Hilfen zur Erziehung - Berichte über Zahlungsverzögerungen durch Jugendämter
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Hilfen zur Erziehung - Berichte über Zahlungsverzögerungen durch Jugendämter
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4197
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Heidi Reichinnek, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel,
Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin
Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Zada
Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Hilfen zur Erziehung – Berichte über Zahlungsverzögerungen durch Jugendämter
Hilfen zur Erziehung (HzE) nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sind ein
fester Bestandteil des Leistungskataloges nach dem Achten Buch
Sozialgesetzbuch (SGB VIII). Mit den HzE nach §§ 27 ff. SGB VIII erhalten Familien in
Krisen Unterstützung mit dem Ziel, das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu
sichern, ihre Entwicklung zu fördern und Eltern zu befähigen, diese Aufgaben
zu erfüllen. Im Jahr 2023 erhielten über 700 000 junge Menschen Hilfen zur
Erziehung, davon ca. 125 000 außerhalb der Familie in einer stationären
Einrichtung gemäß § 34 SGB VIII. Insbesondere im Bereich der stationären
Unterbringung nach § 34 SGB VIII fallen je nach Art der Hilfegewährung und
abhängig vom Bedarf der jungen Menschen regelmäßig untere bis mittlere
dreistellige Beträge pro Tag an. Die Kosten für die HzE betrugen im Jahr 2023
16,9 Mrd. Euro (kostenintensiv und größter Anteil sind die stationäre
Unterbringung) und sind nach den Kosten für die Kindertagesbetreuung (48,8 Mrd.
Euro in 2023) der zweitgrößte Ausgabenbereich in der Kinder- und
Jugendhilfe. (Vergleiche hierzu www.akjstat.tu-dortmund.de/fileadmin/user_upload/7
7_KomDat_1_2_25.pdf)
Zur Gewährung der HzE wird regelmäßig auf Angebote von freien Trägern
zurückgegriffen, die hierfür entgolten werden. Die Fragenstellenden haben
wiederholt Hinweise erhalten, wonach es bei der Entgeltung durch die
Jugendämter zum Teil zu massiven Verzögerungen kommt. Eine Umfrage des VPK
Landesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend und Sozialhilfe in
Nordrhein-Westphalen e. V. unter 66 stationären Trägern in Nordrhein-
Westfalen hat ergeben, dass knapp 14 Prozent der Träger bei jeder zweiten
Rechnung oder öfter über eine Zahlungsverzögerung berichteten. Bei rund
26 Prozent der Träger sei es bei jeder dritten oder vierten Rechnung, bei über
34 Prozent der Träger bei jeder fünften oder sechsten Rechnung zu
Zahlungsverzug gekommen. Bei den verbleibenden 26 Prozent sei es bei weniger als
jeder sechsten Rechnung zu einem Verzug gekommen. Bei einem Fünftel der
Träger erstreckte sich der Zahlungsverzug über ein oder mehrere Jahre. Es wird
dabei auf ausstehende Beträge im fünf- bis sechsstelligen Bereich verwiesen.
Insbesondere für kleine und mittelgroße Träger kann dies zu einer
Existenzbedrohung werden (Aufrufbar unter www.vpk-nw.de/index.php „Umfrage zu
Zahlungsverzögerungen“).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Zahlungsverzögerung
an leistungserbringende Träger der Erziehungshilfe im Rahmen von HzE
nach § 34 SGB VIII, wenn ja, bitte detailliert und nach Möglichkeit
aufgeschlüsselt nach Bundesländern ausführen, und wenn nein, plant die
Bundesregierung, diesbezüglich tätig zu werden (bitte begründen und ausführen)?
2. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in dem die Unterbringung und
Versorgung junger Menschen nach § 34 SGB VIII aufgrund von
Zahlungsverzögerungen oder ausbleibender Zahlungen durch Träger der freien
Jugendhilfe beendet wurden?
3. Welche weiteren Erkenntnisse hat die Bundesregierung über
Zahlungsverzögerung öffentlicher Träger an anerkannte freie Träger der Kinder- und
Jugendhilfe im Rahmen von Leistungserbringungen (bitte detailliert, nach
Möglichkeit nach Arbeitsfeldern entsprechend der Rechtsgrundlage und
aufgeschlüsselt nach Bundesländern, ausführen)?
4. Welche Konsequenzen können diese Zahlungsverzögerungen nach
Auffassung der Bundesregierung haben (bitte detailliert ausführen und dabei
zwischen Adressatinnen bzw. Adressaten der Leistung, dem
leistungserbringenden freien Träger sowie dem leistungsgewährenden öffentlichen Träger
unterscheiden)?
5. Wie beurteilt die Bundesregierung diesen Sachverhalt?
6. Welche Ursachen liegen nach Auffassung der Bundesregierung diesem
Sachverhalt zugrunde?
7. Welche Möglichkeiten haben nach Auffassung der Bundesregierung freie
Träger, um hier nicht unverschuldet in Notlage zu geraten?
8. Sieht die Bundesregierung im Rahmen ihrer Zuständigkeit
Handlungsbedarf, um insbesondere langanhaltende Zahlungsverzögerungen über ein
oder mehrere Jahre abzustellen (bitte begründen und ausführen)?
9. Sieht die Bundesregierung im Rahmen ihrer Zuständigkeit
Handlungsbedarf, um insbesondere Träger vor gehäuft auftretenden
Zahlungsverzögerungen zu schützen (bitte begründen und ausführen)?
Berlin, den 3. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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