Entlassung des Staatsministers für Kultur und Medien
Text
Entlassung des Staatsministers für Kultur und Medien
[Antrag
der Abgeordneten Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming, Ronald Gläser,
Matthias Helferich, Nicole Hess, Sven Wendorf, Tobias Teich, Carolin
Bachmann, Adam Balten, Carsten Becker, Dr. Christoph Birghan, Joachim
Bloch, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Tobias Ebenberger, Hauke Finger,
Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Nicole Hess, Steffen
Janich, Dr. Malte Kaufmann, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Maximilian
Kneller, Heinrich Koch, Achim Köhler, Knuth Meyer-Soltau, Sergej Minich,
Edgar Naujok, Denis Pauli, Christian Reck, Lars Schieske, Jan Wenzel
Schmidt, Dr. Paul Schmidt, René Springer, Thomas Stephan, Martina Uhr,
Mathias Weiser, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Entlassung des Staatsministers für Kultur und Medien
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Bereits der Anschein, der Zugang zu Mitgliedern der Bundesregierung könne über
privatwirtschaftliche Sponsoringmodelle gegen erhebliche Geldsummen erworben
werden, ist geeignet, das Vertrauen der Bürger in die Integrität der Demokratie massiv zu
beschädigen und die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland zu
untergraben. Dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen damit wirbt „Einfluss auf die
politischen Entscheidungsträger“ und „Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung“ zu
verkaufen,1 ist vor diesem Hintergrund nicht hinnehmbar. Dies gilt in besonderem
Maße, als dass dieses Unternehmen zu jeweils 50 Prozent vom aktuellen Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien und seiner Ehefrau gehalten wird.2
Jenseits einer rein juristischen Würdigung dieses Vorgangs erweckt der
Kulturstaatsminister, dessen Geschäftsbereich unmittelbar beim Bundeskanzler angesiedelt ist, auf
Außenstehende den Eindruck, ein Geschäftsmodell für eine finanzkräftige Klientel zu
betreiben, bei der die Nähe zu Entscheidern in der Bundesregierung käuflich erworben
werden kann. Dabei erscheint es zweitrangig, dass der Kulturstaatsminister sich aus
der aktiven Unternehmensleitung zurückgezogen hat und weitere Schritte angekündigt
hat. Fakt ist, dass das Ehepaar Weimer durch die Anteilseignerstruktur weiterhin zu
100 Prozent von diesem grenzwertigen Unternehmenskonzept finanziell profitiert.3
Zusätzlich zu den Vorwürfen der unlauteren Werbung mit Amtsträgern wird
1 https://apollo-news.net/abendessen-mit-ministern-fuer-80-000-euro-wolfram-weimers-unternehmen-ver-
kauft-einfluss-auf-politische-entscheidungstraeger/
2 https://apollo-news.net/verlagsgruppe-verlassen-hat-wolfram-weimer-seine-kabinettskollegen-getuscht/
3 www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101005096/wolfram-weimer-eindruck-von-ka-
euflichkeit-und-vorteilsnahme-.html
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3036
21. Wahlperiode 02.12.2025
mittlerweile in einzelnen Berichten der Vorwurf einer Bilanzfälschung der Weimer
Media Group erhoben.4 Dazu kommen Vorwürfe der Urheberrechtsverletzung, die Dr.
Wolfram Weimer bereits zur Unterzeichnung von mindestens drei
Unterlassungserklärungen veranlasst haben.5 Mit der Vielzahl dieser Skandale hat der
Kulturstaatsminister dem öffentlichen Vertrauen in die demokratische Verfasstheit und
Rechtsstaatlichkeit der Institutionen schweren Schaden zugefügt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert den Bundeskanzler auf, dem Bundespräsidenten
vorzuschlagen, den Staatsminister für Kultur und Medien zu entlassen, um
Schaden vom Amt abzuwenden und die Integrität der staatlichen Institutionen
sicherzustellen.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Aktuelle Medienrecherchen legen offen, dass die Weimer Media Group im Rahmen des „Ludwig-Erhard-
Gipfels“ Sponsoringpakete anbietet, die für Beträge von bis zu 80.000 Euro exklusive Kontaktformate,
Gesprächsgelegenheiten oder privilegierte Begegnungen mit Mitgliedern der Bundesregierung in Aussicht stellen. 6 Ein
solches Modell erweckt den Eindruck, der Zugang zu Regierungsmitgliedern sei wirtschaftlich verwertbar oder
gar käuflich erwerbbar. Bereits dieser Eindruck stellt eine fundamentale Gefährdung demokratischer Integrität
dar.
Zwar hat sich Dr. Wolfram Weimer nach seinem Amtsantritt als Kulturstaatsminister operativ aus der Weimer
Media Group zurückgezogen. Auch hat er inzwischen angekündigt, seinen 50-prozentigen Unternehmensanteil
einem Treuhänder zu überantworten und auf einen Anteil an der Gewinnausschüttung zu verzichten.7 Aus einer
direkten Gewinnbeteiligung entstünde also lediglich eine indirekte, die Gewinne würden im engsten
Familienkreis verbleiben und so gleichsam von der rechten in die linke Tasche umverteilt werden. Die 100-prozentige
familiäre Anteilsstruktur könnte in diesem Fall bedeuten, dass eine Vorteilsnahme eines Staatsministers vorliegt,
sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Weimer Media Group aus ihrer Nähe zur Regierungsmacht gezielt
wirtschaftlichen Profit gezogen hat. Für eine klare, glaubwürdige Trennung zwischen Regierungsamt und
ökonomischem Eigeninteresse reicht es nicht aus, Gewinne bloß so umzuschichten, dass sie auf dem kürzesten
indirekten Weg erzielt werden.
Hinzu kommt die politische Verantwortung von Bundeskanzler Friedrich Merz, der öffentlich als persönlicher
Freund („Duz-Freund“) Dr. Wolfram Weimers beschrieben wird8 und auf dem Internetauftritt des betreffenden
Veranstaltungsformats als Teilnehmer und Unterstützer hervorgehoben wird. 9 Damit entsteht der Eindruck, dass
persönliche Beziehungen zwischen Regierungsmitgliedern und privatwirtschaftlichen Akteuren systematisch für
kommerzielle Zwecke verwertet werden könnten.
4 www.achgut.com/artikel/wolfram_weimer_jetzt_auch_noch_bilanzfaelschung
5 www.nius.de/nachrichten/news/zwei-paukenschlaege-gegen-weimer-media-group/5d52e9ee-0e45-4b0e-bafd-12ddf6687273,
www.nius.de/nachrichten/news/weimer-gibt-unterlassungserklaerung-gegenueber-plagiatsjaeger-weber-ab/6d56c7eb-2ca9-4d98-910f-
232a8f51d4a8
6 https://apollo-news.net/abendessen-mit-ministern-fuer-80-000-euro-wolfram-weimers-unternehmen-verkauft-einfluss-auf-politische-
entscheidungstraeger/
7 www.spiegel.de/politik/kulturstaatsminister-wolfram-weimer-gibt-firmenanteile-an-treuhaender-ab-a-fc7ca63d-1657-4291-8b81-
fe63dbbc7c58
8 www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kulturpolitiker-wolfram-weimer-sein-duzfreund-im-kanzleramt-110697800.html
9 https://ludwig-erhard-gipfel.de/dipl-testimonial/friedrich-merz/
Eine derartige Vermischung privater wirtschaftlicher Aktivitäten mit persönlichen und politischen Beziehungen
beschädigt das Vertrauen der Bürger in die Interessenungebundenheit der demokratischen Institutionen und
staatlichen Entscheidungsprozesse nachhaltig. Das Amt des Staatsministers für Kultur und Medien ist direkt im
Bundeskanzleramt angesiedelt und unterliegt damit der unmittelbaren Verantwortung des Bundeskanzlers. Jeder
weitere Tag ohne klare Konsequenzen verstärkt den Eindruck, der Bundeskanzler nehme ein solches Verhalten
stillschweigend hin. Das beschädigt das Vertrauen in verantwortliches Regierungshandeln zusätzlich.
Vergleichbare Fälle wie die „Rent-a-Rüttgers“-Affäre der NRW-CDU 201010 oder das Spenden-Dinner mit dem
damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn11 haben gezeigt, dass bereits der Anschein politischer Käuflichkeit
als Ausverkauf staatlicher Integrität bewertet wurde. Erstere Affäre führte zum Rücktritt des damaligen
nordrhein-westfälischen CDU-Generalsekretärs und heutigen NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst – und war
später auch mitverantwortlich für den Rücktritt von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers selbst. Schon damals
zeigte sich, dass es nicht entscheidend ist, ob jede einzelne Verfehlung rechtlich nachweisbar ist, sondern dass
bereits der Gesamteindruck käuflicher Nähe das Vertrauen der Bürger in die Funktionsfähigkeit ihrer Demokratie
beeinträchtigt.
Die jetzt erhobenen Vorwürfe wiegen noch schwerer, da sie nicht einen Parteiapparat oder eine
Wahlkampfstruktur betreffen, sondern ein Unternehmen, das dem unmittelbaren wirtschaftlichen Einfluss eines amtierenden
Staatsministers entstammt. Allein der Anschein politischer Käuflichkeit von Regierungsmitgliedern untergräbt
das Vertrauen in die staatlichen Institutionen. Ein sofortiges Handeln des Bundeskanzlers ist erforderlich, um
Schaden von der Demokratie abzuwenden.
10 www.spiegel.de/politik/deutschland/angebot-an-sponsoren-nrw-cdu-verkauft-gespraechstermine-mit-ruettgers-a-679130.html
11 www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-und-corona-der-minister-und-das-unternehmerdinner-a-56af0929-7921-460c-a654-
7005e4117ffb
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