Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Plenarprotokoll 16/166
Vielen Dank, Herr Präsident! Ich versuche, nach § 33
Satz 1 der Geschäftsordnung zu verfahren.
Wir diskutieren heute den 11. Sportbericht und einen
Antrag der Fraktion Die Linke. Zunächst zu dem Antrag
und der Sprecherin der Linken, Katrin Kunert. Gegen
den Feststellungsteil im Antrag ist wenig zu sagen.
Darüber findet sich hier sicherlich breiter Konsens. Was die
Forderungen an die Bundesregierung angeht, so fehlt es
schlicht an der verfassungsrechtlichen Grundlage. Man
kann vieles fordern, aber solange wir die nicht haben,
geht der Antrag leider ins Leere. Deshalb müssen wir ihn
ablehnen.
Jetzt zu dem Sportbericht, der eigentlich im Zentrum
steht. Ich möchte zunächst einmal den Geschäftsführern
unserer Fraktionen danken, dass sie uns in der Kernzeit
die Gelegenheit geben, das Thema Sport breit zu
diskutieren, und das ist gelungen; sonst sind wir immer erst
am späten Nachmittag an der Reihe.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP
und der LINKEN)Der zweite Dank gilt dem Sportminister und seinem
Hause. Das will ich ausdrücklich sagen; denn Sie, Herr
Minister, haben mit dem Sportbericht die Grundlage für
unsere Diskussion heute gelegt, obwohl – ich komme
darauf noch zurück – davon wenig Gebrauch gemacht
worden ist. Nur vereinzelt ist er angesprochen worden,
obwohl er eigentlich heute im Zentrum stehen sollte. Die
Mitarbeiter Ihres Hauses haben wirklich sehr viel
Interessantes und Lesenswertes zusammengetragen. Ich möchte
diese Gelegenheit nutzen, mich bei einem Mann zu
bedanken, der über viele Jahre für den Sport in Ihrem
Hause zuständig war: Klaus Pöhle.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Klaus Pöhle hat sich um den Sport verdient gemacht und
uns die Zusammenarbeit erleichtert. Er ist jetzt nach
vielen Jahren, die er in diesem Amt war, ausgeschieden.
Richten Sie ihm den Gruß bitte noch aus.
(Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister:
Werde ich!)
Es ist wirklich sehr erfreulich, wenn man auf der
Arbeitsebene – da sind häufig die Ansprechpartner – mit
Menschen zu tun hat, bei denen man spürt, dass sie nicht
nur eine Funktion wahrnehmen, sondern dass es ihnen
wichtig ist, etwas für den Sport zu tun. Soweit der Dank
an die Berichtsverfasser.
Ich glaube, wir haben heute hin und wieder etwas zu
diesem Thema gehört. Ich finde es interessant, wie man
den 11. Sportbericht diskutieren kann. Am besten hat
mir die Rede von Stephan Mayer zur Bewerbung
Münchens 2018 gefallen.
(Beifall des Abg. Stephan Mayer [Altötting]
[CDU/CSU] – Stephan Mayer [Altötting]
[CDU/CSU]: Das freut mich!)
Es war wirklich genial, wie du die Kurve gekriegt hast.
In Bayern werden sie dich ewig dafür loben, dass du eine
solche Parlamentsdebatte nur dafür genutzt hast, dich für
die Bewerbung einzusetzen.
Ich empfehle, dass dieser Beitrag an alle IOC-Mitglieder
versandt wird. Das wird sich sicherlich lohnen. Wir
haben hier nicht zu entscheiden, aber wir unterstützen die
Bewerbung. Die IOC-Mitglieder sind die eigentlichen
Personen, die das wissen müssen.
(Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]: Die
Stimmung ist wichtig!)
– Ja, die Stimmung in Bayern ist so, dass 90 Prozent
– du hast es uns gesagt – dafür sind. Ich bin davon
überzeugt, nach der Rede sind es 99 Prozent. Das wird sich
vermutlich auch auf das Ergebnis deiner Partei bei den
Landtagswahlen positiv auswirken. Da bin ich ganz
sicher.
(Beifall des Abg. Stephan Mayer [Altötting]
[CDU/CSU] – Dagmar Freitag [SPD]: Jetzt
wollen wir nicht übertreiben!)
Ich muss allerdings ein kritisches Wort zu dem sagen,
was mein Freund Eberhard Gienger gesagt hat. Das kann
Dr. Peter Danckertich mir nicht ersparen. Ich meine das Thema
Menschenrechte. Ich hatte gehofft, dass wir es heute nicht
berühren müssen. Das Thema Menschenrechte steht über
allem, was wir tun – hier im Parlament, im Land und in
der Welt. Ich finde es sehr merkwürdig, dass das IOC
und einzelne Repräsentanten des IOC versuchen, dieses
Thema so tief wie möglich zu hängen. Wir können doch
nicht übersehen, was in Tibet geschehen ist. Wenn die
Weltgemeinschaft davor die Augen verschließt, dann hat
sie ihre Aufgabe nicht erfüllt.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN – Eberhard Gienger [CDU/
CSU]: Das ist doch nicht der Fall!)
Um es klar zu sagen: Ich erwarte vom Sport nicht, dass
durch ihn diejenigen Probleme gelöst werden, die die
Politik und die Wirtschaft nicht lösen können. An dieser
Stelle zu schweigen, ist aber völlig verkehrt.
(Eberhard Gienger [CDU/CSU]: Das ist doch
nicht der Fall! – Detlef Parr [FDP]: Das ist
doch absurd! Das hat doch keiner hier gesagt!)
Nun komme ich zu etwas ganz besonders Kritischem.
Der Fraktionskollege Winfried Hermann von den
Grünen hat ein bestimmtes Band um den Arm. Um die
Aufschrift darauf lesen zu können, muss man dicht
herangehen, oder man kennt sie. Liebe Freunde, dieses Band ist
keine Demonstration politischer Art, sondern ein
Bekenntnis zu Menschenrechten.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Wenn der DOSB oder das IOC das Tragen eines solchen
Bandes mit Sanktionen versehen sollte, dann sitzen wir
an dieser Stelle nicht mehr in einem Boot. Dafür habe
ich überhaupt kein Verständnis.