Rede von Detlef Parr (FDP) – Drucksache 16/2092
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 9: Drucksache 16/2092 –.
Text
Rede von Detlef Parr (FDP) – Drucksache 16/2092
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der
Sportbericht der Bundesregierung ist kein Märchen, sondern
eine Bilanz der letzten drei Jahre, die sich in vielen
Bereichen sehen lassen kann. Die Krönung waren
sicherlich die Fußball-WM, die in allen bundespolitisch
relevanten Bereichen den Ansprüchen mehr als genügte,
(Zuruf von der CDU/CSU: Das klingt fast wie
ein Lob!)
und die Olympischen Winterspiele in Turin, die ein
eindrucksvoller Beweis für die Leistungsfähigkeit der
Wintersportnation Deutschland waren.
Hier bedankt sich artig die größte Oppositionspartei in
diesem Bundestag bei der Bundesregierung, sowohl bei
Otto Schily als auch bei Wolfgang Schäuble und bei
Herrn Dr. Christoph Bergner. Ich glaube, hier ist gut
gearbeitet worden.(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der
CDU/CSU sowie des Abg. Volker Kröning
[SPD])
Jetzt ist wieder Alltag angesagt. Als größte
Herausforderung steht Peking vor der Tür. Die Rückschläge bei
den letzten Sommerspielen haben zwar ein neues
Denken eingeleitet; das Ziel liegt aber doch in erklecklicher
Ferne. Beginnen wir bei dem Dreiklang der
Spitzensportförderung: Stützpunktsystem,
Sportwissenschaften und Talentsuche/Talentförderung. Ist das
Zusammenspiel wirklich harmonisch? Kann es bei 20
Olympiastützpunkten mit 14 Sportfördergruppen der
Bundeswehr und 138 Bundesstützpunkten zu einer
reibungslosen Vorbereitung unserer Spitzenathletinnen und
Spitzenathleten, zu Trainingsabläufen aus einem Guss
kommen? Ist die Sportwissenschaft in Deutschland so
aufgestellt, dass die Vielzahl der Erkenntnisse der
Hochschulinstitute, des Bundesinstituts für
Sportwissenschaften, des IAT, des FES und des neugeschaffenen Projekts
„Momentum“ an der Sporthochschule Köln effizient in
die Praxis umgesetzt werden kann?
Die Präsentation des Sportentwicklungsberichtes
gestern im Sportausschuss beweist eher das Gegenteil. Mit
Zahlenfriedhöfen ist wenig Staat zu machen. Die
Wintersportverbände haben gezeigt, dass durch
Konzentration und Bündelung aller Kräfte die Synergieeffekte
entstehen, die national und international zum Erfolg führen.
Es ist gut, dass wir uns in Kürze mit dem Verteilerstrom
der Sportfördermittel etwas detaillierter
auseinandersetzen werden.
Bei der Talentsuche und Talentförderung gehören die
Eliteschulen des Sports auf den Prüfstand. Sie warten
mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen in den
Bundesländern auf. Es ist zum Beispiel nicht zu verstehen,
dass Schülerinnen und Schüler, die den
Leistungsansprüchen nicht mehr genügen, in einzelnen Bundesländern
diese Schulen weiter besuchen dürfen. Ein Schulwechsel
muss in solchen Fällen bundeseinheitlich die Regel sein,
um das Profil der Eliteschulen nicht zu verwässern. Das
gilt auch für die Nichtaufnahme von anderen
Schülerinnen und Schülern. Eigentlich sollte es selbstverständlich
sein, dass in Eliteschulen des Sports wirklich nur
sportliche Leistungsträger aufgenommen werden.
Kommen wir zum Sportstättenbau. Auch wenn der
Bund, seinen Aufgaben entsprechend, den Bau von
Sportstätten für den Spitzensport zum Schwerpunkt hat,
so ist doch richtig, sich ebenfalls um den Neubau, die
Erweiterung und den Umbau von Sportstätten der
Grundversorgung zu kümmern. Das hat er über das
Investitionsprogramm und den Goldenen Plan für den
Osten unseres Landes zu Recht getan. Die Sportplätze, die
Sporthallen und Schwimmbäder schaffen bundesweit die
Voraussetzungen nicht nur für den Breiten-, sondern
auch für den Leistungssport. Deswegen freuen wir uns,
dass die FDP-Forderung nach einer Neuauflage des
Goldenen Planes für Gesamtdeutschland auf wachsendes
Interesse stößt. Wenn wir ein Ganztagsschulprogramm mit
50 Millionen Euro anschieben können, dann müssen wir
auch zu entsprechenden Vereinbarungen mit den Län-
Detlef Parrdern und Kommunen zugunsten des Sports kommen
können.
Daraus könnten dann auch unsere Hochschulen
Nutzen ziehen. Der Sportbericht widmet dem Bereich des
Hochschulsports gerade einmal eine Viertelseite und
dokumentiert damit eine Bedeutung, die dringend größer
werden muss. Wenn wir die Universiaden besuchen,
stellen wir immer wieder fest, dass andere, zum Teil
kleinere Nationen mit größeren Mannschaften vertreten
sind. Sie verstehen die studentischen Weltspiele als
Vorbereitung von jüngeren Athletinnen und Athleten auf
andere sportliche Großveranstaltungen. Das sollten auch
wir verstärkt tun. Der Allgemeine Deutsche
Hochschulsportverband leistet zum Beispiel mit den
Partnerhochschulen des Spitzensports eine hervorragende Arbeit, die
mehr Unterstützung verdient. Die FDP hat deshalb eine
Studie beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages
in Auftrag gegeben, die den Stellenwert des
Hochschulsports im internationalen Vergleich zum Inhalt hat. Wir
erhoffen uns neue Aufschlüsse und Konsequenzen aus
diesen Ergebnissen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine Rede zum
Sportbericht der Bundesregierung kann das Thema
Doping natürlich nicht aussparen. Die FDP-Fraktion hat
noch in dieser Woche einen eigenen Antrag zu diesem
Thema eingebracht. Wir sind in den meisten Bereichen
mit den Vorstellungen der Bundesregierung und der
Koalitionsfraktion einig. Aber müssen wir zum Beispiel die
Möglichkeiten der Telefonüberwachung, die in unserer
Gesellschaft ohnehin schleichend ein
besorgniserregendes Ausmaß angenommen hat, erweitern, bevor eine
generelle Neuregelung vorliegt? Hier sollte der Sport nicht
vorpreschen!
Zum Thema „Strafverfolgung der einzelnen Sportler“
möchte ich noch einmal auf die Mogelpackung der
Besitzstrafbarkeit hinweisen. Sportler im Besitz einer
nicht geringfügigen Menge von Dopingsubstanzen
sollen künftig strafrechtlich verfolgt werden. Welch eine
gesetzgeberische Großtat!
(Dr. Peter Danckert [SPD]: Das ist ein Meilenstein!
Wenn Sie das bitte anerkennen würden!)
Der Besitz einer großen Menge solcher Substanzen ist
gleichzusetzen mit Handel. Das banden- oder
gewerbsmäßige Inverkehrbringen steht bereits unter Strafe. Ein
bisschen Flunkern mag man noch hinnehmen, liebe
Kolleginnen und Kollegen von den Koalitionsfraktionen,
aber das ist eine handfeste Verdummbeutelung der
Öffentlichkeit.
(Dr. Peter Danckert [SPD]: Der Parr kann es nicht
lassen, immer wieder Stuss zu erzählen!)
Der Sportminister hat zu Recht lange gezögert, eine
solche Verfälschung der Tatsachen ins Gesetz zu schreiben.
Auch der Staatssekretär hat den Gesetzentwurf nur sehr
zurückhaltend angekündigt. Herr Dr. Bergner, die Be-denken, die Sie in der Bundesregierung hatten, teilen
wir. Wir werden alles daransetzen, das auch immer
wieder öffentlich zu machen und aufzudecken.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören.