Änderung des Londoner Protokolls (CO2-Export) auf Bundestagsdrucksache 21/3194 und Erstes Gesetz zur Änderung des Hohe-See-Einbringungsgesetzes (Offshore-CCS/Geo-Engineering) auf Bundestagsdrucksache 21/3195
Text
Änderung des Londoner Protokolls (CO2-Export) auf Bundestagsdrucksache 21/3194 und Erstes Gesetz zur Änderung des Hohe-See-Einbringungsgesetzes (Offshore-CCS/Geo-Engineering) auf Bundestagsdrucksache 21/3195
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4619
21. Wahlperiode 10.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Michael Blos, Andrea Bleck, Dr. Ingo Hahn, Dr. Rainer
Kraft, Karsten Hilse, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Manuel
Krauthausen und der Fraktion der AfD
Änderung des Londoner Protokolls (CO2-Export) auf Bundestagsdrucksache
21/3194 und Erstes Gesetz zur Änderung des Hohe-See-Einbringungsgesetzes
(Offshore-CCS/Geo-Engineering) auf Bundestagsdrucksache 21/3195
Mit dem Gesetzentwurf auf Bundestagsdrucksache 21/3194 soll die Ausfuhr
von Kohlendioxidströmen auf dem Seeweg zur Beseitigung ermöglicht werden,
sofern die betroffenen Staaten eine „Übereinkunft oder Absprache“ eingehen
und die damit verbundenen Bedingungen einhalten.
Zugleich wird auf Bundestagsdrucksache 21/3194 ausgeführt, dass „mangels
kurzfristig ausreichend verfügbarer Speicherkapazitäten in Deutschland“ auch
der Export von abgeschiedenem Kohlendioxid in andere Staaten zur dortigen
Speicherung „notwendig“ sei.
Mit dem Gesetzentwurf auf Bundestagsdrucksache 21/3195 sollen u. a. die
Voraussetzungen für die Off-shore-Speicherung von CO2 im Anwendungsbereich
des Hohe-See-Einbringungsgesetzes (HSEG) geschaffen, der Export in andere
Staaten zur Offshore-Speicherung ermöglicht und die zulässigen Methoden zur
Erforschung des marinen Geo-Engineerings erweitert werden.
Der Gesetzentwurf auf Bundestagsdrucksache 21/3195 stellt außerdem klar,
dass die Rahmenbedingungen durch den Vorhabenträger überwacht und die
ermittelten Daten den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden
sollen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Mindestanforderungen (so möglich, bitte als Prüfliste)
muss die auf Bundestagsdrucksache 21/3194 genannte „Übereinkunft oder
Absprache“ erfüllen, um den Export von „Kohlendioxidströmen auf dem
Seeweg zur Beseitigung“ zu ermöglichen (z. B. Monitoring, Reporting,
Notfallmanagement, Langzeitkontrolle, Haftungsregeln)?
2. Nach welchen objektiv nachprüfbaren Kriterien bewertet die
Bundesregierung, ob ein Drittstaat im Rahmen einer „Übereinkunft oder Absprache“
die „damit verbundenen Bedingungen“ tatsächlich einhält (bitte Kriterien
und Zuständigkeiten benennen)?
3. Auf welche Sanktions- bzw. Durchsetzungsinstrumente beabsichtigt die
Bundesregierung zurückzugreifen, wenn der Zielstaat bzw. Betreiber die
Bedingungen aus der Übereinkunft bzw. Absprache nicht einhält (z. B.
Exportstopp, Vertragsstrafen, Sicherheitsleistungen, Kündigung bzw.
Anpassung der Übereinkunft)?
4. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ggf. ergreifen, um die
Öffentlichkeit und betroffene Interessengruppen in die Bewertung und
Veröffentlichung der (nach Bundestagsdrucksache 21/3194) Übereinkünfte
bzw. Absprachen (inklusive Anlagen und technischer Standards)
einzubeziehen?
5. Welcher Behörde wird die Bundesregierung voraussichtlich die
Hauptverantwortung für die Durchführung der Prüfungen übertragen, und welche
regelmäßigen Überprüfungsintervalle sind vorgesehen, um die Einhaltung
langfristig sicherzustellen?
6. Wie begründet die Bundesregierung die Aussage auf
Bundestagsdrucksache 21/3194 „Erfüllungsaufwand: Keiner“, angesichts der dort
vorausgesetzten Übereinkünfte bzw. Absprachen und der dort genannten
Einhaltung von Bedingungen (bitte die angenommene Aufgabenverteilung und
den Prüfaufwand darlegen)?
7. Wie erklärt die Bundesregierung, dass Bundestagsdrucksache 21/3194
Länder und Gemeinden als „nicht mit zusätzlichen Kosten belastet“
ausweist, obwohl bei Export bzw. Überwachung typischerweise
Verwaltungsaufgaben anfallen (bitte begründen)?
8. Welche konkreten Daten bzw. Annahmen (Zeithorizont, Mengen,
verfügbare Kapazitäten) liegen der Aussage zugrunde (Bundestagsdrucksache
21/3194), die Notwendigkeit des Exports begründe sich u. a. „mangels
kurzfristig ausreichend verfügbarer Speicherkapazitäten in Deutschland“
(bitte tabellarisch darstellen, so möglich)?
9. Welche Staaten bzw. Regionen kommen aus Sicht der Bundesregierung
dafür vorrangig in Betracht, wenn der Export in andere Staaten zur
Offshore‑Speicherung ermöglicht werden soll, und nach welchen
Auswahlkriterien soll dies geschehen (Bundestagsdrucksache 21/3195)?
10. Wie wird nach Einschätzung der Bundesregierung sichergestellt, dass der
ausländische Vertragspartner kein CO2 entweichen lässt?
11. Welche verbindlichen Kriterien nutzt die Bundesregierung zur
Abgrenzung „schwer oder nicht vermeidbar“ (Bundestagsdrucksache 21/3195
nennt als Ziel, „vor allem technisch schwer oder nicht vermeidbare
CO2‑Emissionen“ abzuscheiden, branchenbezogen; bitte prozessbezogen,
BAT (Biologischer Arbeitsstoff-Toleranzwert)‑Standard etc., angeben)?
12. Welche Methoden will die Bundesregierung konkret zusätzlich zulassen
(bitte einzeln benennen), und welche Ausschlusskriterien gelten
(Bundestagsdrucksache 21/3195 erweitert „Methoden zur Erforschung des
marinen Geo‑Engineerings“)?
13. Welche Mess‑ bzw. Berichtspflichten (Parameter, Frequenz, Dauer,
Datenformat) will die Bundesregierung verbindlich festlegen dafür, dass der
Vorhabenträger „Rahmenbedingungen überwacht“ und Daten an die
Behörden übermittelt, und sollen die Daten veröffentlicht werden (ebd.)?
14. Welche konkret benannten ökologischen Risiken für Meeresökosysteme
hat die Bundesregierung im Zusammenhang mit Offshore‑CCS (Carbon
Capture and Storage) sowie mit der nach Bundestagsdrucksache 21/3195
erweiterten Erforschung des marinen Geo‑Engineerings identifiziert (bitte
getrennt nach Risiken durch Normalbetrieb, Störfall bzw. Leckage, Bau,
Transport und Monitoring ausweisen; bitte jeweils mit kurzer
Wirkpfadbeschreibung, z. B. pH‑Absenkung/Säurebildung, CO2‑Plume‑Ausbreitung,
Austritte von Brine- bzw. Formation‑Fluids, Schwermetallmobilisierung,
benthische Habitatbeeinträchtigung, Änderungen von Biodiversität bzw.
Artenzusammensetzung ausweisen)?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Belastbarkeit ihrer
Risikobewertungen angesichts begrenzter Langzeiterfahrung und einer geringen Zahl
großskaliger Offshore‑CCS‑Standorte (bitte Bewertungsmaßstab:
Evidenzstufe, Unsicherheiten, Datenbasis, Übertragbarkeit, benennen)?
16. Welche peer‑reviewten Studien sowie welche behördlichen bzw.
amtlichen Bewertungen (z. B. nationale Fachbehörden, internationale Gremien,
Genehmigungs‑ bzw. Umweltprüfunterlagen) liegen der Bundesregierung
ggf. zu ökologischen Auswirkungen der Offshore‑CO2‑Speicherung vor,
einschließlich der Szenarien CO2‑Leckage sowie Brine- bzw.
Formation‑Fluid‑Austritt (bitte mit vollständiger Fundstelle bzw. Link und
Kurzinhalt: untersuchter Standort bzw. analog, Methodik, Kernergebnisse,
benennen)?
17. Welche explizit benannten Wissenslücken werden in diesen in Frage 16
erfragten möglichen Quellen ggf. festgestellt betreffend
a) Langzeitfolgen (Dekaden bis Jahrhundert),
b) kumulativer Effekte (mehrere Speicher bzw. mehrere Stressoren),
c) Worst‑Case‑ bzw. „low probability – high impact“‑Ereignisse,
d) Grenzen des Monitorings/Detektionsschwellen sowie Datenlücken
(bitte sinngemäß den folgenden Kategorien zuordnen)?
18. Wenn der Bundesregierung hierzu keine eigenen Bewertungen vorliegen,
sind andere Behörden (Bund oder Länder) zuständig, und bis wann liegen
entsprechende Bewertungen vor (vgl. Fragen 14 bis 17)?
Berlin, den 9. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Andreas Bleck (Kleine Anfrage)
- asked ← Ingo Hahn (Kleine Anfrage)
- asked ← Karsten Hilse (Kleine Anfrage)
- asked ← Manuel Krauthausen (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcel Queckemeyer (Kleine Anfrage)
- asked ← Martina Uhr (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Blos (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Rainer Kraft (Kleine Anfrage)
- authored ← Andreas Bleck
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Michael Blos
- part_of_vorgang → Änderung des Londoner Protokolls (CO2-Export) auf Bundestagsdrucksache 21/3194 und Erstes Gesetz zur Änderung des Hohe-See-Einbringungsgeset (Kleine Anfrage)