Fachkräftegewinnung durch die Bundesagentur für Arbeit
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Fachkräftegewinnung durch die Bundesagentur für Arbeit
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1820
21. Wahlperiode 25.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jan Feser, René Springer, Gerrit Huy, Thomas Stephan, Robert
Teske, Ulrike Schielke-Ziesing, Birgit Bessin, Achim Köhler, Carsten Becker und
der Fraktion der AfD
Fachkräftegewinnung durch die Bundesagentur für Arbeit
Laut Presseberichten warnte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Bärbel Bas jüngst vor einem Verlust dringend benötigter Fachkräfte durch eine
zu restriktive Migrationspolitik und kündigte im Gegenzug eine stärkere
Zentralisierung der Fachkräfteeinwanderung über eine sogenannte Work-and-Stay-
Agentur an (vgl. www.welt.de/politik/deutschland/article688ce6a87206220d53
26823d/Arbeitsmarkt-Bas-warnt-vor-Fachkraefteverlust-durch-harte-Migration
spolitik.html).
Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, die Fachkräftezuwanderung zu
vereinfachen, bürokratische Hürden einzureißen und insbesondere alle Prozesse
der Erwerbsmigration sowie der Anerkennung von Berufs- und
Studienabschlüssen zu beschleunigen (vgl. www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitions
vertrag2025_bf.pdf, S. 14 f.). Demnach sollen einheitliche
Anerkennungsverfahren künftig innerhalb von acht Wochen durchführbar sein (ebd., S. 15).
Bereits bestehende Programme der Fachkräftegewinnung wie „Triple Win“
(Pflegekräfte aus Drittstaaten), „Hand in Hand for International Talents“
(Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten), THAMM (Auszubildende und
Fachkräfte aus Nordafrika) und Institutionen wie die Zentrale Auslands- und
Fachvermittlung (ZAV), die in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit (BA)
realisiert werden, können dabei für die Fragesteller als Schlüsselstrukturen gelten.
Die geplante Zentralisierung der Verfahren rund um die
Fachkräfteeinwanderung durch eine digitale „Work-and-Stay-Agentur“ (siehe „Verantwortung für
Deutschland“, www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag2025_b
f.pdf, S. 14), die nach Willen der Bundesregierung bei der Arbeits- und
Fachkräftegewinnung künftig eine zentrale Rolle spielen soll, muss sich nach
Auffassung der Fragesteller wie bereits bestehende Strukturen in diesem Bereich
auch an konkreten Ergebnissen messen lassen.
Um die Auswirkungen migrations- und sozialpolitischer Maßnahmen auf die
Fachkräftegewinnung hierzulande sowie die Entwicklung der Volkwirtschaft
insgesamt sachgerecht bewerten zu können, bedarf es nach Auffassung der
Fragesteller einer transparenten Evaluation der bestehenden Maßnahmen und
Programme. Nur so können in den Augen der Fragesteller wirtschaftliche und
gesellschaftliche Fehlentwicklungen, wie z. B. eine nicht intendierte, aber
faktische Überbürokratisierung in Sozialstaat und öffentlicher Verwaltung,
frühzeitig erkannt und vermieden werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich die Anzahl der BA-Teilorganisationen, Institutionen,
Projekte und Programme sowie die zugehörigen Personalbestände innerhalb
oder in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, die explizit mit der
Fachkräftegewinnung im In- und Ausland betraut sind, in den letzten
20 Jahren entwickelt (bitte alle mit der Fachkräftegewinnung bzw.
Fachkräfteeinwanderung betrauten Organisationen bzw. Teilorganisationen der
BA auflisten sowie die absoluten Zahlen der jeweils dort tätigen
Mitarbeiter inklusive der prozentualen Veränderungen je nach
Organisationseinheit, Projekt, Programm usw. jahresweise aufschlüsseln)?
2. Wie viele Beschäftigte in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) waren in den Jahren
2010, 2013, 2016, 2020 und 2024 explizit mit Fachkräftegewinnung bzw.
Fachkräftevermittlung in den folgenden Organisationen betraut, und wie
groß war jeweils deren Anteil an allen Beschäftigten
a) in der Bundesagentur für Arbeit insgesamt,
b) spezifisch bei „Hand in Hand for International Talents“,
c) spezifisch beim „THAMM“-Programm,
d) spezifisch beim „Triple Win“-Programm,
e) spezifisch in der „ZAV“
(bitte die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen
Veränderungen – seit Bestehen der Organisation – aufschlüsseln)?
3. Wie hoch waren 2024 die durchschnittlichen Personalkosten für
Mitarbeiter allgemein sowie speziell für Vermittler von ausländischen Fachkräften
bei folgenden Organisationen:
a) Bundesagentur für Arbeit,
b) spezifisch bei „Hand in Hand for International Talents“,
c) spezifisch beim „THAMM“-Programm,
d) spezifisch beim „Triple Win“-Programm,
e) spezifisch bei der „ZAV“
(bitte jeweils die absoluten Zahlen, das Jahresbruttogehalt o. Ä. insgesamt
sowie die zusätzlichen Sachkostenpauschalen für 2024 ausweisen)?
4. Wie lange dauert im Durchschnitt die Vermittlung ausländischer
Fachkräfte in (sozialversicherungspflichtige) Arbeit hierzulande
a) durch die Bundesagentur für Arbeit,
b) spezifisch durch „Hand in Hand for International Talents“,
c) spezifisch durch das „THAMM“-Programm,
d) spezifisch durch das „Triple Win“-Programm,
e) spezifisch durch die „ZAV“
(bitte jeweils die durchschnittliche Gesamtdauer bis zum Zeitpunkt der
Arbeitsaufnahme sowie jeweils die durchschnittliche Dauer des
Spracherwerbs und der Anerkennung der Berufsqualifikation separat ausweisen)?
5. Wie hat sich der Fallbestand, den eine mit der Fachkräftevermittlung von
Ausländern betraute Vermittlungskraft im Durchschnitt bearbeitet, in den
letzten zehn Jahren entwickelt, und wie viele Termine werden im
Durchschnitt pro Woche durch eine Vermittlungskraft bearbeitet
a) in der Bundesagentur für Arbeit insgesamt,
b) spezifisch im Programm „Hand in Hand for International Talents“,
c) spezifisch im „THAMM“-Programm,
d) spezifisch im „Triple Win“-Programm,
e) spezifisch bei der „ZAV“
(bitte jeweils die absoluten Zahlen inklusive der prozentualen
Veränderung jahresweise separat ausweisen)?
6. Wie haben sich die Anzahl der Mitarbeiter, die Zahl der Träger und
Kooperationspartner sowie die Vermittlungsquoten aller unter dem Dach des
Portals der Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland „Make it in
Germany“ firmierenden Projekte seit deren Gründung jeweils entwickelt,
und welche Jahresbudgets stellt der Bund hierfür im Einzelnen sowie
insgesamt jeweils zur Verfügung (bitte die absoluten Zahlen inklusive der
prozentualen Veränderungen jeweils für alle 15 aktuellen Projekte bzw.
Förderprogramme, wie z. B. „Fachkräfte aus Kolumbien und Usbekistan
für die Klimahandwerke“, „Hand in Hand for International Talents“,
„Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“, „UBAconnect“ usw.
separat jahresweise aufschlüsseln)?
7. Wie haben sich die Anzahl und der Anteil der Beamten, die in den in
Frage 1 erfragten BA-Teilorganisationen, Institutionen, Projekten und
Programmen usw. zum Zwecke der Fachkräftegewinnung beschäftigt sind, in
den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte die absoluten und relativen Zahlen
sowie die prozentualen Veränderungen jahresweise aufschlüsseln)?
8. Wie haben sich die Ausgaben des Bundes und nach Kenntnis der
Bundesregierung der Länder für die in Frage 1 erfragten BA-Teilorganisationen,
Institutionen, Projekte und Programme usw. in den letzten 20 Jahren
entwickelt (bitte die absoluten Zahlen inklusive der prozentualen
Veränderungen jeweils für alle erragten Organisationen jahresweise
aufschlüsseln)?
9. Wie haben sich jeweils die Vermittlungsquoten in
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der in Frage 1 erfragten BA-Teilorganisationen,
Institutionen, Projekte und Programme in den letzten 20 Jahren
entwickelt, und wie viele ausländische Fachkräfte wurden im selben
Zeitraum hierzulande tatsächlich in Arbeit vermittelt (bitte die absoluten und
relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderungen je nach
Wirtschaftssektor, z. B. Pflege, Handwerk, IT, Transport, jahresweise
aufschlüsseln)?
10. Wie lange dauert nach Kenntnis der Bundesregierung durchschnittlich die
Anerkennung ausländischer Studien- und Berufsabschlüsse, und welche
Kosten entstehen Bund und Ländern im Rahmen der
Anerkennungsverfahren im Durchschnitt pro Jahr (bitte die Ausgaben von Bund und
Ländern für Anerkennungsverfahren im Jahr 2024 insgesamt sowie die
durchschnittlichen Pro-Kopf-Kosten für Anerkennungsverfahren ausweisen)?
11. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Abbruchquoten
bei den Anerkennungsverfahren in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte
die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen
Veränderungen für die Anerkennungsverfahren insgesamt wie auch für die
zugehörigen Sprachkurse jahresweise aufschlüsseln)?
12. Wie viele jener im Rahmen der Fachkräfteeinwanderung bzw.
Fachkräftegewinnung in Deutschland beschäftigten ausländischen Personen
benötigten nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten 20 Jahren hierfür
eine staatlich geförderte berufliche Anpassungsqualifikation oder eine
ähnliche Fördermaßnahme der berufsorientierten Qualifikation, und
welche Branchen betraf dies hauptsächlich (bitte die absoluten und
relativen Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung jahresweise
aufschlüsseln)?
13. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn
Jahren der Anteil jener ausländischen Fachkräfte, die in Deutschland eine
staatliche Förderung der beruflichen Anpassungsqualifikation oder eine
ähnliche Maßnahme der berufsorientierten Qualifikation in Anspruch
genommen haben und zeitlich nach absolvierter Anpassungsqualifikation
bzw. Qualifikationsmaßnahme Deutschland wieder verlassen haben (bitte
jeweils die absoluten und relativen Zahlen inklusive der prozentualen
Veränderung jahresweise aufschlüsseln)?
14. Was kosteten den Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung die
Länder die in den Fragen 11 und 12 erfragten beruflichen
Qualifikationsmaßnahmen in den letzten 20 Jahren insgesamt und jeweils durchschnittlich
pro Kopf (geförderte Person), und wie lange dauerte eine berufliche
Anpassungsqualifikation im Durchschnitt (bitte die absoluten und relativen
Zahlen inklusive der prozentualen Veränderung jahresweise
aufschlüsseln)?
15. Wie viele ausländische Fachkräfte insgesamt wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten 20 Jahren aus Deutschland abgeschoben
(bitte jeweils die absoluten und relativen Zahlen angeben sowie, wenn
möglich, bitte auch angeben, wie hoch die Gesamtzahl und der Anteil der
abgeschobenen Fachkräfte waren, die vor der Abschiebung in einer
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland tätig waren)?
16. Welche Maßnahmen und Regelungen im Bereich der
Fachkräftegewinnung plant die Bundesregierung im Zusammenhang mit der laut
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 9. April 2025
„Verantwortung für Deutschland“ geplanten „Neuen Grundsicherung“, und
welche Kosten werden hierfür in welchem Zeitrahmen kalkuliert?
Berlin, den 15. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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