Aktueller Stand Telematikanlagen, automatisiertes Fahren und Verkehrssicherheit auf der Bundesautobahn 8 in Bayern (Antwort zu Drs. 21/6747)
Text
Aktueller Stand Telematikanlagen, automatisiertes Fahren und Verkehrssicherheit auf der Bundesautobahn 8 in Bayern (Antwort zu Drs. 21/6747)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7299
21. Wahlperiode 17.07.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Victoria Broßart, Swantje Henrike
Michaelsen, Matthias Gastel, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/6747 –
Aktueller Stand Telematikanlagen, automatisiertes Fahren und
Verkehrssicherheit auf der Bundesautobahn 8 in Bayern
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesautobahn (A) 8, insbesondere der Streckenabschnitt zwischen dem
Autobahnkreuz Augsburg-West und Ulm/Elchingen, gilt als eine der
meistbefahrenen Autobahnen in Deutschland mit einem erheblichen Anteil an
Schwerlastverkehr und ist zugleich regelmäßig von langen Staus, stockendem
Verkehr und teils schweren Verkehrsunfällen betroffen. Jeder schwere
Verkehrsunfall bedeutet großes menschliches Leid für die Betroffenen und deren
Angehörige. Schon seit Jahren wird aufgrund der zahlreichen Unfälle über den
Einsatz intelligenter Verkehrssysteme, streckenbezogener
Verkehrsbeeinflussung durch Telematikanlagen sowie ein dauerhaftes Tempolimit auf diesem
Streckenabschnitt diskutiert.
In den vergangenen Jahren wurden auf dem Abschnitt Adelsried und Burgau
an mehreren Gefahrenstellen sogenannte Telematik-light-Anlagen installiert.
Damit sind mobile LED-Anzeigen gemeint, die das Tempolimit manuell an
Gefahrenlagen wie Stau oder Unfälle anpassen (www.augsburger-allgemein
e.de/augsburg-land/Landkreis-Augsburg-Auf-der-A8-zwischen-Augsburg-un
d-Ulm-kommt-Telematik-light-id60010561.html).
Anfang 2020 kündigte der damalige Bundesminister für Verkehr und digitale
Infrastruktur, Andreas Scheuer, an, dass der Abschnitt Ulm–München der
Bundesautobahn 8 Teststrecke für autonomes Fahren werden soll. Außerdem
sollten Telematikanlagen aufgebaut und ein „intelligentes Tempolimit“
eingeführt werden (www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Augsburg-Guenzbur
g-Die-A8-wird-zur-Teststrecke-fuer-automatisiertes-Fahren-id5691717
6.html). Bis heute ist über diese Ankündigung hinaus öffentlich kein
Fortschritt bekannt.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 17. Juli 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Welche konkreten Telematik- und Verkehrsbeeinflussungsanlagen sind
derzeit auf der A8 in Bayern in Betrieb?
a) Auf welchen Streckenabschnitten sind diese in Betrieb?
b) Um welche Art von Anlagen handelt es sich konkret?
c) Bei welchen dieser Anlagen handelt es sich um „Telematik-light“-
Anlagen?
d) Seit wann sind diese Anlagen in Betrieb?
e) Wie hoch ist die tatsächliche Verfügbarkeit der Anlagen im
Durchschnitt pro Jahr?
f) Wie viele Stunden im Jahr werden die Anlagen im Schnitt zur
Verkehrsbeeinflussung genutzt?
Die Fragen 1 bis 1f werden gemeinsam beantwortet.
Die in der Fragestellung verwendete Bezeichnung „Telematik-light“ ist kein
fachlich definierter Begriff. Im Kontext der vorliegenden Kleinen Anfrage wird
darunter eine pilothaft betriebene telematische Anlage verstanden, die mittels
eines reduzierten Anlagenumfangs nur grundhafte Möglichkeiten der
Verkehrssteuerung bietet, die nicht identisch mit denen einer vollumfänglichen
Verkehrsbeeinflussungsanlage sind.
Auf der A8 in Bayern sind Streckenbeeinflussungsanlagen (SBA), teilweise in
Kombination mit Temporärer Seitenstreifenfreigabe (TSF),
Geschwindigkeitsanzeigen nach voreingestelltem Programm, Netzbeeinflussungsanlagen
Dynamischer Wegweiser (dWista) und eine Nebelwarnanlage im Einsatz. Im
Übrigen wird auf die Anlage* verwiesen.
2. Welche Telematik- oder Verkehrsbeeinflussungsmaßnahmen sind auf der
A8 in Bayern geplant, genehmigt oder im Bau, und auf welchen
Streckenabschnitten sind diese geplant?
a) Um welche Art von Anlagen handelt es sich konkret?
b) Bei wie vielen dieser Anlagen handelt es sich um „Telematik-light“-
Anlagen?
c) Wann sollen die Anlagen in Betrieb gehen?
6. Welche technischen Systeme sollen auf der A8 in Bayern zur
Unfallreduzierung eingesetzt werden?
Die Fragen 2 bis 2c und 6 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Auf der A8 West ist zwischen dem Autobahndreieck München-Eschenried und
der Anschlussstelle (AS) Neusäß eine SBA geplant, die voraussichtlich bis
Ende 2030 in Betrieb gehen soll.
Auf der A8 Ost ist zwischen der AS Bad Aibling und der AS Rosenheim als
Lückenschluss ebenfalls eine SBA geplant, die im Rahmen des Baus einer SBA
an der A93, voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen soll. Bei beiden Anlagen an
der A8 handelt es sich um vollumfänglich ausgebaute
Verkehrsbeeinflussungsanlagen.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/7299 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
3. Mit welchen Gesamtkosten rechnet die Bundesregierung für Betrieb und
Wartung der bisher installierten Telematikanlagen?
Für die sogenannte Telematik-light- Pilot-Anlage fallen Mietkosten in Höhe
von 200.000 Euro pro Jahr an. Alle anderen Verkehrsbeeinflussungsanlagen
haben in Summe jährliche Wartungs- und Instandhaltungskosten in Höhe von ca.
190.000 Euro pro Jahr.
4. Mit welchen Gesamtkosten rechnet die Bundesregierung für Planung,
Bau, Betrieb und Wartung der vorgesehenen Telematikanlagen?
Gemäß den Richtlinien zum Planungsprozess und für die einheitliche
Gestaltung von Entwurfsunterlagen im Straßenbau (RE) werden für die SBA auf der
A8 West unter Annahme von zehn Jahren Betrieb Gesamtkosten in Höhe von
5,7 Mio. Euro pro Jahr veranschlagt.
Für die SBA auf der A8 Ost werden gemäß dem genehmigten RE-Entwurf für
die SBA auf der A93 und A8 unter Annahme von zehn Jahren Betrieb anteilige
Gesamtkosten in Höhe von 0,87 Mio. Euro pro Jahr veranschlagt.
5. Aus welchen Haushaltstiteln sollen die in den Fragen 3 und 4 erfragten
Maßnahmen jeweils finanziert werden?
Mit der Erteilung des Gesehenvermerks zu den RE-Entwürfen durch das
Bundesministerium für Verkehr (BMV) wird die Finanzierung aus dem
Bundeshaushalt, Kapitel 1201, Titel 742 15 genehmigt.
7. Welche konkreten Verbesserungen des Verkehrsflusses erwartet die
Bundesregierung durch die Installation und den Betrieb von
Telematikanlagen auf der A8 in Bayern?
Mit der SBA soll das Ziel, die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs zu
verbessern, erreicht werden. Mit Hilfe von SBA kann der Verkehrsfluss
entsprechend der Verkehrsmenge harmonisiert werden, der Verkehrsteilnehmer wird
vor kritischen Situationen (Schleudergefahr, Stauende) und schwer
einzuschätzenden Witterungsverhältnissen (Regen, Nebel) gewarnt, Arbeitsstellen des
Betriebsdienstes können abgesichert werden. Das gesamte Fahrzeugkollektiv wird
dadurch sicherer und effizienter durch den Autobahnabschnitt geführt.
8. Welche Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit werden prognostiziert,
und wie wird die prozentuale Reduzierung von Staus durch Anbringung
von Telematik auf der A8 in Bayern gerechnet?
Beispielhaft ist hier die Berechnung der Verkehrssicherheit aus dem RE-
Entwurf der SBA A8 West zu nennen. Der auf die Verkehrssicherheit bezogene
Nutzen (Unfallreduktion, vermiedene Staustunden) wird darin mit 4,6 Mio.
Euro pro Jahr angegeben.
9. Wie haben sich die Unfallzahlen auf vergleichbaren
Autobahnabschnitten mit Telematiksystemen in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Ein Vergleich mit anderen Autobahnabschnitten liegt derzeit nicht vor.
Die 2015 veröffentlichte Studie „Zuverlässiger Betrieb von
Streckenbeeinflussungsanlagen auf Basis einer antizipierenden, regelbasierten Steuerung"
(Riegelhuth, G. und Glatz, M.) zeigt, dass auf unfallauffälligen Strecken mit Hilfe
von Streckenbeeinflussungsanlagen in Abhängigkeit von den örtlichen
Verhältnissen die Unfallzahlen um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden.
10. Wie haben sich die Unfallzahlen auf den Abschnitten der A8 in Bayern,
auf denen bereits Telematikanlagen im Einsatz sind, in den letzten zehn
Jahren entwickelt?
Eine der Fragestellung entsprechende Betrachtung und Auswertung der
Unfallzahlen durch die Autobahn GmbH des Bundes liegt dem BMV nicht vor.
11. Wie haben sich die Unfallzahlen auf den Abschnitten der A8 in Bayern,
auf denen Telematikanlagen geplant oder in Bau befindlich sind, in den
letzten zehn Jahren entwickelt?
Eine der Fragestellung entsprechende Betrachtung und Auswertung der
Unfallzahlen durch die Autobahn GmbH des Bundes liegt dem BMV nicht vor.
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Wirkung
genereller Tempolimits auf Autobahnen hinsichtlich Unfallvermeidung und
Verkehrssicherheit vor?
13. Wurde geprüft, ob ein generelles Tempolimit auf der A8 ähnliche oder
bessere Effekte auf Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss erzielen könnte
als die Installation von Telematikanlagen?
Die Fragen 12 und 13 werden gemeinsam beantwortet.
Deutsche Autobahnen gehören zu den sichersten Straßen in Deutschland sowie
weltweit. Auf Autobahnabschnitten, auf denen aus Gründen der
Verkehrssicherheit Geschwindigkeitsbeschränkungen erforderlich sind, können diese
angeordnet werden.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 162 der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden auf Bundestagsdrucksache
21/6457 verwiesen.
14. Wie lautet der aktuelle Planungsstand der Teststrecke für automatisiertes
Fahren auf der A8 im Streckenabschnitt Ulm–München?
15. Welche Maßnahmen wurden zur Durchführung eines Pilotprojekts für
automatisiertes Fahren auf der A8 seit 2020 unternommen?
16. Auf welche Dauer ist das Pilotprojekt für automatisiertes Fahren auf der
A8 angelegt?
17. Aus welchen Haushaltstiteln sollen die Maßnahmen zur Durchführung
eines Pilotprojekts für automatisiertes Fahren auf der A8 finanziert
werden?
18. Welche Mittel wurden seit 2020 zur Durchführung eines Pilotprojekts
zum automatisierten Fahren auf der A8 bereitgestellt und genehmigt?
Die Fragen 14 bis 18 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Eine Teststrecke für Automatisiertes Fahren auf der A8 besteht nicht. Im
Rahmen des BASt-Projekts DG.0001 „Modellierung des Mischverkehrs von
automatisierten und nicht-automatisierten Fahrzeugen auf BAB bei
unterschiedlichen Geschwindigkeiten“ [Start: 17. Januar 2022, geplantes Ende: 30.
September 2026, Haushaltstitel: Kapitel 1204 Titel 686 02] wurden auf der BAB A 2
in Niedersachsen zwischen Lehrte und Braunschweig (Testfeld Niedersachsen)
sowie auf der BAB A 8 in Bayern zwischen Günzburg und Augsburg
empirische Erhebungen zum Interaktionsverhalten konventioneller Fahrzeuge
durchgeführt. Die Erhebungsdaten bildeten die Grundlage für die anschließende
Simulationsmodellierung.
Für ein parallel bzw. nachfolgend geplantes Projekt war die Durchführung von
Fahrversuchen mit automatisiert fahrenden Fahrzeugen auf den genannten
Streckenabschnitten vorgesehen. Nach aktuellem Kenntnisstand der BASt wird
dieses Vorhaben jedoch nicht realisiert, da die erforderlichen Fahrzeuge der
Automatisierungsstufe SAE‑Level 3 derzeit nicht verfügbar sind.
KA 21/6747 Anhang zu Frage 1
Zu 1a) Zu 1b) Zu 1c) Zu 1d) Zu 1e) Zu 1f) Hinweis
A8 Ost AK München-Süd – AS Bad Aibling SBA mit TSF nein SBA 99% 24/7
(BAB-km 9,100 - 48,404), beide Fahrtrichtungen (FR) ca. 1996
TSF:
ca. 2005
A8 Ost AS Grabenstätt – LGr. Walserberg (Österreich) SBA mit TSF nein SBA 99% 24/7
(km 89,660 – km 123,768), beide FR ca. 1996
TSF:
ca. 2005
A8 West AS Langwied – Dachau/Fürstenfeldbruck
(FR Stuttgart)
SBA nein 1998 99% 24/7
A8 Burgau Bereich AS Jettingen – AS Zusmarshausen Geschwindigkeits- ja 2021 90% FR S: ca.
(BAB-km ca. 84,000 – 72,000), beide FR anzeige nach 2.968h/a
(Stuttgart (S), München (M)) voreingestelltem
Programm
FR M: ca.
1.113h/a
A8 Inntaldreieck AS Bad Aibling – AD Inntal dWista nein 2010 90% 24/7
A8 Dachau/FFB AD Eschenried, FR M dWista nein 2002 90% 24/7
A8 Albabstieg Nebelwarnanlage nein 1990 - - Derzeit Erneuerung wg.
6-streifigem Ausbau
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Verkehr
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Aktueller Stand Telematikanlagen, automatisiertes Fahren und Verkehrssicherheit auf der Bundesautobahn 8 in Bayern (Antwort)