Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter.
Text
Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
Herr Kollege Börnsen, überraschenderweise kann ich
Ihnen das bestätigen.
Ich will auf einen Punkt hinweisen, weil das, was Sie
gesagt haben, völlig richtig ist und meines Erachtens auch
den vielen besorgten Unternehmern im Land gesagt
werden muss. Um das noch einmal ganz klar zu machen:
Wer herkömmliche Fernseher und Radios in größerer
Zahl hatte, musste jedes einzelne Gerät anmelden und
dafür eine Gebühr zahlen. Das wird jetzt anders sein.
Wegen der Regelung über die Zweitgerätefreiheit wird
Reinhard Grindeles so sein, dass man für ein Gerät zahlt und alle anderen
Geräte von der Gebühr befreit sind.
(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Das ist ja
toll!)
Was der Kollege Uldall meint, ist, dass dann, wenn man
zehn oder 15 Radios oder Fernsehgeräte in seinem
Betrieb hat – in manchen Betrieben werden das noch mehr
sein –, man all diese Geräte getrost abschaffen und dann
über Internet jetzt schon Radio und, wenn es in Zukunft
technisch möglich ist, Fernsehen empfangen kann.
(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Gilt das auch
für Abgeordnetenbüros?)
Insofern wird es in diesem Bereich eine gewisse
Entlastung für die Wirtschaft geben. Da haben der Kollege
Uldall und auch Sie völlig Recht.
Wir sollten jetzt die Empfehlung der
Rundfunkkommission der Länder abwarten. Deshalb werden wir den
Anträgen, die es dazu gegeben hat, nicht zustimmen.
Ich will aber eines deutlich sagen. Wir sollten den jetzt
eingeschlagenen Weg noch präzisieren und zu der
Lösung kommen: GEZ-Gebühr plus umfassende
Zweitgerätebefreiung. Denn die manchmal sehr schneidig
vorgetragenen Alternativen haben ihre Probleme. Denken Sie
an die personenbezogene Medienabgabe, die von
Ihnen, Herr Kollege Otto, empfohlen wird. Die ist
verfassungs- und abgabenrechtlich ausgesprochen
problematisch und die Familien zahlen die Zeche. Auch das ist
wahr.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
der Abg. Grietje Bettin [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Eine haushaltsbezogene Abgabe ist in einer mobilen
Gesellschaft schwer zu kontrollieren. Eine
Rundfunksteuer verstößt gegen das Gebot der Staatsferne.
Eines wird völlig übersehen. Das sage ich mit
Hinweis auf die Diskussion, die wir gerade in diesen Tagen
über ARD und ZDF und die EU-Wettbewerbshüter
haben. Jede Alternative zur herkömmlichen
Rundfunkgebühr würde EU-rechtlich zu erheblichen Problemen
führen. Die Rundfunkgebühr gibt es seit 1953. Das war vor
unserem EG-Beitritt. Sie ist eine Altbeihilfe. Würden
wir jetzt etwas ändern, würde es sich bei einer neuen
Abgabe um eine Neubeihilfe handeln. Jede
Gebührenerhöhung müsste in Brüssel notifiziert werden. Da kann ich
angesichts der Debatten, die wir in diesen Tagen haben,
Neugierige nur warnen. Eine Regelung auf der Basis
einer großzügigen Zweitgerätefreiheit – das ist mein
persönlicher Vorschlag – wäre dagegen europafest und
relativ einfach zu machen. Dabei könnten – das will ich
betonen – Ungerechtigkeiten im Bereich des
Hotelgewerbes oder bei Filialbetrieben angepackt werden.
Schlussgedanke: Ich habe ein Bekenntnis zum dualen
System und zur Qualität auch und besonders des
öffentlich-rechtlichen Fernsehens abgelegt. Gerade die ARDkann man aber auch von dieser Stelle aus – das möchte
ich tun – bitten, es den Unterstützern des
öffentlichrechtlich Systems nicht schwerer zu machen, als es
ohnehin manchmal schon ist. Wenn man auf
Unterscheidbarkeit gegenüber den Privaten Wert legt und wenn man
der These der Konvergenz der öffentlich-rechtlichen und
der privaten Sender immer widerspricht, dann – das sage
ich ganz offen – passen Verträge wie die mit Jan Ullrich
und auch mit Günther Jauch nicht in die
Medienlandschaft.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
Wir können auf die Qualität unseres dualen
Rundfunksystems in Deutschland stolz sein und wir sollten für
Rahmenbedingungen sorgen, damit das so bleibt. Mit
ihrem Antrag zur EU-Fernsehrechtlinie leistet die große
Koalition, so glaube ich, einen überzeugenden Beitrag.
Herzlichen Dank.