Rüstungsindustrie in Ostdeutschland
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Rüstungsindustrie in Ostdeutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7217
21. Wahlperiode 20.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Jan Köstering, Clara Bünger, Ates Gürpinar,
Gregor Gysi, Ina Latendorf, Donata Vogtschmidt und der Fraktion Die Linke
Rüstungsindustrie in Ostdeutschland
Auf der Sondersitzung der Ministerpräsidentin und Ministerpräsidenten der
ostdeutschen Bundesländer am 11. Juni 2026 wurde beschlossen, dass
Ostdeutschland besonders für Drohnenerprobungszentren geeignet sei. Festgestellt wird,
dass „Drohnen […] neue zivile und militärische Möglichkeiten“ eröffnen (vgl.
Tagesordnungspunkt [TOP] 4 „Drohnen – ostdeutsche Erprobungszentren). In
einem weiteren Beschluss zu TOP 6 „Sicherheit und Verteidigung“ wird die im
NATO-Bündnis besondere „geographische Lage“ Ostdeutschlands als
„logistische Drehscheibe für Truppenbewegungen und Materialverlegungen“
festgehalten. Zudem werden dort die „herausragende Bedeutung der Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie als strategischen Wachstums- und Innovationsfaktor für
die regionale Wirtschaft und den Industriestandort Ostdeutschlands“ sowie die
Möglichkeiten bekräftigt, durch die Erschließung neuer Absatzmärkte
Arbeitsplätze in Ostdeutschland zu sichern. Ebenso wird die „strategische Bedeutung“
von Dual-Use-Technologien hervorgehoben und eine „generelle
Beschleunigung der Exportverfahren für Dual-Use-Produkte“ als notwendig beschrieben,
„um internationale Marktzugänge zu erleichtern und Wettbewerbsnachteile
abzubauen.“
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung grundsätzlich das Risiko durch Dual-
Use-Technologien, besonders, wenn beim vorgesehenen „doppelten
Verwendungszweck“ die militärische Komponente bereits in der
Herstellungsphase intendiert ist?
2. Folgt die Bundesregierung der Einschätzung, dass Dual-Use-Güter eine
strategische Bedeutung haben und deren Exportgenehmigungen
beschleunigt werden müssen, um internationale Marktzugänge zu erleichtern?
3. Plant die Bundesregierung die generelle Beschleunigung von
Exportverfahren von Dual-Use-Technologien?
4. Priorisiert die Bundesregierung Infrastrukturvorhaben in Ostdeutschland
aufgrund deren militärischer Bedeutung für Truppenbewegungen und
Materialverlegungen?
a) Wenn ja, welche Projekte wurden priorisiert?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
5. Konnten aufgrund einer möglichen Priorisierung von militärisch
notwendigen Infrastrukturprojekten andere Projekte ohne eine militärische
Bedeutung nicht umgesetzt werden?
Wenn ja, welche Projekte sind das?
6. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass sich Ostdeutschland
aufgrund der vorhandenen Infrastruktur für Drohnenerprobungszentren
besonders eignet, und wie begründet sie ihre Einschätzung?
7. Sieht die Bundesregierung besonderen Investitionsbedarf in den
ostdeutschen Bundesländern zum Schutz des Luftverkehrs in der Nähe von
Drohnenerprobungszentren?
a) Wenn ja, plant sie, sich an diesen Investitionen zu beteiligen (bitte
nach Bundesländern angeben)?
b) Wenn nein, wie begründet sie diese Einschätzung?
8. Wie viele Drohnenunfälle gab es in den letzten zwölf Monaten im
Luftraum der ostdeutschen Bundesländer (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
9. Wie hoch ist der entstandene Schaden an öffentlicher Infrastruktur durch
Drohnenunfälle (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
10. Welche Exportkontrollen sind bislang für den Bereich von bewaffneten
oder potenziell waffenfähigen Drohnen vorgesehen?
11. In welchem Umfang wird die Kontrolle des Drohnenbaus vorgesehen, und
welche Institutionen geben die Drohnenprojekte mit Blick auf Dual-Use-
Aspekte frei?
12. Stimmt die Bundesregierung der Einschätzung zu, dass die
Rüstungsindustrie ein strategischer Wachstums- und Innovationsfaktor für die
regionale Wirtschaft und den Industriestandort Ostdeutschlands ist?
a) Wenn ja, wie und in welcher Höhe unterstützt die Bundesregierung
diesen Sektor (bitte, wenn möglich, die einzelnen Projekte angeben)?
b) Wenn nein, welche Kriterien gelten dafür ansonsten?
13. Wie hoch war die Förderung von Rüstungsindustrieprojekten in den
Jahren von 2022 bis 2025 in der Bundesrepublik Deutschland (bitte nach
Projekten aufschlüsseln und die jeweilige Förderhöhe angeben)?
14. Sind aufgrund der Förderung von einzelnen Rüstungsindustrieprojekten
andere Industrieprojekte in den Jahren 2022 bis 2025 nicht gefördert
worden (bitte, wenn möglich, die einzelnen Projekte angeben)?
15. Inwieweit hat die Bundesregierung das Vorhaben aus dem
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD umgesetzt, der Bundesagentur für
Sprunginnovationen zu ermöglichen, auch im Bereich der Rüstung tätig
zu werden?
16. Wie viele Vorschläge mit Bezug zur Rüstungsindustrie wurden in dieser
Legislaturperiode bereits eingereicht (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln, aus denen die Anträge gestellt wurden)?
17. Wie viele Projekte mit Bezug zur Rüstungsindustrie wurden bzw. werden
in dieser Legislaturperiode gefördert (bitte nach Bundesländern angeben,
aus denen die Anträge gestellt wurden)?
18. Wie bewertet die Bundesregierung die Risiken für eine friedliche
Koexistenz der Völker, wenn sich die Absatzmärkte für Rüstungsindustrien
erweitern?
19. Wie bewertet die Bundesregierung grundsätzlich die ökonomischen
Chancen für Ostdeutschland durch die Rüstungsindustrie?
20. Wie bewertet die Bundesregierung grundsätzlich die ökonomischen und
militärischen Risiken für Ostdeutschland durch mehr Rüstungsindustrie?
21. Welche konkreten Beschäftigungseffekte erwartet die Bundesregierung
durch die Entwicklung der Rüstungsindustrie in Ostdeutschland?
22. Welche volkswirtschaftlichen Effekte erwartet die Bundesregierung durch
die Entwicklung der Rüstungsindustrie in Ostdeutschland (bitte
quantifizieren)?
23. Wie viele Rüstungsaufträge, die durch das Sondervermögen für die
Bundeswehr (Artikel 87a des Grundgesetzes) finanziert werden, sind an
Betriebe und Unternehmen mit Sitz in Ostdeutschland gegangen (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
24. Wie viele Rüstungsaufträge für die Bundeswehr sind seit Antritt der
schwarz-roten Bundesregierung im Jahr 2025 an Betriebe und
Unternehmen in Ostdeutschland gegangen (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
25. In welchem Umfang war der Nationale Sicherheitsrat in die Beratungen
und die Beschlussfindung der Ministerpräsidenten eingebunden?
26. Wie bewertet der Nationale Sicherheitsrat die Forderungen und
Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz, bzw. würde der Nationale
Sicherheitsrat die Ambitionen der Länderchefs mit Auflagen versehen?
a) Wenn ja, mit welchen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 16. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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