Status der Arzneimittelversorgung in Deutschland und mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Importabhängigkeit im Herbst 2026
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Status der Arzneimittelversorgung in Deutschland und mögliche Maßnahmen zur Reduzierung der Importabhängigkeit im Herbst 2026
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8503
21. Wahlperiode 12.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L.
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Status der Arzneimittelversorgung in Deutschland und mögliche Maßnahmen zur
Reduzierung der Importabhängigkeit im Herbst 2026
Die Sicherstellung einer lückenlosen, flächendeckenden und effizienten
Arzneimittelversorgung bleibt eine zentrale Herausforderung für das deutsche
Gesundheitswesen. Trotz gesetzlicher Initiativen wie dem Arzneimittel-
Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG)
berichten Apotheken und Kliniken weiterhin von Engpässen bei essenziellen
Wirkstoffen, insbesondere bei Antibiotika, Kinderarzneimitteln und
Schlaganfall-Prophylaxemitteln (vgl. Bundestagsdrucksache 21/1567; www.de
utsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/02/04/lieferengpaesse-zeigt-da
s-albvvg-wirkung; www.progenerika.de/zwei-jahre-albvvg-wo-stehen-wir-he
ute/; www.iges.com/ergebnisse/projekte/2025/lieferengpaesse-bei-arzneimittel
n/index_ger.html; https://anwendungen.pharmnet-bund.de/lieferengpassmeldun
gen/faces/public/meldungen.xhtml). Vor dem Hintergrund der bevorstehenden
Wintersaison 2026/2027 stellt sich den Fragestellern die Frage nach der
Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen sowie nach der Notwendigkeit weitergehender
struktureller Anpassungen, um die Abhängigkeit von Wirkstoffherstellern im
Nicht-EU-Ausland zu reduzieren.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Arzneimittel sind bis heute in der Lieferengpass-Datenbank des
Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet?
2. Wie haben sich Zahl und durchschnittliche Dauer der gemeldeten
Engpässe bei pädiatrischen Arzneimitteln in den Jahren 2024, 2025 und 2026
entwickelt, und welche Veränderungen führt die Bundesregierung auf
Maßnahmen des ALBVVG zurück?
3. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des aktuellen
Rabattvertragssystems auf die Anbieterstruktur und eine mögliche
Marktkonzentration bei Herstellern im asiatischen Raum?
4. Bei welchen versorgungsrelevanten Wirkstoffen besteht nach Kenntnis der
Bundesregierung eine besonders hohe Produktionskonzentration, und wie
verteilen sich die Produktionsstätten dieser Wirkstoffe auf Deutschland,
EU/EWR, China, Indien und sonstige Drittstaaten?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
5. Erwägt die Bundesregierung Maßnahmen, um die Vergabe von
Rabattverträgen künftig so zu gestalten, dass Zuschläge grundsätzlich auf
mindestens zwei unterschiedliche Anbieter verteilt werden müssen, um die
Ausfallsicherheit zu erhöhen, wenn ja, welche, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
6. Hat sich die Bundesregierung mit der Frage auseinandergesetzt, ob es
sinnvoll wäre, bei der Vergabe von Rabattverträgen für
versorgungsrelevante Arzneimittel verpflichtend vorzusehen, dass mindestens einer der
Partner sowohl das Fertigarzneimittel als auch den Wirkstoff innerhalb der
EU herstellt, und wenn nein, warum nicht und wenn ja, zu welcher
Schlussfolgerung ist sie gelangt?
7. Welche Anreize setzt die Bundesregierung aktuell, um die
Rückverlagerung der Wirkstoffproduktion nach Deutschland attraktiv zu gestalten und
die „Apotheke der Welt“ wieder zu stärken?
8. In welcher Hinsicht begleitet die Bundesregierung gegebenenfalls
konstruktiv die Maßnahmensetzung, um die Rückverlagerung der
Wirkstoffproduktion in die EU attraktiv zu gestalten?
9. Bestehen seitens der Bundesregierung Überlegungen, im Falle kritischer
Versorgungsengpässe bei lebensnotwendigen Medikamenten bzw.
Wirkstoffen zeitlich befristete Exportverbote für diese Arzneimittel zu erlassen,
um die inländische Versorgung zu priorisieren und inwieweit sieht die
Bundesregierung hierbei Spielräume im EU-Recht zum „Schutz der
öffentlichen Gesundheit“?
10. Hält die Bundesregierung die aktuelle Verpflichtung des Großhandels zur
Bevorratung für ausreichend, oder wäre eine Ausweitung der
Vorhaltemenge auf mindestens zwei durchschnittliche Monatsbedarfe für
versorgungsrelevante Arzneimittel ein geeignetes Mittel zur Pufferung von
Lieferabrissen?
11. Wie kontrolliert die Bundesregierung die Einhaltung der
Lagerhaltungspflichten im Jahr 2026, und welche Sanktionen wurden bei Verstößen
verhängt?
12. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über aktuelle
Qualitätsmängel oder Rückrufe bei Wirkstoffen aus dem Nicht-EU-Ausland (z. B.
China, Indien) im Jahr 2026?
13. Inwieweit könnte eine stärkere Förderung der Produktion in Deutschland
und der EU dazu beitragen, das Risiko von großflächigen Rückrufen – wie
in der Vergangenheit bei Valsartan – durch engmaschigere deutsche und
europäische Qualitätskontrollen zu minimieren?
Berlin, den 2. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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