungskilometer eine Anwendung der bisher geltenden Pauschale von
38 Cent für Fernpendlerinnen und Fernpendler erübrigt.
Zu Buchstabe b (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5)
Zu Doppelbuchstabe aa (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 6)
Satz 6 bestimmt, dass auch für diejenigen Steuerpflichtigen, bei denen eine beruflich
veranlasste doppelte Haushaltsführung anzuerkennen ist, die Anhebung der
Entfernungspauschale auf 38 Cent entsprechend umgesetzt wird. Damit wird der bisherige Gleichlauf
steuersystematisch beibehalten.
Zu Doppelbuchstabe bb (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 9 – gestrichen –)
Satz 9 ist zu streichen, da die Erhöhung der Entfernungspauschale ab dem ersten
Kilometer der Entfernung auf 38 Cent auch für Familienheimfahrten bei einer beruflich
veranlassten doppelten Haushaltsführung gilt.
Zu Nummer 4 (§ 101 Satz 1)
Mit der Neufassung wird klargestellt, dass die zeitliche Befristung der Mobilitätsprämie
aufgehoben wird. Damit erhalten Steuerpflichtige mit geringeren Einkünften auch nach 2026
weiterhin die Mobilitätsprämie.
Zu Artikel 3 (Änderung des Forschungszulagengesetzes)
§ 9 Absatz 5
Der § 9 Absatz 5 Satz 1 verweist bisher dynamisch auf die Verordnung (EU) 1407/2013 der
Kommission vom 18. Dezember 2013 über die Anwendung der Artikel 107 und 108 des
Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis-Beihilfen (ABl. L
352 vom 24.12.2013, S. 1) (De-minimis-Verordnung) in der jeweils geltenden Fassung. Da
die De-minimis-Verordnung mit der Verordnung (EU) 2023/2831 der Kommission vom
13. Dezember 2023 über die Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die
Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis-Beihilfen (ABl. L vom 15.
Dezember 2023, S. 1) neu gefasst wurde, ist eine Aktualisierung des Verweises auf die neue
Verordnung notwendig. Zudem wurde der Regelungstext allgemeiner gefasst und der
dynamische Verweis beibehalten, um sicherzustellen, dass im Fall von künftigen Überarbeitungen
der De-minimis-Verordnung grundsätzlich keine Änderungen des
Forschungszulagengesetzes (FZulG) notwendig werden.
Mit der Neufassung der De-minimis-Verordnung vom 13. Dezember 2023 ist unter anderem
die Berechnungssystematik zur Einhaltung des Höchstbetrages der einem einzigen
Unternehmen in dem nach der Verordnung geltenden Betrachtungszeitraum gewährten De-
minimis-Beihilfen geändert worden. Für die Überprüfung der Einhaltung des
beihilferechtlichen Höchstbetrages ist nach Artikel 3 Absatz 2 der De-minimis-Verordnung nunmehr ein
Zeitraum von drei Jahren vor Gewährung der jeweiligen Beihilfe taggenau zu betrachten.
Ab dem 1. Januar 2026 ist es zudem verpflichtend die gewährten Beihilfen in einem
zentralen Register zu erfassen. Die Eintragung hat nach Artikel 6 Absatz 2 der De-minimis-
Verordnung innerhalb von 20 Arbeitstagen nach Gewährung der Beihilfe zu erfolgen. Zur
Sicherstellung der fristwahrenden und einheitlichen Erfassung gewährter De-minimis-
Beihilfen wird für die Bestimmung des Gewährungszeitpunktes zu beihilferechtlichen Zwecken
künftig auf den Zeitpunkt der Steuerfestsetzung abgestellt.
Die bisher in § 9 Absatz 5 FZulG enthaltenen konkreten Nachweiserfordernisse zur
Einhaltung beihilferechtlicher Voraussetzungen sind daher überholt. Einzelheiten sollen künftig
ausschließlich untergesetzlich geregelt werden.
Zu Artikel 4 (Änderung des Umsatzsteuergesetzes)
Zu Nummer 1 (Inhaltsübersicht zu § 21b – neu –)
Es handelt sich um eine Folgeänderung aus der Einfügung des neuen § 21b des
Umsatzsteuergesetzes (UStG).
Zu Nummer 2 (§ 12 Absatz 2 Nummer 15)
Als temporäre Krisenmaßnahme unterlagen Restaurant- und
Verpflegungsdienstleistungen, mit Ausnahme der Abgabe von Getränken, bereits vom 1. Juli 2020 bis zum 31.
Dezember 2023 dem ermäßigten Steuersatz. Seit dem 1. Januar 2024 gilt für diese
Leistungen wieder der Regelsteuersatz.
Durch die Änderung des § 12 Absatz 2 Nummer 15 UStG werden Restaurant- und
Verpflegungsdienstleistungen, mit der Ausnahme der Abgabe von Getränken, die nach dem 31.
Dezember 2025 erbracht werden, dauerhaft dem ermäßigten Umsatzsteuersatz
unterworfen.
Ziel der Maßnahme ist die wirtschaftliche Unterstützung der Gastronomiebranche.
Außerdem sollen Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, da gelieferte oder
mitgenommene Speisen bereits dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterliegen. Durch die
dauerhafte Steuersatzsenkung für Speisen in der Gastronomie entfallen zudem
Abgrenzungsschwierigkeiten (z. B. bei Cateringleistungen, bei Kita- und Schulessen oder bei der
Krankenhausverpflegung), die in der Vergangenheit daraus resultierten, dass Lieferungen von
Lebensmitteln mit wesentlichen Dienstleistungselementen dem regulären
Umsatzsteuersatz, ohne wesentliche Dienstleistungselemente jedoch dem ermäßigten Umsatzsteuersatz
unterlagen.
Zu Nummer 3 (§ 18g Satz 5)
Allgemein
§ 122a AO in der Fassung des Vierten Gesetzes zur Entlastung der Bürgerinnen und
Bürger, der Wirtschaft sowie der Verwaltung von Bürokratie (Viertes
Bürokratieentlastungsgesetz) sieht zum 1. Januar 2026 generell die Bekanntgabe von Verwaltungsakten mittels
Bereitstellung zum Datenabruf insbesondere vor, wenn ein Steuerbescheid,
Steuermessbescheid oder Feststellungsbescheid auf einer nach § 87a Absatz 6 AO elektronisch
übermittelten Steuererklärung oder Feststellungserklärung basiert und sie vom Beteiligten selbst
über ein von der Finanzverwaltung bereitgestelltes Nutzerkonto übermittelt wurde oder
durch eine Person im Sinne des § 80 Absatz 2 AO übermittelt wurde, der gegenüber der
Bescheid nach § 122 Absatz 1 Satz 4 AO bekanntzugeben ist. Eine postalische
Bekanntgabe erfolgt in diesen Fällen nur, wenn der Steuerpflichtige dies entsprechend beantragt.
Im Vorsteuer-Vergütungsverfahren werden dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)
durch im Inland ansässige Unternehmer Anträge auf Vorsteuer-Vergütung in einem
anderen Mitgliedstaat zur Weiterleitung an diesen vom Unternehmer übermittelt. Diese Anträge
werden durch das BZSt auf ihre Zulässigkeit vorgeprüft und an den Mitgliedstaat der
Erstattung über die elektronische Schnittstelle weitergeleitet, sofern der Antrag zulässig ist.
Sofern der Antrag unzulässig ist und daher nicht weitergleitet wird, erhält der Unternehmer
hierüber vom BZSt einen Bescheid. Im Hinblick auf die Bekanntgabe dieses Bescheides
soll grundsätzlich auf die nach § 122a AO geltenden Bekanntgaberegelungen abgestellt
werden. Bislang sieht § 18g Satz 5 UStG abweichend vom zukünftigen § 122a AO vor, dass
für die Bekanntgabe durch Bereitstellung zum Datenabruf die Zustimmung des
Bescheidempfängers erforderlich ist. Diese vom zukünftigen § 122a AO abweichende Regelung soll
aufgehoben werden. Im Gegensatz zum zukünftigen § 122a Absatz 2 AO soll einem Antrag
auf postalische Bekanntgabe nur dann entsprochen werden, wenn dies zur Vermeidung
unbilliger Härten erforderlich ist.
§ 18g Satz 5 UStG
Bislang war eine ausdrückliche Zustimmung zur Bekanntgabe von Verwaltungsakten durch
Bereitstellung zum Datenabruf erforderlich. Mittels Bereitstellung zum Datenabruf nach
§ 122a AO ist nunmehr bekanntzugegeben, wenn ein Steuerbescheid auf einer nach § 87a
Absatz 6 AO elektronisch übermittelten Steuererklärung beruht und sie vom Beteiligten
selbst über ein von der Finanzverwaltung bereitgestelltes Nutzerkonto übermittelt wurde.
Zur Antragsübermittlung muss der im Inland ansässige Unternehmer über ein Nutzerkonto
im Online-Portal des BZSt verfügen, so dass insoweit die Voraussetzungen für eine
Bekanntgabe durch Bereitstellung zum Datenabruf vorliegen. Bei im Inland ansässigen
Unternehmern soll eine schriftliche Bekanntgabe des Bescheides über die Nichtweiterleitung des
Antrages ab dem 1. Januar 2026, abweichend von § 122a Absatz 2 AO, nur in Härtefällen
möglich sein. Wann ein solcher Härtefall gegeben ist, hat das BZSt nach pflichtgemäßem
Ermessen unter Beachtung von § 150 Absatz 8 AO zu bestimmen.
Zu Nummer 4 (§ 21b – neu –)
§ 21b UStG ist notwendig, um die im Zollkodex der Union (UZK) vorgesehene
mitgliedstaatübergreifenden Entkoppelung des Gestellungsortes und des Orts der Abgabe der
Zollanmeldung im Umsatzsteuerrecht umzusetzen, mit der Folge, dass nicht im Inland
ansässige Unternehmer, denen die Teilnahme an der mitgliedstaatübergreifenden zentralen
Zollabwicklung gemäß Artikel 179 Absatz 1 UZK bewilligt ist und die im Inland steuerliche
Umsätze nach § 1 Absatz 1 Nummer 4 UStG erbringen, für diese Umsätze im Inland die
Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) schulden und nach inländischen Maßgaben dafür
erklärungspflichtig sind.
Zu § 21b (Sonderregelungen bei der Nutzung der zentralen Zollabwicklung nach
Artikel 179 des Zollkodex der Union)
Zu Absatz 1
Mit der Abgabe der Zollanmeldung in einem anderen Mitgliedstaat entsteht bei Nutzung der
zentralen Zollabwicklung die Einfuhrumsatzsteuer im Inland und zwar sowohl für
gestellungspflichtige, als auch gestellungsbefreite Gegenstände.
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass für einen im Inland erbrachten Umsatz
nach § 1 Absatz 1 Nummer 4 UStG die Abgabe der Zollanmeldung und damit die Erklärung
der EUSt in einem anderen Mitgliedstaat erfolgt (Artikel 179 Absatz 1 UZK). Dies gilt auch
in den Fällen, in denen eine Zollanmeldung als abgegeben gilt, wie bei der Anschreibung
in der Buchführung nach Artikel 182 UZK.
Zu Absatz 2
Die Festsetzung und Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer soll durch das nach allgemeinen
Regelungen zuständige Hauptzollamt im Inland erfolgen. Die einschlägigen Regelungen
ergeben sich aus § 23 Absatz 1 der Abgabenordnung (AO) sowie § 12 Absatz 2 des
Gesetzes über die Finanzverwaltung.
Zu Absatz 3
Die Einzelheiten der Entrichtung der Mehrwertsteuer für die Einfuhr von Gegenständen
legen nach Artikel 211 Mehrwertsteuersystemrichtlinie die Mitgliedstaaten fest. Demnach
wird hier die Nutzung des bewilligten zollrechtlichen Zahlungsaufschubs für die Entrichtung
der EUSt festgelegt. Dies folgt dem Grundsatz aus dem Zollrecht, dass, unabhängig von
der Art der Zollanmeldung, eine Ware erst dann überlassen wird, nachdem die entstandene
Zollschuld gezahlt oder eine Sicherheit geleistet wurde (Artikel 195 Absatz 1 Unterabsatz 1
UZK). Die Nutzung/Bewilligung des Zahlungsaufschubs ist aus Gründen der
Abgabensicherung auch hier verpflichtend zu machen. Ferner ist festzulegen, dass die Zollanmeldung
alle für die Festsetzung der EUSt notwendigen Daten enthält und bearbeitbar erfasst wurde.
Anderenfalls ist eine separate Steuererklärung bei der zuständigen Zollstelle im Inland
abzugeben.
Zu den maßgebliche Angaben gehören der Zoll-/Transaktionswert, der Bestimmungsort im
Zollgebiet der Union, die Warenbezeichnung und die Codenummer zur Bestimmung des
anwendbaren Steuersatzes, zusätzliche Angaben zur Gewährung vom Steuerbefreiungen
und ATLAS-Codierungen, der Tag der Zollschuldentstehung, der Steuerschuldner und die
Zahlungsart.
Zu Absatz 4
Die Bekanntgabe/Übermittlung des EUSt-Bescheides orientiert sich an dem im IT-
Verfahren ATLAS üblichen Vorgehen. Dieses umfasst die automatisierte Übermittlung einer
Bescheidnachricht an den Steuerschuldner/Zollanmelder bzw. seinen Vertreter.
Voraussetzung für die Kommunikation mit dem IT-Verfahren ATLAS ist grundsätzlich die ATLAS-
Teilnahme. Die Daten des Abgabenbescheides (u. a. Zoll- und EUSt-Betrag) werden den AT-
LAS-Teilnehmern per Bescheidnachricht übermittelt.
Eine weitere Bekanntgabe-/Zustellungsmöglichkeit ist über das Zoll-Portal möglich. Die
Bekanntgabe über das Zoll-Portal stellt eine wirksame Bekanntgabe durch Bereitstellung zum
Datenabruf dar (§ 122a AO).
Zu Artikel 5 (Änderung der Abgabenordnung)
Zu Nummer 1 (§ 52 Absatz 2 Satz 1 Nummer 21)
Die hier vorgenommene rechtliche Gleichstellung von Sport und E-Sport gilt nur für das
Gemeinnützigkeitsrecht sowie Tatbestände in anderen Rechts- oder Regelungsbereichen,
die an diese Gemeinnützigkeit anknüpfen. Eine allgemeine rechtliche Gleichsetzung von
Sport und E-Sport auch in gemeinnützigkeitsfremden Rechtsbereichen ist mit der
gemeinnützigkeitsrechtlichen Gleichstellung weder verbunden noch bezweckt, Indizwirkungen auf
andere Regelungsbereiche sind seitens des Gesetzgebers nicht intendiert.
Unter E-Sport wird der Wettkampf zwischen menschlichen Personen in Computer- und
Videospielen einschließlich mobiler und Virtual-Reality-Plattformen mit Hilfe von
Eingabegeräten (Controller, Tastatur, Maus, Touchscreen etc.) verstanden. Der Spielerfolg ist
messbar und beruht auf den motorischen sowie taktischen und/oder strategischen Fähigkeiten
der Personen und darf nicht überwiegend vom Zufall abhängen. Durch die Ausübung von
E-Sport wird unter anderem die Zusammenarbeit in einem Team sowie die
Reaktionsfähigkeit geschult, diese stellen maßgebliche Faktoren für den Erfolg dar.
Die Körperschaften sind verpflichtet, sich an die Vorgaben des Jugendschutzes zu halten.
Spiele ohne Alterskennzeichnung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) sowie
Computerspiele mit gewaltverherrlichenden Inhalten sind mit dem Grundsatz der Förderung
der Allgemeinheit nicht vereinbar. Dies gilt auch für Spiele, die in anderer Weise die Würde
des Menschen verletzen.
Ebenso wenig ist das Spielen von Online-Glücksspiel mit diesem Grundsatz vereinbar.
Wenn für den Ausgang eines Wettkampfs oder den Abschnitt eines Wettkampfs nicht
überwiegend Fähigkeiten, Kenntnisse und Aufmerksamkeit der spielenden Personen, sondern
überwiegend Zufall bestimmend ist, so handelt es sich nicht um E-Sport. Die bloße Existenz
von zufälligen Spielelementen oder zufälligen Spielfunktionen genügt nicht. Es bedarf eines
überwiegenden Einflusses solcher Elemente und Funktionen.
Körperschaften, die sich dem E-Sport widmen, können sich neben der Durchführung von
Wettbewerben oder der Teilnahme daran sowie dem Trainingsbetrieb auch der Methoden-
und Vermittlungskompetenz, Sportpsychologie, Teamkommunikation, Sozialkompetenz,
Trainingsplanung, Verletzungsprävention, Suchtprävention und weiterer Aspekte widmen,
die zu einer Verbesserung der Fähigkeiten im Wettkampf und/oder zu einem gesunden
Umgang mit dem Medium führen.
Zu Nummer 2 (§ 55 Absatz 1 Nummer 5 Satz 4)
Die Pflicht zur zeitnahen Mittelverwendung wird für steuerbegünstigte Körperschaften,
deren Einnahmen bis 100 000 Euro pro Jahr betragen, abgeschafft.
Die bisherige Freigrenze von unter 45 000 Euro pro Jahr wird dadurch deutlich erhöht.
Damit wird die Pflicht zur zeitnahen Mittelverwendung künftig für rund 90 Prozent der
steuerbegünstigten Körperschaften entfallen. Diese bürokratische Erleichterung kommt
insbesondere den kleinen und mittleren steuerbegünstigten Körperschaften zugute, die oftmals nicht
steuerlich beraten sind und die insbesondere auf ehrenamtlich tätige Personen angewiesen
sind.
Die Pflicht zur zeitnahen Mittelverwendung beinhaltet die gesetzliche Verpflichtung, Mittel
(z. B. Spenden, Beiträge, Erträge aus wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben oder der
Vermögensverwaltung) nicht dauerhaft im Vermögen der Körperschaft zu belassen, sondern
möglichst zügig für steuerbegünstigte Satzungszwecke auszugeben. Steuerbegünstigte
Körperschaften müssen die zeitnahe Mittelverwendung innerhalb ihrer Rechnungslegung
zweckmäßigerweise über eine Mittelverwendungsrechnung nachweisen. Die Abschaffung der
Zeitvorgaben für die Mittelverwendung bei kleinen und mittleren Körperschaften führt zum
Abbau bestehender Bürokratie, da eine Mittelverwendungsrechnung bei Einnahmen bis
100 000 Euro nicht mehr erforderlich ist.
Es ist davon auszugehen, dass es weiterhin im eigenen Interesse der jeweiligen
steuerbegünstigten Körperschaften liegt, ihre Mittel auch zeitnah für steuerbegünstigte Zwecke zu
verwenden. Zudem sind die Körperschaften auch angehalten, im Interesse der Spender die
eingeworbenen Mittel tatsächlich zur Förderung der steuerbegünstigten Zwecke
einzusetzen, da anderenfalls mit einem Rückgang der Spenden bei der jeweiligen Körperschaft zur
rechnen ist. Insofern bestehen bei den steuerbegünstigten Körperschaften auch ohne die
starre gesetzliche Pflicht zur Verwendung der Mittel innerhalb von zwei Jahren extrinsische
und intrinsische Faktoren, die auch zukünftig eine zeitnahe Mittelverwendung faktisch
sicherstellen.
Schließlich stellen auch die allgemeinen gemeinnützigkeitsrechtlichen Grundsätze –
insbesondere der Grundsatz der Ausschließlichkeit nach § 56 AO – sicher, dass es auch
zukünftig trotz der deutlich erhöhten Freigrenze in Extremfällen nicht zu ungerechtfertigten
Mittelansammlungen kommt.
Zu Nummer 3 (§ 58)
Zu Buchstabe a (§ 58 Nummer 10 Satz 2)
§ 58 Nummer 10 Satz 2 AO wird redaktionell an die neu eingefügte Nummer 11 angepasst.
Zu Buchstabe b (§ 58 Nummer 11 – neu –)
In Anbetracht der großen Gefahren, die ein immer weiter voranschreitender Klimawandel
etwa durch Hitzewellen, Überschwemmungen oder Wirbelstürme mit sich bringt, dient der
Ausbau der erneuerbaren Energien sowohl dem Schutz von Leben und Gesundheit der
heute lebenden Menschen als auch künftiger Generationen. Die Installation von
Photovoltaikanlagen kann zur Beschleunigung der Energiewende und des Ausbaus der
erneuerbaren Energien einen erheblichen Beitrag leisten. Aus diesem Grund muss die Anschaffung
und der Betrieb von Photovoltaikanlagen möglichst geringen bürokratischen Hürden
begegnen.
Die Regelung in § 58 Nummer 11 – neu – AO trägt dem in § 1 Absatz 1 Erneuerbare-
Energien-Gesetz (EEG 2023) zum Ausdruck gebrachten Ziel, im Interesse des Klima- und
Umweltschutzes die Transformation zu einer nachhaltigen und treibhausgasneutralen
Stromversorgung zu fördern, nachhaltig Rechnung. Sie vermeidet zusätzliche Bürokratielasten
sowohl für betroffene gemeinnützige Körperschaften als auch für die Finanzverwaltung.
Die Regelung ist als Ausnahmeregelung zu § 55 Absatz 1 Nummer 1 Satz 1 AO
(satzungsgemäße Mittelverwendung als Voraussetzung der Selbstlosigkeit) konzipiert. Der
Tatbestand verzichtet auf eine Höchstbetragsgrenze, d. h. insbesondere auf eine Bezugnahme
auf § 3 Nummer 72 EStG. Ausdrücklich wird die Regelung auch auf den Einsatz aller
erneuerbarer Energien erstreckt. Es gilt die Legaldefinition des § 3 Nummer 21 EEG 2023:
a) Wasserkraft einschließlich der Wellen-, Gezeiten-, Salzgradienten- und
Strömungsenergie,
b) Windenergie,
c) solare Strahlungsenergie,
d) Geothermie,
e) Energie aus Biomasse einschließlich Biogas, Biomethan, Deponiegas und Klärgas
sowie aus dem biologisch abbaubaren Anteil von Abfällen aus Haushalten und
Industrie.
Die Einspeisung von nicht selbst verbrauchtem Strom begründet wie bisher unter den
allgemeinen Voraussetzungen einen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb,
wenn die Einnahmen aus allen steuerpflichtigen Tätigkeiten die Besteuerungsgrenze nach
§ 64 Absatz 3 AO übersteigen. Diese Rechtsfolge ist aus Gründen der
Wettbewerbsneutralität gegenüber nicht gemeinnützigen Anbietern als tragender steuersystematischer
Grundsatz geboten. Dazu dient auch die ausdrückliche Einschränkung, wonach nur der
Betrieb der Photovoltaikanlage nicht den Hauptzweck der Körperschaft darstellen darf.
Durch die Neuregelung ist sowohl der Einsatz von Mitteln zum Bau und zum Betrieb als
auch zur Abdeckung der möglicherweise unvermeidlichen dauerhaften Verluste
unschädlich für die Gemeinnützigkeit der Körperschaft. Dies rechtfertigt sich daraus, dass die
Anlagen regelmäßig überwiegend der Produktion von selbstverbrauchtem Strom dienen und die
Einspeisung von Reststrom in das öffentliche Netz unvermeidlich und umweltpolitisch
gewollt ist (§ 1 EEG 2023).
Sollten Gewinne aus der Photovoltaikanlage erzielt werden, sind diese grundsätzlich
steuerpflichtig. Jedoch können besondere Steuerbefreiungen, insbesondere § 3 Nummer 72
EStG, in Betracht kommen.
Zu Nummer 4 (§ 64 Absatz 3)
Zu Satz 1
Übersteigen die Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer aus wirtschaftlichen
Geschäftsbetrieben, die nicht Zweckbetriebe sind, insgesamt nicht 50 000 Euro im Jahr, werden – aus
Vereinfachungsgründen – Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer nicht erhoben, um so
kleinere steuerbegünstigte Körperschaften bürokratisch zu entlasten. Steuerpflichtige
wirtschaftliche Geschäftsbetriebe, die von steuerbegünstigten Körperschaften neben ihrer
ideellen Tätigkeit unterhalten werden und die lediglich geringe Umsätze erwirtschaften,
werden mit ihren Gewinnen von einer Körperschaft- und Gewerbesteuerbelastung freigestellt.
Zur Vereinfachung und zur weiteren Entlastung von bürokratischem Aufwand wird die
Freigrenze von 45 000 Euro auf 50 000 Euro erhöht. Insbesondere sollen wirtschaftliche
Aktivitäten in einem geringen Umfang, wie beispielsweise die Durchführung von Vereinsfesten,
nicht automatisch dazu führen, dass von den Körperschaften zwingend eine Anlage EÜR
abgegeben werden muss.
Unabhängig von dieser Vereinfachungsregelung besteht für jede gemeinnützige
Organisation die Pflicht nach § 55 Absatz 1 Nummer 1 Satz 1 AO auch die durch wirtschaftliche
Geschäftsbetriebe erwirtschafteten Mittel für ihre gemeinnützigen Zwecke zu verwenden.
Die Erhöhung der Freigrenze auf insgesamt 50 000 Euro stärkt und unterstützt zudem auch
die Mittelbeschaffung kleinerer Körperschaften, die ehrenamtlich geführt werden.
Zu Satz 2
Durch die Neuregelung wird klargestellt, dass steuerbegünstigte Körperschaften, die
insgesamt aus wirtschaftlichen Tätigkeiten – dies umfasst steuerpflichtige wirtschaftliche
Geschäftsbetriebe und Zweckbetriebe nach §§ 65 bis 68 AO – weniger als 50 000 Euro
Einnahmen erzielen, keine Abgrenzung und Aufteilung dahingehend vornehmen müssen, ob
diese Einnahmen dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oder einem
Zweckbetrieb nach §§ 65 bis 68 AO zuzuordnen sind.
§ 64 AO setzt grundsätzlich eine Zuordnung der von der Körperschaft erwirtschafteten
Werte zu den vier Sphären der Gemeinnützigkeit - ideeller Bereich, Vermögensverwaltung,
steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb und Zweckbetrieb - voraus. Dem Grunde
nach sind alle Einnahmen aus wirtschaftlichen Tätigkeiten entweder dem steuerpflichtigen
wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oder dem steuerbegünstigten Zweckbetrieb zuzuordnen.
Diese Zuordnungsverpflichtung ist jedoch ertragsteuerlich entbehrlich, sofern die
Einnahmen der Körperschaft aus wirtschaftlichen Tätigkeiten – also aus steuerpflichtigen
wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben und steuerbegünstigten Zweckbetrieben – insgesamt die
Grenze von 50.000 Euro nicht überschreiten, da bis zu dieser Freigrenze keine
Ertragsbesteuerung stattfindet.
Bei Verlusten im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ist zu beachten, dass
weiterhin nach dem allgemeinen Grundsatz der Selbstlosigkeit gemäß § 55 AO keine Mittel
der steuerbegünstigten Sphäre zum Ausgleich verwendet werden dürfen. Für Zwecke der
Zuordnungsvereinfachung im Sinne der Neuregelung sind jedoch Verluste im
wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (§ 14 AO) bei Einnahmen unter 50 000 Euro grundsätzlich
unschädlich, es sei denn, dass diese Verluste klar erkennbar nicht im Zweckbetrieb angefallen sind.
Die Regelung bewirkt insbesondere für kleine Vereine eine Entlastung von Bürokratie, da
künftig eine Sphärenzuordnung wirtschaftlicher Tätigkeit unter den genannten
Voraussetzungen nicht mehr erfolgen muss.
Zu Artikel 6 (Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs)
§ 31a Absatz 1 Satz 1 und § 31b Absatz 1 Satz 1
Die Vergütungsgrenze für Haftungsbeschränkungen und Freistellungsansprüche nach den
§§ 31a und 31b BGB für Organmitglieder von Vereinen, besondere Vertreter sowie für
Vereinsmitglieder von jährlich 840 Euro wird auf 3 300 Euro angehoben. Ihre Höhe, die sich
bisher an die sog. Ehrenamtspauschale nach § 3 Nummer 26a Satz 1 EStG angelehnt hat,
orientiert sich nun am sog. Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nummer 26 Satz 1 EStG.
Eine dogmatische Aussage steuerrechtlicher Art ist damit nicht verbunden. Die Anhebung
des Haftungsfreibetrags hat deshalb keine Auswirkungen auf die Beurteilung der
Besteuerung von Entschädigungszahlungen nach dem Einkommensteuergesetz.
Zu Artikel 7 (Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch)
§ 11a Absatz 1 Nummer 5
Mit der Änderung werden die Freistellungen in § 3 Nummer 26 und 26a EStG im Zweiten
Buch Sozialgesetzbuch als dynamischer Verweis ausgestaltet. Damit wird künftig im
Zweiten Buch Sozialgesetzbuch eine automatische Geltung angepasster Freibetragshöhen im
EStG gewährleistet, ohne dass Folgeänderung im SGB II notwendig sind.
Zu Artikel 8 (Änderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch)
§ 82 Absatz 1 Satz 2 Nummer 8
Mit der Änderung werden die Freistellungen in § 3 Nummer 26 und 26a EStG im Zwölften
Buch Sozialgesetzbuch als dynamischer Verweis ausgestaltet. Damit wird künftig im
Zwölften Buch Sozialgesetzbuch eine automatische Geltung angepasster Freibetragshöhen im
EStG gewährleistet, ohne dass Folgeänderung im SGB XII notwendig sind.
Zu Artikel 9 (Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes)
§ 7 Absatz 3 Satz 2 und 4
Mit der Änderung werden die weitergehenden Freistellungen in § 3 Nummer 26 und 26a
EStG im Asylbewerberleistungsgesetz nachvollzogen und als dynamischer Verweis
ausgestaltet.
Zu Artikel 10 (Änderung der Verordnung über die ehrenamtliche Betätigung von
Arbeitslosen)
§ 1 Absatz 2 Satz 2 und 3
Die Änderung ist eine Folgeanpassung zur Änderung des § 3 Nummer 26 EStG.
Zu Artikel 11 (Inkrafttreten)
Zu Absatz 1
Die Artikel 1 und 3 treten am Tag nach der Verkündung in Kraft.
Die Änderungen des § 7b Absatz 5 EStG (Artikel 1) sind nach der allgemeinen
Anwendungsregelung in § 52 Absatz 1 EStG erstmals für den Veranlagungszeitraum 2025
anzuwenden.
Der geänderte § 9 Absatz 5 FZulG (Artikel 3) ist auf nach seinem Inkrafttreten entstehende
Ansprüche auf Forschungszulage anzuwenden.
Zu Absatz 2
Die Artikel 2 und 4 bis 10 treten am 1. Januar 2026 in Kraft.
Die Änderungen des Einkommensteuergesetzes (Artikel 2) sind nach der am 1.
Januar 2026 geltenden allgemeinen Anwendungsregelung in § 52 Absatz 1 EStG erstmals für
den Veranlagungszeitraum 2026 anzuwenden.
Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates (NKR) gem. § 6 Abs. 1 NKRG
Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025 (NKR-Nr. 7806, BMF)
Der Nationale Normenkontrollrat hat den Regelungsentwurf mit folgendem Ergebnis geprüft:
I. Zusammenfassung
Bürgerinnen und Bürger
Jährlicher Zeitaufwand (Entlastung): dargestellt: rund -15 000 Stunden (-375 000
Euro)
Wirtschaft
Jährlicher Erfüllungsaufwand (Entlastung) dargestellt: rund -11,4 Mio. Euro
davon aus Bürokratiekosten: nicht dargestellt
Einmaliger Erfüllungsaufwand: dargestellt: rund 760 000 Euro
davon aus Bürokratiekosten: nicht dargestellt
Verwaltung
Bund
Jährlicher Erfüllungsaufwand: dargestellt: keine Auswirkungen
Einmaliger Erfüllungsaufwand: dargestellt: rund 76 000 Euro
Länder
Jährlicher Erfüllungsaufwand (Entlastung): dargestellt: rund -1,7 Mio. Euro
Einmaliger Erfüllungsaufwand: dargestellt: rund 49 000 Euro
„One in, one out”-Regel
Im Sinne der „One in, one out“-Regel der
Bundesregierung stellt der jährliche
Erfüllungsaufwand der Wirtschaft in diesem
Regelungsvorhaben ein „Out“ von 11,4 Mio.
Euro dar.
Nutzen des Vorhabens Das Ressort hat keinen Nutzen dargestellt.
Digitaltauglichkeit (Digitalcheck)
Das Ressort hat im Rahmen der Vorprüfung
zum Steueränderungsgesetz 2025
Digitalbezug und Interoperabilität festgestellt. Die
erweiterte Dokumentation dazu hat das
Ressort, erst nach Aufforderung durch den NKR,
zwei Tage vor der Kabinettsitzung vorgelegt.
Dem NKR war eine Überprüfung in dieser
kurzen Zeit nicht möglich.
Der NKR kritisiert die unangemessen kurze Frist, die den Ländern und Verbänden
während der Urlaubszeit für Stellungnahmen eingeräumt wurde. Dies widerspricht dem Ziel
der Bundesregierung, praxistaugliche Gesetze zu erarbeiten.
Auch der NKR wurde erst sehr kurzfristig, vier Arbeitstage vor Kabinettbefassung,
eingebunden. In dieser kurzen Frist, die in keiner Weise den Anforderungen der GGO
entspricht, war es dem NKR nicht möglich, die Prüfung des Gesetzentwurfs mit der
gebotenen Sorgfalt durchzuführen. Dadurch wurde der NKR in Ausübung seines gesetzlichen
Prüfmandats behindert. Die Stellungnahmen der Länder wurden dem NKR nicht zur
Verfügung gestellt.
Nach der lediglich kursorischen Prüfung stellt der NKR fest, dass die Regelungsfolgen
unvollständig und in weiten Teilen nicht nachvollziehbar dargestellt sind. Politische
Entscheider erhalten so kein realitätsnahes Bild der Regelungsfolgen.
II. Regelungsvorhaben
Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf sollen u. a. die Bürgerinnen und Bürger entlastet werden.
Hierzu sieht der Entwurf folgende Einzelmaßnahmen vor:
• Anhebung der Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
sowie Entfristung der Mobilitätsprämie
• Reduzierung der Umsatzsteuer für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit
Ausnahme der Abgabe von Getränken, auf 7 %
• Aktualisierung des Verweises auf die De-minimis-Verordnung bei der Sonderabschreibung
für Mietwohnungsneubau
III. Bewertung
III.1. Erfüllungsaufwand
Bürgerinnen und Bürger
Das Ressort stellt dar, dass die Bürgerinnen und Bürger durch die Erhöhung der Übungsleiter-
und der Ehrenamtspauschale von Erfüllungsaufwand in Höhe von rund 15 000 Stunden
(375 000 Euro)1 entlastet werden. Dabei ist nicht nachvollziehbar dargestellt, welche Annahmen
den Berechnungen zu Grunde liegen.
Wirtschaft
Das Ressort nimmt an, dass für die Wirtschaft eine jährliche Entlastung in Höhe von rund -11,4
Mio. Euro entsteht. Zudem nimmt das Ressort einen einmaligen Erfüllungsaufwand in Höhe
von rund 760 000 Euro an. Auf welchen Annahmen die dargestellten Parameter beruhen, ist
ohne weitere Begründung nicht nachvollziehbar.
Verwaltung
Das Ressort geht für die Landesverwaltung von einer jährlichen Entlastung in Höhe von rund –
1,7 Mio. Euro aus. Darüber hinaus nimmt es einen einmaligen Erfüllungsaufwand für die
Bundes- und Landesverwaltung in Höhe von insgesamt rund 126 000 Euro an. Dabei hat das Ressort
Erfüllungsaufwand in Zusammenhang mit der Änderung der Abgabenordnung, des
Einkommensteuergesetzes und des Umsatzsteuersatzes in den Ländern als einen einmaligen
automationstechnischen Umstellungsaufwand genannt, jedoch die Höhe des Aufwands nicht quantifiziert
und nicht dargestellt.
9. September 2025
Lutz Goebel Ulla Ihnen
Vorsitzender Berichterstatterin für das
Bundesministerium der Finanzen
1 Für den Zeitaufwand der Bürgerinnen und Bürger nimmt der NKR einen Stundensatz von 25 Euro an.
Drucksache 474/25- 3 -]
Relationen
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