Umsetzung des Konzepts "Inklusion und Diversitätsorientierung im weltwärts-Programm" (Antwort zu Drs. 21/3415)
Text
Umsetzung des Konzepts "Inklusion und Diversitätsorientierung im weltwärts-Programm" (Antwort zu Drs. 21/3415)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3765
21. Wahlperiode 20.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Corinna Rüffer, Claudia Roth, Nyke
Slawik, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/3415 –
Umsetzung des Konzepts „Inklusion und Diversitätsorientierung im weltwärts-
Programm“
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das weltwärts-Programm beschäftigt sich seit 2011 mit Inklusion. Mit einer
Förderung durch die Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen (2012 bis
2014) begann die weltwärts-Trägerorganisation bezev (Behinderungs- und
Entwicklungszusammenarbeit e. V.), die auch Freiwillige mit Behinderungen
entsendet, damals mit dem Abbau struktureller Teilhabebarrieren und der
Inklusion von Freiwilligen mit Behinderungen ins weltwärts-Programm. Diese
Arbeit konnte mit dem Aufbau des „Kompetenzzentrums für Inklusion für
Menschen mit Beeinträchtigung/Behinderung im weltwärts-Programm“
aufgenommen und aufgrund der Förderung durch das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zwischen 2015 und
2022 intensiviert werden. Ziel war es, das weltwärts-Programm durch
Sensibilisierung und Kompetenzaufbau bei allen Programmakteuren inklusiver zu
gestalten. Teilhabebarrieren konnten durch fachspezifische Ansprache-,
Beratungs-, Schulungs- und Netzwerkstrukturen verringert und deutlich mehr
Menschen mit Beeinträchtigung bzw. Behinderung entsendet werden.
Gefördert wurden in diesem Rahmen auch Aufbau und Begleitung einer
Selbstvertretungsgruppe ehemaliger Freiwilliger mit Beeinträchtigung bzw.
Behinderung („People for Inclusion“).
Obwohl das BMZ mit dem Reformkonzept „BMZ 2030“ (2020) und dem
„Menschenrechtskonzept der deutschen Entwicklungspolitik“ (2023)
Inklusion als ein Qualitätsmerkmal und Gütesiegel für die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit anerkannt und festgelegt hat, wurde ein weitere Förderung
des Kompetenzzentrums nicht als notwendig erachtet. Stattdessen verweist
das BMZ auf das Konzept „Inklusion und Diversitätsorientierung im
weltwärts-Programm“ (www.weltwaerts.de/files/media/dokumente_dc/de/Organis
ationen/Inklusion/Konzept-weltwaerts-Inklusion-Diversitaetsorientierung-b
f.pdf). Darin wird anerkannt, dass „die Inklusion von Menschen mit
Beeinträchtigung beziehungsweise Behinderung für die staatlichen Akteure
verpflichtend“ ist (vgl. S. 1). Das Konzept zielt darauf ab, Inklusion und
Diversitätsorientierung nachhaltig in der Durchführung, in der Qualitätssicherung und
Qualitätsentwicklung sowie auf der Steuerungsebene zu verankern: „Leitziel
ist die soziale Inklusion im entwicklungspolitischen (non-formalen) Bildungs-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 19. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
und Austauschprogramm weltwärts. Das Programm gewährleistet die Teilhabe
aller jungen Menschen, es richtet sich an Menschen in ihrer Diversität.
Strukturelle und institutionelle (Zugangs-)Hürden im Programm werden
identifiziert und wo möglich abgebaut“ (vgl. S. 3). Das Konzept orientiert sich an den
Aufgaben, die das „Kompetenzzentrum für Inklusion für Menschen mit
Beeinträchtigung/Behinderung“ innehatte, und geht davon aus, dass die
Beteiligten im Gemeinschaftswerk Inklusion und Diversität als ihre
Eigenverantwortung erkennen und umsetzen.
Eine Evaluation ist nach Kenntnis der Fragestellenden bislang nicht erfolgt.
Die im Konzept genannte „arbeitsteilige Verortung“ der Aufgaben bleibt in
der Praxis unübersichtlich. Unklar bleibt, ob die Aufgabenübertragung vom
Kompetenzzentrum auf die dezentralen Strukturen (z. B.
Trägerorganisationen, Qualitätsverbünde, Koordinierungsstelle) in der Praxis tatsächlich
funktioniert hat. Auch ist fraglich, ob die einzelnen Träger bislang überhaupt
erforderliche Strukturen und Kompetenzen schaffen konnten, um den bisherigen
Erfolg des Programms nach dem Auslaufen der Förderung des
Kompetenzzentrums weiterhin aufrechtzuerhalten.
Aus Sicht vieler zivilgesellschaftlicher Akteure ist mit dem Wegfall des
Kompetenzzentrums ein erheblicher Kompetenzverlust eingetreten. In Zeiten
wachsender globaler Ungleichheiten und gesellschaftlicher Spaltung ist es
wichtiger denn je, Freiwilligendienste inklusiv und diversitätsorientiert
weiterzuentwickeln. Dies erfordert nicht nur ein Konzept, sondern konkrete
Verantwortlichkeiten, dauerhafte Strukturen, Transparenz und Teilhabe.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) fördert mit dem weltwärts-Programm einen entwicklungspolitischen
Lern- und Freiwilligendienst für junge Menschen, der von
zivilgesellschaftlichen Akteuren in einem Gemeinschaftswerk durchgeführt wird.
Das weltwärts-Programm wird als Gemeinschaftswerk von staatlichen und
zivilgesellschaftlichen Organisationen gemeinsam verantwortet. Die Gestaltung
und Weiterentwicklung des Freiwilligendienstes wird über den
Programmsteuerungsausschuss gemeinschaftlich vom BMZ, Engagement Global, den
zivilgesellschaftlichen Verbünden der Träger (Qualitäts- und Interessensverbünde)
sowie den ehemaligen Freiwilligen (PFIF) getragen. Dies gilt für die
Durchführung, die Qualitätssicherung und -entwicklung sowie für den Bereich
„Inklusion und Diversitätsorientierung im Programm“. Die zivilgesellschaftlichen
Träger setzen das Programm mit ihren internationalen Partnern
eigenverantwortlich um und sind zentrale Akteure im Gemeinschaftswerk.
Die beteiligten Akteure setzen sich im Sinne sozialer Inklusion, Teilhabe und
Diversitätsorientierung dafür ein, die Zielgruppe des weltwärts-Programms in
ihrer Diversität zu berücksichtigen. Inklusion und Diversitätsorientierung
werden sowohl als Ziel als auch im fortzuentwickelnden Prozess verstanden und
sind in Strukturen, Durchführung und Steuerung als Querschnittsthema im
Programm verankert.
Die verstärkten Bemühungen rund um das Thema Diversität und Inklusion
finden in einem sich verändernden und für das weltwärts-Programm
herausfordernden Umfeld statt. Ein wichtiger Punkt ist das veränderte Jugendverhalten
und ein im Zuge der Erfahrungen während der COVID-19-Pandemie sowie
gegenwärtiger geopolitischer Auseinandersetzungen gewachsenes Bedürfnis nach
mehr Sicherheit und Planbarkeit der eigenen Lebensentwürfe. Gleichzeitig
haben die steigenden Lebenshaltungskosten im In- und Ausland einerseits und
geringere Haushaltmittel andererseits die finanziellen Spielräume innerhalb des
Programms stark verringert. Diese Entwicklung erschwert momentan die
auskömmliche Finanzierung der Einsätze und zwingt Programm und Träger zu
zusätzlichen Effizienz- und Priorisierungsentscheidungen.
Es bleibt das erklärte Ziel von weltwärts, Zugangs- und Teilhabehürden für alle
jungen Menschen zu senken und neue Zielgruppen für weltwärts zu begeistern
– unabhängig von persönlichen oder zugeschriebenen Merkmalen – und die
Teilnahme über geeignete Förderinstrumente sowie diskriminierungssensible
Strukturen zu ermöglichen. Dazu zählen ergänzende finanzielle
Unterstützungen für individuelle Bedarfe, bedarfsorientierte Qualifizierungsangebote sowie
kontinuierliche Qualitätsentwicklung mit Fokus auf Abbau von Barrieren.
1. Wie viele Menschen mit anerkannter Behinderung haben nach Kenntnis
der Bundesregierung in den Entsendejahren 2019/2020 bis 2024/2025
jeweils am weltwärts-Programm Nord-Süd sowie am weltwärts-Programm
Süd-Nord teilgenommen (bitte nach Entsendejahr, absolut und
prozentual angeben)?
Die Zahl der Teilnehmenden am weltwärts-Programm mit anerkannter
Behinderung (absolut und prozentual) wird nicht zentral erfasst. Auf Basis der Daten
aus der Freiwilligenbefragung der Jahre 2019 und 2020 sind folgende Werte
bekannt.
Jahr Nord-Süd Süd-Nord
2019 47 Personen (2 Prozent) 12 Personen (5 Prozent)
2020 18 Personen (0,96 Prozent) 4 Personen (2 Prozent)
Im Jahr 2021 wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie keine
Freiwilligenbefragung durchgeführt.
2. Für wie viele der Nord-Süd-Freiwilligen wurde in den
Entsendejahrgängen 2019/2020 bis 2024/2025 Inklusionskosten beantragt (bitte nach
Entsendejahr, Art der Beeinträchtigung, absolut und prozentual angeben)?
Die Koordinierungsstelle weltwärts erfasst seit dem Jahrgang 2022/23
standardmäßig die beantragten Inklusionskosten.
Die Anzahl der Freiwilligen, für die Mehrbedarfe beantragt werden, lässt keine
Rückschlüsse auf die Gesamtzahl der Freiwilligen mit Beeinträchtigung/
Behinderung zu, da nicht für alle Freiwilligen mit Beeinträchtigung/Behinderung
Inklusionskosten in Form von Mehrbedarfen beantragt werden.
Entsendejahrgang Anzahl der
Freiwilligen mit
Inklusionsbedarf
Anteil an der Zahl
aller
Teilnehmenden in Prozent
Art der Beeinträchtigung
2022/2023 11 0,5 • Hörbeeinträchtigung
• Einschränkungen der Mobilität
• psychische Beeinträchtigungen
Entsendejahrgang Anzahl der
Freiwilligen mit
Inklusionsbedarf
Anteil an der Zahl
aller
Teilnehmenden in Prozent
Art der Beeinträchtigung
2023/2024 25 1 • physische Beeinträchtigung (nicht weiter
benannt)
• psychische Beeinträchtigung
• Hörbeeinträchtigung/Gehörlosigkeit
• Sehbeeinträchtigung
• Autismus
• Epilepsie
2024/2025 29 1,2 • psychische Beeinträchtigungen
• Allergien/Unverträglichkeiten
• neurologische Störungen
• zerebrale Parese
• Diabetes
• ADS
• chronische Erkrankungen (nicht genau
benannt)
• Mehrfachbehinderung
• Hörbeeinträchtigung/Gehörlosigkeit
3. Aus welchen Gründen ist in den „Ergebnissen der
Freiwilligenbefragungen Nord-Süd“ (www.weltwaerts.de/de/suche.html?keywords=%22Erge
bnisse+der+Freiwilligenbefragung%22) seit 2020, anders als in den
entsprechenden Berichten von 2013 bis 2019, nicht mehr aufgeführt, wie
hoch der Anteil der Freiwilligen mit einer amtlich anerkannten
Behinderung bzw. einem Behindertenausweis ist?
4. Ist geplant, in den jährlichen Freiwilligenbefragungen die Abfrage nach
einer amtlich anerkannten Behinderung bzw. einem Behindertenausweis
wieder einzuführen, und wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 3 und 4 werden zusammen beantwortet.
Die Erfahrungen aus den erfolgten Beratungen von Trägerorganisationen,
Freiwilligen und deren Angehörigen sowie auch die beantragten
inklusionsbedingten Mehrbedarfe machten deutlich, dass mit der eingeschränkten Frage nach
einer anerkannten Behinderung bzw. einem Behindertenausweis der
tatsächliche Anteil der Teilnehmenden mit Beeinträchtigungen/Behinderungen im
Programm nicht umfassend genug erfasst werden konnte. Infolgedessen wurde die
Fragestellung in Abstimmung mit den Akteuren im Gemeinschaftswerk ab dem
Jahr 2022 geändert. Seit dem Jahr 2022 lautet die Frage: „Hast Du eine
Behinderung oder eine chronische körperliche oder medizinische, kognitive oder
psychische Beeinträchtigung, die dauerhaft, also länger als 6 Monate, besteht?“
Dies leistet zudem dem im weltwärts-Programm verwendeten breiten
Verständnis von Inklusion und Diversitätsorientierung Folge. Es ist nicht geplant, dies
zu ändern.
5. Wie wird darüber hinaus die Teilhabe von weiteren unterrepräsentierten
Gruppen (z. B. Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung,
Menschen mit beruflicher Ausbildung, queere Personen) im Rahmen des
Programms sichergestellt, und wie werden diese im Monitoring sowie den
jährlichen Freiwilligenbefragungen erfasst?
Die Gewinnung von jungen Männern, Menschen mit Flucht- und
Migrationserfahrung, Menschen mit beruflicher Ausbildung und queeren Personen wird
im Rahmen des weltwärts-Programms durch gezielte Maßnahmen unterstützt.
Dabei wird darauf geachtet, diese Gruppen stärker in das Programm
einzubeziehen und ihre Perspektiven und Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Folgende Maßnahmen sind vorgesehen:
a) Zielgruppenaffine Kommunikation: Für die Diversität der Teilnehmenden
ist die niedrigschwellige Zugänglichkeit der Informationen für alle
Interessierten entscheidend. Um grundsätzlich alle potenziell Interessierten zu
erreichen, wird auf eine vielfältige und inklusive Ansprache geachtet. Es gibt
beispielsweise spezielle Informationskampagnen, die sich gezielt an
Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung, Menschen mit
Migrationserfahrung oder Menschen mit beruflicher Ausbildung wenden.
b) Individuelle Beratung und Unterstützung erfolgt durch die
Trägerorganisationen, die Qualitätsverbünde und die Koordinierungsstelle weltwärts.
c) Monitoring und Evaluation: In den jährlichen Freiwilligenbefragungen
werden demografische Daten gesammelt, die es ermöglichen, die Anzahl und
die spezifischen Herausforderungen der ehemaligen Teilnehmenden zu
analysieren.
d) Reflexion und Anpassung der Maßnahmen: Basierend auf den Ergebnissen
aus den Freiwilligenbefragungen und dem Monitoring zur Umsetzung und
Wirksamkeit beschlossener Maßnahmen reflektiert der
Programmsteuerungsausschuss jährlich, ob Anpassungen vorgenommen werden sollten.
6. Welche Akteure sind dafür zuständig, die im Konzept „Inklusion und
Diversitätsorientierung im weltwärts-Programm“ auf Seite 3 genannten
Zielebenen umzusetzen bzw. zu erreichen?
Für die Umsetzung und Erreichung der auf Seite 3 des Konzeptes genannten
Zielebenen ist das Gemeinschaftswerk zuständig. Alle Akteure (BMZ,
Koordinierungsstelle weltwärts bei Engagement Global, Interessens- und
Qualitätsverbünde, Trägerorganisationen und Organisationen der Ehemaligen) leisten im
Programm ihren Beitrag.
7. Welche Maßnahmen sind zur Erreichung dieser Ziele bisher erfolgt, und
inwieweit wurden die Ziele bisher erreicht?
Inklusion und Diversitätsorientierung werden im weltwärts-Programm als Ziel
und gleichzeitig als kontinuierlicher Prozess verstanden. Die Strukturen des
Programms sowie die Tätigkeiten der beteiligten Akteure sind darauf
ausgerichtet, diskriminierungssensibel und diversitätsorientiert zu handeln. Bisher
umgesetzte Maßnahmen:
Kommunikation und Information
• Offensive Ansprache der Zielgruppen auf allen Medienkanälen,
Überarbeitung der Website, gezielte Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur
Ansprache von Freiwilligen mit Beeinträchtigung.
• Informationen werden in Leichter Sprache, Gebärdensprache und
barrierearmen Formaten (BITV 2.0-konform) bereitgestellt.
• Programmwebsite wurde überarbeitet.
Beratung und Unterstützung
Mitarbeitende der Koordinierungsstelle erhielten eine Grundlagenschulung zur
Beratung. Seit dem Jahr 2022 wurden die Aufgaben der Beratung sowohl bei
den Qualitätsverbünden als auch in der Koordinierungsstelle weltwärts
ausgebaut und verankert (siehe Antwort zu Frage 10). Eine zentrale Ansprechstelle
für Diversität und Inklusion wurde in der Koordinierungsstelle weltwärts
eingerichtet.
Qualifizierung und Vernetzung
Mitarbeitende in der Koordinierungsstelle und der Trägerorganisationen
wurden zu diskriminierungssensibler Öffentlichkeitsarbeit und inklusiver
Begleitung geschult. Die Offene Trägertagung bietet Austauschformate zu Inklusion
und Diversität.
Erreichung der Ziele: Die Maßnahmen sind im Gemeinschaftswerk strukturell
verankert und werden fortlaufend umgesetzt.
• Erste Monitoring-Daten zeigen Fortschritte: z. B. Anteil von Freiwilligen
mit Beeinträchtigung stabil bei 6 bis 8 Prozent, zunehmende
Beratungsanfragen und positive Rückmeldungen zur Barrierefreiheit der Website.
• Diversitätsorientierung wurde in den Zertifizierungsprozess der
Trägerorganisationen integriert.
8. Wie und in welcher Frequenz wird die Erreichung der Ziele überprüft?
Die Erreichung der Ziele erfolgt regelmäßig durch den
Programmsteuerungsausschuss (PSA). Die Koordination des PSA wird von jeweils einer Person von
staatlicher und zivilgesellschaftlicher Seite wahrgenommen.
9. Welche konkreten Aufgaben, die zuvor beim Kompetenzzentrum für
Inklusion für Menschen mit Beeinträchtigung bzw. Behinderung lagen,
werden heute von welchen Akteuren übernommen, und über welche
spezifischen Kompetenzen im Bereich Inklusion und Diversitätsorientierung
verfügen diese Akteure?
10. Wie ist die arbeitsteilige Umsetzung der Aufgaben aus dem Konzept
(S. 10 bis 16) in der Praxis erfolgt (bitte konkret benennen, welcher
Akteur, welche Aufgaben übernommen hat und wie dies zugewiesen
wurde)?
Die Fragen 9 und 10 werden zusammen beantwortet.
Die Aufgaben des Kompetenzzentrums werden nun – so im Konzept auch
beschrieben – von anderen Akteuren im Gemeinschaftswerk umgesetzt. So wurde
z. B. die Beratung zu Inklusionsfragen als reguläres Angebot bei den
Qualitätsverbünden und in der Koordinierungsstelle weltwärts angesiedelt. Das
Kompetenzzentrum für Inklusion für Menschen mit Behinderung (bezev) beriet und
schulte seit dem Jahr 2015 alle Akteure im Gemeinschaftswerk regelmäßig und
war zudem in den Jahren von 2019 bis 2022 an der strukturellen Verankerung
der Aufgaben im Bereich Inklusion und Diversitätsorientierung im
Gemeinschaftswerk maßgeblich beteiligt. Dies war zentral, um Kompetenzen innerhalb
des Gemeinschaftswerks aufzubauen und die Qualität in diesem Arbeitsfeld
nachhaltig sicherzustellen.
Die arbeitsteilige Verortung der Aufgaben im Bereich Inklusion und
Diversitätsorientierung bei den Akteuren im weltwärts Gemeinschaftswerk ist im
Detail auf den Seiten 10 bis 16 des Konzepts zu Inklusion und
Diversitätsorientierung im weltwärts-Programm dargestellt. Hier finden sich unter anderem die
Aufgaben – Schulung, Beratung, Informations- und Netzwerk- sowie
Advocacy-Arbeit beschrieben.
11. Welche Selbstvertretungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen
werden bei der Programmentwicklung in welcher Form konkret
eingebunden?
Wie in der Vorbemerkung der Bundesregierung beschrieben, wird als
Gemeinschaftswerk von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen
gemeinsam verantwortet. Die Gestaltung und Weiterentwicklung des
Freiwilligendienstes wird über den Programmsteuerungsausschuss gemeinsam vom BMZ,
Engagement Global, den zivilgesellschaftlichen Verbünden der Träger
(Qualitäts- und Interessensverbünde) sowie den ehemaligen Freiwilligen (PFIF)
getragen. Trägerorganisationen in Deutschland, deren Partner im Ausland und
ehemalige Freiwillige (Alumni) bringen sich als beteiligte Akteure in die
Gestaltung und Weiterentwicklung des Programms ein. Dies gilt für die
Durchführung, die Qualitätssicherung und -entwicklung und auch für den Bereich
„Inklusion und Diversitätsorientierung im Programm“. Die Angebote sind jeweils
für alle Akteure im Programm offen.
12. Wie viele Schulungen zu Inklusion und Diversitätsorientierung wurden
für Träger- und Partnerorganisationen im Zeitraum von 2015 bis 2022
durchgeführt (bitte thematisch und quantitativ aufschlüsseln)?
Schulungen, die durch bezev als Kompetenzzentrum seit dem Jahr 2017
durchgeführt wurden.
Zeitraum Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
2017–2019 13 • Methoden und Durchführung für inklusive Freiwilligendienste
(5x)
• Inklusive Zielgruppenansprache (3x)
• Umgang mit Freiwilligen mit psychischen Erkrankungen (1x)
• Sensibilisierung der Akteure für Inklusion im weltwärts-
Programm (4x)
2019–2022 18 • Durchführung inklusiver weltwärts-Freiwilligendienst (10)
• Inklusive Rückkehrendenarbeit (3x)
• Inklusive Öffentlichkeitsarbeit/Zielgruppenansprache (3x)
• Umgang mit Freiwilligen mit psychischen (Vor-)Erkrankungen
(2x)
Schulungen, die durch die Qualitätsverbünde (QV) durchgeführt wurden.
Für den Zeitraum der Jahre von 2015 bis 2019
QV Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
weltoffen 8 • Psychische Erkrankungen
• Prävention Sexualisierter Gewalt (4x)
• Umgang mit Rassismus und Anti-Bias (2x)
• Psychische Labilität und Vorerkrankungen
Verein
entwicklungspolitischer
Austauschorganisationen,
(ventao)
3 • Sexualisierte Gewalt
• Kulturbegriffe und ihre Anwendung
• Auswahlprozesse
Fachstelle für
internationale
Freiwilligendienste (FID)/
AGIAMONDO
7 • Umgang und Prävention sex. Gewalt (2x)
• Critical Whiteness/Sensibilität für Rassismus
• Rassismuskritische Öffentlichkeitsarbeit
• Kulturbewusste Kommunikation
• Umgang mit psychischen Belastungen (2x)
Aktionsgemeinschaft
Dienst für den
Frieden
(AGDF) &
Evangelischer
Qualitätsverbund weltwärts
von
Evangelischen
Freiwilligendiensten
(EQEB)
7 • Begleitung von Incoming-Freiwilligen im Umgang mit
diskriminierenden und rassistischen Alltagssituationen
• Reflexion von Differenzen in der Seminararbeit – Konzepte
Critical Whiteness, Anti-Bias Social Justice und Diversity
• Krisenprävention im Umgang mit belasteten Freiwilligen
• Koloniale Kontinuitäten
• Begleitung von Freiwilligen im Umgang mit diskriminierenden
und rassistischen Alltagssituationen
• Thema Bewerbungs- und Auswahlverfahren in
Freiwilligendiensten
• Zielgruppenerweiterung konkret
Für den Zeitraum der Jahre von 2020 bis 2022
QV Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
ventao 5 • Prävention von sexualisierter Gewalt
• Diskriminierungssensible Seminargestaltung
• Rassismuskritische Öffentlichkeitsarbeit
• Koloniale Kontinuitäten
• Rassismus Bilder in Köpfe
QV Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
AGDF &
EQEB
5 • Digitale, vierteilige Weiterbildungsreihe für pädagogische
Fachkräfte und ergänzende Weiterbildungsreihe für
Leitungskräfte zu den Themen: Grundlagen diversitätsbewusster Arbeit
in Freiwilligendiensten, Interkulturelle Öffnung von
Freiwilligendiensten, Umgang mit Vielfalt – Bildungsarbeit
diversitätsbewusst gestalten, Antirassismus Training
• 3-tägige Fachtagung „Vielfältig, weltoffen und inclusive?!!
Auf dem Weg zu Diversität in Freiwilligendiensten“
• Umgang mit Freiwilligen mit psychischen Vorerkrankungen
oder Belastungen in der Vorbereitungsphase im Internationalen
Freiwilligendienst – digital
• Krisenprävention im Umgang mit belasteten Freiwilligen –
psychischen Krisen (Incoming)
• Diversitätsbewusste Methoden für die pädagogische Begleitung
von Incoming-Freiwilligen
FID/
AGIAMONDO
5 • Freiwilligendienste im Kontext von Rassismus, Kapitalismus,
Sexismus und Klimakrise verstehen und begleiten
• Antirassismus
• Rassismus kritische Öffentlichkeitsarbeit
• Mehrfachdiskriminierung- (k) ein Thema für uns?! Queere
Perspektiven in der Arbeit zu Rassismus und Migration
• FW mit psychischen Vorbelastungen
weltoffen 2 • Sexualität und Prävention von sexualisierter Gewalt in der
Begleitung von internationalen Freiwilligendiensten (Incoming)
• Umgang mit psychischen Erkrankungen im intl. FWD
13. Wie viele und welche Schulungen zu Inklusion und
Diversitätsorientierung wurden für Träger- und Partnerorganisationen seit dem 1. Januar
2023 (nach Auslaufen des Kompetenzzentrums) durch wen und wann
durchgeführt?
Für den Zeitraum der Jahre von 2023 bis 2025
QV Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
ventao 4 • Psychische Gesundheit
• Resilienz von Freiwilligen
• Psychische Gesundheit im weltwärts-Programm
• Prävention von sexualisierter Gewalt in der Süd-Nord
Komponente
FID/
AGIAMONDO
5 • Prävention und Umgang mit sexualisierter Gewalt
• Umgang mit psychischen Vorbelastungen mit Schwerpunkt auf
Gesprächsführung
• Supervisionsreihe zu psychischen Belastungen
• Supervisionsreihe zu psychischen Belastungen 2. Durchlauf
• Rassismuskritisch „Teamen“ als weißes Team
QV Anzahl der Schulungen Thematische Ausrichtung
weltoffen 7 • Unterstützung von Incoming-Freiwilligen im Umgang mit
Rassismuserfahrungen
• Pädagogische Begleitung im Kontext Freiwilligendienst
diskriminierungskritisch gestalten
• Umgang mit psychischen Störungen und Krisen im
internationalen Freiwilligendienst (2x)
• Sexualität und Prävention von sexualisierter Gewalt in der
Begleitung von Outgoing-Freiwilligen (2x)
• Incoming FW empowern
AGDF &
EQEB
4 • Mehrtägige Weiterbildung zu Moderator*innen von
Diversitätszirkeln (diversitätsorientierte Organisationsentwicklung in
der Trägergruppe
• Durchführung eines Brave Space im Rahmen eines
Trägertreffens
• Seminar zum Thema Umgang mit psychischen (Vor-)
Erkrankungen in internationalen Freiwilligendiensten (2x)
14. Wer hat seit dem 1. Januar 2023 wann Fachtage zu welchen Themen
durchgeführt, und inwieweit waren darunter auch Fachtage zu
diversitätsorientierter Organisationsentwicklung?
Die Trägerorganisationen meldeten an die Qualitätsverbünde und die
Koordinierungsstelle weltwärts zurück, dass der Austausch zu den aufgeführten
Themen im Rahmen von bereits gesetzten Veranstaltungen (z. B. Offene
Trägertagung des weltwärts-Programms oder Trägertagungen der Qualitätsverbünde)
eingebunden wird. Seit dem Jahr 2023 werden Workshops und
Austauschrunden zu Diversitätsorientierung und Inklusion jeweils bei der Offenen
Trägertagung angeboten. Zudem fanden im Zeitraum der Jahre von 2023 bis 2025
folgende Partnerkonferenzen statt, die dem Austausch (u. a. zum Thema Inklusion
und Diversität) und der Netzwerkarbeit dienten (Ruanda Mai 2023; Berlin
Oktober 2023; Ghana Januar 2024; Argentinien Mai 2024; Indien September
2025; Südafrika März 2025; Ecuador Oktober 2025).
Darüberhinausgehende Aktivitäten der einzelnen Qualitätsverbünde:
Der Verein entwicklungspolitischer Austauschorganisationen e. V (ventao) hat
seit 1. Januar 2023 keinen Fachtag mit explizitem Fokus auf
diversitätsorientierter Organisationsentwicklung ausgerichtet. Die Themen „Diversität und
Inklusion“ wurden in verschiedenen Veranstaltungen (Workshops,
Austauschformaten, Mitgliederversammlung und Thementag) immer wieder zu
verschiedenen Aspekten des weltwärts-Programms mit aufgegriffen.
Der QV weltoffen hat im Juni 2023 einen Fachtag zum Thema „Umgang mit
dem kolonialen Erbe in der IPZ“ durchgeführt. Darüber hinaus hat die
Geschäftsstelle des AKLHÜ (inklusive der Referentinnen und Referenten des QV
weltoffen) im Rahmen des internen Rebranding-Prozesses im Mai 2025 eine
Fortbildung zum Thema Dekolonialisierung in der
Entwicklungszusammenarbeit organisiert.
Die Evangelische Freiwilligendienste gGmbH, zu der auch der
Qualitätsverbund EQEB gehört, hat im Jahr 2024 eine mehrtägige Fachtagung zum Thema
„Incoming-Freiwilligendienste im Spannungsfeld zwischen
Fachkräftegewinnung und Bildungsjahr“ durchgeführt (Themenschwerpunkte: Incoming-FWD
aus Sicht des Auswärtigen Amts und visarechtliche Betrachtungen,
Erwartungshaltungen & Konzepte aus Sicht der Partnerorganisationen und
Einsatzstellen, Studie „Incoming-Freiwillige und ihre sozialen Beziehungen“).
Zusätzlich organisierte die Evangelische Freiwilligendienste gGmbH im Rahmen
einer Projektstelle im Jahr 2025 eine Ausbildungsreihe für Mitarbeitende der
angeschlossenen Trägerorganisationen zu „Moderator*innen von
Diversitätszirkeln“ (Ziel: Begleitung von diversitätsorientierten
Organisationsentwicklungsprozessen).
FID/AGIAMONDO: Neben den oben aufgeführten Fortbildungen sind Themen
der Diversität und Inklusion auch auf Trägertagungen sowie bei den Treffen der
regionalen und thematischen Qualitätszirkel fest verankert. In diesem Rahmen
findet ein kollegialer Austausch, häufig in thematischen Kleingruppen, statt,
bei dem beraten wird sowie Konzepte und Erfahrungen geteilt werden.
15. Wie viele Beratungen zu Inklusion, Mehrbedarfen und
Diversitätsorientierung hat die Koordinierungsstelle seit dem 1. Januar 2023
durchgeführt und zu welchen spezifischen Themen bzw. Fragen?
Seit dem 1. Januar 2023 finden Beratungen sowohl durch die Ansprechstelle
als auch durch die Mitarbeitenden der Koordinierungsstelle weltwärts bei EG
statt.
Durch die Ansprechstelle der Kww erfolgten in
• 2023: 30 Erstberatungsprozesse,
• 2024: 28 Erstberatungsprozesse,
• 2025: 32 Erstberatungsprozesse,
• 2026: bisher zwei Erstberatungsprozesse,
von am Freiwilligendienst Interessierten bzw. deren Eltern oder Lehr- bzw.
Assistenzpersonal. Zudem erfolgten insgesamt 14 Beratungen von
Trägerorganisationen zu allgemeinen Fragen der inklusiven Entsendung bzw. Aufnahme.
Thematische Schwerpunkte der Beratungsprozesse:
• Möglichkeiten der inklusiven Entsendung: Voraussetzungen für die
Teilnahme an einem Freiwilligendienst,
• Austausch zu speziellen Bedarfen und Möglichkeiten im Programm für eine
gelingende Teilnahme am Freiwilligendienst,
• Prozessbegleitung und Unterstützung bei der Suche und Ansprache von
geeigneten Trägerorganisationen,
• Austausch zu Informationsmaterialien und Erfahrungsberichten,
• Bereitstellung von Informationen und Materialien für Trägerorganisationen
zu spezifischen inklusionsbedingten Mehrbedarfen,
• Austausch zu lessons-learned.
16. Wie viele Beratungen zu Inklusion, Mehrbedarfen und
Diversitätsorientierung wurden seit dem 1. Januar 2023 durch welchen
Qualitätsverbünde durchgeführt und zu welchen spezifischen Themen bzw. Fragen?
QV Anzahl der Beratungen Thematische Ausrichtung
ventao 81 • Vorerkrankungen
• Psychische Vorerkrankungen, Teilnahme am weltwärts-
Programm
• Mehrbedarf
• Inklusion
• Nachteilsausgleich
• Sprachkurs
• Empowerment
• Diskriminierung
• Sensibilisierung
• Prävention und Umgang mit sexualisierter Gewalt
Gemeinsam für
Qualität in
internationalen
Freiwilligendiensten (GfQ)
35 • Umgang und Begleitung bei unterschiedlichen
Rassismuserfahrungen von Freiwilligen
• Entsendungen und Aufnahmen mit unterschiedlichen
Vorerkrankungen/Beeinträchtigungen (z. B. Diabetes, Essstörungen,
psychischen Vorerkrankungen)
• Medikamentensicherung im Ausland
• Eintragungen beim Auswärtigen Amt
• pädagogische Begleitung bei physischen oder psychischen
Vorerkrankungen
FID/
AGIAMONDO
170 s. o. ventao zusätzlich auch Beratung zu Versicherungsabschlüssen
mit Vorerkrankung
weltoffen 50 Keine Ergänzungen zu den oben genannten Beratungsthemen
17. Welche Trägerorganisationen haben eigene Beratungsstrukturen für
Freiwillige mit Behinderung aufgebaut und Beratungen durchgeführt?
Die Trägerorganisationen haben keine eigenen Beratungsstrukturen für
Freiwillige mit Beeinträchtigung und Behinderung. Über die Qualitätsverbünde nutzen
sie Beratungsangebote wie z. B. von bezev und IN VIA.
18. Welche Organisationen haben seit dem 1. Januar 2023 welche
Programmbegleitmaßnahmen zu Inklusion bzw. Diversitätsorientierung
beantragt, wie viele und welche Anträge bzw. Maßnahmen wurden
bewilligt, und wie viele und welche Anträge bzw. Maßnahmen wurden mit
welcher Begründung abgelehnt?
Seit dem 1. Januar 2023 hat eine Trägerorganisation („Behinderung und
Entwicklungszusammenarbeit e. V.“) eine Programmbegleitmaßnahme zu
Inklusion und Diversitätsorientierung beantragt. Der Antrag wurde seinerzeit
abgelehnt, da die Förderkriterien für Programmbegleitmaßnahmen (Förderung
konkreter Vorhaben wie z. B. Fortbildungen, Beratungen, Infoveranstaltungen)
nicht ausreichend erfüllt waren. Dem Träger wurde angeboten, erneut einen
Antrag einzureichen, sofern dieser sich nachweislich an den Bedarfen der
beteiligten weltwärts-Akteure orientiert seinen Finanzierungsplan angemessen und
nachvollziehbar aufstellt. Der Träger hat dieses Angebot bisher nicht
wahrgenommen.
19. Sind alle von bezev als Kompetenzzentrum erstellten Materialien
(Handbücher, Checklisten, Infoblätter) auf der weltwärts-Website zugänglich,
und wenn nein, warum nicht?
Die Inhalte der Materialien werden in den Beratungsprozessen verwendet und
bei Bedarf auch zur Verfügung gestellt. Im Dokumentencenter der weltwärts-
Webseite sind unter der Überschrift „Diversität fördern“ zur besseren Übersicht
nur ausgewählte Beratungsdokumente veröffentlicht.
20. Wer ist jeweils für die Pflege, Weiterentwicklung und barrierefreie
Bereitstellung dieser Materialien sowie die Pflege von Informations- und
Beratungswebsites, die Erarbeitung neuer Materialien und den Aufbau
eines Referentinnen- und Referentenpools zuständig, was ist seit dem
1. Januar 2023 in diesen Aufgabenbereichen geschehen?
Die Qualitätsverbünde haben einen Pool von Referentinnen und Referenten, die
sie engagieren und weiterempfehlen. Dieser wird kontinuierlich erweitert und
richtet sich nach den thematischen Schwerpunkten der von den QV
ausgerichteten Seminaren und Fachtagungen.
21. Welche Träger und Qualitätsverbünde stellen eigene barrierefreie
Materialien zu inklusivem Freiwilligendienst bereit, und wo finden
Trägerorganisationen jenseits der Praxishilfe „Inklusion und Teilhabe von
Freiwilligen mit Behinderung“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands
praktische Informationen für die Entsendung von Freiwilligen mit
Behinderungen in den Globalen Süden sowie Menschen mit Behinderungen
spezifische Informationen über inklusive Einsatzstellen in Afrika, Asien,
Lateinamerika und Osteuropa?
Das gesamte Gemeinschaftswerk mit seinen Beratungsstrukturen unterstützt
Organisationen, die Freiwillige mit Beeinträchtigung oder Behinderung
entsenden oder empfangen möchten. Die Unterstützungsbedarfe können in den
Bereichen Hören, Sehen, Motorik, Psyche, medizinische Mehrbedarfe Lernen, etc.
liegen. Hierzu gibt es spezifische Informationsblätter und Checklisten, darunter
die den Trägerorganisationen zur Verfügung gestellten. In der Beratung wird
regelmäßig auf die bestehenden Materialien zum Thema Diversitätsförderung
und Inklusion im Dokumentencenter der weltwärts-Homepage verwiesen. Der
Qualitätsverbund ventao stellt auf der eigenen Website ebenfalls eine
Sammlung von Materialien zum Thema Inklusion zur Verfügung.
22. In welcher Form werden aktuell Informationen für Freiwillige mit
Lernschwierigkeiten oder Seh- bzw. Hörbeeinträchtigungen aufbereitet?
Die zentrale Programmwebsite sowie die darauf bereitgestellten Dokumente
und Informationen werden regelmäßig auf Barrierefreiheit überprüft.
Allgemeine Informationen zur inklusiven Entsendung und Aufnahme von Freiwilligen
sowie spezifische Informationen für Freiwillige und Organisationen sind
zentral verfügbar.
Wichtige Informationen sind auf der zentralen Programmwebsite in Leichter
Sprache, Gebärdensprache und im Kontrast verfügbar.
23. Welche virtuellen oder physischen Austausch- und Vernetzungsformate
zu Inklusion und Diversitätsorientierung wurden seit dem 1. Januar 2023
für welche Zielgruppen durchgeführt (neben der offenen Trägertagung)?
Die politische Freiwilligenvertretung von weltwärts (PFIF) vertritt aktiv
Inklusions‑ und Diversitätsbelange. Die digitale Vernetzung über das Instagram‑
Profil fördert Beteiligung für alle Community-Mitglieder (Alumni), u. a. durch
Mehrsprachigkeit, und eine möglichst barrierearme Umsetzung der Posts. Der
Community Fund von grenzenlos e. V. unterstützt ehemalige Süd-Nord-
Freiwillige dabei, eigene Projektideen, Weiterbildung und Community-
Wochenenden außerhalb Deutschlands umzusetzen. Der Beirat des Funds ist vielfältig
zusammengesetzt. Digitale Workshops und Angebote der weltwärts Community
Wochenenden sind zweisprachig zugänglich und bauen Reisebarrieren ab.
Global Ambassadors – sechs internationale ehemalige Freiwillige
repräsentieren die weltwärts Community im Globalen Süden (Mexiko & Mittelamerika,
Südamerika, Indien, Südliches- und Östliches Afrika). Sie schaffen Strukturen
für Austausch, Vernetzung und Orientierung für weiterführendes Engagement
zur Unterstützung zurückgekehrter Süd-Nord-Freiwilliger.
Regionale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind ehemalige Freiwillige
in Nord- und Ostdeutschland, NRW und Berlin, die Vernetzungsarbeit,
Austausch und Engagement unterstützen.
Die Qualitätsverbünde weltoffen und GfQ haben virtuelle Vernetzungstreffen
für Trägerorganisationen und/oder Mitarbeiternde angeboten.
24. Welche digitalen Plattformen werden zur Vernetzung und zum
Wissensaustausch tatsächlich genutzt, und wie haben sich die jeweiligen
Zugriffszahlen seit dem 1. Januar 2023 entwickelt (bitte auch nach
Entsendeorganisationen aufschlüsseln), mit welchen Maßnahmen werden
digitale Vernetzungsangebote für die Zielgruppe bekannt gemacht?
Die im Gemeinschaftswerk und für das Programm vorhandenen
Vernetzungsformate – dies umfasst neben digitalen Angeboten auch Angebote zur
Vernetzung in Präsenz bei Trägertagungen, in Austauschrunden oder zum Beispiel bei
Treffen der Community – stehen für alle offen und werden von allen in ihrer
Diversität genutzt. Für die Freiwilligen erfolgt die Information über Angebote
einerseits durch ihre jeweiligen Entsendeorganisationen, andererseits werden
die Angebote, z. B. der weltwärts-Community auch zentral durch die
Koordinierungsstelle weltwärts bereitgestellt. Hierzu werden jedoch weder
Zugriffszahlen erfasst, noch lassen sich direkt zurückführen und können somit auch
nicht Entsendeorganisationen zugeordnet werden.
25. Inwieweit haben die einzelnen Programmakteure für die Jahre 2023 und
2024 die vorgesehenen Berichte „zur Entwicklung im Bereich Inklusion/
Diversitätsorientierung für den Programmsteuerungsausschuss“ (siehe
Konzept, S. 10) erstellt, was ist der Inhalt dieser Berichte, und wie, und
wo sind sie zugänglich?
Um den Umsetzungsstand des im März 2023 veröffentlichten Konzepts zu
Inklusion und Diversitätsorientierung zu erfassen, hat der
Programmsteuerungsausschuss im Dezember 2023 ein Monitoring initiiert. Alle
Programmakteure (Koordinierungsstelle weltwärts, Qualitätsverbünde,
Trägerorganisationen, PFIF) haben für die ihnen zugeordneten Aufgaben Berichte erstellt.
Inhalt der Berichte:
• Darstellung umgesetzter Maßnahmen (z. B. barrierefreie
Informationsangebote, Beratungsprozesse, Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit),
• Quantitative Daten (z. B. Anzahl Beratungen, Schulungen, beantragte
Mehrbedarfe),
• Einschätzung struktureller Hürden und Ressourcenprobleme,
• Perspektiven auf Mängel in der Umsetzung und Empfehlungen für
Anpassungen.
Die Berichte wurden in einem Monitoringbericht zusammengeführt und dem
Programmsteuerungsausschuss in der Sitzung im Mai 2024 vorgelegt. Der
Bericht ist programmintern zugänglich, eine Veröffentlichung auf der weltwärts-
Website ist nicht vorgesehen. Ergebnisse fließen in die jährliche
Freiwilligenbefragung und den „Monitoring und Evaluierung“-Bericht ein, der öffentlich in
Auszügen publiziert wird.
26. Ist eine externe oder interne Evaluation des Konzepts erfolgt, wenn ja,
durch wen, und mit welchem Ergebnis, und wenn nein, warum nicht, und
wann ist eine Evaluation geplant und durch wen?
27. Der Programmsteuerungsausschuss hat im Mai 2024 beschlossen, Daten
zu Inklusion bzw. Diversität in den Monitoringbericht aufzunehmen,
welche Indikatoren werden hier bisher zur Wirkungsmessung erfasst, und
wie werden Hürden und Bedarfe aufgrund von
Mehrfachdiskriminierungen (z. B. Gender, Herkunft, Behinderung) im Monitoring systematisch
berücksichtigt?
28. Welche Schlüsse zieht das BMZ aus den Monitoringdaten?
Die Fragen 26 bis 28 werden zusammen beantwortet.
Seit Mai 2024 werden Daten zu Inklusion und Diversitätsorientierung
systematisch in den jährlichen Monitoringbericht des weltwärts-Programms
aufgenommen. Im Dezember 2023 initiierte der Programmsteuerungsausschuss (PSA)
ein Monitoring des Konzeptes, das im Mai 2024 vorgelegt wurde. Auf dieser
Basis wurde Ende 2025 ein integriertes Monitoring- und Evaluationssystem
durch den PSA beschlossen und eingeführt. Das System enthält sowohl
Wirkungsindikatoren als auch Kennzahlen zur Programmentwicklung. Da das
System im Jahr 2026 erstmals eingesetzt wird, ist dessen Evaluierung derzeit noch
nicht in Planung.
Indikatoren zur Wirkungsmessung:
Die Indikatoren orientieren sich an den Zielen des Konzeptes und werden
jährlich erhoben. Sie umfassen u. a.:
Teilhabedaten:
• Anteil der Freiwilligen mit Behinderung oder chronischer Beeinträchtigung
(Nord-Süd und Süd-Nord),
• Wahrnehmung von Hürden und Vorurteilen,
• Inanspruchnahme inklusionsbedingter Mehrbedarfe,
Diversitätsmerkmale:
Geschlecht, Migrationsgeschichte, Bildungsabschluss, berufliche Ausbildung,
Zufriedenheit und Qualität:
Zufriedenheit mit Vorbereitung, Begleitung, Einsatzstelle und sozialer
Einbindung,
Programmentwicklung:
• Anzahl inklusiver Beratungen und Schulungen,
• Programmbegleitmaßnahmen (Förderschwerpunkt 4),
• Entwicklung von Partnerschaften zwischen Organisationen im weltwärts-
Netzwerk.
Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass das weltwärts-Programm einen
guten Standard erreicht hat (z. B. Geschlechterverhältnis, Anteil Freiwilliger mit
Beeinträchtigung bei 6 bis 8 Prozent). Weitere Kennzahlen werden entwickelt,
um die Zielerreichung noch präziser zu bewerten. Maßnahmen zur
Verbesserung der Gewinnung unterrepräsentierter Gruppen (u. a. junge Männer,
Menschen mit beruflicher Ausbildung, Menschen mit Flucht- und
Migrationserfahrung, queere Personen) sind in Umsetzung.
29. Wie wird die Qualität dieses Monitorings sichergestellt?
Die Qualität des Monitorings wird durch ein mehrstufiges Verfahren
sichergestellt:
• standardisierte Datenerhebung in der jährlichen Freiwilligenbefragung und
durch die Koordinierungsstelle weltwärts,
• Validierung der Daten durch die Arbeitsgruppe Monitoring und Evaluation
sowie die Qualitätsverbünde der zivilgesellschaftlichen Vertretung,
• Abgleich mit Ambitionsniveaus für Wirkungsziele (z. B. Anteil Freiwilliger
mit Behinderung, Zufriedenheit, Diversitätsindikatoren),
• jährliche Berichterstattung an den Programmsteuerungsausschuss und
Diskussion der Ergebnisse im Gemeinschaftswerk.
Externe Expertise wird bei Bedarf für die Weiterentwicklung der Indikatoren
und die Analyse struktureller Hürden hinzugezogen.
30. Wo werden die Monitoringergebnisse veröffentlicht, bzw. wie sind diese
zugänglich?
Die Ergebnisse der Freiwilligenbefragung werden jährlich auf der weltwärts-
Website veröffentlicht (www.weltwaerts.de/de/qualitaet-sicherheit-freiwillig
e.html).
Der vollständige M&E-Bericht wird programmintern dem PSA vorgelegt.
31. Wurden Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit
Behinderungen oder Expertinnen und Experten mit Behinderung in das Monitoring
eingebunden, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Der Programmsteuerungsausschuss ist für das Monitoring im
Gemeinschaftswerk zuständig (siehe Vorbemerkung der Bundesregierung). Die im
Gemeinschaftswerk und für das Programm vorhandenen Möglichkeiten der Einbindung
und Rückmeldungen sind für alle Organisationen offen. Alle Akteure stehen in
der Verantwortung, Perspektiven oder Beratung durch Expertinnen und
Experten zu nutzen.
32. Welche Auswirkungen hatte die COVID-19-Pandemie ab 2020 auf die
Umsetzung inklusiver Maßnahmen im weltwärts-Programm?
Die COVID-19-Pandemie hatte im weltwärts-Programm erhebliche
Auswirkungen auf die Umsetzung inklusiver Maßnahmen. Durch weltweite
Reisebeschränkungen, Projektunterbrechungen und den zeitweisen Stopp von
Ausreisen wurde die praktische Umsetzung des weltwärts-Programms insgesamt und
auch von Inklusion deutlich erschwert. Insbesondere für Teilnehmende mit
Behinderungen oder chronischen Erkrankungen fielen wichtige
Unterstützungsstrukturen vor Ort weg oder konnten nicht wie geplant aufgebaut werden.
Digitale Formate ersetzten zwar teilweise Präsenzangebote, stellten jedoch neue
Barrieren dar – etwa durch fehlende technische Ausstattung, unzureichende
Barrierefreiheit digitaler Angebote oder eingeschränkte persönliche Begleitung.
Gleichzeitig wirkte die COVID-19-Pandemie auch als Katalysator für eine
stärkere Sensibilisierung im Bereich Inklusion. Besonders das Thema „Psychische
Beeinträchtigung und Gesundheit“ gewann im weltwärts-Programm deutlich an
Bedeutung. Die Unsicherheiten der Pandemie, soziale Isolation, Abbrüche von
Einsätzen und Zukunftsängste machten psychische Belastungen sichtbarer. Seit
der Pandemie sind verstärkt Maßnahmen zur psychosozialen Begleitung,
Prävention und Sensibilisierung in das Programm eingeflossen. Dazu zählen unter
anderem offene Gespräche über psychische Belastungen in den Vor- und
Nachbereitungsseminaren, der Ausbau von Beratungsangeboten (u. a. „Psychologen
online“), flexiblere Einsatzformate sowie eine stärkere Berücksichtigung
individueller Bedarfe bereits im Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess.
33. Inwiefern werden ehemalige Freiwillige mit Behinderung weiterhin
strukturell einbezogen, nachdem sich „People for Inclusion“ aufgelöst
hat?
34. Gibt es neue Beteiligungsformate für ehemalige Freiwillige mit
Behinderung wie Beiräte, Fokusgruppen oder Arbeitsgruppen?
Die Fragen 33 und 34 werden zusammen beantwortet.
Alle im Programm vorhandenen Beteiligungsstrukturen und -formate stehen
allen offen. Beispielsweise können sich ehemalige Freiwillige mit Behinderung
bei der Freiwilligenvertretung einbringen oder an der weltwärts-Community
mitwirken. Dieses Angebot wird angenommen. So nahmen bereits ehemalige
Freiwillige mit Behinderung an den Wochenenden der weltwärts-Community
teil.
35. Welche Vorschläge zur Sicherung von Diversität und Inklusion im
weltwärts-Programm, die das Kompetenzzentrums und
zivilgesellschaftlichen Organisationen im Juli 2022 in einem offenen Brief an das BMZ
formuliert haben (www.bezev.de/media/inklusion_im_weltwaerts-progra
mm.pdf), wurden in welcher Form aufgegriffen und umgesetzt, und
welche Vorschläge wurden aus welchen Gründen nicht aufgegriffen und
umgesetzt?
36. Gibt es konkrete Pläne zur Einrichtung einer dauerhaften Fachstelle für
Diversität im weltwärts-Programm, insbesondere nach dem Ende der
Förderung der früheren Kompetenzzentren für Inklusion für Menschen
mit Beeinträchtigung bzw. Behinderung, für Menschen mit
Berufsausbildung bzw. für schwarze Menschen, indigene Menschen und Menschen of
Colour (BIPoC), wenn ja, wie lauten diese Pläne, und wenn nein, warum
nicht?
Die Fragen 35 und 36 werden zusammen beantwortet.
Nach zehnjähriger Förderung des Kompetenzzentrums sieht das BMZ das
weltwärts-Programm und seine Akteure ausreichend sensibilisiert und praktisch
erfahren, um die Inklusionsarbeit für Menschen mit Beeinträchtigung/
Behinderung durch Vernetzung und im Peer-to-Peer-Ansatz dezentral durchzuführen.
Das Monitoring zum Umsetzungsstand des Konzepts im Mai 2024 hat gezeigt,
dass die Aufgaben in den vorhandenen Strukturen des Gemeinschaftswerkes
umgesetzt werden und damit angemessen erfüllt werden (siehe Antwort zu den
Fragen 9 und 10). Es gibt keine Pläne zur Einrichtung einer Fachstelle
Diversität. Das Gemeinschaftswerk hat sich im Dezember 2020 umfassend mit dieser
Fragestellung befasst und sich für eine Verankerung der Aufgaben in den
Strukturen des Gemeinschaftswerks und gegen eine separate Fachstelle
ausgesprochen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
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