Deutschland in die KI-Zukunft bringen - Für einen nationalen Aufbruch an die digitale Weltspitze
Text
Deutschland in die KI-Zukunft bringen - Für einen nationalen Aufbruch an die digitale Weltspitze
Antrag
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi, Tobias
Ebenberger, Lars Haise, Sebastian Maack, Edgar Naujok, Steffen Janich,
Ronald Gläser, Dr. Michael Kaufmann, Beatrix von Storch, Thomas Ladzinski,
Peter Bohnhof, Micha Fehre, Uwe Schulz, René Springer, Gerrit Huy, Ulrike
Schielke-Ziesing, Lukas Rehm, Robert Teske, Hans-Jürgen Goßner, Thomas
Stephan, Carsten Becker, Adam Balten, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos,
Erhard Brucker, Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Karsten Hilse,
Dr. Malte Kaufmann, Kurt Kleinschmidt, Maximillian Kneller, Heinrich Koch,
Achim Köhler, Dr. Maximilian Krah, Knuth Meyer-Soltau, Sergej Minich, Denis
Pauli, Tobias Matthias Peterka, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Manfred
Schiller, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Claudia Weiss, Dr. Daniel Zerbin, Jörg
Zirwes und der Fraktion der AfD
Deutschland in die KI-Zukunft bringen – Für einen nationalen Aufbruch an die
digitale Weltspitze
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Deutschland befindet sich inmitten einer weltweiten digitalen Revolution. Längst ist
es nicht mehr das Werk einzelner kluger Ingenieure, die den Fortschritt im Wettlauf
der Technik vorantreiben, sondern weltweit agierende Konzerne, die teils automatisiert
in kurzen Abständen bahnbrechende Meilensteine erreichen, die ein Mensch aufgrund
des limitierten Wissens nicht im Stande wäre zu schaffen. Diesen Wandel in der
Informations-Gewinnung und -Kombination muss man sich zu eigen machen und kann ihn
nicht einfach abwarten. Das proaktive Nutzen dieses Momentums ist der einzige Weg,
um an der digitalen Zukunft noch mitwirken zu können.
Trotzdem kann sich Deutschland zurecht einer großen Tradition in der Forschung, der
Entwicklung und der Industrie rühmen. Innovative Branchen wie Pharma, Chemie,
Automobil und Maschinenbau haben über Generationen hinweg zum Wohlstand und
zur Prosperität des Landes beigetragen. Die exportorientierte Wirtschaft hat dabei
Maßstäbe gesetzt und vom globalen Handel profitiert. Die Bezeichnung „Made-in-
Germany“ war weltweit geachtet als Ausweis hoher Qualität, Langlebigkeit und
Technologieführerschaft.
Die global aufgebaute Hochtechnologiewelle im Bereich der Digitalisierung und
Datafizierung der Industrie hat das Land hingegen überrollt. Seine Wirtschaftspolitik war
viel zu lange auf das Bewahren des Erreichten ausgerichtet, anstatt technologische
Sprünge vorab zu erkennen, sein Potential zu werten und die Weiterentwicklung
aufzunehmen. Speziell zur künstlichen Intelligenz (KI) findet die Wertschöpfung längst
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6354
21. Wahlperiode 09.06.2026
woanders statt, namentlich in den USA und in China. Und selbst wenn in Deutschland
produziert wird, ist dies lediglich aufgrund von ausländischen Bestrebungen, wie das
Beispiel des Chipherstellers Anker in Dresden eindrucksvoll beweist. Seit der
Veröffentlichung des großen Sprachmodells ChatGPT durch Open AI im November 2022
liefern sich die großen Datenkonzerne der USA einen Wettlauf um die Dominanz auf
diesem Gebiet: Meta, Alphabet, Anthropic, X.AI und Open AI publizieren im
Halbjahresrhythmus neue Versionen ihrer großen Sprachmodelle (eng. Large Language
Models, kurz: LLMs) und zielen damit sowohl auf Endnutzer als auch auf Kunden aus
der Industrie. Parallel hierzu investieren die genannten Unternehmen gewaltige
Summen in die für KI notwendige Recheninfrastruktur, doch dies eben meist außerhalb des
Wirtschaftsstandorts Deutschland. Dieser unternehmerische Wettlauf wird seitens der
aktuellen US-Administration mit ihrem „AI Action Plan“ noch verstärkt, die die USA
auf Technologieführerschaft und Innovation einstimmt. Die stolze Technologie-
Nation Deutschland droht dabei zur digitalen Kolonie zu verkommen, die für viel Geld
Produkte und Dienstleistungen erkauft und dabei die Kontrolle über die entstehenden
Daten abgibt. Das Heidelberger Start-up Aleph Alpha mit seinem KI-Bot wurde 2023
als deutsche Antwort auf ChatGPT gefeiert. Mittlerweile hat sich das Unternehmen
nach mehreren erfolgreichen Finanzierungsrunden aus dem Rennen um das
dominierende LLM verabschiedet und konzentriert sich auf die Kreation spezialisierter
Sprachmodelle für ein souveränes Europa. Die Fokussierung der Bundesregierung,
unter Anleitung des Digitalministers, die Wirtschaft und die Gesellschaft umzuwälzen
und mit Blick in die Zukunft in ein volldigitales Zeitalter zu bringen, sind darin
geendet, lediglich die Innovationsbremsen der EU zu verwirklichen. Die Wege zu Themen
wie digitale Städte, Anwendung von künstlicher Intelligenz in der Medizin und
weiteren Schlüsselkompetenzen moderner Technik sind gleichbleibend lang, wenn nicht
sogar länger als zuvor.
Die wichtigen Industrieverbände Deutschlands warnen regelmäßig vor den
desaströsen Folgen hoher Energiekosten, die im internationalen Vergleich nicht
wettbewerbsfähig sind. Gerade KI-Lösungen erheischen großen Mengen an Strom und benötigen
eine stabile IT-Infrastruktur, über die das Land lediglich in Ansätzen verfügt.
Deutschland leistet sich einen weltweit mit Kopfschütteln quittierten Ausstieg aus der
Kernenergie und subventioniert die Branche der erneuerbaren Energien mit
marktverzerrenden Preisen, die nicht einmal im Stande ist, gleichmäßig nachgefragte Quanten an
Strom zu liefern. Die Folgen sind Standortverlagerungen, Entlassungen und
Werksschließungen.
Künstliche Intelligenz wird in Deutschland weiterhin als Zukunftstechnologie
angekündigt, dabei ist sie in anderen Ländern längst Teil der Gegenwart. Hierzulande
müssen sich ambitionierte Gründer mit absurder Bürokratie herumschlagen, die zum Teil
aus der EU kommt, zum Teil hausgemacht ist. Auch finden junge Unternehmen mit
vielversprechenden Ideen zu selten ausreichend Kapital in der existentiellen
Wachstumsphase. Staatliche Mittel sind arg begrenzt und ein Markt für privates Risikokapital
wie in den USA oder in Großbritannien existiert nicht in vergleichbarer
Größenordnung. Auch aus diesem Grund ziehen es zahlreiche potentielle Gründer vor, ihre
Geschäftsidee andernorts zu realisieren, wo sie auf bessere administrative und
ökonomische Rahmenbedingungen stoßen.
Deutschland verfügt traditionell über eine anerkannte Forschungslandschaft, gerade in
den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), die
parallel zu den Ausbildungsberufen zu einer zeitgemäß qualifizierten
Arbeitnehmerschaft führt. Auch in der Grundlagenforschung an den Universitäten besteht dieser
gute Ruf zurecht, in der anwendungsorientierten Forschung gibt es zumeist
vielversprechende Kooperationen mit der Industrie. Unterentwickelt hingegen ist der Transfer
der Forschungsergebnisse in die marktfähige industrielle Anwendung, aus dem Labor
in den Markt. Auch deswegen wandern in der Folge viele Universitäts-Absolventen,
die mit deutschem Geld ausgebildet wurden, in andere Länder ab und stellen ihr
Wissen und Können anderen Akteuren zur Verfügung.
Das Rückgrat einer erfolgreichen Digitalisierung und damit erfolgreicher KI-
Lösungen ist eine flächendeckende IT-Infrastruktur. Dazu gehören Glasfaserverbindungen,
eine durchgehende Mobilfunkversorgung, Internetknoten und Rechenzentren, all das
betrieben mit entsprechend sicherer Software. Die KI-Anwendungen sind
ausgesprochen datenhungrig und rechenintensiv und können als Treiber des Ausbaus der
Infrastruktur gesehen werden. Hier hat Deutschland einen deutlichen Nachholbedarf, dem
seitens der Politik nicht mit dem nötigen Ernst begegnet wird. Das lässt sich gut an der
nationalen KI-Strategie ablesen, die ausgesprochen defensiv formuliert ist und voller
Sorge über angeblich diskriminierende KI-Algorithmen steckt, sich aber keine
ambitionierten Ziele setzt und mehr auf Regulierung, denn auf Innovation abstellt.
Eine gleichermaßen skrupulöse Haltung zeigt Deutschland gegenüber der
Europäischen Union, die in puncto KI mit einem wuchernden Paket an Bürokratie aufwartet,
das von den verschiedenen Bundesregierungen beflissen umgesetzt wird, den
Interessen der heimischen Wirtschaft häufig zuwiderlaufend. Die Versuche sich der
Überregulierung zu widersetzen und einen Bürokratieabbau zu beginnen endet mit Gesetzen
zur Reduzierung von Gesetzen, was die bisherigen Verbesserungsversuche ad
absurdum führt.
Die Konkurrenz im internationalen Wettstreit um die Vorherrschaft in der
Technologisierung setzt auf Technologie in allen Bereichen und schafft es somit, vor allem in
grundlegenden Fachgebieten wie der Stadtplanung, der Medizintechnik, der Sicherheit
und Ordnung sowie der Behörden-zu-Bürger-Kommunikation Deutschland um
Jahrzehnte abzuhängen.
Aus dem oben Gesagten ergibt sich als Zusammenfassung, dass Deutschland im sich
differenzierenden Markt der Hochtechnologien, insbesondere der künstlichen
Intelligenz, die sich bietenden Chancen bisher nicht beherzt ergriffen hat und
dementsprechend der technologischen Entwicklung hinterherhinkt. Gleichwohl ist trotz des
unbestrittenen Vorsprungs großer US- und auch chinesischer Konzerne bei den LLMs der
Markt noch nicht komplett verteilt, er zeigt hingegen eine große Dynamik, sodass es
weiter Chancen für Innovation und technologische Sprünge gibt. Deutschland hat die
Entwicklung des sogenannten Cloudcomputing nur beobachtet hat und befindet sich
jetzt in gefährlicher Abhängigkeit einiger weniger global agierender Anbieter von
„Cloud-Computing-Diensten“ (englisch Hyperscaler), worunter auch die nationale
digitale Souveränität leidet. Diese strategischen Fehler kann Deutschland auf dem
Gebiet künstlicher Intelligenz noch verhindern, muss dafür aber zu einer
Kraftanstrengung ansetzen, die sein Potential einer führenden Technologie-Nation freisetzt. Das
Land kann noch Rahmenbedingungen für exzellente KI „Made-in-Germany“ schaffen,
der nicht nur die Bürger, Unternehmen und Behörden vertrauen, sondern die auch am
Markt erfolgreich ist und sich zum Exportschlager entwickeln kann. Dieses
entschiedene Handeln wird den Unterschied zwischen einem nationalen Auf- oder Abbruch an
die digitale Weltspitze ausmachen.
Die Zeit zum politischen Handeln ist jetzt gekommen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Voraussetzung für einen nationalen Aufbruch an die digitale Weltspitze durch
günstige grundlastfähige Energie zu schaffen, das ist:
a. die schnellstmögliche Reaktivierung der Atomenergie;
b. das Ende des Kohleausstiegs und die saubere Verstromung von Kohle in
modernsten Kraftwerken;
c. das internationale Energieangebot auszuweiten, durch u. a. Aufhebung der
Sanktionen gegen Russland oder rohstoffreiche Drittstaaten, die das Angebot
künstlich verknappen;
2. die Sicherstellung des Angebots an sicherer und günstiger Energie auf nationaler
und europäischer Ebene durch die Kopplung der Energie- mit der
Rechenzentrums-Strategie, um dem steigenden Energiebedarf durch künstliche Intelligenz
Rechnung zu tragen;
3. die radikale Freisetzung der Innovationskraft der deutschen Digitalindustrie
durch einen Bürokratiekahlschlag von mindestens 80 Prozent in der EU oder eine
neue Organisation die den Zugang Deutschlands zum EU-Binnenmarkt
garantiert;
4. eine resiliente und krisensichere Grundlage für Betrieb und Innovation zu
schaffen durch strukturelle Härtung der IT-Infrastruktur in Deutschland und
leistungsfähige digitale KI-Abwehrmechanismen;
5. unter Führung des Bundeskanzleramtes mit den ressortzugehörigen
Bundesministerien eine Gesamtstrategie zur Neuaufstellung von Wirtschaft und Gesellschaft
in eine hochtechnologisierte Zukunft in allen Bereichen, vor allem in:
a. Industrie und Arbeit 5.0;
b. Medizintechnik und KI-Diagnostik;
c. autonome Verkehrsformen;
d. intelligenter Stadtbebauung;
e. zeitgemäße Sicherheit- und Ordnungs-Systeme;
f. automatisierter digitaler Verwaltung;
6. die Hebung privaten Risikokapitals durch attraktive Rahmenbedingungen für
institutionelle Anleger, wie Versicherungs- und Pensionsfonds, die einen Teil ihrer
Anlagemittel als Risikokapital Start-ups und KMU in die deutsche
Digitalindustrie einbringen, voranzutreiben;
7. die nationale KI-Strategie dahingehend fortzuschreiben, dass Innovation, digitale
Souveränität und Technologieführerschaft zu prioritären Zielen erklärt und in der
mittelfristigen Finanzplanung des Bundes mit ausreichenden finanziellen Mitteln
hinterlegt werden;
8. die Festlegung von ausnahmslos gültigen ethischen Rahmenbedingungen für den
KI-Einsatz und Risikominimierung in Entscheidungsprozessen bei der der
Mensch stets das abschließend entscheidende Organ ist;
9. bei der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder die Bemühungen der
jeweiligen Universitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz verstärkt als
Förderkriterium zu berücksichtigen;
10. bei der Vergabe öffentlicher IT- und KI-Aufträge für die Bundeswehr, die
Bundespolizei und weitere sicherheitsrelevante Bundesbehörden vermehrt
überwiegend einheimische Anbieter zu berücksichtigen, wobei der veranschlagte Preis
des eingereichten Angebotes immer in Abwägung mit Sicherheitskriterien stehen
muss und nicht das allein entscheidende Kriterium sein darf.
Berlin, den 9. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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