Die Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland - Fragen zu Ausbreitung, wirtschaftlichen Schäden und Bekämpfung (Antwort zu Drs. 21/5216)
Text
Die Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland - Fragen zu Ausbreitung, wirtschaftlichen Schäden und Bekämpfung (Antwort zu Drs. 21/5216)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5464
21. Wahlperiode 20.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka,
Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5216 –
Die Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland – Fragen zu Ausbreitung,
wirtschaftlichen Schäden und Bekämpfung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
„Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) ist eine polyphage Zik
adenart aus der Familie der Glasflügelzikaden (Cixiidae)“ (https://de.wikipedi
a.org/wiki/Schilf-Glasfl%C3 ProzentBCgelzikade) und ein Vektor
(Überträger) der bakteriellen Erreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus
(ARSEPH) und Candidatus Phytoplasma solani (PHYPSO oder Stolbur) auf
Pflanzen wie beispielsweise Zuckerrüben, Kartoffeln, Karotten und Rote Bete,
aber auch Kohl, Zwiebel, Paprika, Tomate, Spargel, Rhabarber und Erdbeeren.
Die Bakterien lösen das Syndrome Basses Richesses (SBR) (Syndrom der
niedrigen Zuckergehalte) aus, welches zu Vergilbungssymptomen und
Zuckergehaltsverlusten in der Zuckerrübe und anderen Feldfrüchten führt. Die Schilf-
Glasflügelzikaden (SGFZ) sind somit Schädlinge, welche – was angesichts
der rasanten Verbreitung in den letzten Jahren als paradox angesehen werden
muss – interessanterweise auf der „Roten Liste“ als gefährdete Tierart geführt
werden (www.rote-liste-zentrum.de/de/Artensuchmaschine.html?q=Schilf-Gla
sfl%C3ProzentBCgelzikade). „Die Zikadenart, deren Lebensraum einst im
Schilf beschrieben war, war in der Vergangenheit eher selten zu finden. Nun
konnte sie sich jedoch an neue Wirtspflanzen, insbesondere Zuckerrüben und
Kartoffeln, anpassen und ihren kompletten Lebenszyklus an ihnen vollenden“
(https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/8ffbed1a-1edc-47f7-a738-1dbc7d63
1b18). „Die bakteriellen Erreger lösen Krankheiten in den Pflanzen aus, so
dass Qualität und Quantität der geernteten Pflanzen signifikant verringert
werden“ (Drucksache 21/2131 vom 11. April 2025, Hessischer Landtag). „Der
Schadkomplex an Zuckerrüben wurde erstmalig 1991 in Frankreich und 2008
in Deutschland beobachtet. Eine starke Ausbreitung in Deutschland lässt sich
seit dem Jahr 2017 feststellen“ (Vorlage 18/3571 vom 10. Februar 2025,
Landtag Nordrhein-Westfalen). Laut der „Ergänzende(n) Unterrichtung durch die
Landesregierung im 73. Ausschuss AfELuV vom 4. Februar 2026 zu
Drucksache 19/7644 vom 1. Juli 2025, Niedersächsischer Landtag“ wurde die
Befallsfläche durch die SGFZ in Deutschland für 2023 mit ca. 60 000 ha/Zuckerrübe
und 15 000 ha/Kartoffel, für 2024 mit ca. 84 000 ha/Zuckerrübe und 22 000
ha/Kartoffel sowie für 2025 mit ca. 119 000 ha/Zuckerrübe und 39 000 ha/
Kartoffel angegeben. Bei dieser raschen Ausbreitung der SGFZ und der
zunehmenden Anpassung an neue Wirtspflanzen ist von heftigen ökonomischen
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Landwirtschaft,
Ernährung und Heimat vom 20. April 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Verlusten auszugehen, die nicht nur die Landwirtschaft bedrohen – vor allem,
da ganze Regionen wirtschaftlich vom Anbau dieser Feldfrüchte abhängig
sind –, sondern ganze Lieferketten und die Ernährungssicherheit gefährden.
„Die Auswirkungen einer starken Ausbreitung der durch die SGFZ
übertragenen Krankheiten wären massiv und der wirtschaftliche Schaden sehr groß. Es
wäre mit Ertragsausfällen, nicht verarbeiteter Ware und schließlich mit einem
massiven Rückgang der Anbaufläche zu rechnen, was sich folglich auch auf
die nachgelagerten Unternehmen auswirken würde“ (Drucksache 19/6267
vom 16. Januar 2025, Niedersächsischer Landtag). Die Forschung zu
effektiven Methoden, z. B. natürliche Prädatoren wie Laufkäfer, Spinnen oder
Nematoden; Mikroorganismen und Pilze; Störung der Fortpflanzung durch
Pheromone; landwirtschaftliche Managementmaßnahmen wie Schwarzbrache,
Transfermulch, Beizung, Aussetzen der Winterung oder Änderung der
Fruchtfolge; Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln, zur nachhaltigen Bekämpfung
der SGFZ steckt noch in den Kinderschuhen. „Die Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade erfordert einen langfristig angelegten, kulturübergreifenden
Ansatz. Das wurde auch beim Fachgespräch des Julius-Kühn-Instituts (JKI)
im März 2025 deutlich, an dem über 300 Fachleute aus Bundes- und
Landesbehörden, Forschung, Beratung und Praxis teilnahmen. Die Botschaft:
Einzelmaßnahmen reichen nicht aus – es braucht abgestimmte Strategien über
gesamte Fruchtfolgen in Raum und Zeit hinweg“ (www.julius-kuehn.de/infothe
k/kuehn-konkret/schilf-glasfluegelzikade).
1. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuelle Ausbreitung der
Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland (bitte die einzelnen
Bundesländer, nach betroffener Fläche, jeweils in Hektar und Prozentanteil der
Landesfläche, sowie dem Prozentanteil an der betroffenen
landwirtschaftlichen Anbaufläche differenziert auflisten)?
Die Verbreitung der Schilf-Glasflügelzikade ist zusammenfassend in einer
Publikation des Julius Kühn-Instituts (JKI) und der amtlichen
Pflanzenschutzdienste beschrieben. Hausmann et al. 2026, https://doi.org/10.5073/JfK.2026.0
1.07.
2. Wie schnell wird nach Einschätzung der Bundesregierung die
Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade voranschreiten, wird mit einer
flächendeckenden Verbreitung in Deutschland gerechnet, und wann wird dies
der Fall sein?
Die Bundesregierung erwartet eine weitere Ausbreitung der Schilf-
Glasflügelzikade. Aktuell gelten das östliche Niedersachsen und das Rheinland als
Gebiete, die in den letzten zwei Jahren erste Fänge der Schilf-Glasflügelzikade
verzeichnet haben und daher besonders beobachtet werden. Es lässt sich nicht
belastbar vorhersagen, ob und wann bislang befallsfreie Gebiete ebenfalls
betroffen sein werden.
3. In welchem Ausmaß sind aktuell je Bundesland
a) konventionelle landwirtschaftliche Betriebe,
b) Betriebe mit ökologischem Landbau und
c) Betriebe mit biologischem Landbau
durch die Schilf-Glasflügelzikade als Vektor bakterieller Erreger
betroffen (bitte jeweils den Prozentanteil an der betroffenen Anbaufläche und
Anzahl der betroffenen Betriebe angeben)?
Grundsätzlich können konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe
gleichermaßen von der Schilf-Glasflügelzikade betroffen sein. Flächenangaben
zur Betroffenheit einzelner Bundesländer liegen für die Hauptkulturen
Zuckerrüben und Kartoffeln vor. Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
4. Welche Feld- und Gartenbaufrüchte sind nach Kenntnis der
Bundesregierung bisher durch die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade als Vektor
bakterieller Erreger betroffen (bitte alle betroffenen Feld- und
Gartenbaufrüchte, die jeweilige ha/Prozentangabe an der Anbaufläche je
Bundesland und Gesamt-Deutschlands auflisten)?
Nach aktuellem Stand sind insbesondere Zuckerrübe und Kartoffel als
wirtschaftlich relevante Kulturen betroffen*
Für Gartenbaukulturen ist die Liste der betroffenen Kulturen nicht abschließend
geklärt. Dem JKI bekannt sind folgende Kulturen, in denen die Erreger
nachgewiesen wurden: Zwiebeln**, Rote Beete, Karotte***, Wurzelpetersilie,
Pastinake, Mangold, Spargel, Rhabarber, Chinakohl, Weißkohl, Rotkohl, Brokkoli,
Knollensellerie, Liebstöckel, Paprika, Radieschen, Steckrübe, Süßkartoffel,
Erdbeere, Physalis, evtl. Tomate**** (nur Erreger nachgewiesen).
5. Wie würde sich nach Einschätzung der Bundesregierung die
flächendeckende Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade auf den Anbau von
Zuckerrüben, Kartoffeln sowie aller weiteren in der Antwort zu Frage 4
genannten Kulturpflanzen auf die landwirtschaftlichen Betriebe
auswirken, und welchen wirtschaftlichen Schaden hätte das zur Folge (bitte je
Bundesland nach betroffenen Pflanzen, wirtschaftlichem Schaden in
Euro differenziert, auflisten)?
Nach Einschätzung der Bundesregierung hätte zum jetzigen Kenntnis- und
Entwicklungsstand eine anhaltend hohe Populationsdichte der Schilf-
Glasflügelzikade für Betriebe in Regionen mit starkem Befall Folgen für die
Anbauwürdigkeit der betroffenen Kulturen. Die wirtschaftlichen Verluste hängen von den
unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen in den Anbaugebieten ab. Der
Bundesregierung liegen keine Daten für einzelne Kulturen und Bundesländer
vor.
* Bressan, A., 2009: Agronomic practices as potential sustainable options for the management of Pentastiridius leporinus (Hemiptera: Cixiidae) in sugar beet crops.
Journal of Applied Entomology 133 (9-10), 760–766.
Behrmann, S.C., A. Rinklef, C. Lang, A. Vilcinskas, K.-Z. Lee, 2023: Potato (Solanum tuberosum) as a new host for Pentastiridius leporinus (Hemiptera: Cixiidae)
and Candidatus Arsenophonus Phytopathogenicus. Insects 14 (3), DOI: 10.3390/insects14030281.
Therhaag, E., B. Schneider, K. Zikeli, M. Maixner, J. Gross, 2024a: Pentastiridius leporinus (Linnaeus, 1761) as a vector of phloem-restricted pathogens on potatoes:
'Candidatus Arsenophonus Phytopathogenicus' and 'Candidatus Phytoplasma Solani'. Insects 15 (3), DOI: 10.3390/insects15030189.
** Therhaag, E., R. Ulrich, J. Gross, B. Schneider, 2024b: Onion (Allium cepa L.) as a new host for 'Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus' in Germany. Plant
Disease, DOI: 10.1094/PDIS-03-24-0526-PDN.
*** Witczak, N., S. Benaouda, F. Wahl, H. Göbbels, C. Lang, B. Jarausch, M. Maixner, 2025: Carrot (Daucus carota L.) as host for Pentastiridius leporinus and
phloem-restricted pathogens in Germany. Biology 14 (9), DOI: 10.3390/biology14091152.
****Lang, C., A. Dettweiler, S. Benaouda, D. Kreimer, D. Löffler, E. Glaser, H. Adam, S.L. Bojanowicz, E. Schall, J. Stohl, H. Göbbels, M. Lenz, N. Witczak, J. Ritz,
H. Pfitzner, 2025: Pentastiridius leporinus as a plant disease vector: The practical state of knowlege and derived research objectives. Sugar Industry international,
105–120, DOI: 10.36961/si33023.
6. Welchen wirtschaftlichen Schaden würde nach Einschätzung der
Bundesregierung die flächendeckende Ausbreitung der Schilf-
Glasflügelzikade auf die der Landwirtschaft nachgelagerte Ernährungsindustrie (z. B.
Zuckerindustrie, kartoffelverarbeitende Betriebe) und den
Lebensmittelhandel haben (bitte die betroffenen Branchen und den jeweils
geschätzten Schaden in Euro auflisten)?
Der Bundesregierung liegen derzeit keine belastbaren, branchenspezifischen
Schätzungen zu den möglichen wirtschaftlichen Schäden einer
flächendeckenden Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade für die der Landwirtschaft
nachgelagerte Ernährungsindustrie und den Lebensmittelhandel vor. Insbesondere
liegen keine Angaben für einzelne Branchen wie die Zuckerindustrie,
kartoffelverarbeitende Betriebe oder den Lebensmittelhandel vor.
7. In welchem Umfang stünden nach Einschätzung der Bundesregierung
Einkommen und Arbeitsplätze in den einzelnen Bundesländern sowohl
in der Landwirtschaft als auch in der nachgelagerten Ernährungsindustrie
und im Lebensmittelhandel bei flächendeckender Ausbreitung der Schilf-
Glasflügelzikade auf dem Spiel (bitte, nach Bundesländern differenziert,
jeweilige Branche, Einkommen und Anzahl Arbeitsplätze auflisten)?
Die Bundesregierung kann hierzu keine Einschätzung vornehmen, da keine
quantifizierten Angaben in Euro zu den Schäden in einzelnen Branchen oder
Bundesländern vorliegen.
8. Welche Möglichkeiten gibt es nach Ansicht der Bundesregierung zur
Eindämmung der weiteren Ausbreitung, bzw. zur effektiven und
nachhaltigen Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade (bitte alle relevanten
Möglichkeiten auflisten)?
Die folgenden Möglichkeiten sind der Bundesregierung bekannt oder werden
derzeit erforscht:
– Fruchtfolgeanpassung (kein Anbau von Wirtspflanzen über Winter)
– Pflanzenzüchtung (tolerante/resistente Sorten)
– Insektizide gegen Adulte
– Insektizide gegen Nymphen
– Biologischer Pflanzenschutz
– RNAi-Spray
– Kulturschutznetze
– Attract and Kill Verfahren
– Verfrühung der Kultur und Ernte
– Monitoring: Bei Verdacht Untersuchung der Pflanzen und gefangener
Insekten
– Hygiene: Feldhygiene, Maschinenhygiene, um Verschleppung zu vermeiden
– Verwendung von gesundem Vermehrungsgut, insbesondere bei Rhizomen
und Knollen.
9. Welche der in Frage 8 erfragten Maßnahmen wurden ggf. bereits
umgesetzt, sind gerade in Umsetzung oder werden demnächst umgesetzt (bitte
die konkreten Maßnahmen je Bundesland, mit jeweiliger Zeitachse,
konkreten Ergebnissen und Kooperationspartnern auflisten)?
Die in der Antwort zu Frage 8 genannten Punkte werden in
Forschungsprojekten des JKI und weiterer Institutionen aufgegriffen. Ferner wird auf die
Antworten zu den Fragen 11 bis 13, 20 bis 21 sowie 24 bis 33 verwiesen.
Ebenfalls gibt es durch Bund und Länder abgestimmte
Handlungsempfehlungen, abrufbar unter www.julius-kuehn.de/aktuelles/aktuell/n/regionale-massnah
menempfehlung-zur-schilf-glasfluegelzikade.
Es liegen keine bundeslandspezifischen Umsetzungspläne vor.
10. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels natürlicher
Prädatoren wie Spinnen (z. B.: Lycosidae, Gnaphosidae), Laufkäfer (Carabidae)
und sonstige Tiere (bitte ggf. nach Prädator, Methode, Versuchsaufbau,
Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum, Forschungs- bzw.
Kooperationspartner, Versuchsverortungen je Bundesland inklusive jeweiligem
Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis differenziert auflisten)?
Es gibt eine Reihe natürlicher Gegenspieler der Schilf-Glasflügelzikade im
Ackerbau. Das JKI betrachtet diesen Ansatz beispielsweise im
Forschungsprojekt BEET-Protect und im Rahmen des bundesweiten Monitorings zur Schilf-
Glasflügelzikade.
11. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Nematoden (bitte
ggf. nach Nematodenart, Methode, Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw.
Versuchszeitraum, Forschungs- bzw. Kooperationspartner,
Versuchsverortungen je Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und
jeweiligem Ergebnis differenziert auflisten)?
Der Einsatz von Nematoden gegen die Schilf-Glasflügelzikade ist in Ansätzen
untersucht worden. Generell ist der Einsatz von Nematoden in ackerbaulichen
Kulturen als schwierig anzusehen, da auch bereits kurzzeitige Trockenheit sich
negativ auf die Fitness der Nematoden auswirkt.
12. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Mikroorganismen
und Pilzen, z. B.: Metarhizium brunneum (bitte ggf. nach
Mikroorganismus bzw. Pilz, Methode, Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw.
Versuchszeitraum, Forschungs- bzw. Kooperationspartner, Versuchsverortungen je
Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem
Ergebnis auflisten differenziert auflisten)?
Versuche mit dem Pilz Metarhizium brunneum zur Bekämpfung der Nymphen
der Schilf-Glasflügelzikaden laufen seit mehreren Jahren. Die Ergebnisse
waren jedoch bislang nicht ausreichend, um eine Empfehlung zur Bekämpfung in
der Praxis zu geben. Im Rahmen der Forschungsarbeiten des JKI wird dieser
Bereich weiter untersucht.
13. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Störung der
Fortpflanzung durch Pheromone (bitte ggf. nach Pheromon, Methode,
Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum, Forschungs- bzw.
Kooperationspartner, Versuchsverortungen je Bundesland inklusive
jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis differenziert
auflisten)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung sind keine Pheromone der Schilf-
Glasflügelzikade bekannt. Ebenso sind aus der Gruppe der Cixiidae
(Glasflügelzikaden) bisher keine Pheromone beschrieben worden. Entsprechend gibt es derzeit
keine Forschungsansätze zur Störung der Fortpflanzung durch Pheromone.
14. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Aussetzung der
Winterkultur, der sogenannten Schwarzbrache (bitte ggf. nach
Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum, Forschungs- bzw.
Kooperationspartner, Versuchsverortungen je Bundesland inklusive jeweiligem
Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis differenziert auflisten)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung stellt die Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade mittels Aussetzung der Winterkultur derzeit eine der effektivsten
Einzelmaßnahmen dar. Dies wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten
publiziert*.
15. Plant die Bundesregierung im Rahmen ihrer Zuständigkeiten, auf die
Sanktionierung von Verstößen gegen GLÖZ (Guter Landwirtschaftlicher
und Ökologischer Zustand) 6, bzw. § 17 GAPKondV zu verzichten,
wenn eine Schwarzbrache über 20 Prozent zur Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade ackerbaulich geboten scheint?
16. Wenn Frage 15 mit Nein beantwortet wird, warum nicht (bitte um
Auflistung der einzelnen Gründe und jeweilige Begründung)?
17. Plant die Bundesregierung, auf alle nachgeschalteten
Verwaltungseinheiten (Länder, Landkreise) und Institutionen einzuwirken, dass diese auf
die Sanktionierung von Verstößen gegen GLÖZ 6, bzw. § 17 der GAP
(Gemeinsame Agrarpolitik)-Konditionalitäten-Verordnung (GAPKondV)
verzichten, wenn eine Schwarzbrache über 20 Prozent zur Bekämpfung
der Schilf-Glasflügelzikade ackerbaulich geboten scheint?
18. Wenn Frage 17 verneint wird, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe
und jeweilige Begründung auflisten)?
19. Wann können nach Einschätzung der Bundesregierung
landwirtschaftliche Betriebe mit einer Rechtssicherheit hinsichtlich des Einsatzes von
Schwarzbrachen über 20 Prozent zur Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade rechnen?
Die Fragen 15 bis 19 werden wegen des sachlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
* Bressan, A., 2009: Agronomic practices as potential sustainable options for the management of Pentastiridius leporinus (Hemiptera: Cixiidae) in sugar beet crops.
Journal of Applied Entomology 133 (9-10), 760–766.
Storelli, A., A. Keiser, 2022: Regionale Fruchtfolge gegen Syndrome Basses Richesses (SBR) in Zuckerrüben: Zwischenbericht des Projekts im Chablais, URL:
www.bfh.ch/dam/jcr:ebf090f1-d61b-44cb-8a50-469734cbf27a/zwischenbericht_SBR-extern-de.pdf. Zugriff: 13. April 2026.
Pfitzer, R., M. Rostás, P. Häußermann, T. Häuser, A. Rinklef, J. Detring, K. Schrameyer, R.T. Voegele, J. Maier, M. Varrelmann, 2024: Effects of succession crops and
soil tillage on suppressing the syndrome 'basses richesses' vector Pentastiridius leporinus in sugar beet. Pest management science, DOI: 10.1002/ps.8041.
Die Frage, ob eine Schwarzbrache zur Prävention oder zur Bekämpfung eines
Befalls durch die Schilf-Glasflügelzikade mehr oder weniger als 20 Prozent der
Ackerfläche eines Betriebes ausmacht, stellt sich im Rahmen von GLÖZ 6
(Mindestanforderungen an die Bodenbedeckung in sensiblen Zeiten) nicht.
Durch Artikel 1 Nummer 5 der Dritten Verordnung zur Änderung der GAP-
Konditionalitäten-Verordnung vom 18. Dezember 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 357)
wurde die Möglichkeit geschaffen, auf allen Ackerflächen eines Betriebes, auf
denen Rüben, Kartoffeln, Rote Bete, Mangold, Möhren, Steckrüben, Zwiebeln
oder Sellerie als Hauptkultur angebaut werden, eine Schwarzbrache anzulegen,
sobald für das betreffende Gebiet eine Bedrohung oder ein Befall durch die
Schilf-Glasflügelzikade amtlich festgestellt worden ist.
20. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Transfermulch (bitte
ggf. nach Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum,
Forschungs- bzw. Kooperationspartner, Versuchsverortungen je Bundesland
inklusive jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis
differenziert auflisten)?
Die Bundesregierung stuft Transfermulch aktuell nicht als geeignete
Bekämpfungsmöglichkeit für die Schilf-Glasflügelzikade ein. Die Effektivität von
Mulchmaßnahmen ist stark von den vorherrschenden Umweltbedingungen
abhängig und zudem nicht für eine großflächige Applikation geeignet. Des
Weiteren existieren nur wenige Forschungsarbeiten zu dem Thema und es liegt keine
belastbare Datengrundlage vor.
21. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Beizung (bitte ggf.
nach Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum,
Forschungs- bzw. Kooperationspartner, Versuchsverortungen differenziert je
Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem
Ergebnis)?
22. Zieht die Bundesregierung die Zulassung entsprechender Beizmittel (vgl.
Frage 21) in Betracht, obwohl hier in einer Kultur (z. B. Weizen) ein
Schädling bekämpft werden soll, der nicht diese, sondern eine andere
Kultur (z. B. Zuckerrübe) schädigt?
23. Wenn Frage 22 verneint wird, warum nicht (bitte die einzelnen Gründe
und jeweilige Begründung auflisten)?
Die Fragen 21 bis 23 werden aufgrund ihres sachlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung liegen derzeit keine Erkenntnisse zur Bekämpfung der
Schilf-Glasflügelzikade mittels Beizung vor. Der Ansatz ist Bestandteil
laufender Forschungsarbeiten am JKI. Als ein Baustein in der Gesamtstrategie zur
Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade wäre die Zulassung von Beizmitteln
zur Bekämpfung von Nymphen denkbar, wenn entsprechende
Forschungsergebnisse vorliegen.
24. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Änderung der
Fruchtfolge (bitte ggf. nach Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw.
Versuchszeitraum, Forschungs- bzw. Kooperationspartner,
Versuchsverortungen je Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und
jeweiligem Ergebnis differenziert auflisten)?
Auf die Antwort zu Frage 14 wird verwiesen.
25. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Saatgutbehandlung
(bitte ggf. nach Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum,
Forschungs- bzw. Kooperationspartner, Versuchsverortungen je
Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis
differenziert auflisten)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse zur Möglichkeit der
Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Saatgutbehandlung vor.
26. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels
Resistenzzüchtungen (bitte ggf. nach Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw.
Versuchszeitraum, Forschungs- bzw. Kooperationspartner, Versuchsverortungen je
Bundesland inklusive jeweiligem Flächenausmaß und jeweiligem
Ergebnis differenziert auflisten)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse zur Möglichkeit der
Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels Resistenzzüchtungen vor. Der Ansatz
ist aber Bestandteil laufender Forschungsarbeiten am JKI.
27. Wie ist der aktuelle Kenntnisstand der Bundesregierung zur Möglichkeit
der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade mittels
Pflanzenstärkungsmitteln, beispielsweise bio-algeen S 90 Plus 2 (bitte ggf. nach
Versuchsaufbau, Versuchsdauer bzw. Versuchszeitraum, Forschungs- bzw.
Kooperationspartner, Versuchsverortungen je Bundesland inklusive jeweiligem
Flächenausmaß und jeweiligem Ergebnis differenziert auflisten)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse zur Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade mittels Pflanzenstärkungsmitteln vor.
28. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten für den Einsatz von
Pflanzenstärkungsmitteln generell, und unter welchen Voraussetzungen
ist der Einsatz zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade erlaubt?
Grundsätzlich gilt § 45 des Pflanzenschutzgesetzes. Pflanzenstärkungsmittel
dürfen ausschließlich der allgemeinen Gesunderhaltung von Pflanzen dienen
oder Pflanzen vor nichtparasitären Beeinträchtigungen schützen. Sie dürfen
nicht zur Bekämpfung von Schadorganismen eingesetzt werden. Der Einsatz
von Pflanzenstärkungsmitteln gegen die Schilf-Glasflügelzikade wäre eine
rechtswidrige Anwendung eines Pflanzenschutzmittels. Ein als
Pflanzenstärkungsmittel mitgeteiltes Produkt müsste gemäß Verordnung (EG)
Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über das
Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln zugelassen werden, um zur Bekämpfung der
Schilf-Glasflügelzikade eingesetzt werden zu können.
29. Welche chemischen Pflanzenschutzmittel, welche Wirkstoffe bieten nach
aktuellem Kenntnisstand der Bundesregierung die Möglichkeit, gegen
die Schilf-Glasflügelzikade vorzugehen (bitte die geeigneten
Pflanzenschutzmittel und der jeweiligen Wirkstoffe auflisten)?
Grundsätzlich muss bei Insektiziden zur Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade zwischen systemischen Mitteln, deren Wirkstoff sich in der Pflanze
verteilt und dann beim Saugen durch die Zikaden aufgenommen wird, sowie
Kontaktmitteln, die nur im direkten Kontakt auf die Zikaden wirken, unterschieden
werden. Nach der abgestimmten Bekämpfungsstrategie der
Pflanzenschutzdienste der Bundesländer wird eine Kombination dieser beiden Mitteltypen für
eine Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade empfohlen. Weitere
Informationen können der Homepage des Bundesamts für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) zu zugelassenen Pflanzenschutzmitteln und
Notfallzulassungen entnommen werden www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflan
zenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/01_ZugelPSM/02_Notfallzul
assungen/psm_ZugelPSM_notfallzulassungen_node.html.
30. Welche Insektizide sind derzeit regulär oder per bereits erfolgter
Notfallzulassung zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade zugelassen (bitte
alle zulässigen Mittel auflisten)?
Auf die Antwort zu Frage 29 wird verwiesen.
31. Wenn es geeignete Mittel zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade
gibt, diese aber nicht regulär eingesetzt werden können, zieht die
Bundesregierung dann eine entsprechende Notfallzulassung in Betracht, und
wann kann mit dieser gerechnet werden (bitte die entsprechenden Mittel,
die Begründung, warum diese bisher nicht eingesetzt werden dürfen, und
den Zeitrahmen für die Erteilung einer allfälligen Notfallzulassung
auflisten)?
32. Wenn keine Notfallzulassung (vgl. Frage 31) in Betracht gezogen wird,
warum nicht (bitte alle Gründe und jeweilige Begründung auflisten)?
Die Fragen 31 und 32 werden aufgrund ihres sachlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Gemäß Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen
Parlaments und des Rates über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln
kann ein Mitgliedstaat unter bestimmten Umständen für eine Dauer von
höchstens 120 Tagen das Inverkehrbringen eines Pflanzenschutzmittels für eine
begrenzte und kontrollierte Verwendung zulassen, sofern sich eine solche
Maßnahme angesichts einer anders nicht abzuwehrenden Gefahr als notwendig
erweist.
Weitere Informationen können der BVL-Homepage zu zugelassenen
Pflanzenschutzmitteln und Notfallzulassungen entnommen werden www.bvl.bund.de/D
E/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/0
1_ZugelPSM/02_Notfallzulassungen/psm_ZugelPSM_notfallzulassungen_nod
e.html.
33. In welcher Form unterstützt die Bundesregierung ggf.
Forschungsprojekte und Versuchsvorhaben zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade
(bitte alle unterstützten Projekte unter Angabe der jeweils zur Verfügung
gestellten Mittel und der Forschungs- bzw. Kooperationspartner
auflisten)?
Die innerhalb der Bundesregierung betroffenen Ministerien unterstützen
Forschungsvorhaben und Versuchsvorhaben zur Bekämpfung der Schilf-
Glasflügelzikade im Rahmen der eigenen Betroffenheit und Priorisierung.
Bekanntmachungen zu Forschungsvorhaben werden laufend im Bundesanzeiger
veröffentlicht und können dort eingesehen werden www.bundesanzeiger.de. Das
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat fördert
beispielsweise über das Praxisforschungsnetzwerk (PFN) Mitte-West: Resilienz im
ökologischen Gemüsebau – Entwicklung und Erprobung von Strategien und
Innovationen durch Praxisforschung (ROBUSTGemuese) das Monitoring der
Schilf-Glasflügelzikade im Gemüsebau.
34. In welcher Form unterstützt die Bundesregierung ggf. die durch die
Schilf-Glasflügelzikade in Mitleidenschaft gezogenen
landwirtschaftlichen Betriebe (bitte die Unterstützungsmaßnahmen und jeweils
bereitgestellten Mittel je Bundesland auflisten)?
Die Bundesregierung unterstützt Betriebe durch Vereinfachungen bei den
Anforderungen an die landwirtschaftliche Praxis. Auf die Antwort zu den
Fragen 15 bis 19 wird verwiesen. Neue Forschungsergebnisse des JKI werden
zeitnah publiziert und den Bundesländern unmittelbar zur Verfügung gestellt,
sodass diese in die landwirtschaftliche Beratung mit einfließen können. Zudem
können die Bundesländer im Rahmen ihrer Zuständigkeit einzelbetriebliche
Ausnahmen für die Auflagen der guten fachlichen Praxis genehmigen.
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ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Die Schilf-Glasflügelzikade in Deutschland - Fragen zu Ausbreitung, wirtschaftlichen Schäden und Bekämpfung (Antwort)