Praxis und Umfang der Auslobung von Belohnungen durch Bundesbehörden zur Täterergreifung (Antwort zu Drs. 21/4241)
Text
Praxis und Umfang der Auslobung von Belohnungen durch Bundesbehörden zur Täterergreifung (Antwort zu Drs. 21/4241)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4640
21. Wahlperiode 06.03.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Brandner, Dr. Michael
Espendiller, Sascha Lensing und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/4241 –
Praxis und Umfang der Auslobung von Belohnungen durch Bundesbehörden zur
Täterergreifung
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Das Bundeskriminalamt (BKA) und der Generalbundesanwalt beim
Bundesgerichtshof (GBA) haben die Bevölkerung um Hinweise auf den oder die
Täter ersucht, die am 3. Januar 2026 durch einen Brandanschlag mehrere
Starkstromkabel in Berlin beschädigt haben. Der Anschlag führte im Berliner
Südwesten zu teilweise tagelangen Stromausfällen für rund 45 000
Privathaushalte, etwa 2 200 Gewerbebetriebe sowie mehrere Krankenhäuser und
Pflegeeinrichtungen (www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2026/Pres
se2026/260127_Zeugenaufruf_Brandanschlag_Berlin.html).
Zur Aufklärung der Tat veröffentlichten die Behörden Ende Januar 2026 einen
Fahndungsaufruf und lobten für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter oder
zur wesentlichen Aufklärung der Tat beitragen, eine Belohnung von bis zu
1 Mio. Euro aus. Es handelt sich hierbei um eine außergewöhnlich hohe
Summe. Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger bezeichnete die Auslobung als
einen „einmaligen Vorgang“ und erklärte, ihr sei kein vergleichbarer Fall
bekannt, in dem der Bund eine Belohnung in dieser Größenordnung ausgesetzt
habe (www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/berlin-stromausfall-belohnung-1
00.html).
Belohnungen haben in der Vergangenheit wiederholt zur Aufklärung schwerer
Straftaten beigetragen. So führte im Jahr 2024 ein mit einer Belohnung
verbundener Fahndungsaufruf zur Festnahme der früheren RAF-Terroristin
Daniela Klette. Das Bundeskriminalamt zahlte in diesem Zusammenhang
25 564,60 Euro an einen Hinweisgeber aus.
Vor dem Hintergrund der nunmehr ausgelobten Rekordsumme stellt sich die
Frage nach Umfang und Praxis der Auslobung von Belohnungen durch
Bundesbehörden zur Ergreifung mutmaßlicher Täter.
1. Wie häufig wurde im Zeitraum vom 1. Januar 2000 bis zum 31. Januar
2026 wegen der Begehung welcher Straftat eine Belohnung von welcher
Bundesbehörde für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter
führen sollten (bitte die Antwort nach Jahresscheiben aufschlüsseln)?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 6. März 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. In welchem Bundesland wurden die in der Frage 1 erfragten Straftaten
jeweils begangen (bitte die Antwort nach Jahresscheiben aufschlüsseln)?
3. In welcher Höhe wurden die einzelnen in der Frage 1 erfragten
Belohnungen jeweils ausgelobt (bitte die Antwort nach Jahresscheiben
aufschlüsseln)?
4. In wie vielen von den in der Frage 1 erfragten Fällen wurde die ausgelobte
Belohnung tatsächlich ausgezahlt, und in welcher Höhe erfolgte die
jeweilige Auszahlung (bitte die Antwort nach Jahresscheiben aufschlüsseln)?
5. In wie vielen von den in der Frage 4 erfragten Fällen führten die Hinweise
auch tatsächlich zur Ergreifung der Täter bzw. des Täters (bitte die
Antwort nach Jahresscheiben aufschlüsseln)?
Die Fragen 1 bis 5 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Konkrete Statistiken oder Archivdaten zu Auslobungen bei
Öffentlichkeitsfahndungen im Sinne der jeweiligen Fragestellung liegen dem
Bundeskriminalamt (BKA) nicht vor. Aufgrund rechtlicher Vorgaben im Zusammenhang mit
der Löschung personenbezogener Daten in beendeten Ermittlungsverfahren ist
zudem keine belastbare retrograde Erhebung für den angefragten Zeitraum
durch das BKA möglich.
Überdies kann eine Beantwortung der Fragen wegen des unzumutbaren
Aufwandes, der mit der Beantwortung verbunden wäre, nicht erfolgen. Das
Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat in ständiger Rechtsprechung bestätigt, dass
das parlamentarische Informationsrecht unter dem Vorbehalt der Zumutbarkeit
steht (BVerfG, Urteil vom 7. November 2017 – 2 BvE 2/11 –, Entscheidungen
des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE) 147, 50, 147 f.). Danach sind nur
die Informationen mitzuteilen, über die die Bundesregierung verfügt oder die
sie mit zumutbarem Aufwand in Erfahrung bringen kann.
Auslobungen von Belohnungen zur Täterergreifung werden durch den
Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) seit dem Jahr 2007 nicht mehr
statistisch erfasst. Erforderlich wäre daher eine händische Auswertung des bis
ins Jahr 2007 zurückreichenden immensen Aktenbestandes des GBA. Diese
Recherche würde die entsprechenden Arbeitseinheiten beim GBA für einen
erheblichen Zeitraum in einer Weise beanspruchen, dass diesen eine
ordnungsgemäße Erledigung ihrer Ermittlungsaufgaben nicht mehr möglich wäre.
Die Bundespolizei sowie das Zollkriminalamt bzw. die Zollfahndung haben in
dem fraglichen Zeitraum keine eigenen Auslobungen im Rahmen von
Öffentlichkeitsfahndungen vorgenommen.
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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