Entlastungskabinett der Bundesregierung vom 5. November 2025
Text
Entlastungskabinett der Bundesregierung vom 5. November 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3775
21. Wahlperiode 22.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lars Haise, Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi,
Tobias Ebenberger, Sebastian Maack, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Pierre Lamely, Dr. Michael Espendiller und der Fraktion der AfD
Entlastungskabinett der Bundesregierung vom 5. November 2025
Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat am 5. November
2025 ein sogenanntes Entlastungskabinett einberufen und dabei ein Paket aus
acht Gesetzentwürfen sowie rund 50 Eckpunkten für weitere Maßnahmen zum
Bürokratieabbau vereinbart. Nach Angaben der Bundesregierung soll dies zu
einer Entlastung von mindestens 100 Mio. Euro führen und den Weg für
weitere Entlastungen in Milliardenhöhe ebnen. Gleichzeitig werden ambitionierte
Zielmarken genannt, darunter eine Reduzierung der Bürokratiekosten für die
Wirtschaft um 25 Prozent (rund 16 Mrd. Euro) sowie eine Senkung des
Erfüllungsaufwands um mindestens 10 Mrd. Euro (https://bmds.bund.de/themen/staa
tsmodernisierung/buerokratierueckbau).
Vor dem Hintergrund der anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation und der
weiterhin hohen Bürokratiebelastung, die nach Erhebungen des Ifo-Instituts
146 Mrd. Euro Wirtschaftsleistung kostet, werden diese Ankündigungen jedoch
vielfach als unzureichend bewertet (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/
buerokratieabbau-entlastungskabinett-diese-reformen-sollen-deutschland-helfe
n/100170844.html). Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) spricht lediglich
von einem „durchschnittlichen Ergebnis“ und fordert mit Blick auf den Umfang
der Bürokratie provokant „mindestens weitere 100 Entlastungskabinette“
(www.normenkontrollrat.bund.de/Webs/NKR/SharedDocs/Pressemitteilungen/
DE/2025/2025-11-05-entlastungskabinett.html). Auch Wirtschaftsverbände wie
der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Verband der
Chemischen Industrie (VCI) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer
(DIHK) kritisieren, dass die beschlossenen Maßnahmen zu wenig konkret und
für Unternehmen kaum spürbar seien, und warnen vor einem drohenden
„Bürokratieinfarkt“ (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/buerokratie-regierun
g-beschliesst-umfassendes-paket-zum-buerokratieabbau/100168506.html).
In diese Richtung argumentiert auch die Hauptgeschäftsführerin des BDI, Tanja
Gönner, die vor allem eine konsequente Umsetzung einfordert: „Die Koalition
hat sehr viel angekündigt, dem steht bisher aber wenig gegenüber, das schon
tatsächlich umgesetzt und für die Unternehmen spürbar ist“ (www.welt.de/wirt
schaft/article690b0ba0c629456c30f8aa0f/buerokratieabbau-wenig-umgesetzt-u
nd-spuerbar-was-das-entlastungskabinett-wirklich-bringt.html).
Ähnlich kritisch äußert sich DIHK-Präsident Peter Adrian. Im IHK (Industrie-
und Handelskammer)-Unternehmensbarometer 2025 fordert er ein
„Aufschwung-Gesetz“ nach dem Prinzip der „One-in-two-out“-Regel, wonach
für jede neue gesetzliche Verpflichtung mindestens zwei, besser drei
bestehende Vorschriften gestrichen werden sollen. Nur so lasse sich der
Bürokratieabbau spürbar beschleunigen – insbesondere im Hinblick auf die nationale
Gesetzgebung und die Vermeidung von EU-Übererfüllung (www.dihk.de/de/them
en-und-positionen/aufbruchssignale-fuer-deutschland-131512).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Kosten-Nutzen-Analysen liegen der Auswahl der acht
Gesetzentwürfe zugrunde, und warum wurde keine umfassende
Priorisierung der Maßnahmen mit dem größten Entlastungspotenzial
vorgenommen?
2. Wie wird die von der Bundesregierung genannte Entlastungssumme genau
berechnet, und warum ist sie im Vergleich zu den insgesamt angestrebten
16 Mrd. Euro jährlich so marginal (die Bundesregierung spricht von einer
Entlastung von „etwa 100 Mio. Euro“ durch die acht Entwürfe, vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
3. Wie hoch sind die jeweiligen Entlastungsziele für die Jahre 2026, 2027
und 2028?
4. Welche unabhängigen Gutachten (z. B. des Nationalen
Normenkontrollrats (NKR)) bestätigen diese Schätzung (der Entlastungssumme) ggf.?
5. Welche Bundesministerien haben, gemäß der Kritik des NKR-
Vorsitzenden, keine oder nur minimale Entlastungsvorschläge eingebracht
(bitte alle Bundesministerien mit der Zahl der jeweiligen
Entlastungsvorschläge auflisten)?
6. Welche Konsequenzen sieht die Bundesregierung ggf. für
Bundesministerien vor, die keine oder nur minimale Entlastungsvorschläge eingebracht
haben?
7. Gibt es für die Bundesministerien Sanktionen bei Verzögerungen, und
wenn ja, um welche Sanktionen handelt es sich, und wie werden diese
durchgesetzt?
8. Wenn der Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung,
Dr. Karsten Wildberger, von einem „Ergebnis, wie Deutschland es seit
vielen Jahren nicht erlebt hat“, spricht (www.mz.de/deutschland-und-welt/
deutschland/burokratieabbau-regierung-strebt-milliarden-entlastung-an-41
43222), welche vergleichbaren Entlastungspakete aus früheren
Legislaturperioden, etwa unter den Merkel-Regierungen, dienten dabei als
Richtwert, und warum scheiterten sie nach Einschätzung der jetzigen
Bundesregierung letztlich an der Umsetzung?
9. Hat sich die Bundesregierung zu der vom DIHK-Präsidenten Peter Adrian
geforderten Regel eines „Aufschwung-Gesetzes“, nach der für jede neue
Verpflichtung mindestens zwei (besser drei) bestehende Vorschriften
gestrichen werden sollen (siehe Vorbemerkungen der Fragesteller), eine
eigene Auffassung erarbeitet, und wenn ja, unterstützt sie diese
Forderung, und wie will sie diese ggf. insbesondere mit Blick auf die EU-
Übererfüllung national umsetzen?
10. Welche Folgetermine für weitere Entlastungskabinette sind bereits
terminiert, und welche Bundesministerien, Behörden und Länder sind hierzu
eingeladen?
Berlin, den 15. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Alexander Arpaschi (Kleine Anfrage)
- asked ← Edgar Naujok (Kleine Anfrage)
- asked ← Lars Haise (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Espendiller (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Kaufmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Pierre Lamely (Kleine Anfrage)
- asked ← Robin Jünger (Kleine Anfrage)
- asked ← Ruben Rupp (Kleine Anfrage)
- asked ← Sebastian Maack (Kleine Anfrage)
- asked ← Steffen Janich (Kleine Anfrage)
- asked ← Tobias Ebenberger (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Lars Haise
- authored ← Ruben Rupp
- part_of_vorgang → Entlastungskabinett der Bundesregierung vom 5. November 2025 (Kleine Anfrage)