Haltung von Mast- und Zuchtkaninchen in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/4154)
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Haltung von Mast- und Zuchtkaninchen in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/4154)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4428
21. Wahlperiode 27.02.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ina Latendorf, Luigi Pantisano,
Marcel Bauer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/4154 –
Haltung von Mast- und Zuchtkaninchen in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Kaninchen ist ein Lauf- und Fluchttier. Es lebt in der freien Wildbahn in
großen Gemeinschaftsverbänden und Familiengruppen zusammen und
reagiert sehr empfindlich auf unsachgemäße und dem natürlichen Verhaltens- und
Bewegungsspektrum nicht angepasste Haltungsformen. Sowohl in der
intensiven landwirtschaftlichen Kaninchenmast und Kaninchenzucht als auch in den
meisten Heimtierhaltungen wird weder dem Bewegungsdrang und dem
ausgeprägten Sozialverhalten noch dem Bedürfnis nach Rückzugsmöglichkeiten
und aktiver Futtersuche nachgekommen. Schwere Verhaltensstörungen und
Verletzungen bis hin zu komplexen Krankheitsbildern können die Folge sein.
Strukturierte und ausgestaltete Käfige, Boden- oder Freilandhaltung bieten
den Tieren die Möglichkeit, sich von den Artgenossen zurückzuziehen sowie
ungestört Futter und Wasser aufzunehmen. Der Platzbedarf eines Kaninchens
muss sich sowohl an seiner Körpergröße als auch an seinem Bewegungsbedarf
ausrichten. Die Freilandhaltung von Kaninchen kommt den natürlichen
Ansprüchen am nächsten. Im Gegensatz dazu werden nur im geringeren Maße
artspezifische Bedürfnisse bei der Haltung in ausgestalteten strukturierten
Käfigen abgedeckt.
Statistiken zur Haltung von Kaninchen, Verbrauch von Kaninchenfleisch
sowie Import und Export sind rar und werden nicht zentral erfasst (vgl. Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache
18/8029). Die Haltung von Mast- und Zucht-Kaninchen wird seit 2014 in der
Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geregelt.
1. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den Bestand an
Mast- und Zucht-Kaninchen in Deutschland vor?
a) Wie hat sich der Bestand in den vergangenen zehn Jahren entwickelt
(bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?
b) Wie verteilt sich dieser Bestand auf gewerbliche und auf private
Haltungen?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung
und Heimat vom 27. Februar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die gewerbliche
Kaninchenmast in Deutschland (bitte nach Betriebsgrößen, Haltungsverfahren,
Bundesländern und Standorten aufteilen)?
3. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die gewerbliche
Kaninchenzucht in Deutschland (bitte nach Betriebsgrößen, Haltungsverfahren,
Bundesländern und Standorten aufteilen)?
4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die gewerbliche
Kaninchenhaltung zur Gewinnung von Wolle oder Blut in Deutschland (bitte
nach Betriebsgrößen, Haltungsverfahren, Bundesländern und Standorten
aufteilen)?
Die Fragen 1 bis 4 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die erbetenen Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
5. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den Import und
Export von Kaninchenfleisch vor (Menge und Länder), und wie haben
sich Import und Export in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Die erbetenen Informationen zu Import und Export von Kaninchenfleisch
können unter folgendem Link abgerufen werden: www-genesis.destatis.de/datenba
nk/online/url/4c4b5401.
6. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den Pro-Kopf-
Verbrauch von Kaninchenfleisch in Deutschland vor, wie hat sich dieser in
den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Die erbetenen Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
7. Wie bewertet die Bundesregierung die Regelungen zur Haltung von Mast-
und Zuchtkaninchen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, und
plant sie eine Weiterentwicklung derselben (z. B. Bodenbeschaffenheit,
Einstreu, Beschäftigungsmaterial, Besatzdichte, etc.)?
Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung regelt in dem im Jahr 2014
ergänzten Abschnitt 6 Anforderungen an Haltungseinrichtungen für Kaninchen sowie
an das Halten von Kaninchen und differenziert dabei teilweise zwischen Mast-
und Zuchtkaninchen. Die Vorgaben des Abschnitts 6 der Tierschutz-
Nutztierhaltungsverordnung definieren Mindeststandards, die eine tiergerechte Haltung
von Kaninchen sicherstellen sollen. Eine Weiterentwicklung des Abschnitts 6
der Tierschutz-Nutztierverordnung ist derzeit nicht geplant.
8. Wird sich die Bundesregierung für EU-weite Haltungsvorschriften zur
gewerblichen Kaninchenhaltung einsetzen (bitte begründen), die die Kritik
der EFSA (European Food Safety Authority) berücksichtigen (vgl. EFSA
(2020): Health and welfare of rabbits farmed in different production
systems, https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2020.5944)?
Die Bundesregierung unterstützt die Europäische Kommission in ihrem
Bestreben, die EU-Tierschutzvorschriften zu modernisieren. Im Juni 2025 hat die
Kommission eine Sondierung zu einer Folgenabschätzung veröffentlicht
(einsehbar unter folgendem Link: https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/ha
ve-your-say/initiatives/14671-Schutz-des-Tierwohls-bei-bestimmten-Nutztiere
n-im-Haltungsbetrieb-Modernisierung-der-EU-Rechtsvorschriften_de). Laut
der Sondierung beabsichtigt die Kommission, im vierten Quartal 2026 einen
Legislativvorschlag für die ersten Sektoren vorzulegen. Sie wird nach
Konsultationen der Interessenträger und Vorlage der Ergebnisse von
Durchführbarkeitsstudien entscheiden, welche Sektoren erfasst werden sollen.
9. Wird die Bundesregierung bei der geplanten Ausweitung des
Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf andere Nutztiere die Kennzeichnungspflicht
mittelfristig auch auf Kaninchenfleisch ausweiten (bitte begründen)?
Im Koalitionsvertrag der 21. Wahlperiode ist unter anderem die Reform des
Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes vereinbart. Im Rahmen dieser Reform soll
die Tierhaltungskennzeichnung insbesondere auch auf die Außer-Haus-
Verpflegung (AHV) sowie auf bestimmte verarbeitete Lebensmittel ausgeweitet
werden. Gleichzeitig wird geprüft, ob und gegebenenfalls welche weiteren
Tierarten zukünftig in das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz aufgenommen werden
können.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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