Bilanz des Antrittsbesuchs des Bundeskanzlers Friedrich Merz in China
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Bilanz des Antrittsbesuchs des Bundeskanzlers Friedrich Merz in China
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4616
21. Wahlperiode 10.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Dr. Rainer Rothfuß, Udo Theodor
Hemmelgarn, Torben Braga, Dr. Malte Kaufmann, Stefan Keuter, Dr. Alexander
Wolf und der Fraktion der AfD
Bilanz des Antrittsbesuchs des Bundeskanzlers Friedrich Merz in China
Der Bundeskanzler Friedrich Merz ist am 24. Februar 2026 zu seinem
Antrittsbesuch in die Volksrepublik China gereist und wurde dabei von einer 30-
köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet (www.handelsblatt.com/dpa/kanzler-b
esuch-in-peking-tauwetter-aber-kein-deutsch-chinesischer-fruehling/10020315
6 .html). Angesichts der strategischen Bedeutung Chinas für deutsche
Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen sowie der angespannten internationalen
Lage ist es in den Augen der Fragesteller erforderlich, Transparenz über
Zielsetzung, Vorbereitung und Ergebnisse dieser Reise zu schaffen.
Nach Auffassung der Fragesteller besteht erheblicher Zweifel, ob der Besuch
über Symbolpolitik und öffentlichkeitswirksame Ankündigungen hinaus zu
belastbaren Ergebnissen geführt hat. Zwar wurden erneut Großaufträge für
Flugzeuge und eine Vielzahl kleinteiliger Vereinbarungen kommuniziert, etwa zum
Handel mit Hühnerfüßen, zur Zusammenarbeit von Fußballvereinen oder zum
Klimaschutz, doch bleibt offen, welchen konkreten Beitrag solche Absprachen
zur Bewältigung der strukturellen Herausforderungen der deutschen Industrie
leisten.
Demgegenüber ist für die Fragesteller weiterhin unklar, welche messbaren
Fortschritte die Bundesregierung bei den seit Jahren bekannten Kernkonflikten
tatsächlich erreicht hat: reziproker und fairer Marktzugang für deutsche
Unternehmen, durchsetzbare Wettbewerbsbedingungen gegenüber staatlich
subventionierten Akteuren, wirksame Instrumente gegen Dumping- und
Verzerrungseffekte sowie eine spürbare Verringerung kritischer Abhängigkeiten,
insbesondere dort, wo China Exportbeschränkungen bei strategischen Rohstoffen und
Vorprodukten als Druckmittel einsetzen kann.
Zudem besteht bei den Fragestellern Klärungsbedarf darüber, welche
konkreten, überprüfbaren Erwartungen die Bundesregierung an China im Kontext des
russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine adressiert hat und welche
Ergebnisse hierzu erzielt wurden. Ebenso ist nach Ihrer Auffassung offenzulegen,
welche Signale im Zusammenhang mit der „Ein-China-Politik“ gesetzt wurden
und ob Deutschland damit vor allem Chinas außenpolitische Interessen
unterstützt hat, ohne im Gegenzug substanziell belastbare Zusagen zu erhalten. Vor
diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, ob der
Antrittsbesuch konkrete, nachprüfbare Verbesserungen bei den genannten Kernproblemen
erbracht hat oder ob er sich im Wesentlichen in PR-Terminen und
Nebenthemen erschöpft.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche überprüfbaren Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber
vor, ob und in welcher Form die Volksrepublik China in der
Vergangenheit konkrete und substanzielle Beiträge zu Bemühungen um ein Ende des
Krieges in der Ukraine geleistet hat (bitte nach Zeitpunkt, Art des Beitrags
und Gesprächsformaten aufschlüsseln)?
2. Welche konkreten Zusagen hat China gegenüber der Bundesregierung im
Zusammenhang mit einer Beendigung des russischen Angriffskrieges
gegen die Ukraine abgegeben, und welche dieser Zusagen wurden bislang
nachweislich umgesetzt?
3. Ist der Bundesregierung bekannt, ob und in welchem Umfang Russland,
die Volksrepublik China oder andere Staaten den Iran seit dem Angriff auf
den Iran am 28. Februar 2026 militärisch unterstützen, und wenn ja,
welche Staaten sind dies nach Kenntnis der Bundesregierung, und wie
bewertet die Bundesregierung den Einfluss dieser Unterstützung auf Verlauf
und Dynamik des Kriegs im Iran, insbesondere im Hinblick auf die
iranischen Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeiten sowie eine mögliche
regionale Eskalation?
4. Ist der Bundesregierung bekannt, dass nach einem Medienbericht kurz vor
Beginn des Kriegs im Iran ein Kaufvertrag über moderne chinesische
Schiffabwehrraketen zwischen Iran und China abgeschlossen wurde (vgl.
www.handelsblatt.com/politik/international/waffendeal-iran-koennte-mod
erne-schiffsabwehrraketen-aus-china-kaufen/100202969.html), wenn ja,
a) wurde dieses Thema bei dem Besuch des Bundeskanzlers in der
Volksrepublik China angesprochen, und wenn ja, mit welchem
Ergebnis,
b) gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Hinweise darauf, ob
Lieferungen bereits erfolgt sind oder noch bevorstehen (ggf. über
Drittstaaten bzw. Umwege), und
c) wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss eines solchen
Kaufvertrags auf Verlauf und Dynamik des Kriegs im Iran, insbesondere im
Hinblick auf die iranischen Verteidigungsfähigkeiten sowie eine
mögliche regionale Eskalation?
5. Ist der Bundesregierung die in Medienberichten kürzlich thematisierte
Warnung durch das US-Handelsministerium vor einer möglichen
chinesischen militärischen Eskalation gegen Taiwan ab 2027 bekannt (vgl. www.
heise.de/news/CIA-Briefing-zu-Taiwan-Apple-Chef-Tim-Cook-schlief-sc
hlecht-11188117.html), und wenn ja, welche Schlussfolgerung zieht die
Bundesregierung daraus für ihre eigene Lagebewertung der
Sicherheitslage in der Taiwanstraße?
6. Hat sich die Bundesregierung zur Einführung eines nationalen
Gedenktages durch die chinesische Regierung im Oktober 2025, der sich auf eine
„Wiedervereinigung“ mit Taiwan bezieht, eine eigene Auffassung
erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese, und welche Schlussfolgerungen zieht
die Bundesregierung daraus für ihre Bewertung der Eskalationsrisiken in
der Taiwanstraße (vgl. www.tagesanzeiger.ch/taiwan-china-fuehrt-neuen-f
eiertag-am-25-oktober-ein-277517963909 )?
7. Welche konkreten Anliegen hat Bundeskanzler Friedrich Merz während
seiner Reise nach China hierzu vorgetragen, und welche konkreten
Zusagen oder Reaktionen hat die chinesische Seite hierzu gegeben?
8. Hat die Bundesregierung eine ressortübergreifende Szenarioanalyse zu
möglichen Eskalationsstufen im Taiwan-Konflikt erstellt oder erstellen
lassen (wenn nein, bitte begründen), und wenn ja,
a) welche wesentlichen Risiken für deutsche Wirtschaft und Industrie
wurden dabei identifiziert (insbesondere Halbleiter, kritische
Rohstoffe, Energie, Logistik/Seeverkehr),
b) wurden Vertreter der deutschen Wirtschaft und Industrie über die
Ergebnisse dieser Evaluierung informiert, wenn ja, in welcher Form, und
wenn nein, welche Handlungsempfehlungen oder Leitlinien
kommuniziert die Bundesregierung an deutsche Unternehmen für ein Taiwan-
Szenario,
c) wurden auf Grundlage der Szenarioanalyse Notfallmaßnahmen
entwickelt oder beschlossen, und wenn ja, welche Teile dieser Analysen
und Planungen sind öffentlich zugänglich?
9. Welche internen Leitlinien, Handreichungen oder Abstimmungsvermerke
des Bundeskanzleramts und des Auswärtigen Amts lagen der
Vorbereitung der Reise zugrunde, und in welchen Punkten unterschieden sich die
Bewertungen bzw. Empfehlungen (bitte Unterschiede thematisch, ohne
wörtliche Wiedergabe geheimhaltungsbedürftiger Passagen, benennen)?
10. Welche Experten, externen Sachverständigen bzw. Vertreter welcher
Institutionen nahmen an dem Abendessen im Bundeskanzleramt zur
Vorbereitung der Reise teil, und welche Themenkomplexe wurden beraten (bitte
stichpunktartig angeben, vgl. www.spiegel.de/politik/deutschland/china-s
o-akribisch-hat-sich-friedrich-merz-auf-noch-keine-reise-vorbereitet-a-89
691f6b-b48f-4f1f-bb75-a55dbda8f46a)?
11. Wurden in der Vergangenheit durch das Bundeskanzleramt oder das
Auswärtige Amt vergleichbare Expertenrunden mit Schwerpunkt China
organisiert, und wenn ja, wie viele seit 2025, zu welchen Themenfeldern, unter
Beteiligung welcher Institutionen, Nichtregierungsorganisationen
(NGOs), Think-Tanks usw. (bitte Institutionen benennen), und auf welcher
Ebene nahmen Mitglieder der Bundesregierung bzw. des
Bundeskanzleramts teil (bitte Funktionsbezeichnungen, keine personenbezogenen
Daten)?
12. Welche Programmpunkte (Terminvorschläge bzw. Formatwünsche) hat
die Bundesregierung gegenüber der chinesischen Seite für die Reise
vorgeschlagen, welche davon wurden umgesetzt, und aus welchen Gründen
wurden ggf. Programmpunkte nicht realisiert (bitte Gründe kategorisieren:
terminlich, protokollarisch, inhaltlich, sicherheitsbezogen)?
13. Welche Mitwirkungsmöglichkeiten hatten die mitreisenden Unternehmen
bei der Programmgestaltung (z. B. Vorschlagsrecht, gemeinsame
Abstimmung, bilaterale Terminwünsche), und welche Programmpunkte gehen
auf Vorschläge der Unternehmen zurück (bitte Programmpunkt, Art der
Mitwirkung, ohne vertrauliche Geschäftsdetails benennen)?
14. Welche Bundesministerien und nachgeordneten Behörden waren mit
Bediensteten für Sicherheit, Protokoll, Presse- und Medienbetreuung (sowie
ggf. Dolmetschen und technische Unterstützung) an der China-Reise des
Bundeskanzlers Friedrich Merz beteiligt (bitte je Ressort bzw. Behörde
die Anzahl der entsandten Personen und die Aufgabenbereiche angeben),
und welche Kosten sind hierfür angefallen bzw. veranschlagt (bitte nach
Kostenarten wie Reisekosten, Unterbringung, Sicherheitsaufwand,
Logistik bzw. Transport, soweit verfügbar, aufschlüsseln)?
15. Welche Rolle hatte der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
(APA) bei der Zusammenstellung der Wirtschaftsdelegation (z. B.
Vorschläge, Koordination, Einladungsmanagement), und welche Kontakte
gab es zwischen APA und Bundeskanzleramt sowie anderen Ressorts zur
Delegationszusammensetzung (bitte Anzahl bzw. Zeitraum und Form:
Termin, Telefonat, Schriftverkehr, vgl. Antwort zu Frage 2 auf
Bundestagsdrucksache 20/11981)?
16. Wurden vor der finalen Auswahl der Wirtschaftsdelegation Prüfungen
durchgeführt, insbesondere im Hinblick auf mögliche
Interessenbindungen über nahe Angehörige, wenn ja, nach welchem Verfahren erfolgten
diese Prüfungen und zu welchem Ergebnis kamen sie (bitte nur aggregiert
nach Kategorien und Anzahl, ohne personenbezogene Daten angeben),
und wenn nein, bitte begründen?
17. Wurden externe Agenturen, Kanzleien oder Lobbydienstleister im
Zusammenhang mit der Reisevorbereitung bzw. Delegationskoordination
eingebunden, und wenn ja, welche Kategorien, und auf welcher Grundlage
(Vergabe, Beauftragung)?
18. Welche konkreten Vereinbarungen, Absichtserklärungen oder Memoranda
of Unterstanding wurden im Rahmen der China-Reise erzielt, welche
deutschen Unternehmen waren an welchen Vereinbarungen beteiligt (bitte
Unterzeichner, Projektpartner aufschlüsseln)?
Berlin, den 9. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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