Abwanderung und Perspektiven junger Frauen in Ostdeutschland
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Abwanderung und Perspektiven junger Frauen in Ostdeutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7340
21. Wahlperiode 27.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Janina Böttger, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Maik Brückner, Clara Bünger, Jörg Cezanne, Agnes
Conrad, Mirze Edis, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Christian Görke, Cem
Ince, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Bodo
Ramelow, Heidi Reichinnek, Zada Salihović, David Schliesing, Lisa Schubert,
Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner, Anne Zerr und
der Fraktion Die Linke
Abwanderung und Perspektiven junger Frauen in Ostdeutschland
Seit der deutschen Wiedervereinigung sind die ostdeutschen Bundesländer von
erheblichen demografischen Veränderungen geprägt. Neben einem
Bevölkerungsrückgang und einer Überalterung gibt es auch erhebliche
Ungleichgewichte in der Geschlechterverteilung.
Das Statistische Bundesamt stellte 2022 für Deutschland insgesamt einen
leichten Frauenüberhang fest, der zwischen den Ländern kaum variiert (vgl.
www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Grafiken/Newsroom/2023/_Int
eraktiv/20231114-zdw-geschlechterverhaeltnis-bundeslaender.html). Ein
anderes Bild zeigt sich in der Altersgruppe der 18- bis 29‑Jährigen: In Sachsen-
Anhalt leben rund 15 Prozent mehr junge Männer als Frauen – der höchste
Männerüberschuss aller Bundesländer, gefolgt von Thüringen und
Brandenburg. Der Mangel an jungen Frauen ist besonders in ländlichen Regionen
Ostdeutschlands ausgeprägt.
Wissenschaftliche Untersuchungen führen diese Entwicklung unter anderem
auf die seit der deutschen Wiedervereinigung anhaltende Abwanderung junger
Frauen nach Westdeutschland zurück (vgl. www.tandfonline.com/doi/abs/10.10
80/00324728.2024.2382154). Als wesentliche Ursachen werden bessere
Ausbildungs-, Studien- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Unterschiede
in der Infrastruktur und den Lebensbedingungen benannt (vgl. https://taz.de/So
ziologin-zu-Frauen-aus-Ostdeutschland/!vn6112451/). Wenn Regionen ihre
jungen Frauen verlieren, beschleunigen sich Bevölkerungsrückgang und
Überalterung. Zugleich sinken die Chancen auf Familiengründungen, während die
Daseinsvorsorge und der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend unter
Druck geraten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Lebens- und
Berufsperspektiven junger Frauen in strukturschwachen Regionen
Ostdeutschlands zu verbessern?
2. Welche Strategien und Förderprogramme unterstützen nach Ansicht der
Bundesregierung die Schaffung attraktiver Arbeitsplätze für junge Frauen
in Ostdeutschland?
3. Welche Rolle misst die Bundesregierung dem Ausbau von Hochschulen,
Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Kultur- und Freizeitangeboten
für die Bindung junger Frauen an ländliche Regionen bei?
4. Gibt es seitens der Bundesregierung konkrete Pläne, die Länder dabei zu
unterstützen, Schließungen von Kindertagesstätten zu verhindern, wenn
ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
5. Wie viele Männer kamen nach Kenntnis der Bundesregierung zum letzten
verfügbaren Stichtag bundesweit sowie je Bundesland auf 1 000 Frauen?
6. Wie viele Männer zwischen 18 und 29 Jahren kamen nach Kenntnis der
Bundesregierung zum letzten verfügbaren Stichtag bundesweit sowie je
Bundesland auf 1 000 Frauen desselben Alters?
7. In welchen zehn Landkreisen bzw. kreisfreien Städten war nach Kenntnis
der Bundesregierung der Männerüberschuss insgesamt sowie in der
Altersgruppe der 18- bis 29‑Jährigen zuletzt am höchsten?
8. In welchen zehn Landkreisen bzw. kreisfreien Städten war nach Kenntnis
der Bundesregierung der Frauenüberschuss insgesamt sowie in der
Altersgruppe der 18- bis 29‑Jährigen zuletzt am höchsten?
9. Wie viele Frauen wandern nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich
von Ostdeutschland nach Westdeutschland und umgekehrt ab (bitte als
Tabelle mit absoluten Zahlen und im Verhältnis zur jeweiligen
Bevölkerungszahl angeben)?
10. In welchen zehn ostdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten war
nach Kenntnis der Bundesregierung der Wanderungssaldo zuletzt am
höchsten?
11. In welchen zehn ostdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten war
nach Kenntnis der Bundesregierung der Wanderungssaldo zuletzt am
niedrigsten?
12. In welchen zehn ostdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten stieg
nach Kenntnis der Bundesregierung der Wanderungssaldo seit 1990 am
stärksten?
13. In welchen zehn westdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten sank
nach Kenntnis der Bundesregierung der Wanderungssaldo seit 1990 am
stärksten?
14. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der jährliche
Wanderungssaldo 18- bis 29‑jähriger Frauen und Männer jeweils von
ostdeutschen ländlichen Kreisen in Großstädte seit 1990?
15. Wie viele Personen erwerben nach Kenntnis der Bundesregierung je
Bundesland eine Hochschulzugangsberechtigung (bitte nach Geschlechtern
aufschlüsseln)?
16. Wie viele Personen nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung ein
Studium außerhalb des Bundeslandes auf, in dem sie ihre
Hochschulzugangsberechtigung erwarben (bitte nach Herkunftsbundesländern und
Geschlechtern aufschlüsseln)?
17. Wie viele Personen nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung eine
duale Berufsausbildung außerhalb des Bundeslandes auf, in dem sie ihren
allgemeinbildenden Schulabschluss erwarben (bitte nach
Herkunftsbundesländern und Geschlechtern aufschlüsseln)?
18. Wie viele Personen nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung eine erste
Arbeitsstelle außerhalb des Bundeslandes auf, in dem sie einen
Studienabschluss oder eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben?
19. In welchen zehn ostdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten ist
nach Kenntnis der Bundesregierung die Geburtenrate seit 1990 am
stärksten gestiegen und gesunken?
20. In welchen zehn ostdeutschen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten hat
sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Durchschnittsalter der
Bevölkerung seit 1990 am stärksten erhöht bzw. verringert?
21. Welche Auswirkungen hat nach Einschätzung der Bundesregierung der
geschlechts- und altersspezifische Wegzug aus ländlichen Regionen
Ostdeutschlands auf die kommunale Daseinsvorsorge, insbesondere in den
Bereichen Bildung, Gesundheit, Mobilität und Kultur?
22. Welche Auswirkungen hat dieser Wegzug nach Einschätzung der
Bundesregierung auf die Familienbildung sowie den gesellschaftlichen
Zusammenhalt und die Teilhabe vor Ort?
23. Gibt es Programme der Bundesregierung oder Unterstützung zu
Programmen der Länder durch die Bundesregierung, die explizit die Rückkehr von
Frauen in die ostdeutschen Bundesländer fördern, wenn ja, welche, und
mit welchen Haushaltstiteln, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 23. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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