Strukturelle Risiken und politische Vorhaben - Kultur- und Medienpolitische Vorhaben der Bundesregierung - Zeitpläne und Maßnahmen
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Strukturelle Risiken und politische Vorhaben - Kultur- und Medienpolitische Vorhaben der Bundesregierung - Zeitpläne und Maßnahmen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1053
21. Wahlperiode 29.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Katrin Göring-Eckardt, Sven Lehmann, Awet Tesfaiesus,
Marlene Schönberger, Dr. Anna Lührmann, Misbah Khan, Rebecca Lenhard,
Victoria Broßart und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Strukturelle Risiken und politische Vorhaben – Kultur- und Medienpolitische
Vorhaben der Bundesregierung – Zeitpläne und Maßnahmen
Die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage stellt Kulturinstitutionen in
Deutschland vor erhebliche Herausforderungen. Jüngste Gutachten und Studien
zeigen strukturelle Probleme und finanzielle Engpässe, die die kulturelle
Vielfalt in Deutschland nachhaltig zu schädigen drohen. Der politische
Handlungsbedarf ist drängend. Besonders die Situation kleiner und unabhängiger Verlage,
der Filmwirtschaft sowie der freien darstellenden Künste erfordert zeitnahe und
substanzielle Maßnahmen, um die Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit in
diesen Bereichen zu sichern.
So zeigt etwa die 2024 veröffentlichte Studie „Wüstenradar“ erstmals mit
belastbaren Zahlen auch in Deutschland die Gefahren der Entstehung von
demokratiegefährdenden Medienwüsten (www.wuestenradar.de). Die Studie zur
sozialen Lage von Kulturschaffenden von Januar 2025 unterstreicht die
überwiegend prekäre Situation und den dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung
der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, vor allem von hybrid
beschäftigten und soloselbständigen Künstlerinnen und Künstlern (darstellend
e-kuenste.de/mediathek#list-item-1151). Dasselbe gilt für Musikerinnen und
Musiker. Die im Februar 2025 veröffentlichte Studie zum Musikstreaming des
Forschungsnetzwerks Digitale Kultur weist auf gravierende Ungleichgewichte
hin. Demnach entfallen über 75 Prozent der Umsätze auf nur 0,1 Prozent der
Künstlerinnen und Künstler, während mehr als zwei Drittel der
Musikschaffenden im Jahr 2023 jeweils weniger als 1 Euro Umsatz erzielten (kulturstaatsmini
ster.de/presse/studie-zum-musikstreaming-veroeffentlicht-kulturstaatsministeri
n-roth-beim-musikstreaming-sollte-es-fairer-und-transparenter-zugehen). Die
Filmwirtschaft wartet auf die Vollendung der Filmreform mit verbindlicher
Investitionsverpflichtung und das Steueranreizmodell als Begleitgesetze des
Filmfördergesetzes (www.filmhaus-frankfurt.de/de/grip/grip-71/warten-auf-de
n-booster-fur-die-filmbranche/). Zur Unterstützung kleiner unabhängiger
Verlage liegen ebenfalls bereits konkrete Pläne vor, um die Branche nachhaltig und
vielfältig zu erhalten und zukunftsfähig zu machen (www.boersenblatt.net/new
s/verlage-news/verhindert-das-sterben-der-unabhaengigen-verlage-348569).
Auch im Bereich der Erinnerungskultur sind gezielte und verlässliche
politische Maßnahmen dringend notwendig. Der Religionsmonitor 2023 der
Bertelsmann Stiftung zeigt, dass insbesondere bei jüngeren Menschen ohne
entsprechende Bildungsangebote eine deutliche Entfremdung gegenüber
demokratischen Grundwerten messbar ist. Gleichzeitig kritisieren der Verband der
Gedenkstätten in Deutschland (VGDF) und die AG KZ-Gedenkstätten eine
strukturelle Unterversorgung der Gedenkstätten (Stiftung niedersächsische
Gedenkstätten, 2024). Es bestehen zudem erhebliche Sanierungsstaus und Engpässe in
der Bildungs- und Vermittlungsarbeit, die die Umsetzung zeitgemäßer und
partizipativer Formate erschweren.
Der aufgezeigte Handlungsbedarf für Akteurinnen und Akteure in Kultur und
Medien ist oftmals zeitkritisch und erfordert gezielte Maßnahmen, die sowohl
auf die verschiedenen Branchen als auch auf die unterschiedlichen
Herausforderungen abgestimmt sind. Zugleich hat der Staatsminister für Kultur und
Medien Dr. Wolfram Weimer verschiedene Projekte angekündigt, bei denen deren
Umsetzung und die weiteren Schritte noch unklar sind, während ein klarer
Umsetzungsbedarf für die breite Förderung von Kunst- und Kulturschaffenden
notwendig ist.
Aus diesem Grund erfragen die Fragesteller die konkreten Zeitpläne und
Ausgestaltung verschiedener Vorhaben der Bundesregierung:
1. Wie möchte die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD vorgesehene Stabilisierung der Finanzierung der
Kulturstiftung des Bundes und aller acht Bundeskulturfonds erreichen,
und welches Konzept mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien (BKM) gibt es zusätzlich zu Aller.Land, „Kultur in
ländlichen Räumen“ und BULE (Bundesprogramm Ländliche
Entwicklung), um umfassende Räume für eine resiliente, innovative und ländliche
Kulturszene sicherzustellen?
2. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den
Zugang von jungen Menschen zu Kultur zu fördern, und welche konkreten
aktuellen Zwischenergebnisse oder Evaluationsschritte liegen der
Bundesregierung zur Nutzung des KulturPasses vor, und wann wird die aktuell
stattfindende Evaluierung bekannt gegeben?
3. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um bei der
Reform der Filmförderung sicherzustellen, dass kulturell vielfältige und
regional produzierte Filme mit einer Besucherzahl unter 100 000 eine
tragfähige Perspektive behalten?
4. Welchen Planungsstand gibt es aktuell hinsichtlich der
Investitionsverpflichtungen sowie eines Steueranreizmodells, und hält die
Bundesregierung weiterhin an einem verpflichtenden Modell fest?
5. Plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, kleine und unabhängige
Verlage zu unterstützen, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen, in
welchem Zeitrahmen und mit welcher finanziellen Ausstattung ist diese
Unterstützung vorgesehen?
6. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die soziale
Absicherung freier Künstlerinnen und Künstler – insbesondere soloselbstständiger
und hybrid beschäftigter Personen aller Kunstformen – nachhaltig zu
verbessern, insbesondere im Hinblick auf faire Honorare, Rentenansprüche
und pandemiebedingte Nachwirkungen?
7. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen der
Streamingstudie, insbesondere mit Blick auf kleine und unabhängige
Künstlerinnen und Künstler, und bis wann sollen diese Maßnahmen
ergriffen werden?
8. Wann plant die Bundesregierung die Gedenkstättenkonzeption anzupassen
und rechtsverbindlich in Kraft zu setzen, und welche konkreten
Umsetzungsschritte (z. B. Ausschreibungen, Bewilligungsrunden,
Evaluationsetappen) sind bis wann dafür vorgesehen?
9. Welche kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen ergreift die
Bundesregierung, um Gedenkstätten und kulturelle Einrichtungen effektiv vor
zunehmenden Einschüchterungsversuchen, Delegitimierungskampagnen und
physischen Angriffen durch Akteure der extremen Rechten zu schützen?
10. Welche konkreten Schritte plant die Bundesregierung, um die
Aufarbeitung des Kolonialismus dauerhaft zu finanzieren und zu öffnen – etwa
durch dezentrale Förderlinien, digitale Partizipationsformate und
regionale Netzwerke –, und wie sieht der Zeitplan für ein wirksames,
ressortübergreifendes Restitutionsgesetz aus?
11. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die
wirtschaftliche Situation insbesondere von regionalen und lokalen Medien und
Zeitungsverlagen zu stärken?
12. Soll das BKM-Förderprogramm (BKM: Beauftragter der Bundesregierung
für Kultur und Medien) zur Strukturförderung des Journalismus
fortgesetzt werden, und wenn ja, in welchem Umfang, und mit welchen
Schwerpunkten?
13. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um – wie im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigt – die
digitale Nachrichten- und Medienkompetenz in der Bevölkerung zu stärken,
insbesondere angesichts täglicher Desinformationskampagnen und
hybrider Angriffe?
14. Wie und bis wann soll das im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD genannte Ziel umgesetzt werden, dass Onlineplattformen Outlinks
zulassen, und für welche Onlineplattformen soll dies gelten?
15. Bis wann beabsichtigt die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarte und von Kulturstaatsminister
Dr. Wolfram Weimer angekündigte Einführung einer Abgabe für
Onlineplattformen („Digitalabgabe“)?
16. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den
Aufbau einer europäischen Medienplattform zu unterstützen?
Berlin, den 25. Juli 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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