Sechster Bericht der Bundesregierung über die Fortschritte zur Entwicklung der verschiedenen Felder des Geoinformationswesens im nationalen, europäischen und internationalen Kontext (6. Geo-Fortschrittsbericht)
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Sechster Bericht der Bundesregierung über die Fortschritte zur Entwicklung der verschiedenen Felder des Geoinformationswesens im nationalen, europäischen und internationalen Kontext (6. Geo-Fortschrittsbericht)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3245
21. Wahlperiode 04.12.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Sechster Bericht der Bundesregierung über die Fortschritte zur Entwicklung der
verschiedenen Felder des Geoinformationswesens im nationalen,
europäischen und internationalen Kontext
(6. Geo-Fortschrittsbericht)
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 3. Dezember 2025 gemäß Beschluss vom
15. Februar 2001 auf Bundestagsdrucksache 14/5323.
1
Inhalt
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Digitalisierung und Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1. Digitaler Zwilling Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2. SKD / Servicestelle Fernerkundung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3. Landbedeckung für Deutschland –Cop4ALL-DE . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
4. Innovative Fernerkundung für die Bundesverwaltung . . . . . . . . . . . . . 14
5. Waldschadenserkennung in Deutschland:
Innovative Erfassung und Überwachung mit Sentinel-2-
Satellitendaten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
6. Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz und
Fernerkundungsmethoden in der Stadtentwicklung – ein
Blick auf aktuelle Forschungsprojekte des Bundes . . . . . . . . . . . . . . . . 19
7. Modellprojekte Smart Cities – Geobasierte
Dateninfrastrukturen und digitale Anwendungen in der
integrierten Stadtentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
8. BIM Deutschland –Digitales Planen und BIM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
9. Digitale Geosysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 1 –
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Sicherheit und Krisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
1. Die Bedeutung des Digitalen Zwillings Deutschland
(DigiZ-DE) des BKG für die Bundeswehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
2. Starkregen-Gefahrenbereiche bundesweit präzise
identifizieren: Die Hinweiskarte Starkregengefahren des BKG . . . . . . 31
3. Starkregenprodukte und -portale des DWD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Zugang zu Geoinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
1. Hochwertige (Geo-)Datensätze – eine wichtige Neuerung in
der EU-Daten gesetz gebung findet seit Juni 2024 Anwendung. . . . . . 37
2. Nationale Geoinformationsstrategie 2.0 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3. Schwerpunkt Vorsitz GDI-DE Bund 2023–24 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4. Dynamische Agrarwetterindikatoren zur
Extremwetterprognose in der Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
5. Marine Forecast als Planungshilfe für Aktivitäten an und auf See . . . 44
6. Umwelt.info – ein Portal für Umwelt- und
Naturschutzinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
7. Datensatz UNESCO-Welterbestätten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
Internationale Zusammenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
1. Gründung des Exzellenzzentrums der Geodäsie der
Vereinten Nationen (UN-GGCE). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
2. Geodaten für Entwicklung – Unterstützung des GEO-LDN
Flagship, um den Verlust von Böden zu stoppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 2 –
Schlusswort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
Abkürzungs verzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Abbildungs verzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 3 –
4
Geoinformationen sind von zentraler
Bedeutung – in der Vergangenheit, in der Gegenwart
und in der Zukunft. Ob in der Mobilität,
Landwirtschaft oder Stadtentwicklung, bei der
Energiewende oder im Katastrophenschutz: Die
Frage nach dem „Wo“ ist jederzeit entscheidend für
zielgerichtetes Planen und Handeln. Das
Bewusstsein für die Nutzung von
Geoinformationen in Anwendungen sowie die Notwendigkeit
hierfür ist inzwischen in allen
Gesellschaftsbereichen tief verankert. Aktuelle und zuverlässige
raumbezogene Daten helfen uns, komplexe
Zusammenhänge besser zu verstehen und
fundierte Entscheidungen zu treffen. Die
Bundesverwaltung nutzt diese Informationen auf vielfältige
und immer umfassendere Weise, um die
Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu steigern,
Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und
Deutschland zukunftsfähig zu machen.
Mit modernen Methoden wie der
Fernerkundung können wir heute Veränderungen der
Erdoberfläche nahezu in Echtzeit erfassen. Dabei
fallen große Datenmengen an, deren
Auswertung eine große Herausforderung für die stetig
wachsende Zahl von Anwendungen darstellt.
Zur Bewältigung dieser Herausforderung wird
zunehmend Künstliche Intelligenz (KI) genutzt.
Damit wird nicht nur die kontinuierliche
Aktualisierung klassischer Produkte wie
topographische Karten optimiert, sondern es werden
auch völlig neue Möglichkeiten eröffnet,
Informationen zu gewinnen und zu verknüpfen. Die
Bundesverwaltung nutzt diese Möglichkeiten
in zahlreichen Anwendungen und Projekten.
Im Kapitel „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“
werden einige herausragende
Leuchtturmprojekte vorgestellt, die durch den Einsatz digitaler
Geoinformationen zu einer innovativen,
nachhaltigen Verwaltung beitragen. So nutzen wir
schon heute Satellitenbilder, um automatisiert
den Zustand von Ökosystemen abzuleiten,
innerstädtische Potenzialflächen zu detektieren
oder Rettungskräfte in Krisensituationen mit
hochaktuellen Karten zu unterstützen.
Mithilfe von Geoinformationen sind auch
Simulationen zukünftiger Ereignisse zur
Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse
möglich. Dadurch leisten sie einen direkten Beitrag
zur Sicherheit der Bevölkerung – sei es durch die
Ermittlung von Hochwassergefahren oder durch
die Bereitstellung von Informationen für die
Einsatzplanung der Bundespolizei oder
Bundeswehr, wie im Kapitel „Sicherheit und Krisen“
anschaulich dargestellt wird.
Im Kapitel „Zugang zu Geoinformationen“ wird
anhand einer Auswahl von Projekten und
Entwicklungen gezeigt, wie sich die Bereitstellung
der Geoinformationen verändert. Ein
signifikanter und wachsender Anteil der
Geoinformationen wird heute als Open Data zur Verfügung
gestellt. Der offene Zugang zu Geoinformationen
spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung
technischer und wirtschaftlicher Innovationen in
Einleitung
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 4 –
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raumbezogenen Anwendungen, etwa bei der
satellitengestützten Steuerung von
Erntemaschinen. Die breite Verfügbarkeit hochwertiger
Geoinformationen eröffnet Verwaltung, Wirtschaft
und Forschung neue Anwendungs- und
Innovationsmöglichkeiten. Dadurch werden die
vorhandenen Geoinformationen immer stärker für
die bestehenden Bedürfnisse genutzt und
gleichzeitig werden immer mehr Anwendungsfelder
mit konkreten Anwendungen versorgt. Auch die
Bürgerinnen und Bürger profitieren unmittelbar
von der freien Verfügbarkeit und den damit
verbundenen Anwendungen, wie z. B. Geoportal.de
oder dem Deutschlandatlas. Durch die
kostenlose Bereitstellung dieser Daten wird die
Verfügbarkeit von Informationen verbessert und damit
die Lebensqualität erhöht und der Alltag
erleichtert. Mit Geoinformationen lassen sich
beispielsweise Fragen beantworten wie: „Wie weit ist die
nächste Grundschule entfernt?“ oder „Gibt es
ausreichend Grünflächen in der Stadt?“
Die Bedeutung von Geoinformationen endet
jedoch nicht an nationalen Grenzen. Globale
Herausforderungen wie der Klimawandel und der
Verlust natürlicher Ressourcen erfordern
gemeinsames Handeln. Eine enge internationale
Zusammenarbeit ermöglicht es uns,
Veränderungen auf der Erde (wie z. B. den Anstieg des
Meeresspiegels und seine Folgen) besser zu
verstehen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln
und den globalen Austausch von Wissen und
Technologien zu fördern. Im Kapitel
„Internationale Zusammenarbeit“ werden zwei Projekte
mit herausragender internationaler
Zusammenarbeit vorgestellt.
Geoinformationen sind in der Gegenwart und
für die Zukunft von zentraler Bedeutung – auch
für die Bundesregierung. Deshalb ist die
Bundesregierung verpflichtet, dem Deutschen
Bundestag regelmäßig über den Fortschritt des
Geoinformationswesens zu berichten
(Bundestagsdrucksachen 14/5323 und 15/809). Seit der
Vorlage des ersten Geo-Fortschrittsberichts am
27. Juni 2005 (Bundestagsdrucksache 15/5834)
geschieht dies kontinuierlich. Der sechste Geo-
Fortschrittsbericht legt den Schwerpunkt auf
den Einsatz von Geoinformationen zur
Entwicklung einer modernen und resilienten
Gesellschaft. Da nahezu alle Lebensbereiche einen
Raumbezug haben, würde eine vollständige
Darstellung der Entwicklungen im
Geoinformationswesen den Rahmen dieses Berichts
sprengen. Stattdessen werden innovative
Leuchtturmprojekte präsentiert, die einen Überblick
über die Fortschritte der letzten Jahre geben. Die
öffentlichen Haushalte werden durch den
vorliegenden Bericht nicht präjudiziert. Etwaige
Mehrbedarfe, die sich aus den genannten
Maßnahmen ergeben, sind – unter der
Voraussetzung einer Bundeskompetenz – aus den
jeweiligen Einzelplänen im Rahmen der geltenden
Haushaltsansätze zu decken.
Dieser Bericht zeigt die vielfältigen
Einsatzmöglichkeiten von Geoinformationen in der
Bundesverwaltung und verdeutlicht, wie sie dazu
beitragen, eine resiliente, nachhaltige und
moderne Gesellschaft zu gestalten.
Geoinformationen sind der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen
Verwaltung – und damit zu einer besseren
Zukunft für alle.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 5 –
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In einer Welt, die sich zunehmend den
Herausforderungen des demografischen Wandels, der
Ressourcenknappheit, des Klimawandels und
des Verlusts der Biodiversität stellen muss, ist die
Forderung nach Nachhaltigkeit allgegenwärtig.
Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung rasant
voran und eröffnet nie dagewesene Möglichkeiten,
diesen komplexen Herausforderungen zu
begegnen. Dabei bietet die Digitalisierung ein enormes
Potenzial für eine zukunftsorientierte und
resiliente Verwaltung, die unsere Gesellschaft durch
die dringend notwendigen Veränderungen leitet.
Geoinformationen stehen dabei im Zentrum der
Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit. Sie
ermöglichen es, räumliche und zeitliche Phänomene
zu veranschaulichen und präzise zu analysieren,
um datenbasierte Entscheidungen zu treffen.
Moderne Methoden der Datenerfassung,
insbesondere der Fernerkundung in Kombination mit
Künstlicher Intelligenz (KI) ermöglichen es, große
Datenmengen in kurzer Zeit zu sammeln, zu
verarbeiten und gegebenenfalls auszutauschen. Dies
trägt nicht nur zur Effizienzsteigerung in
Verwaltungsprozessen bei, sondern schafft auch neue
Möglichkeiten, die digitale Transformation unserer
Gesellschaft gezielt zu fördern. Das Einsatzgebiet
ist vielfältig und wird durch die Förderung neuer
Innovationsprojekte, welche die universitäre
Forschung in Anwendungen der Bundesverwaltung
integrieren, stetig erweitert. Aktuelle Projekte
reichen von der Ableitung der Landbedeckung für
das gesamte Bundesgebiet mittels KI-gestützter
Auswertung von Luftbildern über das Monitoring
spezieller Ökosysteme oder die Detektion
innerstädtischer Potenzialflächen bis hin zur schnellen
Bereitstellung aktueller Geoinformationen für die
Bundesverwaltung in Krisensituationen.
Die erhobenen Geoinformationen werden
beispielsweise genutzt, um digitale Zwillinge zu
erstellen, die als virtuelle Abbildungen
unserer realen Welt zur Beantwortung
verschiedener Frage stellungen beitragen. Digitale Zwillinge
unterstützen durch die Verknüpfung von
interdisziplinären Daten und die Simulation
komplexer raumbezogener Prozesse eine datengestützte
politische Entscheidungsfindung. Der Maßstab
solcher digitalen Abbildungen reicht von
einzelnen Gebäuden im Kontext des Building
Information Modeling (BIM) über Smart Cities bis hin zum
dreidimensionalen digitalen Zwilling des
Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) für
ganz Deutschland. Auch die Digitalisierung
konkreter Fachanwendungen, wie beispielsweise
digitale Geosysteme als Werkzeuge für
geowissenschaftliche Anwendungen zur Unterstützung der
Energiewende, trägt zu einer modernen
Bundesverwaltung bei.
Diese innovativen Ansätze ermöglichen es der
Verwaltung, flexibel und proaktiv auf die komplexen
Herausforderungen der Gegenwart und der
Zukunft zu reagieren. Die Digitalisierung in der
Verwaltung ist somit ein Schlüsselfaktor für eine
resiliente, nachhaltige und bürgerorientierte Zukunft.
Digitalisierung und
Nachhaltigkeit
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 6 –
7
1. Digitaler Zwilling Deutschland
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
(BKG) entwickelt mit dem „Digitalen Zwilling
Deutschland (DigiZ-DE)“ eine Analyse- und
Simulationsplattform. Die Grundlage hierfür
bilden 3D-Daten aus Laserscanbefliegungen, die
ein hochauflösendes Abbild von Deutschland
liefern. Der DigiZ-DE unterstützt die
Bundesverwaltung dabei, nachhaltige Entscheidungen
bei allen raum- und geobezogenen Aufgaben zu
treffen. Konkrete Anwendungsbeispiele wie die
Walderfassung, die Hinderniserkennung für die
Deutsche Flugsicherung und ein begehbares
Digitallabor werden bereits getestet.
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
(BKG) hat als Geodatenkompetenz- und
dienstleistungszentrum des Bundes ein wegweisendes
Projekt zur Analyse und Simulation gestartet: Im
Jahr 2024 wurde mit der dreidimensionalen
Erfassung der Landoberfläche Deutschlands
begonnen. Im Jahr 2025 wird diese hochauflösende und
dreidimensionale Aufnahme abgeschlossen sein.
Der Digitale Zwilling Deutschland ermöglicht
Anwenderinnen und Anwendern aus
Bundesbehörden wertvolle und erkenntnisfördernde
Simulationen aus Umwelt, Sicherheit, Verkehr oder
anderen Bereichen. Anhand dieses
dreidimensionalen Abbildes der Wirklichkeit können
verschiedenste Szenarien untersucht werden. Konkrete
Fragen zu Naturschutz, Klimawandel und
Nachhaltigkeit können visualisiert und realistisch
bewertet werden, um so die Planung und
Entscheidungsfindung wirkungsvoll zu unterstützen.
Der Digitale Zwilling Deutschland
unterstützt die Bundesverwaltung dabei,
die politischen Ziele der Bundesregierung
zu erreichen.
Das Projekt „Digitaler Zwilling Deutschland“
gliedert sich in drei Teilprojekte: Aufbau der DigiZ-
DE-Plattform, Aufbau des Datenangebots und
schließlich Umsetzung der Bedarfe und
Anwendungsfälle der Bundesverwaltung. Die DigiZ-DE-
Plattform wird Komponenten zum
Datenmanagement, zur Datenanalyse und -transformation,
zur Datenbereitstellung sowie
Entwicklungsumgebungen für die Erstellung nutzerspezifischer
Anwendungen enthalten. Für den Aufbau des
Datenangebots sind 3D-Daten notwendig, welche
aus Luftaufnahmen gewonnen werden. Zur
Beschaffung dieser Datengrundlage wurden
Laserscanbefliegungen in ganz Deutschland beauftragt.
Die Umsetzung von Anwendungsfällen erfolgt
anhand der Bearbeitung konkreter Fragestellungen
und wird kontinuierlich ausgebaut.
Der Digitale Zwilling Deutschland eröffnet die
Möglichkeit, die Vegetationsstruktur im
gesamten Bundesgebiet detailliert zu erfassen und so
potenziell innovative Ansätze zur Überwachung
des Waldzustands zu entwickeln. Zu den
Anwendungsfällen, die bisher untersucht wurden,
gehört die Verbesserung und Generalisierung der
3D-Baumkronensegmentierung. Das Thünen-
Institut hat einen Algorithmus implementiert, der
es ermöglicht, in Laub- und
Nadelwaldbeständen einzelne Bäume zu erkennen. Das BKG prüft
und optimiert dieses Verfahren mit Daten aus der
Metropolregion Hamburg. Zukünftig soll dieses
Verfahren zur Walderfassung auf größeren
Flächen angewendet werden. Das Thünen-Institut
hat zudem einen Förderantrag beim Deutschen
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für das
Leuchtturmprojekt „ForestPulse“ eingereicht,
welchen das BKG als assoziierter Partner mit einer
Absichtserklärung (Letter of Intent – LoI) unterstützt.
Deutschland ist verpflichtet, Daten zu möglichen
Flughindernissen zu veröffentlichen – eine
Aufgabe, die der Deutschen Flugsicherung (DFS)
übertragen wurde. Verschiedene Zonen legen fest, ab
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 7 –
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welcher Höhe ein Objekt als Flughindernis gilt,
wobei jede Zone ihre eigenen Kriterien hat.
Flughindernisse können beispielsweise Gebäude oder
Windkraftanlagen sein. Die automatisierte
Erkennung solcher Hindernisse stellt eine große
Herausforderung dar. Derzeit wird untersucht, ob der
Digitale Zwilling Deutschland zukünftig genutzt
werden könnte, um bundesweit Objekte als
Flughindernisse zu identifizieren und zu
kategorisieren. Aktuell wird ein „Proof of Concept“ in
Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für
Digitales und Verkehr (BMDV) erstellt.
Im Digitallabor wird der Digitale Zwilling
Deutschland durch eine 270-Grad-Projektion
begehbar und sorgt für ein realistisches
Raumerlebnis. Nutzerinnen und Nutzer können im
Digitallabor in eine virtuelle Welt eintauchen, wobei die
Navigation über Gesten erfolgt und ein
intuitives Erforschen der Daten ermöglicht. Das System
wird im BKG weiter erprobt und steht künftig den
Projektpartnern für verschiedene Bereiche zur
Verfügung. Die freie Navigation im
dreidimensionalen Raum erlaubt es beispielsweise,
Sichtbarkeiten und Blickachsen zu simulieren, was
insbesondere für Sicherheitsbehörden von Bedeutung ist.
Abbildung 1: Einzelbaumerkennung und die anschließende Ableitung von Merkmalen der Einzelbäume.
Abbildung 2: Die Elbphilharmonie Hamburg als potenzielles Flughindernis?
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 8 –
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Der Digitale Zwilling Deutschland ist ein
umfangreiches Leuchtturmprojekt, für dessen
Realisierung das BKG auf enge Kooperationen mit
Partnerorganisationen wie der Metropolregion
Hamburg oder dem Thünen-Institut setzt.
Zukünftig sind auch internationale Kooperationen
geplant, um auch in den Grenzregionen mit den
Nachbarstaaten präzise Simulationen zu
ermöglichen. Das Institut national de l‘information
géographique et forestière (Nationales Institut
für geografische und forstwirtschaftliche
Informationen von Frankreich, IGN-Frankreich)
führt derzeit ebenfalls nationale 3D-
Befliegungen in Frankreich durch. Daher findet ein
intensiver Wissens- und Datenaustausch zwischen
dem BKG und IGN-Frankreich statt, um den
gemeinsamen Interessen an der Nutzung
hochauflösender Daten für grenzüberschreitende oder
grenznahe Anwendungen gerecht zu werden.
Mit dem Digitalen Zwilling Deutschland setzt
das BKG als Geodienstleister der
Bundesverwaltung eine neue zukunftsorientierte
Dienstleistung auf. Diese Dienstleistung wird
Bundeseinrichtungen unterstützen,
Handlungsalternativen und Zukunftsszenarien
umfassend durchzuspielen und zu
simulieren, bevor Realisierungsentscheidungen
getroffen werden. Damit unterstützt der Digitale
Zwilling Deutschland die Bundesverwaltung
dabei, den politischen Zielen der
Bundesregierung wie der Schaffung gleichwertiger
Lebensverhältnisse, der Bekämpfung des
Klimawandels, dem Erhalt der Biodiversität und
dem Umgang mit dem demografischen
Wandel effektiv zu begegnen.
Abbildung 3: Das Digitallabor kann Planerinnen und Planern sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern helfen, ihre Szenarien
räumlich abzubilden.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 9 –
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2. SKD / Servicestelle Fernerkundung
Naturkatastrophen, Großveranstaltungen und
politische Gipfel haben mehrere
Gemeinsamkeiten: Das Ereignis findet in einem definierten
Gebiet statt und es sind Menschen davon
betroffen, die geschützt oder gerettet werden müssen.
Es ist Aufgabe der Bundesverwaltung, sich mit
diesen Ereignissen auseinanderzusetzen.
Geoinformationen und die Dienstleistungen des BKG
sind dabei nicht mehr wegzudenken. Seit über
zehn Jahren unterstützt das BKG mit seinem
Satellitengestützten Krisen- und Lagedienst (SKD)
Entscheidungsträgerinnen und
Entscheidungsträger im Bund in Form von spezifischer
Beratung und individuellen kartographischen
Produkten. Im Jahr 2021 wurde das Portfolio nach
sorgfältigen Vorbereitungen um situative
Analyseprodukte basierend auf
Fernerkundungsdaten erweitert. Hier stehen den Nutzerinnen
und Nutzern des Bundes eigenständig
entwickelte Werkzeuge und Fachberatung sowie eine
Copernicus-Komponente des Kerndienstes
Sicherheit zur Verfügung. Seit 2022 wurde das
Portfolio um den Zugriff auf kommerzielle
Satellitenbilddaten erweitert. Auch Innovationen
zur schnelleren Informationsgewinnung
werden vorangetrieben. Mit dem 25-köpfigen Team
des SKD steht für die Bundesverwaltung ein
kompetenter und zuverlässiger Service – täglich
von 8.00 bis 20.00 Uhr – bereit.
Zur Erstellung von
Geoinformationsprodukten hat der SKD eine Vielzahl an Daten zur
Verfügung. Diese reichen von amtlichen
topographischen Daten über Geofachdaten bis hin
zu tagesaktuellen Satellitenbildern. Bei
Bedarf werden auch neue Geodaten erzeugt,
beispielsweise über Kartierungen oder (halb-)
automatisierte Analysen. Welche dieser Daten
und Analysen in ein Produkt einfließen, wird
in einem Beratungsgespräch gemeinsam mit
den Nutzerinnen und Nutzern der anfragenden
Behörden erörtert. In der Umsetzung der
angeforderten Geoinformationsprodukte
zeichnet den SKD vor allem die Schnelligkeit in der
Beschaffung und Aufbereitung der benötigten
Daten aus. Dabei greift das SKD-Team auf
satellitengestützte Fernerkundungsmethoden,
Geoinformationssystem-Technologie und
kartographisches Know-how zurück. Nicht nur
bei den Inhalten setzt der SKD auf
Individualität: Auch die Wahl des Mediums – z. B.
gedruckte Karte, Webservice oder interaktive
Anwendung – orientiert sich an den Bedarfen
der Nutzerinnen und Nutzer. Die Bearbeitung
von als „Verschlusssache – Nur für den
Dienstgebrauch“ (VS-NfD) eingestuften Anfragen ist
ebenso möglich. Über 80
Bundeseinrichtungen aus 14 Ressorts fragen die Dienstleistungen
des SKD regelmäßig an. Mit fast 400 erfolgreich
umgesetzten Aufträgen wird für das Jahr 2023
die bisher höchste jährliche Auftragsanzahl
erreicht. Damit hat sich der Trend der
vergangenen Jahre fortgesetzt.
Seit Beginn des Jahres 2021 ist der SKD der
zivile „Point of Contact“ (PoC, zentraler
Ansprechpartner) in Deutschland für den Copernicus
SESA (Service on Support to EU External and
Security Actions) - ehemals Copernicus SEA
(Service on Support to EU External Actions).
Damit ist der SKD befugt, Produkte aus
Geoinformationen und Satellitenbilddaten für
Nutzende aus der Bundesverwaltung beim
Europäischen Satellitenzentrum SatCen anzufordern.
Hintergrund ist immer ein Anwendungsfall mit
Sicherheitsbezug. Da Copernicus SESA –
ähnlich wie der SKD – vor allem situative Produkte
auf Basis von Satellitenbilddaten erstellt, wird
hierdurch die Kapazität für hochspezifische
Anfragen beim SKD indirekt verstärkt.
Copernicus SESA reiht sich somit passgenau in die
anderen Services des SKD ein. Bisher wurden
21 Aufträge über den zivilen PoC Copernicus
SESA beim SKD abgewickelt.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 10 –
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Ein weiteres, wesentliches
Alleinstellungsmerkmal des SKD ist der Zugriff auf über 50 zivile, z. T.
höchstauflösende Satellitensysteme. Dieser
umfasst die Recherche in Bilddatenarchiven vom
aktuellen Tag bis zu 25 Jahre in die Vergangenheit.
Darüber hinaus beauftragt der SKD bei Bedarf auch
weltweit Neuaufnahmen von akuten oder
planbaren Ereignissen. Seit Mitte 2022 können
Bundeseinrichtungen über die von der Servicestelle
Fernerkundung im SKD bereitgestellten, webbasierten
Portale auch selbstständig in den Archiven der
Satellitenbild-Provider recherchieren und
Fernerkundungsdaten für eigene Zwecke
herunterladen. Dabei steht die Servicestelle Fernerkundung
stets beratend zur Seite, plant gemeinsam mit der
anfragenden Behörde Neuaufnahmen, koordiniert
bei größeren Anfragen die einzelnen Bedarfe oder
beschafft neue Daten. Diese werden stets mit einer
Bundeslizenz versehen, sodass die Nachnutzung
der Satellitenbilder durch andere
Bundesbehörden gewährleistet wird. 2023 konnten bereits über
80 Projekte des Bundes von den Leistungen der
Servicestelle Fernerkundung profitieren.
Der SKD entwickelt seine Services stetig weiter
und treibt Innovationen voran. Die Grundlage
hierfür liefern in regelmäßigen Abständen
durchgeführte Befragungen im Bundesbereich, wie
zuletzt die Umfrage zu den SKD-Dienstleistungen im
Herbst 2023. Nach Auswertung der Ergebnisse hat
sich der SKD beispielsweise zum Ziel gesetzt, den
Zugriff auf bereits beschaffte Satellitenbilddaten
zu vereinfachen. Mit den aus der Umfrage
abgeleiteten Bedarfen sieht sich der SKD darin bestärkt,
seine bereits begonnenen Vorhaben, wie z. B. den
Aufbau einer Referenzdatenbank zum Einsatz
Künstlicher Intelligenz (KI) für
Fernerkundungsdatenanalysen fortzuführen und weiter auszubauen.
Mit Einführung des „Rapid-Imaging-Verfahrens“
geht der SKD auf den in der Umfrage geäußerten
Bedarf nach einer noch schnelleren Bereitstellung
von Produkten ein, indem Datenflüsse und
Datenprozessierungen beschleunigt werden.
Um auch die Bundesbehörden auf dem aktuellen
Stand der SKD-Services zu halten und mit
neuen Nutzerinnen und Nutzern ins Gespräch
zu kommen, veranstaltet der SKD regelmäßig
Informationsveranstaltungen. Im vierten Quartal
2024 hat das „SKD-Forum“ bereits zum dritten
Mal statt gefunden.
3. Landbedeckung für Deutschland –
Cop4ALL-DE
Die Arbeitsgemeinschaft der
Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik
Deutschland (AdV) wird voraussichtlich bis Mitte
des Jahres 2025 die Landbedeckung für
Deutschland mittels Künstlicher Intelligenz
klassifizieren und unter Open-Data-Kriterien bereitstellen.
Dieses Produkt wird im Vergleich zu bisher
verfügbaren Landbedeckungsdaten eine sehr kleine
Mindestkartierfläche von 100 m2 aufweisen. Die
Ableitung der Landbedeckung erfolgt
hochautomatisiert und basiert grundlegend auf aktuellem
Bildmaterial (Copernicus Sentinel-2 und
Orthofotos der Länder). Der Datensatz soll jährlich
aktualisiert werden und ist für viele Behörden auf
Landes- und Bundesebene von Interesse.
Insbesondere stellen die Landbedeckungsdaten für die
Bereiche Flächenstatistik und
Umweltmonitoring eine optimale Grundlage dar.
Im Jahr 2018 hat die Arbeitsgemeinschaft der
Vermessungsverwaltungen der Länder der
Bundesrepublik Deutschland (AdV) die Einführung von
Landbedeckung und Landnutzung beschlossen.
Die Landbedeckung soll dabei möglichst
automatisiert aus Fernerkundungsdaten abgeleitet werden.
Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW), vertreten
durch die Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW und
das BKG, wurde Ende des Jahres 2022 beauftragt,
eine Technische Betriebsstelle „Landbedeckung“
einzurichten, um die Landbedeckung bundesweit an
zentraler Stelle abzuleiten und bereitzustellen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 11 –
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Das Verfahren zur Ableitung der
Landbedeckung nennt sich Cop4ALL-DE (Cop4ALL steht
dabei für „Copernicus für alle“) und basiert auf
dem in NRW entwickelten Verfahren Cop4ALL
NRW. Dabei wird die Landbedeckung gemäß dem
Datenmodell der AdV dargestellt. Das
Anwendungsschema Landbedeckung umfasst dabei im
Grunddatenbestand 15 Landbedeckungsklassen
bzw. Objektarten mit entsprechender
Attribuierung, um die physische und biologische
Bedeckung der Erdoberfläche, einschließlich
künstlicher Flächen, landwirtschaftlicher Flächen,
Wälder, natürlicher und naturnaher Gebiete,
Feuchtgebiete und des Wasserkörpers abzubilden:
• Hochbau
• Tiefbau
• Festgestein
• Lockermaterial
• Krautige Vegetation (differenziert nach den drei
Vegetationsmerkmalen Gras, Röhricht/Schilf
sowie Getreide/Staudengewächse/Farne)
• Holzige Vegetation (differenziert nach den drei
Vegetationsmerkmalen Bäume (weitere
Unterscheidung nach der Blattform Laub und Nadel),
Gehölz sowie Büsche/Sträucher)
• Meer
• Binnengewässer (differenziert nach der
Fließeigenschaft fließend und stehend)
• Eis
Zur Berechnung der Landbedeckung werden
maßgeblich frei verfügbare Sentinel-2-
Satellitendaten des europäischen
Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sowie die von den
Bundesländern erstellten Orthofotos verwendet. Diese
Fernerkundungsdaten werden mithilfe von
Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI)
ausgewertet. Bestandsdaten aus dem Liegenschaftskataster
(ALKIS) und/oder der Geotopographie (ATKIS)
werden sowohl zum automatisierten Training
der neuronalen Netze als auch zum Post-
Processing verwendet.
Das ursprünglich für NRW maßgeschneiderte
Verfahren muss für die bundesweite Berechnung
der Landbedeckung an die Gegebenheiten aller
Bundesländer angepasst werden. Des Weiteren
müssen die in NRW nicht vorkommenden
Landbedeckungsklassen Festgestein, Meer und Eis
berücksichtigt und detektiert werden.
Abbildung 4 zeigt die abgeleitete Landbedeckung
exemplarisch für einen Ausschnitt Baden-
Württembergs. Um die vorkommenden Rebflächen
verlässlich erkennen zu können, wurde im
Rahmen der Weiterentwicklung des Verfahrens eine
zusätzliche Bildklasse definiert. Die
detektierten Flächen werden schließlich der
Landbedeckungsklasse Holzige Vegetation mit dem
Vegetationsmerkmal Büsche/Sträucher zugeordnet.
Ziel des aktuellen Vorhabens ist es, die
Landbedeckung qualitätsgesichert und flächendeckend
für Deutschland Mitte 2025 über die Zentrale
Stelle Geotopographie, die beim BKG angesiedelt
ist, bereitzustellen. Die Mindestkartierfläche
beträgt dabei generell 100 m2. Hochbauten werden
bereits ab einer Größe von 10 m ausgegeben. Für
die meisten Objektarten wird eine
Nutzergenauigkeit von ca. 90 % angestrebt. Die Detektion der
Landbedeckungsklassen Festgestein und
Lockermaterial bzw. ihre Abgrenzung zueinander stellt
aufgrund der Diversität von Lockermaterial
(gemäß Definition u. a. Geröll, Schotter, Abfall, Sand)
eine große Herausforderung dar. Daher wird hier
zunächst eine geringere Nutzergenauigkeit von
etwa 70 % erwartet.
Der Mehrwert für Deutschland besteht u. a. in der
jährlichen Aktualisierung des Datensatzes.
Weiterhin stellt die kleine Mindestkartierfläche von
100 m2 bzw. bei Hochbauten von 10 m2 eine sehr
hohe Auflösung der Landbedeckung dar, von der
viele Landes- und Bundesbehörden profitieren
können, z. B. im Hinblick auf die Modellierung
von Flächenverbrauch und Bodenversiegelung.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 12 –
13
Hier sind insbesondere das Statistische
Bundesamt mit der Flächenstatistik und das
Umweltbundesamt mit dem Umweltmonitoring zu
nennen. Die Vermessungsverwaltungen der
Bundesländer bündeln zusammen mit dem BKG in
dem Vorhaben Cop4ALL-DE ihre Ressourcen, um
einen bundesweiten, flächendeckenden sowie
einheitlichen Datensatz zu erzeugen.
Das Produkt „Landbedeckung für
Deutschland“ wird eine sehr kleine
Mindestkartier fläche von 100 m2 aufweisen, die in
einer hochautomatisierten Auswertung
entstanden ist.
Beeinflusst wurde das Vorhaben durch die immer
stärkere Nutzung der KI im
Geoinformationsbereich. Die Entwicklung des Verfahrens wird
nutzerorientiert und in der AdV abgestimmt
durchgeführt, so dass ein qualitätsgesicherter Datensatz
entsteht. Die Landbedeckung stellt somit eine
Basisinformation dar, die dann auch in digitalen
Zwillingen verwendet werden kann.
Mittels KIAnalyse wird die Landbedeckung
für Deutschland klassifiziert.
Die Ergebnisse des Projekts Cop4ALL-DE werden
frei und kostenlos als Open Data veröffentlicht.
Geplant ist die Bereitstellung über einen Web
Map Service, welcher die direkte Einbindung in
ein Geoinformationssystem ermöglicht.
Zusätzlich werden die Ergebnisse aber auch als Geo
Package per Download zur Verfügung gestellt. Dies
ermöglicht auch die Nutzung der zusätzlichen
Attribute, wie beispielsweise die Genauigkeit der
Klassifikation.
Die Landbedeckung für Deutschland wird der
Öffentlichkeit voraussichtlich Mitte des
Jahres 2025 erstmals durch die AdV zentral zur
Verfügung gestellt und in einem jährlichen
Rhythmus aktualisiert. Durch die sehr hohe
Auflösung des Datensatzes von 100 m2 stellt
er eine wertvolle Grundlage für viele
Anwendungen (beispielsweise Flächenstatistik und
Umweltmonitoring) von Landes- und
Bundesbehörden dar. Durch die Klassifizierung
Abbildung 4: Abgeleitete Landbedeckung für ein Weinanbaugebiet in Baden-Württemberg.
Hochbau
Tiefbau
Festgestein
Lockermaterial
Holzige Vegetation, Bäume, Nadel
Holzige Vegetation, Gehölz
Holzige Vegetation, Büsche/Sträucher
Holzige Vegetation, Bäume, Laub
MeerEis
Krautige Vegetation, Gras
Krautige Vegetation, Röhricht/Schilf
Krautige Vegetation, Getreide/Staudengewächse/Farne
Gewässer, fließend Gewässer, stehend
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 13 –
14
mittels Künstlicher Intelligenz wird eine hohe
thematische Genauigkeit erreicht. Nicht
zuletzt aufgrund der riesigen Datenmengen, die
verarbeitet werden müssen, ist das Vorhaben
hochambitioniert und sehr herausfordernd.
4. Innovative Fernerkundung für die
Bundesverwaltung
Anwendungspotenziale der Fern er kundung
speziell für Bundesbehörden auszuloten
und für ihre konkreten Aufgaben nutzbar
zu machen oder zu erweitern, ist das Ziel des
Rahmen vertrags „Innovative Fernerkundung
für die Bundesverwaltung – IF-Bund“. Das
Bundes ministerium des Innern (BMI) hat den
IF-Bund mit dem Deutschen Zentrum für Luft-
und Raumfahrt (DLR) mit Gültigkeit für die
gesamte Bundesverwaltung geschlossen. Seit
Beginn des IF-Bund im Jahr 2021 bis Ende des
Jahres 2024 sind daraus 14 Innovationsprojekte
entstanden, die zusammen mit
unterschiedlichen Bundesbehörden entwickelt wurden.
Diese haben inhaltlich eine große Bandbreite: von
der KI-gestützten Auswertung von Satelliten-,
Luft- und Drohnenbilddaten, z. B. für
Anwendungen der Krisenvorsorge und -reaktion oder
der Landbedeckungsklassifikation, bis hin zur
Unterwasserdatenerfassung und Unterstützung
des Gebäude- und Wohnungsregisters.
Ausgewählte Ergebnisse werden in den folgenden
Absätzen erläutert.
Globaler Wandel, nachhaltige Entwicklung
unseres Lebensraums, Bewältigung von
Krisensituationen und Minderung der Risiken, die von
natürlichen, technologischen und kriminellen
Gefahren ausgehen, stellen uns vor große
Herausforderungen. Die Beobachtung der Erde
mittels Fernerkundungssensoren hilft uns, diese
Aufgaben zu meistern. Sie ist heute für Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft von strategischer
und operativer Bedeutung.
Bereits jetzt kommen in der Bundesverwaltung
Erdbeobachtungsdaten für
unterschiedlichste Anwendungsfelder zum Einsatz (z. B. über die
Servicestelle Fernerkundung des BKG).
Darüber hinaus zielt der IF-Bund auf die Erarbeitung
neuer oder ergänzender Informationsprodukte
für die Bundesverwaltung sowie den
regelmäßigen Transfer von wissenschaftlicher
Fernerkundungsexpertise in die Verwaltung. Somit können
die wachsenden Anforderungen an Schnelligkeit,
Aktualität und Qualität miteinander verbunden
werden. Der Rahmenvertrag IF-Bund ist für alle
Bundesbehörden offen. Daraus sind
Innovationsprojekte entstanden, die eine nutzungsorientierte
Entwicklung mit unterschiedlichen
Schwerpunkten, z. B. aus den Bereichen Sicherheit, Statistik
und Planung, beinhalten und nun anhand von
drei Beispielen exemplarisch vorgestellt werden.
Der Einsatz von Fernerkundungsverfahren
für behördliche Aufgaben nimmt stetig zu,
hat aber noch großes Potenzial.
Beispiel 1: „Fernerkundungsdaten und
Künstliche Intelligenz für den Registerzensus“: Im
Zuge der Konzeption des Registerzensus prüft das
Statistische Bundesamt (StBA), inwieweit neue
digitale Daten künftig die Ermittlung und
Qualitätssicherung der Zensusergebnisse ergänzen
können. Im Zensus werden Angaben zu
Gebäuden mit Wohnraum, bewohnten behelfsmäßigen
Unterkünften und den darin befindlichen
Wohnungen erhoben. Diese Informationen müssen
geprüft und qualitätsgesichert werden. Ziel ist
es, dafür Verfahren zu nutzen, mit denen Daten
weitgehend automatisiert aufbereitet und
manuelle Arbeiten reduziert werden können. Im
bisherigen amtlichen Gebäudemodell sind per
definitionem keine kleinen Nebengebäude wie z. B.
Gartenhäuser, Wohncontainer o. ä. vorgesehen.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 14 –
15
Allerdings muss die Statistik sicherstellen, auch
Angaben zu solchen Gebäuden zu erheben,
sofern diese relevant für den Zensus sind. Im
Projekt „Sat4GWR_IF-Bund – Fernerkundung & KI
für den Registerzensus“ (Projektlaufzeit 10/2021–
12/2024) sollen mittels automatisierter KI-
Verfahren Gebäude und Unterkünfte aus
Satelliten- bzw. Luftbildern erfasst und anschließend
bestimmte Gebäudemerkmale abgeleitet werden.
Der zu erwartende Mehrwert der
Fernerkundungsergebnisse für den Registerzensus besteht
darin, die bislang avisierten Prozesse bei der
Ermittlung der Gebäude- und Wohnungsdaten zu
ergänzen und damit die Qualität der
Gebäudedaten im Registerzensus entscheidend zu
verbessern. Durch die im Projekt entwickelten
Verfahren wird die Qualitätssicherung der Daten
unterstützt, die perspektivisch aus einem noch
aufzubauenden Gebäude- und
Wohnungsregister (GWR) gewonnen werden. Abbildung 5
visualisiert Teilergebnisse des IF-Bund-Projekts
Sat4GWR, das versucht, für das StBA Gebäude
mittels KI deutschlandweit zu detektieren und zu
charakterisieren. Dargestellt ist ein Luftbild, das
von verschiedenen klassifizierten Gebäudetypen
farblich überlagert wird.
Beispiel 2: „Neuer Ansatz zur Abgrenzung
zwischen Stadt und Land in Deutschland“: Bislang
werden Siedlungsstrukturen in Deutschland
zumeist anhand von administrativen Einheiten wie
Gemeinden und Kreisen beschrieben und
verglichen. Bei diesem Ansatz können z. B. Städte nur
bedingt von ihrem Umland abgegrenzt werden, da
die Grenzverläufe an die Kreis-/
Gemeindegrenzen gebunden sind. In mehreren gemeinsamen
einjährigen Projekten haben Beteiligte vom
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
(BBSR) und dem Bundesinstitut für
Bevölkerungsforschung (BiB) sowie dem Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) deshalb alternative
Ansätze untersucht. Anstelle von administrativen
Daten werden verschiedene Fernerkundungs- und
weitere Geodatensätze sowie Statistiken genutzt,
um konsistente Raumeinheiten zu erzeugen, mit
denen Siedlungsstrukturen räumlich
differenzierter beschrieben werden können.
Zur Veranschaulichung zeigt Abbildung 6 links
eine übliche Einteilung in Stadt und Land auf
Basis der administrativen Einheit „Gemeinde“
in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl
entweder größer (rot) oder kleiner (grün) als 5.000
Einwohner. Auf der rechten Seite ist einer der
alternativen Ansätze basierend auf Informationen
über die Gebäudedichte und -typen sowie
Bevölkerungsdaten in einem 100 m × 100 m
Raster abgebildet. Hier sind neben der Unterteilung
in Stadt und Land auch Übergangsbereiche und
Abbildung 5: Teilergebnisse des Projekts Sat4GWR.
Einfamilien- und
Doppelhaus
Reihenhaus und
Blockbrandbebauung
Mehrfamilienhaus
Gebäudekomplex und
Halle
Sakralbau
Nebengebäude
Gebäudeklassifikation-
Beispiel
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 15 –
16
eine höhere räumliche Differenzierung
möglich. Die Ergebnisse des Projekts tragen dazu bei,
dass gesellschaftliche Faktoren wie etwa
Bevölkerungsveränderungen, Pendlerbeziehungen und
Suburbanisierung in einem bestimmten Raum
auf Grundlage dieser neuen Gebietsabgrenzung
präziser analysiert werden können.
Beispiel 3: „KI-basierte Methoden zur Erstellung
des Landbedeckungsmodells (LBM-DE) und
Datenmanagementsystem (DMS)“: Alle drei
Jahre wird die Landbedeckung/-nutzung
deutschlandweit auf Basis von Satellitenbildern in einem
Landbedeckungsmodell (LBM-DE) durch das BKG
erfasst. Diese Datengrundlage wird z. B. durch das
Umweltbundesamt genutzt, um
Umweltveränderungen wie den Verlust von Waldflächen
systematisch zu beobachten. Die in diesem IF-Bund
Projekt (DatKI4BKG) entwickelten KI-Methoden
sollen die bisherige aufwendige Erstellung des
LBM-DE beschleunigen und u. a. auf
unterschiedliche Satellitendaten anwendbar sein.
Um große Mengen an Fernerkundungsdaten
nachhaltig analysieren und bereitstellen zu
können, ist ein entsprechendes Datenmanage-
Abbildung 6: Teilergebnisse des Projekts
Fe4ErSSiGG.
Abbildung 7: Teilergebnisse des Projekts DatKI4BKG.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 16 –
17
ment, z. B. mithilfe von sogenannten DataCubes,
notwendig. Hierdurch können beispiels weise
KI- Modelle auf die Bilddaten automatisiert
zugreifen und diese analysieren. Abschließend
werden der entwickelte DMS-Prototyp und die
KI- Modelle gemeinsam getestet und an das BKG
übergeben. Abbildung 7 visualisiert
sinnbildlich die gewünschte deutschlandweite Ableitung
des Landbedeckungsmodells LBM-DE aus
Satellitendaten. Das Modell zeigt ein Deutschland-
Mosaik aus Satellitenbildern, das sukzessive
nach Süden hin mit dem LBM-DE überlagert
wird. Für einen kleinen Ausschnitt des
Schweriner Sees wird deutlich, wie Landschaftselemente
in verschiedene Klassen zusammengefasst
werden. Im Norden erkennbar ist das Satellitenbild
mit ca. 5 m Auflösung und im Süden – mit
Überblendung – Ergebnisse einer Klassifikation
mittels KI-Verfahren für das LBM-DE (z. B. rot:
Bebauung; hellblau: Wasserfläche).
Behördliche Nutzerinnen und Nutzer
benötigen einen einfachen Zugang zu
Fernerkundungsdaten mit unabhängiger und
kompetenter Beratung über die verfügbaren Angebote
sowie Schulungen. Ein wichtiges Element ist
hierbei der zentrale Satellitendatenkauf sowie
die Beratung durch das BKG, den Dienstleister
für die gesamte Bundesverwaltung im Bereich
Geoinformation. Darüber hinaus können
Forschungsergebnisse in passgenaue Lösungen
für Behörden über Rahmenverträge wie den
IF-Bund transferiert werden. Dieses
ergänzende Element erleichtert es, die Potenziale
chancenreicher Fernerkundungstechnologie in
Bundesbehörden zu heben und in die
behördliche Praxis zu überführen.
1: Reinosch, E., Backa, J., Adler, P., Deutscher, J., Eisnecker, P., Hoffmann, K., Langner, N., Puhm, M., Rüetschi, M., Straub, C., Waser, L. T.,
Wiesehahn, J., Oehmichen, K. (2024): Detailed validation of large-scale Sentinel-2-based forest disturbance maps across Germany. Forestry: An
International Journal of Forest Research, 2024; cpae038, doi.org/10.1093/forestry/cpae038
5. Waldschadenserkennung in Deutschland:
Innovative Erfassung und Überwachung mit
Sentinel-2-Satellitendaten
Unsere Wälder leiden seit mehreren Jahren
unter den zunehmenden Belastungen durch
Stürme, extreme Dürre und die dadurch
verursachte Borkenkäfer-Massenvermehrung. Besonders
gravierend waren die Waldschäden in den
Jahren 2017 und 2018. Sie waren der Anlass, am
Thünen-Institut für Waldökosysteme ein
innovatives, fernerkundungsbasiertes
Erfassungssystem für Schadflächen zu entwickeln. Das
Projekt FNEWs (www.fnews-wald.de) zielt darauf
ab, Waldschäden effizient und präzise zu
entdecken und zu überwachen. Das
Monitoringsystem und die technische Infrastruktur wurden
durch ein internationales Projektkonsortium
aus den Bereichen Technologie, Fernerkundung,
Ökonomie und der forstlichen Forschung mit
Anwendungsbezug entwickelt und aufgebaut.
Das Monitoringsystem umfasst die
Datenvorprozessierung und eine Zeitreihenanalyse mit
Sentinel-2-Satellitenbilddaten und liefert als
Ergebnis Schadflächenkarten und -statistiken
zu abgestorbenen Waldflächen und
Schadholzmengen für die vier farbig dargestellten
Untersuchungsgebiete (Abbildung 8). Die Methodik
und das Verfahren wurden innerhalb dieser
Untersuchungsgebiete entwickelt. Die Genauigkeit
und Aussagekraft der Ergebnisse wurden
umfassend validiert1. Damit steht ein weitgehend
automatisiertes System bereit, welches durch
biotische und abiotische Schadereignisse
entstandene, abgestorbene Waldflächen aus
Satellitenbilddaten erkennt und ausweist. Das FNEWs-
Jahresprodukt (Abbildung 9) und weitere
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 17 –
18
Projektergebnisse können über das Geoportal
des Thünen-Instituts abgerufen werden.2
Aufgrund des dringenden Bedarfs an
Informationen zu Waldschäden ist ein fortlaufendes
flächendeckendes Waldschadensmonitoring
unabdingbar. Anfang 2024 wurde das Thünen-Institut für
Waldökosysteme deshalb beauftragt, das
erfolgreich getestete System bundesweit zu
implementieren. Dieser Übergang in den operationellen
Einsatz bringt verschiedene Herausforderungen
mit sich. Die Umstellung der im Projekt auf
Untersuchungsgebietsebene entwickelten Prozesse
und Algorithmen auf die Fläche Deutschlands
erfordert softwaretechnische Anpassungen sowie
die Beschaffung und Aufbereitung der benötigten
Daten. Die bestehende IT-Struktur muss für die
deutlich gestiegenen Rechen- und
Speicheranforderungen erweitert und für eine langfristige
Nutzung umgebaut werden.
2: atlas.thuenen.de/atlanten/waldatlas
Abbildung 8: Untersuchungsgebiete des Projekts
FNEWs.
Abbildung 9: Ausschnitt des FNEWs-Jahresproduktes am Huzenbacher See, hinterlegt mit einem
Luftbildausschnitt aus dem Jahr 2021.
2018
2019
2020
2021
2022
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 18 –
19
6. Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher
Intelligenz und Fernerkundungsmethoden
in der Stadtentwicklung – ein Blick auf
aktuelle Forschungsprojekte des Bundes
Die öffentliche Verwaltung wird immer
digitaler. Im Bereich der Raum- und
Stadtplanung zeigt sich dies schon lange sehr deutlich
an den öffentlich zugänglichen
Geoinformationssystemen. Zukünftig können auch
digitale Potenzialflächenkataster ein weiteres
hilf reiches Instrument der Stadtentwicklung
sein, deren Bedeutung im Hinblick auf die
Frage, wie dem unverändert zunehmenden
Flächendruck begegnet werden kann, immer
mehr in den Fokus rückt.
Im 5. Geo-Fortschrittsbericht von 2021 wurde
bereits über zahlreiche Beispiele für digitale
Anwendungen und Entwicklungen auf Bundes-
und Landesebene informiert. Insbesondere in der
Stadtentwicklung und in der Stadtplanung ist die
Digitalisierung von großem Nutzen und der
Gebrauch von Geoinformationssystemen weit
verbreitet. Die vielfältigen Möglichkeiten und die
beständige Weiterentwicklung digitaler
Anwendungen können gerade im Bereich des
Planungsrechts nachhaltig genutzt werden. Dieser Bedarf
wird nicht zuletzt durch die Flächenkonkurrenz
zwischen Siedlungsbereichen und Freiflächen,
den mangelnden Wohnraum, die Auswirkungen
des Klimawandels auf die Umwelt und den
Menschen selbst (wie etwa Starkregenereignisse,
Dürre, gefährdete Biodiversität) und die
Notwendigkeiten des Ausbaus der technischen Infrastruktur
noch verstärkt.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und
von Fernerkundungsmethoden birgt für die
Stadtentwicklung große Potenziale und kann
diese langfristig und nachhaltig unterstützen.
Grenzen bestehen dennoch.
Daher liegt es im Interesse des Bundes, die
Verbreitung digitaler Anwendungen insbesondere in
den Kommunen zu fördern und diese sowohl in
der Stadtentwicklung als auch in der konkreten
Vorhabenplanung noch
anwendungsfreundlicher und unterstützender zu gestalten. Hier liegt
ein Forschungsfeld des Bundesinstituts für Bau-,
Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das BBSR
leitet unter Begleitung des Bundesministeriums für
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zwei
Forschungsprojekte zur Erstellung digitaler
Flächenkataster. Ein Projekt konnte bereits
abgeschlossen werden.
Forschungsprojekt „Methodenstudie zum
Monitoring von Potenzialflächen für Brachen,
Baulücken und Nachverdichtung in der
Regionalstatistik und mit Methoden der
Fernerkundung/KI“ [7/2023–11/2024]. Im Herbst 2023
wurde eine Methodenstudie zum Monitoring
von Potenzialflächen für Brachen, Baulücken
und Nachverdichtung in der Regionalstatistik
mit Methoden der Fernerkundung und KI auf
den Weg gebracht. Langfristiges Ziel ist, auf
kommunaler Ebene ein luftbildgestütztes
Baulandkataster für das Monitoring von Potenzialflächen
aufzubauen, mit dem sich brachliegende Flächen,
Baulücken und für die Nachverdichtung
potenziell geeignete Flächen automatisiert erfassen
lassen. Diese Informationen sollen die Grundlage
für ein detailliertes Potenzialflächenkataster
bilden. Hierfür wurden zunächst die bereits
vorhandenen Angebote für die Erstellung von Katastern
untersucht und ausgewertet, und aufbauend auf
diesen Erkenntnissen wird aktuell erforscht und
ausgewertet, welche Möglichkeiten insbesondere
der voll automatisierte Einsatz von
Fernerkundungsmethoden und KI zusätzlich bieten kann.
Gegenwärtig werden Potenzialflächen
überwiegend durch kommunale Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter vor Ort erhoben, etwa durch
die Nutzung der Geoinformationssysteme
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 19 –
20
(z. B. Aus wertung der Bebauungspläne und
Luftbilder), den Abgleich mit Baugenehmigungen
und Ortsbegehungen. Ein standardisiertes
Verfahren gibt es hierfür nicht. Elf Bundesländer
bieten ihren Kommunen (halbautomatisierte)
Anwendungen an, die den Aufbau von
Potenzialkatastern erleichtern, darunter beispielsweise
Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und die
Stadtstaaten. Etwa ein Drittel der Kommunen
nutzt diese Angebote. Die Praxis zeigt dabei: Je
höher der Grad der technologischen
Unterstützung ist und damit einhergehend eine
Reduzierung des personellen Aufwands, desto höher ist
die Bereitschaft zum Aufbau und zur Pflege
entsprechender Kataster. Eine Überprüfung der
Flächenerkundung und Auswertung der Vorauswahl
bleibt jedoch bestehen, um fehlerhaft ermittelte
„Potenziale“ auszusortieren.
Welche Möglichkeiten bietet also der Einsatz
von Fernerkundungsmethoden und KI
darüber hinaus?
Fernerkundungsmethoden liefern Luftbilder,
etwa als digitale Orthofotos (DOP) oder als
Satellitenbilder.
Satellitenbilder stehen bundesweit, z. B. über
Sentinel-2-Satelliten, kostenfrei zur Verfügung und
bieten den Vorteil, dass sie im Abstand weniger
Tage erneuert werden. Ein Nachteil ist jedoch die
geringe Auflösung der Aufnahmen, die zwar eine
Veränderung der Fläche erkennen lässt, aber keine
zuverlässigen Rückschlüsse auf die Art der
Veränderung zulässt (Abbildung 10). Allerdings erhöhen
jahreszeitliche Vergleiche die Klassifikationsgüte.
DOP hingegen stehen detailscharf zur Verfügung
und ermöglichen daher eine sehr gute
Beurteilung einer Fläche. Diese sind jedoch in der Regel
nicht kostenfrei verfügbar und können gerade
für finanzschwache Kommunen eine erhebliche
Belastung darstellen. Daher wird eine Befliegung
für DOP nur in größeren zeitlichen Abständen
in Auftrag gegeben. Einige Bundesländer
stellen DOP über Geoportale hingegen kostenfrei
zur Verfügung, so dass Kommunen diese für ihre
Geoinformationssysteme nutzen können.
Eine weitere Unterstützung in der Beurteilung
von Flächen und baulichen Nutzungen können
Schrägluftbilder oder aus Luftbild- oder
Laserscanbefliegungen erzeugte 3D-Oberflächen-
Abbildung 10: Gegenüberstellung der Luftbildqualitäten der DOP und der Sentinel-2-Satellitenbilder
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 20 –
21
modelle (z. B. 3D-Meshs) bieten, die
dreidimensionale Strukturen anschaulich darstellen.
Insbesondere im Zusammenhang mit der Frage,
welches Maß der Bebauung zulässig sein kann,
sind solche Daten sehr hilfreich.
Automatisierte KI-Verfahren verarbeiten große
Datenmengen wie etwa Luftbilder und können
lernen. Ergibt sich daraus auch eine Verbesserung
der Ergebnisse?
Ja – aber nicht in dem Ausmaß, wie man es
vielleicht erwarten könnte.
Das Luftbild in Abbildung 11 verdeutlicht dies. Es
zeigt einige Polygone, die von der KI als Brachen
klassifiziert wurden, korrekt an, allerdings auch
andere, die gar keine sind.
Eine unterbleibende Überprüfung der
automatisierten Ergebnisse würde zu einer größeren Zahl
von Fehleinträgen von Flächen im
Potenzialregister führen, mit der Folge einer Fehlannahme
der Bebaubarkeit dieser Flächen. Daher sind eine
Überprüfung und Verbesserung der
Klassifikation, etwa mit Referenzdaten, erforderlich.
Als Ergebnis des Forschungsprojekts lässt sich
festhalten, dass automatisierte Verfahren eine
deutliche Unterstützung und Arbeitsentlastung bei der
Erfassung von Potenzialen darstellen. Eine
Endkontrolle der ermittelten Flächen durch die Kommune
ist jedoch auch beim Einsatz von KI weiterhin
erforderlich, da das Ergebnis nicht in allen Fällen der
realen Nutzung/Nichtnutzung entspricht.
Das Forschungsprojekt wurde im November 2024
abgeschlossen. Weitere Informationen zu den
Ergebnissen und der Methodenbeschreibung
können über den folgenden Link abgerufen
werden: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/
programme/exwost/jahr/2023/monitoring-
vonpotenzialflaechen.
Thematisch daran anknüpfend wird in einem
neuen Modellprojekt für Kommunen die
Entwicklung von automatisierten Verfahren zum Aufbau
eines Baupotenzialregisters gefördert. Ziel ist u. a.,
die dabei entwickelten Software-Lösungen
bundesweit auch auf andere Kommunen übertragen
zu können.
Modellprojekt „Baupotenzialregister“ [Laufzeit
1–12/2025]. Bei diesem Modellprojekt handelt es
sich um ein Parlamentsförderprogramm, welches
der Umsetzung einer Vereinbarung des
Koalitionsvertrages 2021 dient, Kommunen bei der
Einführung von Potenzialflächenregistern zu
unterstützen. Der Förderaufruf wurde im August 2024
gestartet. Aus 19 Interessenbekundungen wurden
im Dezember 2024 acht Kommunen mit
unterschiedlichen Projektideen ausgewählt.
Das Projekt richtet sich an Kommunen mit
erhöhtem Wohnraumbedarf. Diese sollen die finanzielle
Unterstützung erhalten, ein digitales
Baupotenzialregister nach ihren individuellen
Zielsetzungen zu entwickeln, das Baulücken, Brachflächen
und sonstige Potenziale weitgehend
automatisiert erfasst, einer stadtplanerischen Bewertung
Abbildung 11: Beispielhafte Darstellung der KI-generierten
Klassifizierung von Brachflächen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 21 –
22
zugänglich macht und mit Informationen zu
Bebauungsmöglichkeiten (etwa aus einem
Bebauungsplan) verknüpft. Der Inhalt eines solchen
Registers sollte, soweit rechtlich möglich, auch für
die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Über ein einfaches Nutzungsrecht für den Bund
wird gewährleistet, dass die entwickelte Software
auch anderen interessierten Kommunen zur
Verfügung gestellt werden kann.
Ziel beider Projekte ist es, Flächenpotenziale im
Innenbereich automatisiert erfassen und mit den
planungsrechtlichen Vorgaben in einem digitalen
Kataster verknüpfen zu können. Damit sollen
aktuelle Informationen über die vorhandenen
Bebauungsmöglichkeiten verfügbar gemacht und
Bedarfe vorrangig ohne Inanspruchnahme von Flächen
außerhalb der Ortslagen realisiert werden.
Die bisherigen Ergebnisse des
Forschungsprojekts zeigen, dass eine voll automatisierte
Flächenprüfung und -erfassung nicht zu 100 %
korrekte Ergebnisse liefern kann. Der Bereich
der KI und der Fernerkundung entwickelt sich
jedoch ständig weiter, und das gerade
gestartete Modellprojekt soll es ermöglichen, in dieses
Feld tiefer einzusteigen. „Passgenaue
Lösungen“ für Kommunen sollen so weit wie
möglich realisiert werden, um sie dann als Open-
Source-Lösung weiterverbreiten zu können.
Durch diesen Fokus auf ungenutzte Flächen
im Siedlungsbereich werden Potenziale
vergleichbar ermittelt und transparent gemacht.
Das spart den Kommunen Kosten – sowohl
für ausgleichpflichtige Planungen „auf der
grünen Wiese“ als auch für die Schaffung
neuer Infrastruktur durch die Nutzung
bereits bestehender. In der Regel senkt das auch
die Baukosten für Vorhabenträger und dient
nicht zuletzt der Einhaltung des 30-ha-Ziels
und dem Schutz der Umwelt.
7. Modellprojekte Smart Cities – Geobasierte
Dateninfrastrukturen und digitale
Anwendungen in der integrierten
Stadtentwicklung
Das Förderprogramm „Modellprojekte Smart
Cities“ unterstützt seit 2019 über 70 Städte, Kreise,
Gemeinden und interkommunale
Kooperationen, die Digitalisierung in Verfahren und
kommunalen Handlungsfeldern voranzutreiben.
Auch wenn dies nicht explizit Fördergegenstand
des Programms ist, nimmt die Ausweitung der
Erhebung, Haltung und Verarbeitung
georeferenzierter Daten in vielen der Modellprojekte
eine zentrale Rolle ein. Als zentrale
Anwendungen erweisen sich in diesem Zusammenhang der
Aufbau und Ausbau georeferenzierter
Sensordaten sowie digitaler urbaner Datenplattformen
bzw. Zwillinge.
Neben vielen anderen Modellprojekten
verfolgt z. B. die Stadt Freiburg das Ziel, über
den Aufbau eines digitalen Datenraums (DA-
TEN:RAUM:FREIBURG) sowohl eine
fachbereichsübergreifende Dateninfrastruktur für die
Kommune aufzubauen als auch Daten u. a. des
lokalen Geodatenportals für Bürgerinnen und
Bürger, Unternehmen sowie
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugänglich zu machen.
Ein im Aufbau befindlicher urbaner Digitaler
Zwilling unterstützt die Stadt Regensburg darin,
das ambitionierte Ziel einer stadtweiten
Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen.
Hierfür befindet sich ein geodatenbasiertes
Stadtmodell im Aufbau, das u. a. unterschiedliche
Energiebedarfe auf der Basis von
Gebäudetypologien und weiteren Eingabeparametern
objektscharf abbildet. Im Rahmen der strategischen
Wärmeplanung der Stadt bildet das
Gebäudemodell dabei potenziell die Grundlage für eine
Kopplung mit einem komplementären Modell
der leitungsgebundenen Wärmeinfrastruktur.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 22 –
23
Perspektivisch könnten hiermit sowohl die
Auswirkungen umfassender energetischer
Modernisierungen des Gebäudebestandes der Stadt als
auch unterschiedliche Deckungsgrade des
künftigen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien
simuliert werden. Ausgehend von einem
Pilotquartier wird das Modell in späteren Stufen auf
die gesamte Stadt ausgeweitet und umfasst dann
zusätzliche Bausteine wie z. B. ein 3D-
Solarpotenzialkataster und Geothermiedaten.
Über den Bereich der energetischen Sanierung
von Bestandsquartieren hinaus sind
georeferenzierte urbane Digitale Zwillinge, u. a. in den
Handlungsfeldern Energieversorgung (z. B.
Verbandsgemeinde Fuchstal),
Klimafolgenanpassung (z. B. Stadt Wuppertal, Landkreis Hof),
lokale Wirtschaftsförderung (z. B. Stadt Halle)
und städtischer Verkehr (z. B. Stadt Mannheim),
in der Entwicklung.
Abbildung 12: Prototyp des Sanierungszwillings der
Stadt Regensburg.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 23 –
24
8. BIM Deutschland –
Digitales Planen und BIM
Building Information Modeling (BIM)
bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der die
relevanten Informationen und Daten eines
Bauwerks auf der Grundlage digitaler Modelle
konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten
Kommunikation zwischen den Beteiligten
ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung
übergeben werden. Ein wesentlicher Vorteil der BIM-
Methode ist die digitale Datenverfügbarkeit über
alle Planungs-, Bau- und Bewirtschaftungsphasen
eines Bauwerks hinweg. Die Betrachtung des
gesamten Lebenszyklus steht dabei im Mittelpunkt.
BIM trägt dazu bei, dass es bei der Planung, dem
Bau, Betrieb sowie dem Um-/Rückbau zu einer
enormen Verbesserung der Ressourcenplanung
und -verwendung kommt. Bereits in der
Planungsphase kann festgelegt werden, welche
Ressourcen zum Einsatz kommen und beim
Rückbau recycelbar sind. Die Ökobilanzierung ist
leichter umsetzbar, die CO2-Bilanz schneller
errechnet. Die Digitalisierung kann so einen
wesentlichen Beitrag zur Erreichung der
Klimaziele im Bausektor leisten und einen Mehrwert für
unsere gebaute Umwelt schaffen.
Die Zusammenarbeit in der Methodik BIM
erfordert von den Beteiligten ein gemeinsames
Verständnis, welche Informationen verfügbar sind
und wie diese zwischen den beteiligten
Akteuren ausgetauscht werden. Um die
Kompatibilität der Informationen zu gewährleisten, müssen
alle Beteiligten das gleiche Vokabular
verwenden. Dadurch wird sichergestellt, dass die
ausgetauschten Informationen direkt für die korrekte
Ausführung einer spezifizierten Aufgabe
verwendet werden können.
BIM trägt zu einer Erhöhung der Termin-,
Qualitäts- und Kostentreue bei.
Für eine Reihe von Prozessen im Lebenszyklus
eines Bauwerks fördert die kooperative
Arbeitsmethode auf Basis von Daten aus den Bereichen
BIM und der Geodäsie enorme Potenziale.
Beispielhaft zu nennen ist hier die Bauvermessung
sowohl planungsbegleitend als auch während der
Bauausführung, die bei einer kooperativen
Arbeitsmethode Effizienzsteigerungen ermöglicht.
Die Integration von BIM-Daten eines Bauwerks
in Stadtmodelle ebnet den Weg für noch
detailliertere Simulationen für smarte Städte und
Regionen. Daher muss auch in Zukunft die
Verknüpfung der digitalen Arbeitsmethoden stärker in
den Fokus gerückt werden. Der Runde Tisch GIS
e. V. unterstützt dies z. B. mit der 2024
aktualisierten Auflage des „Leitfaden Geodäsie und BIM“.
Die Initiative BIM Deutschland unterstützt ein
einheitliches und abgestimmtes Vorgehen bei der
BIM-Implementierung im Bundesbau sowie der
gesamten Wertschöpfungskette Bau. Die
Initiative wird vom Bundesministerium für Digitales
und Verkehr (BMDV), dem Bundesministerium
für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
(BMWSB) und dem Bundesministerium der
Verteidigung (BMVg seit 2024) getragen. Seit dem
Start der Initiative im Jahr 2020 werden das
Informations- und Beratungsangebot, die
Bereitstellung von Services und die
Öffentlichkeitsarbeit kontinuierlich ausgebaut.
Ein Schwerpunkt der Arbeit von BIM
Deutschland ist die Entwicklung und Bereitstellung des
BIM-Portals des Bundes, das im Oktober 2022 von
der Bundesbauministerin und dem
Bundesverkehrsminister mit dem ersten Modul
„Merkmale“ öffentlich freigeschaltet wurde. Im Jahr 2024
wurde dann das Modul „AIA“
(Auftraggeberinformationsanforderung/
Austauschinformationsanforderungen) veröffentlicht. Das BIM-Portal des
Bundes ist ein Leuchtturmprojekt der
Digitalstrategie Deutschland. Die Entwicklung weiterer
Funktionalitäten des BIM-Portals ist geplant.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 24 –
25
Damit unterstützt das BIM-Portal öffentliche
Auftraggeber bei der BIM-gerechten
Definition ihres Informationsbedarfs bei BIM-
Projekten sowie deren Auftragnehmer bei der
qualitätsgesicherten Übermittlung entsprechender
Informationsmodelle. Durch die Verwendung
von abgestimmten Informationsanforderungen
erhalten Auftragnehmer eindeutige und
konsistente Leistungsbeschreibungen. Der
Informationsbedarf umfasst insbesondere Angaben
darüber, wer, wann, in welchem
Detaillierungsgrad und in welchem Format die
angeforderten Daten zu liefern hat. Die Informationen im
BIM-Portal stehen allen Marktteilnehmenden
zur Verfügung.
Parallel zur Entwicklung des BIM-Portals werden
nutzerspezifische Informationen und
Beratungsangebote für öffentliche Auftraggeber
bereitgestellt. In regelmäßigen Online-Fachdialogen
können sich die Akteure im Bauwesen austauschen
und vernetzen und so Synergieeffekte in ihrer
Projektarbeit erzielen. In diesem Rahmen sind
auch Veranstaltungen zum Thema BIM in der
Geotechnik durchgeführt worden bzw. in
Planung. BIM Deutschland begleitet und fördert die
Standardisierung und Normung auf nationaler
und internationaler Ebene.
Ein Beirat, der sich aus Vertreterinnen und
Vertretern verschiedener Bereiche des Bauwesens,
der Forschung, Bauverwaltungen und anderen
relevanten Akteuren zusammensetzt, übernimmt
eine beratende Funktion bei der fachlich-
strategischen Ausrichtung von BIM Deutschland. Aus
allen Bereichen der Wertschöpfungskette Bau
informiert er über die (technischen) Entwicklungen
und weist auf relevante und neue
Handlungsfelder hin. Der Beirat ist damit der Impulsgeber und
zeigt die Potenziale der Digitalisierung auf,
insbesondere der Methode BIM. Darüber hinaus gibt
er Hinweise zu Handlungsnotwendigkeiten aus
Sicht der Praxis.
Über die Etablierung von offenen und
harmonisierten Standards für den
Datenaustausch unterstützt BIM Deutschland
neben der Einführung und Anwendung von
BIM in der Wertschöpfungskette Bau auch die
Verfügbarkeit digitaler Daten mit Blick auf das
Zusammenwirken von BIM, GIS
(Geoinformationssystem) und Smart Cities.
9. Digitale Geosysteme
Mit dem Voranschreiten der Energiewende
gewinnen digitale Geosysteme für die
nachhaltige Nutzung des unterirdischen Raumes
zunehmend an Bedeutung, beispielsweise im
Bereich der geothermischen
Energiegewinnung oder der Speicherung von
Energieträgern im geologischen Untergrund.
Um die in unterirdischen Geosystemen
ablaufenden Reaktionen besser verstehen und
bewerten zu können, ist eine genauere Kenntnis
des Aufbaus erforderlich, die nur durch
Tiefbohrungen und aufwendige geophysikalische
Erkundungen gewonnen werden kann. Diese
Untersuchungen sind kostspielig und liefern
zumeist örtlich begrenzte Informationen.
Numerische Modellierungen unterirdischer
Geosysteme stellen hierzu eine vergleichsweise
kostengünstige und standortunabhängigere
Alternative dar. Gleichzeitig ermöglichen digitale
Modelle, die im geologischen Untergrund
ablaufenden Prozesse abzuschätzen.
Abbildung 13: Logo der Initiative BIM Deutschland.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 25 –
26
Um den Digitalisierungsprozess in den
Geowissenschaften zu beschleunigen, hat das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
daher die Förderinitiative „Digitale Geosysteme:
Virtuelle Methoden und digitale Werkzeuge für
geowissenschaftliche Anwendungen“ entwickelt.
In den ab 2024 laufenden Forschungsprojekten
wird über einen Zeitraum von drei Jahren eine
neue Generation numerischer
Simulationswerkzeuge entwickelt sowie bestehende Werkzeuge
verknüpft und erweitert. Mit der BMBF-
Förderung werden Grundlagen geschaffen, deren
Anwendungspotenzial in nahezu allen Bereichen
der geotechnischen Untergrundnutzung liegt.
Damit leistet dieser Themenschwerpunkt einen
wichtigen Beitrag zur Umsetzung der
Energiewende im Untergrund.
Die Projekte bearbeiten ein breites Spektrum von
Forschungsansätzen, welche von der
Weiterentwicklung und Verbesserung von Arbeitsabläufen
bis zur Erstellung sogenannter digitaler
Zwillinge für verschiedene Anwendungen reichen. Ein
Anwendungsbereich ist die Tiefengeothermie:
Neue digitale Werkzeuge sollen helfen, die
Ausbreitung von Rissen und möglichen seismischen
Folgeereignissen zu überwachen, um deutlich
mehr Planungssicherheit zu erzielen. Ferner soll
ein virtuelles Untergrundlabor erstellt werden,
um das Fündigkeitsrisiko (Risiko, ein
geothermisches Reservoir mit einer oder mehreren
Bohrungen in nicht ausreichender Quantität oder
Qualität zu erschließen) sowie die
Explorationskosten von Geothermieprojekten zu verringern.
Ein weiteres Anwendungsfeld ist der Einsatz von
Methoden der Künstlichen Intelligenz sowie die
Entwicklung digitaler Zwillinge zur
Überwachung und Bewirtschaftung bergbaulicher
Hohlräume. Hierfür werden numerische Werkzeuge
zur Visualisierung geotechnischer Eingriffe in
den Untergrund und zum Monitoring
gefluteter Bergwerksbereiche erstellt. Die
Bereitstellung kombinierbarer numerischer Instrumente
(Workbench) und die Entwicklung
automatisierter Prüfabläufe zur Qualitätssicherung
geowissenschaftlicher Prozesssimulationen
(Benchmarking) bilden weitere Arbeitsschwerpunkte.
Außerdem ist die Entwicklung einer digital
gestützten Trassenplanung für unterirdische
Energieinfrastrukturen vorgesehen.
Digitale Geosysteme leisten einen wichtigen
Beitrag zur Umsetzung der Energiewende.
Zur Evaluierung der neu entwickelten Modelle
und Werkzeuge werden neu erfasste Messwerte
und vorhandene Daten aus nationalen und
internationalen Forschungsarbeiten zu Testzwecken
genutzt. Aufgrund der quelloffenen
Programmierung und kostenfreien Bereitstellung über
Repositorien lassen sich die Instrumente für individuelle
Anwendungen adaptieren. Ein Großteil der
beteiligten Community ist zudem aktiv in den Ausbau
nationaler Geodateninfrastrukturen eingebunden.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 26 –
27
Unsere Welt ist derzeit von vielfältigen, komplexen
Krisen geprägt. Seit dem russischen Angriff auf die
Ukraine herrscht wieder Krieg in Europa. Die 2022
ausgerufene Zeitenwende verdeutlicht die
Dringlichkeit, mit der die Politik daran arbeitet, den
Zustand der Bundeswehr zu verbessern, um
Deutschland im Ernstfall verteidigen zu können. Auch der
fortschreitende Klimawandel und die damit
einhergehende Zunahme von
Extremwetterereignissen stellen potenzielle Sicherheitsrisiken für die
Bevölkerung dar, wie die Flutkatastrophe im
Ahrtal 2021 auf tragische Weise gezeigt hat.
Ob kriegerische Auseinandersetzungen,
Extremwetterereignisse oder andere unvorhersehbare
Krisen – die Fähigkeit, solche Ereignisse
frühzeitig zu erkennen und sich darauf vorzubereiten, ist
essenziell für den Schutz der Bevölkerung. Hier
spielen Geoinformationen eine zentrale Rolle: Sie
helfen, die Welt in ihren räumlichen
Zusammenhängen besser zu verstehen, Risiken zu bewerten
und Maßnahmen zu planen.
Krisen beschränken sich in der Regel nicht auf
einzelne administrative Einheiten wie z. B.
Bundesländer; daher sind bundesweit einheitliche
Datensätze notwendig, um
länderübergreifende Szenarien realitätsnah abzubilden und so eine
optimale Vorbereitung sicherzustellen. Mit dem
Digitalen Zwilling Deutschland wird u. a. der
Bundeswehr zukünftig erstmals ein bundesweit
einheitlicher Datensatz als Grundlage für
Planungen und Simulationen zur Verfügung stehen.
Um die räumlichen Auswirkungen von
Starkregenereignissen zukünftig besser einschätzen
und rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen zu
können, arbeitet das Bundesamt für Kartographie
und Geodäsie (BKG) derzeit an einer
einheitlichen und flächendeckenden Zusammenstellung
von Hinweiskarten zu Starkregengefahren für
Deutschland.
Mit validen und aktuellen Geoinformationen
können die Herausforderungen unserer Zeit
gemeistert werden – von sicherheitspolitischen
Planungen bis hin zur Bewältigung der Folgen des
Klimawandels.
1. Die Bedeutung des Digitalen Zwillings
Deutschland (DigiZ-DE) des BKG für die
Bundeswehr
Die Verantwortung für Geobasisdaten liegt in
Deutschland bei den Bundesländern.
Unterschiedliche Verfahren zur Geodatenerhebung
und unterschiedliche Grundlagendaten führen
zu Inkonsistenzen in den Geodaten und zu einem
heterogenen bundesweiten Datensatz. Mit dem
Digitalen Zwilling Deutschland (DigiZ-DE) des
Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG)
wird ab 2027 erstmals ein bundesweit
einheitlicher Datensatz mit einheitlichen Erfassungs- und
Qualitätsmerkmalen zur Verfügung stehen.
Nach einem erfolgreichen Test in der
Metropolregion Hamburg arbeitet das BKG derzeit an der
Sicherheit
und Krisen
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 27 –
28
Erstellung des DigiZ-DE, dessen Basis ein
hochpräzises 3D-Modell bilden wird (vgl. Bericht
Seite 7). Für den Test wurde die Metropolregion
Hamburg bewusst gewählt, weil sie neben der
Stadt Hamburg auch Teile von Niedersachsen,
Schleswig-Holstein und Mecklenburg-
Vorpommern enthält und sich somit auch
grenzüberschreitende Fragestellungen bearbeiten lassen.
Ein bundesweit einheitlicher Datensatz
ermöglicht Planungen und Simulationen über
die Grenzen der Bundesländer hinweg.
Ziel des Projekts DigiZ-DE ist es nun, eine
bundeseinheitliche Analyse- und Simulationsplattform
als kontinuierliche Dienstleistung für die gesamte
Bundesverwaltung anzubieten. Dazu soll der
DigiZ-DE ein intelligentes, räumliches, digitales und
skalierbares Abbild des Bundesgebietes enthalten
und es Behörden ermöglichen, Prozesse
unterschiedlichster Art zu analysieren, zu simulieren
und zu visualisieren. Grundlage wird ein
redaktionell gepflegtes Datenangebot sein, das Zugang
zu relevanten Geoinformationen für Deutschland
bietet. Dieses Datenangebot wird um ein aus einer
LiDAR (Light Detection and Ranging)-Befliegung
gewonnenes skalierbares Abbild von Deutschland
erweitert, das neben einer 3D-Punktwolke auch
daraus abgeleitete Objekte, wie z. B. Einzelbäume
oder Gebäudegeometrien enthält.
Das Zentrum für Geoinformationswesen der
Bundeswehr (ZGeoBw) ist seit Beginn als Beobachter
am Projekt Digitaler Zwilling Deutschland
(DigiZ-DE) beteiligt, um die militärischen und
technischen Nutzungsmöglichkeiten des DigiZ-DE für
die Bundeswehr zu identifizieren und mögliche
Anwendungsfälle zu eruieren.
Aufgrund der aktuellen politischen Lage und der
damit einhergehenden Refokussierung auf die
Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) sieht
sich auch die Bundeswehr mit neuen
Aufgabenschwerpunkten konfrontiert. Aus Sicht der
Bundeswehr bietet der DigiZ-DE die Möglichkeit, die
bereitgestellten Daten mit militärisch relevanten
Informationen anzureichern und so eigene
militärische digitale Zwillinge aufzubauen – mit großem
Potenzial für die LV/BV.
Einen deutlichen Mehrwert bietet der DigiZ-DE
als Planungsgrundlage für die nationale
territoriale Verteidigung im Spannungs- und
Verteidigungsfall ebenso wie für die Amts- und
Katastrophenhilfe. Mit seinem digitalen Abbild des
Bundesgebietes ermöglicht der DigiZ-DE,
strategische und operative Planungen in einem
virtuellen Abbild der realen Welt durchzuführen.
Insbesondere im Hinblick auf die Aufmarschführung
nationaler Streitkräfte sowie der neuen
Aufgaben Deutschlands als Drehscheibe für die
Verlegung alliierter Truppen (Drehscheibe DEU) kann
der DigiZ-DE künftig eine essenzielle
Planungsgrundlage darstellen.
Für die Verteidigung Deutschlands ist ein stets
aktuelles bundesweites Lagebild unverzichtbar.
Vor dem Hintergrund der LV/BV und der
Rolle Deutschlands als Drehscheibe DEU wächst
auch der Bedarf an aktuellen, präzisen
Verkehrsinfrastrukturdaten. Dazu wird im Rahmen der
GeoInfo-Datenbasis Bundeswehr ein
Verkehrsinfrastrukturdatenbestand aufgebaut, bei dem
Bestandsdaten ergänzt und verdichtet werden.
Der DigiZDE bildet eine unverzichtbare
Planungs und Simulationsdatenbasis für die
Bundeswehr.
Durch die Abbildung der realen Welt und die
Überlagerung mit militärischen
Zusatzinformationen stellt der DigiZ-DE, insbesondere vor dem
Hintergrund der Sicherstellung der
Drehscheibe DEU, für die Bundeswehr eine
unverzichtbare Simulationsdatenbasis dar. So können die
vorhandenen Bestandsdaten des militärischen
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 28 –
29
Marschwegenetzes (z. B. Brückenzustandsdaten)
bundes- und bundeswehrweit einheitlich
eingepflegt und aktualisiert werden – nicht nur
ländersondern auch teilstreitkraftübergreifend. Ergänzt
durch Logistikdaten entsteht eine umfassende
Planungsgrundlage für Truppenbewegungen.
Diese Fähigkeit schafft Informationsvorteile und
gewinnt aufgrund der politischen Lage an Relevanz.
Für den Bereich Heimatschutz und
Nationale Territoriale Verteidigung bieten militärische
Digitale Zwillinge die Möglichkeit der
Identifikation und des Monitorings kritischer bzw.
verteidigungswichtiger Infrastruktur.
Insbesondere im urbanen Gelände bietet die Kombination
aus hochaufgelösten Daten und ergänzenden
Informationen einen großen Mehrwert für die
Operationsplanung: Straßen, Flughäfen, Häfen,
Bahnstrecken und S- und U-Bahn-Netze können
genauso gut abgebildet und überwacht werden
wie Stromtrassen, Kanalisationsnetze,
Atomkraftwerke und Staudämme.
Diese Daten könnten mit weiteren
hochaktuellen Informationen ergänzt werden. Zur
Datenverdichtung stehen dem ZGeoBw künftig
luftgestützte Sensoren (drohnengebunden) sowie
fahrzeuggebundene Sensoren zur Verfügung.
Auch Daten und Informationen anderer
Teilstreitkräfte können problemlos in das System
eingepflegt und verarbeitet werden.
Für die Unterstützung im Katastrophenfall (z. B.
Naturkatastrophen, Industrieunfälle oder
Anschläge auf die Infrastruktur) können die Daten
des DigiZ-DE mit Zahlen des
Einwohnermeldeamts verschnitten werden. So stehen nicht nur
Karten der entsprechenden Gebiete und
Infrastrukturen zur Verfügung, sondern auch
Informationen über die Anzahl der betroffenen
Personen und damit der benötigten Rettungs-,
Transport- und medizinischen Kapazitäten. Die
Zusammenarbeit zwischen Behörden und
Institutionen, aber auch das Zusammenspiel
innerhalb der Bundeswehr wird durch die
einheitliche Datengrundlage deutlich vereinfacht. Hätte
der digitale Zwilling im Juli 2021 schon zur
Verfügung gestanden, so hätte er sein volles
Leistungsspektrum bei der Flutkatastrophe im
Ahrtal unter Beweis stellen können. Dort wurden
unmittelbar nach der Überschwemmung durch
die Bundeswehr Geoinformationen bereitgestellt
Abbildung 14: Drehscheibe DEU – Militärkonvoi auf einer deutschen Autobahn.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 29 –
30
sowie Personal und Gerät zur Hilfeleistung
eingesetzt. Unter anderem haben Luftfahrzeuge
der Bundeswehr das Ahrtal beflogen und
hochauflösende Luftbilder erstellt, die anschließend
auch den zivilen Rettungs- und
Bergungskräften zur Verfügung gestellt wurden. Mit diesen
hochaktuellen Daten wäre es möglich gewesen,
einen digitalen Zwilling anzureichern, sodass
allen Kräften ein einheitliches Einsatz- und
Lagebild als Basis für ein gemeinsames, koordiniertes
Handeln zur Verfügung gestanden hätte
(„Operating off the same map“).
Der DigiZ-DE des BKG bietet der Bundeswehr
ab 2027 eine umfangreiche Datengrundlage
für auf den militärischen Bedarf
zugeschnittene eigene digitale Zwillinge, die die Geo-
Info-Datenbasis der Bundeswehr weiter
verdichten, die Beurteilung von Geofaktoren
verbessern und somit eine qualitativ
hochwertige Planungsgrundlage für
unterschiedlichste militärische Anwendungsfälle im
Rahmen der LV/BV bilden können.
Abbildung 15: Mosaik aus hochaufgelösten Luftbildaufnahmen des Ahrtals, aufgenommen von einem RECCE Tornado der Bundeswehr und
Detailaufnahmen von Altenburg bei Altenahr.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 30 –
31
2. Starkregen-Gefahrenbereiche bundesweit
präzise identifizieren: Die Hinweiskarte
Starkregengefahren des BKG
Infolge des Klimawandels treten extreme
Wetterereignisse wie Starkregen mit den
jeweiligen Folgen nachweislich häufiger und
intensiver auf. Zum bestmöglichen Schutz
von Bevölkerung und Sachgütern ist eine
optimale Vorbereitung des Staates
unerlässlich, auch auf Grundlage konkreter
Gefahren- und Folgenabschätzungen. Hierbei
haben Geodaten wie Geländehöhen, Bebauung
oder meteorologische Beobachtungsdaten
eine entscheidende Bedeutung. Vor dem
Hintergrund zunehmender Gefahren durch
Starkregen erstellt das Bundesamt für
Karto graphie und Geodäsie (BKG) in einem
großen Kooperationsprojekt mit weiteren
Bundesbehörden und den Ländern eine für
ganz Deutschland einheitliche
Hinweiskarte über Starkregengefahren. Diese wird
bis Ende 2025 sukzessive fertiggestellt und
der Politik, der Verwaltung sowie der
gesamten Bevölkerung als Open Data frei
zugänglich gemacht.
Aktuelle Studien zum Klimawandel in Europa
zeigen einen zunehmenden Trend in der
Häufigkeit von Extremwetterereignissen. Neben
längeren, warmen Trockenperioden zählen dazu auch
Unwetter mit Niederschlägen hoher Intensität,
die auch als Starkregen bezeichnet werden.
Solche Starkregenereignisse sind in den vergangenen
Jahren vermehrt aufgetreten und haben zu
schweren Schäden geführt. Beispielhaft sei hier das
Ereignis im Ahrtal im Juli 2021 zu nennen, welches
in den nachfolgenden Jahren immer wieder als
Referenz für weiterführende Untersuchungen
und zur Prävention herangezogen wurde. Vor
dem Hintergrund der zunehmenden Häufigkeit
von Starkregenereignissen ist es für die
Schadensminderung und den Bevölkerungsschutz von
besonderer Bedeutung, die Hochwassergefährdung
durch Starkregen praxisnah abzuschätzen.
Starkregenereignisse und ihre Folgen
machen nicht an administrativen Grenzen halt.
Daher ist eine Karte mit vergleichbaren
Gefahrenhinweisen für das gesamte
Bundesgebiet unerlässlich.
Bereits ab 2019 ließ das Bundesamt für
Kartographie und Geodäsie (BKG) eine
Hinweiskarte zu Starkregengefahren in Nordrhein-
Westfalen erstellen. Für die Weiterführung des Projekts
„Starkregengefahrenhinweise“ werden seit
Anfang 2023 für das BKG die Gebiete mehrerer
Bundesländer bearbeitet. Für zehn Bundesländer, also
die Gebiete Berlin und Brandenburg, Sachsen und
Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-
Vorpommern, Bremen und Niedersachsen, Hamburg
und Schleswig-Holstein werden ausgehend von
den vorliegenden Daten qualifizierte
Bewertungen der Überflutungsgefahren aus
Starkregenereignissen erarbeitet. Die Veröffentlichung dieser
Bewertungen soll bis Ende 2024 erfolgen.
Für das Landesgebiet Rheinland-Pfalz wurden
vergleichbare bestehende Daten durch das Land
bereitgestellt, die vom BKG in den bundesweiten
Dienst integriert werden. In Vorbereitung einer
dritten Projektphase sind die Abstimmungen
mit den Fachbehörden der Bundesländer
Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Saarland
bereits weit fortgeschritten. Der Abschluss der
Kartierungen dieser Landesgebiete wird bis Ende
2025 angestrebt.
Ziel dieses BKG-Projekts ist die einheitliche und
flächendeckende Erstellung bzw.
Zusammenstellung von Hinweiskarten zu Starkregengefahren
für Deutschland.
Das derzeit laufende Projekt zur Erstellung
der Hinweiskarte wird partnerschaftlich durch
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 31 –
32
einen fachlichen Projektbeirat, bestehend aus
Länder-Fachbehörden mit Schwerpunkt in der
Wasserwirtschaft, begleitet. Dieser hat sich zu
Projektbeginn aus dem Kreis der Bund/Länder-
Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) konstituiert
und liefert wertvolle Unterstützung bei der
Ausgestaltung einer fachlich korrekten Umsetzung.
Die zunehmende Häufigkeit von
Starkregenereignissen führt zu einer spürbar zunehmenden
gesellschaftlichen Relevanz. Deshalb entstehen
in der Bundesverwaltung derzeit Projekte, die
sich mit der Systematisierung von
Gefahrenhinweisen und Folgemaßnahmen befassen. In
diesem Kontext gibt es einen regelmäßigen
Erfahrungsaustausch mit den zuständigen
Fachreferaten der Bundesanstalt für Gewässerkunde
(BfG), dem Umweltbundesamt (UBA) sowie dem
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
(BMUV). Dieser dient in erster Linie zur
Schaffung und Nutzung von Synergien im
Themenbereich Starkregen risikomanagement.
Überdies planen zahlreiche Ressorts sowie
nachgeordnete Behörden des Bundes und der
Länder seit der Veröffentlichung der
Hinweiskarte Starkregengefahren für das
Landesgebiet Nordrhein-Westfalen die Nachnutzung der
Daten zur fachbezogenen Gefahrenermittlung.
Insbesondere mit den Behörden des Bundes hat
sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit
hinsichtlich der Erfordernisse und
Möglichkeiten der Hinweiskarte entwickelt. Die
Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und das
Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung
(DZSF) beim Eisenbahnbundesamt (EBA)
erarbeiten derzeit auf Grundlage der Karten
Risikoabschätzungen für Verkehrswege.
Im Rahmen des Aufbaus des Naturgefahrenportals
durch den Deutschen Wetterdienst (DWD)
arbeiten BKG und DWD gemeinsam an der Übernahme
der bundesweiten Hinweiskarte in den
Warnbereich Starkregen, wo diese die Grundlage der
bundesweiten Gefährdungsbeschreibung bilden wird.
In der Zusammenarbeit mit diesen und allen
weiteren Partnern berät das BKG bei der
Datenbereitstellung und insbesondere auch
hinsichtlich der Aussagekraft bzw. der Kommunikation
der Hinweiskarte.
Hinweiskarten und Gefahrenkarten bilden
unterschiedliche Qualitätsstufen der
Starkregenvorsorge ab. Die Hinweiskarten dienen in der Regel
nicht der Planung konkreter z. B. baulicher
Maßnahmen und stellen aufgrund generalisierter
Annahmen nur eine vergleichsweise grobe
Grundlage dar. Sie erreichen jedoch eine bundesweite
flächenhafte Abdeckung und geben erste
Hinweise auf Bereiche, die im Hinblick auf das
Starkregenrisikomanagement besondere
Aufmerksamkeit erfordern, z. B. in Form nachgeschalteter
detaillierterer Untersuchungen wie der
Erstellung von sogenannten Gefahrenkarten.
Eine deutlich höhere Qualitätsstufe sind
Gefahrenkarten, die auf einem sehr umfangreichen,
oftmals lokalspezifischem, Datenbestand
beruhen und eine wichtige planungsrelevante
Grundlage darstellen. Diese Karten werden mit
Unterstützung der Bundesländer aktuell sukzessive
durch die Kommunen erstellt. Da der Fokus aus
nachvollziehbaren Gründen auf Siedlungen und
siedlungsnahen Bereichen liegt, wird derzeit und
voraussichtlich auf absehbare Zeit keine
Flächendeckung erreicht. Die Gefahrenkarten zeigen
ein hohes räumliches Detail und
berücksichtigen weitere prozessbeeinflussende
Gebietseigenschaften, z. B. zum Siedlungswassermanagement
(Kanalsysteme etc.).
Hinweiskarten dienen als Grundlage des
Starkregenrisikomanagements der Sensibilisierung von
Politik und Gesellschaft, während Gefahrenkarten
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 32 –
33
der Ableitung konkreter, lokal angepasster
Maßnahmen dienen. Beide Kartenwerke tragen somit
gemeinsam auf Basis ihrer jeweiligen Stärken zu
einem wirksamen Starkregenrisikomanagement bei.
Die hydrodynamisch-numerische
zweidimensionale Simulation basiert auf dem
umfangreichen Geodatenbestand des Bundes und der
Länder zur Landoberfläche und zu abflussrelevanten
Bauwerken. Wesentliche Grundlage des
Modellaufbaus ist das Digitale Geländemodell der
Vermessungsverwaltungen der Länder mit einer
Gitterweite von einem Meter (DGM1). Diese
Datensätze wurden zu Beginn des Projekts als Open
Data oder zweckgebunden bereitgestellt. Aus den
Höheninformationen des DGM1 abgeleitete
Gewässereinzugsgebiete bilden die hydrologische
Grundlage der Abflusssimulationen. Zur
Simulation eines möglichst realistischen Abflusses
wird das DGM1 hydrologisch angepasst;
Straßendurchlässe unterschiedlicher Dimensionen sowie
Pump- und Schöpfwerke werden integriert.
Aus dem Datenbestand des Amtlichen
Liegenschaftskatasterinformationssystems (ALKIS)
werden Gebäude und die zugehörigen
Dachformen als 3D-Modelle in das DGM übernommen.
Gebäude stellen somit in der Modellierung ein
Fließhindernis dar, die Dachformen sorgen bei
Beregnung für einen zielgerichteten Abfluss.
Die Daten des Landbedeckungsmodells (LBM-
DE) dienen der Definition der Rauigkeit der
Geländeoberfläche. So wird eine Anpassung der
Fließgeschwindigkeit an unterschiedliche
Oberflächen in der Simulation möglich.
Der öffentliche Zugang zur Hinweiskarte
Starkregengefahren ermöglicht eine
niedrigschwellige Nutzung zur Gefahrenerfassung
und zur Schutzmaßnahmenableitung für
Bevölkerung und Sachgüter.
Der zur freien Nutzung als Open Data
bereitstehende Datensatz „Koordinierte
Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung des
DWD“ (KOSTRA-DWD) wird als eine
Beregnungsgrundlage in der Modellierung verwendet.
Seit mehr als 30 Jahren bereitet der DWD
regelmäßig Informationen zur Niederschlagshöhe in
Abhängigkeit von der Niederschlagsdauer und
der Jährlichkeit auf. Der daraus resultierende
Datensatz dient der Hinweiskarte als
Grundlagendatensatz zur Einschätzung einer regionalisierten
Niederschlagshöhe in Bezug auf die Jährlichkeit.
Die Nutzung eines regionalisierten
Datensatzes ist insofern hilfreich, als die
Niederschlagsmengen eines Ereignisses mit einer konkreten
Wiederkehrzeit unter anderem von den
geographischen Gegebenheiten vor Ort abhängen. So
unterscheidet sich die Niederschlagsmenge eines
Ereignisses mit gleicher Wiederkehrzeit im
Alpenvorland von der in den Marschlandschaften
Norddeutschlands und hat demzufolge auch eine
Auswirkung auf das Überflutungsbild sowie das
damit verbundene Gefahrenpotenzial.
Die Hinweiskarte Starkregengefahren zeigt
realistische Simulationsereignisse zu möglichen
Überflutungsszenarien, die dem
Starkregenindex nach Schmitt et al. (2018)3 folgen.
Basierend auf einem außergewöhnlichen 100-
Jährlichen und einem extremen Starkregenereignis
mit einem Niederschlag von 100 mm/h werden
Überflutungstiefen (Abbildung 16),
Strömungsgeschwindigkeiten (Abbildung 17) und
Strömungsrichtungen dargestellt. Die Hinweiskarte
Starkregengefahren kann somit eine initiale
Einschätzung eines Risikopotenzials liefern, welche
dann in Kombination mit bestehendem
Fachwissen vor Ort die Maßnahmenplanung erheblich
vereinfachen soll. Sie dient damit als wichtiges
3: Schmitt, T. G. et al. (2018): Einheitliches Konzept zur Bewertung
von Starkregenereignissen mittels Starkregenindex. KA
Korrespondenz Abwasser, Abfall, 2018 (65), Nr. 2, S. 113-120.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 33 –
34
Instrument, um durch Starkregen gefährdete
Bereiche zu identifizieren. Kommunen, Planern und
Einsatzkräften wird es damit bundesweit
ermöglicht, adäquate Maßnahmen abzuleiten, sowohl
präventiv als auch im akuten Katastrophenfall.
Das Projekt der Hinweiskarte
Starkregengefahren deckt sich mit dem Ziel der
Bundesregierung, die notwendigen Maßnahmen
für die Klimaanpassung Deutschlands aktiv
voranzutreiben. Der Koalitionsvertrag 2021
sieht bundesweite Standards zur Erstellung
von Kartenwerken vor, die einer
einheitlichen Bewertung von Starkregenrisiken als
Voraussetzung zugrunde liegen. Mit dem
Projekt des BKG und der partnerschaftlichen
Zusammenarbeit zu diesem Themenbereich
über Ressortgrenzen hinweg kann die
Bundesregierung dieses Ziel bis zum Ende der
Legislaturperiode erreichen.
Die Veröffentlichung der Hinweiskarte für das
Landesgebiet Nordrhein-Westfalen als Open
Data bewirkt schon jetzt eine breite
Nachnutzung und Weiterentwicklung für
fachspezifische Anwendungen aus den Bereichen
Analyse und Anpassung an
Extremwetterereignisse, wie vielfältige Rückmeldungen aus
Abbildung 16: Überflutungstiefen für ein außergewöhnliches (l.) und extremes (r.) Starkregenereignis.
Abbildung 17: Fließgeschwindigkeiten für ein außergewöhnliches (l.) und extremes (r.) Starkregenereignis.
Wasserhöhen
max.
Fließgeschwindigkeit
<0.1 m
< 0,2 m/s
0,1-0,5 m
0,2-0,5 m/s
0,5-1 m
0,5-2 m/s
1-2 m
> 2,0 m
2-4 m
> 4 m
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 34 –
35
Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft
belegen. Das große Interesse und die häufigen
Nachfragen nach der Erweiterung auf das
gesamte Bundesgebiet zeigen den hohen
Bedarf und die hohe Akzeptanz bei den
Interessensgruppen im Hinblick auf die Nutzung der
Karte als Grundlage optimaler Vorbereitung
auf Krisenfälle.
Das BKG berücksichtigt bereits im
Planungsprozess zur Hinweiskarte Starkregengefahren
die Möglichkeit, Verarbeitungsdaten von den
Dienstleistern zu erhalten, da diese als
Grundlage für weiterführende Untersuchungen (z. B.
Gefahrenkarten) dienen können. Diese Hoheit
über alle Ergebnisdatensätze und vor allem
auch über die zugrunde liegenden Daten des
Bundes und der Länder trägt dazu bei, die
Erstellung der Hinweiskartierung und ihre
Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Als Ergänzung zur szenarienbasierten,
bundesweit einheitlichen Hinweiskarte arbeitet
das BKG an der Entwicklung einer
Fachanwendung zur dynamischen und präventiven
Kartierung von Starkregenereignissen.
Grundlage dafür ist der Digitale Zwilling
Deutschland – ein hochaufgelöstes, mit Geofachdaten
angereichertes digitales Abbild Deutschlands.
Der Digitale Zwilling Deutschland soll als
Werkzeug für Simulationen in den
Themenfeldern Umwelt, Sicherheit und Verkehr
eingesetzt werden, um beispielsweise
Auswirkungen von Hochwasser und Starkregen oder von
Planungsentscheidungen auf die reale Welt
zu simulieren. Auf dieser Basis plant das BKG,
ereignisbezogene Kartierungen umzusetzen,
die basierend auf regionalen Starkregen-
Vorhersagen über Ort, Dauer und Intensität des
Ereignisses automatisiert und kurzfristig
Hinweise zu Überflutungstiefen und
Fließverhältnissen liefern. Zuständigen Behörden sowie
dem Katastrophenschutz stehen diese
Fachinformationen dann kurzfristig für die
Einsatzplanung zur Verfügung.
3. Starkregenprodukte und -portale des DWD
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erbringt
meteorologische und klimatologische
Dienstleistungen, auch für die Wasserwirtschaft einschließlich
des vorbeugenden Hochwasserschutzes. Dies
umfasst verschiedene aufbereitete
Niederschlagsprodukte für seine Partner und in seinem Open-
Data-Angebot, beispielsweise die rasterbasierte
Starkniederschlagsauswertung KOSTRA, die
klimatologisch aufbereiteten Radardaten
(Datensatz RADKLIM) oder den
Starkregenereigniskatalog CatRaRE. Die KOSTRA-Daten gehören zu den
elementaren Datengrundlagen der im Geo-
Fortschrittsbericht erläuterten Hinweiskarten
Starkregengefahren des BKG.
Die Produkte des DWD sind auch Grundlage für
Informationsplattformen, die gemeinsam mit
Partnern entwickelt werden. Das jüngste
Beispiel ist das in Zusammenarbeit mit der Bund-/
Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)
entwickelte LAWA-Starkregenportal. Es bietet
Informationen zu vergangenen und aktuellen
Niederschlagsereignissen und zur Vorsorge
sowie die Möglichkeit, Starkregenschäden zu
dokumentieren. Als Datengrundlage dienen hierzu
die Niederschlagsmessungen aus dem DWD-
Radarverbund und die daraus abgeleiteten
Produkte RADKLIM und der Starkregenereigniskatalog
CatRaRE. Die Daten des DWD und der LAWA
informieren im Wesentlichen über die
Starkregenereignisse selbst, während das BKG u. a. mit den
Daten des DWD potenzielle
Überflutungsszenarien aufgrund von Starkregen simuliert.
Im Jahr 2018 wurde die Bund/Länder-
Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) durch einen Beschluss
der Umweltministerkonferenz beauftragt, beste-
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 35 –
36
hende bundesweite Ansätze zur Dokumentation
von Starkregenereignissen zu prüfen und
Handlungsempfehlungen für den Aufbau einer
belastbaren Datengrundlage zu entwickeln.
Unter der Führung der Kleingruppe „Aufbau
einer Plattform zur Starkregendokumentation“
des ständigen LAWA-Ausschusses
„Hochwasserschutz und Hydrologie“ (LAWA-AH) mit
Beteiligung des DWD wurden von einem Konsortium
aus drei Unternehmen bestehende Ansätze zur
Dokumentation von aktuellen und
vergangenen Starkregenereignissen und dadurch
entstandener Schäden zusammengeführt und ein
Konzept zum Zugriff auf diese Informationen
erstellt. Darauf aufbauend wurde zunächst ein
Prototyp des LAWA-Starkregenportals
entwickelt. Nach einer etwa einjährigen Testphase ist
das Portal seit Mai 2024 online.
Neben den aktuellen operationellen
Niederschlagsdaten des DWD-Radarverbunds liefern
der klimatologisch aufbereitete Radardatensatz
(RADKLIM) und der daraus resultierende
Starkregenereigniskatalog (CatRaRE) ausführliche
Informationen zu den Niederschlagsereignissen in
Deutschland seit 2001.
Nutzende haben die Möglichkeit, im Katalog
bestimmte Ereignisse nach ausgewählten Kriterien,
z. B. dem Bundesland, der Dauerstufe oder einem
Auftrittszeitraum, zu filtern, tabellarisch
aufzulisten und in einer Karte anzeigen zu lassen. Von
der Übersichtsseite gelangen Nutzende mit
einem Mausklick auf ein ausgewähltes Ereignis zu
einer Detailseite, auf der Einzelheiten zum
Starkregenereignis dargestellt werden.
Des Weiteren bietet das Portal die Möglichkeit,
über die Auswahl eines Gebiets, Zeitraums und
eines Niederschlagsschwellenwertes selbst
Ereignisse zu definieren.
Neben der eigentlichen
Niederschlagsauswertung von Ereignissen ermöglicht das LAWA-
Starkregenportal auch, entstandene Schäden zu
dokumentieren. Hierfür wurde ein kurzer
Fragebogen entwickelt, in dem ein Nutzender
Angaben zu Ort und Zeit des Auftretens und zu den
Auswirkungen eines Ereignisses, z. B.
Überflutungen, Sach- oder Gebäudeschäden, machen
kann. Diese Informationen sollen insbesondere
Bundes- und Landesbehörden sowie dem
Katastrophenschutz eine bessere Übersicht über
schadensträchtige Ereignisse ermöglichen.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 36 –
37
Der Zugang zu Geoinformationen ist von
zentraler Bedeutung für die Gesellschaft, die Verwaltung
und die Wirtschaft. Offene Geoinformationen
tragen dazu bei, Transparenz zu schaffen,
Innovationen zu erleichtern und Entscheidungsprozesse in
den verschiedensten Bereichen durch bessere
Planungsgrundlagen effizienter zu gestalten. Wenn
Geoinformationen öffentlich zugänglich gemacht
werden, profitieren nicht nur Unternehmen und
Forschungseinrichtungen, sondern auch
Bürgerinnen und Bürger in ihrem täglichen Leben. Ein
offener Zugang zu diesen Daten fördert die
Entwicklung neuer Dienste und Anwendungen, die
unsere Lebensqualität steigern, und bietet
zugleich das Potenzial, aktuelle Herausforderungen
wie den Klimawandel oder die Mobilitätswende
besser zu bewältigen.
Die Ansätze und Initiativen, die den Zugang zu
Geoinformationen in Deutschland verbessern
und weiterentwickeln, sind vielfältig. Sie umfassen
europäische Vorgaben, wie die (neue)
Verpflichtung zur Bereitstellung hochwertiger Datensätze
durch öffentliche Stellen, um die Verfügbarkeit
und die Qualität von Daten im öffentlichen
Sektor zu erhöhen. Auf nationaler Ebene wird mit der
Nationalen Geoinformationsstrategie 2.0 (NGIS
2.0) der Fokus verstärkt auf die
Nutzerorientierung und die Weiterentwicklung der
Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE) gelegt, um
den Herausforderungen der kommenden Jahre
gerecht zu werden. Zudem existieren
nutzungsbezogene Portale, die den Zugang zu spezifischen
Informationen erleichtern: So werden im Rahmen
des Projektes „DynAWI“ dynamische
Agrarwetterindikatoren entwickelt, um die Auswirkungen von
Extremwetterereignissen auf die Landwirtschaft
besser abschätzen zu können. Das Bundesamt für
Seeschifffahrt und Hydrographie bietet mit
„Marine Forecast“ ein Werkzeug zur Planung von
Aktivitäten auf See. Das Portal „umwelt.info“ vereint
öffentlich verfügbare Daten und Informationen
zu Umwelt- und Naturschutzthemen und soll zur
ersten Anlaufstelle für Umweltfragen werden.
Auch das kulturelle Erbe wird durch die
Aufnahme der UNESCO-Welterbestätten als „Points of
Interest“ dokumentiert und so der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Diese vielfältigen Beispiele zeigen, dass die
Bundesverwaltung kontinuierlich daran arbeitet,
Geoinformationen breit verfügbar zu machen und
innovative Nutzungsmöglichkeiten zu fördern –
für eine nachhaltige, transparente und
zukunftsorientierte Gesellschaft.
1. Hochwertige (Geo-)Datensätze – eine
wichtige Neuerung in der EU-Daten
gesetzgebung findet seit Juni 2024 Anwendung
Die Europäische Kommission hat im Rahmen der
PSI-Richtlinie4 (in Deutschland umgesetzt durch
das Datennutzungsgesetz) die Durchführungsver-
4: Richtlinie (EU) 2019/1024 über offene Daten und die
Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors
Zugang zu
Geoinformationen
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 37 –
38
ordnung (EU) 2023/138 zur Festlegung
bestimmter hochwertiger Datensätze und der Modalitäten
ihrer Veröffentlichung und Weiterverwendung
erlassen. Sie ist am 9. Februar 2023 in Kraft getreten,
und sämtliche öffentliche Stellen müssen seit dem
9. Juni 2024 die sich hieraus ergebenden
Bereitstellungspflichten erfüllen.
Die Bereitstellung hochwertiger
Datensätze (HVD) ist seit Sommer 2024 für öffentliche
Stellen verpflichtend und ein wichtiger Schritt
zur Verbesserung der Verfügbarkeit und
Qualität von Daten in der EU.
Die Durchführungsverordnung sieht vor, dass
öffentliche Stellen hochwertige Datensätze (HVD) in
maschinenlesbarem Format und kostenlos (unter
offenen Lizenzen) über Application Programming
Interfaces (API) und Massendownloads zur
Verfügung stellen. Als HVD erfasst sind derzeit Daten aus
sechs Kategorien, deren Weiterverwendung
wichtige Vorteile für die Gesellschaft, die Umwelt und die
Wirtschaft hat. Durch die Bereitstellung von HVD
sollen die Markteintrittsbarrieren für den
europäischen datengesteuerten Markt erheblich
verringert, die Zahl der wiederverwendeten Datensätze
erhöht und die Schaffung neuer digitaler Dienste
sowie die Verbesserung bestehender
Dienstleistungen oder Geschäftsprozesse gefördert werden.
HVD bieten ein großes Potenzial für die
Wirtschaft, insbesondere für KMU und Startups,
indem sie den Zugang zu hochwertigen (Geo)
Daten des öffentlichen Sektors erleichtern.
In den Kategorien Georaum, Erdbeobachtung und
Umwelt sowie Mobilität sind viele Geodaten von
der HVD-Durchführungsverordnung betroffen,
wodurch sich die Verfügbarkeit von offenen
Geodaten in Europa nachhaltig verändern wird.
Offene Fragen bei der Umsetzung werden aktuell
intensiv diskutiert. Über das Portal GovData gibt
es für datenhaltende Stellen eine umfangreiche
FAQ-Seite zur Umsetzung, die unter anderem in
Zusammenarbeit mit der GDI-DE erstellt
wurde: www.govdata.de/informationen/
hochwertigedatensaetze.
Im Rahmen eines vom BMF finanzierten
Projekts werden Kommunen bei der Einführung der
HVD-DVO bis Ende 2024 begleitet. Die
Projektverantwortlichen bieten dazu verschiedene
offene Workshops zu den Themenschwerpunkten
„Regulatorischer Kontext“, „Inventur, Standards,
Lizenzen“, „HVD-Daten bei Bund, Ländern und
Kommunen“ und „HVD – Use Cases –
voneinander lernen“ an. Außerdem werden Arbeitshilfen zu
diesen Themen angeboten. Mehr Informationen
sind unter www.pd-g.de/hvd-kommunal verfügbar.
2. Nationale Geoinformationsstrategie 2.0
Die Nationale Geoinformationsstrategie 2.0
(NGIS 2.0) baut auf den Erfahrungen aus der
Errichtung der Geodateninfrastruktur
Deutschland (GDI-DE) auf und stellt die GDI-DE auf die
absehbaren Herausforderungen der
kommenden zehn Jahre ein (www.gdi-de.org/NGIS).
Dabei rückt die nutzerorientierte Bereitstellung
der Geoinformationen von Bund, Ländern und
Kommunen in den Vordergrund. Dies deckt sich
mit dem seitens der Europäischen Union
formulierten Ziel, den Anwendungsbereich der
Geoinformationen weiter auszubauen. Konkret
formuliert die NGIS 2.0 sieben technische bzw.
organisatorische Schwerpunkte und
verschneidet die Schwerpunkte mit grundlegenden
gesellschaftlichen Herausforderungen. Die
Umsetzungsstrategie der NGIS 2.0, die auf konkret
festzulegende Umsetzungsprojekte aufbaut, und
das Rollenverständnis der Akteure der GDI-DE
runden das Bild ab.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 38 –
39
Das Lenkungsgremium Geodateninfrastruktur
Deutschland (LG GDI-DE) hat am 24.11.2022 die
AG Umsetzung NGIS mit der Fortschreibung der
NGIS beauftragt. Die Ausarbeitung erfolgte unter
dem Leitgedanken „Geoinformationen einfach
nutzen. Bereitstellen – Vernetzen – Anwenden“.
Zur Fortschreibung der NGIS 1.0 wurde zu
Beginn der Arbeiten ein Kommunikationsplan
erstellt und ein Schwerpunktpapier zur NGIS
2.0 erarbeitet. Im Kern benennt dieses sieben
Schwerpunktthemen (Abbildung 18). Um eine
breite Beteiligung am Bearbeitungsprozess der
NGIS 2.0 zu erreichen, sind zwei
Onlinebeteiligungsverfahren durchgeführt worden.
Im Juni 2023 erfolgte eine erste
Onlinebeteiligung innerhalb der GDI-DE-Gremien. Das
Ergebnis der Beteiligung waren zahlreiche und
vielfältige Vorschläge für die Umsetzung der NGIS
2.0. Ergänzend wurden strukturierte Interviews
durchgeführt.
Basierend auf den Ergebnissen der Online-
Beteiligung aller Akteure der GDI-DE und den
Erkenntnissen aus den durchgeführten Interviews
wurde das Schwerpunktepapier NGIS 2.0
entwickelt. Des Weiteren wurde das Rollenverständnis
der Akteure der GDI-DE unter deren Beteiligung
fortgeschrieben und in die NGIS 2.0 integriert.
Weitere Bestandteile der NGIS 2.0 sind die
Verknüpfung der Schwerpunkte mit den aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen sowie eine
Umsetzungsstrategie.
Bei der Ausarbeitung der NGIS 2.0 wurde auf
aktuelle Schlagwörter verzichtet und auf
technikoffene Formulierungen geachtet. Dies soll dazu
beitragen, dass die NGIS 2.0 über einen Zeitraum
von zehn Jahren tragfähig ist. Zukünftig soll die
NGIS 2.0 sukzessive durch konkrete
Umsetzungsprojekte ausgestaltet werden. Diese
Umsetzungsprojekte sollen sich aus der Verschneidung der
Schwerpunkte mit den aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen ableiten (Abbildung 19).
Abbildung 18: Schwerpunkte der NGIS 2.0.
4
Netzwerk
ausbauen
1
Vielfalt des
Datenangebots
erhöhen
5
Geokompetenz
stärken
2
Zugriff auf
Geinofrmationen
ermöglichen
6
Nutzer orientierung
verbessern
3
Bereitstellung und
Qualität der
Geoinformationen ausbauen
7
Bedarfsorientierung
ausbauen
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 39 –
40
Neo-Ökologie
Konnektivität
Mobilität
Urbanisierung
Gesundheit
Globalisierung
Wissenskultur
Sicherheit
Daseinsvorsorge
V
ielfalt des D
atenangebots der G
D
I-D
E ausbauen
Zugriff auf G
eoinform
ationen erm
öglichen
G
eokom
petenz stärken
Bereitstellung und Q
ualität der G
eoinform
ationen ausbauen
N
utzerorientierung als ein w
esentliches Prinzip verbessern
N
etzw
erk ausbauen
Bedarfsorientierung ausbauen
Abbildung 19: Gesellschaftliche Herausforderungen vs. Schwerpunkte der NGIS 2.0.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 40 –
41
Das LG GDI-DE fasste im Mai 2024 den
Beschluss zur NGIS 2.0 und löste damit die NGIS
1.0 ab. Der bisherige Fokus der GDI-DE lag auf
dem technischen und organisatorischen
Aufbau einer Geodateninfrastruktur. Mit dem
Beschluss der NGIS 2.0 rückt die
Nutzerorientierung in den Vordergrund der GDI-DE.
Die zweite Onlinebeteiligung im ersten
Quartal 2024 richtete sich an die (Fach-)
Öffentlichkeit. Ziel war es, eine Priorisierung der
Umsetzungskategorien nach den Bedürfnissen der
Nutzerinnen und Nutzer zu erhalten.
Unterstützt durch eine intensive kommunikative
Begleitung, unter anderem in Form einer
Präsentation bei der Veranstaltungsreihe „Die FITKO
stellt vor“ sowie durch regelmäßige
Informationen bei LinkedIn, konnten ca. 450
Teilnehmende erreicht werden. Ein Großteil von ihnen
gehörte der öffentlichen Verwaltung an. Die am
höchsten priorisierte Umsetzungskategorie ist
die „Stärkere Betrachtung aus Sicht der
Endnutzer“. Zusätzlich wird ein größerer Beitrag
der GDI-DE zur Digitalisierung der Verwaltung
gewünscht. Hierfür ist eine stärkere
Einbeziehung der Kommunen entscheidend.
Die NGIS 2.0 benennt die
Arbeitsschwerpunkte der kommenden Jahre und dient als
Orientierung bis zum Jahr 2034 für die
GDIDE. Im Vordergrund steht die
nutzerorientierte Bereitstellung der Geoinformationen
des Bundes, der Länder und Kommunen
Projekte und Informationen zur Umsetzung
der NGIS 2.0 werden auf der Homepage der
GDI-DE bekannt gegeben. Die
unterschiedlichen Akteure der GDI-DE sind angehalten,
Umsetzungsprojekte für die NGIS 2.0
vorzuschlagen und aktiv zu einer Umsetzung der
NGIS 2.0 beizutragen.
Das Lenkungsgremium GDI-DE hat die NGIS
2.0 in der Frühjahrssitzung 2024
beschlossen und berichtet dazu dem IT-Planungsrat
als übergeordnetem Gremium. Bereits
Mitte 2024 wurde das erste Umsetzungsprojekt
für die NGIS 2.0 vom Lenkungsgremium
GDI-DE beschlossen. Die mit dem Beschluss
gestartete Nutzer- und Bedarfsanalyse soll
insbesondere belastbare Aussagen zu
praxisrelevanten Lücken in der Bereitstellung und
Harmonisierung von Geodaten und -
diensten erbringen und so den zielgenaueren
Einsatz der begrenzten Ressourcen ermöglichen.
3. Schwerpunkt Vorsitz GDI-DE Bund 2023–24
Als Schwerpunktthema für die Zeit des
Vorsitzes im Lenkungsgremium der
Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE) haben das
Bundesministerium des Innern (BMI) und das
Bundesministerium für Digitales und Verkehr
(BMDV) gemeinsam einen Beitrag der GDI-DE
zur Mobilitätswende in Deutschland gesetzt.
Dabei ging es um die zielgerichtete Vernetzung
der GDI-DE mit der Mobilithek des BMDV und
um ein Nationales Datenschema für die
Radverkehrsinfrastruktur.
Im Projekt „Vernetzung der GDI-DE“ mit der
Mobilithek konnte ein automatisiertes
Verfahren zum regelmäßigen und zielgerichteten
Austausch von relevanten Inhalten zwischen
der Mobilithek und Geoportal.de realisiert
werden. Hierdurch ist es jetzt möglich, direkt in
der Mobilithek wichtige, qualitativ
hochwertige räumliche Daten der GDI-DE zu finden und
diese einfach für Vorhaben der
Mobilitätswende einzusetzen. Des Weiteren besteht nun über
Geoportal.de Zugriff auf neue, interessante
Angebote aus dem Mobilitätsbereich, welche viel
Potenzial zur Verknüpfung mit den
vorhandenen Ressourcen der GDI-DE bieten.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 41 –
42
Das Nationale Datenschema für Geodaten zur
Radverkehrsinfrastruktur, entwickelt vom
Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) in
Zusammenarbeit mit der GDI-DE, dient als
zentrales Referenzschema für das gesamte
Radverkehrswegenetz Deutschlands. Es bildet die
Grundlage für Anwendungen wie Routing,
Planung und Analyse von Radverkehrswegen. Mit
dem Nationalen Datenschema wird eine
praktisch bedeutsame Spezifikationslücke
geschlossen und ein Beitrag zur Mobilitätswende in
Deutschland geleistet.
Diese Themen sind gelebte Beispiele für die
Zusammenarbeit innerhalb der GDI-DE und über
die GDI-DE hinaus; sie stehen für die erfolgreiche
Schaffung von Mehrwert aus dem Verschneiden
von Geoinformationen und Fachdaten. Im
Rahmen eines Hackathons Ende 2024 an der
Hochschule Mainz hat der akademische
Fachkräftenachwuchs die Chance, die Schwerpunktthemen
kreativ in neue Ideen für Geoinformations-
Anwendungen umgesetzt.
4. Dynamische Agrarwetterindikatoren
zur Extremwetterprognose in der
Landwirtschaft
Das Projekt „DynAWI“ entwickelt dynamische
Agrarwetterindikatoren, um die Auswirkungen
von Extremwetterereignissen auf die
Landwirtschaft besser zu verstehen und Ertragsverluste
zu minimieren. Der DynAWI-MapViewer
ermöglicht dabei die Berechnung und
Visualisierung historischer und aktueller Wetterdaten in
Echtzeit und bietet Nutzerinnen und Nutzer die
Möglichkeit, individuelle
Agrarwetterindikatoren zu erstellen und potenzielle
Ertragsverluste abzuschätzen. Die Anwendung unterstützt
Landwirtinnen und Landwirte,
Beratungskräfte und Behörden dabei, sich auf die
wachsenden Herausforderungen durch den
Klimawandel vorzubereiten. Sie wird kontinuierlich
erweitert, unter anderem um Funktionen zur
Erosions risikoabschätzung.
Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor
immer größere Herausforderungen.
Extremwetterereignisse wie Trockenheit, Hitze, Starkregen
und Hagel führen zu erheblichen
Ertragsausfällen und Qualitätseinbußen bei Kulturpflanzen.
Um diesen abiotischen Stressfaktoren mit neuen
passenden Klimaanpassungsstrategien
entgegenzuwirken, benötigen alle Akteure in der
Landwirtschaft zielführende und leicht zugängliche
Informationen.
DynAWI bietet eine zukunftsfähige Lösung,
um flexibel auf sich ändernde
Informationsbedarfe reagieren zu können.
Im vom Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) seit 2021 geförderten
Projekt „DynAWI“ (dynawi.julius-kuehn.de) wurde
daher eine online frei zugängliche MapViewer-
Anwendung für Agrarwetterindikatoren
entwickelt und bereitgestellt. Die dabei zugrunde
liegende Prozesskette zur Geodatenintegration
und -analyse basiert auf skalierbaren JKI-
Geodateninfrastrukturen und nutzt Methoden der
Künstlichen Intelligenz. Damit können
Auswirkungen von Extremwettersituationen auf die
landwirtschaftliche Produktion sowohl
historisch als auch aktuell in Echtzeit parametrisiert
und analysiert werden. Im Gegensatz zu
„klassischen“ Viewern werden die Ergebnisse nicht nur
als passive Karten bereitgestellt, sondern es gibt
auch die Möglichkeit, eigenständig
nutzerspezifische Agrarwetterindikatoren für eine beliebige
Fläche in Echtzeit zu berechnen und
Ertragsprognosen durchzuführen. Derzeit stehen den
Nutzerinnen und Nutzern drei verschiedene
Funktionalitäten zur Verfügung
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 42 –
43
Abbildung 20: Darstellung der Nutzeroberfläche des Online-Dienstes (sf.julius-kuehn.de/mapviewer/dynawi).
Abbildung 21: Historische Verteilung der Agrarwetterindikatoren (AWI-Atlas).
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 43 –
44
• „AWI-Atlas“: Klassische Karten zur
retrospektiven Darstellung von Agrarwetterindikatoren ab
dem Jahr 1993
• „Dynamischer AWI-Konfigurator“: Freie
Konfiguration nutzerspezifischer dynamischer
Agrarwetterindikatoren in Echtzeit durch eine
raum-zeitliche Verknüpfung von relevanten
agrarmeteorologischen Parametern, wie z. B.
Bodenfeuchte, Tagesniederschlag und
Bodentemperatur, mit phänologischen Stadien und dem
Setzen von nutzerspezifischen Schwellenwerten
• „Potenzielle Ertragsverluste“: Abschätzung
von potenziellen Ertragseinbußen durch
Extrem wettersituationen mit einem durch
Experten wissen vorparametrisierten Modell
(historisch und aktuell)
Ein besonderer Mehrwert ist die Möglichkeit,
eigene Agrarwetterindikatoren interaktiv zu
erstellen, die an den Standort angepasst
werden können.
Die technische Umsetzung erfolgt durch die
Nutzung des JKI-Data Cubes, mit dem ein effizienter
und vielfältiger Zugriff auf
multidimensionale Georasterdaten möglich ist. Diese
innovative Technologie bildet auch die Basis für rechen-
und datenintensive Dienste, da auch komplexere
raum-zeitliche Abfragen direkt in der Datenbank
effizient durchgeführt werden können. Darüber
hinaus wurde das Verfahren im Verlauf des
Projekts vom Pilotbetrieb in den Produktivbetrieb
überführt und ist nun ein zentraler Bestandteil
der Geodateninfrastruktur. Dies gewährleistet
auch in Zukunft flexible Lösungen für die sich
wandelnden Anforderungen an Informationen
verschiedenster Nutzergruppen.
Mit dem DynAWI-MapViewer wurde ein
niedrigschwelliges Angebot geschaffen, welches
durch die Verbindung von Rasterdatenbanken
und KI-Vorhersagen eine präzise Bewertung
der Ertragswirksamkeit von
Extremwetterereignissen ermöglicht. Die Analyse von
historischen und aktuellen
Extremwettereignissen unterstützt die Landwirtschaft bei der
Entwicklung geeigneter Handlungsstrategien.
Insbesondere die landwirtschaftliche Praxis,
Beratungskräfte, Versicherungen, Politik und
Behörden können von den frei verfügbaren
dynamischen Agrarwetterindikatoren und
Modellierungsergebnissen des Projekts
profitieren. Damit können sich die Nutzerinnen
und Nutzer auf die künftigen
Herausforderungen, die durch häufiger auftretende
extreme Wetterbedingungen entstehen, gezielt
vorbereiten. Der besondere Mehrwert liegt dabei
in der interaktiven Möglichkeit, eigene
Agrarwetterindikatoren zu erstellen und so gezielt
maßgeschneiderte Informationen für den
individuellen Bedarf zu generieren.
Die Anwendung ist unter sf.julius-kuehn.de/
mapviewer/dynawi zu erreichen und wird
kontinuierlich erweitert und aktualisiert.
So ist geplant, bis zum Projektende
im Dezember 2024 eine zusätzliche
Funktionalität zur Erosionsrisikoabschätzung
von landwirtschaftlich genutzten
Flächen zu ergänzen und die potenziellen
Ertragseinbußen als leicht verständliche
Risikokarten darzustellen.
5. Marine Forecast als Planungshilfe für
Aktivitäten an und auf See
Mit der Internetapplikation Marine Forecast
stellt das Bundesamt für Seeschifffahrt und
Hydrographie (BSH) ein Werkzeug zur Planung
von Aktivitäten auf See zur Verfügung. Als
Ziel gruppen von Marine Forecast wurden
unter anderem Freizeitsegelnde,
Wassersport treibende, Windparkbetreibende sowie
Reedereien identifiziert.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 44 –
45
Von Anfang an stand bei der Entwicklung der
Anwendernutzen im Mittelpunkt. So wurden bei
der Auswahl geeigneter Inhalte neben den Daten
des BSH auch meteorologische und
ozeanographische Mess- und Vorhersagedaten des
Deutschen Wetterdienstes (DWD) berücksichtigt.
Die technische Umsetzung erfolgte mit dem
Open-Source-Geoviewer Masterportal. Mit der
Portal-Anwendung können internationale und
nationale Standards umgesetzt und somit eine
hohe Interoperabilität gewährleistet werden.
Zusätzlich lassen sich standardisierte
Geodienste einbinden und themenübergreifend
zusammenstellen.
Durch vordefinierte Spezialkarten, wie z. B.
„Seewetter Aktuell“, können Anwenderinnen
und Anwendern themenspezifische
Informationen schnell abrufen.
Marine Forecast (marineforecast.bsh.de) ist eine
Internetanwendung des BSH, die
nutzungsorientiert aktuelle Daten und Informationen
sowie Vorhersagen aus dem meteorologischen
und ozeanographischen Bereich bereitstellt. Die
Anwendung unterstützt Aktivitäten und deren
Planung an und auf See. Die Zielgruppen sind
u. a. Wassersporttreibende wie Badende,
Segelnde, Surfende, Kanusporttreibende aber auch
Windparkbetreibende und Reedereien.
Marine Forecast bietet eine Reihe von
Spezialkarten an, um Anwendergruppen einen
schnelleren Zugang zu den benötigten Daten und
Informationen zu geben. In der Spezialkarte
„Seewetter Aktuell“ sind alle für die Planung
und Durchführung eines Segeltörns relevanten
Themen wie Windrichtung,
Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Regenradar usw.
zusammengefasst (Abbildung 22). Darüber hinaus können
eigene Themen über standardisierte
Kartendienste (engl. „Web Map Services“, WMS)
hinzugefügt werden.
Für viele Nutzergruppen ist die Spezialkarte
„Meeresinformationen“ eine wichtige
Informationsquelle. Auch hier werden Informationen
aus dem BSH mit denen des DWD kombiniert
(Abbildung 23). Die Anwendung stellt für
derzeit über 80 Standorte an der Nord- und Ostsee
sowie an der Weser und Elbe Vorhersagen zum
Wasserstand, der Wasser- und Lufttemperatur,
Windrichtung und -geschwindigkeit sowie zu
den Auf- und Untergangszeiten von Sonne und
Mond bereit.
Durch die Applikation Marine Forecast wird
die Planung von Aktivitäten auf See
erleichtert und die Sicherheit auf See erhöht.
Die technische Grundlage für Marine Forecast
ist das Masterportal, welches der Hamburger
Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung
(LGV) bereits seit 2014 erfolgreich entwickelt.
Im Jahr 2019 wurde mit der Firma Dataport eine
Kooperation vereinbart, um die Digitalisierung
in Hamburg und der Metropolregion weiter
voranzutreiben. Dazu gehört auch die Verbindung
zur Digitalisierungsplattform Online-Service-
Infrastruktur (OSI) von Dataport. Durch diese
Verbindung lässt sich das Masterportal in digitale
Verwaltungsprozesse integrieren. Die OSI ist das
technische Herzstück bei der Umsetzung des
Online-Zugangsgesetzes und wird
datenschutzkonform von der Firma Dataport in ihrem vom
Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik zertifizierten Rechenzentrum betrieben.
Das Masterportal ist ein von der Verwaltung für
die Verwaltung entwickelter Open-Source-
Geoviewer mit dem sich standardisierte
Geodatenformate und -dienste anzeigen lassen. Dabei
spielen die vom „Open Geospatial Consortium“
(OGC) erarbeiteten Standards „Web Map Service“
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 45 –
46
(WMS) und „Web Feature Service“ (WFS) eine
tragende Rolle. Das Masterportal stellt darüber
hinaus ein Framework zur Verfügung, das auf
modernen Web-Technologien basiert und
mithilfe von JavaScript-Webframeworks
individuell konfiguriert oder auch um zusätzlich
erstellte Module mittels vue.js erweitert werden kann.
Dank des Masterportals konnte Marine Forecast
ansprechend gestaltet und benutzerfreundlich
aufgebaut werden.
Durch die standardisierten OGC-Web-Dienste
kann ad hoc über eine Schnittstelle auf aktuelle
Geodaten und ihre Geodatenbeschreibungen
(Metadaten) zugegriffen werden. Geodaten sind dank
des Standards interoperabel nutzbar und können
beliebig miteinander kombiniert werden. Mehrere
Sprachpakete, u. a. Englisch, Italienisch und
Spanisch, machen das Masterportal auch
international bzw. für Anwenderinnen und Anwender mit
nicht deutschen Sprachkenntnissen nutzbar.
Abbildung 22: Spezialkarte
Seewetter mit Regenradar,
Windgeschwindigkeit,
-richtung und Luftdruck.
Abbildung 23: Spezialkarte
„Meeresinformationen“ mit
Regenradar, Pegelstationen
Nordsee und Ostsee und
Warnungen Küste.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 46 –
47
Die Datenbereitstellung ist dezentral aufgebaut,
sodass BSH und DWD die volle Kontrolle und
Hoheit über ihre Daten behalten. Das bedeutet,
sie können jederzeit entscheiden, welche Daten
unter welchen Bedingungen zur Verfügung
gestellt werden.
Die enge Zusammenarbeit zwischen dem DWD
und dem BSH in Hamburg hat eine lange
Tradition, bezog sich bisher aber vor allem auf den
Bereich Küstenschutz. Marine Forecast erweitert
diese Zusammenarbeit durch die Integration von
allgemeinen DWD-Diensten wie „Warndienst
Küste“ und „Regenradar“ oder speziell für das BSH
erstellte bzw. angepasste Dienste wie z. B.
„Totaler Seegang“, „Windgeschwindigkeit“, „Dünung“
(langwelliger Anteil des Seegangs, der dem Wind
vorauseilt) und „Windsee“ (Anteil des Seegangs,
der unmittelbar vom Wind angetrieben wird).
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und
Vernetzung des Bundesamts für
Seeschifffahrt und Hydrographie mit dem Deutschen
Wetterdienst erzeugt einen gesell
schaftlichen Mehrwert.
Bei den Daten handelt es sich um aktuelle Mess-
und Vorhersagedaten zu unterschiedlichen
marinen und meteorologischen Themen. Bei der
Auswahl der Themen stand der
Anwendernutzen im Mittelpunkt. In unserem Fall sind dies
alle Anwenderinnen und Anwender, die am oder
auf dem Wasser aktiv sind, egal ob zu beruflichen
Zwecken oder in der Freizeit. So haben
beispielsweise Freizeitsegelnde die Möglichkeit, sich über
das aktuelle Wettergeschehen zu informieren
und sich Windrichtung, Windstärke, Luftdruck,
Seegang, Warngebiete und Regenradar auf einer
Karte anzeigen zu lassen.
Marine Forecast unterliegt einer
kontinuierlichen Weiterentwicklung, um das
Anwendererlebnis stetig zu verbessern. Dafür werden
Anwenderumfragen durchgeführt und ausgewertet.
Einer der nächsten Entwicklungsschritte wird
die Umstellung auf die Version 3 des
Masterportals sein. Die neue Version verfügt über eine neu
gestaltete und intuitivere Benutzeroberfläche, ist
besser für mobile Endgeräte geeignet und bietet
deutlich bessere Suchmöglichkeiten nach
Diensten und deren Datenebenen.
Geplant sind außerdem weitere Spezialkarten.
Eine Spezialkarte soll die Betreiber von
Offshore-Windparks bei der Wartung und dem Betrieb
ihrer Anlagen auf hoher See mit Wind- und
Seegangsvorhersagedaten unterstützen. Eine weitere
Spezialkarte wird die aktuelle Eiskarte mit
Informationen zur Eisdicke und Eiskonzentration in
Nord- und Ostsee darstellen.
Mit Marine Forecast stellt das BSH ein
flexibles und anpassbares Werkzeug für
verschiedene Benutzergruppen zur Verfügung. Es
erleichtert die Planung von Aktivitäten im und
am Meer und leistet damit einen wichtigen
Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit auf
See. Durch die enge interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen BSH und DWD gelingt es,
mit dem Informationsgehalt der
ozeanographischen und meteorologischen Daten einen
Mehrwert zu generieren.
6. Umwelt.info – ein Portal für Umwelt- und
Naturschutzinformationen
Die Außenstelle des Umweltbundesamts in
Merseburg – das Nationale Zentrum für Umwelt-
und Naturschutzinformationen – entwickelt
und betreibt umwelt.info als Schaufenster in die
deutsche Umweltinformationslandschaft.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 47 –
48
Über das Portal „umwelt.info“ bündelt das
Zentrum öffentlich verfügbare Daten- und
Informationsangebote aus dem Kontext Umwelt
und Naturschutz. Dazu kooperieren sie mit den
Bereitstellenden der Daten, identifizieren die
umweltrelevanten Angebote, referenzieren deren
Metadaten und erstellen zielgruppengerechte
Beiträge und Anwendungen.
Die Vision ist, dass umwelt.info als Suchmaschine
die erste Anlaufstelle für Fragen im Umwelt- und
Naturschutzbereich wird. Dazu bringt das
Nationale Zentrum für Umwelt- und
Naturschutzinformationen ein Netzwerk an Akteuren zusammen,
die Daten bereitstellen oder sich für Open Data im
Umweltbereich engagieren. umwelt.info inspiriert
dazu, in diesem Informationsangebot zu stöbern.
Eine erste Minimalversion, die seit Juni 2024 zum
Testen zur Verfügung steht, bietet den
Nutzerinnen und Nutzern bereits eine Suchmaschine zu
bundesweit öffentlich verfügbarem
Umweltwissen sowie erste redaktionelle Beiträge.
Auch die ersten Quellen aus dem Geoportal und
den ersten Ländern sind bereits angebunden. Eine
Inbetriebnahme des Datenportals in dieser frühen
Phase der Produktentwicklung ermöglicht es, die
nächsten Entwicklungsschritte gezielt an den
Bedarfen der Nutzerinnen und Nutzer auszurichten.
Interessierte können die Entwicklung
dieses Open-Source-Projekts auf OpenCoDE
(opencode.de/de) öffentlich einsehen.
Die Entwicklung schreitet zügig voran und die
Präsentation und Veröffentlichung der
umfassenden Basisversion ist für Januar 2025
terminiert. www.umwelt.info bietet schon jetzt einen
Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand
des Projekts.
7. Datensatz UNESCO-Welterbestätten
Im Zuge der fortlaufenden Bemühungen, das
kulturelle Erbe Deutschlands zu dokumentieren und
einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, hat eine Abstimmung zwischen der
Kultusministerkonferenz (KMK), dem Auswärtigen Amt
(AA) und den Referaten Informationsgewinnung
und Ausbildung sowie der Koordinierungsstelle
der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-
DE) im Bundesamt für Kartographie und
Geodäsie (BKG) stattgefunden. Dabei wurde der Bedarf
formuliert, die UNESCO-Welterbestätten in den
Datensatz „Points of Interest Bund“ (POI-Bund)
des BKG aufzunehmen.
Alle UNESCO-Weltkultur- und
Weltnaturerbestätten in Deutschland sind im Datensatz POI-
Bund als Punkte dargestellt. Sofern eine
Welterbestätte mehrere Bestandteile hat, sind auch diese
aufgenommen. Bei flächenhaften
Welterbestätten, wie z. B. weitläufige Schutzgebiete oder Parks,
werden diese über adressgenaue Punkte wie
Nationalparkzentren oder Museen repräsentiert.
Sofern auf oder in unmittelbarer Nähe einer Fläche
kein repräsentatives Objekt vorhanden ist, wird
der Mittelpunkt der Fläche verwendet.
Ziel ist es, eine einheitliche Karte zum UNESCO-
Welterbe in Deutschland zu erstellen, die nicht
nur effizient und ressourcenschonend umgesetzt
wird, sondern auch auf amtlich verifizierten
Daten basiert. Die Initiative für einen Datensatz der
UNESCO-Welterbestätten in Deutschland ist Teil
der Heimatpolitik des Bundesministeriums des
Innern und für Heimat (BMI) und zielt langfristig
darauf ab, den Datensatz mit flächen- bzw.
linienhaften Geoinformationen zu den Welterbestätten
auszubauen und auch INSPIRE-konform
zugänglich zu machen.
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 48 –
49
Unsere Erde unterliegt ständigen
Veränderungen: Sei es durch natürliche geodynamische
Prozesse wie Plattentektonik und
Gezeitenkräfte oder durch anthropogene Einflüsse wie
den Verlust natürlicher Ressourcen und den
Klimawandel. Diese komplexen Phänomene
treten global auf und beeinflussen zahlreiche
Lebensbereiche – auch bei uns in Deutschland.
Um sie zu verstehen, ist eine ganzheitliche
Betrachtung der Erde notwendig.
Geoinformationen spielen hierbei eine Schlüsselrolle, da sie
es ermöglichen, Veränderungen der
Erdoberfläche präzise zu erfassen. Sie sind
unverzichtbar, um fundierte Entscheidungen zu treffen
und die Auswirkungen menschlicher Eingriffe
in natürliche Systeme zu bewerten. Nur durch
gemeinsames Handeln können wir diesen
komplexen Herausforderungen wirksam begegnen.
Eine enge internationale Zusammenarbeit ist
daher der einzige Weg, um globale Lösungen
für eine nachhaltige und widerstandsfähige
Zukunft für alle Menschen zu finden.
Auf europäischer Ebene trägt das Copernicus-
Programm der Europäischen Union durch die
Bereitstellung von Erdbeobachtungsdaten zur
Überwachung von Umweltveränderungen und
zum Krisenmanagement bei. Die INSPIRE-
Richtlinie harmonisiert Geoinformationen in
Europa und verbessert den Zugang zu
raumbezogenen Informationen. Auch wenn
Copernicus und INSPIRE in diesem Bericht nicht
ausführlich behandelt werden, sind sie bedeutende
europäische Initiativen, die den Zugang zu
Geoinformationen und die internationale
Zusammenarbeit fördern.
Der Globale Geodätische Referenzrahmen
(GGRF) ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern,
die Standorte auf der Erde genau zu
bestimmen sowie Veränderungen der Erde in Raum
und Zeit zu quantifizieren. Er bildet somit die
Grundlage für die Sammlung, Integration und
Nutzung aller Geoinformationen. 2023
wurde auf dem UN-Campus in Bonn das United
Nations Global Geodetic Centre of Excellence
(UN-GGCE) gegründet, um die Erstellung des
globalen Referenzrahmens langfristig zu
sichern und insbesondere Entwicklungsländer
beim Aufbau einer geodätischen Infrastruktur
zu unterstützen. Diese geodätische
Infrastruktur bildet auch die Grundlage für die Land
Degradation Neutrality Initiative (GEO-LDN), die
darauf abzielt, mithilfe von Geoinformationen
den Verlust von Böden zu stoppen. Durch den
vereinfachten Zugang zu
Erdbeobachtungsinformationen, Analysewerkzeugen und
Wissenstransfer können Länder ihre Strategien zur
Landnutzung nachhaltiger gestalten. Des
Weiteren können Fortschritte beim Schutz und der
Wiederherstellung von Böden effektiv
nachverfolgt sowie fundierte Entscheidungen zur
zukünftigen Landnutzung getroffen werden.
Diese Projekte verdeutlichen eindrucksvoll,
wie eine internationale Zusammenarbeit im
Internationale
Zusammenarbeit
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 49 –
50
Bereich der Geoinformation zur Lösung
zentraler globaler Herausforderungen beitragen kann.
Internationale Kooperation ist nicht nur
wünschenswert – sie ist der Schlüssel für eine
nachhaltige Zukunft.
1. Gründung des Exzellenzzentrums der
Geodäsie der Vereinten Nationen
(UN-GGCE)
Um Katastrophensituationen besser verstehen,
vorhersagen und managen zu können,
werden Erdbeobachtungsdaten benötigt, um z. B.
Veränderungen des Meeresspiegels oder
Bewegungen der Erdkruste zu beschreiben. Das
Expertenkomitee „UN Global Geospatial
Information Management (UN GGIM)“ der
Vereinten Nationen koordiniert seit 2011 Themen
der Geoinformation und Geodäsie zwischen
den Mitgliedstaaten (ggim.un.org). Die dort
entwickelten Strategien und Maßnahmen tragen
zur besseren Verwendung von aktuellen und
amtlichen Erdbeobachtungsdaten (Geodaten)
zusammen mit anderen Fachdaten (z. B. aus der
Statistik) bei. Sie dienen auch der Kontrolle, um
die Ziele der UN-Nachhaltigkeitsstrategie
Agenda 2030 zu erreichen.
Solche Erdbeobachtungen erfordern eine
hochgenaue Positionsbestimmung, die in allen UN-
Mitgliedstaaten in gleicher Qualität verfügbar
sein muss. Nur so können Länder und
Hilfsorganisationen in Katastrophensituationen effizient
und effektiv handeln, ohne durch
unterschiedliche staatliche Zuständigkeiten, heterogene
Datenquellen oder unterschiedliche
Berechnungsmethoden ins Hintertreffen zu geraten.
Hochgenaue Positionsbestimmungen sind Teil
der Geodäsie, der Wissenschaft von der
Vermessung und Abbildung der Erdoberfläche.
Im Jahr 2015 wurde in der UN-
Generalversammlung die UN-GGIM-Resolution zum Globalen
Geodätischen Referenzrahmen (GGRF)
verabschiedet, in der die Bedeutung des GGRF als
Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung
eines Staates sowie für die Sammlung, Integration
und Nutzung aller Geoinformationen
hervorgehoben wird. Eine Maßnahme zur Umsetzung
dieser Resolution war der Aufbau eines UN-
Zentrums für die Geodäsie. 2020 hat Deutschland
den Zuschlag für die Einrichtung des „United
Nations Global Geodetic Centre of Excellence (UN-
GGCE)“ (ggim.un.org/UNGGCE) erhalten.
Am 29.03.2023 wurde das UN-GGCE auf dem
UN-Campus in Bonn feierlich von der
Staatssekretärin des BMI, Juliane Seifert, eröffnet.
Finanziert wird es aus dem Haushalt des Bundesamts
für Kartographie und Geodäsie (BKG).
Die Hauptaufgabe des UN-GGCE ist die
Koordination einer dauerhaft weltweit abgestimmten
Geodäsie-Lieferkette. Diese Lieferkette umfasst
Beobachtungsstationen auf der ganzen Welt, die
Aufgaben der Daten- und Analysezentren sowie
den geodätischen Referenzrahmen. Eine
funktionsfähige Geodäsie-Lieferkette bildet die
Grundlage für sicherheitskritische Anwendungen, die
nationale Sicherheit, die Überwachung des
Klimawandels, für mobile Dienste und industrielle
Anwendungen wie Luftfahrt, Landwirtschaft,
Infrastrukturentwicklung und Verkehr. Kein
Mitgliedstaat kann alle Anforderungen dieser
Geodäsie-Lieferkette alleine erfüllen.
Abbildung 24: Logo des United Nations Global Geodetic Centre of
Excellence (UN-GGCE).
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 50 –
51
Die Hauptziele des UN-GGCE unter dem Motto
„Stronger.Together“ sind:
• Unterstützung der UN-Mitgliedstaaten und
geodätischen Organisationen bei der Planung von
Maßnahmen zur Stärkung der Zusammenarbeit
• Koordination der Investitionen in die globale
Geodäsie-Lieferkette
• Erleichterung des Zugangs zu geodätischen
Daten, der Standardisierung von Abläufen der
globalen Geodäsie sowie bei der regionalen und
lokalen Verdichtung der geodätischen
Infrastruktur
• Technische Unterstützung im Fachbereich der
Geodäsie, insbesondere beim Kapazitätsaufbau
in Entwicklungsländern
Deutschland ist bestrebt, einen dauerhaften
Betrieb des UN-GGCE in Bonn sicherzustellen.
Daher wurde die Vereinbarung mit den Vereinten
Nationen am 12. Februar 2025 um weitere fünf
Jahre (2026–2030) verlängert.
2. Geodaten für Entwicklung – Unterstützung
des GEO-LDN Flagship, um den Verlust von
Böden zu stoppen
Die Land Degradation Neutrality Initiative
der Group on Earth Observations (GEO-LDN)
unterstützt Länder dabei, den Verlust von
Böden bis 2030 zu stoppen. Die Initiative
wurde 2018 ins Leben gerufen, um die Beschlüsse
des internationalen „Übereinkommens der
Vereinten Nationen zur Bekämpfung der
Desertifikation“ (UNCCD) umzusetzen. Im
Auftrag des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
stellt die Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH seit 2022
das GEO-LDN-Sekretariat. Das Engagement
Deutschlands für GEO-LDN wird international
anerkannt – sowohl von den UNCCD-
Vertragsparteien als auch von den 115 Mitgliedstaaten
der Group on Earth Observations, die GEO-
LDN zum GEO-Flagship ernannt haben.
Abbildung 25: Feierliche Eröffnung des UN-GGCE durch Staatssekretärin Juliane Seifert am 29. März 2023.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 51 –
52
Auf Grundlage eines klaren politischen
Mandats der UNCCD-Vertragsparteien (Beschluss 9/
COP 13) wurde 2018 in Kyoto die GEO-LDN-
Initiative von der Group on Earth Observations
(GEO) gegründet. Die UNCCD-
Vertragsparteien würdigten den Beitrag der GEO-LDN-
Initiative sowohl bei der COP 14 (New Delhi 2019), als
auch bei der COP 15 (Abidjan 2022) und
bekräftigten den Auftrag zur Unterstützung bei der
Berichterstattung zu LDN. Gleichzeitig stärkten sie
die Initiative in ihren Aufgaben, das LDN-
Monitoring für die Planung und Umsetzung von LDN
nutzbar zu machen und die politische Relevanz
von Erdbeobachtungsdaten und -tools zu
erhöhen. Bei der Umsetzung von LDN geht es um das
Prinzip, dass keine weitere Verschlechterung der
Landflächen im Vergleich zum Ausgangszustand
im Jahr 2000 erfolgen soll. Sieben Beschlüsse der
COP 15 (Abidjan 2022) beziehen sich direkt auf
GEO-LDN und äußern teilweise sehr konkrete
Bedürfnisse der Vertragsstaaten.
GEO-LDN arbeitet eng mit der UN-Konvention
zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD)
zusammen und hat bedeutende Fortschritte bei
der Unterstützung der Berichterstattung zum
Nachhaltigkeitsziel SDG 15.3.1 und seinen
Unterindikatoren erzielt. Durch das Engagement
des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde
die „GEO Land Degradation Neutrality“ Initiative
(GEO-LDN) im Rahmen des neuen GEO-
Arbeitsprogramms zu einem Vorzeigeprojekt („Flagship
Initiative“) der „GEO aufgewertet.
Die GEOLDNInitiative trägt ent
scheidend zur Erreichung von SDG 15 „Leben
an Land“ bei.
GEO-LDN unterstützt Partnerländer dabei, bis
2030 weiteren Verlust produktiver Landflächen
zu stoppen. Durch den vereinfachten Zugang zu
Erdbeobachtungsinformationen,
Analysewerkzeugen und dem zugehörigen Aufbau von
Kompetenzen zur Auswertung der Daten können
diese Länder ihre Strategien zur Landnutzung
nachhaltiger gestalten, Fortschritte beim Schutz
und der Wiederherstellung von Böden effektiv
nachverfolgen und fundierte Entscheidungen
zur zukünftigen Landnutzung treffen.
Durch die Förderung der GEO-LDN-
Initiative unterstützt Deutschland den Kampf gegen
Landdegradation.
Das Sekretariat für die Initiative ist in
Deutschland bei der GIZ am Standort Bonn angesiedelt.
Die GIZ stellt eine der drei GEO-LDN Ko-
Vorsitzenden. Zudem gibt es vier Facharbeitsgruppen:
Aufbau von Kompetenzen, Datenqualität-
Standards, Datenanalyse und Entscheidungshilfen,
die politische Akteure darin unterstützen,
fundierte Entscheidungen zur Landnutzung und
-bewirtschaftung zu treffen.
Die LDN-Toolbox, eine Sammlung relevanter
und frei verfügbarer Software, Datensätze und
Methoden zur Messung von Degradation und
Planung von Ausgleichsmaßnahmen, unterstützt
Länder dabei, den Anteil an degradierten
Flächen zu stabilisieren oder zu verringern.
GEO-LDN stärkt den Wissenstransfer und den
Kompetenzaufbau in den Partnerländern. Dazu
gehören u. a. eine Reihe von Online-Seminaren
sowie E-Learnings, die in Zusammenarbeit mit
der FAO und der UNCCD angeboten werden. Des
Weiteren wurde der erste Postgraduierten-
Studiengang zu LDN mit Unterstützung der
University for Energy and Natural Resources (UENR) in
Sunyani, Ghana, entwickelt. Der Studiengang soll
Modellcharakter haben.
Mit der Unterstützung von GEO-LDN können die
Partnerregierungen Interventionen priorisieren,
Ergebnisse überwachen, die Bewirtschaftung ihres
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 52 –
53
Landes verbessern und den Umsetzungsstand an
die UNCCD berichten, um so zum Monitoring der
Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele
(SDG) beizutragen. In Dialogveranstaltungen
sowie durch den Online-Support entwickelt GEO-
LDN gemeinsam mit den Partnerländern
Lösungen für nationale Anwendungsfälle im Bereich
Landnutzung. Dies umfasst z. B. die Entwicklung
einer flächenschonenden Raumplanung,
nachhaltiges Wald- und Weidemanagement oder die
Planung von Maßnahmen zur Wiederherstellung
von Ackerland, Weideland, Wäldern und
Flusslandschaften. Ein zentrales Prinzip dabei ist, dass
Lösungen von Anfang an gemäß den „Digital
Development Principles“ (Design with people) in
enger Zusammenarbeit mit den betroffenen
Nutzerinnen und Nutzern entwickelt werden.
Die GEOLDNInitiative fördert globale
Umwelt ziele und deutsche
Entwicklungsprioritäten.
Ein anschauliches Beispiel für die erfolgreiche
Unterstützung der UNCCD-Vertragsstaaten ist
der Anwendungsfall zur Reduzierung der
Entwaldung und der damit verbundenen
Bodenerosion im Einzugsgebiet des Lake Baringo in Kenia.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus
Vertreterinnen und Vertretern von Ministerien,
Universitäten und Nicht-Regierungsorganisationen, hat
mithilfe von Geoinformationen die besonders
stark von Landdegradation betroffenen
Gebiete kartiert und geeignete Standorte für die
Wiederaufforstung mit passenden einheimischen
Baumarten identifiziert. GEO-LDN unterstützte
das Team bei der Auswahl relevanter
raumbezogener Daten und stellte ein
benutzerfreundliches, webbasiertes Geoinformationssystem zur
Entscheidungsunterstützung bereit. Das Team
verteilt nun Setzlinge an Schulen in den
ausgewählten Gebieten und plant, Satellitendaten
auch für das Monitoring des Erfolgs der
Wiederaufforstungsmaßnahmen zu nutzen.
Der nächste Meilenstein für GEO-LDN ist die
16. Vertragsstaatenkonferenz (UNCCD COP 16)
der UNCCD im Dezember 2024 in Riad, Saudi-
Arabien. Auf der COP 16 wird GEO gemeinsam
mit GEO-LDN einen Pavillon präsentieren und
auf hochrangigen Side Events zeigen, wie die
Nutzung von Geodaten dazu beitragen kann,
Landressourcen zu überwachen und nationale
Entscheidungen sowie Planungen zu verbessern.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der
Integration dieser Überlegungen in den nächsten
Strategierahmen der UNCCD.
Deutschland ist maßgeblich an der GEO-
Flagship-Initiative zur „Land Degradation
Neutrality“ (GEO-LDN) beteiligt und stellt das
Sekretariat der Initiative in Bonn. Mit der
finanziellen Unterstützung des BMZ in Höhe
von 6,2 Millionen Euro über viereinhalb Jahre
wird die Initiative gestärkt, um den Zugang
zu Erdbeobachtungsdaten zu erleichtern und
Kapazitäten für nachhaltiges
Landmanagement aufzubauen.
GEO-LDN unterstützt die Umsetzung des
Nachhaltigkeitsziels SDG 15.3.1, das darauf
abzielt, den Anteil degradierter Landflächen
bis 2030 zu stabilisieren oder zu verringern.
Die Initiative hilft den Ländern, die
Fortschritte beim Schutz und bei der
Wiederherstellung von Böden nachzuverfolgen
und fundierte Entscheidungen zur
Landnutzung zu treffen.
Mit der Unterstützung von GEO-LDN
leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag zur
Umsetzung globaler Umweltagenden und der
UNCCD-Beschlüsse. GEO-LDN arbeitet an der
Schnittstelle der drei Rio-Konventionen und
des Sendai-Rahmenwerks und unterstützt
digitale und multilaterale Ansätze in der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 53 –
54
Dieser Bericht verdeutlicht anhand zahlreicher
Leuchtturmprojekte die zentrale Rolle von
Geoinformationen in unserer Gesellschaft. Sie sind
heute in nahezu allen Lebensbereichen präsent
und unverzichtbar. Geoinformationen helfen
uns, den Raum, in dem wir leben, zu verstehen,
Informationen zu bündeln und zu verknüpfen,
um auf dieser Basis fundierte Entscheidungen
für zukunftsfähige Lösungen zu treffen. Ob in
der Mobilität, der Stadtplanung, im Klimaschutz
oder der Sicherheitsvorsorge – raumbezogene
Daten liefern den entscheidenden Mehrwert,
um komplexe Zusammenhänge zu erfassen und
nachhaltig zu handeln. So können wir unsere
Gesellschaft fortwährend modernisieren und
resilienter gestalten.
Geoinformationen sind heute in
nahezu allen Lebensbereichen präsent
und unverzichtbar.
Neben klassischen Produkten wie
topografischen Karten und Navigationsdiensten
ermöglicht der technische Fortschritt heute
Anwendungen, die früher undenkbar waren.
Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind der
vermehrte Einsatz moderner
Datenerfassungsmethoden, insbesondere der Fernerkundung,
kombiniert mit der fortschreitenden
Digitalisierung. Die rasanten Entwicklungen erlauben es
uns, große Bereiche unseres Landes innerhalb
kürzester Zeit flächendeckend zu erfassen.
Schlusswort
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 54 –
55
Dabei entstehen enorme Datenmengen, deren
Auswertung und Sicherstellung der
Datenqualität große Herausforderungen mit sich bringen.
Diesen begegnen wir mit modernen
Methoden zur Datenanalyse, -verknüpfung und -
darstellung. Insbesondere der zunehmende
Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ermöglicht eine
schnelle und effiziente Datenverarbeitung.
Technologische Innovationen wie Building
Information Modeling (BIM) und Digitale Zwillinge
eröffnen völlig neue Möglichkeiten, um räumliche
Prozesse mit Informationen unterschiedlichster
Disziplinen zu verknüpfen, sie zu simulieren und
besser zu verstehen. Diese Trends prägen nicht
nur den aktuellen Fortschritt, sondern werden
auch künftige Innovationen in nahezu allen
Lebensbereichen beeinflussen.
Geoinformationen sind die räumliche
Klammer und bilden einen Rahmen für
Informationen und Simulationen.
Es liegt auf der Hand, dass Geoinformationen
weiterhin von zentraler Bedeutung bleiben –
sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene.
Sie bilden die räumliche Klammer für eine
Vielzahl verknüpfbarer Informationen, dienen als
Rahmen für Simulationen sowie als Basis für
Lösungen und Entscheidungen. Die
Herausforderung besteht darin, diese Daten sinnvoll zu
nutzen, um die drängendsten Fragen unserer
Zeit zu beantworten, sei es in Bezug auf den
Klimawandel, den Schutz natürlicher Ressourcen
oder die Sicherung der Lebensqualität.
Geoinformationen werden für die
Gestaltung unserer Gesellschaft eine
Schlüsselrolle einnehmen.
Die Zukunft im Bereich der Geoinformationen
bleibt spannend. Die dynamische Entwicklung
bietet uns viele Chancen, die die Akteure im
Geoinformationswesen sicherlich ergreifen werden,
um eine moderne, nachhaltige und resiliente
Gesellschaft zu gestalten. Geoinformationen
werden dabei eine Schlüsselrolle spielen – für eine
sichere, vernetzte und zukunftsorientierte Welt.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 55 –
56
AA . . . . . . . . . . . . . . Auswärtiges Amt
AdV . . . . . . . . . . . . . Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen
der Länder der Bundesrepublik Deutschland
ALKIS . . . . . . . . . . . Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem
API . . . . . . . . . . . . . . Application Programming Interface
ATKIS . . . . . . . . . . . Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem
BALM . . . . . . . . . . . Bundesamt für Logistik und Mobilität
BASt . . . . . . . . . . . . Bundesanstalt für Straßenwesen
BBSR . . . . . . . . . . . . Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
BfG . . . . . . . . . . . . . . Bundesanstalt für Gewässerkunde
BiB . . . . . . . . . . . . . . Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
BKG . . . . . . . . . . . . . Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
BMDV . . . . . . . . . . . Bundesministerium für Digitales und Verkehr
BMEL . . . . . . . . . . . Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
BMI . . . . . . . . . . . . . Bundesministerium des Innern
BMUV . . . . . . . . . . . Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz
BMWSB . . . . . . . . . Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
BMZ . . . . . . . . . . . . . Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
COP . . . . . . . . . . . . . Conference of the Parties
DFS . . . . . . . . . . . . . Deutsche Flugsicherung
DGM . . . . . . . . . . . . Digitales Geländemodell
DigiZ-DE . . . . . . . . Digitaler Zwilling Deutschland
DLR . . . . . . . . . . . . . Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
DMS . . . . . . . . . . . . Datenmanagementsystem
DOP . . . . . . . . . . . . . Digitales Orthofoto
DVO . . . . . . . . . . . . . Durchführungsverordnung
DWD . . . . . . . . . . . . Deutscher Wetterdienst
DZSF . . . . . . . . . . . . Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung
FAQ . . . . . . . . . . . . . Frequently Asked Questions
GDI-DE . . . . . . . . . Geodateninfrastruktur Deutschland
GEO . . . . . . . . . . . . . Group on Earth Observations
GEO-LDN . . . . . . . Land Degradation Neutrality Initiative der Group on Earth Observations
Abkürzungsverzeichnis
Drucksache 21/3245 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 56 –
57
GGRF . . . . . . . . . . . Globaler Geodätischer Referenzrahmen
GIS . . . . . . . . . . . . . . Geoinformationssystem
GIZ . . . . . . . . . . . . . . Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
HVD . . . . . . . . . . . . High Value Datasets
IF-Bund . . . . . . . . . Innovative Fernerkundung für die Bundesverwaltung
JKI . . . . . . . . . . . . . . Julius Kühn-Institut
KI . . . . . . . . . . . . . . . Künstliche Intelligenz
KMK . . . . . . . . . . . . Kultusministerkonferenz
KOSTRA-DWD . . Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung des DWD
LAWA . . . . . . . . . . . Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
LBM-DE . . . . . . . . . Digitales Landbedeckungsmodell für Deutschland
LG GDI-DE . . . . . . Lenkungsgremium Geodateninfrastruktur Deutschland
LGV . . . . . . . . . . . . . Hamburger Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung
LiDAR . . . . . . . . . . . Light Detection and Ranging
LV/BV . . . . . . . . . . . Landes- und Bündnisverteidigung
NGIS . . . . . . . . . . . . Nationale Geoinformationsstrategie
NRW . . . . . . . . . . . . Nordrhein-Westfalen
OGC . . . . . . . . . . . . . Open Geospatial Consortium
OSI . . . . . . . . . . . . . . Online-Service-Infrastruktur
PoC . . . . . . . . . . . . . Point of Contact
SatCen . . . . . . . . . . European Union Satellite Centre
SDG . . . . . . . . . . . . . Sustainable Development Goal
SEA . . . . . . . . . . . . . Service in Support to EU External and Security Actions
SESA . . . . . . . . . . . . Service in Support to EU External Actions
SKD . . . . . . . . . . . . . Satellitengestützter Krisen- und Lagedienst
StBA . . . . . . . . . . . . . Statistisches Bundesamt
UBA . . . . . . . . . . . . . Umweltbundesamt
UENR . . . . . . . . . . . University for Energy and Natural Resources
UNCCD . . . . . . . . . United Nations Convention to Combat Desertification
UNESCO . . . . . . . . United Nations Educational Scientific and Cultural Organization
UN-GGCE . . . . . . . United Nations Global Geodetic Centre of Excellence
VS-NfD . . . . . . . . . . Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch
WFS . . . . . . . . . . . . . Web Feature Service
WMS . . . . . . . . . . . . Web Map Service
ZGeoBw . . . . . . . . . Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3245– 57 –
58
Abbildung 1:
Einzelbaumerkennung und die
anschließende Ableitung von
Merkmalen der Einzelbäume . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Abbildung 2:
Die Elbphilharmonie Hamburg als
potenzielles Flughindernis? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Sechster Bericht der Bundesregierung über die Fortschritte zur Entwicklung der verschiedenen Felder des Geoinformationswesens im nationalen, (Unterrichtung)