Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von Kraftstoffpreisen und zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kraftstoffmaßnahmenpaket) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/4744, 21/4984)
Text
Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von Kraftstoffpreisen und zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kraftstoffmaßnahmenpaket) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/4744, 21/4984)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4989
21. Wahlperiode 25.03.2026
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Ina Latendorf, Marcel Bauer, Luigi Pantisano, Lorenz Gösta
Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Dr. Fabian Fahl, Katalin Gennburg, Mareike
Hermeier, Caren Lay, Sahra Mirow, David Schliesing, Sascha Wagner und der
Fraktion Die Linke
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und SPD
– Drucksachen 21/4744, 21/4984 –
Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von
Kraftstoffpreisen und zur Änderung des Gesetzes gegen
Wettbewerbsbeschränkungen
(Kraftstoffmaßnahmenpaket)
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die durch die nationalen und internationalen Entwicklungen hervorgerufenen
Preissteigerungen fossiler Energieträger beeinflussen zunehmend die Bereiche
Ernährung und Landwirtschaft. Um Ernährungssicherheit zu gewährleisten und
eine erneute Preisspirale bei Nahrungsmitteln zu verhindern, müssen wirksame
Maßnahmen ergriffen werden, die das langfristige Ziel der Unabhängigkeit der
industriellen Landwirtschaft von fossilen Energieträgern fördern. Dabei muss
bereits im Kraftstoffsegment (landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge) angesetzt und
auch in der Produktion von Düngemitteln über Alternativen nachgedacht werden.
Es gilt daher, die Menschen generell vor starken Preissprüngen zu schützen und
die durch die steigenden Preise für mineralölbasierte Produkte entstehende
Inflationsdynamik schnellstmöglich zu begrenzen. Da Erdgas häufig 60 bis 90 Prozent
der Produktionskosten von mineralischen Stickstoffdüngemitteln ausmacht,
führen steigende Energie- bzw. Gaspreise direkt zu höheren Düngemittelpreisen, die
anschließend an Landwirt*innen und in der Folge an Verbraucher*innen in Form
von gestiegenen Lebensmittelpreisen weitergegeben werden. Seit Ende Februar
2026 sind die Düngemittelpreise in Europa u. a. im Zuge des Iran-Kriegs bereits
um etwa 45 Prozent gestiegen (vgl. www.agrarheute.com/markt/duengemittel/
duengerpreise-steigen-rasendem-tempo-landwirte-zahlen-horrorpreise-fuer-duenger-
639755). Auf der einen Seite stehen die Überdüngung und zunehmende
Nitratbelastung des Grundwassers, auf der anderen die Krise steigender Preise
synthetischer Düngemittel. Der Aufbau regionaler Nährstoffkreisläufe ist deswegen
zentral.
Es besteht daher die Notwendigkeit, die Anbauverfahren landwirtschaftlicher
Produktion in der Breite neu zu denken. (www.fr.de/wirtschaft/wie-sich-der-
irankrieg-auf-unsere-lebensmittelpreise-auswirken-koennte-94220512.html). In der
agrarwissenschaftlichen Debatte wird die Umstellung auf ökologischen Landbau
als ein Lösungsansatz gesehen, um dauerhafte Ernährungssicherheit und
Preisstabilität von Lebensmitteln zu gewährleisten. Grund hierfür ist unter anderem, dass
der ökologische Landbau weitestgehend ohne synthetische Stickstoffdüngemittel
auskommt. Stattdessen wird auf weite Fruchtfolgen, organische Düngung,
stickstofffixierende Leguminosen als Zwischenfrüchte und weitere agroökologische
Praktiken gesetzt. So kann die Abhängigkeit von industriell erzeugtem Dünger
verringert und zeitgleich die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität verbessert
werden (www.fr.de/wirtschaft/wie-sich-der-iran-krieg-auf-unsere-lebensmittel-
preise-auswirken-koennte-94220512.html).
Um den menschlichen Nährstoffkreislauf annähernd zu schließen, müssen
darüber hinaus Nährstoffe in Form von Recyclingdünger eine Verwendung in der
Landwirtschaft finden. Die Substitution von synthetischen Düngemitteln durch
beispielsweise das Recycling von Stickstoff und Phosphor aus menschlichen
Fäkalien wird von zahlreichen Forschungsprojekten und Unternehmen als
wegweisend eingeschätzt. In Schweden sind entsprechende Techniken und Verfahren
bereits in der Breite erforscht und teilweise etabliert (https://swedenwaterrese-
arch.se/en/projekt/uricycle-2). Diese Form der Nährstoffrückgewinnung und
Wertschöpfung ist also technisch realisierbar und praxisgetestet.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. landwirtschaftliche Betriebe gezielt dabei zu unterstützen, ihre Produktion
auf von synthetischem Stickstoff unabhängigere Anbauverfahren
umzustellen beziehungsweise auszubauen und die Kosten der Umstellung abzufedern;
dazu zählen etwa weite Fruchtfolgen, organische Düngung,
stickstofffixierende Leguminosen als Zwischenfrüchte und weitere agroökologische
Praktiken, die den Einsatz mineralischer Stickstoffdünger reduzieren und
gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit und Resilienz der Betriebe gegenüber
Preisschocks auf Energie- und Düngerpreismärkte erhöhen;
2. Möglichkeiten, Nährstoffe zu recyclen (z. B. aus menschlichen
Ausscheidungen), bei der Überarbeitung der Düngemittelverordnung (DüMV) zu
berücksichtigen und darüber hinaus Forschungsprojekte, die die Verwertung
menschlicher Fäkalien in Landwirtschaft und Gartenbau betreffen,
umfassend zu fördern und rechtliche Hindernisse bei der Ausbringung zu
beseitigen;
3. von Abwasser getrennt erfasste Fäkalien in die Begriffsdefinition des
Bioabfalls in die Bioabfallverordnung (BioAbfV) und die DüMV aufzunehmen
und eine Abfallschlüsselnummer für diese Stoffe zu definieren;
4. die aktuelle Rechtsprechung zur DüMV umfassend und verbindlich bei der
Ausgestaltung der Anwendungsverordnung für Düngemittel konsequent
umzusetzen, um Rechtsklarheit für Behörden und Landwirt*innen herzustellen;
5. die EU-Nitratrichtlinie umzusetzen und weitere
Vertragsverletzungsverfahren künftig zu vermeiden, indem sichergestellt wird das EU-Richtlinien (im
Bereich Landwirtschafts- und Ernährungspolitik) fristgerecht und
ausreichend umgesetzt werden;
6. Mittel aus dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ für
klimagerechte und kreislauforientierte Sanitärversorgung in Kommunen
(öffentliche Toiletten, Schultoiletten, Quartiers-Neubau und Sanierungen etc.)
bereitzustellen und entsprechend einen Titel samt Ansatz im Wirtschaftsplan
des Sondervermögens auszubringen;
7. sicherzustellen, dass über Preis- und Marktbeobachtungsmechanismen auch
landwirtschaftliche Erzeuger*innen und Verbraucher*innen vor
übermäßigen Preiserhöhungen wirksam geschützt werden, und für diesen Zweck eine
öffentliche Preisbeobachtungs- und Kontrollstelle als unabhängige Behörde
einzuführen;
8. das Bundeskartellamt dazu anzuregen bzw. im Rahmen der Fachaufsicht
anzuordnen, eine bundesweite Untersuchung (Sektoruntersuchung) der
Marktsituation, der Marktkonzentration und unfairer Handelspraktiken im
Lebensmitteleinzelhandel durchzuführen; Ziel der Untersuchung sollte es sein,
Transparenz über mögliche Preisspitzen oder Profitverschiebungen entlang
der Lieferkette zu schaffen, zu prüfen, inwieweit die Preissteigerungen bei
Dünger- und Betriebsmitteln an Verbraucher*innen weitergegeben werden,
und regulatorische oder marktsteuernde Maßnahmen abzuleiten und
umzusetzen; zudem sollte gemäß den Erkenntnissen der Untersuchung des
Bundeskartellamts eine Übergewinnsteuer eingeführt werden.
Berlin, den 24. März 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Begründung
Die Nährstoffwende ist Bestandteil der sozial-ökologischen Transformation. Die Umstellung landwirtschaftlicher
Betriebe auf stickstoff- und input-unabhängigere Anbauverfahren ist darüber hinaus notwendig, um die
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und mineralischem Dünger zu verringern und die Betriebe resilient gegenüber
Preisschocks auf den Energiemärkten zu machen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung steigender
Lebensmittelpreise, dass ein erheblicher Teil der Kostensteigerungen entlang der Lieferkette an Verbraucher*innen
weitergegeben wird, während große Handelskonzerne wahrscheinlich Übergewinne erzielen. Eine gezielte Unterstützung
der Betriebe sowie eine Untersuchung der Handelspraktiken schaffen sowohl ökonomische Entlastung für
Landwirt*innen als auch Transparenz und fairere Preise für Konsument*innen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Caren Lay (Entschließungsantrag)
- authored ← David Schliesing (Entschließungsantrag)
- authored ← Fabian Fahl (Entschließungsantrag)
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Ina Latendorf (Entschließungsantrag)
- authored ← Jorrit Bosch (Entschließungsantrag)
- authored ← Katalin Gennburg (Entschließungsantrag)
- authored ← Lorenz Gösta Beutin (Entschließungsantrag)
- authored ← Luigi Pantisano (Entschließungsantrag)
- authored ← Marcel Bauer (Entschließungsantrag)
- authored ← Mareike Hermeier (Entschließungsantrag)
- authored ← Sahra Mirow (Entschließungsantrag)
- authored ← Sascha Wagner (Entschließungsantrag)
- authored ← Violetta Bock (Entschließungsantrag)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Gesetz zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von Kraftstoffpreisen und zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbe (Antrag auf Entschließung)