Effizienz und Kosteneinsparungspotenziale in der Bundesfinanzverwaltung
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Effizienz und Kosteneinsparungspotenziale in der Bundesfinanzverwaltung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8723
21. Wahlperiode 20.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Hauke Finger, Kay Gottschalk, Iris Nieland, Torben Braga,
Christian Douglas, Rainer Groß, Jörn König, Reinhard Mixl, Marcel Queckemeyer,
Diana Zimmer und der Fraktion der AfD
Effizienz und Kosteneinsparungspotenziale in der Bundesfinanzverwaltung
Die Bundesfinanzverwaltung, bestehend aus dem Bundesministerium der
Finanzen (BMF), dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), der Zollverwaltung
(inklusive Hauptzollämter/ZKA), der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ,
Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), dem
Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) sowie der KfW Bankengruppe (soweit beaufsichtigt
durch das BMF), verfügt über einen Haushalt von über 10 Mrd. Euro jährlich
(vgl. Bundeshaushaltsplan 2025, Einzelplan 08, www.bundeshaushalt.de/static/
daten/2025/soll/draft/epl12.pdf=) und ist einer der größten Personalhaushalte
der Bundesregierung.
Angesichts der anhaltenden Haushaltsdefizite, steigender Personalausgaben
(vgl. www.insm.de/aktuelles/oekonomenblog/mehr-staat-mehr-kosten-wie-
diebundesverwaltung-trotz-versprechen-weiter-waechst) und der Notwendigkeit,
Ressourcen für priorisierte Bereiche wie Verteidigung und Infrastruktur
freizusetzen, bestehen nach Auffassung der Fragesteller dringende Anforderungen an
Effizienzsteigerungen. Die Bundesfinanzverwaltung beschäftigt 63.649
Mitarbeiter (Stand 1. Januar 2025 vgl. Bundestagsdrucksache 21/4007), von denen
viele in Büroimmobilien arbeiten, während Digitalisierungspotenziale noch
nicht voll ausgeschöpft sind.
In der Praxis zeigen Studien (z. B. McKinsey Global Institute, Public Sector
Efficiency, vgl. www.mckinsey.com/industries/public-sector/our-insights/impro
ving-government-productivity-a-systemwide-approach) Einsparungspotenziale
von 20 bis 30 Prozent durch bessere Raumnutzung, Homeoffice-Optimierung
und Prozessdigitalisierung. Eine Umfrage des Ifo-Instituts vom Mai 2025
unterstreicht dies: 26,3 Prozent der Unternehmen in Deutschland halten ihre
Büroflächen aufgrund von Homeoffice (der Begriff „Homeoffice“ ist gesetzlich
nicht normiert, vor diesem Hintergrund ist bei der Beantwortung der
nachfolgenden Fragen unter diesem Begriff die Telearbeit, das mobile Arbeiten sowie
die sonstige Heimarbeit zu verstehen) für unterausgelastet, 10,3 Prozent haben
bereits verkleinert (Anstieg von 6,2 Prozent seit August 2024) und 12,5 Prozent
planen dies in den nächsten fünf Jahren, insbesondere in
Dienstleistungsbranchen wie IT (53,4 Prozent Unterauslastung, www.spiegel.de/wirtschaft/unterne
hmen/homeoffice-immer-mehr-firmen-schrumpfen-ihre-bueros-a-8d82030a-d4
02-4d13-91bd-61c04ee9da43).
Der Bundesrechnungshof fordert eine Reduzierung der Bundesbüroflächen um
bis zu 20 Prozent aufgrund flexibler Arbeitsformen (vgl. www.bundesrechnung
shof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2023/ergaenzungsband-2022/bem
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
erkung-22.pdf?__blob=publicationFile&v=2). Eine IW-Köln-Studie hebt
Potenziale des Homeoffice in der öffentlichen Verwaltung hervor, mit positiven
Effekten auf Produktivität und Flächenbedarf (vgl. www.iwkoeln.de/fileadmin/
user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2022/IW-Kurzbericht_2022-Homeoffic
e-in-%C3%B6ffentlicher-Verwaltung.pdf). PwC analysiert Einsparungen durch
weniger Bürofläche bei Homeoffice-Modellen (vgl. www.pwc.de/de/real-estat
e/mehr-home-weniger-office.pdf).
Der Bundesrechnungshof bemängelt die unzureichende Anpassung des Bundes
an neue, flexible Arbeitsformen. Hinweise auf eine Unterauslastung von
Präsenzarbeitsplätzen (häufig unter 70 Prozent), auf Leerstände von Büroflächen
sowie auf hohe IT- und Reisekosten mehren sich. Dies wirft bei den
Fragestellern grundlegende Fragen zur Ressourcennutzung, zu möglichen
Vollzugsdefiziten und zu Einsparpotenzialen bei Bundesregierung und Bundesverwaltung
auf (vgl. www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2
023/ergaenzungsband-2022/bemerkung-22.pdf?__blob=publicationFile&v=2).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch ist die durchschnittliche und maximale Nutzung der
Arbeitsplätze beim BMF und seinen nachgelagerten Behörden der
Bundesfinanzverwaltung (BZSt, Zollverwaltung inklusive Hauptzollämter/ZKA, BaFin,
BImA, FMSA, ITZBund) sowie der KfW – anteilig in Prozent (basierend
auf Präsenzdaten, Desk-Sharing-Nutzung sowie Badge-, Sensor- oder
anderen elektronischen Messmethoden) für die Jahre 2022 bis 2025, und wie
viel Bürofläche in Quadratmetern bleibt dadurch ungenutzt – auch
ausgedrückt als Leerstand in Prozent (bitte pro Behörde und gesamt, detailliert
nach Standorten differenziert, tabellarisch angeben)?
2. Welche Gesamtfläche an Büro- und Verwaltungsflächen (in
Quadratmetern, für jede Institution differenziert) wird vom BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung (BZSt, Zollverwaltung
inklusive Hauptzollämter/ZKA, BaFin, BImA, FMSA, ITZBund) sowie der
KfW genutzt, wie hoch sind die Miet- und Nebenkosten pro Quadratmeter
und Jahr (2022 bis 2025), differenziert nach Eigentums- und Mietflächen
sowie nach Standorten mit hohen versus niedrigen Mietkosten, und
welche Leerstandsquoten in Prozent bestehen je Behörde (bitte
tabellarisch)?
3. Inwieweit werden gemeinschaftlich genutzte Arbeitsplätze oder
reservierbare Schreibtische eingesetzt (Anteil der flexiblen Plätze in Prozent), und
welche Einsparungen (in Euro) ergaben sich daraus seit Einführung der
Regelung (bitte je Behörde: BMF und nachgelagerte Behörden der
Bundesfinanzverwaltung sowie KfW, tabellarisch)?
4. Wie sieht das aktuelle Flächenkonzept der Behörden beim BMF und
seinen nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der
KfW aus (bitte inklusive Planungsgrundlagen nach BImA-/BMF-
Richtlinien, konkreten Reduktionszielen in Prozent und Quadratmetern),
welche Pläne gibt es zur Reduzierung der Büroflächen um mindestens
20 Prozent bis 2030, und wie wirkt sich dies auf den Haushalt aus (bitte in
Euro, je Behörde, tabellarisch)?
5. Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiter beim BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW
(Vollzeitäquivalente, je Behörde) von 2020 bis 2025 entwickelt, und wie hoch ist der
Personalaufwand als Anteil am Behördenhaushalt in Prozent (2022 bis
2025, je Behörde, tabellarisch)?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
6. Welcher Anteil der Mitarbeiter arbeitet durchschnittlich regelmäßig im
Homeoffice (Tage pro Woche, differenziert nach Behörde und
Hierarchieebene, bitte in Prozent), welche Kosten für Bürogeräte (in Euro pro Jahr)
entstehen dadurch zusätzlich (inklusive IT-Ausstattung, gegebenenfalls
Möbel, gegebenenfalls Strom- und oder Internetzuschuss etc.), und wie
hoch ist die Ausstattung für Homeoffice als Anteil am Behördenhaushalt
in Prozent (2022 bis 2025, je Behörde: BMF und nachgelagerte Behörden
der Bundesfinanzverwaltung sowie KfW, bitte tabellarisch)?
7. In wie vielen Arbeitsverträgen der Mitarbeiter beim BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW ist
Homeoffice vertraglich vereinbart, und wie hoch ist der durchschnittliche
Anteil an der vertraglich geregelten Arbeitszeit in Prozent (dies bitte nach
Behörden und für die Jahre 2022 bis 2025 getrennt angeben)?
8. Wie hat sich der Bestand der angesammelten Überstunden (kumulierte
durchschnittliche Stunden pro Mitarbeiter und gesamt, je Behörde) beim
BMF und seinen nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung
sowie der KfW von 2020 bis 2025 entwickelt, wie hoch sind die
Vergütungen der Überstunden (in Euro pro Jahr), und welche Maßnahmen gibt
es zur Vermeidung und Reduzierung der Überstunden (bitte je Behörde,
tabellarisch)?
9. Wie hoch sind die einmaligen und laufenden IT-Kosten (Hardware,
Software) pro Mitarbeiter (in Euro pro Jahr) beim BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW (bitte für
2022 bis 2025, je Behörde, tabellarisch)?
10. Inwieweit werden KI-Tools oder Automatisierung (z. B. RPA)
gegebenenfalls eingesetzt (gegebenenfalls welche konkreten Tools und welcher
Anteil automatisierter Prozesse in Prozent), und welche Einsparungen (in
Euro oder Vollzeitäquivalenten) wurden dadurch gegebenenfalls erzielt
(bitte 2022 bis 2025, je Behörde: BMF und nachgelagerte Behörden der
Bundesfinanzverwaltung sowie KfW, tabellarisch)?
11. Wie hoch sind die Beschaffungskosten für Bürobedarf, Druck und Post (in
Euro pro Jahr), welche Einsparungen ergeben sich durch Digitalisierung
(Grad der Papierlosigkeit in Prozent), und wie hoch ist der
Bürobedarfsaufwand als Anteil am Behördenhaushalt in Prozent (2022 bis 2025, je
Behörde: BMF und nachgelagerte Behörden der Bundesfinanzverwaltung
sowie KfW, tabellarisch)?
12. Welche durchschnittliche Bearbeitungszeit (in Tagen) ist für
Schlüsselprozesse vorgesehen (z. B. Steuergutachten, Zollkontrollen, Steuerbescheide,
Zollabfertigungen, Aufsichtsverfahren bei der BaFin), und in welchem
Umfang (Anteil in Prozent) führen Fehler zu Nachbearbeitung (bitte je
Behörde: BMF und nachgelagerte Behörden der Bundesfinanzverwaltung
sowie KfW, tabellarisch)?
13. Wie groß ist der Fuhrpark des BMF mit seinen nachgelagerten Behörden
der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW, wie hoch ist die Auslastung
(Kilometer pro Jahr und Fahrzeug), welcher Aufwand für Leasing bzw.
Abschreibung, Steuer und Treibstoff (in Euro pro Jahr) entsteht, und wie
hoch ist der Fuhrparkaufwand als Anteil am Behördenhaushalt in Prozent
(2022 bis 2025, je Behörde, tabellarisch)?
14. Welche Reisekosten (Dienstreisen, in Euro pro Jahr, inklusive Flüge und
Hotels) wurden in den Jahren 2022 bis 2025 erstattet (differenziert nach
Verkehrsmittel und Reiseklasse, z. B. Economy/Business/First), in
welchem Umfang (Anteil der Reisen in Prozent) wurden Videokonferenzen
als Alternative genutzt, und wie hoch ist der Reisekostenaufwand als An-
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
teil am Behördenhaushalt in Prozent (bitte 2022 bis 2025, je Behörde:
BMF und nachgelagerte Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie
KfW, tabellarisch)?
15. In welcher Höhe wurden Einsparungen (in Euro) beim BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW
durch Effizienzmaßnahmen (z. B. Prozessoptimierung, Personalreduktion)
in den Jahren 2022 bis 2025 erzielt, und welche Ziele bestehen für 2026
bis 2030 (je Behörde, tabellarisch)?
16. Welche internen Maßnahmen haben das BMF und seine nachgelagerten
Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie die KfW gegebenenfalls
eingeleitet und welche Berichte haben sie erstellt, um finanzielle
Ressourcen zu schonen (z. B. Effizienzanalysen), in welchem Umfang (Anteil in
Prozent) wurden sie umgesetzt, und welche Einsparungen (in Euro)
ergaben sich gegebenenfalls daraus (2022 bis 2025, je Behörde, tabellarisch)?
17. Wie hoch waren die Gesamthonorare für gegebenenfalls hinzugezogene
externe Beratungsunternehmen (z. B. McKinsey, Boston Consulting,
Roland Berger, PwC und weitere) im Kontext von Effizienz-,
Digitalisierungs- und Organisationsprojekten beim BMF und seinen
nachgelagerten Behörden der Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW in den
Jahren 2022 bis 2025 (bitte gegebenenfalls tabellarisch je Behörde und
Beratungsfirma), und welche konkreten Einsparungen standen diesen
Kosten gegebenenfalls gegenüber?
18. Welche Kennzahlen zur tatsächlichen Produktivität (z. B. bearbeitete
Vorgänge bzw. Fälle pro Vollzeitäquivalent, Durchlaufzeiten) liegen für die
Kernprozesse der Bundesfinanzverwaltung vor, und wie haben sie sich
von 2020 bis 2025 entwickelt (bitte je Behörde, tabellarisch)?
19. Wie entwickelte sich das Verhältnis von Führungs- und Stabspersonal
(Leitungs-, Referats- und Stabsstellen) zu operativem Personal in den
Jahren 2020 bis 2025 beim BMF und seinen nachgelagerten Behörden der
Bundesfinanzverwaltung sowie der KfW (bitte nach Dienststellen und
Jahresscheiben getrennt tabellarisch auflisten, gerne ergänzt um den
jeweiligen Anteil in Prozent)?
20. Welche weiteren ungenutzten oder unterausgelasteten Bundesimmobilien
(Eigentum oder langfristige Miete) befinden sich im Portfolio der
Bundesfinanzverwaltung, und welche möglicherweise konkreten Pläne zur
Veräußerung, Umnutzung oder Rückgabe bestehen (mit potenziellen Erlösen
bzw. Einsparungen in Euro, je Behörde)?
Berlin, den 12. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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