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Rede von Dr. Karl Addicks (FDP) – Drucksachen 16/3019, 16/3835

dip / rede 14.12.2006 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 11: Drucksachen 16/3019, 16/3835 –.

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Rede von Dr. Karl Addicks (FDP) – Drucksachen 16/3019, 16/3835 Danke. – Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Da wir alle das Ziel verfolgen, den Hunger wirksam zu bekämpfen und die ländliche Entwicklung zu fördern, hätten wir wirklich einen interfraktionellen Antrag formulieren können.Leider haben wir heute nicht über die Überschrift abzustimmen – wenn es so wäre, könnten Sie unserer Zustimmung sicher sein. Es ist vieles richtig, was die Grünen in ihrem Antrag schreiben und fordern. Doch leider ist es nicht so viel, dass wir einfach so zustimmen könnten; ich habe das gestern im Ausschuss begründet und ich will gleich noch ein bisschen dazu sagen. Es ist richtig: Es ist ein Riesenskandal, dass es auf diesem Planeten immer noch Menschen gibt, die hungern müssen, dass Kinder wegen Nahrungsmangels krank werden und sterben. Dieser Nahrungsmangel besteht nicht nur in qualitativer Hinsicht, er besteht ebenso in quantitativer Hinsicht. Nach den Berichten der Weltgesundheitsorganisation haben 852 Millionen Menschen auf diesem Planeten nicht genügend Nahrung und diese Zahl steigt sogar noch – und das, obwohl die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit weltweit erhöht werden. Offensichtlich geht die Gleichung „Mehr Geld gleich mehr Hilfe gleich weniger Hunger“ nicht auf. Gibt es etwas, was wir in der Entwicklungszusammenarbeit nicht richtig machen? Was können wir besser machen? Diese Fragen müssen immer wieder gestellt werden. Damit komme ich zu den Punkten im Antrag der Grünen, die absolut nicht unsere Zustimmung finden können. Die Beseitigung des Hungers ist und bleibt eine der größten Herausforderungen; da sind wir völlig einer Meinung. Doch die Frage lautet: Warum hungern die Menschen ausgerechnet in den ländlichen Gebieten, woher die Nahrung doch kommt? Hat das vielleicht etwas mit der Verteilung des Agrarlandes zu tun? Ja, sicher. Aber das ist es nicht allein; es sind auch Krieg, Krankheit und Korruption. Kollege Raabe hat gerade schon viele andere Gründe genannt; ich will das nicht noch einmal aufzählen. Jedenfalls gibt es dafür viele Ursachen. Deshalb nutzen isolierte Nahrungsmittelprogramme allenfalls punktuell. Natürlich helfen wir in akuten Notlagen, etwa bei Hungerkrisen. Aber auf die Dauer nutzen nur Maßnahmen, die die Entwicklungsländer auf den Weg von Freiheit, Demokratie, Marktwirtschaft und Pluralismus bringen. So lassen sich die Ursachen des Hungers bekämpfen. Das sind die Maßnahmen, die wir in erster Linie fördern und fordern müssen. Es ist nicht so, dass wir das nicht schon täten. Aber wir können diese Maßnahmen besser bündeln, besser synchronisieren und effizienter gestalten. Wir sind da an einigen Punkten anderer Auffassung als die Grünen, übrigens gemeinsam mit der Bundesregierung. Wer Afrika kennt, der weiß, dass dieses Land – zumindest in den tropischen und subtropischen Zonen – auch 2 Milliarden Menschen ernähren könnte. Gehen Sie hin und stecken Sie eine Banane in die Erde – stecken Sie irgendetwas in die Erde! –, und Sie werden ohne viel Dazutun in kürzester Zeit die Ernte einfahren. Allerdings fruchten diese Maßnahmen nur, wenn sie ineinander greifen, wenn sie miteinander verzahnt sind – sonst bleibt alles Stückwerk. Deshalb sollten wir in der(C) Dr. Karl AddicksEZ nicht den großen Wurf versuchen, sondern den Ländern ganz kontinuierlich bei der Entwicklung helfen, sprich: den Beginn der Wertschöpfungsketten stärken. Da liegen Sie mit Ihrer Forderung, die ländliche Entwicklung und die Landwirtschaft zu fördern, sehr richtig. Aber das ist es nicht allein. Wichtig sind auch Kleinhandel, Handwerk, Kleingewerbe und viele andere kleine Dinge. Wir haben bei unseren Besuchen in Namibia und in anderen afrikanischen Ländern gesehen, wie es funktioniert, Leute zum Beispiel mit Mikrokrediten in die Selbstständigkeit zu bringen, wie Arbeitsplätze geschaffen werden und Menschen dadurch letztlich von Hilfe unabhängig gemacht werden. Das ist die beste Entwicklungszusammenarbeit, das ist die Entwicklungszusammenarbeit aus einem Guss, die wir brauchen. (Beifall bei der FDP – Jürgen Trittin [BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN]: Bananen in die Erde stecken? Sie wollen die Menschen ernähren, indem Sie Bananen in die Erde stecken?) – Auch eine Form der Landwirtschaft; es gibt viele Formen. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Eine interessante Form der Landwirtschaft! Wissen Sie, wie man Bananen anbaut? – Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/ CSU]: Der Trittin pflückt Erdbeeren mit der Leiter!) Aber ich will darauf jetzt nicht näher eingehen. Haben Sie schon einmal längere Zeit in Afrika gelebt, Herr Trittin? (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Ich weiß, wie Bananen angebaut werden!) Ich war jahrelang da, ich weiß genau, wovon ich rede. Kommen Sie mir bitte nicht mit solch trivialen Zwischenrufen! (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh!) Die Forderung der Grünen, mit westlichem Bürokratismus die Dinge zu regulieren, mit Labels und Standards, das passt überhaupt nicht; so etwas können wir irgendwann später einführen. Das brauchen die Entwicklungsländer jetzt nicht. Sie brauchen eine Liberalisierung, einen Abbau von Handelshemmnissen und Zöllen; Herr Raabe hat das gerade schon gesagt. (Zuruf des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]) – Herr Trittin, also bitte! – Nur so erreicht man die Wertschöpfung in den Entwicklungsländern, die – – (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Sie reden sich in einen Zustand, wo Sie am Ende ohne Kopf und Kragen dastehen!)– Herr Präsident, jetzt müssen Sie aber langsam unterbrechen. Verabschieden Sie sich bitte von den Dogmen, auch vom Dogma der Ablehnung der Grünen Gentechnik. Das ist nicht das Teufelszeug, als das Sie es immer brandmarken. Die Grüne Gentechnik bringt auch sehr segensreiche Dinge mit sich – das haben übrigens auch Leute von Greenpeace erkannt –, sie eröffnet durchaus Chancen und beinhaltet nicht nur hypothetische Risiken. Herr Hoppe, auch Düngemittel können für die Landwirtschaft in der Dritten Welt eine sehr große Bedeutung haben. Man sollte das nicht einfach ablehnen. Die Pflanzen brauchen nun einmal bestimmte Mineralien; fehlende Mineralien begrenzen ihr Wachstum. Lassen Sie die Dogmen hinter sich! Dann kommen wir zu gemeinsamen zustimmungsfähigen Anträgen. Vielen Dank.

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