Verordnungsfähige Off-Label-Medikamente gegen ME/CFS
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Verordnungsfähige Off-Label-Medikamente gegen ME/CFS
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8261
21. Wahlperiode 29.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stella Merendino, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel,
Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin
Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada
Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollathund der Fraktion Die Linke
Verordnungsfähige Off-Label-Medikamente gegen ME/CFS
In Deutschland sind aktuell schätzungsweise 650.000 Menschen an ME/CFS
erkrankt. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten erkrankte in Folge einer
COVID‑19-Infektion. Die Folgeerkrankung ist daher auch bekannt unter Long/
Post-COVID (www.mecfs.de/daten-fakten/).
Trotz der hohen Anzahl an erkrankten Personen in Deutschland, hinkt die
Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten deutlich hinterher. Ein Medikament
oder eine Therapie zur speziellen Behandlung von ME/CFS gibt es bisher nicht
(https://me-cfs-forschung.de/thema/behandlungen).
Zur Bekämpfung der Symptome greifen behandelnde Ärztinnen und Ärzte
sowie Betroffene daher auf Medikamente im Off-Label-Use zurück. Die
Deutsche Gesellschaft für ME/CFS in Kooperation mit dem Charité Fatigue
Centrum als führendes Forschungszentrum für ME/CFS haben dafür eine
umfangreiche Liste mit empfohlenen Medikamenten veröffentlicht (https://praxisleitfa
den.mecfs.de/mecfs). Die genannten Medikamente sind durch den Off-Label-
Use zur Behandlung von ME/CFS allerdings nicht verordnungsfähig, wodurch
die Kosten für den Einsatz nicht von den Krankenkassen übernommen werden
und von den Erkrankten selbst getragen werden müssen.
Im April 2026 wurden vier Medikamente durch den Gemeinsamen
Bundesausschuss (G‑BA) zur Behandlung von Long/Post-COVID durch Off-Label-Use
zugelassen (Long/Post-COVID: Vier Wirkstoffe werden im Off-Label-Use
verordnungsfähig – Gemeinsamer Bundesausschuss). Der Bundesverband
ME/CFS Fatigatio e. V. als Patientenorganisation äußerte deutliche Kritik an
der veröffentlichten Liste (www.fatigatio.de/aktuelles/detail/
zusammenfassungder-stellungnahme-des-fatigatio-e-v-zur-off-label-liste-des-bfarm). Der G‑BA
unterscheidet ohne nachvollziehbare Begründung zwischen Long-/Post-COVID
und ME/CFS, sodass Patientinnen und Patienten, die bereits vor der
COVID‑19-Pandemie infolge anderer Erreger an ME/CFS erkrankt sind,
weitgehend von einer Behandlung ausgeschlossen werden, da lediglich eines der
vier Medikamente auch für ME/CFS vorgesehen ist. Da die Fragestellenden
diese Unterscheidung zwischen Long-/Post-COVID und ME/CFS in diesem
Kontext ablehnen, wird in dieser Kleinen Anfrage von ME/CFS gesprochen,
welches Long-/Post-COVID einbezieht. Medikamente wie Naltrexon, die sich
bereits im Off-Label-Use bewährt haben und deren Wirksamkeit in klinischen
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Studien oder Fallberichten belegt ist, werden vom G‑BA nicht berücksichtigt
(https://praxisleitfaden.mecfs.de/mecfs). Dafür sind unter den vier
Medikamenten die zwei Antidepressiva Agomelatin und Vortioxetin zu finden, die im
Gegensatz zu anderen Off-Label-Use Medikamenten weniger häufig angewandt
wurden ().
Die veröffentlichte Liste wird damit auch nach Ansicht der Fragestellenden den
Bedürfnissen von Erkrankten nicht gerecht. Des Weiteren kritisieren
Betroffene, dass die Wichtung von Antidepressiva in der Verordnungsfähigkeit Stigma
befördern, da Symptome so verstärkt als psychisch eingeordnet werden
könnten und die Schwere der körperlichen Erkrankung in diesem Kontext nicht
ausreichend Beachtung findet (www.mecfs.de/studie-zur-stigmatisierung-von-men
schen-mit-me-cfs/).
Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten verweisen bei dieser
Gelegenheit oft auf Österreich, wo es eine offiziell von der MedUni Wien und den
Krankenkassen anerkannte Off-Label-Liste gibt (www.meduniwien.ac.at/web/f
ileadmin/content/auftritte/referenzzentrum_postvirale_syndrome/pdf-Dateien/P
AIS_MECFS_Medikas_IND_off-label_Version_21.02.2025.pdf). Die Kosten
der Behandlung mit den 22 dort gelisteten Medikamenten werden von den
Krankenkassen übernommen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Mit welchem konkreten Ziel wurde die Expertengruppe „Long COVID
Off-Label Use“ einberufen?
2. Ist der Bundesregierung bekannt, ob im Rahmen der Arbeit der
Expertengruppe sowie ihrer Entscheidungsfindung Patientinnen und Patienten-
Organisationen einbezogen wurden?
Wenn ja, welche?
3. Inwieweit wurde die Liste der empfohlenen Medikamente des Charité
Fatigue Centrum bei der Empfehlung berücksichtigt?
4. Wurden die Forschungsstände und Zulassungen anderer EU-Staaten (z. B.
Österreich) im Bereich Off-Label-Use von Medikamenten zur Behandlung
von Long/ Post COVID berücksichtigt?
5. Aus welchem Grund wurde die Arbeit der Expertengruppe auf Long
COVID Medikamente beschränkt und die Erarbeitung von Leitgaben für
ME/CFS außen vorgelassen?
6. Inwieweit wurden die Erfahrungen von Patientinnen und
Patientenorganisationen wie dem Bundesverband ME/CFS Fatigatio e. V. bei der
Entscheidung des G‑BA berücksichtigt?
7. Inwieweit wurde die Liste der empfohlenen Medikamente des Charité
Fatigue Centrum bei der Entscheidung des G-BA berücksichtigt?
8. Wurden die Forschungsstände und Zulassungen anderer Länder (z. B.
Österreich) im Bereich Off-Label-Use von Medikamenten zur Behandlung
von ME/CFS bei der Zulassung der Medikamente durch den G‑BA
berücksichtigt?
9. Warum hat sich der G-BA auf die empfohlenen vier Medikamente
geeinigt?
10. Aus welchem Grund wurden weitere Medikamente, wie beispielsweise
Pyridostigmin, LDA (Low Dose Aripiprazol), LDN (Low Dose
Naltrexon) oder neuromodulatorische Medikamente wie Dexamfetamin nicht in
die Liste der erstattungsfähigen Medikamente aufgenommen, obwohl sie
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von vielen Betroffenen als wirkungsvoll beschrieben, von der Deutschen
Gesellschaft für ME/CFS der Charité empfohlen werden und sie in
anderen EU-Staaten bereits zugelassen sind?
11. Welche Anstrengungen werden aktuell seitens des G‑BA unternommen,
um die Liste an verordnungsfähigen Medikamenten für den Off-Label-
Use zur Behandlung von ME/CFS auszuweiten?
12. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass es sich bei ME/CFS um
eine schwere körperliche Krankheit handelt?
Wenn ja, warum werden nicht weitere Medikamente zugelassen, die
besonders somatische Leit- und Kernsymptome adressieren?
13. Welche Initiativen plant die Bundesregierung, um der Stigmatisierung von
ME/CFS als rein psychische Erkrankung entgegenzuwirken?
14. Wie möchte die Bundesregierung von ME/CFS Betroffene und ihre
Angehörigen über die weitere Zulassung von Medikamenten hinaus
unterstützen und entlasten?
Berlin, den 15. September 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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