Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin
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Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3164
21. Wahlperiode 08.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sebastian Maack, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schiessl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch,
Tobias Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch, Otto Strauß, Angela Rudzka und der Fraktion der AfD
Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist weltweit jeder
Sechste dauerhaft oder zeitweise in seinem Leben von Unfruchtbarkeit
(Infertilität) betroffen (https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/a22ced65-46b1-4
482-bf85-058719fec649/content, S. 11). Hoch- wie Niedrigeinkommensländer
weisen vergleichbare Raten auf (www.statnews.com/2023/04/03/infertility-glob
al-statistics/#:~:text=1 Prozent20in%206 Prozent20people%20experience,inco
me%20countries%20experience%20infertilit). Vermutlich dürften in
Entwicklungsländern Infektionen (z. B. unbehandelte Geschlechtskrankheiten) eine
größere Rolle spielen, während in westlichen Ländern u. a. ein ungesunder
Lebenswandel (Rauchen, Adipositas, Stress) vermehrt zu Unfruchtbarkeit beiträgt
(www.eshre.eu/Europe/Factsheets-and-infographics).
Von Unfruchtbarkeit wird gesprochen, wenn innerhalb einer Partnerschaft trotz
regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs über ein Jahr hinweg – und
ohne erkennbare organische Störungen der Partnerin oder des Partners – keine
Schwangerschaft eintritt (https://urologische-stiftung-gesundheit.de/ratgeber/inf
ertilitaet/#). Die Ursache der Unfruchtbarkeit liegt nach Studien zu 20 Prozent
beim Mann, zu 30 Prozent bei der Frau, zu 40 Prozent bei beiden und bei
10 Prozent ist die Ursache nicht bekannt (www.science.lu/de/science-check/zie
l-mir-keng-unfruchtbarkeit-ursachen-und-statistiken).
Der „Sozialbericht 2024“ gibt an, dass 20,9 Prozent der 35- bis 39-jährigen
Frauen in Deutschland zumindest einmal in ihrem bisherigen Leben über zwölf
Monate hinweg erfolglos den Versuch unternahmen, schwanger zu werden (ww
w.bib.bund.de/Publikation/2024/pdf/Sozialbericht-2024-Ein-Datenreport-fuer-
Deutschland-Kapitel-2.pdf?__blob=publicationFile&v=2, S. 85). Dies bedeutet
nicht, dass den Frauen grundsätzlich die Schwangerschaft versagt geblieben ist,
der hohe Prozentsatz untermauert nach Einschätzung der Fragesteller jedoch
die oben angegebenen Zahlen der WHO und weist auf ein verbreitetes Problem
hin.
Die Reproduktionsmedizin kann Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch in
zahlreichen Fällen helfen. In Österreich haben allein im Jahr 2022 6 Prozent der
Männer und 8 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 49 Jahre) eine
Kinderwunschbehandlung in Anspruch genommen. Die Wahrscheinlichkeit,
diese zu nutzen, erreicht zwischen 35 und 39 Jahren ihren Höhepunkt (www.oi
f.ac.at/fileadmin/user_upload/k_ggp_austria/231123_ggp_kernDE__BF.pdf,
S. 39).
Verschiedene reproduktionsmedizinische Verfahren und Technologien haben
seit 1978 ermöglicht, dass bis 2024 zwischen 13 Millionen und 17 Millionen
Kindern das Leben geschenkt wurde. Statistisch gesehen wird auf diese Weise
mittlerweile alle 35 Sekunden irgendwo auf der Welt ein neues Leben
ermöglicht (www.unsw.edu.au/newsroom/news/2025/07/total-ivf-births-soar-to-mor
e-than-13-million). Die Zahl derartiger Geburten weist seit vielen Jahren eine
stark steigende Tendenz auf (www.sciencedirect.com/science/article/pii/S00150
28223000511?via%3Dihub; siehe auch www.oecd.org/content/dam/oecd/en/pu
blications/reports/2025/02/society-at-a-glance-asia-pacific-2025_e40bb2aa/24f
a8f05-en.pdf, S. 21; www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/02_sozialbericht_
24_bf_k1_0.pdf). Im neuesten vorliegenden Weltreport des „International
Committee for Monitoring Assisted Reproductive Technologies“ von 2019
werden allein für dieses Jahr 865 914 Geburten angegeben (https://pubmed.ncb
i.nlm.nih.gov/40513636/).
Die zehn Länder mit der höchsten Anzahl von Menschenleben, die die
Reproduktionsmedizin ermöglicht hat, sind China, Japan, die Vereinigten Staaten,
Russland, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Australien und
Großbritannien (www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0015028223000511?via%
3Dihub).
Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine der verbreitetsten Methoden der
Reproduktionsmedizin. Die Chance, dass diese Anwendung zu einer Geburt führt, hat
sich seit 1991 für Frauen unter 40 Jahren mehr als verdreifacht, wobei die
Erfolgsaussichten für unter 35-Jährige signifikant höher sind als für Frauen von
35 bis 39. Die Chancen für Frauen im Alter von 40 bis 42 Jahren sind zwar
deutlich gestiegen, weisen bei (lediglich) einer Anwendung aber nur eine
Erfolgschance von rund 12 Prozent auf. Die Erfolgsaussichten für Frauen über
43 Jahre betragen bei (lediglich) einer Anwendung deutlich unter 5 Prozent und
sind seit 1991 kaum angestiegen (www.deutsches-ivf-register.de/perch/resourc
es/dir-jahrbuch-2023-deutsch.pdf, S. 26; zur Erfolgsrate der Reproduktiven
Medizin siehe auch https://ifg-ivf.com/blog/ivf-success-rates-by-age-what-are-t
he-actual-odds-of-getting-pregnant.html; www.morebirths.com/p/
addressingthe-global-fertility-crisis, S. 103). Die Erfolgsrate einer ersten IVF-Behandlung
bei einer unter 35-Jährigen ist rund zehnmal so hoch wie bei über 40-Jährigen
(www.sartcorsonline.com/rptCSR_PublicMultYear.aspx?ClinicPKID=0).
Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist eine spezielle Form der
IVF, bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird. ICSI
wurde Anfang der 1990er-Jahre entwickelt und ermöglicht, auch schwere
Formen der männlichen Unfruchtbarkeit zu umgehen. In vielen Ländern hat ICSI
die konventionelle IVF weitgehend ergänzt oder sogar verdrängt. Weltweit
werden heute rund 55 bis 60 Prozent aller IVF-Zyklen mit ICSI durchgeführt
(https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40239109/).
Die Samenspende ist eine weitere Methode der Reproduktionsmedizin. Sie hilft
Paaren mit männlicher Infertilität, ist statistisch aber bei Weitem nicht so
relevant wie IVF bzw. ICSI (www.hfea.gov.uk/about-us/publications/research-
anddata/fertility-treatment-2023-trends-and-figures/#:~:text=In%202023 Prozent2
C%202 Prozent2C900 Prozent20patients%20had,of%20all%20UK%20births).
Die Erfolgsaussichten der Reproduktionsmedizin haben sich unter einer
Voraussetzung auch bei über 40-Jährigen seit 2011 sehr beträchtlich erhöht und
sind mittlerweile von Frauen in ihren frühen 30er-Jahren nicht mehr signifikant
zu unterscheiden (s. hierzu auch www.eshre.eu/Europe/Factsheets-and-infograp
hics). Dies setzt jedoch i. d. R. eine Eizellspende voraus (https://pure.iiasa.ac.a
t/id/eprint/17686/1/YSSP%20Report-Lazzari.pdf, S. 12 f., siehe auch www.mo
rebirths.com/p/addressing-the-global-fertility-crisis, S. 102). In Australien (wie
auch in anderen Ländern) verwendet die Reproduktionsmedizin bei Frauen
über 45 Jahre zu 80 Prozent eine Eizellspende (nach: https://pure.iiasa.ac.at/id/e
print/17686/1/YSSP%20Report-Lazzari.pdf, S. 4).
Diese ist in Deutschland verboten, während sie in fast allen übrigen Ländern
Europas legal ist. Es gibt Berichte, dass solche Verbote zu einem sogenannten
Reproduktionstourismus führen: Tausende deutsche Paare sollen pro Jahr ins
Ausland reisen (beispielsweise nach Spanien oder in die Tschechische
Republik), um sich dort mit einer Eizellspende behandeln zu lassen (https://eggandn
est.com/de/blog/kinderwunsch/eizellspende-daten-fakten-studien-2025/#:~:tex
t=Alles%20rund%20um%20die%20Eizellspende,um%20dort%20mittels%20g
espendeten; www.zdfheute.de/politik/deutschland/eizellspende-legalisierung-fd
p-union-ampel-100.html).
In Australien ermöglicht die Reproduktionsmedizin derzeit zwischen 4 und
5 Prozent der Neugeborenen das Leben, bei den Kindern, deren Mütter
zwischen 40 und 44 Jahren sind, beträgt dieser Wert fast 20 Prozent, und bei
Müttern, die 45 oder älter sind, fast ein Drittel (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/
epdf/10.1111/padr.70009, S. 831 f.; siehe hierzu auch https://pure.iiasa.ac.at/id/
eprint/17686/1/YSSP%20Report-Lazzari.pdf, S. 19). In Deutschland wurden
2021 rund 6 Prozent der Kinder von Müttern im Alter 40+ geboren, verglichen
mit nur 1,5 Prozent im Jahr 1990 (www.informationsportal-kinderwunsch.de/re
source/blob/245798/2ff7a1df90d340146b256c8091bb4aa7/expertise-kuhnttrap
pe-kompki-druckfahne-data.pdf#:~:text=etwa%20ein%20Viertel%20auf%20di
e,Zeitraum%20deutlich%20nach%20hinten%20verlagert). In Großbritannien
kamen 2023 etwa 11 Prozent aller Kinder von Müttern zwischen 40 und 44
Jahren als Ergebnis einer Kinderwunschbehandlung zur Welt (www.hfea.gov.uk/a
bout-us/publications/research-and-data/fertility-treatment-2023-trends-and-figu
res/#:~:text=,DI).
Die Reproduktionsmedizin hilft also nicht zuletzt Frauen gegen Ende ihrer
gebärfähigen Jahre. Bei Frauen dieser Altersstufe wird seit längerem ein deutlich
wachsendes Bedürfnis festgestellt, einem Kind oder einem weiteren das Leben
zu schenken. In Australien beispielsweise ist der Anteil der Frauen von
35 bis 39 und von 40 bis 44, die ein Kind oder ein weiteres Kind wünschen,
von 2001 bis 2018 deutlich angestiegen (https://pure.iiasa.ac.at/id/eprint/17686/
1/YSSP%20Report-Lazzari.pdf, S. 4).
Die Reproduktionsmedizin reduziert die Kinderlosigkeit, denn zwischen 60 und
70 Prozent der Kinder, die mit ihrer Hilfe das Licht der Welt erblicken, sind
Erstgeburten (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/padr.70009,
S. 831).
Eine Kinderwunschbehandlung wird in vielen Ländern öffentlich gefördert, in
deutlich unterschiedlichem Maße. Zudem weichen die Voraussetzungen, die
erfüllt werden müssen, in den verschiedenen Staaten deutlich voneinander ab.
In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung 50 Prozent der
anfallenden Kosten für bis zu drei IVF- oder ICSI-Behandlungen (§ 27a des
Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V). Dies ist grundsätzlich auf
verheiratete heterosexuelle Paare beschränkt. Die Frau muss hierbei zwischen 25 und
39 Jahren alt sein, der Mann zwischen 25 und 49. Einige Versicherer gehen
freiwillig über den genannten Satz von 50 Prozent hinaus bzw. unterstützen
auch unverheiratete Paare (www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/kuenstlic
he-befruchtung/?utm). Darüber hinaus bieten zwölf von 16 Bundesländern
durch ein Bund-Länder-Programm, das am 1. April 2012 in Kraft getreten ist,
eine weitere Unterstützung an (s. beispielsweise www.informationsportal-
kinderwunsch.de/kiwu/finanzielle-foerderung/finanzielle-unterstuetzung).
Gleichwohl müssen erhebliche Kosten, meist mehrere tausend Euro und
mitunter ein fünfstelliger Betrag, durch die Betroffenen selbst getragen werden. Die
Ausgaben für einen IVF-Zyklus betrugen 2021 zwischen 3 000 und 3 500 Euro.
ICSI verursacht Kosten in Höhe von rund 5 000 Euro, für Medikamente u. a.
fallen weitere Ausgaben in Höhe von 700 bis 1 600 Euro an (www.bpb.de/syste
m/files/dokument_pdf/02_sozialbericht_24_bf_k1_0.pdf; www.cogitatiopres
s.com/socialinclusion/article/view/10420/4553, S. 3 f.; www.bib.bund.de/Publi
kation/2025/pdf/The-wished-for-children-Do-mothers-carry-the-burden-while-f
athers-reap-the-joy.pdf?__blob=publicationFile&v=1, S. 10).
Belgien, Frankreich, Griechenland und die Niederlande unterstützen bis zu
sechs oder mehr Zyklen mit IVF bzw. ICSI (https://onlinelibrary.wiley.com/do
i/epdf/10.1111/padr.70009, S. 834). In Frankreich beispielsweise werden
100 Prozent der Kosten für Frauen bis zum 43. Geburtstag und für Männer bis
zur Vollendung des 60. Lebensjahres für beispielsweise vier IVF-Zyklen
getragen (www.ameli.fr/assure/remboursements/rembourse/assistance-medicale-la-p
rocreation-amp/prise-en-charge-de-l-assistance-medicale-la-procreation-amp?
utm). Dänemark hat 2024 die Anzahl der IVF-Maßnahmen, die gänzlich
öffentlich finanziert werden, für Frauen bis zum Alter von 40 Jahren von drei auf
sechs erhöht, und darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, Maßnahmen auch
für einen zweiten Kinderwunsch in Anspruch zu nehmen. Die Regierung hat
zur Finanzierung dieser Verbesserungen zusätzliche Ausgaben von
umgerechnet etwas über 20 Mio. Euro vorgesehen (www.progress.org.uk/denmark-expan
ds-free-ivf-to-those-wanting-a-second-child/). In Japan beläuft sich der
Eigenanteil auf rund 30 Prozent der Kosten. Für Frauen werden bis zur Vollendung
des 40. Lebensjahres sechs Zyklen also zu 70 Prozent öffentlich finanziert, für
Frauen von 40 bis 42 Jahren drei Zyklen (www.oakclinic-group.com/en/funin/s
eido/?utm).
In Europa befindet sich die Altersgrenze bei Frauen für die öffentliche
Unterstützung einer Kinderwunschbehandlung zwischen 36 und 49 Jahren, für
Männer wird meist keine Altersgrenze gesetzt (www.cogitatiopress.com/socialinclu
sion/article/view/10403/4600, S. 6). In Australien gibt es keine Altersgrenze für
öffentlich geförderte Maßnahmen der Reproduktionsmedizin (https://pure.iiasa.
ac.at/id/eprint/17686/1/YSSP%20Report-Lazzari.pdf, S. 3).
In Norwegen wurde das Höchstalter für Frauen 2020 auf 46 Jahre erhöht, die
Selbstbeteiligung darf 35 Prozent des Monatseinkommens nicht überschreiten
(https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/padr.70009, S. 834).
In Ungarn werden bis zu fünf Zyklen öffentlich getragen. Seit Mitte der
2000er-Jahre steht diese Möglichkeit auch alleinstehenden Frauen unter 45
Jahren offen (www.cogitatiopress.com/socialinclusion/article/view/10390/4489,
S. 2, 4). Auch in Lettland können alleinstehende Frauen die öffentliche
Förderung der Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen, die Selbstbeteiligung
liegt für Kinderwunschbehandlungen unter 100 Euro. Die durchschnittliche
Wartezeit hierfür beträgt seit 2022 etwa einen Monat (www.cogitatiopress.com/
socialinclusion/article/view/10403/4600, S. 5, 6, 8).
In Israel übernimmt das staatliche Gesundheitssystem nahezu unbegrenzt IVF-
bzw. ICSI-Zyklen für jede Frau bis 45 Jahre, bis zwei lebendgeborenen
Kindern das Leben geschenkt wurde (https://equityhealthj.biomedcentral.com/articl
es/10.1186/s12939-023-01831-8#:~:text=funding%20policy%20of%20fertility
%20treatment,a%20slim%20chance%20of%20live). Für ein drittes und viertes
Kind zahlen in Israel die Grundversicherer ebenfalls anteilig mit (ebd.). Diese
weltweit einmalig großzügige Politik hat dazu geführt, dass israelische Frauen
etwa fünfmal so viele IVF-Behandlungen pro Kopf erhalten wie der
europäische Durchschnitt und zwölfmal so viele wie in den USA (https://equityhealth
j.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12939-023-01831-8#:~:text=Footnote%
201 Prozent20treatments%20to%20any,some%20Israeli%20scholar%20to%20
question).
Israel ist das einzige Land, das In-Vitro-Behandlungen für alle Frauen unter
45 Jahren in Gänze bezahlt. Trotz der damit verbundenen Ausgaben steht diese
Politik nicht in der Kritik (www.unfpa.org/publications/policy-responses-low-f
ertility-how-effective-are-they, S. 61; www.morebirths.com/p/understanding-hi
gh-israeli-fertility).
In Israel gibt es je 1 Million Einwohner rund viereinhalbmal so viele
Kinderwunschbehandlungen wie in Deutschland (Berechnungen nach: www.researchg
ate.net/publication/372044576_Global_IVF_Utilization_How_does_the_Unite
d_States_Compare#:~:text=,; www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2
019/06/PD19_244_12411.html; www.deutsches-ivf-register.de/perch/resource
s/dir-jahrbuch-2021-deutsch-1.pdf, S. 18; www.researchgate.net/publication/37
2044576_Global_IVF_Utilization_How_does_the_United_States_Compare#:~:
text=,).
Nach den Angaben des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen erhöhte die
Reproduktionsmedizin die Fertilität in Israel um 0,13 Kinder je Frau und in
Deutschland um 0,03 (www.unfpa.org/sites/default/files/pub-pdf/Policy_respon
ses_low_fertility_UNFPA_WP_Final_corrections_7Feb2020_CLEAN.pdf,
S. 63). Wenn Kinderwunschbehandlungen in Deutschland also vergleichbar
verbreitet wären wie in Israel, würde dies rechnerisch zu einigen zehntausend
zusätzlichen Geburten führen.
In einer anderen Studie wurde konstatiert, dass die vergleichsweise
zurückhaltende Förderung einer Kinderwunschbehandlung in Großbritannien auf
dänisches Niveau die Fertilität (TFR) um 0,04 erhöhen würde, also um rund 20 000
zusätzliche Geburten jährlich. Für Frankreich kommt eine andere Untersuchung
zu einem ähnlichen Ergebnis (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17586831/;
https://academic.oup.com/humrep/article/23/6/1312/588238?login=true).
Es ist empirisch erwiesen, dass das Ausmaß der Förderung von
Kinderwunschbehandlungen massive Auswirkungen auf ihre Inanspruchnahme hat, wie nach
Ansicht der Fragesteller nicht nur das Beispiel Israel zeigt. So führte
Deutschland 2004 eine 50-prozentige Eigenbeteiligung in der Reproduktionsmedizin
ein, was fast zu einer Halbierung der entsprechenden Geburten von knapp
20 000 auf gut 10 000 führte (www.unfpa.org/sites/default/files/pub-pdf/Polic
y_responses_low_fertility_UNFPA_WP_Final_corrections_7Feb2020_CLEA
N.pdf, S. 62, 64). In der kanadischen Provinz Quebec soll nach einer Studie die
öffentliche Finanzierung von Maßnahmen der Reproduktionsmedizin zwischen
2010 und 2025 zu 9 000 zusätzlichen Geburten geführt haben (https://pubmed.n
cbi.nlm.nih.gov/31016250/).
Die Reproduktionsmedizin kann auch unter volkswirtschaftlichem
Gesichtspunkt betrachtet werden. Eine Studie errechnete für Spanien, dass jeder Euro
der öffentlichen Hand für Kinderwunschbehandlungen zu einem sehr erheblich
höheren gesamtwirtschaftlichen Nutzen führt: fast 16 Euro im Falle der
Praktizierung eines IVF-Zyklus und über 18 Euro für eine künstliche Insemination
(www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405661816300016?via%3D
ihub). Eine andere Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die öffentliche
Finanzierung von fünf IVF-Zyklen für Frauen unter 42 Jahren unter
volkswirtschaftlichem Aspekt sinnvoll sei, nicht jedoch für Frauen, die mindestens das
43. Lebensjahr erreicht haben (www.researchgate.net/publication/368921332_
Does_in_vitro_fertilization_IVF_treatment_provide_good_value_for_money_
A_cost-benefit_analysis).
Der volkswirtschaftliche Gesichtspunkt ist nur einer, der nach Ansicht der
Fragesteller für das Ausmaß der öffentlichen Förderung Berücksichtigung finden
sollte, er bedarf nach ihrer Ansicht zudem weiterer Studien.
Die bereits seit über 50 Jahren außerordentlich niedrigen Geburtenzahlen in
Deutschland müssen nach Ansicht der Fragesteller als demografische
Katastrophe bezeichnet werden. Die Fertilität von Frauen mit deutscher
Staatsangehörigkeit belief sich 2024 auf 1,23 Kinder je Frau. Um die Bevölkerungszahl
stabil zu halten, ist eine Geburtenrate von 2,1 erforderlich (www.destatis.de/D
E/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/geburten-aktuel
l.html).
Die Deutschen sehen eine deutlich höhere Kinderzahl für sich selbst als ideal
an, als sie schließlich verwirklichen können. Dies machen Untersuchungen
wiederholt unmissverständlich deutlich. Die entsprechende Lücke ist nach
Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung seit 2011 sogar weiter
angestiegen (www.bib.bund.de/Publikation/2025/pdf/Intended-ideal-and-actua
l-fertility-in-11-European-countries-Evidence-on-fertility-gaps-in-different-ag
e-groups-from-the-Generations-and-Gender-Survey.pdf?__blob=publicationFil
e&v=2, S. 11 f., 18).
Die Reproduktionsmedizin hat in den vergangenen Jahren bereits Millionen
Menschen das Leben ermöglicht und Millionen Paaren geholfen, ist (bisher)
aber kein Allheilmittel gegen ungewollte Kinderlosigkeit. Die Verfügbarkeit
von Reproduktionsmedizin könnte Paare darüber hinaus zum Aufschub ihres
Kinderwunsches verleiten, wenn sie sich der Gefahren der deutlich sinkenden
Fruchtbarkeit von Frauen ab etwa dem 30. Lebensjahr nicht bewusst sind. Auf
der anderen Seite gibt es Indizien, dass Paare Hilfe durch Reproduktive
Medizin früher in Anspruch nehmen (https://pure.iiasa.ac.at/id/eprint/17686/1/YSSP
%20Report-Lazzari.pdf, S. 11 f.).
Bei etwa einem Drittel der Paare tritt auch nach drei IVF-Behandlungen in
Deutschland keine Schwangerschaft ein, v. a., wenn die Frau sich dem Ende
ihrer gebärfähigen Jahre nähert. Zudem sind die Behandlungen sowohl
körperlich als auch seelisch häufig belastend (www.bpb.de/system/files/dokument_pd
f/02_sozialbericht_24_bf_k1_0.pdf). Mehrlingsgeburten beispielsweise, für die
Mutter i. d. R. mit gesundheitlichen Gefahren verbunden, sind als Ergebnis der
Reproduktionsmedizin seit den 1990er-Jahren zwar beträchtlich gesunken, aber
nach wie vor signifikant verbreiteter als bei Schwangerschaften, die ohne
Kinderwunschbehandlungen eintreten (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.
1111/padr.70009, S. 839). Die Reproduktionsmedizin ist nach wie vor mit
gesundheitlichen Risiken verbunden, wenngleich mit stark abnehmender Tendenz
(www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0015028223000511?via%3Dihub,
S. 474).
Zudem gibt es durchaus Indizien, die – zumindest teilweise – auf eine
Anwendung bzw. Förderung der Reproduktionsmedizin hinweisen, die ein sinnvolles
Maß übersteigen. So tritt nach einer Studie bei rund 9 Prozent der Frauen, die
auf eine Kinderwunschbehandlung warten, in dieser Zeit eine Schwangerschaft
ein (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/padr.70009, S. 838 f.).
24 Prozent der Mütter, die eine erste Geburt mithilfe der Reproduktivmedizin
hatten, gaben danach einem zweiten Kind ohne diese Unterstützung das Leben
(in der großen Mehrzahl mit dem gleichen Partner). Nach Ansicht der
Fragesteller ist denkbar, dass reproduktive Maßnahmen in zahlreichen Fällen unnötig
geplant bzw. durchgeführt wurden. Andererseits halten sie es auch für denkbar,
dass die nahende bzw. durchgeführte Behandlung die Gründe der
Unfruchtbarkeit beseitigt oder entscheidend gelindert hat. Falls dieses zutreffen sollte, läge
die Bedeutung der Reproduktivmedizin sogar noch höher als sie beispielsweise
im Deutschen IVF-Register angezeigt wird (https://onlinelibrary.wiley.com/do
i/epdf/10.1111/padr.70009, S. 839 f.).
Nach Ansicht der Fragesteller gibt es ernsthafte Indizien, dass eine verstärkte
Unterstützung der Reproduktionsmedizin die dramatische demografische
Situation Deutschlands in einem zwar nicht entscheidenden, aber doch relevanten
Maße entschärfen könnte. Diese Auffassung wird auch in anderen Ländern
vertreten, wie beispielsweise Umfragen in Ungarn und Polen deutlich machen:
Diejenigen, die sich über die niedrige Fertilität in ihren Heimatländern besorgt
zeigen, unterstützen eine staatlich finanzierte Reproduktionsmedizin in einem
überdurchschnittlichen Maße (www.cogitatiopress.com/socialinclusion/article/
view/10390/4489, S. 13).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Einrichtungen führen nach Kenntnis der Bundesregierung mit
welchem Personalbestand in Deutschland Forschungen durch, um die
Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin zu vergrößern sowie Risiken zu
vermindern (bitte auch angeben, inwiefern sich seit 2010 Veränderungen
ergeben haben)?
2. Werden die in Frage 1 erfragten Einrichtungen durch öffentliche Mittel
des Bundes, bzw. nach Kenntnis der Bundesregierung durch die EU,
internationaler Organisationen oder der Bundesländer gefördert (bitte die
jeweiligen Summen für die Jahre aufgeschlüsselt seit 2010 angeben)?
3. Welche wissenschaftlichen Ergebnisse bzw. Verbesserungen in der
Verfahrenstechnik hat es nach Kenntnis der Bundesregierung in den in Frage 1
erfragten Einrichtungen seit 2010 gegeben?
4. Ist der Bundesregierung ggf. bekannt, welche anderen Staaten die
Forschung im Bereich der Reproduktionsmedizin öffentlich fördern (bitte
ggf. die Länder und die Summen seit 2010 angeben)?
5. Teilt die Bundesregierung die in der Wissenschaft vertretene Auffassung,
dass eine weitere Forschung und Verfahrensverbesserungen erfolgen
müssen, um die Zahl der Lebendgeburten je Zyklus zu erhöhen, wenn ja,
inwiefern sieht sie sich selbst bzw. öffentlich bzw. privat finanzierte
Einrichtungen hier in der Verpflichtung (www.sciencedirect.com/science/artic
le/pii/S0015028223000511, S. 475)?
6. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, wie die
Fortschritte in der Reproduktionsmedizin in den vergangenen Jahren zu
beurteilen sind bzw. wo sich Desiderata der Forschung bzw. Verbesserungen
in der Verfahrenstechnik befinden, und wie lautet diese gegebenenfalls?
7. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse dazu vor, inwieweit und
inwiefern die Künstliche Intelligenz (KI) bereits jetzt genutzt wird, um die
Erfolgsaussichten der Reproduktionsmedizin zu erhöhen bzw. wie dies
künftig erfolgen könnte, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht (www.t
imesofisrael.com/israeli-embryo-selecting-system-to-boost-ivf-success-ge
ts-european-green-light/)?
8. Erwägt die Bundesregierung ggf., die Altersgrenze für öffentlich
geförderte Kinderwunschbehandlungen bzw. den Kreis der Anspruchsberechtigten
nach dem Vorbild vieler anderer Länder zu erhöhen, wenn ja, wann und
für welches Geschlecht auf welches Alter bzw. welche Personengruppe,
und wenn nein, warum nicht?
9. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, dass sich
tausende Deutsche zu einer Kinderwunschbehandlung ins Ausland begeben
sollen, und wie lautet diese ggf. (https://eggandnest.com/de/blog/kinderwu
nsch/eizellspende-daten-fakten-studien-2025/#:~:text=Alles%20rund%20
um%20die%20Eizellspende,um%20dort%20mittels%20gespendeten)?
10. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, ob, und wenn
ja, inwiefern eine Kinderwunschbehandlung im Ausland mit größeren
gesundheitlichen Gefahren verbunden sein könnte, als wenn die Behandlung
in Deutschland stattfände?
11. Ist der Bundesregierung bekannt oder beabsichtigt sie, ggf. eine
entsprechende Untersuchung in Auftrag zu geben, wie viele
Kinderwunschbehandlungen aus welchen Gründen im Ausland durchgeführt werden und in
welchen Ländern, wenn ja, mit welchem Ergebnis, und wenn nein, warum
nicht?
12. Ist der Bundesregierung bekannt oder beabsichtigt sie, ggf. eine
entsprechende Untersuchung in Auftrag zu geben, wie viele
Kinderwunschbehandlungen und aus welchen Gründen von Bürgern aus welchen anderen
Staaten in Deutschland durchgeführt werden, wenn ja, mit welchem
Ergebnis, und wenn nein, warum nicht?
13. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, inwiefern
Maßnahmen der Reproduktionsmedizin zu gravierenden psychischen Belastungen
führen, wenn ja, um welche handelt es sich, und welche Maßnahmen
unternimmt sie ggf.?
14. Liegen der Bundesregierung ggf. Kenntnisse darüber vor, inwiefern in
anderen Staaten reagiert wird, um mögliche gravierende psychische
Belastungen auszugleichen bzw. ihnen entgegenzuwirken, die durch
Maßnahmen der Reproduktionsmedizin hervorgerufen wurden?
15. Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich die Kosten eines IVF-Zyklus
bzw. einer ICSI-Behandlung in Deutschland entwickelt haben, und wie
lauten die entsprechenden Angaben (bitte, wenn möglich, für 2010, 2015,
2020 und 2025 angeben)?
16. Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich die Kosten eines IVF-Zyklus
bzw. einer ICSI-Behandlung in anderen Ländern entwickelt haben, und
wie lauten die entsprechenden Angaben (bitte, wenn möglich, für Israel,
Frankreich, Dänemark und Spanien für 2010, 2015, 2020 und 2025
angeben)?
17. Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich die Wartezeit für eine IVF-
bzw. ICSI-Behandlung in Deutschland entwickelt hat (bitte ggf. für 2010,
2015, 2020 und 2025 angeben)?
18. Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich die Wartezeit für eine IVF-
bzw. ICSI-Behandlung in anderen Ländern entwickelt hat (bitte, wenn
möglich, für Israel, Frankreich, Dänemark und Spanien für 2010, 2015,
2020 und 2025 angeben)?
19. Welche Kosten verursacht nach Kenntnis der Bundesregierung die
Bezuschussung der IVF- bzw. ICSI-Zyklen in Deutschland (bitte nach
Möglichkeit für die Jahre seit 2010 aufschlüsseln)?
20. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, welche Kosten in
anderen Ländern für die öffentliche Hand (Staat, Krankenversicherungen
und ggf. andere) durch die Unterstützung der Reproduktionsmedizin
entstehen, und wie lauten diese ggf. (bitte, wenn möglich, für Israel,
Frankreich, Dänemark und Spanien für 2010, 2015, 2020 und 2025 angeben)?
21. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, ob bzw.
inwiefern eine verstärkte öffentliche Finanzierung von Maßnahmen der
Reproduktionsmedizin auch unter volkswirtschaftlichem Aspekt angebracht sein
könnte, und wie lautet diese gegebenenfalls?
22. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, inwiefern es in
Deutschland bzw. in anderen Staaten, in denen die Reproduktionsmedizin
stärker öffentlich unterstützt wird, zu ihrer Überförderung gekommen sein
könnte, und wenn ja, wie lautet diese?
23. Sieht die Bundesregierung ggf. bei der in den Fragen 21 und 22
angesprochenen Thematik weiteren Forschungsbedarf, wenn ja, wie beabsichtigt
sie, darauf zu reagieren, und wenn nein, warum nicht?
24. Ist nach Einschätzung der Bundesregierung die Infertilität in Deutschland
bzw. weltweit in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen, wenn ja, aus
welchen Gründen bzw. betrachtet sie diese Entwicklung ggf. als
Herausforderung für die Politik, und wie handelt sie gegebenenfalls?
25. Ist der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller zitierte
Metastudie bekannt, in der 223 Einzelstudien ausgewertet wurden, dass
die Spermienzahl bei Männern, insbesondere in der westlichen Welt, in
den letzten 50 Jahren um 50 Prozent je Milliliter zurückgegangen sei, in
den letzten 20 Jahren doppelt so schnell wie in den 30 Jahren davor, und
wenn ja, inwiefern teilt sie diese Auffassung gegebenenfalls?
26. Hält die Bundesregierung die Ergebnisse der in Frage 25 zitierten
Metastudie für hinreichend belegt, wenn ja, zieht sie daraus ggf. Rückschlüsse
für ihr politisches Handeln, wenn nein, warum nicht, und sieht sie ggf.
Anlass für weitere Studien?
27. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, inwiefern die
nach der Metastudie deutlich zurückgehende Spermienzahl zur Infertilität
von Paaren wesentlich beitragen könnte, wenn ja, wie lautet diese, und
wenn nein, warum nicht?
28. Wie schätzt die Bundesregierung ggf. die Chancen ein, dass sich die Zahl
der Lebendgeburten je Zyklus zukünftig weiter erhöht, insbesondere für
Frauen, die das 40. Lebensjahr überschritten haben, und welche
Voraussetzungen müssten hierfür ihres Erachtens erfüllt sein?
29. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, inwiefern die
Verfügbarkeit von Reproduktionsmedizin Paare zum Aufschub ihres
Kinderwunsches verleiten könnte, wenn sich diese der Gefahren der deutlich
sinkenden Fruchtbarkeit ab etwa dem 30. Lebensjahr nicht bewusst sind,
wie die Fragesteller verschiedentlich gehört haben, wenn ja, wie lautet
diese, und wenn nein, warum nicht?
30. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung dazu erarbeitet, dass die
Verfügbarkeit von Reproduktionsmedizin Paare dazu veranlasst,
Unterstützung bei auftretender Infertilität früher in Anspruch zu nehmen, und wenn
ja, wie lautet diese (https://pure.iiasa.ac.at/id/eprint/17686/1/YSSP%20Re
port-Lazzari.pdf, S. 11 f.)?
31. Ist der Bundesregierung der Inhalt einer Studie bekannt, die konstatiert,
dass sich die Anzahl der Lebendgeburten pro Zyklus in den vergangenen
zehn Jahren nicht erhöht habe, und wenn ja, wie schätzt sie ggf. diese
Information ein (www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001502822300
0511, S. 475)?
32. Hat die Bundesregierung den Eindruck, dass die Bevölkerung hinreichend
über die Tatsache informiert ist, dass die Fruchtbarkeit von Frauen ab
etwa dem 30. Lebensjahr deutlich sinkt, und wenn nein, woran liegt diese
nicht hinreichende Information nach ihrer Auffassung?
33. Betrachtet es die Bundesregierung als ihre Aufgabe, die Bevölkerung
darüber zu informieren, dass die Fruchtbarkeit von Frauen ab etwa dem
30. Lebensjahr deutlich sinkt, wenn ja, wie kommt sie dieser nach, wie
schätzt sie den Erfolg ihrer Bemühungen ein, und wenn nein, warum
nicht?
Berlin, den 13. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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