Asylentscheidungspraxis im Umgang mit afghanischen Schutzsuchenden (Antwort zu Drs. 21/876)
Text
Asylentscheidungspraxis im Umgang mit afghanischen Schutzsuchenden (Antwort zu Drs. 21/876)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1014
21. Wahlperiode 31.07.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer,
Violetta Bock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/876 –
Asylentscheidungspraxis im Umgang mit afghanischen Schutzsuchenden
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin am 19. Mai 2025
(„Afghanistan und wir“, www.eaberlin.de/seminars/data/2025/05/
afghanistanund-wir/) wurde sehr eindrücklich über die katastrophale Menschenrechtslage
in Afghanistan und über die aktuelle Entscheidungspraxis des Bundesamts für
Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Umgang mit afghanischen
Schutzsuchenden berichtet.
Die bereinigte Schutzquote des BAMF sei insbesondere im Jahr 2025
drastisch gesunken, wurde auf der Tagung berichtet. Es gebe so viele
Ablehnungen, dass Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, aber auch die
Verwaltungsgerichte an die Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit gerieten. Eine Rechtsanwältin
beklagte auf der Tagung, dass viele Asylablehnungen inhaltlich konträr zu den
„briefing notes“ des BAMF stünden. Häufig komme es auch zu einer
Trennung von Anhörenden und Entscheidenden im Asylverfahren und zu daraus
resultierenden Problemen.
Über viele Ablehnungen als „offensichtlich unbegründet“, etwa in
Brandenburg, wunderte sich auf der Tagung auch eine Vertreterin des BAMF und
verwies auf noch vorzunehmende Qualitätskontrollen. Sie berichtete, dass die
BAMF-Herkunftsländerleitsätze zu Afghanistan im März 2025 umfassend
„fortgeschrieben“ worden seien. Die Lage in Afghanistan habe sich „auf
schlechtem Niveau stabilisiert“, Abschiebungsverbote seien bei jungen,
gesunden Männern deshalb nicht mehr in der Regel, sondern nur noch nach einer
Einzelfallprüfung zu erteilen.
Eine als Expertin geladene Rechtsanwältin berichtete davon, dass viele
unbegleitete Minderjährige kurz nach Erreichen der Volljährigkeit abgelehnt
würden. In BAMF-Bescheiden würden Ablehnungen unter anderem damit
begründet, dass erst kürzlich Geflohene zuvor in Afghanistan noch hätten
(über-)leben können oder sie seien nach einer Festnahme durch die Taliban
auch wieder entlassen worden, sodass die Verfolgungsgefahr nicht so groß
sein könne. Auch würde Betroffenen in Ablehnungsbescheiden ihre legale
Ausreise aus Afghanistan vorgehalten, weil deshalb keine Verfolgung
vorliegen könne. Junge Männer würden oft abstrakt auf die Möglichkeit einer
Erwerbstätigkeit oder auf die Unterstützung sozialer Netzwerke in Afghanistan
verwiesen, ohne dass im konkreten Fall überprüft worden wäre, ob solche
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 31. Juli 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Möglichkeiten real bestehen. Die Anwältin beklagte zudem erhebliche
Übersetzungsprobleme bei Anhörungen, zum Teil würden auch
entscheidungsrelevante Dokumente nicht übersetzt und/oder zur Akte genommen, ohne sie bei
der Entscheidung zu berücksichtigen.
In BAMF-Ablehnungsbescheiden würde es nach Angaben der Anwältin als
gewisse „Robustheit“ gedeutet, wenn jungen Afghanen die gefährliche Flucht
nach Deutschland gelungen sei – die Betroffenen hätten damit gezeigt,
psychisch und physisch belastbar zu sein, sodass deshalb auch kein
Abschiebungshindernis vorliege. Als Ablehnungsgrund würde sogar genannt, wenn
die vierte Klasse der Grundschule absolviert worden sei – denn diese
Betroffenen hätten damit mehr Bildung als Analphabeten und deshalb bessere
Chancen im Vergleich zu diesen, einen Gelegenheitsjob in Afghanistan zu erhalten.
Solche Ablehnungsbegründungen seien keine Einzelfälle, sondern kämen
regelmäßig (z. B. als Textbausteine in Bescheiden) vor.
Im Jahr 2024 erhielten afghanische Asylsuchende noch zu 93,3 Prozent einen
Schutzstatus durch das BAMF (bereinigte Schutzquote, Antwort zu Frage 1b
auf Bundestagsdrucksache 20/14923), im Jahr 2023 lag die Schutzquote sogar
bei 98,7 Prozent (Antwort zu Frage 1b auf Bundestagsdrucksache 20/12228).
Insbesondere bei männlichen Asylsuchenden aus Afghanistan ist die
bereinigte Schutzquote zuletzt jedoch deutlich gesunken: Lag sie 2024 noch bei
91,4 Prozent, betrug sie für den Zeitraum von Januar bis April 2025 nur noch
57,1 Prozent (vgl. Antwort auf die Schriftliche Frage 10 auf
Bundestagsdrucksache 21/297, S. 8 ff.).
Afghanische Frauen und Mädchen erhalten nach einem Urteil des
Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 4. Oktober 2024 (C-608 und 609/22) wegen
der kumulativen geschlechtsspezifischen Diskriminierungssituation in
Afghanistan in aller Regel eine Flüchtlingsanerkennung durch das BAMF,
unabhängig von den konkreten Einzelfallumständen (Antwort zu Frage 11 auf
Bundestagsdrucksache 20/14923). Gut 10 000 weibliche Personen afghanischer
Staatsangehörigkeit befanden sich Ende 2024 in Deutschland noch im
Asylverfahren, über 43 000 verfügten lediglich über eine Aufenthaltserlaubnis
nach § 25 Absatz 3 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) infolge eines
Abschiebungsverbots (ebd.). Das BAMF prüft offenbar nicht von Amts wegen,
ob diese Abschiebungsverbote nach der oben genannten Entscheidung des
Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zurückgenommen und durch einen
Flüchtlingsstatus ersetzt werden müssen (ebd.) – mit erheblichen Folgen für die
Betroffenen, denn nach der Feststellung eines bloßen Abschiebungsverbots
besteht in der Regel z. B. kein Anspruch auf Familiennachzug.
1. Wie sind die Entscheidungen des BAMF zu afghanischen Asylsuchenden
seit dem 1. Januar 2024 bis heute ausgefallen (bitte nach Halbjahren,
Geschlecht, konkretem Schutzstatus bzw. Ablehnungen, Ablehnungen als
offensichtlich unbegründet und formellen Entscheidungen auflisten und
jeweils in absoluten und relativen Zahlen angeben)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
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2. In welchen konkreten Konstellationen erhalten Frauen und Mädchen aus
Afghanistan trotz der Entscheidung des EuGH vom 4. Oktober 2024
(C-608 und 609/22) vom BAMF keinen Flüchtlingsstatus, sondern
lediglich Abschiebungsschutz oder eine Ablehnung (von formellen
Entscheidungen abgesehen, bitte darlegen)?
Afghanischen Frauen und Mädchen wird im Regelfall Flüchtlingsschutz
zuerkannt. Asylanträge von afghanischen Frauen und Mädchen werden weiterhin
einzelfallbezogen entschieden. Im Rahmen der asylrechtlichen Prüfung wird
erhoben, ob aufgrund des individuellen Sachvortrags ein Ausnahmefall von der
Schutzzuerkennung anzunehmen ist. Dies kann der Fall sein, wenn die
Antragstellerin vorträgt, mit den Zielen, den gesellschaftspolitischen Vorstellungen
und Werten der De-facto-Regierung der Taliban in völliger Übereinstimmung
zu stehen. Die Entscheidungspraxis des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge (BAMF) steht somit im Einklang mit der in der Frage genannten
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).
3. Wie hat sich die bereinigte Schutzquote bei Entscheidungen des BAMF
zu männlichen afghanischen Asylsuchenden seit dem 1. Januar 2024 bis
heute entwickelt (bitte nach Monaten auflisten), und hält die
Bundesregierung diese Entwicklung mit der Entwicklung in Afghanistan für
vereinbar (bitte begründen)?
Die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Schutzquoten ohne
Berücksichtigung formeller Entscheidungen hinsichtlich männlicher afghanischer
Asylantragstellender bilden die Entwicklung der im Betrachtungszeitraum sukzessive
geänderten Weisungslage ab (siehe dazu die Antwort zu den Fragen 7 und 10).
Schutzquote (ohne Berücksichtigung formeller Entscheidungen)
männlicher afghanischer Asylantragstellender
Januar 2024 96,3 %
Februar 2024 97,0 %
März 2024 95,2 %
April 2024 96,1 %
Mai 2024 95,6 %
Juni 2024 94,5 %
Juli 2024 90,3 %
August 2024 90,7 %
September 2024 85,9 %
Oktober 2024 87,2 %
November 2024 84,9 %
Dezember 2024 80,9 %
Januar 2025 73,7 %
Februar 2025 65,1 %
März 2025 50,7 %
April 2025 38,5 %
Mai 2025 36,4 %
Juni 2025 33,7 %
4. Wie war die bereinigte Schutzquote des BAMF bei männlichen
afghanischen Asylsuchenden im Jahr 2024 bzw. im bisherigen Jahr 2025, und
wie hoch waren in diesen Zeiträumen jeweils der Anteil von
„offensichtlich unbegründet“-Ablehnungen (bitte jeweils nach Bundesländern und
Standorten des BAMF auflisten)?
Hinweis: Bei der Bewertung der in den untenstehenden Tabellen enthaltenen
prozentualen Angaben ist deren fehlende Aussagekraft zu berücksichtigen,
sofern diese – wie in der Fragestellung vorgegeben – losgelöst von den absoluten
Zahlen betrachtet werden. Eine entsprechende Aussagekraft wird nur unter der
Prämisse angenommen, dass repräsentative Daten zu Grunde liegen
(statistische Evidenz). So wirkt sich z. B. eine geringe Entscheidungsmenge im
Betrachtungszeitraum mit Blick auf die ergangenen Ablehnungen (insbesondere
o. u. Ablehnungen) statistisch stets überproportional auf die entsprechende
Quote aus. Daher ist die Aussagekraft der nachfolgenden Daten aus fachlicher
Sicht nur eingeschränkt gegeben.
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im Jahr 2024
nach Ländern Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
Bundesgebiet gesamt 91,4 % 0,3 %
darunter:
Baden-Württemberg 94,6 % 0,3 %
Bayern 93,4 % 0,4 %
Berlin 89,9 % 0,2 %
Brandenburg 54,7 % 0,7 %
Bremen 98,4 % 0,0 %
Hamburg 95,8 % 0,2 %
Hessen 96,8 % 0,3 %
Mecklenburg-Vorpommern 92,3 % 0,4 %
Niedersachsen 96,0 % 0,1 %
Nordrhein-Westfalen 94,5 % 0,3 %
Rheinland-Pfalz 89,2 % 0,2 %
Saarland 77,9 % 2,2 %
Sachsen 78,1 % 0,6 %
Sachsen-Anhalt 93,7 % 0,4 %
Schleswig-Holstein 94,4 % 0,3 %
Thüringen 98,7 % 0,1 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im 1. Halbjahr 2025
nach Ländern Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
Bundesgebiet gesamt 49,8 % 1,9 %
darunter:
Baden-Württemberg 43,2 % 1,4 %
Bayern 40,0 % 2,1 %
Berlin 64,9 % 1,2 %
Brandenburg 48,3 % 0,8 %
Bremen 57,7 % 1,3 %
Hamburg 63,4 % 1,4 %
Hessen 53,8 % 2,4 %
Mecklenburg-Vorpommern 40,5 % 3,5 %
Niedersachsen 54,0 % 1,6 %
Nordrhein-Westfalen 60,3 % 2,6 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im 1. Halbjahr 2025
nach Ländern Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
Rheinland-Pfalz 40,0 % 2,8 %
Saarland 30,3 % 0,0 %
Sachsen 38,3 % 3,1 %
Sachsen-Anhalt 51,2 % 1,6 %
Schleswig-Holstein 50,8 % 1,5 %
Thüringen 61,5 % 0,7 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im Jahr 2024
nach Standorten des BAMF Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
Organisationseinheiten gesamt 91,4 % 0,3 %
darunter:
32C Dublinverfahren 0,0 % 0,0 %
32D Dublinzentrum Berlin 100,0 % 0,0 %
32E Dublinzentrum Bochum 0,0 % 0,0 %
32F Dublinzentrum Bayreuth 100,0 % 0,0 %
AS Hamburg im AZ, LAS 96,1 % 0,2 %
AS Bremen im AZ, LAS 100,0 % 0,0 %
AS Neumünster, LAS 96,0 % 0,3 %
AS Friedland, LAS 95,8 % 0,0 %
AS Braunschweig 94,4 % 0,0 %
AS Braunschweig2 im AZ 87,5 % 0,0 %
AS Bramsche im AZ 96,7 % 0,0 %
AS Oldenburg 98,1 % 0,6 %
AS Bochum, LAS 96,2 % 0,3 %
AS Unna im AZ 89,5 % 0,0 %
AS Bielefeld im AZ 95,7 % 0,3 %
AS Düsseldorf 96,4 % 0,8 %
AS Mönchengladbach im AZ 93,8 % 0,0 %
AS Essen 90,7 % 0,0 %
AS Bonn im AZ 97,5 % 0,7 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 4 92,3 % 0,0 %
AS Berlin, LAS 77,9 % 0,1 %
AS Berlin im AZ 89,5 % 0,0 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 47,3 % 1,1 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 83,7 % 0,0 %
AS Leipzig im AZ 64,8 % 5,5 %
AS Dresden in AnkER 83,0 % 0,4 %
AS Schwerin im AZ, LAS 96,0 % 0,7 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 5 98,6 % 0,1 %
AS Gießen im AZ, LAS 98,0 % 0,2 %
AS Büdingen 92,8 % 0,8 %
AS Frankfurt/Flughafen 84,2 % 1,0 %
AS Neustadt 96,1 % 1,0 %
AS Jena/Hermsdorf, LAS 97,4 % 1,5 %
AS Suhl im AZ 98,9 % 0,0 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 96,2 % 0,2 %
AS Karlsruhe, LAS 87,9 % 0,3 %
AS Heidelberg im AZ 99,3 % 0,1 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im Jahr 2024
nach Standorten des BAMF Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
AS Ellwangen 97,9 % 0,7 %
AS Freiburg 89,1 % 1,3 %
AS Sigmaringen 97,7 % 0,4 %
AS Trier, LAS 84,5 % 0,3 %
AS Speyer 95,2 % 0,0 %
AS Lebach in AnkER, LAS 64,1 % 2,3 %
AS München 94,7 % 0,6 %
AS Manching in AnkER 95,2 % 0,7 %
AS Bamberg in AnkER 98,2 % 0,0 %
AS Augsburg in AnkER 87,9 % 0,6 %
AS Zirndorf in AnkER 95,0 % 0,0 %
AS Regensburg in AnkER 98,0 % 0,0 %
AS Deggendorf in AnkER 98,4 % 0,0 %
AS Schweinfurt in AnkER 91,7 % 0,2 %
Zentralreferat 42,9 % 7,5 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im 1. Halbjahr 2025
nach Standorten des BAMF Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
Organisationseinheiten gesamt 49,8 % 1,9 %
darunter:
32D Dublinzentrum Berlin 0,0 % 0,0 %
32E Dublinzentrum Bochum 0,0 % 0,0 %
32F Dublinzentrum Bayreuth 0,0 % 0,0 %
AS Hamburg im AZ, LAS 66,8 % 1,9 %
AS Bremen im AZ, LAS 69,5 % 1,4 %
AS Neumünster, LAS 51,7 % 2,4 %
AS Friedland, LAS 48,0 % 2,1 %
AS Braunschweig 71,7 % 1,7 %
AS Braunschweig2 im AZ 87,2 % 0,0 %
AS Bramsche im AZ 68,4 % 0,8 %
AS Oldenburg 65,1 % 1,1 %
AS Bochum, LAS 64,5 % 1,3 %
AS Unna im AZ 41,4 % 2,1 %
AS Bielefeld im AZ 58,7 % 4,1 %
AS Düsseldorf 34,1 % 5,2 %
AS Mönchengladbach im AZ 33,1 % 2,2 %
AS Essen 36,6 % 10,5 %
AS Bonn im AZ 52,5 % 1,5 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 4 50,4 % 4,2 %
AS Berlin, LAS 40,8 % 1,3 %
AS Berlin im AZ 53,8 % 0,0 %
AS Eisenhüttenstadt, LAS 68,0 % 0,8 %
AS Chemnitz im AZ, LAS 38,3 % 0,5 %
AS Leipzig im AZ 23,3 % 9,1 %
AS Dresden in AnkER 30,9 % 4,3 %
AS Schwerin im AZ, LAS 50,7 % 5,6 %
Dienstleistungszentrum Abteilung 5 81,5 % 1,8 %
AS Gießen im AZ, LAS 52,2 % 3,3 %
männliche Asylsuchende aus Afghanistan im 1. Halbjahr 2025
nach Standorten des BAMF Schutzquote ohne
Berücksichtigung formeller
Entscheidungen
Anteil von „offensichtlich
unbegründet“-Ablehnungen an Entscheidungen
gesamt
AS Büdingen 57,8 % 2,4 %
AS Frankfurt/Flughafen 28,6 % 14,3 %
AS Neustadt 54,1 % 2,7 %
AS Jena/Hermsdorf, LAS 50,6 % 1,2 %
AS Suhl im AZ 64,6 % 1,1 %
AS Halberstadt im AZ, LAS 55,6 % 1,0 %
AS Stuttgart 0,0 % 0,0 %
AS Karlsruhe, LAS 44,8 % 1,6 %
AS Heidelberg im AZ 54,2 % 2,2 %
AS Ellwangen 32,7 % 1,8 %
AS Freiburg 63,4 % 0,0 %
AS Sigmaringen 68,6 % 1,8 %
AS Trier, LAS 38,7 % 3,8 %
AS Speyer 42,7 % 1,8 %
AS Lebach in AnkER, LAS 19,7 % 0,5 %
AS München 53,8 % 2,1 %
AS Manching in AnkER 56,4 % 3,3 %
AS Bamberg in AnkER 57,4 % 1,4 %
AS Augsburg in AnkER 47,6 % 2,0 %
AS Zirndorf in AnkER 38,5 % 0,8 %
AS Regensburg in AnkER 69,0 % 0,0 %
AS Deggendorf in AnkER 28,3 % 0,9 %
AS Schweinfurt in AnkER 42,1 % 1,7 %
Zentralreferat 8,3 % 8,3 %
5. Wie lang war die durchschnittliche Asylverfahrensdauer bei
afghanischen Asylsuchenden im Jahr 2024 bzw. im bisherigen Jahr 2025 (bitte
jeweils auch nach Geschlecht differenzieren), wie lang war in diesen
Zeiträumen jeweils die durchschnittliche Verfahrensdauer bei
unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten (allgemein, aber bitte auch nach den
zehn wichtigsten Herkunftsländern differenzieren und absolute Zahlen
angeben), und wie alt waren in diesen Zeiträumen als minderjährige
Unbegleitete registrierte Asylsuchende zum Zeitpunkt der Entscheidung des
BAMF im Durchschnitt (bitte auch zusätzlich nach den zehn wichtigsten
Herkunftsländern differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
Zeitraum Verfahrensdauer AFG
gesamt (in Monaten)
Davon bei männlichen
afg. Antragstellern
Davon bei weiblichen
afg. Antragstellerinnen
01.01.–31.12.2024 10,7 11,3 8,6
01.01.–30.06.2025 12,8 14,1 7,7
Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2024
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Anzahl Verfahrensdauer (in Monaten)
Gesamt 7 827 8,7
davon
Syrien, Arabische Republik 4 479 8,0
Afghanistan 2 245 10,2
Türkei 233 9,5
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Anzahl Verfahrensdauer (in Monaten)
Somalia 226 8,1
Guinea 151 8,6
Tunesien 47 5,5
Irak 45 12,1
Ungeklärt 41 7,7
Iran, Islamische Republik 33 13,1
Marokko 29 6,6
Zeitraum 1. Januar –30. Juni 2025
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Anzahl Verfahrensdauer (in Monaten)
Gesamt 2 521 11,3
davon
Afghanistan 1 198 12,6
Somalia 358 7,9
Guinea 228 11,3
Türkei 206 11,7
Benin 46 12,4
Syrien, Arabische Republik 44 11,0
Iran, Islamische Republik 39 11,4
Irak 38 11,7
Gambia 32 11,8
Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) 30 14,2
Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2024
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Lebensalter (in Jahren)
Gesamt 16,6
davon
Syrien, Arabische Republik 15,9
Afghanistan 17,1
Türkei 17,5
Somalia 17,1
Guinea 17,2
Tunesien 17,0
Irak 17,1
Ungeklärt 16,7
Iran, Islamische Republik 17,5
Marokko 16,3
Zeitraum 1. Januar –30. Juni 2025
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Lebensalter (in Jahren)
Gesamt 17,5
davon
Afghanistan 17,6
Somalia 17,5
Guinea 17,4
Türkei 17,8
Benin 17,1
Syrien, Arabische Republik 16,6
Iran, Islamische Republik 17,4
Irak 17,3
HKL (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) Lebensalter (in Jahren)
Gambia 17,6
Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) 17,4
6. Wie sind die Gerichtsentscheidungen (bitte so differenziert wie möglich
in absoluten und relativen Zahlen angeben und auch nach Bundesländern
differenzieren) zu afghanischen Asylsuchenden im Jahr 2024 bzw. im
bisherigen Jahr 2025 ausgefallen?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
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%
7. Wann hat es im Jahr 2024 bzw. 2025 Änderungen der
Herkunftsländerleitsätze oder anderer interner Vorgaben (Textbausteine usw.) zur Lage in
Afghanistan bzw. zur Entscheidungspraxis bei afghanischen
Asylsuchenden gegeben, und was war der jeweilige Anlass hierfür (bitte mit Datum
und wesentlichem Inhalt so konkret wie möglich auflisten)?
Im Jahr 2024 wurden Anpassungen am HKL-Leitsatz Afghanistan auf
Grundlage der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Mecklenburg-
Vorpommern vom 24. Mai 2023 (4 LB 443/18 OVG) vorgenommen zum
Themenkomplex Abschiebungsverbote gemäß § 60 Absatz 5 des Aufenthaltsgesetzes
(AufenthG).
Im Jahr 2025 erfolgte eine turnusmäßige und umfassende Aktualisierung des
Leitsatzes. Hierbei wurde auch die Entscheidung des EuGH vom 4. Oktober
2024 (C-608 und 609/22) zu afghanischen Asylantragstellerinnen
berücksichtigt.
Mit der Aktualisierung des Leitsatzes werden die Textbausteine entsprechend
aktualisiert, mit denen aktuelle Länderinformationen für Entscheiderinnen und
Entscheider zur Verfügung gestellt werden.
8. Ist es zutreffend, dass es im März 2025 eine umfassende
„Fortschreibung“ der Herkunftsländerleitsätze zu Afghanistan im BAMF gegeben
hat (siehe Vorbemerkung der Fragesteller), was waren dabei die
maßgeblichen Änderungen (bitte so konkret wie möglich ausführen), was war
der konkrete Anlass hierfür, und auf welche konkreten Informationen
bzw. Quellen hat sich das BAMF dabei maßgeblich gestützt (bitte die
Quellen so konkret wie möglich benennen, um etwaige geänderte
Lageeinschätzungen nachvollziehbar und überprüfbar zu machen)?
Die in der Antwort zu Frage 7 dargestellte umfassende Aktualisierung der
HKL-Leitsätze erfolgte im Rahmen einer turnusmäßigen Aktualisierung. Dabei
wurden neben dem Lagebericht des Auswärtigen Amts als Quellen auch Inhalte
folgender Institutionen aus 2024/2025 berücksichtigt: European Asylum
Agency (EUAA), Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM),
Staatendokumentation (österreichisches Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl), UN-
Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA), UN-Welternährungsprogramm
(WFP) und Afghanistan Analyst Network (AAN).
9. Ist es zutreffend, dass das BAMF davon ausgeht, dass sich die Lage in
Afghanistan auf schlechtem Niveau stabilisiert habe (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller), wenn nein, was ist der Fall, auf welche Quellen
genau stützt sich das BAMF bei seiner Einschätzung, und wie ist eine
solche Einschätzung gegebenenfalls damit vereinbar, dass die
Bundesregierung in ihrer Antwort zu Frage 23 auf Bundestagsdrucksache
21/492 erklärte, dass sich „die Menschenrechtslage in Afghanistan (…)
seit der faktischen Machtübernahme durch die Taliban im August 2021
kontinuierlich“ „verschlechtert“ habe und „von einer systematischen
Verletzung der Menschenrechte (…) gekennzeichnet“ sei (bitte ausführen)?
Die in der Vorbemerkung der Fragesteller genannte Aussage zur Stabilisierung
der Lage in Afghanistan bezieht sich ausschließlich auf die Entwicklung der
sozio-ökonomischen Situation. Die in der Frage zitierte Antwort der
Bundesregierung bezieht sich hingegen auf die Menschenrechtslage. Somit besteht
kein Widerspruch zu den beiden Aussagen.
10. Wie wird die gegenüber der epd geäußerte Auffassung des BAMF (thrutt
ig.wordpress.com/2025/06/17/asylquote-von-afghanen-sinkt-wer-
konnteakut-von-abschiebung-bedroht-sein-zahlen-in-deutschland-lebender-gefl
uchteter-afghaninnen/) begründet, dass besonders bei jungen, gesunden
und arbeitsfähigen Männer eine Ablehnung in Betracht komme, wenn im
Einzelfall keine besonderen Vulnerabilitäten vorliegen (ebd.) –
insbesondere auch im Vergleich zur vorherigen Entscheidungspraxis des BAMF,
als auch diese Personengruppe in der Regel noch einen Schutzstatus
erhielt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), d. h. welche konkrete
Entwicklung, welche Information, welcher Bericht usw. hat zur
diesbezüglich geänderten Auffassung des BAMF geführt (bitte nachvollziehbar
darlegen)?
Diese Einschätzung basiert auf den rechtlichen Voraussetzungen für die
Zuerkennung eines Abschiebungsverbotes i. S. v. § 60 Absatz 5 AufenthG unter
Berücksichtigung der ständigen Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG), des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR), der Oberverwaltungsgerichte und aktueller Erkenntnisse zum
Herkunftsland zum Zeitpunkt der Aktualisierung des HKL-Leitsatzes.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
11. Wie schätzt das Auswärtige Amt die derzeitige politische,
menschenrechtliche und wirtschaftliche Lage in Afghanistan ein, insbesondere
auch für Rückkehrer aus „westlichen“ Staaten, und welche
Auswirkungen hat die große Zahl von (meist erzwungenen) Rückreisen nach
Afghanistan aus Drittstaaten wie z. B. Pakistan, Iran und der Türkei, welche
Informationen liegen dem Auswärtigen Amt hierzu vor (bitte soweit
möglich in offener Beantwortung ausführen und nicht auf einen
vertraulichen Lagebericht verweisen)?
Seit der faktischen Machtübernahme im August 2021 verfolgt die De-facto-
Regierung der Taliban in Afghanistan eine theokratisch-autoritäre
Regierungsform, die auf einer nationalistischen und islamistischen Ideologie beruht. Der
Staatsapparat wird dieser Ideologie kontinuierlich angepasst. Die Verfassung
wurde ausgesetzt. Rechtsstaat und Demokratie sind faktisch abgeschafft. Die
Taliban kontrollieren faktisch das gesamte Staatsgebiet Afghanistans. Die
Bundesregierung erkennt die De-facto-Regierung nicht als rechtmäßige Regierung
des Staates Afghanistan an.
Zur spezifischen Lage von Frauen und Mädchen wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 58 der Kleinen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU auf
Bundestagsdrucksache 20/14981 verwiesen.
Die wirtschaftliche Lage in Afghanistan hat sich, nach einem signifikanten
Einbruch des Bruttoinlandsprodukts, auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dies reicht
jedoch nicht aus, um für signifikante Teile der afghanischen Bevölkerung
sozioökonomische Verbesserungen zu erreichen. Entsprechend bleibt die
humanitäre Lage in Afghanistan besorgniserregend. Es wird auf die Berichterstattung
des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer
Angelegenheiten (UN OCHA) verwiesen. Die hohe Zahl rückkehrender und
rückgeführter afghanischer Staatsangehöriger aus den Nachbarländern Afghanistans
verschärft die humanitäre Lage insbesondere in den Grenzgebieten weiter.
12. Welche konkreten Angaben oder zumindest ungefähre Einschätzungen
kann das BAMF nach Kenntnis der Bundesregierung machen zur
absoluten Zahl bzw. zum Anteil von Verfahren, in denen es zu einer Trennung
von Anhörenden und Entscheidenden allgemein bzw. konkret beim
Herkunftsland Afghanistan gekommen ist (bitte nach 2024 und 2025
differenzieren), und wie wird diese Entwicklung gegebenenfalls begründet
bzw. bewertet, auch vor dem Hintergrund der Kritik, dass dies zu
Qualitätsverlusten in der Entscheidungspraxis führen kann (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Der Bundesregierung liegen keine Daten im Sinne der Fragestellung vor.
Der Wechsel der Bearbeitungszuständigkeit nach erfolgter Anhörung und vor
Erlass des Bescheides kann vielfältige Gründe haben, wie beispielsweise das
Ausscheiden von Mitarbeitenden oder/und die längere Abwesenheit von
einzelnen Mitarbeitenden.
Die im BAMF für alle Entscheider einheitlich geltende Weisungslage
gewährleistet eine einheitliche Rechtsanwendung anhand der Beurteilung der Situation
und Verhältnisse im jeweiligen Herkunftsland. Hinzu kommt, dass die
dezentrale Qualitätssicherung Sorge dafür trägt, dass die getroffenen Entscheidungen
im Einklang mit dieser Weisungslage stehen.
13. Was entgegnet das BAMF nach Kenntnis der Bundesregierung der auf
einer Fachtagung geäußerten Kritik einer spezialisierten Rechtsanwältin
(siehe Vorbemerkung der Fragesteller), dass Asylablehnungen des
BAMF zu afghanischen Geflüchteten häufig inhaltlich konträr zu den
„briefing notes“ des BAMF stünden?
Die genannten Briefing Notes bieten einen Kurzüberblick zu wichtigen asyl-
und migrationsrelevanten Entwicklungen in den Herkunftsländern und bilden
somit aktuelle Ereignisse ab. Bei der Erstellung von HKL-Leitsätzen werden
zahlreiche weitere Quellen und Berichte berücksichtigt, die relevante
Verhältnisse über aktuelle Entwicklungen hinaus abbilden.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
14. Was entgegnet das BAMF nach Kenntnis der Bundesregierung der auf
einer Fachtagung geäußerten Kritik einer spezialisierten Rechtsanwältin
(siehe Vorbemerkung der Fragesteller), dass junge afghanische
Asylsuchende oftmals auf die Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit oder auf die
Unterstützung durch soziale oder familiäre Netzwerke in Afghanistan
verwiesen würden, ohne dass im konkreten Fall überprüft worden wäre,
ob solche Möglichkeiten real bestehen?
Die Bunderegierung kann zu Einzelfällen keine Aussage treffen.
Generell gilt: Die Möglichkeit der Erlangung des Existenzminimums in
Afghanistan ist im Rahmen der Prüfung des Abschiebungsverbotes des § 60 Absatz 5
AufenthG einzelfallbezogen unter Berücksichtigung aller maßgeblichen
Umstände zu prüfen.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
15. Was entgegnet das BAMF nach Kenntnis der Bundesregierung der auf
einer Fachtagung geäußerten Kritik einer spezialisierten Rechtsanwältin
(siehe Vorbemerkung der Fragesteller), dass es zum Teil erhebliche
Übersetzungsprobleme bei Anhörungen afghanischer Asylsuchender
gebe, dass zum Teil entscheidungsrelevante Dokumente nicht übersetzt und
bzw. oder nicht zur Akte genommen würden und bzw. oder sie bei
Entscheidungen nicht berücksichtigt würden, obwohl sie Bestandteil der
Akte sind?
Zu den fachlichen hohen Anforderungen, die die im Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge eingesetzten Sprachmittelnden erfüllen müssen, wird auf die
Antworten der Bundesregierung zu den Fragen 6 bis 8 der Kleinen Anfrage der
Gruppe Die Linke auf Bundestagsdrucksache 20/14207 verwiesen.
Im BAMF trägt sowohl die geltende Weisungslage als auch die dezentrale
Qualitätssicherung Sorge dafür, dass alle entscheidungsrelevanten Unterlagen zur
Akte genommen, im erforderlichen Umfang übersetzt und bei der Entscheidung
berücksichtigt werden.
16. Welche Qualitätskontrollen hat es zu Entscheidungen zum Herkunftsland
Afghanistan innerhalb des BAMF im bisherigen Jahr 2025 gegeben,
insbesondere auch nach den im März 2025 geänderten
Herkunftsländerleitsätzen (bitte gegebenenfalls mit Datum und so differenziert wie möglich
auflisten), was waren die jeweiligen Ergebnisse, und welche
Schlussfolgerungen und Konsequenzen wurden hieraus gegebenenfalls gezogen
(bitte so genau wie möglich ausführen)?
Die Qualitätssicherung von Asylverfahren im BAMF setzt sich aus
verschiedenen Bausteinen zusammen. Zur Sicherstellung gleichbleibender
Qualitätsstandards wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der neben der dezentralen
Qualitätssicherung auch die zentrale Qualitätssicherung umfasst.
Die dezentrale Qualitätssicherung erfolgt in den operativen
Organisationseinheiten des BAMF. Diese sieht Prüfungen während des gesamten
Asylverfahrens auf Basis des Vier-Augen-Prinzips vor. Sie erfolgt verfahrensbegleitend.
Zusätzlich zu der dezentralen Qualitätssicherung werden nach dem
Zufallsprinzip ausgewählte Verfahren einer nochmaligen Qualitätskontrolle durch das
zentrale Qualitätssicherungsreferat unterzogen.
Im Jahr 2025 wurden bereits mehrere dieser sogenannten
Stichprobenprüfungen durchgeführt. In den zufällig ausgewählten Asylverfahren waren auch
solche von Antragstellenden aus dem Herkunftsland Afghanistan dabei. Da es sich
hierbei um punktuelle Einzelfallprüfungen handelt, können keine Auskünfte
erteilt werden.
Ergänzend zu den vorgenannten Maßnahmen finden weitere
verfahrensbegleitende Instrumente, wie beispielsweise der Bericht zur halbjährlichen
Betrachtung der Entscheidungspraxis des BAMF, Anwendung.
17. Inwiefern sieht die Bundesregierung die Gefahr, dass es zu einer
Überlastung der Verwaltungsgerichte und entsprechend längeren
Asylgerichtsverfahren infolge vieler und zum Teil womöglich fehlerhafter
Ablehnungsentscheidungen des BAMF zum Herkunftsland Afghanistan
kommen könnte (bitte begründen), und welche Gegenmaßnahmen plant
die Bundesregierung gegebenenfalls (bitte darlegen)?
Die Bundesregierung teilt die Befürchtung der Fragesteller nicht. Das BAMF
überprüft im Rahmen der aktiven Prozessführung regelmäßig ergangene
Bescheide in gerichtlichen Verfahren und ändert bei Vorliegen der
Voraussetzungen der jeweiligen Schutzform den Ausgangsbescheid entsprechend ab. Das
BAMF trifft, wenn diese angezeigt sind, auch Abhilfeentscheidungen.
18. Entsprechen die nachfolgenden, von einer Rechtsanwältin auf einer
Fachtagung genannten und ihrer Einschätzung nach regelmäßig (z. B. in
gleichlautenden Textbausteinen) vorkommenden
Ablehnungsbegründungen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller) den internen
Herkunftsländerleitsätzen bzw. Entscheidungsvorgaben des BAMF (wenn ja, bitte
begründen, wenn nein, was ist der Fall), zu welchen Punkten liegen
gegebenenfalls entsprechende Textbausteine innerhalb des BAMF vor, und
wie bewertet die Bundesregierung die nachfolgend genannten
Ablehnungsmuster gegebenenfalls (bitte jeweils nach Buchstaben differenziert
antworten)?
a) Wenn Betroffene erst vor Kurzem aus Afghanistan geflohen seien,
sei dies ein Indiz dafür, dass sie dort auch nach einer Rückkehr
wieder überleben könnten?
b) Wenn Betroffene nach einer Festnahme durch die Taliban wieder
freigelassen worden seien, sei dies ein Indiz dafür, dass die
Verfolgungsgefahr durch die Taliban nicht so groß sein könne?
c) Wenn Betroffene legal aus Afghanistan ausreisen konnten, sei dies
ein Indiz dafür, dass keine Verfolgung vorliegen könne?
d) Wenn Betroffenen die gefährliche Flucht nach Deutschland gelungen
sei, spreche dies für eine gewisse „Robustheit“, d. h. dass sie
psychisch und physisch belastbar seien, sodass ihnen eine Rückkehr
nach Afghanistan zumutbar sei?
e) Wenn die vierte Klasse der Grundschule absolviert worden sei,
spreche dies dafür, dass die Betroffenen im Vergleich zu anderen (etwa
Analphabeten) bessere Chancen hätten, einen Gelegenheitsjob zum
Überleben in Afghanistan zu erhalten?
Die Fragen 18 bis 18e werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Ablehnung von Asylanträgen
auf Grundlage einer individuellen Prüfung des Sachvortrages sowie der
Tatbestandvoraussetzungen der jeweiligen Schutznormen vorgenommen wird. Sie
beschränkt sich entgegen der in Fragestellung vorgenommenen Unterstellung
nicht auf die Nutzung von „Textbausteinen“ und „Ablehnungsmustern“.
19. Wie war zuletzt die Zahl der ausreisepflichtigen bzw. geduldeten
Personen aus Afghanistan in Deutschland (bitte auch nach Geschlecht,
Altersgruppen und Bundesländern differenzieren), und wie hat sich diese Zahl
in den Jahren 2024 und 2025 entwickelt (bitte nach Quartalen
differenzieren)?
Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.
ausreisepflichtige afg. Personen Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
divers 1 0 0 0 0 0
männlich 12 150 11 053 9 848 9 548 9 850 9 709
unbekannt 16 10 7 8 8 9
weiblich 1 466 1 427 1 262 1 292 1 400 1 454
Summe 13 633 12 490 11 117 10 848 11 258 11 172
ausreisepflichtige afg. Personen Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
0–17 Jahre 2 432 2 095 1 649 1 574 1 503 1 463
18 und älter 11 188 10 385 9 462 9 271 9 749 9 706
unbekannt 13 10 6 3 6 3
Summe 13 633 12 490 11 117 10 848 11 258 11 172
ausreisepflichtige afg. Personen Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
Baden-Württemberg 1 815 1 614 1 466 1 389 1 392 1 392
Bayern 2 141 2 122 1 883 1 872 1 892 1 788
Berlin 423 393 366 339 332 331
Brandenburg 367 376 361 376 412 422
Bremen 58 50 56 52 54 61
Hamburg 1 019 787 643 865 1 188 1 108
Hessen 1 774 1 656 1 351 1 327 1 304 1 401
Mecklenburg-Vorpommern 212 197 203 180 172 196
Niedersachsen 649 585 485 478 526 538
Nordrhein-Westfalen 2 084 1 970 1 787 1 564 1 555 1 529
Rheinland-Pfalz 785 665 631 611 612 583
Saarland 59 60 58 52 47 44
Sachsen 697 610 551 480 425 404
Sachsen-Anhalt 298 263 197 182 184 173
Schleswig-Holstein 849 810 781 776 838 869
Thüringen 403 332 298 305 325 333
Summe 13 633 12 490 11 117 10 848 11 258 11 172
afg. Personen mit Duldung Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
divers 1 0 0 0 0 0
männlich 10 617 9 675 8 706 8 235 8 316 8 304
unbekannt 13 7 4 5 5 6
weiblich 1 190 1 183 1 052 1 054 1 083 1 152
Summe 11 821 10 865 9 762 9 294 9 404 9 462
afg. Personen mit Duldung Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
0–17 Jahre 2 202 1 894 1 492 1 413 1 296 1 264
18 und älter 9 607 8 962 8 265 7 879 8 106 8 198
unbekannt 12 9 5 2 2 0
Summe 11 821 10 865 9 762 9 294 9 404 9 462
afg. Personen mit Duldung Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
Baden-Württemberg 1 697 1 510 1 379 1 313 1 327 1 322
Bayern 1 709 1 740 1 569 1 510 1 555 1 476
Berlin 279 242 263 260 272 280
Brandenburg 314 332 321 335 368 369
Bremen 45 39 47 42 42 48
Hamburg 838 650 527 528 555 564
Hessen 1 614 1 489 1 224 1 189 1 162 1 257
Mecklenburg-Vorpommern 179 169 168 158 150 166
Niedersachsen 544 496 432 426 467 488
Nordrhein-Westfalen 1 912 1 799 1 650 1 439 1 409 1 374
Rheinland-Pfalz 673 567 522 516 517 504
Saarland 55 56 54 46 42 42
Sachsen 598 528 471 402 348 337
Sachsen-Anhalt 236 211 154 142 140 136
Schleswig-Holstein 764 741 699 702 747 789
afg. Personen mit Duldung Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025
Thüringen 364 296 282 286 303 310
Summe 11 821 10 865 9 762 9 294 9 404 9 462
20. Wie ist der Stand der Bemühungen des Bundesministers des Innern,
Alexander Dobrindt, um seine Vorstellung umzusetzen, „dass wir direkt
mit Afghanistan Vereinbarungen treffen, um Rückführungen zu
ermöglichen“ (www.migazin.de/2025/07/03/abschiebe-pakt-taliban-keine-erkun
dungsreisen-syrer/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_so
urce_platform=mailpoet&utm_campaign=migletter-free_2042; bitte so
konkret wie möglich darstellen), und entspricht dieser Ansatz der
Position des Auswärtigen Amts und der Bundesregierung insgesamt, wenn ja,
was entgegnet die Bundesregierung dem Vorhalt, dass direkte Gespräche
mit Afghanistan das Taliban-Regime international aufwerten könnten
(bitte begründen), und wenn nein, welche Konsequenzen hat dies für die
Abschiebungspläne von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (bitte
ausführen)?
Die Rückführungsmaßnahme nach Afghanistan vom 18. Juli 2025 konnte in
enger Zusammenarbeit mit Katar, das hier als Vermittler gewirkt hat,
erfolgreich durchgeführt werden.
Wie bekannt steht die Bundesregierung zudem auf technischer Ebene mit
Vertretern der De-facto-Regierung in Afghanistan regelmäßig in Kontakt. Zu
einzelnen Gesprächsinhalten nimmt die Bundesregierung aus Gründen der
Vertraulichkeit keine Stellung.
Eine Anerkennung der De-facto-Regierung als rechtmäßige Regierung
Afghanistans erfolgt weiterhin nicht.
21. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung bei der Frage von
Abschiebungen nach Afghanistan die Erklärung des Vertreters des UN-
Flüchtlingskommissariats UNHCR, Arafat Jamal: „Wir fordern Länder
dringend auf, Afghanen nicht zwangsweise zurückzuschicken“ (www.mi
gazin.de/2025/07/06/abschiebungen-bundesregierung-umgang-taliban-re
gime/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_source_platfor
m=mailpoet&utm_campaign=migletter-free_2042), und welche
Konsequenzen werden hieraus gezogen (bitte darstellen)?
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Vollzug des Aufenthaltsrechts und
damit insbesondere die Durchführung von Abschiebungen nach der föderalen
Kompetenzordnung in die Zuständigkeit der Länder fällt. Der Bund unterstützt
die Länder hierbei.
Soweit es aber um die rechtlichen Voraussetzungen für den Vollzug von
Abschiebungen geht, prüft das zuständige BAMF stets im Einzelfall anhand des
vorgetragenen Sachverhalts, ob die rechtlichen und tatsächlichen
Voraussetzungen für die Gewährung von Asyl, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft,
die Gewährung des subsidiären Schutzes oder die Feststellung eines
Abschiebungsverbots vorliegen. Hierfür werden sämtliche Erkenntnisse zur
schutzsuchenden Person sowie zum jeweiligen Herkunftsland herangezogen und
gewürdigt. Sollte eine dieser Konstellationen vorliegen, wird eine Person nicht in ihr
Herkunftsland zurückgeführt. Rückführungen betreffen somit ausschließlich
Personen, die keines Schutzes bedürfen und denen bei einer Rückführung
keine, ein Abschiebungsverbot auslösende, Gefahr droht.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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